»en tnS Bereich des Möglichen «chör, daß nnmli» W'uß unter die — Apachen nenanaen sein könnte, muß ^« lebr fraglich gelten, — Glauß hat sich also wohl der polizeilichen Kontrolle in Paris, von der vor einigen Tagen berichtet wurde, zu entziehen verstanden.
Selbstmord eines Oberlehrers vor der Hochzeit. Selbstmord verübte in Stolvmliiide der Wahrige Gym- nastalobcrlehrer Dr. Konrad Heym aus Görlitz. Er war »u den Fetertagen mit seiner Braut in Stolpmlindc cin- aetro en um bei seinen znkünstigen Schwiegereltern einen Besuch abzustatten. Als Dr. Heym zn einer mit feiuer Braut uud dere« Eltern verabredeten Zusammen- hnift iiicBt erschien, stellte man 9tachforschungen in dem Hotel au, wo er abgestiegen war. Nach gewaltsamer èeffuung Les verschlossenen Zimmers fano man auf Lem Tisch einen mit Bleistift geschriebenen Zettel auf Lem er seinen letzten Willen kundgegeben hafte und zugleich durch die beigefügte Bemerkung: „Ich gehe ins SSasser, meine Braut kanu ich nicht glücklich machen , den Weg bezeichnete, auf dem man ihn zu suchen habe. Um Mitternacht fand man seine Leiche unweit der Ostmole in der Nähe Les Strandes. Ein Nervenleiden soll Las Motiv zur Tat sein. K
Die Milltonenstistung des Glaöhättdlcrs. Aus Kopenhagen wird geschrieben: In der hiesigen Oestergade befindet sich schon über 150 Jahre ein bescheidener kleiner Laden, über dessen Tür zu lesen ist „Ronges Glas- ban del". Die Inhaber dieses Ladens waren einmal aus Böhmen etnaewonöert Der „alte" Ronge wurde in diesem Laden 103 Jahre, und im Januar des eben abge- laufenen Jahres starb nun plötzlich auch sein Sohn, der „junge" Range, drei Tage vor seinem 90. Geburtstage. Dieser jung-alte Ronge war aber ein merkwürdiger Matln. Er machte sich aus Geld gar nichts: er meinte, es liege kein Segen darauf. Inzwischen aver vermehrte sich das kleine Vermögen, das er ererbt hatte, ein Bru- Lerserbe kam dazu, und schließlich besag der bescheidene Glashändler in der Oestergade über zwei Millionen, als Leren Hüter er sich betrachtete. Nun ist über sein Vermögen auf Grund Ler letztwilligen Bestimmungen ver- fttgt worden, und es ist nach Abzug von allerlei Legaten für Wohltätigkeitsstiftttngen ein „Glashandler Ron- ges-Fond gegrülldet worden, der Hiebt weniger als 1600 000 Kronen oder rund 1 % Millionen Mark umfaßt und dessen Zinsen Hilfsbedürftigen aller Art, Studie- renden, besonders solchen der Musik, Musiklehrern, SHhfftlew usw. zugute kommen fönen. Das Andenken * Les Glashändlers wird auf diese Art in schönster Weise fortleben.
Der Tod Les ,LZlitzrechncrs". Zum Tode Artur Griffiths, der durch seine Vorstellniigeri in Amerika eine große Berühmtheit erlangt hatte, wird aus Neu- york berichtet, daß er in einem Hotel in Springfield am Morgen tot in seinem Bette ausgefunden wnrbc. Die Aerzte nehmen an. daß er, obwohl er bei seinen ans Wunderbare grer senden Leistuugen mit großer! Zahlen, die ihm das Publikum vorlegte, nur zu spielen schien, in Wirklichkeit doch außerordentliche geistige Anstrengungen zu überwinden hatte, die einen Schlaganfall zur Folge hatten. Griffith, ein Farmerssohn, wurde vor vier Jahreu in. Indiana von einem Chikagoer Journalisten entdeckt. Der damals 27iähre arbeitete für 2 JL täglich und Lie Kost, als er der Aufforderung, eine Tournee zu unternehmen, folgte. Im Februar 1910 unterzog er sich einer Prüfung durch die Prosesioren der Harvard-Universität, die ihm Rechenausgaben, vorlegten, worauf er ihnen sofort die Lösnvaen mitteilte: dann aber drehte Ler Geprüfte den Spieß um und gab den Professoren verhältnismäßig leichte Aufgaben, die die Gelehrten vollständig zum Schweigen brachten.
Der vermißte Schädel Les Karageoraewitsch. Soim- tag vormittag ist in einem versteckten Gebüsch des ^t. Marxer Friedhofes in Wien ein in Zeitungsyapier gehüllter Totenschädel gefunden worden, der nach dem ersten Augenschein wahrscheinlich der geraubte Kopf des Fürsten Alexander Karageorgewitsch ist. Bei dem Schädel befanden sich auch noch die beiden fehlenden obersten Wirbelknochen. Am Sonatag sollte durch eine Kommission sestgestellt werden, ob es sich wirklich um den fehlenden Kopf handelt Es wird vermutet, daß der Schädel in Zeitungspapier erst vor kurzer Zeit von außen über die Friedhofsmauer geworfen worden ist, La der Friedhof gleich nach dem Gruftraub genau abgesucht wordeu war und es nahezu ausgeschlossen erscheint, daß hierbei das Paket mit dem Schöbel übersehen worden icin könnte. Einer neueren Meldung zufolge ist festge- tellt, daß der am Sonntag in einem Gebüsch aufgefun- »ene Schädel mit dem Schädel des Fürsten Alexander Karageorgievitsch ibentifen ist.
Wenn Tratten rauchen. Die Rechtsstellung der rauchenden Frau wird jetzt in Chtkago in einem Prozesse festgestellt werden, den Katherine Scott gegen ihren Exbräutigam Colonel Harry Sefton angestrengt hat. Der Colonel 'erstdeckte eines Tages, Laß seine zukünftige Gemahlin bisweilen ihre Nerven durch Nikotin zu besänftigen pflegte, daß sie heimlich rauchte und er war barüber so empört, daß er die Verlobung auflöste. Die Folge ist jetzt eine Klage wegen Bruch des Ehever-
alle Gepflogenheiten des Aristokraten von altem Schlage sorgfältigst zu wahren verstand.
Baron Dieskau rief dem Iustizrat, einem älteren Herrn mit klugem, durchgeistigtem Gesicht und weltmännischen Formen, artig entgegen: „Sie haben Lie Minute für uns sehr gut gewählt, mein würdiger Freund, und sind darum doppelt willkommen! Setzen Cie sich und frischen Sie Ihre Lebensgeister auf."
Der Iustizrat Lankte mit leichter Verneigung und ließ sich am Tische nieder.
„Nehmen Sie sich ein Glas Portwein, er ist für ältere Mägen immer Las beste am Morgen, glauben Sie meiner Erfahrung."
Der Jurist, der seit einem Menschenalter Lie Rechtsgeschäfte der Majoratsherren auf Dieskau führte, nahm aber nur ein Glas Bordeaux int5 ein kleines Kaviarbrötchen.
„Sie müssen mir schon gestatten, bei meinen einfachen Gewohnheiten zu bleiben, Herr Varon."
„Aber saus gene, Teuerster, auf Dieskau lebt jedermann nach seinem Belieben. Hoffentlich bleiben Sie ein paar Tage bei uns?"
„Meine Geschäfte gestatten mir leider keine Erholungspause."
„Ja, Liese Geschäfte," seufzte Ler Baron, „sie sind Ler Kummer meines Daseins. Aber wir verschieben alles auf morgen, Iustizrat, nicht wahr?"
„Ich mutz in zwei Stunden wieder auf Lem Rückwege sein und es trifft sich deshalb sehr gut, daß Baron Harald anwesend ist."
„Ich begehre noch weniger von Geschäften zu hören als mein Vater," äußerte Harald, Letzen Laune durch Las Erscheinen des Juristen keineswegs gebessert war, in verdrießlichem Ton.
„Indessen ist es immer das Richtigste, Lie Wahr- Sett zu kennen und ihr sühn in das Auge zu sehen —"
sprechens und ein Schadenersatzanspruch von 25 000 Toll. Der Rechtsstreit, dessen Ausgang mit lebhafter Spannung erwartet wird, bringt eine Streitfrage in Fluß, die schon seit Jabren die amerikanische Frauenwelt beunruhigt. Die Aufregung begann, als seinerzeit ein Neuyorker Schutzmann eine Dame ohne weiteres verhaftete, weil sie auf der Straße eine Zigarette rauchte. Die Antwort war damals, daß die Tanten in den vornehmen Restaurants zu rauchen begannen, worauf die Restaurateure und Hoteliers übereinkamen, ihren weiblichen Gästen das Rauchen nicht zu gestatten. Heute gibt es in Neuyork nur ein einziges vornehmes Restaurant, in dem Frauen nach bem Diner beim Kaffee rauchen dürfen, unb es ist bezeichnend, daß dieses Re- stauant stets überfüllt ist.
Kampf mit einem Bären. In einem Petersburger Blatte lesen wir: Am 24. Dezember stieß der Bauer Iwan Timoschin im Walde bei der Station Wyriza auf eine frische Bärenspur. Er begab sich nach Wyriza und teilte den Bauern Peter und Ssemeu Gorjunow seine Entdeckung mit. Die Bauern bewaffneten sich, Timoschin mit einer Flinte, die beiden arideren mit eisernen Heugabeln und großen Küchenmessern. Lange irrten die Bauern im Walde umher, ohne den Bären zu finden. Schließlich trennten sie sich. Etwa fünf Minuten später vernahm Timoschin einen herzzerreißenden Schrei. Er lief in die betreffende Richtung und fand seinen Kameraden Gorjunow auf der Erde liegend und neben ihm den Bären, aus Bessen Brust ein Blutstrom guoll. Ohne Zeit zu verlieren, riß Timoschin das Gewehr an die Wange und schoß den Bären nieder. Dann wandte er sich dem besinnungslos daliegenden Kameraden zu. Goriunow erzählte, nachdem er wieder zu sich gekommen war, daß er ganz plötzlich auf den Bären gestoßen wäre, und daß das Tier sich sofort auf ihn geworfen hätte. Er habe dem Bären die Heugabel in die Brust gestoßen, dieser aber hätte sie zur Seite geschleudert und sich dann auf ihn gestürzt. Was weiter geschehen, wisse er nicht mehr. Man brachte Gorjunow ins Dorf, wo sich herausstellte, daß er nur verhältnismäßig leichte Fleischwunden davongetragen hatte.
Die Spielleidenschaft in Frankreich. Neue Belege für die Tatsache, daß die Spielleidenschaft in Frankreich trotz aller gegen sie getroffenen Maßnahmen ständig im Zunehmen begriffen ist, liefert ein Abgeordneter, der dieses Gebiet zu seinem Svezialstudium gemacht und der Kammer ein reiches Zahlenmaterial vorgelegt hat. Danach sind die Summen, die in den einzelnen Seebädern im letzten Jahre umgesetzt worden sind. ganz ungewöhnlich groß. So sind z. B. in Enghien 9U Mill. Fr., in Nizza 8% Mill. Fr., in Vichy 4^ Mill. Fr., in Trouville 4 Mill. Fr. gewonnen worden. Entsprechende Summen sind auch an Trinkgeldern von den Spielern verausgabt worden, in Engbien 1737 000 Fr^ wovon der Ober-Croupier allein 55 000 Fr. innerhalb sechs Monaten verdient hat, in Vichy 782 000 Fr. und in Trouville 858 000 Fr. Der Abgeordnete beabsichtigt, der Kammer ein neues Gesetz gegen diese Spielwut vorzulegen
Explosionskatastrophe auf einem Bahnhof. Wie ein Telegramm aus Paris meldet, ereignete sich auf dem Bahnhof von Philippville ein schreMicher Unglücksfall. Dort explodierte die Maschine eines Güterzuges in Lem Augenblick, als Ler Zug nach Constantine abfahren sollte. Die Lokomotive wurde Lurch Lie Explosion vollständig zerstört. Der Heizer und der Lokomotivführer wurden durch die Gewalt der Explosion 60 Meter weit von der Nnglücksstelle fortgeschleudert, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieben. Auch der Zug- führer sowie mehrere Bahnhofsbeamte haben Verletzungen öavongetrageu. Die ersten Wagen des Güter- zuges sind vollständig zerstört, und die Güter, die sich in ihnen befanden, verbrannt.
Bergung von 280 Toten nach fünfzehn Jahren. In der Bevölkerung Oberschlesiens ist Lie Erinnerung an die furchtbare GrubenkaLastrophe. die vor fünfzehn Jahren auf dem Kohlenbergwerk „Möbius" bei Myslowitz stattfand, wieder wach geworden. Man erwartet, wie aus Breslau gemeldet wird, in Len nächsten Tagen die Bergung der Leichen von 280 Bergleuten, die in Ler Grube tief im Schoße Ler Erde ruhen. Vier Wochen lang hatte man seinerzeit unermüdlich an ihrer Rettung gearbeitet. Vergeblich! Schließlich mußte Las Bergwerk unter Maher gesetzt werden. So blieb das Grab der Braven geschlossen, bis vor zwei Jahren die Gewerkschaft die Erlaubnis erhielt, den Betrieb wieder aufzunehmen. Jetzt sind die Arbeiten so weit, daß die Bergung der Leichen bevorstehen. Infolge Les luftdichten Abschlusses sind sie wahrscheinlich gut erhalten.
Seetang als Nahrungsmittel. Ein Bericht des amerikanischen Fischereibureaus weist darauf hin, daß in den Tangmassen des Meeres ungeheure Mengen von Nahrungsstoffen ungenutzt vorhanden seien. An der arnerikanischen Küste — es handelt sich um Lie Neu- England-Staaten — wird allerdings bereits seit 1885 Seetang gefischt und für manche Zwecke, auch für die Verarbeitung zu Nahrungsmitteln, ausgenutzt. An Ler kalifornischen Küste treiben Chinesen unö Japaner See-
„Um Gott, lieber Justizrat, Sie haben eine Miene, die imstande ist, die beste Frühstücksstimmung zu verderben."
„Die eherne Notwendigkeit zwang mich, Sie aufzusuchen, Herr Baron, da mein Brief unbeantwortet blieb und ich doch Ihre Meinung kennen muß."
„Aber Harald, ich hatte Dich doch gebeten, Liese Sache zu erleöigen." Diese Worte klangen fast vorwurfsvoll.
„Wollte es auch, chere pdre — aber es kam allerlei Lazwischen —"
„Es sind doch eigentlich Deine Geschäfte! Können wir es nicht auf Len Nachmittag verschieben, Iusttz- rätchen?"
„Herr Baron, meine Pflicht zwingt mich, Len nächsten Zug zur Rückreise zu benutzen."
„Na, dann schießen Sie los, wenn es durchaus sein mutz — stecken Sie sich aber erst eine Zigarre an! — Was war denn eigentlich mit Lem Briefe, Haralö?"
„Weitz ich's?" brummte Lieser und gotz ein Glas Rheinwein hinunter.
„Ich habe mich bemüht, Herr Varon, — in Ihrem und der Ihrigen Interesse — Frist von Ihren Gläubigern zu gewinnen, um das Aeutzerste abzuwenden — aber nach einer von diesen gestern getroffenen Ueber- einkunft steht Lie Katastrophe unmittelbar vor Ler Tür!"
„Ach, wie denn? Welche Katastrophe?"
„Wie ich aus Ihrer Ueberraschung leider ersehe, haben Sie mein Schreiben nicht der wünschenswerten Beachtung gewürdigt. Es liegt nämlich der Antrag vor — und derselbe wird zweifellos vor dem Richter durchgehen — das Majorat Dieskau von einem durch das Gericht zu ernennenden Glcüchigerausschuß auf so lange verwalten zu lassen, bis hie darauf lastenden Schulden getilgt sind. Von einer Veschlaanahme und Versteige
tangtzscherei. Der Seetang wird nach Japan geuyickt, M«^L verarbeitet zu werden. An der japanischen Küste gibt eS nur begrenzte Gebiete, wo sich Seetang findet,- diese werden von der Regierung öffentlich anS- geboten und erzielen gute Preise. Die Japaner nev- men den Seetang übrigens richtig in Kultur, um die §/^aMebtete nach besten Kräften ausnutzen zu kön- nen. Es soll sich dabei um eine Industrie handeln, die mit einem Kapital von Millionen arbeitet. Nach dem freite angeführten Fischereibei tchte gab eS im Jahre 1903 in Japan 500 Fabriken, die Seetang verarbeiteten und daraus ein fischleimartiges Produkt, Kanten genannt Herstellten Dieser Tang wird durch Taucher gesammelt, die zwischen Mai und Oktober Len Seetang ernten. Die Seetangfischer trocknen selbst die Pflanzen in der Sonne, dann stellt die Fabrik daraus eine aela- tineartige, weiße, durchscheinende Masse her, die zu AUe- Suppen und Saucen in der bliche verwendet
Ursache der Berliner Alasfenvergistungen.
„3“ Her VergiftungSaffüre im Sindiischcn Obdach in Berlin ist heute folge iidcö mtiauieUcn: Nachdeni man af?«t? âui 27. ö. M. festaestellt hatte, daß bei mehreren ^^blisten außer den typischen Vergiftn ng^ersche tunngen reiaJL^"^0"^1^^ Her Pupille, auch Erbrechen und Turchsall eingetreieu waren, erörterte man auch die Frage, ob nicht noch andere Ursachen hier m Spiele seien. Durch Umfragen stellte Krtininalkom- Missar Toussaint seit, wo die Obdachlosen ihren SchnapS und ihre Lebensmittel kauften. Er entnahm den Bor. âen Proben und übergab sie dem Vorsteher der Staat- lichen Anstalt zur Unterfudinnn von Nahrungs- und Genußmitteln sowie Gebrauchsgegenständcu, Regie- rungsrat Pros. Dr. Juckensck. Dieser stellte fest, daß Her SchnapS aus einem Schanklokal in der Danziger Straße große Mengen von Melbnlalkohol enihöli. Dort beschlamiahinte Kommissar Toussaint drei Ballons die. ser FIüMkeit. Als Lieferant wurde der Drogist Iulius Scharmach tu Charlottenburg, Mallsirafte 42, ermittelt, ffominiffstt Toussaint begab sich Sonnabend mittag in das Scharmachsche Geschäft und sagte dem Inhaber auf den Kopf zu, daß er größere Mengen Methylalkohol als Schnaps verkauft habe. Scharmach leugnete so lange, bis man im Keller einige Ballons mit Methyl-Alkohol âukfand. Er gab zu, Schnaps aus % Menthylalkohol und Eindrittel Sprit hergestellt und als Svrit verkauft zu haben. Als weiteren Verkäufer nannte er einen Gastwirt in der Frankfurter Allee. Auch bei diesem wurden größere Mengen des Getränkes beschlagnahmt, ebenso auf dem Güterbahnhof inWestend. Betont muß dabei werden, daß diese Gastwirte in gutem Glauben, reinen Sprit erhalten zu haben, ihn noch mit Wasser versetzt haben. Die drei Lokale sind vorläufig polizeilich geschloffen worden, ebenso der Laden Scharmachs. Er selbst wurde feftgenominen und der Staatsanwaltschaft übergeben. Er wird sich zunächst wegen Vergebens gegen das Nahrungsmittelgesetz und wegen Betruges zu verantworten haben. Ob ihm mich fahrlässige Tötung zur Last gelegt werden kann, ist noch fraglich, da die Ansichten über den Grad der Schädlichkeit des Methylalkohols sehr weit auseinandergehen.
In Aerztekreisen siebt man diesen angeblichen Vergiftungen mit Methylalkohol noch sehr skeptisch gegenüber. Man ist hier vielmehr immer noch der Ansicht, daß es sich nur um Fischvergiftungen handelt. Während in Ungarn und Rußland Todesfälle infolge Methylal- koholvergiftung bekannt geworden sind, hat die deutsche medizinische Literatur keine derartigen Fälle zu verzeichnen.
Die Zahl der unter Vergiftungserscheinungen Erkrankten betrug bis zum Vormittag des Neuiahrsla- ges 161, von denen 71 gestorben sind. Nachdem die Lokale geschlossen sind, in denen die Scharmachsche Mischung verkauft worden war ist ein Rückgang, wenn nicht ein Stillstand er Vergiftungsfälle zu verzeichnen.
Grmrsamleiten an Russen in Bersten.
Die Petersburger Telegrafenagentur berichtet folgende Einzelheiten über Grausamkeiten, die an russischen Soldaten in der Umgebung von Täbris verübt wurden: Am Donnerstag sind in Täbris drei von Persern entsetzlich oerfHimmcitc Leichen von Grenadieren
des Minarelregiments aufgesunden worden, ferner in einigen Häusern die Ueberreste verbrannter Leichname russischer Soldaten. Vorgestern wurde auf dem Hofe des Gebäudes des Generalgouverneurs ein russischer Soldat tot ausgegraben, der augenscheinlich lebend begraben worden war. Der Körper wies keinerlei Spuren einer Verwundung oder Erdrosselung auf. In die Leichenkammer des russischen Detachements in Täbris sind aus verschiedenen Stadtteilen insgesamt neun Leichen von russischen Grenadieren eingeliefert worden, von denen drei heute aus dem Hofbrunnen der Polizeiverwaltung neben dem Gebäude des Generalgouverneurs herausgezogen worden waren.
von
rung Ler Möbel und Kunstwerke usw. hat man auf meinen Antrag vorläufig Abstand genommen."
Der Jurist hatte diese Ausführungen ruhig und geschäftsmäßig gemacht.
Die beiden Dieskaus saßen schweigend La. Der Baron starrte Len Iustizrat mit unverkennbarem Staunen an.
„Ja — aber lieber Iustizrat — ich verstehe nicht ganz — Gläub ^erausschuß, Verwaltung — Versteigerung — na, was M Las alles? — Dieskau ist Loch unantastbares Majorat —"
„Unzweifelhaft, Herr Varon, die Gläubiger können Harum auch nur aus dem Reinertrag Ler Liegenschaften befriedigt werden."
„Ja, wie denn? Zum Henker, — haben wir denn mehr Schulden, als wir bezahlen können?"
Ein leichtes Lächeln spielte um des alten Iustizrats Lippen bei dieser naiven Frage des Majoratsherrn.
„Ich werde Dir das auseinanöersetzen, Papa," warf Harald ein.
„Nein, bitte, unser Freund Justizrat wird wohl besser unterrichtet se'm," — eine vornehme Handbewegung seines Vaters brachte ihn zum Schweigen.
„Nach der Aufstellung der Gläubiger beläuft sich die Schuldenlast des Majoratsberrn von Dieskau auf nahezu achthunöerttausenö Mark."
„Ah — hm — so —"
Der alte Herr sah aus wie jemand, der plötzlich wahrnimmt, daß er an einem gefahrdrohenden Abgrund steht, so lebhaft malten sich peinliche Ueberraschung und Angst auf feinem Gesicht.
Harald kaute mit finsterem Gesicht an seinem Schnurrbart.
(Fortsetzung folgt.)