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Neujahr am Kaiserhsfe.

Den Beginn -er Neujahrsfeier am Kaiserlichen Hose bil-ete auch in diesem Jahre

-as große Wecken.

Während auf dem Königlichen Schlosse zu Berlin -ie drei Standarten gehißt wurden, traten die Spiel- leute auf dem inneren Schloßhofe neoen 8 Uhr an urr- setzten nach dem Anschlägen der Tambours mit dem Niederländischen Dankgebet ein, dessen zweiten Vers -ie Mannschaften saugen. Gleichzeitig bliesen die Trom­peter den ChoralNun danket alle Gott" von der Ga­lerie der Schloßkuppel in den trüben, neblig-feuchten Neujahrsmorgen. Im Schlenöerschritt marschierten bann die Musiker zum Brandenburger Tor hinunter. Viele Hunderte von Schaulustigen zogen nach den Klan­gen des alten LiedesFreut euch des Lebens" mit die Straße Unter öen Linden entlang. Viele andere nah- Bu am Lustgarten Aufstettullg, um dteAnfahrt der Ma- täten, der Fürstlichkeiten und der Hof- und Staats- irdenträger zu sehen. Der Kaiser und die Kaiserin hatten um 8% Uhr das Neue Palais mit Automobil ver­lassen und trafen um 9% Uhr in Berlin ein, vom Pub­likum mit Hurraruferr begrüßt. Uugefâhr gleichzeitig endete das große Wecken wieder auf dem inneren Schloß- Hofe mit dem ChoralEin feste Burg". In den Sälen und Galerien des Schlosses nahmen die Galawachen Aufstellung. Auch die Abordnung der Halloren in ihrer historischen Tracht fand sich im Schlosse ein. Der Kaiser empfing um 9% Uhr deu Kommaudlereuöen Ge­neral des 18. Armeekorps General der Infanterie von Eichhorn und den General-Kapitän der Haustruppen General der Kavallerie v. Scholl im Sternsaal. Beiden verlieh der Kaiser den Schwarzen Adlerordeic. In der Schwarzen Adlerkammer nahmen die Majestäten die Glückwünsche des Königlichen Hauses eutgegeu, im Ka- vitelsaal diejenigen der Hofstaaten. Um 10 Uhr begann in der Schloßkapelle

-er feierliche Gottesdienst.

Hier versammelten sich die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzler von Bethmann Hollweg, die Bevollmächtigten zum Buudesrat, die Gcueralfeldmar- schälle uno Generalobersten, die Generalität und Ad­miralität, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Kommandeure der Leibregimenter, die aktiven und in­aktiven Staatsminister, die Staatssekretäre, die Prä­sidien des Landtages und die Räte der obersten Klassen. Am Altare stand die Hofgeistlichkeit. Der Domchor stimmte beim Einzug des Hofes den Psalm 98Singet dem Herrn ein neues Lied" an. Unter Vorantritt oer Pagen und der Herren des großen Vortritts nahte der Kaiser, in Generalsuniform, mit dem Bande öes Schwarzen Adlerordens und der Kette des Hausordens von Hohenzollern. Er führte die Kaiserin, welche eine violette Robe und einen Hut mit gleichfarbigen Federn trug. Es folgten die übrigen Fürstlichkeiten, die alle vor dem Altar Platz nahmen. Nach Gerneindegesang und Liturgie predigte Oberhofprediger D. Dryarrder Über den Text Buch Josua 3, V. 10:Ihr sollt merken, daß ein lebendiger Gott unter euch ist" usw. Den Spruch hatte der Kaiser selbst ausgewählt. Die Feier wurde mit dem Niederläudischen Daukgebet beschlossen, das Domchor und Gemeinde unter Begleitung des Bläserchors sangen.

Nach dem Gottesdienst begaben sich die Majestäten in feierlichem Zuge unter beu Klängen desWilhelmus von Nassauen" nach dem Weißen Saal zur Entgegenuahme der Gratulatious- Defiliercour. Die Leibpagen traten neben die Throu- essel, die anderen Pagen bildeten Spalier, die Schloß- wrde-Kompauie präsentierte. Die Majestäten nahmen Oren Platz vor den Stufen des Thrones, die Prinzen rechts, die Prinzessinnen links neben dem Thronhim­mel. Ein Marsch ertönte, vom Königsplatz her scholl der Neujahrssalut der Leibbatterie des 1. Garde-Feld- artillerie-Negimeuts und unter Leitung des Oberst- kämmerers Fürsten Solm-Baruth nnb des Oberhof- marschalls Grafen zu Eulenburg begann die Cour. Der Kaiser reichte hierbei dem Reichskanzler und den anwe­senden Präsidenten bezw. Vizepräsideutert des Herren­hauses und des Abgeordnetenhauses die Haild. Der Kaiser nahm dann nach der Cour im Mariuesaal die Gltickwünsche der Botschafter entgegeic, die in ihren Prnnkwagen zum Schloß gefahren waren, darauf die- euigen des Staatsministeriums und empfing im Rit- ersaal die kommandierenden Generale und Admirale, mit denen sich die Generalfeldmarschalle und General- I inspekteure, der Kriegsminister, der Ces des General­stabes, der Staatssekretär des Reichsmarine-Amts und I der Chef des Admiralstabes u. a. vereinigt hatten. Die I Kaiserin empfing im Königinnenzimmer die Botschafter I and später im Pfeilersaas die Fürstinnen. Um 12% Uhr I begab sich der Kaiser, begleitet von den Prinzen Eitel I Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim und I deu Herren des Hauptquartiers zu Fuß

$ie Herren von Dieskcru.

Original-Roman von Franz Treller.

4) (Nachdruck verboten.)

Nur ein Wesen befand sich auf Dieskau, dem die Achtung und Liebe der Menschen in vollem Maße zu- eil wurde, das war des Freiherrn Töchterchen Hilda.

Hilda von Dieskau verlebte mit einer alten An­ierwandten der Familie, Frau von Herstell, den grüß­en Teil des Jahres auf Schloß Dieskau, so einsam es fort im Winter auch wurde.

Aber das zarte sinnige Wesen vermochte die Gesell- chaft zu entbehren, es trug eine Welt in sich, die ihr wllkommen genügte. Nur im Herbste, wenn die männ- ichen Mitglieder der Familie mit ihren Gästen erschie- ren, zog sie sich mit ihrer mütterlichen Freundin nach »er Stadt zurück, was die Herren, denen ihre Anwesen- jeit doch immerhin Rücksichten auferlegt hätte, gar nicht o ungern sahen.

Die Tochter des Freiherrn war ein eigentümliches Wesen, das weder äußerlich noch innerlich in die Ge- ellschaft der aus Dieskau zu passen schien. Ihre Gestalt var zart, und ein in der Jugend erlittener Unfall iwang sie, ein wenig zu hinken. Es fiel dies zwar nicht besonders viel auf, doch gab ihr dieser Zustand etwas hülfloses, Rührendes, ein Eindruck, der durch die sanf­ten Gesichtszüge noch verstärkt wurde. Dennoch war Hr Aeußeres von großer Anmut und besonders zu Pferde nahm sich Hilda von Dieskau sehr vorteilhaft ms, sie war eine gute Reiterin. Das Antlitz, kindlich nädchenhaft, entzückte wehr durch Lieblichkeit des Aus­drucks und zarte Farben, als durch Regelmäßigkeit der Pinien Das sanfte braune Auge aber zeigte jene echte »Schönheit, die reines, tiefes Fühlen, oder besser gesagt, Irin gtitiges Herz diesem Spiegel der Seele leiht.

Die Bewohner des Dorfes, das unweit des Schlos-

nach -em Zeughaus.

Vor Liefern stand eine Ehrenkompanie vom 2. Gar­de-Regiment. Das Publikum begrüßte den Kaiser mit andauernden Hochrufen. In der Ruhmeshalle des Zeug­hauses wurde die Nagelung der Fahne des 2. West- preußischen Fußartillerieregiments Nr. 17 (Danzig und Pillau) vorgenvmmen, der die feierliche Fahnenweihe- im Lichthofe folgte. Die Parole lautete wie immer Königsberg-Berlin". Der Kaiser nahm im Zeughaus noch die Rapporte der Leibregimenter entgegen, sowie militärische Meldungen. Gegen 2 Uür nahm der Kaiser vor dem Zeughaus den Vorbeimarsch der Ehrenkom­panie und der Salutbatterie entgegen. Darauf fand Frühstückstafel bei Öen Majestäten im Königlichen Schloß statt. Später fuhr der Kaiser bei öen Botschaf­tern vor. ___________

Rundschati vom Cast

Politisches.

Die Glückwünsche -er Dreibun-minister. Aus An­laß des Jahreswechsels sind zwischen -em Reichs kanz- ler von Bethmann Hollweg und den Ministern des Aeußern Grafen Aehrenthal und Marquis di San Giuliano herzliche Glückwunschtelegramme ausgetauscht worden, in denen der deutsche Reichskanzler und Graf Aehrenthal den wärmsten Wünschen für den König von Italien und der Marquis di San Giuliano eben­solchen Wünschen für Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef Auskunft gaben.

Das Befinden Kaiser Franz Josefs ist andauernd gut und kann als normal bezeichnet werden. Der Mo­narch hat Appetit, schläft ruhig und ohne Störung und ist von seiner Indisposition wieder ganz hergestellt. Am Neujahrötage empfing der Kaiser zunächst den Thron­folger allein und darauf die Erzherzöge zur Entgegen­nahme ihrer Glückwünsche zum Jahreswechsel.

Infolge der Flucht -es französischen Hauptmanns Lux aus der Glatzer Festung, worüber mehrfach berich­tet wurde, werden demnächst für sämtliche Festungs- gefängnisse verschärfte Bestimmungen über die Beauf­sichtigung der Gefangenen erlassen werden.

Zwei neue Lan-esverratsprozesse werden in aller­nächster Zeit vor dem Reichsgericht in Leipzig verhan­delt werden. Zunächst handelt es sich um den ungari­schen Leutnant der Reserve von Cerno und seinen Hel­fershelfer, den russischen Marineleutnant der Reserve von Winogradow. Beide haben militärische Geheim- akten an Rußland verkauft. Weiter wird gegen den früheren Polizeikommtssar Reich aus Straßburg ver­handelt, der beschuldigt wird, militärische Geheimakten au England verkauft zu haben. Die Anklageschrift ist allen Angeklagten bereits zugestellt worden.

Neue Kämpfe in China. Der Waffenstillstand ist am Sonntag avgelausen. Die Republikaner haben von Wutschang aus ein Gewehrfeuer gegen Hanjang eröff­net, womit die Kämpfe von neuem begonnen haben. Wie die chinesische Regierung bekanntgibt, haben 4000 Revolutionäre Sonntag abend Hankau angegriffen. Der Kampf dauert an. Die Kaiserlichen sind erfreut darüber, daß der Abschluß der Verhandlungen, der, wie man annimmt, unzweieflhaft einen Sieg der Republi­kaner bedeutet hätte, vermieden wird.

Kleine na*rl»ttti.

Schwere Folgen eines Versehens. In Strasburg (Westpreußen) erhielten zwei Töpfer in einem Lokale versehe»ttlich statt Schnaps Valdrianessens. Beide Töp­fer sind gestorben.

Vergiftung durch Wasserschierling. In dem Orte Krickenbeck bei Kaldenkirchen aßen mehrere Knaben auf einem Spaziergange von den Knollen des Wasser­schierlings. Einer der Knaben starb bald darauf, ein anderer liegt in Lebensgefahr darnieder.

Auf einer Bootsfahrt ertrunken. Drei junge Leute aus Lehe, die am Sonntag eine Segelbootfahrt nach Strander Bucht unternahmen, sind beim Kentern ih­res Bootes ertrunken. Die Leichen sind noch nicht ge­funden.

Ein öentsch-nordischer Touristenvervand nach dem Muster des deutsch-österreichischen Alpenvereins ist am Sonntag in Berlin ins Leben gerufen worden. Der Verband bezweckt, den Touristenverkehr nach den Län- derrt des Nordens, Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland zu fördern.

Opfer eines Mühlenbran-es. In dem ungarischen Dorfe Zajecze wurde eine große Mühle durch Feuer vollständig eingeäschert. Das Feuer überraschte die Fa­milie des Mühlenbesitzers. Zwei seiner Kinder fanden den Tod in den Flammen, das dritte wurde gerettet. Der Mühlenbesitzer erlitt lebensgefährliche Ver­letzungen.

Das Spiel mit 6em Revolver. Der Kaufmann Fuchs in Karlsbad wollte einem Kunden einen Revol­ver erklären. Dabei entlud sich die Waffe und die Ku­gel traf seine eigene 27jährige Tochter, die kurz daraus ffiM»gWiHE^E^^ mir I !IIW»»«M IHM

ses lag und den gleichen Namen führte, verehrten ihr Schloßfräulein wie ein höheres Wesen. Sie nahm auch aufrichtigen Anteil an den Freuden und Leiden der Dorfbewohner, sie kannte die Armen und Kranken und diese fühlten ihre stille Fürsorge. Oft schützte sie auch die Armen gegen die Härte der Förster oder gegen die Uebellaunigkeit oder Roheit ihrer Brüder. Mit einem Wort: Hilda von Dieskau war -er gute Engel -er Ge­gend und wenn sie abwesend war, fehlte sie allen. Wäh­rend Hilda sonst mit Beginn -er Jahreszeit nach -er Sta-t überzusiedeln pflegte, war sie diesmal auf den Wunsch ihres Vaters länger geblieben: schon waren einige Gäste, darunter ein österreichischer Baron Sakal, der schon zum zweiten Male auf Dieskau weilte, und auch ihr Bruder Harald, der zukünftige Majoratsherr, eingetroffen.

Harald von Dieskau hatte entgegen seinem Vater, -er sich in den geschmeidigsten Formen zu bewegen ver­stand, etwas von der Rauheit und Zügellosigkeit seiner geharnischten Vorfahren geerbt und trotz seiner Jugend zeigte er sich dem Becher sehr zugetan. Diese Eigen­schaften machten ihn Hilda natürlich wenig sympathisch. Er hatte in einem Kürassierregiment gedient. Seine rauhen Umgangsformen aber hätten ihn bei öen Ka­meraden in hohem Grade unbeliebt gemacht) dazu ka­men seine Leidenschaft für Flasche und Karten und sein wehr als schroffes Benehmen den Mannschaften gegen­über. Dies alles wirkte zusammen, um das Regiments- kommando zu veranlassen, ihm nahe zu legen, seinen Abschied zu nehmen.

Mit dem Ablegen der Uniform wurde Harald von Dieskau aber kein anderer Mensch) jetzt kehrte er erst recht die üblen Seiten seines Charakters hervor, lebte toll darauf los, befand sich nicht immer in der besten Gesellschaft und half dem Vater die Einkünfte Dies­kaus und noch etwas darüber zu verzehren. Zu einem Landedelmanne fehlte ihm wie seinem Vater der solide Charakter, die sittliche Grundlage, die der frühere Ma-

starb. Infolge Ler Aufregung hierüber ist der Kauft mann schwer erkrankt.

^ Ein grausiger Fund wurde gestern in einen Pension in der Luisenstraße in Berlin gemacht. Man fand dort in einer Kommode die Leiche eines mehrere Tage alten Kindes, der Arme und Beine abgeschnitten waren. Als Mutter kommt ein neunzehnjähriges Mäd^ chen in Frage, das verhaftet wurde.

^ Eine Liebestragödie spielte sich gestern in ei­nem Hause oer Bastianstraße in Berlin ab. Ein Dienst­mädchen, das von ihrem Geliebten verlassen worden war, war in das Haus eingedrungen, um diesen und sich selbst zu erschießen. Als ein Schutzmann, der von dem Vorhaben unterrichtet worden war, erschien, krachte ün Schuß. Der Beamte glaubte, daß auf ihn ge? schossen worden war und feuerte gleichfalls einen Schutz ab. Später fand man das Mädchen tot vor. Es hatte sich durch einen Schuß in den Mund selbst getötet. Die Kugel des Schutzmanns war fehl gegangen.

Folgenschwerer Einsturz eines Eisenbahntunnels. In Serbien ist am Sonntag ein im Bau befindlicher Tunnel an einer neu projektierten Eisenbahnlinie ein- aestürzt. Neunzehn Arbeiter sind verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten pmrden sofort in Angriff genom­men, es konnte aber noch nicht festgestellt werden, ob sich die Verschütteten am Leben befinden.

^ Drama am Meeresstrand. In der vergange­nen Nacht sind große Massen der historischen weißen Klippen bei Doger abgebröckelt und in die See gestürzt. Das durch den Absturz verursachte Getöse war meilen­weit zu hören. Eine mächtige Flutwelle erreichte Fol­kestone. Die außeralb des Hafens liegenden Kohlen­schiffe wurden um mehrere Fuß gehoben, sodaß die Ankerketten rissen. Die Fischerboote tanzten auf dem Wasser wie Korke.

te-£ Der Briefträger als Lebensretter. Durch einen Briefträger wurden am Neujahrstage in Berlin drei kleine Kinder bei einem Brande in der neuen König­straße gerettet. Der Beamte bemerkte beim Bestellen von Briefen, daß aus einer Wohnung Rauch heraus­quoll. Kurz entschlossen drang er in die Wohnung ein und brachte noch vor Ankunft der Feuerwehr die in Lebensgefahr schwebenden Kinder in Sicherheit.

Der Generalstreik von 50 000 Kohlenarbeitern droht in Belgien auszubrechen. Die Grubenarbeiter bestehen auf einer Aenderung des Zahlungsmodus. Die Eini- gungsverhanölunaen sind gescheitert. Ein Referendum oer Arbeiter wird über den etwaigen Beginn des all­gemeinen Ausstandes entscheiden.

Vermischtes.

Feuer im Neuen Palais!" Dieser Ruf alarmierte Sonnabend abend kurz nach 6% Uhr die Potsdamer Feuerwehr. Da Brände im Kaiserschloß stets alsGroß­feuer" angesehen werden, so rückte die Wehr in ganzer Stärke aus. Das Feuer war im Heizraum unter -er Automobilgarage des Marstalles am Neuen Palais aus- gekommen) es wurde in kurzer Zeit durch eine Haus­leitung von öen Schloßbeamten- erstickt. Als die Feuer­wehr unter Führung des Brandinspektors Edel heran­fuhr, war die Gefahr schon beseitigt, und die Löschmann­schaften konnten ihre Tätigkeit auf die Aufräumungs­arbeiten beschränken.

Hauptmann Lux spurlos verschwunden. Von dem entsprungenen französischen Spion, Hauptmann Lux, fehlt bis zur Stunde jede Spur. Man nimmt selbst in militärischen Kreisen der Festung Glatz nicht mehr an, - Lux noch gefaßt wer-en könnte. Von Interesse ist noch, - Lux sich bei seiner Flucht mit Lebensmitteln versehen hat, die er dann unterhalb der Festutlg zurück­ließ, anscheinend, weil er durch ein Geräusch gestört worf -en war. Die Untersuchung hat ergeben, daß Lux bet Ausführung feiner Tat Helfershelfer aus Glatz nicht gehabt hat. Während seiner Haft hatte Lux mit deut­schen Offizieren, die auf Festung waren, sehr kamerad­schaftlich verkehrt. Wie heute 6er Draht aus PariS meldet, ist Hauptmarln Lux am Sonntag abend über die Schweiz in Paris eingetroffen. Wie es heißt, wird er vom Kriegsminister in Auöcenz empfangen werden. Er verweigerte Interviewern gegenüber jede Auskunft über feine Flucht.

Wo ist -er Landesverräter Glantz? Ueber das Ver­bleiben des Wilhelmshavener Exschutzmannes Glauß sind die widersprechendsten Gerüchte verbreitet, die so ziemlich alle in das Reich der Fabel gehören. Neues Licht auf die Angelegenheit wirft eine Zuschrift, die aus Paris stammt und die sich dahin ausspricht, daß' Glauß sich wohl noch in Paris aufhält. Es wird näm­lich vereinzelt vermutet, daß Glauß schon während sei­ner Schutzmannszeit Mitglied einer internationalen Gaunerbande gewesen sei, die ihm seinerzeit auch zur Flucht verhalfen habe. Inwieweit diese Vermutung richtig ist, läßt sich nicht nachprüfett. Aber man Wirth wenn man sich die einzelnen Umstände der Flucht des Glauß ins Gedächtnis zurückruft, die Ansicht als min­destens nicht unmöglich gelten lassen müssen. Ob frei­lich eine andere Ansicht, zu der sich einzelne Kombina- tionsköpfe in der französischen Reichshauptstadt betens joratsherr trotz seines krankhaften Ahnenstolzes -och in hohem Grade besessen hatte. Näher stand -er Tochter des Hauses der jüngere Bruder Hugo, -er in -er letzten Zeit von dem Treiben auf Dieskau sich zurückgezogen hatte und auch jetzt nicht erschienen war.

Hilda von Dieskau ritt durch -te Dorfgasse, herzlich begrtißt von jedem, -er ihr begegnete. Selbst -er mür­rische Bauer machte ein freun-liches Gesicht, wenn das gnädige Fräulein kam.

Als sie das Dorf hinter sich hatte, zeigte das jugen-s liche Gesichtchen einen Ausdruck ernster Sorge.

Was soll ich denn noch hier?" flüsterte sie vor sich hin.Was wird man von mir wollen?"

*

Kurze Zeit, nachdem Hilda das Schloß verlassen Hatte, fuhr dort ein älterer Herr vor.

Der Diener kannte den Rechtsbeistand -er Familie, Justizrat Dr. Hunold, und meldete ihn sofort seinem Herrn, der ihn auch alsbald in das Frühstückszimmex bitten ließ, in dem er und sein Erstgeborener beim Lunch saßen. Der Besitzer von Dieskau war eine aristokra­tische Erscheinung von jener Art, der eine tippige Les bensführung ihren Stempel ausgeprägt hat. Man sah es auf den ersten Blick, - dieser Mann die Freuden

-es Daseins reichlich ausgekostet hatte. Das mager- Gesicht mit den matten Augen verriet zwar immer noch Spuren einstiger Schönheit, und der erfahrene gefchickt- Kammerdiener hatte bei der Anordnung des spärlichen grauen Haares und des Schnurrbarts nichts versäumt, diesen mumienhaften Resten die vorteilhafteste Seite av- zugewinnen.

Der einfache, elegante Morgenanzug ließ nichts zn wünschen übrig. Neben dem alten Herrn saß, als -ex Justizrat eingeführt wurde, Harald. Seine nachlässige Haltung und sein entschieden roher Gesichtsausöruck bildeteit einen merkbaron Gegensatz zu dem Vater, der