Siegener Peilung
Kr. 88
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Verlag der „Gietzeuer Zeitung" G. m. b. H.
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1. <Matt
Samstag, Den 2. November 1912.
Telephon dir. 862.
24. Jahrc,
elches ikohle.
igen!
Der Zusammenbruch oer Dürre».
lOO Türken tot und verwundet, 50000 gefangen. Der türkische Oberbefehlshaber gefangen. Die Bulgareir nahe bei Konstantinopel.
Ne seit Dienstag nachmittag im Gange befindliche lisch e i d u n g s s ch l a ch 1 zwischen dem türkischen ) bulgarischen Hauptheer hat mit einem Sieg der l|tren geendet. Das Schlachtfeld nahm eine Breiten- idlhaung von ungefähr 70 Kilometern ein. Die kk i s ch e Front erstreckte sich mit dem linken Flü- oit der Eigene angelehnt, westlich über L ü l e - i g a 5 und östlich über Wisa hinaus, wobei sich rcdhie Flügel an das Istrandschagebirge lehnt. Durch i krfolg der Bulgaren am Mittwoch auf dem linken sisllxn Flügel, wodurch sie dessen Hauptslützpunkt Wingas in ihre Gewalt bekamen, ist auch der tür- k rechte Flügel gezwungen worden, zurückzugehen, iMusic der Bulgaren sind sehr groß gewesen, i bulgarische Heeresleitung sei auf solche Massenver- k keineswegs vorbereitet gewesen und die Mehrzahl jkeiwundeten starb an Brand, weil sie tagelang aus ||hc Behandlung warten mutzten. So ist es sehr in'), ob die Bulgaren überhaupt imstande sind, ihre fec auszunutzen. Den Türken steht aber noch der huq hinter die gut billigte Linie von Tschadald - I offen. Neue schwere Jpfcr und Kampsarbett stehen I Mgaren dort bevor, und sie geraten in Gefahr,
tol 3 u [ i c g e n. Die Türken hatten Nu im Feld, denen nur rund 150 000 lülei standen.
über 200 000 Bulgaren ge
Noch bulgarischer Meldung heißt es: [) Heer hat die tatkräftige Verfolgung glommen, der in Unordnung und Panik sich auf
Das bulga- des Feindes
^\ rind Tschorlu zurückzieht. Eine große Zahl von
Honen, Fahnen, Munition und anderen Kriegstro- liii ist den Bulgaren in die Hände gefallen, ebenso BCTI«18|Wc Gefangene. Die Dörfer Aiwali bei Lüle-Bur-
j lind Marasch im Westen von Adrianopel sind von äf^ Türken eingeäschert, d ie gesamte christliche ^tiölkerüng ist niedergemacht worden.
6 sämtliche Dörfer in der Gegend von Melnik haben 1 ' gMlürken in Brand gesteckt.
Wunder müßte geschehen, wenn jetzt noch ein n für die Türkei erstünde. Nazim P a s ch a, der
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Oberbefehlshaber, auf den man die größte Hoffnung gesetzt hatte, ist gefangen. Die Türkei kann ihre einzige Rettung nur noch in einem raschen Friedensschlüsse sehen, will sie nicht die Schmach erleben, daß der, der einst ihr Vasall war, König Ferdinand, als Sieger in Konstantinopel einzieht.
Ueber die
Eroberung von Lüle Burgas liegen noch folgende Depeschen vor: In der Schlacht bei Lüle Burgas wurden 20 000 Türken getötet! und verwundet: 50 000 sind gefangen genommen worden und zahlieiche Pferde, Kanonen, Gewehre und anderes Kriegsmaterial fielen in die Hände der Bulgaren. Der Men dieser Beute wira aus 7 0 Millionen Mark geschätzt. Bei T ch o r l u, wo Nazim Pascha nochmals Front zu machen versuchte, wurde er gefangen genommen. Er hatte noch 120 000 Mann unter seinem Befehl, also die Hälfte der türkischen Armee. Diese befindet sich weiter auf der Flucht und ist disziplinlos und demoralisiert. Das Fort Anpli bei Lüle Burgas und die Stadt Marasch bei Adrianopel sind in Flammen aufgegangen.
Tschorlu, das auf der Bahnstrecke zwischen Adri- anond und Konstantinopel liegt, das Hauptquartier der Türken, ist der letzte Schützwall der
gend von Tschorlu, in der die Türken abermals geschlagen wurden. Es ist nunmehr mit Bestimmtheit zu erwarten, daß die Bulgaren im Lause der nächsten Woche vor den Toren Konstantinopels stehen werden.
Die Bulgaren besetzten nun auch B i m o - 1 i k a.
Sofia, 31. Okt. Das bulgarische Rote Kreuz be- sckloß, eine Anleihe im Betrage von 20 Millionen durch Ausgabe von Losen aufzunehmen. Der Ministerrat hat seine Zustimmung hierzu erteilt. Die Obligationen lallten auf 20 Franken nominell und sind in 70 Jahren amortisierbar.
Sofia, 1. Nov. Neuter meldet: Die im nördlichen Mazedonien überflüssig werdenden serbischen Truppen werden nach dem türkisch-bulgarischen Kriegsschauplatz gebracht, um die Bulgaren bei Adrianopel zu unterstützen.
türkischen tungslos freien
Hauptstadt. Und auch das scheint nun ret- verloren zu sein, sodaß die Bulgaren
Weg nach Konstantinopel haben.
Bom serbischen Kampsplay.
Belgrad, 1. November. Die von Köprülü gegen Prilep vorrückenden serbischen Truppen nahmell gestern Kalkendelet ein. Zahlreiche andere serbische Truppen sind auf dem Marsch über Amselseld nach dein Süden begriffen.
Belgrad, 31. Okt. Dem amtlichen serbischen Prehbureau zufolge sollen die Türken unsägliche Grausamkeiten, bevor sie das von der zweiten serbischen Armee eroberte Land verliehen, gegen die mazedonischen Christen verübt haben. Die serbischen Truppen haben Prizrend genommen.
Vom montenegrinischen Kampfplatz.
Die Belagerung von S k u 1 a r i macht den SRoiv tenegrinern die größten Schwierigkeiten. Wie die Wiener
Die türkische Armee wurde infolge der äußerst heftigen Angriffe der Bulgaren bis über Saraj hinaus zurückgedrängt, was zur Folge hatte, daß die Rück - wöNsbewegung des türkischen Zentrums und des westlichen türkischen Flügels sich schließlich panikartig vollzog. Die am Ergene-Fluß geschlagenen türkischen Truppel! sind dann ohne Aufenthalt bis nach Tschataldja geflohen, wo sie Verstärkungen erhielten. Es entwickelte sich sodann eine neue Schlacht in der Ge-
„Reichs post" Oktober bei jana-Ebene der Türken frei. König
meldet, haben die Montenegriner am 30. Berdica, Veltoja und Truschi in der Bo- eine Niederlage erlitten. Der Angriff machte das südliche Vorfeld von Slutari Nikolaus begab sich nach A n t i v a r i,
um sich über den Fortgang der Operationen am Tara- bosck zu informieren. Bei den Montenegrinern macht sich M u n i t i o n s m a n g e l für die schweren Geschütze geltend. Der Kommandant von Tarabosch hat
Das Glückskind.
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Romau von Jj^ne von Hellmuth.
I (Nachdruck verboten.)
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US -er Angeredete bejahte, reichte ihm der Junge Brief hin. „Den soll ich Ihnen geben," fü^e er y^^^^SS und verschwand eiligst in der Richtung nach der
^^^stkelil ' 6twaé überrascht drehte der junge Arzt^deu Dri^ (ikentl’C . fcE her, doch seine Mienen hellten sich kmnevwegs Ructe n| als er j)aZ Kouvert öffueuü, die Unterschrrst ^Rosa ede”beh^ chnunterlag es, auch nachdemerdenBrief^
trtfk. *. k einem Zweifel, daß Roschen nicht wurmen wâ
1,1 ^tz-MOirn sie ihm wiederholt in ihrem Schrewenver «âWckwe. es wäre ihr unmöglich gewesen, absukommen, buck ^. ^ Besuch ihres Oheims sie daran verhmdert hatte.
___Zmsatz, daß es für den guten Ruf eines langen T^Äbenä nickt geraten wäre, mit einem Manne am ^ 7 èl Ort zutammeuzukreffeu, bestärkte nur fein Mist- ^M^^MLcherlich, einfach lächerlich'.^ setzte er sein » ." ^fM -lMW von vorhin fort, „solche Prüderie-- a^ ob ich ji^ i4 in den Urwald bestellt hatte. Ick finde burchan* s Anrechtes dabei, wenn wir uns da oben, wo leoer
TmT mÄv uÄw^ der Doktor seinen Weg - WM lotet umd befand sich, ehe er es selbst gewollt, nach kaum ^\^ Viertelstunde vor dem Hause, m^deo^ Rechen
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Wa. Ohne sich zu besinnen, trat er ein und prallte 021 den breiten Treppe, die schon rm DamMr «em ■$1 lag, hart mit dem jungen Mädchen oummme .
Wr Heches Erröten, das ihm so wenig entging, wie ^Aufleuchten der schönen Augen und bay W
cheln um den kleinen Mund, hatte mit einem Schlage alle seine Zweifel besiegt. — Nein, nein, es war nicht möglich, daß sie, die so hold vor ihm stand, nur ein kokettes Spiel mit chm zu treiben beabsichtigte, es konnte, es durfte nicht sein.
Ohne noch lange zu überlegen, den günstigen Augenblick benützend, faHe er hastig die Hände des bebenden Mädchens. Fräulein Röschen, Sie haben mich heute vergebens warten lassen, — o wie grausam von Jhnenl Mich verzehrt die heiße Sehnsucht, — Ihnen sagen zu dürfen, daß ich--Sie liebe — —, o verzeihen Sie dem raschen Wort, es drängte sich mir auf Me Lippen, — ich,--ich kann nicht anders."
Fortgerisien von dem Gefühl, das übermächtig ihn bewegte, zog er die schlanke, erschauernde Mädchengestalt in seine Arme. unb sie schmiegte sich innig an die taub atmende Brust, erzitternd unter der stürmischen Liebkosung.
Ihre Pulse hämmerten wie im Fieber, und vor ihren Augen drehte sich alles in buntem Reigen.
„Hast Du mich lieb, mein gutes Mädchen?" klang es flüsternd an ihr Ohr.
Sie nickte bloß. Eine nie gekannte Wonne zog durch ihr junges Herz. Welt und Menschen versanken vor ihrem Blick, sie sah nur ihn, der sie wieder und wieder in überströmender Zärtlichkett an sich preßte.
Endlich ritz sie sich los.
muß fort," sagte sie ängstlich, „die Mutter wartet, komm, wir wollen ihr alles anvertrauen, ich mag kein Geheimnis vor ihr haberr."
^Nicht so rasch, Du kleine Ungeduld, Du —" lachte der Doktor und drohte scherzend mit dem Finger. „Erst gib mir noch einen Kuß und dann laß Dir mgen: Ich möchte gern, daß unser Herzensbund vorläufig noch geheim bliebe; denn sieh, mein schmales Einkommen geuat- tet nvr nicht, jetzt schon ans Heiraten zu den: >
muß meine Zukunft erst sicher begnügen, muß mir erst
ewe Praxis schaffen, ^e ich öfferttUch um Dich ivrMU darf,- wer weiß, ob es mir sobald gelingen wird, das? hohe Ziel zu erreichen.^
Seine Stimme klang sehr^ernst, als er noth kleinen Pause fortfuhr: ^Ich schulde Dir volle mein geliebtes Mädchen, ich fordere sie aber auch Dir. Dies ist die erste Bedingung zurünftigen Glü Siehst Du, meine Studier: verschlangen ein ganzes pltal, — Vermögen besaßen wir nicht, so blieb mir einziges Mittel übrig, Schulden zu machen. Die Ä ter darbte und sparte, sie teilte den letzten Bissen . uNr, um es mir zu ermöglichen, meine Studien zu Trollen**] den. Nun habe ich die Teure zu mir genommen, um IM so wiel als möglich den Lebensabend zu verschönen. Aberf ehe nicht meine Schulden vollständig abgezahlt find, werde ich--*
„Röschen, mein Kind, wo bleibst Du nur so lange,* unterbrach plötzlich eine Stimme das Geflüster der bei» den. ■•■
^Jch komme schon, mein Muttchen, gleicht rief Rechen zurück. Noch ein heimlicher, flüchtiger Händedruck: und ein leises: „Auf Wiedersehen, morgen frühN dann' eilte das Mädchen leichtfüßig die Treppe empor.
Noch kurze Zeit stand Doktor Pächtner und schonte der schlanken, biegsamen Gestalt nach. Als oben die Tüv^ ins Schloß fiel, entfernte er sich leise auf den Fußspitzen/ um von niemand gehört zu werden.
IV. ^^^
Am Tage darauf — es war ein Sonntag, und der, erste Schnee fiel in kleinen Flöckchen hernieder — da: traf das arme Kind der fürchterliche, schreckliche Schlag,, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, um so niederschmet-' ternber, da er so unerwartet kam, so ungeahnt.
Die Mutter starb. — £ gräßliches, herzzerreißende Wort!
lForlsetzung folgt.), >