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Verlag der(«ic^cncr Zeitung" (8. m. b. H.

M. 44

Telep hon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Potsdam. Am Freitag um 10 Uhr sand je Parade im Lustgarten bei kühlem und trübem Wet­li statt. Die Parade befehligte Generalleutnant v. Be- in). Die Kaiserin und die Prinzessinnen wohnten tut Schauspiel von den Fenstern des Stadlschlosses aus ti Der Kaiser wurde von dem Publikum lebhaft

tgrüßt. Nach dem Abreiten der Fronten erfolgte der ljie Vorbeimarsch in Zügen; die Prinzen waren ein- irden. Der zweite Vorbeimarsch erfolgte in Kompag- tironten. Der Kaiser führte beide Male das Regiment ardes-du-Corps.

s Darmstadt. Der Großherzog und die Grotz- ^zogin mit den beiden Prinzen und dem Gefolge sind islern Freitag mittag 2.08 Uhr mittels Sonderzuges

m ihrer Reise nach Livadia hier wieder eingetroffen, um Empfang aus dem Bahnhof waren Staatsminister Mi it t. Ewald und der preußische Gesandte v. Rücker - misch anwesend. Nachdem die Herrschaften den Für- d» ^JqIoh im neuen Bahnhof besichtigt hatten, erfolgte

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t Fahrt im offenen Zweispänner nach dem Palais.

* Dresden. Der König und der Kronprinz oii Sachsen werden am Sonntag mittag dem Kaiser il Neuen Palais einen Besuch abstatten.

* Berlin. Prinz E r n st August von Braun-

Mur-n. veig-Lüneburg, der Sohn des Herzogs von Cum- erland, ist in Begleitung des Prinzen Mar von oben von München kommend am Freitag vormittag

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Berlin eingetroffen und hat im Hotel Continental Dünung genommen. Die Prinzen trafen auf Station

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Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte wochen-llnzeiger

gratis bei.

Lrpeüit i on: Selters weg 85.

Samstag, den 1. Juni 1912.

rückhält. Die Kieler Zeitung meldet, daß König Alphons von Spanien seine Teilnahme an der

Kieler Woche vom 20. bis 27. Juni bestimmt

Zuge-

sagt hat. Er wird wahrscheinlich in Begleitung von 3 Kriegsschiffen nach Kiel kommen.

* In politischen Kreisen erzählt man sich, der Kai­ser habe in der Tat die Absicht gehabt, den Reichskanz­ler v. Bethmann Hollweg aus Anlaß der Ver­abschiedung der Wehrvorlage in den preußischen G ra­se n st a n d zu erheben. Herr v. Bethmann Hollweg soll den Monarchen jedoch gebeten haben, von dieser Auszeichnung Abstand zu nehmen.

* Berlin, 30. Mai. Nach dem Fränkischen Ku­ner ist dem Bundesrat ein gleichlautender Antrag von fünf Bundesstaaten auf Einführung der E r b s ch a s is­st e u e r für die Deckungsnovelle der Wehrvorlagen zu- gegangen.

* Die Reichstagsnachwahl für den 1. mecklenbur­gischen Wahlkreis Hagenow-Grevenrühlen wurde auf den 20. Juni festgesetzt.

* Saarlouis, 30. Mai. Bei der Reichs­tagsersatzwahl im Wahlkreise Merzig-Saarlouis- Saarburg erhielt Dr. Werr (Ztr.) 15 894 Stimmen, Stauch (Ztr.-Gegenkandidat) 7131 Stimmen, P i ck (Nat.) 1510 Stimmen und Kramer (Soz.) 898 St. Dr. Werr ist somit gewählt.

* Die Verlegung des Infanterie-Regiments Nr. 161 aus Trier erfolgt, wie demBl T." berich-

tot wird, bestimmt Bataillon und der 2. Bataillon nach

am 1. April 1914. Das 1. und 3. Stab kommen nach Düren, das Eschweiler.

(«Ucnencr Tageblatt)

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Telephon Nr.: 862. 24. Sabra.

Kolonialbehörden vorgenommen werden, damit diese Vorgänge durch keinerlei unliebsame Kundgebungen ge­stört werden.

* Paris, 30. Mai. Der Deputierte und ehe - knalige Kriegsminister M e s s i m y brachte in der Kam- lner einen Gesetzesantrag ein, der bezweckt, der nament­lich durch die letzte Statistik erwiesenen Bevölker­ungsabnahme zu steuern. Danach soll jede Mutter von vier Kindern eine Prämie von 500 Francs erhalten, die teilweise oder gänzlich zur Sicher­ung einer Leibrente verwendet werden kann. Der Be­trag dieser Rente würde mit der Zahl der Kinder zu- nehmen, sodaß beispielsweise eine Mutter, die vom 20. Eis 31. Lebensjahre acht Kinder hätte, mit 60 Jahren eine Leibrente von 518 Francs erhielte. Die erforder­lichen Geldmittel sollen erlangt werden durch eine be­sondere Besteuerung der I u n g g e s e l l e n und Ehe­paare, die keine Kinder oder nur ein einziges Kind haben.

Paris, 31. Mai. Für dte zurzeit im Pa­riser Lateinischen Viertel herrschende fremdenfeindliche Stimmung ist es bezeichnend, daß gestern in einem Stu- denten-Cafee am Boulevard St. Miqueles ein ruhig dort sitzender deutscher Student von franzö­sischen Studenten angesallen, beschimpft und m i h- handelt wurde. Da er sich begreiflicherweise zur Wehr setzte, mußte Polizei einschreiten.

Holland.

* Haag, 30. Mai. Der Bericht der königlichen Kommission zur Revision der Verfassung ist veröffentlicht worden. Kein Vorschlag betreffend das Wahlrecht hat eine Mehrheit gefunden. Nur für die Einführung der Verhältniswahl ist eine Mög­lichkeit geschaffen. Der Bericht fordert, daß alle Ueber - einkommen und Verträge vor der Ratifizierung die Ge­nehmigung der Generalstaaten erhalten. Prinzessin Ju­liana bekommt das Recht auf die Regentschaft und die gleiche Apanage wie der Prinz von Oranien. Die Apa­nage der Königin wird um 250 000 Gulden erhöht.

England

* London, 31. Mai. Die britische Admirali­tät beabsichtigt, eine zusammenhängende Reihe von Ma- nne-Aeroplan-Stationen an der ganzen Osttüste Groß - Britanniens von Dover bis zu den Ottney-Jnseln zu errichten.

ßilbparf gegen 6 Uhr abends im königlichen Salon - agen ein' Sie wurden um 6 Uhr vom Kaiser em* und nahmen später den Tee bei der K a i - Nachdem die Prinzen noch eine Reihe Besuche in Potsdam weilenden Fürstlichkeiten gemacht begaben sie sich mit dem Automobil des Prin-

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Cumberland nach Berlin zurück.

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Hannover, 30. Mai. DieDeutsche Volks- ptung meldet: Prinz Ernst August von Grotzbritan- lim und Irland wird sich heute abend aus Gmunden ch Berlin begeben, um dem Kaiser für dessen Teil- hme beim Ableben seines Bruders den Dank des ^rzogs von Cumberland abzustatten. Das läßt zu- W ganz klar erkennen, daß die persönlichen Bezieh­ten, die seit 1866 fast ganz gerußt haben, zwischen Berlin und Gmunden wieder aufgenommen worden sind hb bereits einen hohen Grad von Wärme erlangt feen.

Kiel, 30. Mai. Wie die Kieler Neuesten Nach­ten melden, wird der K r o n p r i n z der Kieler koche fernbleiben, da ihn der Dienst in Danzig zu-

Frankreich.

* Paris, 30. Mai. In einer französischen offi­ziösen Mitteilung wird ettlärt: Die am 15. Juni in Bern zusammentretende deutsch-französische Kongo--Kamerun-Kommission wird auch die Aufgabe haben, die Formalitäten der Gebietsüber - gäbe im Geiste gegenseitiger Versöhnlichkeit vorzuberei- ten, um etwaige Reibungen hintanzuhalten. Die Tat­sache, daß an der Spitze der deutschen und französischen Vertretung in dieser Kommission zwei so erprobte Dip­lomaten wie Freiherr v. d. Lancken und Ministerial­direktor C o n t y stehen, bietet in dieser Hinsicht eine Bürgschaft. Die Uebergabe der Gebiete dürfte im ge­meinschaftlichen Einvernehmen von den betreffenden hohen

Rußland.

* Petersburg, 30. Mai. Die in Odessa ein­getroffenen ausländischen Dampfer1 ^weigern sich, den Importeuren die Ladung auszuliefern und ver­fangen Schadenersatz für die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung der Dardanellen. Die Importeure

sehnten Verluste Prozesse

dieses Verlangen ab, da sie dadurch kolossale erleiden würden. Infolgedessen sind Massen unvermeidlich.

Serbien.

Belgrad, 30. Mai. Wie hier verlautet, sol-

Die

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Nachdruck verboten.)

Kriegsbegeisterung war verschwunden, der

Eises

Ver^

triottsmus erstickt.

Sobald die Feinde tn nächster Nähe erschienen und Kartätschen einschlugen, hielt die junge Mannschaft H1 aus. Alle waren auf ihre Rettung bedacht,- sie fen fort, Hauptmann und Unteroffizier, Leutnant und meiner, und allen voran Oberst Trepillon, der seinen aunen wacker anspornte, um aus der gefährlichen Si- ition zu kommen und Bourlier blieb auch nicht zurück.

Mtt dem kühnen Gedanken, der Rächer seines Soh- S zu werden, hatte er die Epauletten genommen, it mutzte er weichen, ohne das Bewußttein, auch nur >en Mann getötet zu haben. Auch seine Leute hatten Ht viel dazu getan. Sie knallten nur so ins Blaue rein, nicht ins Blaue der bayerischen Röcke, sondern llos, ungewiß, ohne Ueberlegung, nur um durch das Setzen ihre Angst zu betäuben.

Treptllons Regimerrt hatte bei Assas gestanden und Lde über Creucy und Checilly zurückgedrangt. Als I bayerischen Kürassiere in die fliehenden Reihen ein­ten, gelang es der 2. Kompanie der 204er unter Ka- in BElier im Walde von Orleans Deckung zu ten, allerdings mit einem Verlust von 30 Mann, Ä fünften Teil sämtlicher Lertte. _ .-

^as ist der Krieg," ließ sich Oberst TrepÄon- », lüs sie im Walöesfchatten endlich Zett zum Ver- nottfen fanden.Machen Sie sich nichts aus dieser hlcmpe, lieber Bourlier, sie ist nur öer Anfang zu rem großen Siene. Wir werden öennochbei^l^ns i Prusiiens in die Manne hauen. Sie sollen nwron^ in, die Blauen und die Schwarzen, wir rcursges^t, daß der General meine^irekttven folgtt

Allein r'Aurelles de Paladme hattees.anders be- totfen als Oberst Trepillon. Die französischen Streu-

fräste wurden langsam auf Orleans zurückgezogen. Die 204er rückten in die Stadt ein, wo sie in Bttrgerquar- tiere gelegt wurden, da die Kasernen und öffentlichen Gebäude von Soldaten überfüllt waren.

Bourlier gelangte halbtot in sein Quartier, welches ihm bei einer alten Witwe in der Nähe der Place de la Vierge angewiesen wurde. Als er eintrat, wußte er kaum, wo er sich befand. Nach der Ueberanstrengung war eine entnervende Reaktion über ihn gekommen. Von der Wirtin in ein kleines, reinliches Zimmer ge­führt, streckte er sich in Stiefeln und Uniform auf das Bett hin und verfiel bald in Schlaf. Er träumte von seiner schönen Gattin, die ihn leider so früh verlaßen batte, und die Kinder Olivier und Desiree spielend zu seinen Füßen. Und mit dieser Erinnerung erwachte er.

Das ganze Elend seiner Lage kam über ihn. Ver­zweifelnd rang er die Hände und wußte sich keinen Trost Da fühlte er seine Brieftasche. Sie barg, außer dem Gelde,, das Bild seiner Gattin es war das ein­zige Andenken, welches er aus der Villa bei Bazeilles mit sich genommen hatte.

Schwermütig befreite er das Bild von seiner Um- vülluna. Es war eine Photographie, in Farben ausge­malt. Lange saß er da, die Augen innig auf die ftked- lich holden Züge gerichtet, unb gedachte seiner Toch- ter Desiree, die er aufgegeben und verstoßen.

Er stellte das Bildchen auf eine Kommode unweit des Tisches und begann seine Waffen nachzusehen. Dann zählte er seine Barschaft. Sie war sehr zusammenge- sckmolzen. Was er vorderhand brauchte, hatte er aller» dings und dann den Sold--bisher hatte er zwar nichts davon gesehen nur Geld ausgegeben, denn die Verpflegung war gleich Null der gemeine Mann

^Dieâr ^Gedanke brachte ihm zum Bewußtsein, daß er selbst seit 24 Stunden nüchtern war. Er rief seine Wirtin, und diese, eine gutmüttge, gefällige Person, war

sogleich bereit, von ihrem Mittagsmahl herzugebeu.

Während Bourlier speiste, ging die Frau im Ztm» mer hin und her. Das Bild fiel ihr inS Auge.

Gewiß Ihre Frau Gemahlin, Herr ffapttän?* ^^ANeine einstige Gattin. Sie ist seit Fahren to^ Ich wollte, ich ruhte an ihrer Seite."

O, so dürken Sie nicht sprechen, Herr Kapitäns tröstete die Wirtin.Ich habe auch meinen guten Mann verloren und wünschte mir bei seinem Begräbnis den Tod. Jetzt lebe ich doch gern trotz Not und Alter und freue mich meines Daseins, so gut es eben geht."

Bourlier antwortete nicht. Sollte er dieser Frau sein Leid erzählen? Sie vermochte ihm doch nicht nach­zufühlen. In trüben Gedanken saß er da, bis die Däm­merung hereinbrach. Die Wirtin brachte ihrem Gaste einen gut bereiteten Kaffee. Dabei nahm sie wieder das Bild zur Hand, und als sie es fortstellte, fiel es um und kam hinter einen kleinen Spiegel zu liegen.

Abends wurde die Besatzung alarmiert. Die 204er strömten zum Appellplatze,- ausgerüstet, gereinigt, ge- sättigt, zeigten sie wieder eine stolze Haltung. Bourlier war sofort bei seiner Kompanie, die nach kurzer Muste­rung in die Vorstadt abmarschierte.

Die Bayern waren nach einem tagsüber dauernden' Gefecht im Walde von Orleans auf die Stadt zugerücü, während der preußische General von Wittich mit fefr ner Division von Nordwesten herankam. General von der Tann hatte beschlossen, Orleans noch an demselben Tage, am 11. Oktober, zu nehmen. Nachdem die Preu­ßen sieben Batterien bei Bois Girard aufgefahren hat- len, gelang es ihnen, die französischen Kanonen, welche hinter starken Verschanzungen standen, binnen kurzem zum Schweigen zu bringen. Nun stürmte das 32. In­fanterieregiment, die 83er und 95er zusammen das Dorf Ormes, wo die Erfolge der Bayern abgewartet wurden.

(Fortsetzung folgt.)