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Handel«Wirtschaft»Börse

Kasseler Neueste Nachrichten Hessische Handelszeitung Mittwoch, den 28. Dezember 1932

Deutschlands Außenhandel 1932

Ausfuhrüberschuß im Europahandel / Unterbilanz mit Uebersee / Von Dr. Arthur Heidien

In Kürze

Am Kerwaltuugsbrtrieb der I. G. Farbe»- i n b u # r t e in ,'ranffnrt a M. wird ab 1. Anouar «ur -rach au fünf Tagen in der Woche acarbeitet. wiibrend am sonnebeni) die Büros gcichlösten bleiben Eine Grbaliskür- iung ist mit dieler ArbeiKzeitverkürzuos nicht verbnnden.

Noch immer und trotz aller Wirtschaftsschrumpfung if Deutschlands Außenhandel mit den europäischen Lände, ß a r k aktiv. Auch im Jahre 1932, für das die Handel, statistik nach Bezugs- und Absatzländern bis September ein schließlich vorliegt, hat sich an diesem Zustand in seiner Ge samtheit nichts geändert. Und nennenswerte Veränderung^, des Gesamtbildes vermag das letzte Jahresviertel 1932 nich mehr 3» bringen. In dem Zeitraum Januar bis Septem ber 1932 wurden aus den europäichhen Ländern Waren in Werte von 1845 Mill. RM eingefiihrt, während deutsche Er Zeugnisse im Werte von 3478 Mill. RM dorthin zur Ausfuh gelangten. Gewiß, sowohl Einfuhr wie Ausfuhr find ge schrumpft. Dennoch ist im Verkehr mit diesen Ländern ei. Ausfuhrüberschutz von 847 Mill. RM verblieben, bei Zwar sehr viel kleiner ist als der Au fuhrüberschutz der gleiche,. Zeit d. Vs. dieser hatte unter dem Druck der Finanzlrise die ungewöhnliche Höhe von 1964 Mill. RM erreicht der aber hinter dem Ausfuhrüberschuß von Januar bis September 1930 mit 984 Mill. RM nur verhältnismäßig wenig zurück- bleibt. Unter Berücksichtigung des Rückgangs der Waren- Preise ergibt sich, daß sich der Ausfuhrüberschuß mit den euro­päischen Ländern im Jahre 1932 ungefähr aus der Höhe von 1930 hat behaupten können. Dieses Ergebnis konnte freilich nicht ohne bemerkenswerte Umschichtung vollzogen werden.

Innerhalb Europas hat sich ber beutsche Export erheb­lich vom Westen nach dem Osten verlagert.

Jrüher waren Großbritannien und Frankreich Deutsch­lands beste Kunden. Schon im dritten Quartal des Jahres 1931 war zunächst Frankreich von Rußland überholt wor­den. Und vom ersten Quartal 1932 ab wurde auch England, das durch Psundabwertung und Zollmaßnahmen den Wa­renaustausch mit Deutschland stark abgeriegelt hatte, von dem bis dahin innegebabten ersten Platz verwiesen. Die deutsche Ausfuhr wurde Nutznießer der beschleunigten Durch­führung des russischen FünfjahreplaneS, dessen Hauptkennzeichen eine großzügige Jnvestierungstätig- leit war. Schwerindustrie und Maschinenbau waren diejeni­gen Wirtschaftszweige, denen die russischen Aufträge in erster Linie zuslossen, und zwar in einer Zeit, in der gerade ber Auftragseingang aus dem überseeischen und europäischen Ausland beängstigend schnell absank. Wenn man die euro­päischen Abnehmerländer Deutschlands nach der Höhe der aus­genommenen deutschen Ausfuhr gruppiert, so ist die

Rangordnung

im Jahre 1932 die folgende gewesen: Rußland steht mit 486 Mill. RM (alle Zahlen beziehen sich immer aus den Zeit­raum Januar bis September) an ber Spitze. Den zweiten Platz nimmt Holland mit 471 Mill. RM ein. Der 3. Platz ist von Frankreich mit 369 Mill. RM belegt, während Groß­britannien vom ersten Platz, den es noch im vorausgangenen Jahre innehatte, aus die vierte Stelle gerückt ist. Den fünf­ten, sechsten und siebenten Platz haben die Schweiz mit 309 Mill. RM, Belgien mit 220 Mill. RM und die Tschechoslo­wakei mit 192 Mill. RM belegt. Es folgten schließlich Schwe­den mit 166 Mill. RM, Italien mit 164 Mill. RM. Däne­mark mit 126 Mill. RM und Oesterreich mit 122 Mill. RM. Mit all den aufgeführten Ländern ist ber Warenaustausch aktiv zu Deutschlanbs Gunsten gewesen, und die größten Slusfuhrüberschüsse konnten im Verkehr mit Ruß­land (265 Mill. RM), Holland (262 Mill. RM), Schweiz (238 Mill. RM). Frankreich (230 Mill. RM) und Großbrt- kannten (132 Mill. RM) erzielt werden. Wohl am stärksten ist ber Ausfuhrüberschuß im Verkehr mit Dänemark ge­sunken, nämlich von 140 Mill. RM in ber Zett von Januar bis September 1931 auf 37 Mill. RM in ber Zett von Jan. bis September 1932. Nur mit fünf europäischen Ländern ist Deutschlands Außenhandel passiv gewesen, nämlich mit Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Spanien und Lettland.

Nach den überseeischen Ländern

bat Deutschland niemals soviel von seinen Erzeugniffen ab­setzen können, wie es von dort in Gestalt von Lebensmitteln und Rohstoffen beziehen mutzte. Die Einfuhr aus Afrika, Asien, Amerika und Australien ist immer natürlich auch im Jahre 1932 größer gewesen als die entsprechende deutsche Ausfuhr. Nach Afrika konnte Deutschland von Januar bis September 1932 insgesamt 82 Mill. RM absetzen, wäh­rend es für 187 Mill. RM Waren van dort bezogen hat. Die besten Kunden Deutschlands waren Britisch-Südafrika mit 31 Mill. RM und Aegvpten mit 22 Mill. RM. Mit keinem der größeren Länder Afrikas ist Deutschlands Außenhandel aktiv. Im Verkebr mit Britisch-Westafrika erreicht ber Einsuhrüber­schuß zu Deutschlands Lasten sogar die Höhe von 49 Mil­lionen RM.

Nach Asien

führte Deutschland snsgesamt 302 Will. RM Waren aus, wahrend die Einfuhr von dort 435 Will. RM betrug. Die Rangordnung der asiatischen Kunden ist die folgende: Der größte Kunde Deutschlands ist Britisch Indien mit 83 Mill. RM. Den zweiten und dritten Platz nimmt China mit 63 Mill. RM und Japan mit 62 Mill. RM ein. In den vorausgegangenen Jahren war Japan ein besserer Kunde als China gewesen, aber der Aensturz hat die japanische Kauskrast geschwächt, sodaß Javan seinen vis dahin iunegehabten zwei­ten Platz an China abtreten mußte. Die vierte und fünfte Stelle wird von Niederländisch-Jndien mit 33 Mill. RM und

-er Türket mit 24 Mill. RM eingenommen. Nur mit einen uzigen der größeren asiatischen Länder ist Deutschland >:genhandel aktiv, nämlich mit Japan. Der im Verleb

t diesem Lande erzielte Ausfuhrüberschuß betrug 48 Mil .mten RM.

Rach den Ländern Nord- und Südamerikas

nute Deutschland insgesamt 408 Mill. RM Waren ab Sen, während es 869 Mill. RM von dort bezog. An de Nitze standen natürlich die Vereinigten Staaten mit 20 ill. RM. Der zweite Platz ist von Argentinien mit 6>

iitt. RM und der dritte Platz von Brasilien mit 36 Mill UM belegt. In früheren Jahren war der vierte Platz regel nützig von dem dritten ber ABC-Staaten, nämlich Chile, in .'lnspruch genommen worben. Pesosturz, revolutionäre Wir ren und andere Ereignisse haben zusammengewirkt, sodaß dic deutsche Ausfuhr dorthin um etwa 80 Prozent gegenüber 193* gesunken ist. Die Ausfuhr nach Chile betrug nur noch 7 Mill. RM, sie war damit niedriger als diejenige nach Mexiko mit 19 Mill. RM. Mit sämtlichen größeren Ländern des nord- und sübamerikanischen Kontinentes war ber deutsche Außenhanbei passiv. Eine Ausnahme machten lediglich Co­lumbien und Cuba.

Auch Deutschlands Autzenhandelsverkehr mit Austra­lien ist von jeher passiv gewesen. Es konnten dorthin nur 18,5 Mill. RM deutsche Waren ausgeführt werben, währenb

"ir 64 Mill. RM Waren aus Australien zur Einfuhr gc langten.

Tas Schwergewicht ber deutschen Ausfuhr ruht also nach wie vor in Europa.

Bon einer Gesamtaussuhr ^Deutschlands von 4,29 Milliarden RM waren 3,48 Milliarden RM zur Ausfuhr nach eure .mischen Ländern bestimmt. Aus dem Europahanbe, ilso baut sich in erster Linie Deutschlands Zahlungsbilan mb auch Deutschlands Zahlungsfähigkeit auf. Der im Hau nelsverkehr mit Europa erzielte Ausfuhrüberschuß bat z w e Aufgaben zu erfüllen, von denen die eine so wichtig ist toi. die andere. Aus diesem Ausfuhrüberschuß erhält Deutschland einmal die Devisen, die zur Bezahlung des in erster Sink durch Rohstoffbezüge entstandenen E t u f u h rüberschussec ins den überseeischen Ländern ersorderlich stnd. Aul derselben Quelle erklärt Deutschland weiterhin die Devisen die es braucht, um die Zins- und Tilgungsleistun gen für die Auslandsschuld zu erfüllen. Und weil Deutsch land mit feinem Export nach Uebersee die notwendigen und unentbehrlichen Bezüge von Rohstoffen, Kolonialwaren usw. nur eben zum Teil bezahlen kann, deshalb ist die Pflege und Stärkung des Europabandels ro lebenswichtig. Zwischen Europahandel und Ueherseehandel bestehen keinerlei gegen­sätzliche Interessen, sondern der Ueberseehandel wäre ohne den Eurou-'h-.ndel in dem bestehenden Ausmaß nicht weiterhin lebensfähig.

Unser Textilmiiar beiter sdireibt:

An der Schwelle des neuen Jahres

Die Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot in Ludwigsburg, die grötzte deutsche Banlvarkasse. finanzierte bis batte 13 666 Bansparer-Eiaenheime mit .200 Mill. RM, und zwar ganz aus eigenen Mitteln ohne rede trembt Hilfe.

velzentner festfetzt.

irnnd ernn-

icr vom 27. 12. 32 ist ein« Verordnung * * " "leichswirtschastsmini-

I« Reichsanzeiger vom 27. 12. 32 i, des Reichsfinanzutintsters und des Re üers vom 24. Dezember 1932 oerösfentlr des Artikels 3 6 5 Absatz 2 des Gesetzes------------.

gen vom 15. April 1930 die Ansgleichsstener ans Mineralöle (Mineralölft-uer) für di« Zeit vom 1. Ja­nuar 1933 au bis aus weiteres auf 3,80 RM für eiueu Dov-

Dnrch einen Berfchmelzungsvertrag mit der Verei­nigte Alumiuinm-Werke A -G Baulaiverk bei Kam». bat die Erftu> erk A.-G , Grevenbroich, ihre Selb­ständigkeit verlor«». Rach dem Vertrag überträgt die Erft- -verk A.-G. ihr gesamtes Bermögen av die Vereinigte» Alumininm-Werke, die in alle Recht« und Pflichte» des Erftwerks Eintreten. Der Betrieb in Grevenbroich wird als Zweigniederlassnag der Bereinigten Aluminium-Werk« woi-

An di« Inhaber von Zertifikatei der Gruppen 1, 2 und 5 der Reichs baut über Vorzugsaktien Serie 4, 5 nnd 1 der Deutsche» Reichsboh n-G eiellschast wird die Abichiagedivideude für 1932, die auf die durch die Zertifikate vertretenen Vorzugsaktie» entfällt, «»verkürzt auf Dividenden-Bezngsfchei» Nr. 13 bezw. 9 beim. 5 vom 2. Ja­nuar 1933 ab bei bett für die Eiulosuug vorgesehenen Zahl­stellen ansgezahlt.

Bekanntlich blieben die vor den Weihnachtsfeiertage» ge­führten Berbandlnngen um die Verlängerung des am 31. Dezember 1932 oblanfenden Westdenifcheu Zement- verbaudes ohne Ergebnis. Wie wir erfahren, will man jetzt vorerst mit den antzeuftehenden Werken in Einzelver- handlungeu eiutreteu und erst End« der Woche wieder ge­meinsam verhandeln, da die Hofsanng besteht, durch Eiuzel- verhaudlnugeu eher zum Ziele zu komme».

Das Ergebnis des Weihnachtsgeschäfts. Anzeichen beginnender Besserung. Ein Krebsschaden: Her­unterdrückung des Qualitätsniveaus. Die Aus­sichten.

Das Weihnachtsaeschäft hat der Bekleiduuas- inbuftrte mancherlei Nachbestellungen gebracht, denn Bekleb- dungsartikel spielten diesmal als Weihnachtsgeschenke eine große Rolle. Da aber bei den Geschenken die Artikel der billigen Preislagen eine große Rolle spielten, so stand in vielen Einzelhandelsgeschätten die Zahl der bedienten Kun­den in einem gewissen Mißverhältnis zu dem Gesamtbetrag der Umsätze. Immerhin kann in vielen Fällen festgestellt werden, daß das Einzelhandelsgeschäft. das int November einen starken Ilmsatzrückgang aufzuweisen hatte, im Dezem­ber mei stichon wieder Zeichen einer leichten Erholung zeigt. Ueberfchaut man rückblickend den Ablaut des jetzt zur Neige gehenden Jahres.

bau» ist dieser Rückblick wenig erfreulich.

Das Geschäft stand nicht nur im Zeichen einer fortschreiten­den Schrumpfung der allgemeinen St auftraft und einer sich daraus ergebenden Schrumpfung der Umsätze, sondern gleichzeitig zeigte sich auch auf den meisten Gebieten der Textilwirtschaft ein Rückgang der Preise. Eine sich gegen Ende August bis Anfang September anbahnende Befestigung des Preisniveaus, die vor allem im einer vor- icheraehenden Steigerung der Baumwollwarenpreise zum Ausdruck kam. konnte sich nicht durchsetzen, denn schon bald zeigten die Preise wieder eine schwächer- Haltung. Erst ge­gen Ende des Jahres zeigte sich dann stellenweise wieder eine festere Haltung, die aber bisher auf die Verkaufspreise noch keinen merklichen Einfluß gehabt hat. Immerhin er­scheint es nicht ausgeschlossen, daß das neue Jahr uns so­wohl für Baumwollwaren als auch für Leinenwaren höhere Preise bringen wird und auch die Verständigung der Kitnst- feibenvrobnzenien Deutschlands, Frankreichs und Belgiens wird in absehbarer Zeit zu einer Revision der Preise und damit zu einer Befestigung führen Betrachtet man die letzte, Entwicklung in den verschiedenen Zweigen der Textiltndustrie, so zeigen sich

Zeichen einer beginnenden Besserung.

In der Baumwollweberei ist bas Geschäft in man­chen Artikeln lebhafter geworden und in manchen Artikeln wie z. B. bei doppeltbreiten glatten Geweben kann von einer gewissen Knappheit gesprochen werden. Auch in der Seinen roeberei ist stellenweise eine Besserung der Nachfrage eingetreten, und es wird in manchen Betrieben fchon wieder in mehreren Schichte» gearbeitet, um der Nachfrage genügen zu können. In anderen Zweigen sind zwar leichte Abschwächungen des Auftragseinganges festjit- stellen. doch handell es sich dabei teilweise um rein saison- mäßige Einflüsse. So wurde aus der Tuchindustrie und zwar gleichermaßen bei Herren- und Damentuchen im No­vember ein Nachlassen des Auftragseinganges berichtet, weil Großhandel und Konfektion keine wesentlichen Aufträge auf Winterware mehr erteilt haben. Im Dezember dagegen ka­men schon Aufträge auf Sommerware, und es darf wohl damit gerechnet werden daß mit dem Beginn des neuen Jahres hier eine regere Nachfrage einsetzen wird. 1

Schweineschmalz und Papierholz

Das Verfahren bei den Einfuhrbewilligungen.

Durch eine Verordnung des Reichsministers für Ernäh. rung und Lanbivirtschaft und des Reichstoirtschastsministers totrb ab 1. Januar 1933 bte Einfuhr von Schweineschmalz

Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Bekleidungsindustrie ist die

Weckung des Qualitätsgedaukens.

Leider Hai man im vergangenen Jahr in gar zu vielem fest­stellen müssen, daß sich Etnzelhandelsunternehmen und zwar besonders Großunternehmen der Schrumpfung der Kaufkraft der breiten Masse auf einer falschen Basis anzu- vassen suchten. Man glaubte, dieser Schrumpfung der Kauf­kraft dadurch entgegenkommen zu sollen, daß man nur noch auf den Preis achtet, die Qualität außer Betracht läßt und Artikel der unteren und der untersten Preislagen stark in den Vordergrund der Angebote viickt. Eine solche Einstel­lung hat dazu geführt, daß das durchschnittliche Qualitätsniveau immer weiter herunter- gedrückt worden ist, daß der Wettbewerb in den Artikeln der unteren Preislagen immer schärfer wurde und daß so das Geschäft für den Hersteller wie auch für den Handel un­lohnend oder bei den billigen Artikeln sogar oft verluftbrin- gend wurde. Es ist dabei nicht nur im Interesse der Her­steller und des Handels nötig, daß bei den Verbrauchern wieder das Verständnis für Qualität geweckt wird, sondern das liegt auch im Interesse der Verbraucher selbst. Ge­rade der Verbraiicher, der mit jedem Groschen rechnen mutz, bat in erster Linie darauf zu sehen, Bekleidungsstücke zu er­halten, die praktisch den Anforderungen, die er im Gebrauch daran stellen muß. soweit wie eben möglich genügen. Er muß sehen, zwar billig, aber trotzdem auch tragbare Ware ,u erhalten. Den Verbraucher richtig zu beraten, ist eine wich­tige Aufgabe des Einzelhandels.

Di« Aussicht«» für das «eite Jahr

werden im allgemeinen .nicht ungünstig beurteilt Man ist der Ansicht, dan der . T t e t ft a n b der Krise überwun - den rst und daß gleichzeitig auch die Warenpreise den Tief­stand erreicht oder gar schon überwunden haben. Mit der Befestigung des Preisniveaus wird aber auch wieder das Zssteresse an der Deckung vorliegenden Bedarfs aufkommen. Mit Recht ist von verschiedenen Seiten schon auf den llm- stand hingewieien worben, daß die Svarkassenstatistik für den Monat Oktober zum ersten Male feit Mai 1931 einen Neberschutz von Einzahlungen über die Auszahlungen in Höbe von 15 Millionen Mark verzeichnet und daß der Ge- fanvteinlagenbestand 9.7 Milliarden Mark beträgt Hierin l-ege eine erhebliche Raufkraftreserve, die wenigstens zum Teil mobil gemacht werden könne und müsse. Hierzu sei der E t n z.e l Händler berufen, der es ;n der Hand habe, durch geickickte und preis,verte Darbietungen das Publikum zum. Kauf anzuregen. Jedenfalls wird man mit gesundem Optimismus in das neue Jahr hineingeben müssen, denn ohne Optimismus ist keine Besserung der Lage möglich.

und Papierholz unter Einfuhrbewilligung gestellt. Einfuhr­bewilligungen erteilt der Reichskommissar für Aus- und Ein­fuhrbewilligung in Berlin W 10, Viktoriastratze 34. Für Schweineschmalz gilt das Bewilligungsverfahren, das einer übertriebenen Voreinfuhr entgegenwirken soll, nur bis zum 15. Februar 1933, dem Tage des Außerkrafttretens der vertraglichen Bindung des Schweineschmalzzolles.

Bei der Stellung der Anträge auf Erteilung einer Einfuhr­bewilligung ist folgendes zu beachten: 1. Für Schmalz: Die antragstellenden Firmen müssen den Nachweis erbrin- gen, welche Mengen Schmalz sie in ber Zeit vom 1. Januar iS 15. Februar 1932 eingesührt haben. Aweckmäßigerweise wird vieler Nachweis durch Vorlage der Zollquittungen er­bracht werden. 2. Für Papierbolz: Bei der Stellung des Antrages ist nachzutoeifen, daß der Antragsteller das ein- zuführende Papierholz selbst verarbeiten will, daß er bereits im Jahre 1932 ausländisches Papierholz verarbeitet hat und daß er zur Aufrechterhaltiing seines Betriebes nachweislich auch in Zukunft auf bestimmte Mengen ausländischen Papier- Holzes angewiesen ist.

Die E.nfuhrregelung für Papierholz soll den Absatz des deutschen Papierbolzes sicherstellen; andererseits totrb bas Bewilliguligsverfahren so gehandhabt toerben, daß den Papierholz beiarbettenben Industrien, soweit sie auf den Be­zug ausländischen Papierholzes wirklich angewiesen sind, die Befriedigung ihres Einfuhrbedarfs ermöglicht wird. Die Wettbewerbsfähigkeit der Papierholz verarbeitenden Indu­strien wird durch die Maßnahme nicht beeinträchtigt werden.

Industrie g&taritie ** für die Vegeka

Aenderung der Wirtschaftsgarantie-Verordnung

Im Reichsgesetzblatt vom 24. Dezember 1932 wird als itoeiter Teil der Verordnung des Reichspräsibenten über Wirtschaft und Finanzen vom 23. Dezember 1932 eine Aen­derung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Schaffung einer Wirtschaftsgarantie vom 8. Juli 1931 betanntgegeben, Darnach wird Par. 1, Satz l der damaligen Verordnung durch folgende Vorschrift ersetzt: Die Reichsregierung wird ermächtigt, durch Rechtsverord­nung in Anlehnung an die Vorschriften des Aufbringungs­gesetzes vom 30. August 1925 die darnach aufbringungsfähi- gen Unternehmer, deren Betriebsvermögen 5 Mill. RM über­steigt, anteilig zu verpflichten, die Haftung bis zum Gesamt­beträge von 500 Mill. RM zu übernehmen und zwar bis zum Betrage von 470 Mill. Reichsmark für etwaige Ausfälle aus Kreditgeschäften, welche die deutsche Golddiskontbank im In­teresse der Aufrechterhaltung des deutschen Auslands»-- dites tätigt, und bis zum Betrage von 30 Mill. RM für Zahlungen, welche die am 23. Dezember 1932 gegründete Tilgungskasse für gewerbliche Kredite nach Maßgabe der Satzung, auf Grund derer ihr der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit am gleichen Tage Rechtsfähigkeit ver­liehen hat, nach Verwendung ihres Tilgungsfonds zu leisten hat.

mt DAME MOT DEM OTTERPELZ

Die Geschichte eines rätselhaften Falles von CAREN_____________________________ 9____

Ich habe mich also nicht getäuscht, als ich Ihre Stimme zu erkennen glaubte, Kommissar Kling! Kom­men Sie zu mir?"

2a. Das heißt, eigentlich wollte ich zu Dr. But- scher. Aber offengestanoen ist es mir bedeutend sym- pathischer daß ich Sie statt seiner angetroffen habe," fügte er hinzu, als sich hinter ihnen die Tür geschlossen hatte.Denn allen Respekt vor seiner Tüchtigkeit! ich bezweifle doch sehr, ob unser braver Lutscher ge­rade für diesen komplizierten Fall die richtige Instanz gewesen wäre."

Dr. Morris dankte mit einer kleinen Verbeugung für das indirekte Kompliment und setzte sich dem Kom- misiar gegenüber auf die Armlehne eines Klubsesiels. .hoffentlich muß ich Sie nicht enttäuschen! Worum handelt es sich denn?"

Kling nahm eine Zigarette.Ach. ich bearbeite da gegenwärtig eine Sache, die mir schon zwei schlaflose Nächte bereitet hat. Also stellen Sie sich vor: Kommt da vor zwei Tagen ein Mann zu uns Kunstmaler ein gebildeter, bisher unbescholtener Mensch und beschuldigt sich selbst, tags zuvor in Berlin einen Tot­schlag verübt zu Haven. Ich stand der Sache von An­fang an skeptisch gegenüber. Nicht, daß der Mann einen ausgesprochen unglaubwürdigen Eindruck auf mich gemacht hätte. Aber alles, was ich mir in meiner Praxis an Menschenkenntnis erworben habe, sprach einfnih dagegen, dass dieser Mensch, selbst im Affekt nun, Sie werden ihn ja gleich selbst zu sehen bekom­men! Die Erhebungen hatten denn auch das voraus­gesehene Ergebnis. Es steht fest, daß der Mann, den er ermordet haben will, noch lebt und auch keine Spur einer Verletzung aufweist. Der angeblich Ermordete lehnt es ab, einen Maler namens Grau überhaupt zu kennen. Ferner ist festgestellt worden, daß Grau in der kritischen Zeit krank zu Bett lag und seine Woh­nung in Stralsund überhaupt nicht verlaßen hat/

Vermutlich ein typischer Fall von Pseudologia phantastica" warf der Doktor nachdenklich ein ,^>as Dar anfänglich auch meine Ansicht. Aber hören Sie »eiter! Ich nehme mir also diesen Grau noch einmal »or. Verhöre ihn kreuz und quer. Und springe ihm mit der Tatsache ins Gesicht, daß wir ihm auf den Schwindel gekommen sind. Er hesteht aber trotzdem hartnäckig auf seiner Behauptung. Er schildert die Tal mit allen Einzelheiten und gibt auf Befragen so­gar eine genaue Schilderung des Tatortes!"

Sie natürlich ebensowenig stimmt, wie . . ."

,Lalt!" Kling schnitt ihm das Wort ab und ließ dann eine bedeutungsvolle Pause eintreten, wie ein Kartenspieler, bevor er einen Trumpf ansagtIm Gegenteil, mein Lieber diese Beschreibung stimmt' Sogar haargenau. Bis ins einzelne bis bis auf das Tapetenmuster! Hier haben Sie den Berliner Bericht. Vergleichen Sie den Wohnungsplan mit der Skizze Graus! Was sagen Sie dazu""

Dr. Morris schüttelte verwundert den Kopf. JDas ist allerdings merkwürdig! Der Mann muß doch in dieser Wohnung schon einmal gewesen sein."

.Darüber besteht kein Zweifel! Aus den Fingern saugen kann man sich derartige Angaben nicht. Und selbst angenommen, er hätte seine Kenntnisie der Oert- lichkeit von einer dritten Person bezogen, oder er hätte sich gelegentlich einmal den Zutritt verschafft, man muß eine Wohnung schon sehr genau kennen oder eine nicht alltägliche Beobachtungsgabe besitzen, um sich Nebensächlichkeiten zu merken wie ein Tapeten­muster oder die genaue Stundenziffer, auf der eine Uhr stehengeblieben ist."

Allerdings!"

Und deshalb, lieber Morris, neige ich zu der Ver­mutung, daß sich hinter der Geschichte irgendwas ver­birgt. Was. ist mir allerdings vorläufig'noch gänzlich schleierhaft! Aber mein Instinkt hat mich noch selten getäuscht, wenn er irgendwo Unrat gewittert hat. Die Berliner Kriminalpolizei verhält sich ablehnend und legt mir nahe, die Sache fallen au lasten. Aber jetzt fängt sie erst an, mich zu reizen!"

Das kann ich verstehen. Kompliziert genug scheint sie zu fein!"

,Zch möchte Sie also bitten, lieber Doktor, sich den Mann einmal anzusehen und ihn auf seinen Geistes­zustand zu untersuchen. Sehr wahrscheinlich ist er erb­lich belastet. Die Mutter ist im Irrenhaus gestorben."

Wodurch allerdings seine minuziöse Lokalbeschrei­bung auch noch nicht erklärt wäre."

Gewiß nicht. Aber mir kommt es zunächst einmal darauf an, zu hören, ob und bis zu welchem Grade diesem Menschen überhaupt ein derartiges Verbrechen zuzutrauen ist. Ich bin neuerdings in diesem Punkt wieder schwankend geworden. Beim letzten Verhör er­weckte er doch den Eindruck ungewöhnlicher Reizbar­

keit, so daß man ihm unter gewißen Umständen viel­leicht schon einer Affekthandlung fähig halten könnte. Außerdem knüpfe ich an Ihre Intervention noch eine bestimmte Hoffnung, lieber Morris. Nämlich die, daß es Ihnen vielleicht gelingt, diesen Grau zu größerer Mitteilsamkeit zu bewegen." Er reichte Morris die Hand.Ich laste Ihnen den Akt da. Ausserdem stehe ich Ihnen telephonisch jederzeit zur Verfügung, falls Sie über irgendeinen Punkt noch Informationen wünschen."

Morris begleitete den Kommissar zur Tür und machte sich dann sofort über den Inhalt des blauen Aktendeckels. Nach Ablauf einer halben Stunde gab er telephonisch den Auftrag, den Untersuchungsgefange­nen zu ihm zu bringen. Und bald darauf stand Donald Grau ihm gegenüber.

Der Arzt war sich schon nach ein paar einleitenden Fragen darüber klar, daß er es mit einem auffallend sensiblen Typus zu tun hatte und bei seiner Psycho­analyse alles würde vermeiden müssen, was in dem Patienten auch nur das leiseste Misstrauen erwecken könnte. Er beschloß, mit äußerster Vorsicht zu Werke zu gehen und der Situation zunächst den Charakter einer rein physischen Untersuchung zu geben. In deren Verlauf hoffte er dann sich durch geschickte Zwischenfragen an die Psyche des Mannes heranzu- tasten und sich ein Bild von seinem Geisteszustand zu verschaffen.

Er ließ ihn auf einem Stuhl Platz nehmen, der im vollen Licht des breiten Fensters stand, und fragte in seiner selbstverständlichen und herzlichen Art: Kommistar Kling hat mir gesagt, daß Sie ihm neu­lich ohnmächtig vom Stuhl gefallen find. Passiert Ihnen das öfter?"

Grau wurde rot und machte eine unwillige Be­wegung.Unsinn, ich bin vollkommen gesund! Es war auch garnicht der Rede wert. Ein wenig Hunger vielleicht. Ich hatte lange nichts gegessen."

Schon möglich. Sie machen ja auch im allgemei­nen einen ganz kräftigen Eindruck Aber vielleicht kann man Ihnen doch etwas verschreiben, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Denn. . ."

Danke, bemühen Sie sich nicht! Ich hoffe, daß meine Verurteilung bald erfolgen wird. Und dann dürften Ihre Verordnungen ohnedies ziemlich über­flüssig fein, Herr Doktor!"

Er sprach mit einer spöttischen Ergebung, die irgend etwas tragisches bähe. Morris entgegnete ohne die geringste Empfindlichkeit:Vielleicht, Herr Grau. Aber vorläufig ist es ja noch nicht so weit. So ein Verfahren kann sich Monate binziehen. Und Sie werden in dieser Zeit Ihre Kräfte sehr nötig

haben! Wenn Sie bei jedem Verhör zusammen­klappen oder gar ernstlich krank werden, tragen Sie jedenfalls nicht dazu bei, das Verfahren zu beschleu­nigen wie das doch Ihr Wunsch zu fein scheint. Es liegt also in Ihrem eigenen Interesse, Ihre Gesund­heit zu schonen. Gestatten Sie . . .?"

Er nahm ruhig die Hand des Patienten und fühlte den Puls.

Hm, das Herz scheint nicht ganz in Ordnung zu fein. Sehen wir gleich einmal nach! Wollen Sie, bitte, den Oberkörper frei machen."

Grau entkleidete sich ohne Widerspruch. Die ruhige Bestimmtheit des Arztes schien ihren Eindruck nicht verfehlt zu haben.

Dr. Morris war erstaunt über den schöngebauten, muskulösen Oberkörper des Mannes. Während er ihn abzuklopfen begann, fragte er ablenkend,wo haben Sic denn Ihre prächtigen Muskeln her? Treiben Sie Sport?"

Nein, die habe ich mir bei der Marine geholt."

Dann scheint Ihnen das Leben zur See ja ganz gut bekommen zu sein!"

Körperlich ja. Aber psychisch wäre es be­stimmt mein Ruin gewesen. Dazu gehört eine andere Natur. Nicht so ein Einzelgänger, wie ich einer bin. Diese fünf Vierteljahre waren die Holle für mich!"

Sie meinen den Ton an Bord? Den Verkehr mit den anderen Kameraden wie? Ich verstehe. Und dann haben Sie also plötzlich umgesattelt. Wo haben Sie denn studiert?"

Zuerst in Berlin. Und dann ein halbes Jahr in Paris." '

Wie hat Ihnen denn Paris gefallen? Eine sehr amüsante Stadt wie? Besonders für einen freien Künstler?" Dr. Morris lächelte vielsagend. Grau wich seinem Blick aus und begann sich anzukleiden. Endlich sagte er:Darüber kann ich nichi urteilen, Herr Doktor. Ich war nicht zu meinem Vergnügen dort."

Der Arzt betrachtete ihn aufmerksam.Gewiß- ja. Aber Sie werden ja nicht Tag und Nacht gear­beitet haben. Was malen Sie eigentlich?"

Hauptsächlich Porträt."

Äh schone Frauen! Ein beneidenswerter Be­ruf!" Morris zwinkerte ironisch.Dann kann ich mir allerdings Ibre ein wenig in Unordnung gerate­nen Nerven erklären."

Grau sah ihn mißtrauisch fragend an. Seine Stirn verfinsterte sich.

(Fortsetzing folgt).