Dienstag, 27. Dezember 1933
Kasseler Treueste Nachrichten
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Ziegelstraße zu einer schweren Bluitqt. pr
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Ausdehnung der Sperre für Einheitspreis-Geschäfte
sehr scharfes Ohr mehr, um die Stimmen dort hören: Es geht nicht länger so weiter!
Kein französischer Politiker wird eingefiehen, dies der wahre Grund des Sicherheitsgeschreis
daß ist. den
Bottrop, 27. Dezember.
In der Nacht zum ersten Weihnachtstag gegen 0,30 Uhr, kam es in Bottrop tn einem Haufe der
der Nacht zum Dienstag in Zehlendorf aus der Dunkelheit mehrere Schüsse abgegeben. Zwei Insassen sowie der Führer des Wagens erhielten Un- terschenkelschüsse. Die Schützen sind entkommen.
Kommunistische
Demonstrationen in Berlin
Feiertag im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Zu einer Schießerei kam es in einem in der Nähe des Anhalter Bahnhoss in Berlin gelegenen Lokal, das sich als Verkehrslokal der national« sozialistischen Reichs- und Landtagsabgeordneten bezeichnet. Es war in dem Lokal zu einer Schlägerei unter den Gästen gekommen. Als man einen zufällig vorüberkommenden Polizctofsizier in das Lokal rief, soll ein Gruppenarzt der SA. Dr. ^ritz Döppner, der Leiter eines der beiden Berliner SA- Lazarette, den Polizeioffizier mit der Waffe bedroht haben. Der Offizier habe darauf in Notwehr scharf geschossen und den Arzt so schwer verletzt, daß dieser in bedenklichem Zustande in einem Berliner Krankenhaus untergebracht werden mußte.
tierte fühlt sich abhängig vom. Wähler. Erhöhung der Staatseinkünfte ist nur noch durch Steuervermehrung, Gchaltsabau und ähnliche unpopuläre Mittel möglich. Man weiß es im französischen Generalstab nur zu gut, daß die militärische Stärke der Vasallenstaaten im Osten großenteils nur noch auf dem Papier steht. Von den aktiv dienenden Jahrgängen haben massenhaft Mannschaften beurlaubt werden müssen. Der völlige sinanzielle Ruin steht bei den Hilssvölkern vor der Türe, und man braucht kein
Wieder Kämpfe im Gran Chaeo Paris, 27. Dezember.
Eupen, 27. Dezember.
Der an der St. Nikolaus-Pfarrkirche in Eupen amtierende Kaplan Gilles wurde am Heiligen Abend aus dem Beichtstuhl gerufen, um vom Gerichtsvollzieher einen königlichen Erlaß entgegenzunehmen, der seine Ausweisung aus dem Königreich Belgien innerhalb24Stunden anordnet.
Die Wirksamkeit des Erlasses wurde allerdings schließlich bis zum Dienstag verschoben, weil der Ausgewiesene bei der Gemeindeverwaltung seinen Passierschein in Empfang nehmen soll und die Verwaltung der Feiertage wegen bis Dienstag geschlossen ist. Es handelt sich um einen Geistlichen, der sich in Eupen sehr großer Beliebtheit erfreut. Das Vorgehen gegen ihn hat infolgedessen in der katholischen Bevölkerung tiefe Erbitterung erregt.
Kaplan Gilles war Präses des Katholischen Jünglings-Vereins in Eupen, der weitaus stärksten Jugendorganisation in dem deutschen Sprachgebiet Belgiens.
Meistersiuger-Kefivorfiellung
im Staatstheater.
Man lese aber zum Beispiel einen Artikel, wie neulich in der „Times" über Deutschlands Stärke in französischen Augen, und man wird, auch ohne daß es ausdrücklich gesagt ist, verstehe», welches der eigentliche Gegenstand der sranzöstschen Sorgen in der Ab- rüstungsfraae ist. Frankreich selbst fühlt sich hinter seiner riesenhaften Grenzbefestigung in der Tat unangreifbar, aber di« Bundesgenossen kommen nicht mehr mit, und Jacques Bonhomme, der Steuerzahler, ist rebellisch geworden, er will nicht
Politischer Racheakt?
Schwere Bluttat in Bottrop
Am Heiligen Abend ausgewiesen
Belgische Maßnahmen gegen einen deutschen Geistlichen in Enpen
Walter Rein-Konzert der „Typographia"
Uraufführungen eines Kinderlieber-Zyklus und einer Kantate
Das Heilige Jahr 1933
Die Weihnachtsbotschaft des Papstes.
Anläßlich des Empfanges des Kardinalskollegiums, das dem Papst seine Glückwünsche überbrachte, verkündete Pius XI. am Heiligen Abend durch den Rundfunk eine Weihnachtsbotschaft, die sich an die ganze Welt richtete. Der Papst hob hervor, mit welchem Gefühl tiefen Schmerzes und Kummers er die schrecklichen Verfolgungen betrachtet habe, denen die katholische Kirche in Spanien, Mexiko und Rußland ausgesetzt gewesen sei, ferner auch' die Kriege und Bürgerkriege, die noch immer soviel Unheil anstiste- ten. Dann unterstrich er insbesondere die Auswirkungen der Weltkrisis und erflehte vom Himmel Erleuchtung für die Regierungen.
Sodann verkündete der Papst als frohe Weihnachtsbotschaft, daß das kommende Jahr als Zentenarjahr des Todes Christi, das zum 19. Male wiederkehrt, ein Heiliges Jahr sein wird. Der Papst hat angeordnet, daß dieses Heilige Jahr am Palmsonntag, den 2. April 1933, beginnt und mit dem 2. Osterseiertag 1934 endet. Er kündigt an, daß es der gesamten katholischen Welt die Wohltaten eines Jahres des Gebetes und der Sühne mit allen seinen Vorteilen für
mehr zahlen.
Deutschland hat keine Veranlassung, diese französischen Sorgen zu erleichtern. Die deutsche Reichswehr — das geht aus dem eben erwähnten Times- artitel unmittelbar hervor — ist der Hauptgegenstanb der Pariser Aengsie. „Die Urheber des Friedensver- irages haben es lange begriffen, daß sie einen Fehler gemacht haben, als sie Deutschland zwangen, eine lang dienende Berussarmee einzuführen. Die Reichswehr ist eine Armee von (Sabres und Instruktoren geworden, in der jeder 12 Jahre lang dienende Soldat imstande ist, Rekruten auszübilden." So liest man es in der „Times". Daher der plötzliche Wunsch, an die Stelle der Reichswehr (ja nicht neben die Reichswehr, anck nicht neben eine um die Hälfte verkleinerte!) eine Milizarmee zu setzen. Wenn die Arbeiten der Abrüstungskonferenz unter Teilnahme Deutschlands nun wieder beginnen, wird man von deutscher Seite gut« tun, diesen inneren Zusammenhang der Dinge im Auge zu behalten.
Berlin, 27. Dezember.
In Steglitz hatte sich in den Nachmittagsstunden des Sonnabends eine größere Menschenmenge ange- sammelt, die einen Demonstrationszug zu bilden versuchte. Als ein Beamter einen Demonstranten festnehmen wollte, wurde er von der Menge derart bedrängt, daß er in der Notwehr zweiSchüsse abgeben mußte. Durch einen der Schüsse wurde ein unbeteiligter Passant verletzt; die Kugel blieb im Oberschenkel stecken. Der Verletzte wurde zu einem Arzt gebracht und nachher in seine Wohnung transportiert. Bei der Auflösung dieser Demonstration wurden zwei Personen zwangsgestellt.
In Neukölln kam es ebenfalls zu einer kommunistischen Ansammlung. Die Menge wurde durch Polizei auseinandergetrieben.
das Seelenheil, über die weitere Erlasse folgen sollen, bringen wird.
Zum Schluß erflehte der Papst den Segen des Himmels, den Segen Gottes für die Geistlichkeit, für die ganze Christenheit, aber auch für die ganze Welt. Er verband damit den Wunsch, daß Frieden und Brüderlichkeit, wahre Nächstenliebe unter allen Völkern der Welt herrschen möge, damit man wenigstens für ein Jahr nicht mehr spreche von Reparationen, Schulden und Insolvenzen, Mißtrauen und Konflikten, fondern nur noch von Brüderlichkeit und Erhebung der Seelen und Geister, die die Menschheit in eine andere Atmosphäre versetzen möge.
Menschlichkeit
und Gemeinschaftsgeist
Bischof Schreiber und Generalsuperintendent Karow am Mikrophon.
Berlin, 27. Dezember.
Am heiligen Abend sprachen Generalsuperintendent D. K ar o w und Bischof Dr. Schreiber vor dem Mikrophon der Deutschen Welle. Ter Generalsuperintendent von Berlin erinnerte an die Zeit der Heilsbotschaft, in der aus der Armut der Krippe heraus das Evangelium der helfenden Liebe in einer zerrissenen Welt Wirklichkeit wurde. Diese Wirklichkeit müsse auch in der jetzigen Not des deutschen Menschen wieder geschaffen werden.
Der Bischof von Berlin sagte, wer gewohnt sei, den geschichtlichen Ereignissen, namentlich auch Schicksalsschlägen, von denen ein Volk betroffen werde, einen Sinn abzugewimien, der werde unschwer erkennen, daß der Sinn unserer Notzeit der sei, den Gemeinschaftsgeist zur Geltung zu bringen, aus der Volksverbundenheit heraus für einander einznsteben. Es fei der Grundsatz des Christentums, die Liebe selbst unter Opfern und Verzichtleistungen zu betätigen. Nicht nur die Erwerbslosen gelte es zu unterstützen, sondern auch die Kranken und die Einsamen, nicht nur leibliches Elend gelte es zu lindern, sondern auch seelische Not, Trostlosigkeit, Verzweiflung und Verbitterung. Viel mehr als bisher müsse die Notzeit, die wir durchlebten, eine große Zeit der Menschenliebe werden, eine Zeit, in der Menschlichkeit und Gemeinschaftsgeist Brücken schlügen über alle Unterschiede der Parteien, der Weltanschauungen, der Rassen und der Bekenntnisse hinweg.
Erden sein?" (Worte non- Arbeiterdichter Max Barthel)), die Rein der Typographia und ihrem Leiter gewidmet hat, da btr Komponist hier zur größeren Form und zu einem in seiner sprachlichen Wucht besonders anspruchsvollen Text griff. Trotz mancher chorifch bedeutfamer Stellen, die aufhorchen lassen, war der Gesamteindruck doch kein einheitlicher und geschlossener. Vor allem verlor sich die in ihren schroff formulierten Gegensätzen monumentale Dramatik des ersten Teiles bei eigensinniger melodisch-harmonischer Eintönigkeit und banalen Jazz - Intermezzi in konstruktive Aeußerlichkeiten. Das Solo blieb ganz un- plastisch, der Zwischenruf der Kinder höchst unkindlich. Dagegen hob sich der Choral in seiner ergreifenden Eindringlichkeit und Geschlossenheit packend heraus, während das abschließende Sing-Finale im Zusam- menklang von Kinder- und Männerchor eine mehr äußerlich - massive als innerlich - befreiende Steigerung brachte. Beide Chöre und das Orchester sowie Friedrich Schröder als Solist setzten unter Paul Klein- diensts befeuerndem Stabe ihr bestes Können mit begeisterter Hingabe für das Werk ein. Dem anwesenden Komponisten wurden stürmische Huldigungen dargebracht. Dr. Gustav Struck.
Berlin, 27. Dezember. Aus einen mit 48 Angehörigen des Arbeitersportvereins „Fickte" besetzten Lastkraftwagen, der sich auf der Rückfahrt von Eberswalde nach Braunschweig befand, wurden in
Berlin, 27. Dezember.
3m „Reichsanzeiger" wird eine Verordnung veröffentlicht, die unter Abänderung der Bestimmungen des Dritten Teils der Notverordnung vom 9. März 1932 die bisher nur für Städte mit weniger als 100 000 Einwohner geltende Sperre der Errichtung von Einheitspreisgeschäften auf alle Städte ans - dehnt. Damit gilt in Deutschland das Verbot der Errichtung von Einheitspreisgeschäften ohne räumliche Einschränkung bis £ April 1934.
Zur Ausdehnung der Sperre hat bte Feststellung geführt, daß seit Erlaß der Notverordnung vom 9. März 1932 in den von der dort angeordneten Sperre nicht betroffenen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern iich die Klagen des gewerblichen Mittelstandes über den Wettbewerb der Einheitspreisgeschäfte erheblich vermehrt haben. Diese Klagen haben auch dazu geführt, daß von der großen Mehrzahl der Regierung der Länder eine Ausdehnung der Sperre für Einheitspreisgeschäfte schlechthin als vordringlich bezeichnet worden ist. Die Verordnung enthält weiter eine gewisse Verschärfung der für die bestehenden Einheitspreisgeschäfte geltenden Betriebsvorschriften, insbesondere hinsichtlich des Verkaufs zu anderen als Einheitspreisen.
bei), der in dem ehernen Rhythmus als Eemeinschafts- lieb klar und sicher geformt ist, den seelischen Aufschwung betont, stärker im Akzent und Tonschritt als im Stimmungsmäßigen gibt, wie auch die orchestrale Färbung trotz moderner Klanglichkeit mehr altertümelnb - einfach wirkt. Von den a cappella« Männerchören war die etwas weiter zurückliegend« „Septembernacht" mit ihrer fein ausgewogenen schwebenden Stirnmoerwedung von gedämpfter Romantik durchglüht. Herber, geistiger, asketischer im Melodischen, aber um so ausdrucksvoller im Deklamatorischen, in der Schwere und Gedrungenheit der Siimmballun- gen, der polyphonen Konzentration und holzschnitt- artigen Strenge, errang sich Brögcrs Psalm der Einsamkeit wieder überzeugende Größe und Tiefe. Die drei heiteren Chöre (die Spröde, Schneider- courage, Capriccio) offenbarten in ihrer schönen Volkstümlichkeit den gewandten Satzmeister. Sie sind klar, eindringlich und zugleich charakteristisch, alter madrigalischer Manier ähnelnd gestaltet und verleugnen bei aller harmonischen Sparsamkeit in ihrer unbedingten Sanglichkeit das Musikantische nicht. Dankbare und gediegene Jnstrumentalstücke sind bie_ sechs orchestralen lleberleitungssätze aus bet „Dreikönigsmusik", bie uns (abgesehen vom Intermezzo) schon im vorigen Jahre durch den Zulaufschen Madrigalchor vermittelt wurden. Die sorgsam gearbeitete, durchsichtige, figurativ - altertümelnde, wohl von Ludwig Webers bekanntem Christgeburtspiel angeregte weihnachtliche Spielmusik wurde von dem kleinen Musikfreunde - Orchester unter Paul Kleindiensts straffer Leitung klanglich reizvoll und exakt ausgesuhrt.
Der uraufgeführte Liederzyklus für dreistimmigen Kinderchor „Jahresreigen", von dem drei Lieder bereits im Berliner Sendet gesungen find, bot unterhaltsame Vertonungen von sieben alten und neuen Texten, bei denen Witzlav von Rügen friedlich neben einem Pfälzer Volkslied und Schusters Radiovetsen stand. Sie verbinden mit einer gewählten, durch kleine imitatorische und figurative Künste belebten Faktur einfache Kinderlieb - Melodik, wenn sie auch — wie im Radio — den aktuellen Effekt nicht verschmähen. Am besten gelungen erschien mir das Herbstlied. Die vortreffliche. lebendige und natürliche Wiedergabe durch den Kasseler Kinderchor entzückte die Höret fe, baß mehrere Stücke wiederholt werde» mußten.
Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf die eben»
Bergmann Hermann Cotuka weilte bei feinem Schwager Szezotak zur Weihnachtsfeier. Plötzlich wurde an das Fenster des Wohnzimmers geklopft, woraufhin Szezotak sich hinaus begab. Als er die Haustür öffnete, wurde er mit sieben bis acht Schüssen empfangen. Durch drei Schüsse getroffen, brach er zusammen. Als die Angehörigen auf die Schüsse hin auf die Straße eilten, war von den Tätern niemand mehr zu sehen. Am Tatort wurden sieben Patronenhülsen gefunden.
Die polizeilichen Ermittlungen wurden sofort aufgenommen. Bis jetzt wurden zwei Personen aus Bottrop, die der KPD. angehören und im Verdacht stehen, an dem Uederfall beteiligt gewesen zu sein, festgenommen. S. selbst gehört keiner Partei an. Da aber sein Schwager Cotuka Anhänger der NSDAP, ist und wegen der Schießereien im Juni d. I. in Bottrop in Untersuchungshaft gesessen hat, aber auf Grund der Amnestie wieder entlassen worden ist, nimmt man an, daß es sich um einen politischen Racheakt handelt. — Szezotak ist am ersten
Kassel, 27. Dezember.
Wer die künstlerische Entwicklung der Kasseler Typographia unter ihrem rührigen musikalischen Leiter Paul Kleindienst seit seiner Uebernahme des Dirigentenamtes verfolgt hat, versteht es ohne weiteres daß er es wagen konnte, der stilechten abgerundeten Wiedergabe „Alter Musika" im vorigen Jahre nun einen ganz anders gearteten SchafMis- ausschnitt moderner Tonkunst gegenuberzustellen, denn er hat sich in jahrelanger chorischer Arbeit und tm Aufbau eines Kinderchores und Musikfreunde- Orchesters die zuverlässigen Grundlagen dafür gewonnen. Zudem strebt ja heute jede größere Chorvereinigung, angespornt durch den allgemeinen -Aufschwung des Chorwesens, danach, ihren Deranftalttm- gen ein immer schärferes eigenes Gesicht zu geben, das zugleich ihr« besonderen inneren Beziehungen zu der allgemeinen Chorerneuerung betont. So sucht bte Typographia folgerichtig zugleich den Anschluß an die wiedererweckte, reinigende, alte, ferne, chortsche Kunst und den frischen geistigen Strom der jugendlichen Sing- und Spielmufikbewegung.
In diese Strömungen sind die Kompositionen von Walter Rein einzuordnen, bet kurz« Zeit hier m Kassel als Professor an der Pädagogischen Akademie wirkte. Er ist gebürtiger Thüringer und hat bei Lend- vai, Richard Wetz und Waldemar von Baußnern studiert, war danach zunächst, ehe er nach Kassel tarn, Mufiklehrer und Dirigent des Lehrergesangvereins in Weimar. Heute lebt er als einer bet Führet in bet deutschen Jugendmusik in Frankfurt am Main. Als Reformer des Vokalstils im Männergewng errang Rein seinen ersten großen Erfolg auf bet Nürnberger Sängerwoche 1929 mit den „Deutschen Liedern vergangener Jahrhunderte", seitdem eroberte» sich seine Chorwerke immer breiteten Raum, auch auf dem Frankfurter Sängerbundesfesi war er mit einigen Stücken vertreten. Grund genug, daß ihm die Typo- graphia, bie erst im Mai zwei beachtliche, eindrucksvolle und packende Chöre (Psalm der Einsamkeit, Wit) von ihm herausgebracht hatte, nun ein eigenes Konzert widmete, in dem sich bas bedeutende, an alten Meistern gereifte Können Reins in feiner besonderen Eigenart, aber auch in seiner persönlichen Begrenzung zeigte.
De» Auftakt bildete etn „Sonnenwende - Gesang
Kassel, 27. Dezember.
Das nahezu ausverkaufte Haus am ersten Weih- nachtstage wird hoffentlich die Intendantur davon überzeugt haben, daß es sich schon lohnt, dem Opern- fpielplan gelegentlich durch Gastspiel-Verpflichtungen bekannter auswärtiger Künstler befondere Anziehungskraft zu verleihen. Wir sind in dieser Hinsicht in den letzten Jahren leider nicht gerade verwöhnt worden; wir hofsen aber, daß man nach diesem glücklichen Anfang auch in Zukunft (etwa beim „Palestrina") uns wenigstens ab und zu einmal Prominente der deutschen Oper beschert.
Es war der alles überragende, in Wort, Ton und Geste ebenso wundervoll ausgereifte und überlegene wie in seiner erwärmenden herzlichen Menschlichkeit begeisternde Hans Sachs Walter Großmanns (von der Staatsoper Berlin), der dieser Meistersinger-Aufführung außerordentliches festspielmätziges Gepräge verlieh. Hier offenbarte sich eine große, stimmlich und darstellerisch gleich bezaubernde Künstlernatur, die mich in manchen Zügen an den vergeistigten und velimierlichten Scku- jterpDtieit voa Arttorr oa» Moy» Herr «sveyMlrch-
Vermißter SA-Mann tot aufgefnnden
Dresden, 27. Dezember.
In der Talsperre Malter ist gestern die Leiche des seit dem 4. November vermißten Dresdener SA-Mannes H ent sch gefunden worden. Sie war bisher vom Wasser bedeckt. Das Sinken des Wasserstandes infolge Eisbildung hat sie jetzt freigelegt. Ter Tote war in Säcke gehüllt und diese wiederum waren mit schweren Steinen belastet. Die erste Untersuchung bat bereits ergeben, daß Hentsch durch einen Schuß in die Brust getötet wurde. Zweifellos liegt Mord vor. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben bereits wichtiges Material ergeben; tm Interesse der Untersuchung kann jedoch zurzeit weiteres noch nicht gesagt werden.
Steuererleichterungen für Hausbesitzer
Berlin, 27. Dezember.
Der Reichssinanzminister Graf Schwerin-Krosigk hat einen Erlaß über steuerliche Erleichterungen für Hausbesitzer herausgegeben, der besonders Bezug nimmt auf die Notlage der Besitzer von Geschäfts- und Jndustriehäusern. In diesem Erlaß heißt es u. a.:
Die Wirtschaftskrise und nicht zuletzt die Auswirkungen des in der Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. Dezember 1931 zugelaffenen außerordentlichen Kündigungsrechts von Mietverträgen haben in vielen Fällen ein Leerstehen von gewerblichen Räumen (besonders in Industrie- und Geschäftshäusern) und großen Wohnungen sowie eine zum Teil erhebliche Senkung der Mietpreise zur Folge gehabt. Hierdurch ist der Hausbesitz vielfach in eine Notlage geraten. Bei der Einziehung der Steuern soll hieraus Rücksicht genommen werden.
Für die Anträge auf dem Gebiete der Gebäüde- entfchuldungssteuer (Hauszinssteuer), der Grundsteuer (einschl. der Gemeindezuschläge) und der Wertzuwachssteuer sind die Landesregierungen und Gemeinden zuständig. Die meisten Landesregierungen haben bereits Anordnungen über das Ausmaß des erforderlichen Entgegenkommens getroffen.
Zur Aufbringungsumlage werden vom 1. April 1932 ab nur Unternehmer herangezogen, -■ deren aufbringungspflichtiges Reinvermögen 500000 RM. übersteigt. Darüber hinaus ist insbesondere für die Gesckäftshausbefltzer, die in ihrem Grundstück einen eigenen gewerblichen Betrieb unterhalten oder an einem in dem Hause befindlichen Gewerbebetrieb beteiligt sind, die Erleichterung getroffen worden, daß in derartigen Fällen nicht mehr stets das ganze Grundstück, sondern nur noch die Grundstücksquote zur Ausbringungsumlage herangezogen wird, in deren Höhe das Grundstück im gewerblichen Interesse des Grundstückseigentümers genutzt wird. Soweit aus früheren Jahren Rückstände vorhanden sind und die Notlage des Hausbesttzes ein Entgegenkommen geboten erfcheinen läßt, habe ich keine Bedenken dagegen, daß Anträge auf Erlaß der Rückstände besonders wohlwollend geprüft werden.
Was die Aufbringungsumlage 1932 anlangt, so gilt die getroffene Regelung, sowohl für die natür» lichen Personen als auch für die Grundstücksverwaltungsunternehmungen.
Weiter geht der Erlaß nochmals auf die Frage der Umfatzsteuerregelung bei der Vermietung eingerichteter Räume ein.
■ " Nach einer Meldung ans Asuncion haben sofort nach Beendigung des 24stündigen Weihnachtswaf- fcnstillstandes zwischen Bolivien und Paraguay die Kämpfe wieder eingesetzt. In der Gegend von Cor- ralez wird ein Generalangriff der boltmantjajen Streitkräfte erwartet.
2000 weibliche Beamte ausgeschieden. Auf Grund des im Reichstag angenommenen Gesetzes über das Ausscheiden der weiblichen Beamten find, wie jetzt ve- • könnt wird, mehr als 2000 verheiratete Beamte tm Reich aus ihrem Beamtenverhältnis ausgeschieden. Es handelt sich dabei im wesentlichen um weibliche Postbeamte.
großen Bayreuther Wagnerdarsteller erinnerte. Das war wirklich der überlegene Weltweise hinter der Schusterkugel, der über dem Wahn im großen Weltwirrwesen die Klugheit im Alltag keinen Augenblick verlor und alle vom Schusterbuben und Liebespaar bis zum Volk von Nürnberg mit Humor und Ernst nach seinem Willen lenkte. Die edle satte, warme und weiche Stimme wurde stets in gebändigter Klanglichkeit gehalten, nie trat sie starhaft aus dem Rahmen, gab aber jedem Wort, jeder, auch der kleinsten rezitativischen Phrase lebendigsten charakteristischen Ausdruck und entfaltete sich in dem Monolog und der großen Schlutzansprache zu vollendeter Schönheit, Wucht und Majestät.
Neben ihm hatte Willy Störring, der vor kurzem von Düsseldorf an die Staatsoper übergesiedelt ist, als Wwlzing keinen leichten Stand. Seinem Ritter ans Franken fehlte noch der feinere, geistige und seelische Zug, er gab ihn mehr als selbstbewußten Herrenmenschen. Stimmlich störte zunächst gelegentlich eine Neigung zu kehliger und nasaler Tongebung, wie überhaupt der erste Akt keine rechte stimmliche Entfaltung brachte, ja, gegen Schluß sogar starke Ermüdung zeigte. Die "beiden solgenden Akte, vor allem das Preislied, schwangen sich demgegenüber zu einer überraschend kraftvollen Steigerung der Leistung auf, so daß man an der prächtigen Stimmbravour seine helle Freude haben konnte.
Reu war in der Kasseler Besetzung der Backmesser von Fritz Hintz-Fabricius, eine drastische fast groteske Buffofigur von urkomischer Wirkung, die allerdings in ihrer karikierten professoralen Nervosität nicht recht in das handfeste 16. Jahrhundert passen wollte, auch die humorvolle gesangliche Linie Wagners allzu sehr zu Gunsten sprachlicher Deutlichkeit und mimischer Vergröberung vernachlässigte. Paul Bergers treuherziger David, stimmlich noch nicht voll ausgeschöpst, war in den Einzelzügen sehr sorgfältig studiert und darstellerisch von lebendiger Frische und Natürlichkeit. Im übrigen hoben sich wieder Sofie Brand st ätters anmutiges Evchen, Maria Barths biedere Magdalena, Josef Niklaus vornehmer Pogner und Alfred Borchardts köstlich öreiifpurtger Kothner aus der Reihe der Mitwirkenden heraus. Dr. Fritz Schroders Regie hatte das Festwiesenbild etwas aufgelockert und übersichtlicher gegliedert, Wilhelm Franz R e u tz und die Staatliche Kapelle boten allen Schwung und Glanz und berauschende Klangpracht ans, so daß auch von dort ftoher scstttcher Geist aus- strahlte. Am Schlüsse loste sich der Bann in jubelnde Beifallsstürme.