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Dienstag, 27. Dezember 1933

Kasseler Treueste Nachrichten

Beile S

zu

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Ziegelstraße zu einer schweren Bluitqt. pr

LeijallsMrmc.

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Ausdehnung der Sperre für Einheitspreis-Geschäfte

sehr scharfes Ohr mehr, um die Stimmen dort hören: Es geht nicht länger so weiter!

Kein französischer Politiker wird eingefiehen, dies der wahre Grund des Sicherheitsgeschreis

daß ist. den

Bottrop, 27. Dezember.

In der Nacht zum ersten Weihnachtstag gegen 0,30 Uhr, kam es in Bottrop tn einem Haufe der

der Nacht zum Dienstag in Zehlendorf aus der Dunkelheit mehrere Schüsse abgegeben. Zwei In­sassen sowie der Führer des Wagens erhielten Un- terschenkelschüsse. Die Schützen sind entkommen.

Kommunistische

Demonstrationen in Berlin

Feiertag im Krankenhaus seinen Verletzun­gen erlegen.

Zu einer Schießerei kam es in einem in der Nähe des Anhalter Bahnhoss in Berlin gelege­nen Lokal, das sich als Verkehrslokal der national« sozialistischen Reichs- und Landtagsabgeordneten bezeichnet. Es war in dem Lokal zu einer Schlä­gerei unter den Gästen gekommen. Als man einen zufällig vorüberkommenden Polizctofsizier in das Lokal rief, soll ein Gruppenarzt der SA. Dr. ^ritz Döppner, der Leiter eines der beiden Berliner SA- Lazarette, den Polizeioffizier mit der Waffe bedroht haben. Der Offizier habe darauf in Notwehr scharf geschossen und den Arzt so schwer verletzt, daß die­ser in bedenklichem Zustande in einem Berliner Krankenhaus untergebracht werden mußte.

tierte fühlt sich abhängig vom. Wähler. Erhöhung der Staatseinkünfte ist nur noch durch Steuervermeh­rung, Gchaltsabau und ähnliche unpopuläre Mittel möglich. Man weiß es im französischen Generalstab nur zu gut, daß die militärische Stärke der Vasallen­staaten im Osten großenteils nur noch auf dem Pa­pier steht. Von den aktiv dienenden Jahrgängen haben massenhaft Mannschaften beurlaubt werden müssen. Der völlige sinanzielle Ruin steht bei den Hilssvölkern vor der Türe, und man braucht kein

Wieder Kämpfe im Gran Chaeo Paris, 27. Dezember.

Eupen, 27. Dezember.

Der an der St. Nikolaus-Pfarrkirche in Eupen amtierende Kaplan Gilles wurde am Heiligen Abend aus dem Beichtstuhl gerufen, um vom Ge­richtsvollzieher einen königlichen Erlaß entgegenzu­nehmen, der seine Ausweisung aus dem König­reich Belgien innerhalb24Stunden anordnet.

Die Wirksamkeit des Erlasses wurde allerdings schließlich bis zum Dienstag verschoben, weil der Ausgewiesene bei der Gemeindeverwaltung seinen Passierschein in Empfang nehmen soll und die Ver­waltung der Feiertage wegen bis Dienstag geschlos­sen ist. Es handelt sich um einen Geistlichen, der sich in Eupen sehr großer Beliebtheit erfreut. Das Vor­gehen gegen ihn hat infolgedessen in der katholischen Bevölkerung tiefe Erbitterung erregt.

Kaplan Gilles war Präses des Katholischen Jüng­lings-Vereins in Eupen, der weitaus stärksten Ju­gendorganisation in dem deutschen Sprachgebiet Bel­giens.

Meistersiuger-Kefivorfiellung

im Staatstheater.

Man lese aber zum Beispiel einen Artikel, wie neulich in der „Times" über Deutschlands Stärke in französischen Augen, und man wird, auch ohne daß es ausdrücklich gesagt ist, verstehe», welches der eigent­liche Gegenstand der sranzöstschen Sorgen in der Ab- rüstungsfraae ist. Frankreich selbst fühlt sich hinter seiner riesenhaften Grenzbefestigung in der Tat un­angreifbar, aber di« Bundesgenossen kom­men nicht mehr mit, und Jacques Bonhomme, der Steuerzahler, ist rebellisch geworden, er will nicht

Politischer Racheakt?

Schwere Bluttat in Bottrop

Am Heiligen Abend ausgewiesen

Belgische Maßnahmen gegen einen deutschen Geistlichen in Enpen

Walter Rein-Konzert der „Typographia"

Uraufführungen eines Kinderlieber-Zyklus und einer Kantate

Das Heilige Jahr 1933

Die Weihnachtsbotschaft des Papstes.

Anläßlich des Empfanges des Kardinalskollegiums, das dem Papst seine Glückwünsche überbrachte, ver­kündete Pius XI. am Heiligen Abend durch den Rundfunk eine Weihnachtsbotschaft, die sich an die ganze Welt richtete. Der Papst hob hervor, mit wel­chem Gefühl tiefen Schmerzes und Kummers er die schrecklichen Verfolgungen betrachtet habe, denen die katholische Kirche in Spanien, Mexiko und Rußland ausgesetzt gewesen sei, ferner auch' die Kriege und Bürgerkriege, die noch immer soviel Unheil anstiste- ten. Dann unterstrich er insbesondere die Auswir­kungen der Weltkrisis und erflehte vom Himmel Er­leuchtung für die Regierungen.

Sodann verkündete der Papst als frohe Weihnachts­botschaft, daß das kommende Jahr als Zentenarjahr des Todes Christi, das zum 19. Male wiederkehrt, ein Heiliges Jahr sein wird. Der Papst hat ange­ordnet, daß dieses Heilige Jahr am Palmsonntag, den 2. April 1933, beginnt und mit dem 2. Osterseiertag 1934 endet. Er kündigt an, daß es der gesamten ka­tholischen Welt die Wohltaten eines Jahres des Ge­betes und der Sühne mit allen seinen Vorteilen für

mehr zahlen.

Deutschland hat keine Veranlassung, diese fran­zösischen Sorgen zu erleichtern. Die deutsche Reichs­wehr — das geht aus dem eben erwähnten Times- artitel unmittelbar hervor — ist der Hauptgegenstanb der Pariser Aengsie. „Die Urheber des Friedensver- irages haben es lange begriffen, daß sie einen Fehler gemacht haben, als sie Deutschland zwangen, eine lang dienende Berussarmee einzuführen. Die Reichs­wehr ist eine Armee von (Sabres und Instruktoren ge­worden, in der jeder 12 Jahre lang dienende Soldat imstande ist, Rekruten auszübilden." So liest man es in der „Times". Daher der plötzliche Wunsch, an die Stelle der Reichswehr (ja nicht neben die Reichswehr, anck nicht neben eine um die Hälfte verkleinerte!) eine Milizarmee zu setzen. Wenn die Arbeiten der Ab­rüstungskonferenz unter Teilnahme Deutschlands nun wieder beginnen, wird man von deutscher Seite gut« tun, diesen inneren Zusammenhang der Dinge im Auge zu behalten.

Berlin, 27. Dezember.

In Steglitz hatte sich in den Nachmittagsstunden des Sonnabends eine größere Menschenmenge ange- sammelt, die einen Demonstrationszug zu bil­den versuchte. Als ein Beamter einen Demonstran­ten festnehmen wollte, wurde er von der Menge der­art bedrängt, daß er in der Notwehr zweiSchüsse abgeben mußte. Durch einen der Schüsse wurde ein unbeteiligter Passant verletzt; die Kugel blieb im Oberschenkel stecken. Der Verletzte wurde zu einem Arzt gebracht und nachher in seine Wohnung trans­portiert. Bei der Auflösung dieser Demonstration wurden zwei Personen zwangsgestellt.

In Neukölln kam es ebenfalls zu einer kommuni­stischen Ansammlung. Die Menge wurde durch Poli­zei auseinandergetrieben.

das Seelenheil, über die weitere Erlasse folgen sol­len, bringen wird.

Zum Schluß erflehte der Papst den Segen des Him­mels, den Segen Gottes für die Geistlichkeit, für die ganze Christenheit, aber auch für die ganze Welt. Er verband damit den Wunsch, daß Frieden und Brüder­lichkeit, wahre Nächstenliebe unter allen Völkern der Welt herrschen möge, damit man wenigstens für ein Jahr nicht mehr spreche von Reparationen, Schulden und Insolvenzen, Mißtrauen und Konflikten, fondern nur noch von Brüderlichkeit und Erhebung der See­len und Geister, die die Menschheit in eine andere At­mosphäre versetzen möge.

Menschlichkeit

und Gemeinschaftsgeist

Bischof Schreiber und Generalsuperintendent Karow am Mikrophon.

Berlin, 27. Dezember.

Am heiligen Abend sprachen Generalsuperinten­dent D. K ar o w und Bischof Dr. Schreiber vor dem Mikrophon der Deutschen Welle. Ter General­superintendent von Berlin erinnerte an die Zeit der Heilsbotschaft, in der aus der Armut der Krippe her­aus das Evangelium der helfenden Liebe in einer zerrissenen Welt Wirklichkeit wurde. Diese Wirklich­keit müsse auch in der jetzigen Not des deutschen Men­schen wieder geschaffen werden.

Der Bischof von Berlin sagte, wer gewohnt sei, den geschichtlichen Ereignissen, namentlich auch Schick­salsschlägen, von denen ein Volk betroffen werde, ei­nen Sinn abzugewimien, der werde unschwer erken­nen, daß der Sinn unserer Notzeit der sei, den Ge­meinschaftsgeist zur Geltung zu bringen, aus der Volksverbundenheit heraus für einander einznsteben. Es fei der Grundsatz des Christentums, die Liebe selbst unter Opfern und Verzichtleistungen zu betäti­gen. Nicht nur die Erwerbslosen gelte es zu unter­stützen, sondern auch die Kranken und die Einsamen, nicht nur leibliches Elend gelte es zu lindern, sondern auch seelische Not, Trostlosigkeit, Verzweiflung und Verbitterung. Viel mehr als bisher müsse die Notzeit, die wir durchlebten, eine große Zeit der Menschen­liebe werden, eine Zeit, in der Menschlichkeit und Ge­meinschaftsgeist Brücken schlügen über alle Unterschie­de der Parteien, der Weltanschauungen, der Rassen und der Bekenntnisse hinweg.

Erden sein?" (Worte non- Arbeiterdichter Max Bar­thel)), die Rein der Typographia und ihrem Leiter gewidmet hat, da btr Komponist hier zur größeren Form und zu einem in seiner sprachlichen Wucht be­sonders anspruchsvollen Text griff. Trotz mancher chorifch bedeutfamer Stellen, die aufhorchen lassen, war der Gesamteindruck doch kein einheitlicher und geschlossener. Vor allem verlor sich die in ihren schroff formulierten Gegensätzen monumentale Dramatik des ersten Teiles bei eigensinniger melodisch-harmonischer Eintönigkeit und banalen Jazz - Intermezzi in kon­struktive Aeußerlichkeiten. Das Solo blieb ganz un- plastisch, der Zwischenruf der Kinder höchst unkindlich. Dagegen hob sich der Choral in seiner ergreifenden Eindringlichkeit und Geschlossenheit packend heraus, während das abschließende Sing-Finale im Zusam- menklang von Kinder- und Männerchor eine mehr äußerlich - massive als innerlich - befreiende Steigerung brachte. Beide Chöre und das Orchester sowie Friedrich Schröder als Solist setzten unter Paul Klein- diensts befeuerndem Stabe ihr bestes Können mit be­geisterter Hingabe für das Werk ein. Dem anwesenden Komponisten wurden stürmische Huldigungen dar­gebracht. Dr. Gustav Struck.

Berlin, 27. Dezember. Aus einen mit 48 Ange­hörigen des Arbeitersportvereins „Fickte" besetzten Lastkraftwagen, der sich auf der Rückfahrt von Eberswalde nach Braunschweig befand, wurden in

Berlin, 27. Dezember.

3m „Reichsanzeiger" wird eine Verordnung ver­öffentlicht, die unter Abänderung der Bestimmungen des Dritten Teils der Notverordnung vom 9. März 1932 die bisher nur für Städte mit weniger als 100 000 Einwohner geltende Sperre der Errichtung von Einheitspreisgeschäften auf alle Städte ans - dehnt. Damit gilt in Deutschland das Verbot der Errichtung von Einheitspreisgeschäften ohne räumliche Einschränkung bis £ April 1934.

Zur Ausdehnung der Sperre hat bte Feststellung geführt, daß seit Erlaß der Notverordnung vom 9. März 1932 in den von der dort angeordneten Sperre nicht betroffenen Städten mit mehr als 100 000 Ein­wohnern iich die Klagen des gewerblichen Mittelstan­des über den Wettbewerb der Einheitspreisgeschäfte erheblich vermehrt haben. Diese Klagen haben auch dazu geführt, daß von der großen Mehrzahl der Re­gierung der Länder eine Ausdehnung der Sperre für Einheitspreisgeschäfte schlechthin als vordringlich be­zeichnet worden ist. Die Verordnung enthält weiter eine gewisse Verschärfung der für die bestehenden Ein­heitspreisgeschäfte geltenden Betriebsvorschriften, ins­besondere hinsichtlich des Verkaufs zu anderen als Einheitspreisen.

bei), der in dem ehernen Rhythmus als Eemeinschafts- lieb klar und sicher geformt ist, den seelischen Auf­schwung betont, stärker im Akzent und Tonschritt als im Stimmungsmäßigen gibt, wie auch die or­chestrale Färbung trotz moderner Klanglichkeit mehr altertümelnb - einfach wirkt. Von den a cappella« Männerchören war die etwas weiter zurückliegend« „Septembernacht" mit ihrer fein ausgewogenen schwe­benden Stirnmoerwedung von gedämpfter Romantik durchglüht. Herber, geistiger, asketischer im Melo­dischen, aber um so ausdrucksvoller im Deklamatorischen, in der Schwere und Gedrungenheit der Siimmballun- gen, der polyphonen Konzentration und holzschnitt- artigen Strenge, errang sich Brögcrs Psalm der Ein­samkeit wieder überzeugende Größe und Tiefe. Die drei heiteren Chöre (die Spröde, Schneider- courage, Capriccio) offenbarten in ihrer schönen Volkstümlichkeit den gewandten Satzmeister. Sie sind klar, eindringlich und zugleich charakteristisch, alter madrigalischer Manier ähnelnd gestaltet und verleug­nen bei aller harmonischen Sparsamkeit in ihrer unbe­dingten Sanglichkeit das Musikantische nicht. Dank­bare und gediegene Jnstrumentalstücke sind bie_ sechs orchestralen lleberleitungssätze aus bet „Dreikönigs­musik", bie uns (abgesehen vom Intermezzo) schon im vorigen Jahre durch den Zulaufschen Madrigalchor vermittelt wurden. Die sorgsam gearbeitete, durchsich­tige, figurativ - altertümelnde, wohl von Ludwig We­bers bekanntem Christgeburtspiel angeregte weih­nachtliche Spielmusik wurde von dem kleinen Musik­freunde - Orchester unter Paul Kleindiensts straffer Leitung klanglich reizvoll und exakt ausgesuhrt.

Der uraufgeführte Liederzyklus für dreistimmigen Kinderchor „Jahresreigen", von dem drei Lieder be­reits im Berliner Sendet gesungen find, bot unter­haltsame Vertonungen von sieben alten und neuen Texten, bei denen Witzlav von Rügen friedlich neben einem Pfälzer Volkslied und Schusters Radiovetsen stand. Sie verbinden mit einer gewählten, durch kleine imitatorische und figurative Künste belebten Faktur einfache Kinderlieb - Melodik, wenn sie auch — wie im Radio — den aktuellen Effekt nicht verschmähen. Am besten gelungen erschien mir das Herbstlied. Die vor­treffliche. lebendige und natürliche Wiedergabe durch den Kasseler Kinderchor entzückte die Höret fe, baß mehrere Stücke wiederholt werde» mußten.

Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf die eben»

Bergmann Hermann Cotuka weilte bei feinem Schwager Szezotak zur Weihnachtsfeier. Plötzlich wurde an das Fenster des Wohnzimmers geklopft, woraufhin Szezotak sich hinaus begab. Als er die Haustür öffnete, wurde er mit sieben bis acht Schüssen empfangen. Durch drei Schüsse getrof­fen, brach er zusammen. Als die Angehörigen auf die Schüsse hin auf die Straße eilten, war von den Tätern niemand mehr zu sehen. Am Tatort wur­den sieben Patronenhülsen gefunden.

Die polizeilichen Ermittlungen wurden sofort aufgenommen. Bis jetzt wurden zwei Personen aus Bottrop, die der KPD. angehören und im Ver­dacht stehen, an dem Uederfall beteiligt gewesen zu sein, festgenommen. S. selbst gehört keiner Partei an. Da aber sein Schwager Cotuka Anhänger der NSDAP, ist und wegen der Schießereien im Juni d. I. in Bottrop in Untersuchungshaft gesessen hat, aber auf Grund der Amnestie wieder entlassen wor­den ist, nimmt man an, daß es sich um einen poli­tischen Racheakt handelt. — Szezotak ist am ersten

Kassel, 27. Dezember.

Wer die künstlerische Entwicklung der Kasseler Typographia unter ihrem rührigen musikalischen Lei­ter Paul Kleindienst seit seiner Uebernahme des Dirigentenamtes verfolgt hat, versteht es ohne weiteres daß er es wagen konnte, der stilechten ab­gerundeten Wiedergabe „Alter Musika" im vorigen Jahre nun einen ganz anders gearteten SchafMis- ausschnitt moderner Tonkunst gegenuberzustellen, denn er hat sich in jahrelanger chorischer Arbeit und tm Aufbau eines Kinderchores und Musikfreunde- Orchesters die zuverlässigen Grundlagen dafür gewon­nen. Zudem strebt ja heute jede größere Chor­vereinigung, angespornt durch den allgemeinen -Auf­schwung des Chorwesens, danach, ihren Deranftalttm- gen ein immer schärferes eigenes Gesicht zu geben, das zugleich ihr« besonderen inneren Beziehungen zu der allgemeinen Chorerneuerung betont. So sucht bte Typographia folgerichtig zugleich den Anschluß an die wiedererweckte, reinigende, alte, ferne, chortsche Kunst und den frischen geistigen Strom der jugendlichen Sing- und Spielmufikbewegung.

In diese Strömungen sind die Kompositionen von Walter Rein einzuordnen, bet kurz« Zeit hier m Kassel als Professor an der Pädagogischen Akademie wirkte. Er ist gebürtiger Thüringer und hat bei Lend- vai, Richard Wetz und Waldemar von Baußnern stu­diert, war danach zunächst, ehe er nach Kassel tarn, Mufiklehrer und Dirigent des Lehrergesangvereins in Weimar. Heute lebt er als einer bet Führet in bet deutschen Jugendmusik in Frankfurt am Main. Als Reformer des Vokalstils im Männergewng errang Rein seinen ersten großen Erfolg auf bet Nürnberger Sängerwoche 1929 mit den „Deutschen Liedern ver­gangener Jahrhunderte", seitdem eroberte» sich seine Chorwerke immer breiteten Raum, auch auf dem Frankfurter Sängerbundesfesi war er mit einigen Stücken vertreten. Grund genug, daß ihm die Typo- graphia, bie erst im Mai zwei beachtliche, eindrucks­volle und packende Chöre (Psalm der Einsamkeit, Wit) von ihm herausgebracht hatte, nun ein eigenes Kon­zert widmete, in dem sich bas bedeutende, an alten Meistern gereifte Können Reins in feiner besonderen Eigenart, aber auch in seiner persönlichen Begrenzung zeigte.

De» Auftakt bildete etn „Sonnenwende - Gesang

Kassel, 27. Dezember.

Das nahezu ausverkaufte Haus am ersten Weih- nachtstage wird hoffentlich die Intendantur davon überzeugt haben, daß es sich schon lohnt, dem Opern- fpielplan gelegentlich durch Gastspiel-Verpflichtun­gen bekannter auswärtiger Künstler befondere An­ziehungskraft zu verleihen. Wir sind in dieser Hin­sicht in den letzten Jahren leider nicht gerade ver­wöhnt worden; wir hofsen aber, daß man nach die­sem glücklichen Anfang auch in Zukunft (etwa beim „Palestrina") uns wenigstens ab und zu einmal Prominente der deutschen Oper beschert.

Es war der alles überragende, in Wort, Ton und Geste ebenso wundervoll ausgereifte und über­legene wie in seiner erwärmenden herzlichen Menschlichkeit begeisternde Hans Sachs Walter Großmanns (von der Staatsoper Berlin), der dieser Meistersinger-Aufführung außerordentliches festspielmätziges Gepräge verlieh. Hier offenbarte sich eine große, stimmlich und darstellerisch gleich be­zaubernde Künstlernatur, die mich in manchen Zü­gen an den vergeistigten und velimierlichten Scku- jterpDtieit voa Arttorr oa» Moy» Herr «sveyMlrch-

Vermißter SA-Mann tot aufgefnnden

Dresden, 27. Dezember.

In der Talsperre Malter ist gestern die Leiche des seit dem 4. November vermißten Dresdener SA-Mannes H ent sch gefunden worden. Sie war bisher vom Wasser bedeckt. Das Sinken des Wasser­standes infolge Eisbildung hat sie jetzt freigelegt. Ter Tote war in Säcke gehüllt und diese wiederum waren mit schweren Steinen belastet. Die erste Untersuchung bat bereits ergeben, daß Hentsch durch einen Schuß in die Brust getötet wurde. Zweifel­los liegt Mord vor. Die Ermittlungen der Krimi­nalpolizei haben bereits wichtiges Material ergeben; tm Interesse der Untersuchung kann jedoch zurzeit weiteres noch nicht gesagt werden.

Steuererleichterungen für Hausbesitzer

Berlin, 27. Dezember.

Der Reichssinanzminister Graf Schwerin-Krosigk hat einen Erlaß über steuerliche Erleichterungen für Hausbesitzer herausgegeben, der besonders Bezug nimmt auf die Notlage der Besitzer von Geschäfts- und Jndustriehäusern. In diesem Erlaß heißt es u. a.:

Die Wirtschaftskrise und nicht zuletzt die Auswir­kungen des in der Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. Dezember 1931 zugelaffenen außerordentlichen Kündigungsrechts von Mietverträgen haben in vielen Fällen ein Leerstehen von gewerblichen Räumen (be­sonders in Industrie- und Geschäftshäusern) und großen Wohnungen sowie eine zum Teil erhebliche Senkung der Mietpreise zur Folge gehabt. Hierdurch ist der Hausbesitz vielfach in eine Notlage geraten. Bei der Einziehung der Steuern soll hieraus Rück­sicht genommen werden.

Für die Anträge auf dem Gebiete der Gebäüde- entfchuldungssteuer (Hauszinssteuer), der Grund­steuer (einschl. der Gemeindezuschläge) und der Wert­zuwachssteuer sind die Landesregierungen und Ge­meinden zuständig. Die meisten Landesregierungen haben bereits Anordnungen über das Ausmaß des erforderlichen Entgegenkommens getroffen.

Zur Aufbringungsumlage werden vom 1. April 1932 ab nur Unternehmer herangezogen, -■ deren aufbringungspflichtiges Reinvermögen 500000 RM. übersteigt. Darüber hinaus ist insbesondere für die Gesckäftshausbefltzer, die in ihrem Grundstück einen eigenen gewerblichen Betrieb unterhalten oder an einem in dem Hause befindlichen Gewerbebetrieb beteiligt sind, die Erleichterung getroffen worden, daß in derartigen Fällen nicht mehr stets das ganze Grundstück, sondern nur noch die Grundstücksquote zur Ausbringungsumlage herangezogen wird, in deren Höhe das Grundstück im gewerblichen Interesse des Grundstückseigentümers genutzt wird. Soweit aus früheren Jahren Rückstände vorhanden sind und die Notlage des Hausbesttzes ein Entgegenkommen ge­boten erfcheinen läßt, habe ich keine Bedenken da­gegen, daß Anträge auf Erlaß der Rückstände beson­ders wohlwollend geprüft werden.

Was die Aufbringungsumlage 1932 anlangt, so gilt die getroffene Regelung, sowohl für die natür» lichen Personen als auch für die Grundstücksverwal­tungsunternehmungen.

Weiter geht der Erlaß nochmals auf die Frage der Umfatzsteuerregelung bei der Vermietung einge­richteter Räume ein.

■ " Nach einer Meldung ans Asuncion haben sofort nach Beendigung des 24stündigen Weihnachtswaf- fcnstillstandes zwischen Bolivien und Paraguay die Kämpfe wieder eingesetzt. In der Gegend von Cor- ralez wird ein Generalangriff der boltmantjajen Streitkräfte erwartet.

2000 weibliche Beamte ausgeschieden. Auf Grund des im Reichstag angenommenen Gesetzes über das Ausscheiden der weiblichen Beamten find, wie jetzt ve- • könnt wird, mehr als 2000 verheiratete Beamte tm Reich aus ihrem Beamtenverhältnis ausgeschieden. Es handelt sich dabei im wesentlichen um weibliche Postbeamte.

großen Bayreuther Wagnerdarsteller erinnerte. Das war wirklich der überlegene Weltweise hinter der Schusterkugel, der über dem Wahn im großen Welt­wirrwesen die Klugheit im Alltag keinen Augenblick verlor und alle vom Schusterbuben und Liebespaar bis zum Volk von Nürnberg mit Humor und Ernst nach seinem Willen lenkte. Die edle satte, warme und weiche Stimme wurde stets in gebändigter Klanglichkeit gehalten, nie trat sie starhaft aus dem Rahmen, gab aber jedem Wort, jeder, auch der klein­sten rezitativischen Phrase lebendigsten charakteristi­schen Ausdruck und entfaltete sich in dem Monolog und der großen Schlutzansprache zu vollendeter Schönheit, Wucht und Majestät.

Neben ihm hatte Willy Störring, der vor kurzem von Düsseldorf an die Staatsoper übergesie­delt ist, als Wwlzing keinen leichten Stand. Seinem Ritter ans Franken fehlte noch der feinere, geistige und seelische Zug, er gab ihn mehr als selbstbewuß­ten Herrenmenschen. Stimmlich störte zunächst ge­legentlich eine Neigung zu kehliger und nasaler Ton­gebung, wie überhaupt der erste Akt keine rechte stimmliche Entfaltung brachte, ja, gegen Schluß so­gar starke Ermüdung zeigte. Die "beiden solgenden Akte, vor allem das Preislied, schwangen sich dem­gegenüber zu einer überraschend kraftvollen Steige­rung der Leistung auf, so daß man an der prächtigen Stimmbravour seine helle Freude haben konnte.

Reu war in der Kasseler Besetzung der Back­messer von Fritz Hintz-Fabricius, eine dra­stische fast groteske Buffofigur von urkomischer Wir­kung, die allerdings in ihrer karikierten professora­len Nervosität nicht recht in das handfeste 16. Jahr­hundert passen wollte, auch die humorvolle gesang­liche Linie Wagners allzu sehr zu Gunsten sprach­licher Deutlichkeit und mimischer Vergröberung ver­nachlässigte. Paul Bergers treuherziger David, stimmlich noch nicht voll ausgeschöpst, war in den Einzelzügen sehr sorgfältig studiert und darstellerisch von lebendiger Frische und Natürlichkeit. Im übri­gen hoben sich wieder Sofie Brand st ätters an­mutiges Evchen, Maria Barths biedere Magda­lena, Josef Niklaus vornehmer Pogner und Alfred Borchardts köstlich öreiifpurtger Kothner aus der Reihe der Mitwirkenden heraus. Dr. Fritz Schroders Regie hatte das Festwiesenbild etwas aufgelockert und übersichtlicher gegliedert, Wilhelm Franz R e u tz und die Staatliche Kapelle boten allen Schwung und Glanz und berauschende Klangpracht ans, so daß auch von dort ftoher scstttcher Geist aus- strahlte. Am Schlüsse loste sich der Bann in jubelnde Beifallsstürme.