Wr. 302 / Zweiundzwanzigffer Zahrgan-
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Sonnabend, 24vSonntag, 25 Dezember 1932 > 3. Beilage
Stille Nacht auf der Teufelsinsel
Von Alfons Paoli Schwart}
Man hat mich gebeten, ein „Weihnachten aus bet Teufelsinsel" zu schildern. Eigentlich habe ich alle dortigen Erlebnisse meinem Landsmann P. El. Ettighoffer anvertraut, der sie in seinem Buch „SSon der Teuselsinsel zum Leben" getreu niederschrieb. Aber ich will doch versuchen, hier einiges zusammenzufasien, was ich an meinem traurigen Weihnachten 1925 durchmachte.
Zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt! Zwei Dinge nur geben mir noch Mut zum Leben: zuerst der Gedanke an meine alte Mutter und meinen Sohn in Kehl, dann die Hoffnung auf eine mögliche Befreiung durch die deutsche Regierung. Und gestärkt im Aus- harren, getröstet im Leid werde ich durch einen mit viel List und Angst vor Unterbrechung geführten Briefwechsel mit einer anderen „Lebenslänglichen", einer jungen Französin, die wegen Spionage im Zuchthaus zu Rennes in Westfrankreich schmachtet — mehr als 5000 Kilometer von meiner Toteninsel entfernt. Wir haben uns immer gegenseitig Trost und Hoffnung zugesprochen, und noch der letzte, im November angekommene Brief von Germaine Leroux (so hieß die junge Französin) brachte mir die Gewißheit, daß meine Freundin und Leidensgenossin wegen ihres zerrütteten Gesundheitszustandes nunmehr begnadigt und in Freiheit gesetzt werden sollte.
„Im Dezember werde ich frei sein, mein Freund und dann Deine Befreiung erstreben!" So hatte sie mir geschrieben. . . Und da kam, am 24. Dezember 1925, ein Brief auf meine einsame Insel, auf die Tleu- felsinsel'. (Das Proviantboot hatte gegen Mittag Post und einige wenige Paketchen mitgebracht.)
Ich saß gerade in meinem Gärtchen und suchte ein Fleckchen Schatten, denn unbarmherzig brannte auch an diesem Tag die Sonne. Ich dachte an meine Heimat, an das schöne Elsaß mit seinen ichneebedeckien Vogesen und seinen wundervollen Christtannen «stammt doch die schöne Sitte des Weihnachtsbaumes aus dem Elsaß). Und während ich so in der flimmernden Hitze lag, kam Wiard und überreichte mit den soeben einge- trosfenen Brief. Er trug auf dem Umschlag eine mir unbekannte Handschrift — und ich hatte gleich ein seltsames Gefühl, eine böse Vorahnung
Der Brief enthielt nichts als die kurze Miltei- lung, daß Germaine Leroux in den ersten Tagen des Dezembers gestorben war."
Das war die .Freiheit', die sie errungen hatte — eine Freiheit, die ihr keine Wärter, keine Mauern und teilte Ketten mehr wehren konnten ....
Wie lange ich stumpfsinnig lag und brütete, weiß ich nicht mehr. Der Schlag war zu hart. Gerade heute am Vorweihnachtstag. Sonst brauchten Briefe hierher mehrere Wochen; dieser aber hatte den Weg von Frankreich bis zu meiner Toteninsel in 20 Tagen zurückgelegt — eine Rekordleistung. Wohl, weil mir nichts erspart bleiben sollte (blieb doch dagegen die rechtzeitig aufgegebene Weihnachtspost meiner Mutter und meines Sohnes noch lange liegen und kam erst im Februar an).
Mein Schicksalsgenosse, der Fischer Delforge — auch ein Lebenslänglicher wie ich — weckte mich aus der Erstarrung und bat mich, ihm beim Fischen zu helfen. Er hatte einen schweren Eisenkrampen umgebogen, verdorbenes Fleisch daran gesteckt und wollte nun damit vom Felsen aus Haifische angeln.
(Dieses Fischen sollte ihm Monate später einmal verhängnisvoll werden.) Diesmal ging alles gut, und kurz vor Sonnenuntergang blieb ein Haifisch, fast 3 Meter lang, am Haken hängen. Wir kämpften stundenlang mit der Bestie, die mit schweren Schwanzschlägen alles zu Gischt schlug. Endlich konnten mir das ermattete Tier an Land ziehen und ihm mit unseren Vuschmessern den Garaus machen. Delforge hieb die Haifischflossen ab und nahm sie mit in unser Häuschen, denn die Zeit des Eingeschlosienwerdens war da. Mit viel Fleiß und Sachkenntnis kochten wir dann die Flosien, die eine Delikateste fein sollen. Ich vermochte ihnen aber an diesem Tag keinen besonderen Geschmack abzugewinnen.
Lange nach Mitternacht begaben wir uns zur Ruhe. Ich konnte aber nicht schlafen, denn mich plagte wieder das furchtbarste Heimweh. Zudem hatte sich seit den letzten Wochen ein neuer Gedanke in mir fest- gefreffen — der Wille zur Flucht. Ich stand wieder auf, zündete mein Petroleumlämpchen an, suchte meine Bibel hervor und las das trostreiche Evangelium der Geburt Christi im Stalle zu Bethlehem Legte bann das heilige Buch unter mein Kopfkisten, löschte das Licht, um den schlafenden Leidensgenosten nicht zu stören, und trat an mein vergittertes Fenster. Es mochte so 2 Uhr in der Frühe fein — ich konnte gerade nach Norden schauen und sah dort, kaum eine Hand breit über dem Ozean, den Nordstern blinke«. Ringsum
ein ungeheures, tiefes Schweigen. Unter dem unendlichen Sternenhimmel schwieg sogar die Brandung. Die berüchtigte Strömung rings um die Teufelsinsel schien ihren Atem anzuhalten.
Ich lehnte am Fenster einsam, und starrte gegen 3lorbojten, dorthin, wo heute der erste Weihnachtsfeiertag begann. Und da, im Gedenken an meine Lieben, an die lichterfüllten Weihnachtstage meiner Jugend, im Gedenken auch an Germaine Leroux, die jetzt dort, weit hinter dem Ozean, begraben lag, habe ich ganz still und kindlich die Hände gefaltet und habe leise ein deutsches Weihnachtslied gesummt. . . .
Luise Greger
Zu ihrem 70. Geburtstage am 27. Dezember.
Es gibt sehr viel mehr Kornponistinnnen, als man gewöhnlich ahnt; aber im Gegensatz zur Literatur find sie kaum oder nut als leere Namen in die MusUgejchichte eingegangen, obgleich eigentlich die Musik sich mit dem weiblichen Wesen mindestens ebenso nahe berühren müßte wie die Dichtung. Vielleicht strebte aber die Frau gerade in der unsinnlichen und unbegrenzten Tonkunst am stärksten über ihre Kraft und Bestimmung hinaus. Das wird man von Luise Greger, die am 27. Dezember in schöner geister Frische und ungebrochener Schaffensfreude ihren 70. Geburtstag begeht, nicht sagen können, denn ihr künstlerisches Lebenswerk galt der weibliiUten Gattung der Musik, der Lyrik in allen Formen vom schlichten volkstümlichen Lied bis zur höchsten Verfeinerung und Vergeistigung der hohen Kuchtgesänge. Eine reiche Ernte, die (bis op. 240 etwa) mehrere hundert Siebet umfaßt, hat ihr in ganz Deutschland und darüber hinaus eine stattliche Gemeinde, auch bei namhaften Konzertgrößen, gewonnen. Gelegentlich griff sie auch aus bas Melodram über und erst in letzter Zeit wagte sie sich auch an mehraktige Märchenopern: „Gänseliesel" und „Teddy", die noch der Aufführung harren.
Ihrer Äunft kam es zugute, daß sie nicht nur bis ins hohe Alter eine ausgezeichnete Interpretin ihrer Lieder war, sondern daß zugleich hinter ihrer Kunst eine ungemein lebendige, stets anregende und hegeifterungs- fähige Persönlichkeit und ein echter weltaufgeschlossener Meiffch stand. Als Fabrikbesitzer- und Senatorentochter aus Greifswald hat schon die Dreizehnjährige mit dem Komponieren begonnen und früh tüchtige Förderung durch den Universitätsßirektor Vemmann, einen Freund Karl Loewes, und die Berliner Kgl. Hochschule erfahren. Ihre noch heute ungeschwächte Reiselust hat sie durch Europa und bett nahen Orient geführt, so daß
Aus aller Well
polnische Offiziere schmuggeln
Mehrere Mill. Zloty R-uschgift umgesetzt.
Pose«, 24. Dezember.
Die polnische Kriminalpolizei hat in der Provinz Posen eine weitverzweigte Schmuggler-Organisation ausgehoben, an deren Spitze hohe polnische Offiziere und Beamte standen. Führer der Schmuggletbande war Major Siedlecki, Erenzschutzkommandeut im Abschnitt Lissa-Rawitsch, ferner waren beteiligt dieZoll- kommisiare, der Kommandant der Kadettenanstall, Rawitsch, ein polnischer Oberstleutnant, ferner der Starost (Landrat) in Rawitsch und eine Reihe von Aerzten und Apothekern. Bisher sind über zwanzig Personen verhaftet worden. Der Schmuggel soll in bet Weise erfolgt sein, daß mit Hilfe der Zollbeamten in großen Mengen polnisches Getreide nach Deutschland und dafür Rauschgifte in großen Mengen nach Polen geschmuggelt wurden. Der Umsatz der Schmugglerbande soll mehrere Millionen Zloty betragen, bte hinterzogenen Zollbeträge werden auf eine halbe Million Zloty geschätzt. Die ganze Affäre hat ungeheures Aufsehen erregt.
Anschlag auf die Wiener Postsparkasse
Wie«, 24. Dezember.
I« Hauptschalterraum des Postsparkasienamtes wurde ein Rauchgasanschlag verübt. Entgegen der ursprünglichen Vermutung, daß der Anschlag das Werk politischer Fanatiker sein könnte, ist jetzt durch die polizeilichen Ermittelungen festgestellt worden, daß man es dabei mit einem großangelegten Raubversuch zu tun hat. Die ausgebrannten Rauchbomben find bereits von Sachverständigen untersucht worden. Sofort als bte Alarmanlage in Tätigkeit trat, haben sich sämtliche Ausgänge bes Gebäudes automatisch geschloffen. Wie berichtet, ist jedoch ein junger Mann, der sich in der Schalterhalle befand, durch ein Fenster geflüchtet. Der Flüchtlitm wurde angehalten; er wird im Augenblick noch verhört.
Tokios Armenvieriel brennt
Tokio, 24. Dezember.
Nachdem erst am Donnerstag über eine Feuersbrunst in der japanischen Stadt Jtoigawa berichtet werden mutzte, hat heute kurz vor Morgengrauen ein Brand einen großen Teil des Armenviertels von Tokio zerstört. Bisher hat man 14 Tote geborgen. Außerdem werden 30 Personen, darunter 15 Kinder, vermißt. Man befürchtet, daß auch die Vermißten den Flammentod gefunden haben. Zahlreiche Einwohner mutzten mit schweren Brandwunden in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Der Brand entstand, als die meisten Bewohner noch im Schlafe lagen. In den leicht gebauten Holzhäusern fanden die Flammen so reiche Nahrung, daß sich der Brand mit rasender Schnelligkeit ausbreitete. An der Unglücksstätte spielten sich furchtbare Szenen ab: Kinder riefen nach ihren Müttern, eine Mutier eilte mit ihrem Kinde auf dem Arm aus dem Hause und brach auf der Straße schwer verletzt zusammen. Da noch immer Gefahr besteht, datz der Brand wieder auflodern könnte, dürfen nur die Feuerwehrleute an die verbrannten Häuser heran.
Zur Zeit bemühen sich die Behörden, den Obdachlosen Quartier zu verschaffen, um der größten Rot zu steuern. Die um die Brandstätte herum liegenden Straßen sind schwarz von Menschen, die ihre Angehörigen suchen. Sammlungen sind eingeleitet worden, um Lebensmittel, Kleidungsstücke und Derbandmate- rtal herbeizuschaffen.
Getreidespeicher in Klammen
Chicago, 24. Dezember.
Ein sechsstöckiger Getreidespeicher wurde durch Feuer zerstört. 1 350 000 Bushel Getreide fielen den Flammen zum Opfer. An der Bekämpfung des Brandes waren 35 Feuerwehrfahrzeuge beteiligt. Die Wehren mußten sich jedoch daraus beschränken, ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Zwei Personen fielen den Flammen zum Opfer, sechs wurden schwer verletzt.
Kostspieliger Kamilienhaß
Das Urteil im Earo-petschek-prozeß
Berlin, 24. Dezember.
Das Urteil, das einen weit übet ein halbes Jahr hingeschleppten, nach Inhalt und Form wahrhaft monströsen Prozeß mit der Auferlegung der Kosten auf den Nebenkläger Petsches unter Freispruch des Angeklagten beendet, bedarf dringend eines Kommentars, weil es im Gegensatz zu der im allgemeinen üblichen Auffaffung eine Verurteilung des Nebenklägers enthält. Ter ß 412 der Strafprozeßordnung besagt grundsätzlich, datz im Falle des Freispruchs des Angeklagten die Kosten eines Verfahrens dem Nebenkläger aufzuetlegen find, wenn das Verfahren erst auf Grund einer Beschwerde des Nebenklägers beim Kammergericht durchgeführt worden ist.
^Tatsächlich hatten Staatsanwaltschaft und General- staatsanwaltschast die von Petschek beantragte AnklagA er Hebung abgelehnt; erst der Strafsenat des Kammer- gerichts verfügte sie. Es scheint also die Voraussetzung des § 412 der StPO, gegeben zu sein. Allein tatsächlich kann das Gericht sehr wohl in solchen Fällen, wo befonäeres öffentliches Interesse an der Durchführung des Verfahrens bestand, von der Vorschrift des § 412 Abstand nehmen und die Kosten der Staatskaffe aufer- legen. Sicherlich bestand nun im Falle Caro ein ganz erhebliches öffentliches Interesse an der Klärung der Frage, ob dieser Mann, der eine so bedeutende Rolle im deutschen öffentlichen Leben spielt, des Falscheids beschuldigt werden könne ober nicht. Wenn trotzdem das Urteil dem Nebenkläger die Kosten auferlegt, obwohl jene andere Möglichkeit besteht, so trägt es damit dem allgemeinen Empfinden und den Tatsachen des Prozeffes Rechnung, aus denen sich immer deutlicher ergab, datz bas ganze Verfahren lediglich der Befriedigung eines wahrhaft gigantischen persönlichen Haffes dienen sollte.
Schon im August, vor 4 Monaten also, stellte der Staatsanwalt fest, daß der Angeklagte aller Wahr- scheinlMeit nach unlschuldig sei, baß „eine strafbare
Handlung bes Angeklagten nach bem jetzigen Stand des Verfahrens nicht mehr zu erweisen sei". Es ist im all- s gemeinen nicht Sache des Staatsanwaltes, solche Airstch- ■ ten über den Angeklagten zu äußern; wenn der erste s Staatsanwalt bas in diesem Augenblick doch tat, so war . es der Beweis dafür, daß für den Kläger hinsichtlich der Befriedigung feiner Haßwünsche schon gar nichts mehr zu hoffen war. Die Antwort des Nebenklägers auf diese Feststellungen bes Staatsanwaltes war eine wesentliche Verstärkung seines Trommelfeuers von Beweisanträgen unb Verdächtigungen. Nun hat das grausame Spiel fein Ende gefunden. Gesunder staatsbürgerlicher Sinn wird bas Urteil zwar mit Befriedigung, aber doch nicht mit voller Genugtuung begrüßen. Niemand wird die Petscheks darum bemitleiden, baß sie viele Hunderttausende Prozeßkosten zu zahlen haben werben. Aber es bleibt höchst unerfreulich, daß solcher Familienhatz sich des.Instruments der deutschen Justiz bedienen darf, deren Leistungen in diesem Monstre- prozeß durch die Kostenrechnung bei weitem nicht gedeckt werden.
petschek legt Rerifioti ein
Die Kosten des Prozeffes etwa 150 000 Mark.
Wie wir hören, werden die Vertreter des Nebenklägers Dr. Petscheks gegen die Freisprechung Geheimrat Caros Revision beim Reichsgericht anmelden.
Die Kosten des Prozeffes, die dem Nebenkläger auferlegt sind, find noch nicht berechnet worden, dürften sich aber um 100 bis 150 000 Reichsmark herum bewegen. Sie fetzen sich aus den eigentlichen Gerichtskosten, den Gebühren für Zeugen und Sachverständigen (von denen die letzteren das meiste kosten werden) und den gesetzlichen Gebühren der Verteidiger zusammen. Natürlich werden die privat vereinbarten Honorare, die Dr. Petschek nicht zu ersetzen hat, bedeutend höhere Summen ausmachen.
Ein Turm-Hotel
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Das neue Hotel bei Seftri (Oberitalien), das tu Form eines Rundturmes errichtet wurde. Durch die Höhe des kuriosen Bauwerks ist für fast alle Zimmer eine großartige Aussicht auf die herrliche Umgebung gewährleistet, die vor allem im Winter ausgezeichnete Sportmöglichkeiten bietet.
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Weihnachten im Heiligen Land
Ein Bild von Liberi al am See Genezareth, das unser Leser Carl Wagner, Kassel, wärenh deS Krieges als Angehöriger eines deutschen Fliegerkorps in Palästina ausnahm.
Eine Brieftasche mit 15 000 RM. gesunden hat ein Arbeiter auf einer Chaussee bei Wittenberge. Aus den in der Tasche enthaltenen Papieren konnte er feststellen, wer der Besitzer war und hat das Geld abgeliefert, was ihm eine recht erfreuliche „Weihnachtsgratifikation" einbrachte.
Explosion in einer Artillerieschule bei Rom. In der Ariillerieschule von Nettuno, nahe bei Rom, ereignete sich beim Füllen von Munition eine Explosion, die fünf Soldaten das Leben kostete.
Fingerhut zum zweiten Male freigesprochen. Aus Wuppertal wird gemeldet: Zn der Berufungsverhandlung des Fingerhut-Prozeffes wurde der Angeklagte mangels Beweises freigesprochen.
Schlechte Zeiten auch für amerikanische Millionäre. Aus den statistischen Angaben, die das amerikanische Schatzamt veröffentlichte, geht hervor, daß sich in den Vereinigten Staaten die Zahl der Leute mit mindestens einer Million Dollar Jahreseinkommen innerhalb eines Jahres um die Hälfte verringert hat. 1930 waren es noch 150 Personen, 1931 nur noch 75.
Selbstmord in der Familie Bethmann-Hollweg. In der Nähe von Rosenheim hat sich ein Verwandter des früheren Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg, der 22jährige Student Johann-Georg von Dethmann-Holl- weg, das Leben genommen. Der junge Mann, der i« I Göttingen studierte, kam vor einigen Tagen nach Mün- : eben, wo er in einem Hotel im Zentrum der Stabt abstieg. Er schrieb hier einem Freund einen Wschieds- brief und stürzte sich in der Nacht darauf vor den Schnellzug München—Kufstein. Was den jungen Studenten in den Tod getrieben hat, ist nicht genau bekannt. Man vermutet einen Nervenzusammenbruch infolge lieberarbeit. Der Student war der Sohn des Botschaftsrats a. D. von Bethmann-Hollweg in Schlesien. Der Vater ist ein Vetter des früheren Reichskanzlers.
Explosion nnterm Spieltisch. Im Zoppoter Spiel- kafino wurde abends kurz vor Schluß des Spiels von einem Unbekannten unter einem Roulette-Tisch ein Feuerwerkskörper Mr Explosion gebracht. Die Panik wollte der Täter anscheinend ausnutzen, um möglichst viele Ietöns und Bargeld an sich zu raffen, er hatte aber fein Glück damit; die Croupiers sorgten für Ruhe.
Mrst und Bürgermädchen. Der 28 Jahre alte Fürst Wolfheinrich zu Stolberg-Stolberg, der von seiner Verwandtschaft dazu ausersehen war, Prinzessin Juliane die holländische Thronfolgerin, zu heiraten und damit Prinzgemahl der Niederlande zu werden, heiratet ein junges Bürgermädchen aus Magdeburg, Fräulein Irma Ersert, die Tochter eines Sparkaffendirektors, die er vor vier Jahren kennen gelernt hatte, als sie beim Bürgermeister von Stolberg Haustochter war.
De» Hauptgewinn in der Spanische« Weihnachts- Lotterie, an der alljährlich fast jeder Spanier mit Heinen und kleinsten Anteilen mitspielt, ist diesmal in Höhe von 15 Millionen Peseten (etwa 5 Millionen Mark) nach Huesca gefallen, wo er von Gerichtsbeamten gewonnen wurde. In der andern Serie fiel derselbe Gewinn nach Barcelona. Der zweite Haupttreffer fiel ebenfalls nach Barcelona, der. dritte nach Madrid.
gar manche berühmte^ Persönlichkeit in die Chronilk .ihrer Erinnerungen, fne sie meist auf frischer Tai auf« zuzeichnen pflegt, eingegangen ist und der weite Umkreis ihrer Beziehungen ein besonders reiches unb interessantes Kapitel ihrer geistigen Biographie aus- machl. Durch ihre Heirat hat sie in Kassel und Hessen eine zweite Heimat gefunden, wenn sie auch der alten pommerichen gern durch zahlreiche prächtige Vertonungen plattdeutscher Dichter in späteren Zähren ihre Treue bekundete. Mancherlei 'Schicksalsschläge hat auch sie durchkämpfen müssen, dem Vaterlande gab sie als deutsche Mutter zwei Söhne dahin, ein Dritter, Arzt und Letter des von ihrem Gatten begründeten Sanatoriums, das er als Frauenklinik fortführt, hat die Begabung der Mutter geerbt. Ihren Lebensabend vergoldet Reisen und volles Versenken in ihre geliebte Kunst. Dem Kenner ihrer Lieder find mancherlei Wandlungen, stetiges Wachsen nach innen spürbar, aber auch jeden andern fesseln sie immer wieder durch die eingängliche Plastik des Melodischen, Klarheit und Feinheit des wohlklingenden Satzes und die ursprüngliche Wärme des natürlichen Empfindens. Men darf also wohl hoffen, daß sie einmal in der Musikgeschichte mitgezählt werde«. Dr. E. Et.