Kasseler Neueste Fachn'chiea
Somravend, LL/Günwtag, 25. Dezember 1932
Schwere Unruhen in Wuppertal
Polizei wir- tätlich angegriffen / Erneute Plünderung von Läden
Sterbende Dörfer in Polen
icn, das Recht, das „so
Der Verfasser be
ben natio-
In einem sehr «bemerkens- i sein. Resignation ist unter Umständen für den einzel-
Mufik in Berlin
Königs st ratze 2 t)
Theater in dieser Zeit?
nen sehr nützlich — für die Gesamtheit ist aus einer resignierenden Haltung noch nichts Ersprießliches herausgekommen. Wenn heute Millionen unserer deutschen Mitmenschen nicht mehr in der Lage sind, ein Buch oder ein Bild zu kaufen, ins Konzert oder ins Theater
band der Bücherfreunde, der Verleger dieses kulturgeschichtlich-wertvollen Prachtwerkes, in unserer Stadt eine eigene Verkaufsstelle unterhält, wo auch Interessenten unverbindlich dieses Werk eingehend -Reisebüro Rich.
Die heutige Nummer umiutzt 24 beiten
3** Des Weihnachtsscstes wegen erscheint die nächste Ausgabe unserer Zeitung am Dienstag mittag zur gewohnten Stunde.
sein Haar wie eine Krone aus Licht und alle Engel neigten sich vor ihm wie er sie vor allen bei der Band nahm mit ihrem schlechten Röckchen auf der immelswtese. Das Mädel sagt noch dies und das, wie es zuletzt erwacht sei und der alte Mann'an ihrem Bett gestanden habe und durch die Tür entwichen sei wie ein Schatten.
Da durchzuckt es Maria wie heiliger Schrecken, sie geht in die Kammer ihres Mannes und fragt, ob er etwas gesehen oder gehört habe. „Nichts anderes als dich", sagt der Pitter verwundert, „da du zurückgekommen von der Weiche". Maria ent-
Apothekenöienst
Folgende Apotheken Haven morgen, Sonntag, geöffnet und in der darauffolgenden Woche Nachtdienst: Beethoven- Apotheke. Sohenzollernftrahe 171; Einhorn-Apotheke. Unt, Königsstrahe 73; Landgrafen-Avotbeke, Leipziger Str. 113; Schwanen-Apotheke, Große Roienstraße 2; Wefertgr-Avo- tbeke.Weseritratze 27%. 4
vor, dah der Senat sich entschlossen hat, an der in den letzten Jahren üblichen zweijährigen Periode für den Wechsel in den Bürgermeisterämtern festzuhalten.
Warschau, 23. Dezember.
Man hat in den verflossenen Monaten die unwahrscheinlichsten Schilderungen über das grenzenlose Elend in der polnischen Provinz, insbesondere in den Dörfern des südöstlichen Polen, gelesen. Alle Zweifel an der Wahrheit solcher Schilderungen werden jetzt beseitigt durch einen Aufsatz, den der ehemalige polnische Ministerpräsident, der Führer der polnischen Dauern
werten Vortrag vor dem Schutzverband Deutsch.Schrift- steller sprach Friedrich-Earl Kobbe zu dem Thema „Theater in dieser Zeit?" Der Dor-
I Haus dazwischen": Marzellus Schiffer hat | den Entwurf hinterlassen und Joachimson hat ihn ausgeführt. Spoliansky hat eine entzückende Mufik dazu gemacht, die das Stück in eine andere Sphäre bebt, ein bihcben revueartig, mit Tänzen, Liedern und Ensembles. Die Musik ist überaus diskret, vornehm fein gearbeitet und dabei recht volkstümlich. Es ist auch ein volkstümlicher Zug, der das Stück selbst auszeichnet, nicht ganz im populären Sinne, aber in dramatischer Beziehung sehr fruchtbar. Ein kleiner Uhrmacher besitzt ein Haus, das von einem grotzen Citypalast umbaut wird und von ihm verschlungen sein möchte. Der Kamps des Uhrmachers gegen die Grohstadt ist der Inhalt. Max Adalbert spielt ihn, er kommt kaum von der Bühne, er trägt den ganzen Abend in seiner bezwingenden Mischung von Recht- Haberei und Weltweisheit. Oscar Bie.
besichtige» können. (Hapag, Hautzknecht, Kassel, Oo.______„„
Im Zusammenhang hiermit möchten wir auch gleich erwähnen, datz der Verlag den Verkaufspreis dieser Bibel nunmehr gesenkt hat. Er beträgt jetzt 35 Mark.
gegnete nichts, aber ihre Hände beben und sie weiß nun, wer ihr Retter gewesen ist. Sie muß zu ihm, ihm zu danken mit ihrem Letzten. Sie bettet hastig das Kind und wendet sich zur Tür, da tritt ihr der Pfarrer auf der Schwelle entgegen und sagt, daß sie den Alten tot aufgefunden haben an den Stufen der Kirche. Der Organist hätte ihn zuerst gesehen, als er aus der Kirche trat, von der Weihnachtsmette. Sein Antlitz habe ausgesehen, wie das eines Lauschenden, der eine überirdische Melodie vernommen hat und seine Hände waren geöffnet wie bei einem, der empfangen will.
Partei, Mitos, im „Kurier Warszawski" veröffentlicht.
Es heißt in diesem Artikel, daß viele Dörfer trotz des rigorosen Druckes der Behörden die Zahlung von Steuern und staatlichen Abgaben eingestellt haben. Die Ernährung sei jammervoll, vielfach verfüge man nicht einmal mehr über Salz. Nachts herrsche in den Dörfern völlige Finsternis, nur ganz wenige Bauern könnten sich den Luxus einer armseligen Talgkerze gestatten.
Die Bekleidung der Bevölkerung entspricht diesem Elend und oeruqacht epidemische Krankheiten. Mit furchtbarer Macht greife di« Tuberkulose um. sich und fordere zahllose Opfer, insbesondere unter der Jugend. Die Schulen, ja selbst dA Kirchen veröden, und mit dem Einbruch der Kälte wächst die Verzweiflung angesichts des Mangels an Heizmaterial. Trostlos soll es auch um die geistige Beschäftigung der Bevölkerung,bestellt sein. Zeitungen sind kaum mehr in den Dörfern zu finden, von Büchern gar nicht zu reden. Auf einen erschreckend tiefen Stand sei die allgemeine Moral gesunken; man erledige nachbarliche Streitigkeiten mit Brachialgewalt, da kein Mensch die Mittel für Gericküs- kosten und Rechtsanwälte besitze. Manches polnische Dorf, so schließt Witos, gleiche einem lebendigen Friedhof.
Kunst in Dresden. Unser Dresdener Mitarbeiter schreibt uns: Dresden ist heute immer noch die Stadt der Malerei und sie hat nicht aufgehört, lebendig und schöpferisch zu sein. Im Gegenteil. Trotz der Rot der Zeit sind die Künstler aktiver denn je. Weihnachtsausstellungcn und Kunstmessen allerorts. Interessant der Versuch einer Notaemeinschaft: Nahezu 100 Maler und Bildhauer schufen sie, mieteten einen Laden in der Breiten Straße und stellten dort über 4ÖD Arbeiten aus. Die Not drängte zu einem Zusammenschluß ohne Programm, ohne Grupven-„Jsmus'. Nur eine Bedingung wurde ausgestellt: Die Verkaufspreise der Werke dursten 200 Mark nicht übersteigen. Auch der Sächsische Kunswerein eröffnete " eine Weihnachtsausstellung. Di« Ausstellung ist zweifellos die bedeutendste diesjährige Veranstaltung und glücklicherweise durchaus keine Messe. Sie hat Niveau und Haltung und zeigt beste Dresdner Kunst. Das ist wichtig, heute üesouders wichtig. Mr köuueu und dürzeu heute.
Jugend von deute. Ni« war die Zukunft einer Jugend iinaeimffer «nd wphl noch tri« Hai eine ganze Naüvn so fieberhaft alle grotzen und kleinen Mittel durchdacht, die kommenden Geschlechtern freie Luft zum Leben schaffen könnten. Wie stedt es aber um di« Jugend selbst? Was fordern, denken »nd fühlen beute die jungen Memcken zwischen lö und 18? Aufgewachsen in Krieg und Krise, sedsn die «öbne und Töchter anders in die Wett als ihre Eltern, die noch Frieden. Mach: und Wahlstand der Vorkriegszeit erlebt haben. All dies« Fragen null „Die Wecke", die grotze illuitrieri« Zeitschrift, in ihrem Weihnacht--Loriderben „In- flPtth hnn hoitfo* hMnftawrtPW - - - -
heißt es im Vorwort. Auch das Recht läßt sich auf diesen beiden Wegen verfolge ‘ ‘ ~ '
alt ist wie der Mensch selbst ____
ginnt seine Wegschau mit den ersten Rechtsschöpfern von denen die Geschichte berichtet, Hammurabi, Moses, Lykurg, Solon, Drakon usw. und setzt sie fort über die großen Namen und Werke der römischen und der deutschen Rechtsgeschichte bis in unsere notvolle Gegenwart. So erhalten wir das geschichtliche Nacheinander, den vertikalen Schnitt, dem v. Selchow gleichsam zur Probe noch ein rechtsgeschichtliches Nebeneinander, dem horizontalen Schnitt, beifügt. Wie in seinen früheren Werken teilt v. Selchow die Menschheitsgeschichte in drei große Epochen: Eine „Vor-Zeii", die bis über 4Ö0 n. Ehr.
nicht schlechte und falsche Werte kaufen. Mit jedem Kitsch, mit jedem nicht vollwertigen Kram, für den wir unseren schwer errungenen Arbeitsertrag hingeben, schaden wir uns enorm und beschleunigen unseren Untergang. So wie nur der Kaufmann klug ist, der ausschließlich Qualität zu niedrigsten Preisen anbietet und nicht mit schlechten! Kram um Wohlwollen bettelt, so hat auch der Künstler nur dann eine Zukunft, wenn er sein Bestes hergibt. Tragisch, datz der Schöpfer und geistige Urheber dieser segensreichen und schönen Veranstaltung, Robert Richter, der Direktor des Sächsischen Kunstvereins, plötzlich vom Tode niedergestreckt wurde. Er durfte fern Werl nur in der Entstehung erleben.
Bertelsson.
Erfolge eines Kasseler Künstlers, lieber den bekannten heimischen Bariton Woldemar Klingelhöfer, der sich z. Zt. mit einer holländischen Revue-Truppe auf Tournee durch Oesterreich, die Tschechoslowakei und die Schweiz befindet, schreibt die dortige Presse u. a.: „Grazer Montagszeitung": ... der kultivierte klangvolle Bariton des Herr Klingelhöfer.... „Grazer Tagblatt': ...Prächtige Glut der Stimme entfaltet Wold. Klingelhöfer im feierlich kraftvollen Sonnenlied ... „Komotauer Tagblatt' ... Strahlend leuchtet Klingelhöfers Bariton... „Deutsches Tagblatt' Komotauer... Groß, fast opernhast klingt Klingel- Höfers Bariton... „Der Abend', Teplitz-Schönau... herrlichen Wohlklang verrät die Stimme des Baritons Klingelhöfer.
„Eine deutsche Dolksbibcl!" Ergänzend zu dem Aufsatz unter dieser Ueberschrift, den wir in unserer Literaturbeilage vom 11. Dezember veröffentlichten, möchten wir daraus Hinweisen, datz der V o l k s v e r-
reicht, eine christliche „All-Zeit' bis um etwa 1500 und eine individualistische ,^Jch-Zeit', deren letzte Zuckungen wir gegenwärtig erleben. An die „Jch- Zeit', wird sich in naher Zukunft die „Wir-Zeit' an- schlietzen, und es ist selbstverständlich, daß die neue Zeit auch ihr neues Recht haben wird: das „Wir- Recht'. Man kann nicht leugnen, daß die Begrisfe „All-Zeit", „Jch-Zeit", „Wir-Zeit" einen starken, schematisierten und erkünstelten Eindruck machen, doch wird man finden, daß sic bei näherem Studium des Werkes sich in erfreulicher Weise lösen.
Bogislav v. Selchow verfolgt das Ziel, die Rechtsnot unserer Zeit zu schildern und den Weg zu bereiten für das neue Recht der Zukunft. Aus diesem Grunde entwickelt er vor unseren Augen die Geschichte des deutschen Rechts, aus einem rein deutschen Empfinden, aber immer großzügig, weitblickend, vorurteilslos. Den Einflüssen fremder Kulturen wird volle Gerechtigkeit zu Teil. „Recht ist", sagt Selchow, „von den Menschen zu den verschiedenen Zeiten immer in verschiedenem Sinne verstanden worden.' Und Selchow stellt fest: „Recht und Macht sind so alt wie der Mensch selbst. Jünger als beide ist der Staat.. Darin ist das Recht größer als der Staat, daß dieser der Macht bedarf, um Staat zu sein. Das Recht jedoch, auch vergewaltigt und zu Boden geworfen, bleibt immer Recht. Mag auch, damit es wirke in der Wirklichkeit, des Staates Arm ihm unentbehrlich sein."
Die idealistische Grundrichtung des Buches ist unverkennbar. Ueberall lebt die Sprache des Dichters, die sich in Anschauung der größten Erscheinungen der Vergangenheit, Augustin, Daftte, Spinoza usw„ zu außerordentlicher Bildhaftigkeit steigert. E. B.
Wuppertal, 24. Dezember.
Kommunistisch« Ausschreitungen, bie sich bis in bie Rächt und in den frühen Morgen des Freitags fort- setzten, haben zu schweren Zusammenstögen mit der Polizei an verschiedenen Stellen der Stadt geführt. In Wuppertal-Elberseld gingen Teilnehmer eines Demonstrationszuges gegen zwei Polizeibramte vor und entrissen ihnen die Gummiknüppel und Tschako». Die beiden Beamten wurden schwer verletzt. Ein größerer Demonstrationszug wurde an an» derer Stelle der Stadt aufgelöst. In einigen Strotzen wurden die Laternen durch Steinwürse zertrümmert, in anderen das Straßenpslaster nach Einbruch der Dunkelheit aufaerissen. Bei vorangegangenen Unruhen auf dem Marktplatz wurden drei Personen durch Schüsse verletzt. Jedoch besteht bei keiner Lebensgefahr. Die Unruhestifter benutzten mehrfach auch die Gelegenheit, Läden, deren Scheiben sie einwarfen, aus- zuplündern. Die Polizei mutzt« mehrfach scharf schießen, um sich vor der Wut der Meng« zu schützen. Mehrere verdächtige Personen wurden zwangsgestellt. Rach dem amtlichen Bericht der Polizei find die Ausschreitungen auf Anweisung der KPD. erfolgt.
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Am Freitag drangen in das Geschäft von Hefter rn Neukölln 20 Burschen ein und entwendeten in ganz kurzer Zeit Lebensmittel für rund 1500 Mark. Das Bedienungspersonal und die im Laden befind- lichsn Käufer waren den 20 Burschen gegenüber machtlos. Der Polizei gelang es, einen der Täter festzunehmen. Bei der Zwangsgestellung wurde der Beamte tätlich angegriffen, so daß er von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Personen wurden nicht verletzt.
Scharfe Schüsse in einem NSOAp.-Lokal
Berlin, 24. Dezember. Bei einem Streit in einem natwnalsoziaffstischen Verkehrstote! in der Nähe ves Anhalter Bahnhcfs gab ein Polizeioffizier in der Notwehr zwei Schüsse auf »en Gruppenarzt Dr. Fritz Dopner ab, durch bie dieser schwer verletzt wurde.
Ende seiner Schrift:
Wenn in städtischen Verwaltnngen bei der Beratung des Theateretats darauf hingewiesen wird, daß mit der ausgeworfenen Summe, die vielleicht die Existenz von ein paar hundert Menschen sichert, zehn- oder zwanzigmal soviel Kinder vor Dem Hungern geschützt werden könnten, so ist es nicht ganz leicht, sich gegen diese Kinder vor das Wort .Mlltur" zu stellen. Wenn man auf dem täglichen Weg zur Berufsarbeit 'dem Elend begegnet, das einen grauenhaft großen Teil unserer Mitmenschen stündlich vor die nackten Dasetns- sragen stellt, dann ist es schwer, sich nicht lächerlich und überflüssig vorzukommen, wenn man zur selben Zeit sich Sorgen macht, ob die Schauspielerin X., als sie dem Schauspieler Y. ihre Liebe erklärte, um einen Blick oder um eine Schulterbewegung zu deutlich gewesen sei... Ich kann mir nicht denken, daß es unter denen, die sich heute beruflich mit ästhetischen Dingen zu beschäftigen haben, einen anständigen Menschen gibt, «der sich' nicht schon versucht gefühlt hätte, den ggnzen ästhetischen Kram an den Nagel zu hängen und etwas Nützliches anzufangen. Wer die Frage nach der Nützlichkeit ist nicht immer einfach und nur selten eindeutig zu beantworten, und was vom Standpunkt des einzelnen Menschen richtig und sittlich erscheint, kann, vom Standpunkt der Menschheit aus gesehen, falsch und verderblich
spinnt vor ihren Augen, daß sie sich die Schläfen halten muß. Es schnarrt die Uhr mit knackenden Gelenken, es faucht im Kamin unter den Stößen des Windes und wirft lange rote Blitze in die halb- dunkle Stube. Maria fühlt sich elend und gliedermatt. Vielleicht hat auch sie das Fieber gefaßt oder was ist mit ihr. Sie zündet die Lampe an und stellt sie auf das Wachstuch des Küchenttsches. Schräg fällt der Schein auf das schiefe Feldbett am Ofen. In dem liegt die kleine Anna mit willenlosen wänden auf dem geblümten Tuch und mit zurückgebogenem Köpfchen. Im Nebenzimmer hüstelt der Mann und flüstert mit seiner bedeckten Stimme vor sich hin.
Maria geht hinaus mit der Laterne, den Dienst <nt der Weiche zu versehen. Sie hat das schwarze Tuch umgeschlagen und die Zipfel unter dem Kinn verknotet. Es saust in den Telegraphendrähten, über dem Schienenstrang baumelt die Stationslaterne wie ein gehenkter Mond. Jetzt muß sie über den Graben, doch der Steg ist vom Schnee ausgelöscht. So faßt sie die Laterne fest und springt ... und schreit und wirft die Arme hoch und sinkt ein, schultertief und weich. Ehe ihr die Sinne schwinden, glaubt sie die glühenden Auaen des Schnellzuges zu sehen, der durch stäubende Schneewolken aus dem Rachen des Berges hervorpoliert.
Beranlwortttck für 0«n polnischen Teil: $t. Waller Pehnt: rür das Feuilleton: German M. Bon au; kür de» lokalen Teil: Dr. Hans Joachim Glatzer; kür den Seimaneil: R u d o l k (9 l ü le r: kür Handel: Dr. HansLanaenberz; kür den Sportteil: Herbert Speick: Photo-Redakteur Eduard Sckulz- Keifel; für Anzeigenteil: ÜB. Karl L a u tz c. — Berliner Schrittlettuna: Dr Ä alter Thum. Ber- lin e®. 68. — Druck und Verlag: Kasleler Neueste Nachrichten G. m. b. H.. Raffel. Kölnische Strobe 10.
trag erschien jetzt als Broschüre im Alster-Verlag, Hamburg. Kobbe resümiert am
lleberheblichkeit und des Hasses gegen andere sinkt und datz das sich darin erschöpfende Gemeinschaftsleben nicht nur ethisch wertlos, sondern ethisch minderwertig wird.
Moralpredigen ist natürlich auch hier wirkungslos. Aber es wäre schon einiges gewonnen wenn sich zunächst in kleineren Kreisen eine andere Einschätzung der heute auf Grund der siegreich gewordenen Massenmoral positiv gewerteten unechten Gefühle durchsetzen würde- Dadurch könnten wenigstens große Aeußerungen her Uneigentlichkeit eingeschränkt und das Enfftehen vieler Ansteckungsherde verhindert werden. Selbstverständlich kann man nicht hinter jeden aus den Millionen einen Psychiater stellen. Aber sich vor Zuschauern bei unvor- nehmem Betragen im Spiegel sehen müssen, ist für viel« doch peinlich. Wäre es nicht an der Zeit, nach dem Muster des in seiner Wirkung bewährten Stuttgarter Jndustriekitsch-Museums ein Weltmuseum für nationalistischen Edelkitsch zu begründen, in dem die Dokumente des unechten Gemeinschaftslebens gesammelt und den Völkern zur Seelenhygiene zur Verfügung gestellt werden? Vielleicht setzt sich dann die Ueberzeugung durch, daß Aeußerungen der Prestigesucht, des unechten Hasses und Hochmuts, ungewollte Bekenntnisse der Uneigentlichkeit sind."
zu gehen, so kann die Schlußfolgerung nicht dahin lauten, daß Theater und Musik, Malerei und Dichtkunst auszurotten seien, sondern nur darin, datz Wege gesucht und gefunden werden müssen, auf denen diese armen Menschen wiede^ an^die ^unA^heranEbringen sind.
-Inzwischen ist er nötiger als j e, -diese Kuntz*rein P halten gegen Unverstand und Unzulänglichkeit. Die Theaterkunp, eine tatsächlich mythische Einheit aus allen Künsten, ist die einzige, die den ganzen lebendigen Menschen, nicht nut seine Stimme, als Ausdrucksmittel in ihre Dienste genommen hat, die nicht nur auf Ohr und Auge, sondern auch auf jenen verborgenen und geheimnisvollen Sinn wirkt, der die einmalige und immer wieder neue Beziehung zwischen Mensch und Mensch empfindet. Deshalb ist das Theater nicht nur der Ort, wo die Dheaterkunst ausgeübt wird, sondern ein Gemeinschaftsraum, in dem wir das Erlebnis unserer eigenen Verwandlung gemeinsam und in brüderlichen Schauern empfangen. Es gibt nichts, von der echten religiösen Ergriffenheit bis zur echten humoristischen Erschütterung, was uns im Theater nlchi gegeben werden könnte; es gibt kein anderes Medium, das uns die Ergriffenheit und Erschütterung auf so geradem Wege geben könnte. Das Theater ist keine künstliche Erfindung, sondern ein natürlicher Organismus; dem Theater zu dienen, ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Die ältesten Theater waren Tempel, geweihte Räume. Sie haben ihre Weihe mit der Zeit verloren; aber immer noch ist es nötig, um den alten Sinn, die
Furtwänglers Ueberraschung /KaminskiimRundfunk. Eine kleine Operette.
Furtwängler brachte in feinem vierten Konzert eine interessante Uraufführung, die Passacaglia des Münchener Komponisten Karl Marx. Wir haben von ihm schon allerlei gehört, besonders sein Klavierkonzert zeigte ihn auf fortschrittlichen, und doch ge« gesunden Wegen. Die Passacaglia übertrffft seine früheren Arbeiten, obwohl auch sie sich aus verschiedenen Stilen noch mischt, durch die glückliche Zusammenfassung und Einheitlichkeit. Es ist ein Stück, das nicht so streng nach der alten Methode die Variationen über dem Thema aufbaut, sondern alles freier und leichter nimmt, bald polyphon, bald etwas exotisch, bald impressionistisch, bald stilisiert, manchmal, wieder Bolero von Ravel, manchmal melodisch wie ein altes Stück. Da es meisterlich gearbeitet ist und viel Abwechslung bietet, gefällt es auch dem Publikum außerordentlich und hat den Namen des Komponisten endgültig in Berlin durchgesetzt.
In ähnlichem Zusammenhang muß der Jürg Jenatsch von Kaminski erwähnt werden, den der Rundfunk uns erstmalig vorsetzte. Nach C. F. Meyer ist das Stück mehr episch als dramatisch umgesetzt worden und man bat ihm Musik beigegeben, Ehori- sches und Solistisches, die mehr illustriert und nicht gerade bühnenmäßig gedacht ist. Gerade deswegen eignete sich die Novität für den Rundfunk, zumal Scheichen die Leitung führte und Heinrich George für die Titelrolle verpflichtet war. Es war ein etwas akademischer, aber durchaus künstlerischer Eindruck.
Eine Aufführung im Komödienhaus ist zu nennen, nicht gerade Operette, sondern mehr Volksstück oder Lustspiel mit Orchester und Gesang. ES heißt »Das
Maria schlägt die Augen auf und blickt um sich. Es ist warm und still. Eine Uhr geht, deutlich hört sie das tiefe dingdong des Stundenschlages und sie weiß, daß es die Stimme ihrer Uhr sein" muß. Sie packt sich auf die Ofenbank und macht das Fenster auf. Ta liegt das verschneite Land, der Wind ist eingeschlafen, die Stationslampe schwebt wie ein guter Mond über den Gleisen und nichts ist da von Zerstörung ober Zusammenstoß. Nichis, nichts.
So hat sie denn ein Spuk genarrt, das Fieber.. aber die Laterne ist weg und ihre Kleider sind steif und feucht. Tort drüben schläft ihr Mann, seine Atemzüge sind tief und ruhig wie die eines Genesenden. Die Lamve ist ausgebrannt, so steckt Maria bie Serien an. Ein wunderlicher Strom von Glauben und Erschütterung ist in ihrem Herzen. Sie möchte weinen und lachen. es erscheint ibr alles un- fastlich und nruoefrfienft. Da im B»ttchen atmet ibr Kind, es bat den Kauf auf den Arm gelegt und lächelt im S-hlas. Die Mutter bebt es ans den Kissen nun kann sie wirklich weinen Die Ks-ine, vom Traum bold verwirrt, beginnt ut vlaudern: sie laa und schlief auf einer goldenen Wiese, da trat der alte Mann iu ibr und nahm n» auf die Knie, so wie er ehedem tat, ein Heller Schein stand am
Beschlagnahmte Waffen
Gm Zusammenhang mit der Ende Juli in Thüringen und Sachsen aufgedeckten Waffenschiebung zweier Suhler Waffenhändler, die etwa 700 bis 800 Revol- ver mnd einige tausend Schuß Munition an »as Reichsbanner verkauft hatten, finden zur Zeit in der Psalz umfangreiche Haussuchungen nach Waffen statt. Ausgangspunkt dieser Haussuchungen ist der vor wenigen Tagen erfolgke Selbstmord des Vorsitzenden der Ortsgruppe Ludwigshafen des Deutschen Buckdruckereiverbandes Michel, der sich erschossen hatte. Die Polizei stellte bei der näheren Untersuchung des Falles an Hand der Fabriknummer des vorgefundenen Revolvers fest, daß die Waffe aus den Suhler Waffen- schlebunaen stammte. Die Polizei fand bei einer Hausfuckung bei dem Vorstandsmitglied der SPD. der Pfalz, Bögler, mehrere Revclver, die aus den Suhler Wafsenschiebungen stammen. Bögler wurde verhaftet. Die Haussuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Verirauerisefklärung für den Breslauer Rektor
Breslau, 24. Dezember.
. Die Universitätspressestelle Breslau übermittelt uns folgende Erklärung des Senats der Universität Bres- lau. In der letzten Zeit sind gegen unseren Rektor, einen Mann von bewährter nationaler Gesinnung, in der Presse und im Landtag unerhörte Angriffe und Beschimpfungen erfolgt. Der Senat verurteilt diese Vorkommnisse auf das schärfste. Er spricht dem Rektor sein volles Vertrauen und seinen Dank aus dafür, daß er sich mit Ruhe, Umsicht und Entschiedenheit für die Autorität unserer Hochschule und für die akademische Lehrsrechett eingesetzt hat.
Bürgermeisterwahl in Hamburg
Hamburg, 24. Dezember. Der Senat hat für das ,iahr 1933 Bürgermeister Dr. Carl Petersen zum Er- ' sten Bürgermeister und Bürgermeister Rudolf Roß zum zweiten Bürgerinerster gewählt. Aus dieser Wie- derwahl der beiden Herren in ihre Aemter geht her-
ifnethfer Sn den „Baltischen Mo-
41 neuner vap natsheften« (Verlag Ernst
als Propaganda- §^es Riga) schreibt a Kurt Stavenhagen:
mittel „Der gemeinsame unechte
Saß läßt sich in größeren Gruppen — die Propagandarezepte sind seit Mark Antons Vorgehen gegen die Eäsarmörder durch Shakespeares erschöpfende Enthüllung bekannt — von „Führern" die das FingerspitzenMühl für die Psychologie der Uneigentlichkeit haben, künstlich erzeugen, und er ist von jeher von Staatsmännern und Demagogen nach Bedarf für ihre Zwecke aufgerufen worden. Nicht zu leugnen ist, daß er der Motor zu großen Kraftanstren- Kgen der Völker werden kann. Aber seine Aufpcit- ng ist, wie jeder Appell an die ihm verwandten und fast notwendiger Weife mit ihm zugleich wachgerufenen erwähnten unechten Emotionen, gefährlich. Denn ihre Spuren graben sich dem Antlitz der Wiker ein und verzerren es zur Fratze, peute draht....
nalen, aber auch andern Gemeinschaften die Gefahr, daß der Schwerpunkt ihres Lebens immer mehr aus der Sphäre der positiven Gesinnung des Füreinander in die negative und noch dazu unechte Gesinnung der
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echte.und ursprüngliche Bedeutung des Theaters reinzuhalten, die Zöllner und die Wechsler, die Leute mit den schlechten Münzen und den falschen Wahlscheinen, hinauszutreiben.
Geschichte des deutschen Rechts
Im Verlag von K. F. Koehler in Leipzig ist ein großangelegtes Rechtswerk erschienen: Die Not unseres Rechts — Eine Wegschau von Bo - gislav v. Selchow. Der Verfasser, einst Fre- gatienkäpitain, heute ein Dichter und Gelehrter von großer Befähigung und erstaunlicher Belesenheit, ist dem Publikum schon durch zwei kulturpolitische Werke grotzen Formats und eine Anzahl Gedichtbände bekannt. „Die Not unserer Zeit" ist ein nicht minder stattlicher Band als die voranfgegan- genen. Herr v. Selchow erzählt die Geschichte des deutschen Rechts, und erzählt sie in so umfassender, beschwingter und packender Form, datz sein mit ausgezeichnetem Namen- und Sachregister versehenes Werk zu einem vorzüglichen Nachschlagebuch für alle diejenigen werden dürfte, die sich für Wesen und Charakter des Rechts von der geistesgeschichtlichen und philosophischen Seite her interessieren.
„Zwei Kräfte geben der Geschichte Sinn und Richtung, der große Mensch und der Zeitgeist",
SiwwntH des
Unter diesem Titel veröffentlichen wir unbeschadet der eigenen Stellungnahme Auszüge aus Aufsätzen und Büchern, die interessantes Material zur Erörterung wichtiger Zeitfragen bieten.