WeihnachkS Beilage
Kasseler Tkeuefle Nachrichten
Sonnabend, S4./Sonntag, 25. Dezember 1932
Dr. Eugenie Schwarzwald:
Dir drri Meier
Bruno Brehm:
kleine Minterreife
,Die Mutter... ist... viel bester.
nicht allzueisrig. Der
E. G. Kolben heyer:
Die heiligen Drei Könige
,das Volk ist versammelt! Wir werden ihn
bofor,
ten ibr Gefolge, sie legten die und jeder ließ sich ein köstliches
finden.
blieben so schweigsam und mäßig, daß Herodes heim
rückbleiben, denn Balthasar trieb sein Tier ungedul
Balrhasar überbörte den Argwohn.
den Stern, der südwärts der
vervollständigten das Album: ein Haustor in der Singerstraße im Sommerglast, die Minoritenkirche und der Kobenzl im Glanze eines Herbsttages und der verschneite Christkindlmarkt. Das Einbinden besorgte er selbst. So wurde er erst am 23. Dezember abends spät fertig. Die Nacht darauf verlief unruhig. Ihm träumte, er habe Mausi, Ilses Lieblings- sreundin, vergessen. Beim Morgengrauen aber fuhr er endgültig aus dem Schlaf, als ihm einsiel, daß er Casals wirklich nicht im Album hatte, Casals, der
Zum «kisabren reicht es nicht mehr; ich bin zwar sind keine Diebe', sagte das kleine nach dem Krieg noch ein wenig herumgerutscht, aber “ —
es ist nicht angenehm, die andern an sich vorbeiflitzen zu sehen und selbst, besorgt um das zerschossene Bein, langsam über' einen Hang hinunter zu kratzen. Wie so manches andere haben wir also das Skifahrcn mit wehmütigem Lächeln aufgegeben. Zum Rodeln langt es gerade noch, wiewohl ich mir auch ein kühneres Fahren, ein rascheres Bremsen, ein schnelleres Herumwersen denken könnte.
Der Hermannskogel deucht den Kindern unendlich wett zu sein, seine Buchenwälder sind ihnen Urwälder, in denen vielleicht sogar Löwen hausen. Aber der Vater ist ein starker Mann, man kann die Reise versuchen. Los! Erst ziehen wir den Schlitten zu dr,tt, ich rufe: Hüo! alle meine drei Pferde und nicke als das stärkste Roß mit dem Kopf, ich habe den Fuhrmann verstanden, ich lege mich in die Sielen und die Kinder ziehen mit. Nicht allrulanae.
Also kommt, Kinder, wir wollen heute eine kleine Rodelreise unternehmen, vielleicht vom Hermanns, löget ins Tal hinunter.
Kind, als wolle sie es vor dem Glanze der Fackel« schützen, da es sanft im Heu der Krippe schlief.
Da knieten die drei Könige nieder, und jeder legt« feine Gabe zu des Kindes Füßen.
Mirjam, die Mutter, ahnt« zuerst von allem Volke, daß ihrem Kind königlich gedient wurde, sie enthüllte zögernd den schlummernden Knaben.
Draußen vor dem Stalle knieten die Hirten und knieten die Leut« von Galiläa.
big an.
Vor Bethlehem weckten sie das lagernde Volk durch ihre Fackeln und den Glanz ihrer Kleider, und die Hirten liefen von weither hinzu. Alle Herbergen lärmten noch, überfüllt und lege. Die Leute von
eine goldene Vanitv Bor. Da bat sie alles beisammen: Puder, Rouge, Lippenstift und Augenbrauen fiift*. Albert kaufte die schönste Vanitv Bor, die zu haben war. Dann schrieb er auf feine Visitenkarte „Frobe Feiertage', ließ das Päckchen mit einem Tannenzweiglein verseben und gab den strikten Auf
trag: „Um zwei Ubr mittags muß es aber dort fein.* Schon um drei wurde er von Ilse ans Telefon gebeten. die sich stürmisch bedankte. „Darf ich nach Kitzbüdel kommen?* frage er. Sie wollte nein sagen, und sagte ja.
Im nächsten Mai sand in der Karlskirche die Vermählung Ilses mit Albert statt. Aber das bedeute» durchaus kein bappv end. Denn schon nächste Weihnachten waren sie geschieden.
Sie war erst neunzehn Jahre alt, hatte aber schon drei Freier, die es erirst meinten. Wie im Märchen Dazu waren alle drei jung, nett anzusehen, hatten Arbett und Auskommen.
Tochter...
„Und wenn ich nicht mitgebremst hätte*, fügt mein Sohn hinzu...
„3a, dann wären wir eben nicht*, schließe ich ab, „diese vortrefflichen Leute, die wir halt einmal sind.*
Wo ist das Grab des Zeisigs und wo sind wir! Immer rascher, immer kühner — so, jetzt sind wir unten in Grinzing.
„Aussteigen, meine Herrschaften, aussteigen?*
„Wie Tollhäusler sind wir gefahren*, bemerkt der Sohn. „Aber gut ist es gegangen*, sagt die Tochter. „Wir hätten tausendmal, hundertmal, ja vielleicht sogar zehnmal umwerfen können.*
. . „ Mädchen zu mir
und zeigte dabei aus chre Mutter, „aber in diesem Gauen liegt ein armer Vogel, dem wollen wir helfen*.
Nun wollen meine Kinder alles wissen, sie zupfen mich beim Aermel, sie setzen sich auf den Schlitten, sie sperren Mund und Augen, solch eine Geschichte hört man nicht jeden Tag. „Was bat die Mutter gesagt? Wie hat das Mädchen ausgesehen?* ach, und noch endlos viele andere Fragen.
gefahren. .sie... hat
Der Vater schreckte aus dem Schlummer aus, m»d Nach einer Weile fragte ihn der Zwera, toe#, er die Mutter breitete schnell Unten Schleier über das für Geld ans feiner alte« ix die neue Hose gewech-
Die heckhose
Bon
lich erschrak.
„Ihr kommt zu ungünstiger Stunde: das Volk ist durch die Schätzung und den Stern beunruhigt. Ich würde euch sonst ein froheres Fest bieten.“
„Dein Fest ist reich und laut*, antwortete Ga- tbaspar, „und wir suchen Volk und König. Keine bessere Zeit hätten wir finden können.*
Als Herodes trunken war, vergaß er seine Dor»
Da sie nach Judäa kamen, fanden sie die Straßen voll von Menschen aus allen Teilen Palästinas. Rom hatte besohlen, das Land zu schätzen, und der König Herodes sammelte die jüdischen Stämme nahe bei Jerusalem, jeden in einer bestimmten Stadt, um den Schatzmeistern dos Werk zu erleichtern und alles Volk unter den Augen zu halten; es war die erste
feit habe? Der Bauer dachte: Holla, nun mutz ich doch bezahlen, und holte mürrisch seine Weißpsen- nige heraus; wie er sie aber vorzeigte, lagen ihrer sechs statt drei auf seiner flachen Hand. Da erst begriff er, daß er zu einer Heckhose gekommen war, die stets das Doppelte der Psennig« wiedergab; als er sich freundlicher nach dem Zwerg umsehen wollte, war er verschwunden, und nur noch sein Gelächter stak in der Luft, als ob ein Spitzhund bellte.
Da fing er gleich mit dem Exempel an, und machte zwölf aus sechs, und vieründzwanzig, achtundvierzig: bis daß ihm beide Taschen wie Säcke niederhingen und er anstatt zu mißlichen Geschäften gen Bonn zurück nach Hause gehen konnte. Er wurde danach ein reicher Mann, weil ihm mit solcher Hose jeder Handel von selbst geriet; ihr Leder aber wurde blank und schwarz darüber, so daß et sie zuletzt vor einem Markttag seiner Frau zum Waschen gab. Obwohl er selber dabei stand, daß sie mit Sorgfalt auf die Seine käme, nahm sie ein Windstoß fort, als ob ein Huhn vom Habicht überfallen wäre.
er den Zaun geihcai
bin durch den tiefen Schnee gewatet inb den Vogel gereicht.*
Schweigend, wie sie gekommen waren, zogen di« Könige wieder fort Man sah ihre Lichter talwärts gegen das Salzmeer entschwinden.
Und das Volk drängte sich in der Stalltüre des Knäbleins, das unter dem Siern geboren war. Eine Hoffnung erwachte in ihnen allen heiß, eine Hofs« nung, die uneinbefannt von Herz zu Herz schlägt, von Auge zu Auge leuchtet, aber die Finger auf di« bebenden Lippen zwingt, daß fi« nicht überlaut werden vor der Zett.
Aus der Hoffnung wuchs der Erlöser.
fitoS Kolbenvevers ..WeilmaONSgelchicht«-".
Benag Langen MMler.)
Wilhelm Schäfer.
Ein Bauer aus dem Siegerland ging fein« Strotz« trüb gesinnt; da kam bei Siegburg aus dem Wolfsberg ein Zwerg zu ihm mit einem Bart, der rot und grau und flachsig fast auf die Erd« hing. Der fragte so im Wandern, ob er vorbätte, mit feiner abgeschabten Lederhose nach Bonn zu gehen? Und alS der Bauer nicht eben fröhlich sagte, et such« jemand, der eine neue zu verschenken hab«, saß er auch schon
Berge, über denen der Stern steht?“
„Sie haben keinen Namen. Tie Straße nach Bethlehem führt dort am Kamme hin.“
„Die Mutier? Ja, die hat so ausgesehen, als ob das Mädchen ihr ernziges Kind wäre.*
„flann man das sehen?*
„Und ob! Ich sehe das auf dem ersten Mick. Und dann bat mich das Mädchen gebeten, ich soll durch den Drahtzaun krieche» und ihr den Vogel heraus- holen.“
Da kam Weihnachten Franz , hatte sich schon im September gelegenttich einer literarischen Unterhaltung notiert, das Ilse eine Vorliebe für das neue Buch eines berühmten Dichters habe. Natürlich besorgte er sich sofort die schönste Ausgabe und gab sie dem besten Buchbinder der Stadt zum Einbinden. In rauchgraues Leder, denn solches hatte sie auch einmal ge,prächsweise rühmend erwähnt. Am 24. Dezemb°r um die Teestunde brachte er Ilse das wundervolle
balf ihr den Christbaum putzen und hörte ge uu lculc ^cmiuaeuunycu uun vuuti
|tbmeKl>elt ihren lebhaften -ank und ihr unetnge? waren, gab es alle diese Bilder im Handel. Schwer
ichranktes Lob. - • —- — —F- - - ■ ■
Wie schlau! Während der Fahrt will die Tochter
Frieden haben, nachher wird sie mir aber ihren Tadel nicht vorenthalten.
stand.
„Der Stern steht unverrückt seit stunden, wahrend die andern ihres Weges ziehen. Wie heißen die
ächzt der kleine Mann — hopp!
such ..." hopp! hopp! viel besser gebremst..« ' " . obwohl... sie Schneeschuhe anhat... und
doch einen ganzen Abend lang Ilses höchstes Ideal m den Schnee stecken dürfe — und noch hundert ähn- gewesen war. Der Tag des 24. Dezember war ganz liche Dinge.
der Anfertigung eines Gedichtes gewidmet, welches „Bleibt nun schön sitzen“, sagte ich, „nun will ich das dicke Bilderbuch begleiten und erläutern sollte, oen Schlitten ziehen *
Fritz konnte sonst ganz nette Vers« machen. Heute ' '
fielen ihm die einfachsten Reimworte nicht ein. Erst um acht Uhr abends schien ihm seine Dichtung leidlich. Bis neun Uhr dauerte bann noch di« Sein*
zu kriegen war nur Billroth. Von Schubert war kein schönes und von Angelus Silesius überhaupt kein Bild aufzutreiben. Natürlich durften die Stätten ihrer jungen Freuden nicht fehlen. Obwohl auch sie im Bilde zu kaufen waren, zog er es vor, sie noch einmal persönlich auszunehmen: die Rar, die Oper, den Eislausplatz. Vier besonders schöne Aufnahmen
Schätzung, und das Volk war erregt. Und Herodes wintte seine gewandtesten Späher
„Seht, wie der Stern uns führt“, frohlockte Bali- zu sich.
' ’-t, „das Volk ist versammelt! Wir werden ihn Die Könige weckten ibr Gefolge, sie legten die
7 *'<-.„* Prunkgewänder an, und jeder ließ sich ein köstliches
Sie brachten dem König Herodes Teppiche, Schmuck Gesäß in den Sattel reichen: Balthasar den Weih- und Waffen, und er ehrte sie mit einem prunkvollen rauch, Gathaspar Mvrrhen und der junge Melchior Gelage. bas körnige Gold. Ihre Läufer rannten mit Fackeln
Allein die drei Könige aus dem Morgenlande voraus, und bas Gefolge mutzte mehr unb mehr zu-
Balthasar erhob sich, unb die beiden andern folgten ihm.
„Es ist Zeit. Wir müssen aufbrechen.*
Herodes erblaßte.
„Ihr geht nach Rom! Habe ich euch gekränkt?*
„Du konntest uns nicht kränken. Wir folgen dem Stern*.
„Beim Grab... des Zeisigs.. .* hopp! „halten wir... ein wenig“, fleht mein Sohn nach einer scharfen Kurve, „ich will fo gern... das Grab...* hopp, hopp! ... „des Zeisigs sehen!*
schrisi, sehr viele wunderschöne Bogen wurden vernichtet, ehe einer — der letzte — vor feinen Augen Gnade fand. Um zehn Uhr abends klingelte er an der Türe von Ilses Eltern. Das Stubenmädchen sagte: „Fräulein Ilse ist eben weg, zu den Großeltern, dort wirb ihr noch einmal beschert. Geben Sie nur bas Paket mir, ich leg's ihr in den Koffer, benn morgen früh fährt sie nach Kitzbühel.* Von bort aus dankte sie ihm dann auf einer Ansichtspost karte für die ungeheure Müde, die er sich genommen habe.
Albert, der dritte Freier, machte am 24. Dezember vormittags einen wunderschönen Weibnachtsbummel auf der Kärtnerstratze. Da traf er eine Freundin feiner Mutter. „Meine Hochverehrung, gnä’ Frau. Dars ich was fragen? Sie sind ja gescheit. Was schenkt man einem Mädel zu Weihnachten?“ J7
Fritz hatte sich um das Weihnachtsgeschenk für Jl,e noch früher umgetan. Er konnte nämlich gut fotografieren. Da hatte er sich ausgedacht, ihre eine Sammlung von Lichtbildern zu überreichen, die alles, was sie von ihrem ersten gesegneten Atemzug an bis zu ihrem gegenwärtigen holdseligen Alter geliebt hatte, dargestellt vereinigen sollte. Auf die Herstellung dieses Geschenkes verwendete er seine Sommerferien. Zuerst ging er nach Gaming, dort war sie geboren und hatte die ersten acht Jahre gelebt.
Ihr Geburtshaus, der Garten, der ihre ersten Spiele gesehen, das ländliche Schulbaus, welches ihre Elnsührung in die Wissenschaft besorgt hatte, boten thm die ersten Bilder. Tann suchte er die Bekanntschaft des Lehrers. „Ah, Ilse“, sagte der alte Herr, „em liebes Kind! Leider konnte sie sich nie merken, wann man einen großen Anfangsbuchstaben schreiben muß.“ Sein würdiges Altmännergesicht gereichte Fritzens Album zur höchsten Zierde. Dagegen hätte er bei Ilsens Amme um ein Haar fein Ziel nicht erreicht. Sie fand es aus dunkeln Gründen gottlos, aus dem Papier sestgevalten zu werden. Nur eine große Schachtel Zuckerln und ein langes liebreiches Gespräch über Ilsens unerhörte Reize im ersten Lebensjahr erweichten sie.
Nachdem er noch die Kartause gelichtbildert hatte, begab er sich nach Salzburg. Dort war sie von ihrem achten bis zu ihrem zwölften Lebensjahr Jnternats- zögling eines Klosters gewesen. Eine längere Zwiesprache mit der Schwester Pförtnerin ergab, daß sie sich Ilsens noch ganz gut erinnern konnte. „Lange Beine hat's g'habt und immer a Loch im Strumpf“. Was aus der Stimme sprach, war nicht gerade Schätzung. Doch war sie immerhin bereit, ihm eine Audienz bei der Mutter Oberin zu verschaffen. Die vornehme alte Dame — sie sah so herrlich auS, daß es ihm in Her; und Kamera zuckte — verriet nicht, ob sie sich Ilsens entsinne. Dagegen fragte sie liebreich nach der Entwicklung, die Ilsens geistiges Leben genommen habe und sprach dann mit sanster Stimme einige Segenswünsche für die ehemalige Schutzbefohlene aus. Aber die Erlaubnis, irgend jemand oder irgend etwas im Hause auszunebinen, konnte er natürlich nicht erlangen, so daß er sich mit der Außenansicht des Klosters begnügen mußte. Um so lustiger war die Aufnahme des (Safe Bazar; dort batte Ilse bei einem der seltenen Besuche des Vaters Mozartkugeln gegessen, denen sie eine bleibende Erinnerung bewahrte. Unter Assistenz sämtlicher Gassenbuben von Salzburg fotografierte er jetzt die historische Stätte. Es ergriff ibn eine unerhörte Heiterkeit, und er beschloß, seinen Salzburger Aufenthalt durch eine kleine Orgie zu beschließen. Er lud sämtliche Gassenbuben zu einem großen Mozartkugeleffen ein; er selbst aß drei Stück.
Die dritte Etappe von Ilsens kurzem Dasein führte nach Wien. Hier kam feine Arbeit erst recht in Schwung. Er zog Ilsens Mutter ins Vertrauen und sand hier für seine Absichten das tiefste und reinste Verständnis. Er durfte Vater und Mutter, das Dienstmädchen, die Kanarienvögel, den Hund, alle Freunde des Hauses, und die wenigen Verwandten, die sie liebte, aufnehmen. Ebenso ihr Zimmer, das Bild, das Über ihrem Bette hing und ein Stilleben, bestehend aus ihrem alten Spielzeug. Von
ihrer Lieblingspuppe, geformt aus einem alten Handtuch, dem sie ein Gesicht mit Blaustift angemalt hatte, schuf er ein Einzelporträt. Besondere Begeisterung erweckte fein Plan in der Wiener Schule, . ....
in der Ilse ihr Abiturium bestanden hatte. Jedes „Nein, ich habe ihn nicht gesehen.* Das ist schon sah-
Klassenzimmer, in dem sie je gesessen, jeden Lehrer, einmal so, große Leute seben immer allerhand, nur „Ich wäre schon gegangen, aber die Mutier des den sie gemocht, jede Schulkameradin, mit der sie gut das Nächste nicht.“ Ein kleines Mädchen hat den Mädchens war mehr dafür, den Zeisig zu begraben.*
gestanden, den Schuldiener, mit dem sie eine ernste Zeisig gesehen. Ich kam am vorigen Sonntag hier, Meine Kinder wollten nun immer noch mehr
Freundschaft verbunden hatte, fotografierte er mit an diesem Garten, vorbei, da stand ein kleines Mad- wissen; warum der Zeisig denn eigentlich erfroren
Liebe. Auch den Dachgarten, auf dem sie getobt und chen bei der Gartentür und wollte aufmachen. „Wir fei, ob er nicht gewußt habe, daß man den Kopf nicht
„Wie gut bü ziehen kannst*, schmeichelt mir die Tochter, „viel besser als die Mutter, weil du eben viel stärker bist.“ .
„Wie schnell du ziehen kannst“, lobt mein Sohn, „ich spüre wie die Luft saust.“
Ich hätte dieses Lob bescheiden ablehen können mit dem Hinweis, es sei der Wind, der nun übet di« Höhe daherpfeise, aber wem tut eine so gut gemeinte Schmeichelei nicht wohl? Wer würde nach solchem Lob nicht ein paar Galoppsprünge versuchen? Fast hätte mich mein Ehrgeiz zu Fall gebracht.
„Zieh dir die Handschuhe an*, mahnt die Tochter, „sonst schneidet dir der Strick in die Finget. Und wenn es dir zu schwer und zu steil wird, sag eS, dann steh ich auf und schiebe hinten an.*
„Laß ibn nur*, hält sie der Sohn ab, „er ist fo stark, daß er uns über den steilsten Berg ziehen tonn.*
Was Aber alles hat seine Grenzen, ich blieb, um aus- whu uiun hi»ui ju lonuiiuuiiHu „Das zuschnausen, stehen. Die Tochter stieg ab und lobte
ist ganz einfach*, sagte die Dame, .Heuer gibt man sich für diese Guttat reichlich, auch der Sohn tarn vor, '* ' •“* um sich ein braves Kind heißen zu lassen.
die Schulbühne, auf der sie ihre ersten Triumphe gefeiert. Alles durfte er verewigen. Glücklicherweise sand sich auch noch im Schularchiv eine alte Zeichnung von ihr. eine mißverstandene Illustration zum „Tanzlegendchen“, und ein Schulaufsatz von ihrer dreizehnjährigen Hand über das Thema „Worüber ich mich wundere“ mit der Rote „noch genügend*. Beides wurde fotografiert.
Damit aber war auch seine Arbeit zu Ende. WaS jetzt folgte wat Kinderspiel. Nunmehr tarnen nämlich die Bildet der Menschen dran, für die Ilse schwärmte. Es waren nicht wenige: Malet, Dichtet, Staatsmänner, Schauspieler. Filmgtößen, Spottsleute. Aber da feine Neuentdeckungen von Ilse dabei
Wie schön es nun im Wald ist! Wie blau dte Schatten der Bäume find, wie es von den Zweigen tropft — und eine kleine Meise zieht ihren silbernen Faden mit zartem Zwitschern durch den goldenen Tag.
Bergan! Die Kinder rutschen, ich nehme die prallen Händchen und führe sie.
„Hai dieser Wald gar kein Ende?*
„Bald sind wir oben.*
„Und wenn wir oben find? Fahren wir dann hier herunter?“ Der kleine Mann prüft etwas gedrückt den Abfall des Weges. „Und wirst du da nicht um» werfen?*
„Ich? — und umwerfen! Kommt nicht vor, kleiner Freund!*
Wit gehen weiter, immer weitet — und mit selbst wird der Weg auf einmal so lang wie eS nur Kinderwege sind. Run treten wir auf eine Lichtung.
„Wie hoch wir sind!* ruft die Tochter, „wie hoch! Noch ein paar Schritt« und du stößt mit dem Kopf in den Himmel.*
Da solche Vermessenheit meinem Wesen fern liegt, ducke ich mich. Auf der Wiese unter dem Hermannskogel üben ein paar Skifahrer ihre Schwünge. Wir fetzten unS zu dritt auf den Schlitten und blinzelten in den flimmernden Schnee.
.Fkinber, es läutet zwölf, wir müssen uns auf» machen.“
Der kleine Man» hat wenig Zutrauen zu meiner Rodelkunst, aber er soll belehrt werden. Wir nehmen Platz und fahren durch den Wald hinunter, einmal ein wenig rechts, einmal ein wenig links und doch immer noch gerade auf dem Weg, wir schmeißen nicht um, wir nehmen schwungvoll die Kurven, oh — und ich bremse, daß der Schnee nur so staubt.
Als er nach vielen Jahren einem Nachbar davon erzählte, der reich und geizig war, zog der sich eine Lederhose an von seinem Knecht und ging mit dicken Sorgenfalten den gleichen Weg. Es dauerte auch nicht lange, so tont der Zwerg wie damals und hatte den Ranzen angehängt. Der Bauer blieb gleich bei ihm stehen und bettelte ibn an, ob er ihm seine alt« Hose mit einer neuen vertauschen möchte.
Vertauschen wohl, entgegnete der Zwerg und zog nachdenklich feinen Bart wie Flachs durch beide Hände. Doch hieß er ihn zuerst der alten Hose sich entledigen; und als der dürre Kerl mit seinen staki- gen Seinen im nassen Sturm dastand, riß ihm ein Windstoß die Hose aus der Hand, als ob ein Habicht fi« in die Lust genommen hätte. Da hing der Zwerg den Ranzen wieder um, nun sei der Handel nicht zu machen, und sprang mit langen Schritten in den Haselwald hinauf, wo et verschwand.
So stand der Dauer am bellen Tag mit nackten Seinen auf der Landstraße und mußte auch Io in fein Dorf zurück. Weil der Wind ihm heftig von hinten in den Rücken blies, flatterte fein Hemd vor ihm, wie wenn es nur ein Kinderfchürzchen am blauen Kittel gewesen wäre: fo daß die Buben sich seit Jahren nicht solchen Spaß ersonnen hatten, als da sie ibn gleich einem alten Esel vor sich bertra» bew ließen.
„Und was hast du gesagt?“ obwohl... , ...
„Ich? .Liebes Kind', hab ich gesagt, dazu bin ich du Bergschuhe...* hopp! hopp!
mit Nicht allzulange bicI $u bid ' . . „Sei still!* mahnt ihn die Schwester, „ich bitt dich,
., - .... --- —ieg ist glatt, die Kleinen tüt- Mein« Tochter lächelt sauer; st« liebt dergleichen ’cn,t ,pir^ et nodl utn- ...
leben, wir müssen halten. würdelose Scherze ihres Vaters nicht
Schaut, Kinder, da bah ich vor einigen Tagen „Unb was hast du getan?*
,’"en «esunden*. sagte ich ganz gebauten» „Ich bin über den Zaun gestiegen, dort, ein wenig
los. Das soll man nte sein. weiter unten, V... * ' " 19 * '
„Einen toten Vogel?* fragen beide wie aus einem unb hab bem Kind Mund. „Einen Adler? War der Adler bäS? Mußt« oa„r ,,
er sterben, weil er bös war?* „War er tot ober lebendig?
„Einen kleinen Zeisig.“ „Steif, kalt, tot!“
„Sind-Zeisige gute Vögel?* „Und was hat daS Mädchen gesagt?*
„-sehr gute Vögel.* Das Mädchen? „Kannst du, hat das Mädchen zu
Nun denken die Kinder ein wenig nach, aber die mir gesagt, „jetzt nicht ein wenig zu den Leuten dort Zusammenfassung ihrer Fragen und die Schlutzsol- in das Haus gehen u. sie vielleicht fragen, ob sie gerung auS ihnen gelingt nicht. Es ist vielleicht auch nicht den Vogel in ihrer Ofenröhre ein wenig mär» u>cht aut, darüber zu sprechen, daß gute und böse men wollen — denn der arme Vogel mutz ja gar Vogel sterben muffen und daß der Tod weder Lohn noch nicht tot sein'.* nof: Strafe sondern Schicksal ist. mift „Aber*, lobe ich mich nun auch ein wenig, „euer
„Hast du den kleinen Zeisig gleich gesehen?* wol- arawöhnisch das Haus, ba/eher nach einer Gan/im Schartiger Vater Hal auch umsichtig um alle Ecken * *“ ♦** |ta *■ — °"'L w „W f, W «M. »««•. meine
Galiläa waren in Bethlehem zusammengezogen worden. Manche meinten, eine Gaukler truppe sei angekommen, um ihnen die Unbill der Nacht zu vertrei- ncht ' ben. Als sie aber die Könige sahen, sammelten sie
,^Jch habe eure Teppiche, Geschmeide und Stoffen sich flüsternd in weitem Kreise.
bewundert“, sagte er übellaunig, „aber ihr würdet Balthasar ritt an sie heran und fragte: „Wo ist mich besser geehrt haben, wenn ihr mir das k *" Ms ffnäblein, das in dieser Nacht unter dem Stern Gold und dre Spezereien eurer Länder geb »rett wurde? Wer fuhrt uns zu ihm?*
tet, gleichsam eure Länder in ihren besten
Auch liegt ihr in Reisekleidern vor mc 10 aL'’® «"SäL
■'(büffeln * r schien von dem »lnv« zu wissen. Endltch
„Wir sind noch auf dem Wege, Herodes“, um .ungte sich ein Hirte vor.
wertete Balthasar. „Du sagst eS selbst, Herr, dort unter dem Stern!
„Wen wollt ihr noch besuchen?“ Dort steht mein Stall. Ta ist ein Weib aus Nazareth
„Den König, der über uns Königen ist.“ niedergekommen!* _., . - - - , .
Rom^wollt^Euer^Gefotoe scküen°mir"k'lew^“ Tie Könige ließen sich von den Tieren beben. Sie ^rftch^genaht/Lede'rhoft' aus,""die er dem Bauer
9lom wollt. Euer Gefolge *n mi klein. schritten feierlich über die Werde hm unb hielten die auf beiden Händen gebreitet reicht«. Der dachte,
^erraffe des Palastes köstlichen Gaben demütig vor der Brust. Und der auch ein Zwerg mutz wissen, was er verschenken
Lerrane oes Hirte lief neben ihnen her und streckte immer wie- sonn; doch sah er sich das Ding noch lange mißtrau-
feit Kunden wäb- ?ct 'einen Finger gegen den etern. Das Volk aber if(fi dn> bevor er wechselt« und neu angetan di«
folgte von wettern. Straße in besserer Laune weiterging, sich bei dem
* raschen Geber aus bäuerliche Art bedankend.