22. Jahrgang
SonnabendSonntag, 24./2S Dezember 4932
Nummer 302»
Das Notwerk der deutschen Jugend
Ein Aufruf Hindenburgs und der Neichsregierung, S MMonen stehen zur Verfügung / Vertagte wirtschaftspolitische Differenzen
Appell an den Gemeinsinn
(eigener Drahtbericht.)
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die notwendigen Anordnungen treffen?
Berlin, 24. Dezember.
Reichspräsident von Hindenburg und die Reichsregierung erlassen folgenden Aufruf für das Rot- roert der deutschen Jugend:
„Die Rot der Arbeitslosigkeit lastet schwer gerade auch aus der deutschen Jugend. Weder Arbeitsbeschaffung, nock Arbeitsdienst können verhindern, daß mit dem Anbruch des Winters Hunderttausende von jungen Deutschen mit dem Schicksal der Erwerbslosigkeit und der Untätigkeit zu ringen haben. Darum rufen Reichspräsident und Reichsregierung das deutsche Volk am Weihnachtstage zum Rotwerk der deutschen Jugend aus. Das Notwerk soll der arbeitslosen Jugend Gelegenheit zn ernsthafter beruflicher Bildungsarbeit bieten und ihr sonstige sinnvolle geistige und körperliche Betätigung ermöglichen. Es soll ihr in Verbindung damit täglich eine gemeinsame warme Mahlzeit sichern.
Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft aller Teile der Bevölkerung müssen in diesem Notwerk Zusammenwirken, um die arbeitslose Jugend körperlich und geistig gesund und lebenstüchtig zu erhalten und ihren Willen zu kameradschaftlicher Selbsthilfe zu stärken. Die freiwilligen Anstrengungen der Bevölkerung werden die planmäßige Unterstützung des Reiches ersnhrrn. Die RM?sregi!ern«g strkki geeigneten Einrichtungen, insbesondere auch freiwilligen K a m eradsch asten junger Arbeitsloser, die sich in den Dienst des Notwerks stellen und es praktisch verwirklichen, Beihilfen zur Verfü gung. Sie sollen vor allem die vorgesehene Verpflegung ermöglichen.
Die Förderung des Nolwerks der deutschen Jugend ist dem Reicksarl'-itsminister übertragen. Er wird die notwendigen Anordnungen treffen."
Kampf der Arbeitslosigkeit!
Reichskommiffar Dr. Gereke im Rundfunk
ErlihetnunaSweUe! wSchentl. lechSmal uachuitttaaL. AvonnkmentrpretS: Mr den Monat 2.10 Jl einschl. 80 A Drägertobn bet freier SufteUuna ins Hau», in der &eiääfteftelle abgeboll 1.80 Jl, Postbezug monatl. 2.10 X ausichl. Zustellgebühr. Sn Fällen höherer Gewalt besteht kein Antprulb auf Lieferung der Zeitung ober
Personalveränderungen im Auswärtigen Amt. Der Reichspräsident hat ernannt: Den Botschaftsrat Aschmann zum Vortragenden Legationsrat bei der Vereinigten Prefleabteilung der Reichsregierung, den Legationsrat Erster Klasse Dr. Albrecht und den Ge- sandtschaftsrat Erster Klaffe Dr. Ulrich zu Vortragen- oen Legationsräten und den Gesandischastsrat Erster Klaffe Dr. Fabricius zum Bctschaftsrat bei »er Bot- schaij Ankara.
Dienftbereitschaft der Polizei am Heiligen Abend. Wie alljährlich bat die Berliner Schutzpolizei auch in diesem Jabre alle Maßnahmen getroffen, um jegliche Demonstmtions- und Störungsversuche am Heiligen Abend zu unterdrücken. Für alle uniformierten Beamten ist der Dienst verstärkt worden.
Konflikt in Sicht?
th. Berlin, 24. Dezember.
Die politische Weihnachtsruhe wird wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres nicht gestört werden. Das Reichskabinett hat seine Arbeiten zu einem gewissen Abschluß gebracht, hat aber davon Abstand genommen alle in den letzten Tagen vorbereiteten Maßnahmen bereits öffentlich zu verkünden und in Kraft zu setzen.
Insbesondere handelt es sich dabei um die vorbereitete Verordnung über die Beimischung von Inlands butter bei der Margariuesabritation. Gestern hat der Reichskanzler dem Reichspräsidenten von Hindenburg über die Arbeiten des Kabinetts Vortrag gehalten und hat dabei auch diese Verordnung zur Unterschrift vorgelegt, jedoch ist zunächst davon Abstand genommen worden, diese Maßnahmen in Kraft zu setzen. Es liegt hier ein gewisser Widerstreit verschiedener Jntereffen vor, die nicht gerade ausgerechnet vor den Weihnachtstagen öffentlich ausgetragen werden wollten.
So toii» unter awderm betcnt, daß die gewerkschaftlichen Interessenten die Forderung ausgestellt haben, daß der Beimischungszwang keinerlei Preissteigerung für Margarine zur Folge haben dürste, weil die Margarinepreise im Laufe der letzten Zeit nur um 15 Prozent gesunken seien, während die dafür erforderlichen Rohstoffe eine Preissenkung von 50—6D Prozent erfahren hätten. Die Margarine-Industrie har sich bereit erklärt, Preiskonzeffionen bei bestimmten Margarinesorten zu machen, habe dafür aber wieder -ine KonKngen">rung verlangt.
Im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen wird ferner von neuen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichsernährungsminister und dem Reichswirtschaftsminister gesprochen und der „Börsenco-urier" hat gestern abend behauptet, daß diese Differenzen sehr scharfe Formen angenommen haben. Demgegenüber wird von unterrichteter Stelle darauf hingewiesen, daß die beiden Minister sich nach der Neubildung des Kabinetts Schleicher in einer sehr griind- lichen Aussprache über die wesentlichsten Punkte der Wirtschaftspolitik geeinigt haben, worauf der Reichskanzler in seiner Rundfunkrede ausdrücklich hingewiesen habe. Vcrläufig steht überhaupt noch nicht fest, ob zollpolitische Maßnahmen anstelle der Kontingentierungspolitik ergriffen werden oder ob nicht zwischen dem Ernährungsminister, dem Wirtschastsmini- ster und dem Rcichsbankpräsidenten Dr. Luther andere Maßnahmen in Aussicht genommen werden, um einen wirksamen Schutz der Landwirtschaft durchzuführen.
Auf parlamentarischem Gebiet ist die Frage noch ungeklärt, wann der Reichstag wieder zu sammeutreteu wird. Vielleicht bleibt es bei den bekannten Vertagungstendenzen, sodaß der Reichstag erst Mitte Januar oder auch noch zu einem späteren Termin zusammentreten würde. Neuerdings ist aber auch wieder davon die Rede, daß das Verfahren beschleunigt werden könne. Die langfristige Vertagung des Rei^stags hatte bekanntlich vor allem den Sinn, möglichst viel Raum für eine Verständigungsaktion zwischen dem Reichskanzler und Adolf Hitler zu schaffen. Wenn sich nun aber immer wieder zeigt, daß diese Versuche aussichtslos sind, so könnte sowohl beim Reichskanzler wie bei den Nationalsozialisten der Wunsch nach einer Beschleunigung entstehen, um den in einem solchen Falle voraussichtlich unvermeidlichen Konflikt nicht weiter unnötig zu verzögern.
Eine parlamentarische Korrespondenz nennt heute in diesem Zusammenhänge den Montag, den 9. I a - nuar, als den Termin der nächsten Vollsitzung des Reichstags. Dann wird der Reichstag mit einer Rede des Reichskanzlers eröffnet werden, der die fällige Regierungserklärung abgeben würde. Daran würde sich eine mehrtägige Debatte anschließen, die wiederum zur Abstimmung über die vorliegenden Mißtraucns- anträge und die Anträge zur Aufhebung der Notverordnung usw. führen würde. Es ist unschwer voraus- zuschen, daß unter solchen Umständen die Reichstagsverhandlungen mit einem öffentlichen Konflikt enden würden, der voraussichtlich dann schon Mitte Januar zur Auflösung des Parlaments führen müßte. Vorher soll aber noch einmal die Frage geprüft werden, ob nicht doch noch eine Verständigung mit den Nationalsozialisten möglich ist. Scheitert diese Aktion, so würde die Entwicklung den gekennzeichneten Weg nehmen.
Das Notwerk der deutschen Jugend, zu dem Reichspräsident und Reichsregierung aufrufen, wird auf Anordnung »es Reichsarbeitsministers, durch »le Reichsanftalt für Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung durchgeführt. Für das Notwerk stehen aus Reichsmitteln in dem laufenden Haushaltsjahr neun Millionen RM. zur Verfügung. Hieraus dürfen Beihilfen solchen Einrichtungen und ins- bescndere auch solchen freiwilligen Kameradschaften gewährt werden, die allein oder in Zusammenwirken mit anderen Stellen junge Arbeitslose im Alter bis zu 25 Jahren außer zu gemeinsamer Mahlzeit durchschnittlich mindestens vier Stunden am Tage zusammenhalten. Hiervon sollen nach Möglichkeit zwei Stunden der beruflichen Fortbildung dienen, die übrige Zeit soll sportlicher Betätigung und geistiger Bildungsarbeit gewidmet fein. Ditz Beihilfen sollen so berechnet werden, daß höchstens je nach den ört-. lichen Verhältniffen 15 bis 25 Rpsg. für jeden Teilnehmer gewährt werden. Sie haben regelmäßig zur Voraussetzung, daß sich auch andere private oder öffentliche Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und den sonstigen Aufgaben des Notwerks beteiligen.
Zur Förderung des Notwerks sollen unverzüglich in d-n Bezirken aller Arbeitsämter Arbeitsge- fdjaf-ten gchfttflttzwerden. Sie sollen urier-, Vermeidung überflüssiger Organisationsarbeit alle Stellen zusammensaffen, die sich der arbeitslosen Jugend qnnehmen: 916660 dem Arbeitsamt vor allem die Gemeinden (Jugend- und Wohlfahrtsämter, Berufsschulen), die frei Wohlfahrts- und Jugendpflege rufsschulen), die freie Wohlfahrts- und Jugendpflege Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art, die Berufsverbände der Arbeitnehmer, Arbeitgebervereinigungen usw.
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler AbendZeittmg Kasseler Tageblatt Hessische AbendAeilung
Berlin, 24. Dezember.
Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke hielt Freitag abend im Rundfunk eine Rede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde. Dr. Gereke führte u. a. aus:
Immer klarer hat sich in diesem Jahre herausgestellt, daß wir zu außergewöhnlichen Mitteln greifen müssen, um die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland zu bekämpfen. Der Herr Reichspräsident von Hindenburg hat bereits bei der Berufung der Regierung von Papen dieser zur Pflicht gemacht, Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durchzuführen. Er hat in seiner Neudecker Botschaft betont, daß diese Maßnahmen die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft gewährleisten und dem sozialen Frieden dienen müs sen. Aus der Rundfunkrede des Herrn Reichskanzlers von Schleicher wiflen Sie, daß er als Haupt- punkt seines Programms bezeichnet: „Arbeit schaffen!" Das bedeutet, daß das im Sommer begonnene Werk der Wiederbelebung der Wirtschaft und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ausgebaut und ergänzt werden muß.
Das September-Programm der früheren Reichsregierung erstrebt eine Entlastung der Wirtschaft und daraus folgend eine Belebung mit Steuergutscheinen. Außerdem war damals schon ein öffentliches Arbeitsbeschaffungsprogramm vorgesehen.
Es wird jetzt eine der vordringlichsten Ausgaben sein, daß die bisher geplanten und eingeleiteten Arbeiten beschleunigt durchgeführt werden. Das sind zunächst die Arbeiten mit einem Aufwand von 342 Millionen Mark, die in der Hauptsache für Land- und Wasserstraßen, landwirtschaftliche Meliorationen und für einige andere Zwecke, dienen. Nebenher laufen die öffentlichen Notstands- arbeiten sowie die Sonderprogramme der Reichsbahn in Höhe von 280 Millionen Mark und der Reichspost in Höhe von 60 Millionen Mark. Außerdem- wird der Freiwillige Arbeitsdienst, der Anfang Dezember 285 000 Arbettsdienstwillige beschäftigte? auch in den Wintermonaten im Rahmen des Möglichen weilergeführt werden. Für vorstädtische
Kleinsiedlungen und die Schaffung von Kleingärten sind in diesem Jahre 73 Millionen bereitgestellt und damit über 26 000 Siedlerstellen und über 74 000 Kleingärten geschaffen worden. Weitere zehn Millionen gelangen zetzt zur Verteilung, und das Ziel ist, übersetzte Industriezentren auszulockern und die be
völkerungspolitisch notwendige Umschichtung und Htnführung zum Lands"zu fördern. Dabei denke ich au eine nebenberufliche Landsiedlung, die den Siedler befähigt, seinen Lebeusunterhalt zum Teil aus feiner Lohnarbeit, zum anderen Teil ans seiner eigenen Scholle zu gewinnen. Diesem Ziele, möglichst viel Dauerexistenzen zu schaffen, muß auch die verstärkte bäuerliche Siedlung dienen. Ich werde deshalb nach Kräften alle Maßnahmen unterstützen, die zur Erleichterung der Lage der Landwirtschaft führen, und ich glaube, dieser Ausgabe am besten damit zu dienen, daß ich bemüht bin, möglichst viele Erwerbslose wieder in dauernde Arbeit zu bringen und damit die Kaufkraft der Massen zu heben.
Auf Grund eines Beschluffes der Reichsregierung sind ferner noch zur
Förderung des Eigenheimbaues
in den Haushaltsjahren 1933/34 2 0 Millionen bereitgestellt worden, aus denen schon jetzt kleine Hypotheken zum Bau von Eigenheimen zugesagt werden können. Bei einem durchschnittlichen Darlehen von 1500 Mark werden etwa 13 000 Eigenheime gefördert. Durch den Zwang für den Bauherrn, die übrigen Kosten selbst zu tragen, wird ein Arbeiteffekt von rund 100 Millionen Mark erzielt. Um für Handwerk und Baugewerbe auch in den Wintermonaten weitere Arbeitsmöglichkeiten zu fchaffen, werden die vom Reichsarbeitsministerium im September eingeleiteten Maßnahmen zur Instandsetzung von Wohngebäuden, Teilung von Wohnungen, Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen weiter gefördert. Da über die bisherigen Reichszuschüffe in Höhe von 50 Millionen Mark in kurzer Zeit verfügt ist, habe ich sichergestellt, daß zunächst mindestens weitere 50 Millionen bereitgestellt werden. Die Bestimmungen werden fo gefaßt, daß die Arbeiten sofort ein- setzen, wobei entsprechend der Jahreszeit die Jnnen- arbeiten bevorzugt werden.
Sie wissen, daß ich seit langem dafür eingetreten bin, eine möglichst umfassende
Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand
zu erreichen. Dabei bin ich von der Voraussetzung ausgegangen, daß es in einer so tiefgehenden Krise, wie der heutigen, nicht möglich fein wird, allein von der Privatinitiative her die Schwierigkeiten zu lösen. Gelingt es nicht, die öffentlichen Arbeiten wenigstens teilweise wieder durchzuführen, dann werden wesentliche Zweige der Privatwirtschaft ohne Aufträge bleiben. E» besteht also keinerlei Gegensatz zwischen einem öffentlichen Arbeitsbestbaffungsprogramm und den Interessen der Prioatw.rtichast.
Fortsetzung siehe Seite N
auf Rückzahlung 6e6 BezugSvretteS. Kür ba8 $tfd)etn<n von Anzeigen tn De «nze»g<nr>retke: GekchStrS- und tzamlltenanz-ige.a ,dte « uuu-Zelle N A. Kleine
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keine Gewähr. Juristische Sprechstunden: Dienstags und Kreitags 17—19 Mr Zeile 11 A. Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 A. Dtfeitsebübt
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Weihnachtsgedanken
W. P. Wieder steht die Frage nach dem Sinn eines Festes und nach dem Rechte, es in dieser Notzeit zu feiern, vor unserem Gewissen. Wieder und doch nicht so wie bei manchem anderen Fest, das der Kreislauf des Jahres heranführt. Denn eins wiffen wir, und dieses Wissen ist durch keine Gegenpropaganda zerstört worden:. W e i h nacht en hat eine Sonderstellung int Gefühlsleben unseres Volkes. Es ist nicht eins unter vielen, es ist das deutsche Fest; seine Botschaft berührt auch noch d i e Herzen, die sich sonst den Wahrheiten und Segnungen des Glaubens verschließen. Diese Erkenntnis erleichtert die Gewissensprüfung, darf sie aber nicht überflüssig machen. Denn gerade wer überzeugt ist, daß diese Prüfung zu einer trotz allem frohen Bejahung führen wird, sollte zu ergründen und klar herauszustellen suchen,wasder Weihnachtsgedanke in unserer leiddurchtränkten Gegenwart ihm und seinen Nächsten, uns allen und unserem ganzen Volke bedeutet, wie er in die Breite und die Tiefe wirkt, Fehler der Vergangenheit und Gegenwart zu überwinden und die Zukunft aus einem neuen, besseren und gesunderen Geiste heraus zu gestalten lehrt.
Die Weihnachtsbotschaft verkündet die Ueberwin- dung -der beiden großen Gegensätze, die alles Leben durchziehen: Mitten in der winterlichen Kälte und Dunkelheit wird die wärmende Flamme der Hoffnung und »es Glaubens angezündet, und das Licht überwindet die Dunkelheit, der Gegensatz von Bejahung unö Verneinung, von MsiMa uu. i. - glauben löst sich auf in den Sieg jener Macht, Oti allen, die guten Willens find, Friede und Wohlgefallen auf Erden bringt. Die- Feier der Wintersonnenwende war alter germanischer Brauch; auch sie entspringt der Sehnsucht nach dem Licht und dem Hellen, das über das Dunkele triumphiert, aber ihr fehlt doch noch jener große Gedanke, der dem christlichen Weihnachtsfest erst den letzten Sinn gibt: der Gedanke, daß nur der aus dem Kummer und der Not befreit wird, der sich strebend und kämpfend reif macht, die Friedensbotschaft zu empfangen.
Eins wird damit klar und deutlich: Wie unendlich viel gerade für uns und unser Volk der Weihnachtsgedanke zu sagen hat. Erst in Zeiten des Unglücks und des Leids wird Weihnachten zu dem, was es seinem letzten Grunde nach ist: Zum Fest der Glau- bensstärkung und der Herzenserhebung. In dem ermüdenden Kampf mit der alltäglichen Not, in dem erbitterten Ringen um die Erhaltung ihrer Existenz haben Tausende und Abertausende vergessen, daß Notzeiten Lehrzeiten und daß nach einem Worte Hans Caroffas die Jahre des Wiederaufrichtens „die guten Wachstumsjahre der Völker" sind. Sie sehen nur noch die Zerstörung der früheren Ordnungen und den Zerfall der alten Vorstellungswelten; sie spüren und ahnen aber nicht, »atz Zerstörung unv Zerfall nur eine Etappe im Leden und, die zurückgelegt werden muß, wenn Neues (ich Bahn brechen soll. An sie alle geht die Weihnachtsbotschaft. Sie verkündet diese ewige Wahrheit; sie heißt uns hoffen, ohne uns aber auch darüber im Unklaren zu lassen, daß nur d i e Hoffnung Erfüllung findet, um die mit Einsatz der besten Kräste und durch den Beweis unseres guten Willens gerungen und gekämpft wird.
So klingen Verheißung und Mahnung zusammen, und wenn wir die Stille des Festes zu ernster Selbstbesinnung und Selbstprüfung benutzen, werden wir mit Schrecken erkennen, wie wenig weihnachtlicher Gei st in unserem politischen Leben wirksam ist. Wo ist der „gute Wille", »er die Not zu positiver Arbeit fruchtbar macht, wo ist die Sehnsucht nach der großen Gemeinsamkeit, nach sinnvoller Zusammenarbeit und nach allseitiger Befriedung wirksam? Mit dem „Weihnachtsfrieden", den wir in diesem Jahre erleben, ist nur eine dünne Decke über die politischen Gegensätze gezogen, und der leiseste Wind kann sie schon wieder fortwehen. Erst zu Beginn des neuen Jahres wird sich zeigen, ob es dem neuen Mann, der die Leitung der politischen Geschäfte übernommen hat, gelingt, die Spannungen auszugleichen, und ob die Parteien endlich lernen werden, jene Grundforderung des politischen Handelns zu eifütten, die Frank Thieß in die Worte gekleidet hat: „Wer heute Nein sagt, mutz zugleich im Sinne eines Ja wirken können".
Es ist während der letzten Jahre unendlich viel „unechter Haß" — unecht, weil ihn die Parteipropaganda aus egoistischen Motiven aufgeputscht hat — im deutschen Volke groß geworden. Es ist aber auch, was noch schwerer wiegt, zwangsweise aus der ganzen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung dauernd neue Konfliktstimmung entstanden. Die Statistik der Arbeitslosigkeit ist uns allen bekannt; was sich aber hinter dieser Statistik, was sich hinter diesen Zahlen an menschlichem Leid, an seelischen und moralischen Wandlungen verbirgt, erkennen im vollen Umfange nur wenige von denen, die noch an ihrem Arbeitsplätze stehen und schaffen dürfen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man von einem „V o l k i m Volke" gesprochen