Einzelbild herunterladen
 

301 / Aweivndiwansiqfier Zahrg«,

Kasseler Reuesse Rachrlchkm

Freitag, 23 Dezember 1932 / 1. Beilage

Oie Amnestie in Kastel

Oie Wohlfahrtsbehörde hat Sorgen

Neues aus Kastel

Kassel, 23. Dezember.

Oie Arbeit -er Winterhilfe

Das Sammelergebnis nur relativ befriedigend. Jeder mutz nach Kräften helfen.

rgr. Es beruht auf einem Irrtum, wenn man viel­fach der Ansicht ist, datz in diesem Jahr von der Win­terhilfe nicht so viel geschicht wie im Vorjahr. Im Gegenteil, man ist mit allen Kräften bestrebt, di« Not Zu lindern und hat genau, wie im Vorjahre einen Be- zirlsausschutz als Ausgleichsinstanz über Kreisausjchüffe gesetzt, die ihrerseits wieder Zwischen Ortsausschüssen für Winterhilfe Aufkommen und Bedarf ausgleichen sollen. Regierungsrat Dr. Elze bezeichnete bei einer Pressebesprechung der Kasseler Regierung Kassel, Ha­nau und Schmalkalden, die Städte sowohl wie die Kreise, als Zuschußgebiete, die den lleberschuß der Sammlungen in den anderen Gebieten aufnehmen.

Der Gesamtertrag der Sammlungen fft in diesem Jahre geringer als im Vorjahre, weil die Not gewachsen ist und damit sich der Eigenbedarf drau­ßen in den Kleinstädten und Dörfern vermehrt hat. Ferner haben die Sammlungen der NSDAP, viel vor­weg genommen, mancherorten bis 70 Prozent. Auch die Sammlungen der Kirche haben das Ergebnis der allgemeinen Winterhilfe stark beeinträchtigt, so daß diese Zahlen hier nicht in Erscheinung treten. Außer­dem nimmt das Hamsterunwesen überhand. Ganze Ko­lonnen mit Autos sollen schon auf die Dörfer ziehen, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

Wenn man dies alles in Betracht zieht, befriedigt das Ergebnis immer noch einigermaßen. Bis Ende Dezember wurden 2888 Zentner Kartoffeln zusammen­gebracht, während man im Vorjahr bis zu dieser Zeit schon auf 4976 Zentner gekommen war. Der Ausfall ist deshalb bedauerlich, weil die Kartoffeln bei Massen- speisungen, wie etwa im Karlshospital und bei der Polizeiküche, die gewichtigste Rolle spielen. Aber es ist zu hoffen, daß im Januar noch Kartoffeln zusammen- kommen. An Hülsenfrüchten wurden bis jetzt 29 Zent­ner gesammelt gegen 28 im Vorjahr. An Steckrüben 37 Zentner gegen 20 Zentner Mohrrüben int Vorjahr. Mit 60 Zentnern Gemüse hat man erst die Hälfte des vorjährigen Sammelergebnisses erreicht. An Getreide find schon 165 Zentner gesammelt worden, im Vorjahr nur 139. Speck und Wurst werden in der Hauptsache wohl erst nach Weihnachten eintreffen.

Sehr bedauern muß man, daß das Ergebnis der Sammlungen in der Stadt Kassel bis jetzt nur gering fft. wo es in Kassel immer noch eine ganze Menge Leute gibt, denen ein Keines Opfer für den hungernden Nächsten wirtschaftlich überhaupt nichts bedeutet. Es sei daher noch einmal auf das herzlichste gebeten, daß jeder fein Möglichstes tut, die Not zu lindern.

Film der Llnfälle

Noch rechtzeitig aufgefundeu wurde im Bahndreieck ein Heizer aus der Schützenstraße, der in der Oelgas- anstalt von Oelgasen betäubt, leblos zusammenbrach. Glücklicherweise hatten seine im Nebenraume befind­lichen Mitarbeiter den Vorgang bemerkt und konn­ten ihn aus der Gefahrenzone bergen, doch mußte der Halberstickte durch die Sanitätshauptwache in das Marienkrankenhaus transportiert werden.

Aufregung und Herzkrämpfe. Weil sie noch nie an Gerichtsstelle etwas zu tun hatte und nun als Zeuge vernommen werden sollte, regte sich im Ee- richtsgebäude eine ältere Frau derartig auf, daß sie von schweren Herzkrämpfen befallen durch die Ar- beitersamariterkolonne zum Arzt und in ihre Woh­nung befördert werden mußte.

Abends. 24. Dezember.

In großen, hellen Räumen sieben, ausgerichtet in Reih und Glied, eigentümliche hohe Gestelle. Sie sehen aus wie eiserne Leitern. Unzählige umspon­nene Drähte, systemvoll geordnet und gebündelt, füllen die Zwischenräume ans zwischen Sproßen und Seitenteilen.

Und dann Lampen: weiße, gelbe, rote und grüne. Oben, am Kopfe der Gestelle, wie Augen von Traum­tieren.

*

Ein Surren. Leise. Kurz. Plötzlich nur abge­hackt. Dann mehrmals hintereinander.

Aufblinken der Lampen: gelb, grün oder rot. Mal hier mal dort. Irgendwo an der langen Reihe der Verteilergestelle. In der ersten in der zweiten Reihe.

Neues Surren schiebt sich synkopenartig in die Me­lodie des ersten. Trrr... d, trrrr... d. irrrr... trrrr ... tack. Gelb, gelb, rot.

Ununterbrochen. Schwächer oder ansteigend.

Ein geheimnisvolles Konzert ein merkwürdiges Orchester. Musik einer Maschine. Verständlich in ihrer Tätigkeit nur dem Eingeweihten. 12 000 Drähte von 13 500 Anschlüssen laufen hier zusammen. Ver­binden sich untereinander und lösen sich wieder. Ohne datz eine Menschenhand sich tätig einmischt. Ein Automat...

Trrrr..., trrrr..., trrrr... Anschluß 30070 sucht Anschluß 32071. Ein geheimnisvolles Schieben be­ginnt zwischen den Drähten 3... 5... 0... 7... 1. Trrrr... trrrr... irr... trr... tad. Es surrt Lam­pen blinken auf. Kontakt ist hergestellt. Mit unge­heurer Präzision. Zwei Menschen plaudern schon mit­einander. Klein-Evchen erzählt der Oma vom Weih­nachtsmann.

Ein Automat? Stählern, herzlos und mächtig? Nicht mächtig, nicht kalt genug, um den Menschen ganz entbehren zu können. Denn:Dienst haben heute: Frl. Müller, Schulze, Schmidt etc/

Dienst? Auch heute Heiligenabend?

Wie sonst an irgendeinem anderen Abend. Ebenso der Werkmeister ebenso der Mechaniker.

Aber früher... früher füllten viele junge Menschen diesen Raum. Früher da waren sie menschlich den Teilnehmern nahegerückt. Mal schimpfte doch wenig­stens einer:Fräulein, Sie haben mich falsch ver-

Die Kasseler Justizbehörden sind feit drei Tagen mit allen oerfügbaren Kräften bei der Durchführung der Amnestie beschäftigt. Bet der Staatsanwaltschaft ist ein Sonder-Dezernat eingerichtet worden, in dem Staatsanwaltsschaftsrat Dr. Hennings die politischen Fälle und Assessor Dr. Krug die ans wirtschaftlicher Not begangenen Delikte bearbeitet, und zwar soweit sie vor dem Schöffengericht und der Strafkammer ver­handelt worden sind, bezw. noch zur Verhandlung an|teben. Bis zur Stunde ist die Prüfung der poli­tischen Fälle nach unseren Jnsormationen bereits be­endet. Tie Zahl der in Haft befindlichen politischen Täter, beläuft sich nicht einmal auf 5.

Weit größer ist die Zahl der Verfahren, die auf Grund der Amnestie eingestellt oder in denen die bereits erkannten Strafen niedergeschlagen werden.

Die Freilassungsversügungen für die po­litischen Gefangenen sind bereits an die beiden hie­sigen Strafanstalten ergangen.

Weitaus schwieriger ist die Prüfung derjenigen Amnestiefälle, in denen die Straftraten aus wirt­schaftlicher Not begangen worden sind, wobei jedoch die erkannte Strafe sechs Monate nicht über­steigen darf und auch keine Vor st rasen von über drei Monaten vorhanden sein dürfen. Die Zahl der Amnestiefälle im Bereich der Staatsanwaltschaft steht bis zur Stunde noch nicht fest, jedoch gehen fort­gesetzt Freilassungsverfügungen an die Strafanstalten wo

fast stündlich Entlassungen ftattfinben. Die größte Zahl der Amnestie fälle fällt in den Geschäftsbereich des Amtsgerichts. Die Ein- zelrichter-Urteile werden vom Amtsgericht selbst ge- priift auf Amnestiefähigkeit. Von vier ergehen auch die Freilassungsversügungen an die Strafanstalten. Die Zahl der Amnestiesälle steht auch hier noch nicht fest.

Arn 4. Verhanvlungstag setzte das Gericht die Zeugenvernehmungen fort. Zunächst wurden die Zeu­gen Landwirt Plod, Dorheim und Metzger Joh. Gruß Schlierbach vernommen. Beiden Zeugen wurden Be­träge für die Lieferungen und Leistungen nut im Kontogegenbuch und nicht im Vereinsbuch gutgeschrie­ben. Maurer Ide, Elnrode erklärt, datz er kein solch hohes Warendebet-Konto von über 2000 RM. haben könne. Für seinen Keinen Betrieb fei das unmöglich. Ein Gegenbuch habe er in den letzten Jahren nicht mehr gehabt, da es der Angeklagte behalten habe. Es wirv angenommen, datz das Kcnto Ide fingiert ge­wesen fei. Der Angeklagte pflegte über fingierte Kon­ten (von Mitgliedern die weniger bezogen), die Wa­renlieferungen an Nichtmitglieder zu leiten. Der Zeuge Dielt ng, Elnrode, Hai 58 RWk. bar erNbezahlt, hat Quittung bekommen; der Angeklagte trägt den Be­trag aber nicht in die Bücher ein. Gleichfalls wurden van Möller, Korell, Ruppel (sämtl. Elnrode) 'bare Beträge einbezahlt, die der AngeKagte alle nicht ver­bucht hat. Oberlandjäger Kampfe, der Mitglied des Vorstandes war, erklärt, in einer Generalversamm­lung im Januar 1931 kurz vor dem Zusammenbruch, in der auch Verbandsrevisor Fliegenschmidt anwe­send gewesen fei, fei nichts von den katastrophalen Zu­ständen im Verein erwähnt worden. Die Statuten, die auch die Pflichten des Vorftandes vorschreibt, habe er nur flüchtig gelesen. Das Mitglied des Aufsichts­rates Priester, Schlierbach erklärt, datz er sich nicht zu

bunden/ Und andere hatten so eine sympathische Stimme.

Heute stehen nur wenige Menschen hier beob­achtend in den Gängen. Achten aufmerksam auf die Kontrollampen. Wachsein und Intelligenz erfordert der Dienst. Verständnis für das geheimnisvolle Ar­beiten der Automaten. Da kann keine Weihnacht ge­feiert werden. Kein Tannenbaum brennen.

Und doch man sieht es ihnen an: Sie wachen hier und denken weit fort. Denken an das warme Zimmer zu Hause. Und fast ungewollt beginnt Frl. Schmidt leise ein Weibnachtslied zu summen. Stille Nacht, heilige... Und die andern summen mit.

Da fallen ihnen die kleinen Geschenke ein, die sie einander mitgebracht haben. Sie holen sie berbei: ein Spitzentüchlein, einen Taschenspiegel, ein Fläsch­chen Parfüm.

Jede hat etwas für jede. Was spielt es da für eine Rolle, datz die eine als Geheimratstochter, die andere als Proletarierkind ausgewachsen ist. Hier im Dienst sind sie Kolleginnen. Man gehört zu­sammen.

Da mitten hinein in die weihnachtsselige Stim­mung tönt ein Signal.

Frl. Müller ganz pflichtbewußte Beamtin wie­der eilt zum Hörer. Sie weitz wie jeder der Damen daß ein Alarmruf unterwegs ist: Feuer oder Uebersall. Sie schaltet sich schnell in die Ver­bindung ein. Sie ist zum Mithören verpflichtet für alle Fälle.

Diesmal ist ein Weihnachtsbaum in Brand ge­raten die Feuerwehr wird verlangt.

Und während sie die Meldung mithört, wird ihr plötzlich bewußt, daß der Auwmat, den sie kontrolliert, doch nicht ganz die persönliche Fühlung mit dem flutenden Leben verhindern kann. Daß Maschine Maschine bleibt Und daß der Mensch und seine Ar­beit nie werden ganz ausgeschaltet werden können.

Tyrannei der Maschine?" Ein Hirngespinst der neuen Romantiker.

*

Trrr... trrr... trrr... tad. Gelb. Gelb. Dienst haben am Heiligen Abend: Frl. Müller, Schmidt, Schulze...

So haben sie zwischen 3500 Drähten Weihnachten gefeiert

In den beiden Strafanstaltett, dem Gerichtsge- fängnis und in der ©trafanftalt Wehlheiden, ist man auf die Durchführung der Amnestie bereits feit eini­gen Tagen eingerichtet, so daß hier Verzögerungen nicht mehr eintreten, sobald die Freilassungsverfü­gungen der Gerichtsbehörden vorliegen.

Die Hauptsorgen infolge der Amnestie haben in erster Linie das Wohlfahrtsamt und die Für- forgestelle für entlassene Strafgefangene, doch hofft man auch hier, der entstehenden Mehr­arbeit noch vor Weihnachten Herr zu werden und zu helfen, wo Hilfe geboten ist.

Mißglückte Selbst-Amnestie

Vor dem Einzrlrichter des Amtsgerichts stand heute morgen ein vierhlätteriges Kleeblatt, dem wie­der einmal ein Diebstahl zur Last gelegt war. Haupt der Baude war der zwanzigjährige Arbeiter Heinrich Mohr, der ein alter Bekannter des Gerichtes ist und für die Beteiligung an dem Diebstahl ein Jahr Ge­fängnis zudiktiert erhielt.

Als er wieder in die Untersuchungshaft abgeführt werden sollte, entwischte er auf dem Korridor dem Justizwachtmeister, rannte den Korridor des Gerichts­gebäudes entlang und gewann durch den Hofeingang auch das Freie. Ein Sturz auf der Treppe brachte die große Zahl seiner Verfolger nahe an ihn heran, aber der Flüchtling gewann wieder einen Vorsprung. Er lief über die Vorane und über die Drahtbrücke, verfolgt von mehreren Polizeibeamten. In der Arndt- straße sprang ein Polizeibeamter auf einen zufällig des Weges daberkommenden Kraftwagen und konnte so den Flüchtling einholen. Völlig erschöpft und atemlos gab Mohr sich in der Arndtstraße dem Poli­zeibeamten wieder gefangen und wurde darauf in die Zelle des Gerichtsgebäudes zurückgebracht.

erinnern wisse, daß der Revifor Fliegenschmidt in einer Revisionsschlußsitzung am 27. Juli 1930, Sie Mängel im Verein scharf kritisiert und ihre Tragweite erläutert habe. Verbandsrevisor Fliegenschmidt erKätt bann nochmals auf Befragen des Vorsitzenden, daß er in der fraglichen Sitzung den langen Revisionsbericht eingehend besprochen und durchgelesen habe.

Nach einer zweistündigen Pause wurde zunächst der Zeuge Wolf, Elnrode, vernommen, der in den Jahren 1926/27 dem Angeklagten größere Arbeiten geleistet hat. Der dafür eingesetzte Betrag von 176 Mark sei ä Konto abgerechnet worden. Die Gutschrift ist aber erst 1931 erfolgt. Von dem Zeugen Bacharach, Mar­burg werden folgende Angaben gemacht: Bezüglich des Wechselgeschäftes fei zu erklären, daß einmal ein Vereinswechsel in früheren Jahren zu Protest gegan­gen fei. Später habe Wielor viele Wechsel selbst aus­gestellt. Einige Vereinswechsel habe Wielor persön­lich diskontiert. Hierzu führt der Sachverständige Glitz aus, daß sich zum Schluß eine Wechselschuld von 7000 RM. ergeben habe, für die überhaupt kein Gegenwert dagewesen sei.

Nach kurzer Beratung verkündet das Gericht den Beschluß, daß bezüglich des Anklagemomentes Waren­verschiebung keine weiteren Zeugen mehr vernommen werden sollen. Laut Anklageschrift werden jetzt die Fälle, in denen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Veruntreuung vorliegt, verhandelt. Dem Mit­glied K. Kurzrock-Strang wurde ein Betrag über 136 RM. zu Lasten geschrieben. Es liegt eine von Frau Wielor hergestellte Quittung vor, auf der der Name der Frau Kurzrod gefälscht wurde. Bei der ErNärung dieser Tat verwickelt sich die Angeklagte in mehrere Widersprüche. Die Vernehmung der beiden Eheleute Kurzrock zu diesem Fall ergibt keine wesentlich neuen Gesichtspunkte. Im Fall Biedebach-Allendors wird dem Angeklagten Unterschlagung und Urkundenfäl­schung zur Last gelegt. Eine Quittung über 300 RM. wurde durch den Sohn Otto Wielor, der damals 13 Jahre alt war, in der Unterschrift gefälscht. Die An­klage hegt hierbei den Verdacht, daß Anstiftung durch den Vater vorliege. Eine weitere Quittung von Bie­debach übet 300 RM. ist von dem Angeklagten im Be­trag in 200 RM. umgeändert worden. Aus eine große Anzahl von Zeugen verzichtete das Gericht. Der Sach­verständige Oberrevisor Glitz, Kassel, führte aus: Aus der Einnahmekontrolle, aus den Gegenbüchern, den Quittungen über Zahlungen, aus allen Belegen gehe klar hervor,

daß der AngeKagte Kassenposten in einer Gesamthöhe von etwa 4500 RM. nicht in die Vereinsbücher einge­tragen habe. Die eingehende Nachprüfung habe fer­ner ergeben, daß rund 31000 RM. Getreidelieferun- gen nicht in die Kontobücher eingetragen uny auf die Einzelkonten nicht verteilt mären.

Die Kontrolle habe weiter festgestellt, datz erhebliche Warenlieferungen in den Hauptbüchern, aber nicht in den Mitgliederbüchern enthalten seien. Rein bilanz­mäßig sei ein Fehlbetrag von 90000 RM. festgestellt worden, zu dem dann noch Zinsen kommen. Der Sachverstänoige vereid. Bücherrevisor L. Mengel, Marburg erläutert, daß eine sehr lückenhafte, unor­dentliche Führung der Bücher sestzustellen sei, die in keiner Richtung hin den Bedingungen des Hamvels und des Gesetzes genüge. Da es sich um eine rekon­struierte Buchführung handele, ließen sich keine Be­weisführungen darauf aufbauen. Die durch den üb­lichen Warenschwund verursachten Fehlmengen, die man erfahrungsgemäß mit 13 Prozent vom Umsatz errechnet, habe Wielor glatt auf sein Konto über­nommen, obwohl man diese Fehlmengen Wiewr hätte gutschreiben müssen. Bei Zugrundelegung eines Mi­nimum-Umsatzes, den man auf Grund der vorhan­denen Belege errechnet habe, ergäben sich so Differen­zen in den sechs Jahren in Höhe von 23 000 RM., wie der Angeklagte jetzt belastet sei. Das Gericht ver­las ferner noch ein kurzes Gutachten des Kaufmanns Henkel, Marburg, das sich näher mit dem erörterten Getreideschwund befaßte. Dieser Sachverständige zieht aus seinen Darlegungen die Folgerung, daß ein Schwund bis zu drei Prozent nicht zugute gehalten werden könne. Die Beweisaufnahme ist 21,30 Uhr zu Ende. Der Freitag als letzter Verhandlungstag wird die Anklageerhebung, die Plädoyers und das Urteil bringen.

Die Gewinne der Kunstoereinsverlosung sind bis mm 27. Dezember zur allgemeinen Besichtigung ausge- tellt.

Weihnachten zwischen 3500 Drähten

Wird im Selbstanschluß-Fernspreckamt auch Heiligabend gefeiert?

Oer Schlierbacher Raiffeisenprozeß

Oie Beweisaufnahme abgeschlossen

Ein aller Hessen-Homburg-Husar

80 Jahre alt.

freut feiert ein angesehener früherer Mitbürger feinenAchtzigsten": Oberbahnassistent i. R. Carl Oskar Diez wurde am 23. Dezember 1852 in Hasel­bach geboren. 1872 trat er als Freiwilliger beim Husaren-Regiment Nr. 14 in Kassel ein und war später Vizewachtmeister bei der 4. Eskadron in der Marstallkaserne. Nach Vollendung seiner 12jährigen Dienstzeit im Jahre 1884 wurde er Eisenbahnbeamter und war in Guntershaufen, Kölbe, Northeim und seit 1893 in Kassel zuletzt als Oberbahnassistent am Bahn- Hos Kassel Oberstadt tätig.

Im Jahre 1916 trat der Jubilar in den wohlver­dienten Ruhestand. Dem Jubilar, der sich einer völ­ligen Rüstigkeit erfreut, wünschen auch wir von Her­zen alles Gute.

Zm Silberkranz. Am 1. Weihnachtsfeiertag be­gehen Äriminalaififtent Heinrich Markert und Frau Margarethe, geborene Landmann, Frieden­straße 18, das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Wir gra­tulieren herzlichst!

Freivermerk auf den Postpaketen. Die pcstalischen Vorschriften, wonach bei frei gemachten Paketen der Freivermerk (frei" oderfr.") nicht nur auf den

Sie werden sich wundern .....!

Halten Sie die Zeitung gegen das Licht

Paketkarten (auf dem Abschnitt unterhalb des Vor­druckes für die Absenderangabe), sondern auch auf den Paketen selbst (links von der Angabe des Be­stimmungsorts) niederzuschreiben ist, wird von den Versendern und auch von den Annahmebeamten, wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz erfährt, oft nicht beachtet. Bei Zustellung auf Notpaketkarte, falls das Paket am Bestimmungsort früher ankommt als die Paketkarte, führt das Fehlen des Vermerks auf dem Paket, das Einziehen, Erstatten und Verrech­nen von Nachgebühren zur Folge haben kann, oft zu unnötigen Mehrarbeiten, mitunter auch zu sehr un­liebsamen Weiterungen. Das Reichspostministerium hat daher angeordnet, daß die Annahmebeamten stets auf das Vorhandensein des vorgeschriebenen Freiver­merks besonders zu achten haben und daß etwa feh­lende Vermerke unter Verständigung der Auflieferer nachzuholen sind.

Nette Leute. Von der Kriminalpolizei wurden fest­genommen und dem Gerichtsgefängnis zugeführt 2 jün­gere Personen, die am 20. Dezember in den Vormit­tagsstunden bei einer ihnen bekannten Familie einen Wohnungseinbruch ausgeführt und die Ersparnisse von etwa 100 RM. entwendet hatten. Das Geld konnte zum Teil wieder herbeigeschafft werden.

Auf frischer Tat ertappt wurde ein junger Bursche, der von einem auf der Hohenzollernstraße stehenden Lieferauto einer Weinfirma seinen Bedarf an Wein decken wollte. Ein oorbeilommenber Kriminalbeamter beobachtete den Diebstahl und nahm den Täter fest. Ein Mittäter konnte zunächst entkommen, wurde aber auch nach kurzer Zeit ermittelt und sestgenommen.

Obwohl eine Staffel feuchter Lust von der nörd­lichen Störungstätigkeit auch unser Gebiet berührt utto zu Milderung führt, so dürste ihre Energie vor­erst noch nicht ausreichen, um eine weitere durchgrei­fende Aenderung der Wetterlage herbeizuführen. Vielmehr scheint sich nach einer vorübergehenden Be­einflussung der Witterungscharakter der vergangenen Tage wieder herzu stellen, denn der hohe Druck im Südosten hält noch stand.

Aussichten für Samstag.

Leichter Nachtfrost, neblig und wolkig mit Auf­heiterung, trocken.

Wetterbeobachtung vom 22. Dezember.

Zett

Barom. L mm

Temv. O. Luftfeuchtigkeit

Mittags 12 Uhr 770,5

Abeuös 6 Uhr 771,5

1°

+ 0,5»

91% 95%

Wetterbeobachtung vom 23. Dezember.

Morsens 6 Ubr 773,2 + 1» 94 %

Mitsetetlt von Divlonwvtiker Setz.

Heute zum letztenmal

sind die Geschäfte abends MW