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Ar. 297 / Zwelund'wanziqster Zahrgan-

Montag, 19 Dezember 1932 / 2 Beilage

Kasseler Reveffe Tkachrtchte«

Fahrt ins Blaue

Deutsche Mädels reisen ans Mittelmeer / Aimes / Alle Klöster, zerbrochene Gäulen Auf -en Gpuren Vincent van Goghs / Zn Marseille

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ihm ins Gespräch, schwindele ein wenig, aber ich komme nicht toeit-bamit. Was ich denn stu­diere? Philologie. Ich halte mich versprochen, wollte ja Phi losophie sagen. Aha, alte Spra­chen. Nein, sage ich entsetzt. Und er zieht mich auf, — ent­puppt sich als deutscher Pro- sessor. Wie sind wir übermütig, aus Porsreudc. Ein Nichts

neu Giebel. Den Höhepunkt bildet das anschließende Kloster, dessen eine Halste romanisch, die andere go­tisch ist und bei dem man nicht weiß, welche man be Vorzügen soll. Diese Klosterhösc sind stets so ge bcinuiisvoll und schön durch das Grün, das üppig in ihnen ivuchert. Hier in St. Tropbine tragen immer zwei Säulchen ein Kapitell. Wir fühlen uns zurück versetzt in die gallo-romanische Zeit, wir sehen das antike Theater, d. b. seine Ruine. Noch recht gut sind die Zuschauersitze erhalten, doch von der Szene sieben nur noch zwei wundervolle rotaetönte Marmorsäulen und man gewahrt ein Stück Marmorfußboden. Und schließlich die Arena, wohl nicht so gut erhalten wie das Amphietheater in Nimes, aber auch herrlich, großartig und wieder ganz anders im Stil. Auch hier hinein bat inan im Mittelalter drei Wachttürme aebaut. Wir steigen aus einen von ihnen, lassen uns

bringt uns zum Lachen. Bald nach Limoges dämmert der Tag. Wir sehen die Landschast in feinen Pastellfarben. Hüg­lig ist das Land, weiß und fein grau die-Müschen, die so zier­lich scheinen und sich organisch in die Landschaft einfügen. Ich denke an Italien, Vas ich nicht kenne. Hier 1 ist Vorfrühling, Mandelbäume blühen, Obst- bäume in weiß und rosa. Die Pappeln, die das Naturbild be­leben, haben grüne Schleier, und dagegen stehen fast schwarz die Nadelbäume. Warum er­scheinen die südlichen Dörfer so heiter? '—

Wir sind in Lahors und sehen die wunderbare mittel­alterliche Brücke mit den trotzi­gen Zinnen, die den Fluß über spannt, und fahren weiter nach O

Toulouse, unferm ersten Ziele. *

Von Carcasonne fahren wir

8<rt6etrek »ob Rimes / detdsuene von tthtiftian Bever

am Morgen ab, wieder an ei­nem strahlend blauen Früh lingstage. Unser Zug durcheilt die heiler südliche Natur der Provence. Olivenbäume, Zv pressen, blühende Obstbäume Ortschaften von harmonifcher Schönheit, und dann, bei Scsie ein riesiger See und auf der an-

Zwei deutsche Mädels fahren nach den« sonnigen Süden, mit wenig Geld, viel Unternehmungsgeist und Abenteuerlust und einer grostenSehnsucht nach südlicher Sonne und Palmen ain Meer. — Wir bringen hier einige Ausschnitte auS ihrem Rcisetagebuch.

In Paris klatscht der Regen, es ist kalt. Auf dem Bahnbof Ouai d'Orsay steigen wir in den Zug, der nach dem Süden gebt. Welch bunte Menschheit! Wir fahren natürlich dritter Klaffe. Auch ein Deutscher ist im Abteil, Typ dick, gutmütig. Er kommt von Holland, fährt nach Barcelona zu seiner Frau, Kin­der hat er feine, Gottfeidank, bei den unsicheren Ver- bältmffen. Er spricht von Politik, und schenkt unsKalbs- braten, Stullen und Aepfel. Unser zweiter Reise­genosse-ist im Gegensatz ein Kops von ausgeprägt geisti­gem Typus. Ich komme mit

Blick eef Arles / Zeichnung oou Christi«« Bever

bereu Seile das Mcer, kalt, blau, erregt, mit weißen ' Wogenkämmen. In Säte eine Mannschaft Reger, recht malerisch, aber für meinen Geschmack doch ab­stoßend. Ich bade nicht Entsetzen wohl schlecht ver­hehlt, denn ein Soldat, der mir gegenüber sitzt, steht mich forschend an. Latz ihn nur gucken... Das al|o ist das Mittelmeer, das uns Sonne und Wärme ver­sprach? Aber wir verlassen das Meer, wir halten tn Montpellier, der Universitätsstadt. Schließlich er­reichen wir Nimes. Der stinge Soldat belädt sich mit unferm Gepäck. Wir neben in Nimes ein, nehmen den direkten Weg zur Stadt, rechts und links Reihen, wunderbarer Plantanen, eigenartig schön verschnitten zu beiden Seiten, vierreibig. Und nun sehen wir die arene», das prachtvolle Bauwerk aus der Römerzeit, säst ganz erhalten. Zwei schöne Skulpturen sind am äußeren Bauwerk, zwei Stiere und die Wölfin, Ro- mulus und Renius fäugend. Das Bauwerk ist von unsagbarer Schönheit, oval, der Stein so belebt, grau, weiß oder gelb je nach Beleuchtung, und außer den zweistöckigen Galerien sind überall Treppen, Wölbun­gen, Zugangsstufen. Ich gehe ganz oben aus dem Rande, ein Wind erbebt sich und wirst mich fast um. Es ist wunderschön hier, und ich trenne mich nur schweren Herzens. .

Nun sind es bloß noch zwei Stationen bis Arle», und da wir wiffen, daß Arles, eine Stadt mit be­rühmten Sehenswürdigkeiten ist, beschließen wir, am späten Nachmittag von Tarascon weiter znsahren. .

Wir sind überwältigt von der Schönheit der Stadt. Von den schönen Arlesterinnen haben wir noch nichts gesehen, aber Frauen mit dem Kolpsputz der Stadt, einem Tüllhäubchen, winzig klein, das auf dem Kops thront und ein schwarzes Samtband darum geschlun­gen. Die Stadt birgt drei Kunstschäye: Ta ist zu­nächst die Kirche von St. Trophie, die schönste roma­nische Kirche, die ich kenne. Das Portal ist gotisch, von einem Reichtum an steingeformten Heiligen, Tieren und Pflanzen und darüber dem glatten, schö- vom Wind durchwehen, möchten fingen und sind glück­lich. Tief unten fließt die Rhone, breit, grün, reißend.

Unvermeidlich sind noch drei Museenbesuchc: das Museum eines Malers, der ziemliche Schinken gemalt hat, die pietätvoll von seiner Tochter gesammelt wor­den sind, ein provencalisches, in dem wir die Be- lanntscbast eines netten Bibliothekars machen, der van Gogh persönlich gekannt hat und uns aus dem

Leben des genialen Malers erzählt, der in 0e’’tiger Umnachtung starb. Zwei Jahre hat Gogh 'n Arle.' zuqebracht. Ter Zufall batte ihn hierhin verschlagen lliid er konnte dem blauen Himmel nicht widerstehen, nicht den Frauen und dem Wein. In einem An,all des Wahnsinns schnitt er sich mit einem Rasiermesser

Der ^Schnellzug führt uns durch frühlingsgrünes Land, manch romantisch gelegenes Dorschen, viel ge­birgiges Gebiet durcheilt er. ES sind hohe und schroffe Berge, die da zur Linken liegen und hier und da lieaen 2 große, meeresähnliche ~cen.

reichen wir Marseille. Der Babndos ist herrlich auf einer Anhöhe gelegen. <5ine '.mposanie -reppi führt auf eine breite, schöne -Strasse. Mein erster Spaziergang führt zum alten Hafen, wo ^chuflchlsse, Jachten, kleine Fischerkähne und Ausslugsboote liegen Hier gibt es seltsames Mnschelzeug und vielerlei Fische. Auch wimmelts von luftigem Matrosenvolk aller Farben, das aber recht still »nd eingeschuchtert fcheint durch die strenge Polizei. Wir steige naus Roire Dame de la Garde, es ist wie eine Pilgerfahrt. Welch herrlicher Rundblick ' über Marseille und das Mittelländische Meer mit der felsigen ^nsel Zs, wo A. Dumas' Roman „Der Gras von Monte Christo spielt und die eiserne Maske spukt. Und dann ist die Kirche droben reich geschmückt und Hunderte von Ker­zen brennen zur Ehre der Slutter Gottes Wir haben bei der Heilsarmee geschlafen, batten das erste Mal ein pikfeines Zimmer mit heißem Wasser und träum­ten schon von der strahlend schönen Eote d Azur.

Rosemarie Glatzer.

Liebesdrama in Landshut. Der seit einigen Ta­gen beim Landshuter Ausbildungsbataillon vermisste 21 Jahre alte Obergefreite Karl Änerr wurde in den Isar-Anlagen mit einer schweren Schußwunde im Kopf ausgefunden. Seine Geliebte, eine 22jährige Näherin aus Landshut, lag mit einer Schußwunde im Kopf tot daneben. Knerr hatte offenbar von rück­wärts das Mädchen erschaffen und sich dann selbst einen schweren Schutz beigebracht. (Er wurde in das Krankenhaus eingeliefert, wo er an den Folgen der Schußoerletzung gestorben ist. Heber den Beweggrund der.Tat ist noch' nichts Näheres bekannt.

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Heinrich Rumpff:

Der (leberlebende von (l-Booi 26

Das mrittdtfaufic neuere Geubuhtswerk. (rtne Berliner .leitübriit ncrönentlickit. soeben das Sntebnts einer inuncu iraqe über die jetzt vor Wklbnacknen am menten gekauften Büwcr Tie Antworten der Torri men isbuckiband liingcn nennen fast ansMIietzlick Romane daneben einige voh« ti-scbe Bücher und Biographien. Als einstens wiflemlhai!- liche». historisches .Werk wird unter .den' meickgfkamten Bu­chern • wiederholt genannt: Witin Andreas .Deutschland vor der Rewrination.. .Eine- Zeitwende. iTeutidic. Verlags-An­stalt. Ltungartl. •

fprechen, und blieb auch hier stumm, in jener primi­tiv-verlogenen Pietät, die ein Todesfall nun einmal beansprucht. Thomas' Bild ging durch Zeitungen und Zeitschriften: „Letzter Mann der Besatzung von H 26, der wie durch ein Wunder..." Als Thomas die erste dieser Veröffentlichungen in die Hand be­kam, zerfetzte er sie. Tie folgenden bereits ließen ihn kalt, toenigften» gab er sich so den Anschein; da­bei löste eine jede den gleichen tödlichen Schrecken in ihm aus; denn jede erzeugte visionär ein anderes Bild: die letzte Gruppenausnahme der U-26-Besatzung. Jim batte dickst neben ihm gestanden und sein un­verschämtes Grinsen in den Apparat geschickt! — Die­ses Grinsen sah Thomas nun auf allen Bildern, die ihn fo mutterfeelenatteiu zeigten, es war über feiner Schulter, faß in feinen Augen, in feinem mürrischen Gesicht —, natürlich, wußte er, war das Einbildung, niemand sonst wurde auch nur das Geringste davon gewahr, aber vorhanden war es trotzdem! Jedes Bild brachte es aufs Neue und erinnerte ibn schmerz­lich an die Flasche Obstwein, die er Jim vorenthalten chatte.

Er wurde befördert, in Urlaub geschickt, fein Heimatsdors feierte ibn laut, — einzig angenehm empfand Thomas die Abwesenheit von Jim^Braut, die mit ihrer Tienstherrschast nutzer Landes weilte, sonst war alles lästig und bedrückend, und nachdem er einmal in der Hast, die sich um ibn entwickelte, einen falschen Ton erkannt batte, wußte er auch halb, ihn zu deuten: Vorwürfe waren es! Nickt nur von den Menschen kamen sie, deren Mitgefühl sich rasch und rascker entblätterte, nein, auch die Dinge um ihn herum strömten sie aus, sein altes Mützenband zum Beispiel mit dem Ausdruck H 26 konnte er ohne Be­klemmungen nicht mehr ansehen. Thomas wurde seines Lebens nicht mehr froh.

Längst war es vorbei nut der ersten wilden Freude, dem Tode ein Schnippchen geschlagen zu haben, eine Art Katzenjammer, nicht etwa als Folge der jetzt so häufigen Räusche, beherrschte ihn ständig, seine Augen begannen zu flirren, fab man ibn fckarf an, wurde er unruhig, und unangenehmer Weife schien ibn jedermann scharf anzusehen. Versteckte Feindseligkeiten empfing und ifolierte ibn überall, in den Mannschaftszimmern, in den Kneipen, — als Jims Braut, endlich zurückgekebrt, ihm mit dürren hatzerfüllten Worten vorwars, das alle ihn für schlauer hielten als achtundvierzig Kameraden, war er nicht einmal überrascht. Wenngleich er sich die große Un­gerechtigkeit, die ihm da widersubr, nickt erklären konnte. War es denn seine Schuld, daß ihn die

Einen Tag vor der Ausfahrt des Unterseebootes H 26 erkrankte der Matrose Thomas an Grippe. Es war ein ziemlich heftiger Anfall, die Temperaturhöhe veranlaßte fofortige Ueberfsihrung ins Lazarett.

Abends kam fein Landsmann und Kojenkamerad Jim dorthin und brachte ein am Mittag eingetrosse- nes für die Fahrt bestimmtes Paket aus der Heimat; Thomas, halb im Fieberdelirium, schenkte ihm alles mit Ausnahme einer Flasche Obstwein, die er von der Schwester in sein Spind stellen ließ. Der Besuch ver­lies schweigend, und die beiden Freunde trennten sich in leichter Gereiztheit. Der Kranke ärgerte sich über Jims unaufhörliches Grinsen, unb Jim Dachte, es könne nicht so schlimm sein mit der Krankheit, bei solchem Interesse für eine Flasche Wein, die nicht einmal Wein war, eigentlich nur gut genug zum Mundausspülen.

Hundert Stunden später wurde das Unterseeboot H 26 als überfällig gemeldet, unb von vorneherein bestand kein Zweifel, daß es auf rätselhafte Weise verunglückt war. Eine ganze Flottille zog aus, Hebe­schiffe mit dem großartigen Arsenal modernster Bergungsbilssmittel, Flugzeuge, Tauchboote, aus Grund der letzten Stanbortangabe zu versuchen, die ezngeschlossenen achtundvierzig Mann zu finden — und zu befreien.

Thomas schlief sich nach heftigen Fiebertagen ickon wieder in die Gesundheit hinein, in einer Schlaspause empfing er die Unglücksbotschaft, die die ganze Welt vorübergehend schneller atmen liefe. Der Kranken­wärter konnte sie ihm nicht früh genug mitteilen: er betrachtete den wie durch ein Wunder dem Tode Ent­ronnenen mit scheuer Hochachtung, am liebsten hätte er nach einer frommen Gewohnheit feiner Heimat über ihm das Kreuz geschlagen, allein das gesamte Lazarettpersonal drängte nun hinter ihm her ins Zimmer in einer murmelnden Neugier tote vor einem richtigen Toten, der diensthabende Unteroffizier, Tho- mas' scklasbesangene Augen treffend, schüttelte ratlos den Kops. Ihm selbst unbewufet hatte fein Gesicht habet einen mißbilligenden Ausdruck angenommen.

Thomas empfing die Nachricht zunächst stumpf. Er blinzelte die Sprechenden an, in seinem Hirn rauschte es wie Wellen. Erst später, als der Oberarzt

ibn mit polternden Glückwünschen auszeichnete, er­innerte sich Thomas. Sein gelbliches Gesicht bekam eine mälslig steigende Röte, er antwortete nichts, doch wurden seine Äugen heiß, und die Krankenschwester hatte am Abend wieder erhöhte Temperatur tn die Fieberkurve cinjutragen. ....

Aber der stämmige Seemann, von zunsunbzwanztg Jahren, wurde danach schnell wieder gesund.

Die Stelle, an der das gesunkene Boot lag, war inzwischen gesunden worden, alle Bemühungen, es aus seiner Tiefe von etwa hundert Metern zu beben, der auch nur durch Taucher und Klopfzeichen mit der Besatzung in Verbindung zu treten, erwiesen sich bei der unruhigen See bald als vergeblich. Da man den Sauerstossvorrai im Schiff genau berechnen konnte, mufete die Marineleitung nach einivöchigen Anstren­gungen. die die Ersolgswünsche der ganzen Welt be- alciteten, bekanntgeben: das Unterseeboot H -6 samt seiner achtundvierzigköpsigen Besatzung sei endgültig als verloren zu betrachten^

Thomas schien sich um all dies wenig zu küm­mern. und die Neugier der Lazarettiiisassen turnte sich langsam ab, da er auf alle Fragen stumm blieb. Na­türlich beschäftigte sich Thomas Tag und Nacht mit dem Ereignis, doch war ihm jede Aeufeerung darüber unmöglich, er wusste nicht einmal, ob es angesichts des entsetzlichen Unglücks anging, von feinem „Gluck zu reden. Dabei taten es alle, und weder |ie noch er bemerkten zunächst, wie sich langsam etwas Hämisches in ihre Teilnahme schlick. Viele Fremde kamen zu ihm; Angehörige der versunkenen Kameraden wollten wissen, was die Teuren zuletzt getan gesprochen, ge­dacht hatten ! Thomäs entsann sich: Baniock, setzt al» so fromm geschildert, hatte noch morgens_jnit einer Serie gotteslästerlicher Flüche seine ganze Lippe zum Teufel gewünscht, Gregor, der glücklich Verheiratete, war am letzten Abend beinahe bis über den <staöt» urlaub' hinaus in seinem Stammbordell geblieben, Thomas erkannte etwas von dem Widerspruch in der allgemeinen Beurteilung desselben Menschei, zu seinen Lebzeiten und — wenigstens die erste Zeit — nach seinem Tode, aber er hütete sich, derartiges auszu-

schwere Erkrankung vor Schlimmerem bewahrt hatte? Wie kamen sie dazu, ihm das vom Schicksal geschenkte Leben zu mißgönnen? — Bittere Wut sammelte sich in ihm, entlud sich aber nicht, wie früher, in heftigen Protesten, fonbern wandelte fick über einem schwachem Versuch zum Widerstand in stumme, beinahe siham- ersüllte Verzweiflung, die ihm den Rest von eicber- heit nahm. Ungewohnt zu formulieren, fand er fein überzeugendes Wort zu feiner Rechtfertigung, erkannte dagegen bald, daß jedes Wort unnütz war, weil man ihn selbst als unnütz ansah, 'als im umgekehrten Sinne überzählig.

Und so begab er sich, jäh zermürbt und hilflos, in sein Schicksal. Nein, es hatte ihn nicht ausgezeichnet, bloß gezeichnet hatte es ihn. Es war mit ihm vorbei. Tie Neigung zum Alkohol, der kaum Erleichterung brachte, wuchs in gleichem Matze wie die Abneigung gegen Dienst und Tätigkeit schlechthin; toohlmetnenbe Ratschläge, ben Abschied zu nehmen, lehnte er schloss ab. Aeutzerlich veränderte er sich wie ein zu schnell Alternder: das Gesicht wurde fahl, die Augen voll dumpscr llufuhe, Bewegungen und Handlungen fahrig. Nachts weckten ihn unbekannte, doch vertraute Stimmen aus schweren Träumen zu ratlosem Grü­beln über das Warum unb Wieso, sichtlich, unaushalt- fam verfiel er, glitt in rasch abfteigenber Linie dort­hin, wo ihn seine achtundvierzig Kameraden, nickt weniger anspruchsvoll als die Lebenden, schon lange erwarteten.

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