Sette 2 — 1. Beilage
Kasseler Reueste Rochn'chfen
Sonnabend, I7./Smndafl, 18. Dezemiee 1888 1
Bor Kasseler Gerichten
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Durchschnitts» otiernngeu int RtetnSttnbel vom 17. Dezbr.
Pfund: Weitzkobl 5—8, Wirsingkohl 6—10, Rotkohl 5—10, ünkohl 10—15. Rosenkohl 90—95, Schwarzwurzeln 18—25,
schäften auf.
Film der Unfälle
will, und die die ganze Welt in einem
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Friseur Völker
Markigaase 1? Sperialge-dijft für Dauer, weifen
Oer nette Herr
Else ist heute spinnefeind mit ihrer Freundin. Eigentlich ist das etwas töricht, aber man wird es verstehen können, wenn man weiß, was sich in dieser Gerichtsverhandlung alles begeben hat. Else saß da neben zwei Männern auf der Anklagebank, teils als Angeklagte, mehr aber als betrogene Anklägerin.
Also: Else war bereits in das Alter eingetreten, von dem ab nach einer gewissen Fabel die Frauen wieder rückwärts zu zählen beginnen sollen. Else hatte, wie sie selbst sagte, seit langer Zeit „leinen Herrn", sondern ging ihren Weg allein. Ta sand sich eines Tages die Freundin bei ihr ein. Zwar nicht mit den gleichen Worten, aber doch sinngemäß machte sie Else das klar, was der liebe Gott einstmals dem Adam im Paradies gesagt hat, daß es nämlich nicht gut tue, wenn der Mensch immer allein sei. Die Freundin wußte „einen sehrss netten Herrn" für Else — und nach einigem Zieren wurde die Bekanntschaft mit besagtem netten Herrn auch perfekt.
Dieser „nette Herr" hatte kehr große Rosinen im Kops und bereits nach zwei Zagen war es ausgemachte Sache, daß Else sich vor dem Standesamt seiner für immer versichern sollte. Die Familie nahm Elses künftigen Gatten mit all der Befriedigung auf, die ein so spät auftauchender Schwiegersohn immer auslösen wird. Nur ein paar Tage dauerte es, da war Robert bei ihren Eltern wie zu Hause. Er ließ sich respektabel herausfuttern und wußte auch sonst unter den verschiedensten Vorwänden fortlaufend Bargeld von Else und den Ihren zu erlangen. Und auch im Geschäft half er der Else, allerdings nur zu dem Zweck, um sich selbst aus der Ladenkasse bezahlt zu machen. Elses Umsätze waren an sich recht zufriedenstellend, aber dank der „Mitarbeit" des netten Herrn sanken die Einnahmen immer mehr. Er stahl nämlich wie ein Rabe. Und nicht genug damit, unterschlug er auch noch Beträge, die Else oder deren Mutter ihm zur Bezahlung von Rechnungen übergeben hatten.
Wenn Else oder eines ihrer Familienmitglieder den.Robert endgültig aus die Heirat festlegen wollte, schob er den Termin immer wieder hinaus. Sein Haupttrick war, daß er bauen wollte. Angeblich verfügte er über ausreichende Hypotheken und als Generalvertreter einer Bausparkasse hätte er — nach seinen Erzählungen — begründete Aussicht, bevorzugt behandelt zu werden. Die Baupläne nahmen die Familie immer wieder für den netten Herrn gefangen, obschon seine dauernden „momentanen Verlegenheiten", das geheimnisvolle Verschwinden der Geld-, betrüge aus der Ladenkaffe und die Nichtrückzahlung der erhaltenen Darlehen hier und da Mißtrauen er-
Geschaste mit -er Noi
Der Unfug um eine „Erwerbsmappe*
Wenn es eines Beweises für die Arbeitswilligkeit des deutschen Volkes bedarf, dann soll man eine Statistik darüber aufmachen, welchen Erfolg diejenigen Zeitungsinserate haben, in denen „lohnende Nebenbeschäftigung" oder „leichter müheloser Verdienst durch Heimarbeit" angekündigt wird. Wie mancher Groschen, der im Etat des Magenbedarfs dringend für nahrhafte Dinge gebraucht wird, wandert den Weg zur Post um ffch dort in Briefmarken umzusetzen! Unter zahlreichen reellen Angeboten laufen aber auch manche tauben Nüsse unter.
Da kündigt ein süddeutscher Verlag als Stein des Weisen gegen Arbeits- und Einkommenslosigkeit eine „Erwerbsmappe" an. „Verlangen Sie kostenlos unsere Prospekte!" heißt es in der Anzeige. Der Erwerbslose, der mir diese Geschichte erzählt, läßt sich den Prospekt auch kommen. „Wir sind das größte Unternehmen dieser Art und Tausende von Anerkennungsschreiben verbürgen den Erfolg" schreit es aus dem Prospekt. Nun. denkt der Erwerbslose, alles in der Welt kann ja nicht Schwindel sein, lassen wir uns also die „Erwerbsmappe" mal schicken. Der durch Nachnahme zur ErheLung kommende Preis von 8 M zuzüglich 45 Pfennig Porto schreckt zwar zuerst noch, schließlich überwindet man auch die Hemmungen. Dann kommt die „Erwerbsmappe". Ein halbes Kilo Papier, „Erfolgsbroschüren" und „Anlagen".
Hoffnungsvoll entblättert der Erwerblose die Mappe. Die ersten Blätter legt er schon etwas enttäuscht beiseite: um Verficherunasagent zu werden braucht er keinen Verlag in Süddeutschland keine' „Erwerbsmappe" für 5 M. Dann kommt aber die „Heimarbeit". Mehr als ein halbes Dutzend Anlagen belehren darüber, wie man es nach Meinung des Verlages machen kann.
Da sollst Du bestimmte Zeitungsinserate ein schicken, die ffch mit Versicherungsfragen beschäftigen. Beileibe nicht jede Verficherungsanzeige, I sondern es ist genau voraeicbrieben, wie sie beschaffen sein soll. Wenn Du sie einschickst und sie Gnade finbet vor den Auaen des Verlages, bekommst Du 5 Reichs- pfennige dafür. Bedingung ist aber, daß Du die ganze Zeitungsanzeige einschickst. Wenn die Anzeige also nicht in Deinem Leib- und Magenblatt stebt. mußt Du Dir die betreffende Nummer kaufen. Mindestpreis
geklagter, der dem netten Herrn die Geräte für den verbotenen Eingriff zur Verfügung gestellt hatte, wurde sreigesprochen, da man ihm glauben mußte, daß er nicht gewußt habe, was gespielt werden sollte.
Wundert es jemand, daß Else mit ihrer Freundin, die ihr den „netten Herrn" zugesührt hat, heilte spinnefeind ist?
Haus stark beschädigt. Zur Nachprüfung der Verkehrssicherheit wurde das Fahrzeug von der Polizei sicher- gestellt.
Stotzkarren- und Handwagendiebstähle. Arn 2. Dezember d. I. wurde ein stark abgenutzter und schon vielfach ausgebesserter Stotzkarren vor dem Hause Ständeplatz 15 entwendet. Am folgenden Tage vermitzte ein Marklhändler seinen Handleiierwagen, den er während des Wochenmarktes in der Turmgasse abgestellt hatte. Am selben Tage wurde ebenfalls in der Turmgasse noch ein Sprossen-Handwagen gestohlen. Dieser Wagen ist an einem neuen Deichselgriff und an einer neueingesetzten Sprosse zu erkennen. Er war nicht gestrichen, sondern leicht geölt. Ferner wurde am 8. Dezember d. I. ein gelbgestrichener Metz- ger-Stotzkarren entwendet, der in einem unverschlossenen Schuppen auf dem Grundstück Holländische Straße Nr. 92 untergestellt war, und schließlich ist am 13. Dezember d. I. noch ein in der Poststraße abgrstellter Stoßkarren abhanden gekommen, der an den Seiten- und Kopfbrettern die Telefon-Nummer 5181 trug. Wer kann Angaben über die gestohlenen Handwagen und Stotzkarren machen? Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei auf Zimmer 73 des Polizeipräsidiums entgegen. i
ehrlichem Herzen. Man spielt so gern ein wenig Komödie, um den anderen die Illusionen zu erhalten.
Ja, wir leben in der Zeit der Ueberraschungen. Selbst der Wochenmarkt schließt sich hierbei nicht aus. Zu jedem Markttag vor dem Fest überrascht er uns von neuem durch das fröhliche Hinaufklettern aller Preise, obwohl auch dies eine immer wiederkehrende Tatsache ist, an die die Hausfrauen längst gewöhnt sind. Aber lleberraschung muß sein, dazu sind festliche Gelegeicheit und vor allem das Christfest auf der Welt.
Zur Unterstützung der Kasseler Winterhilfe sind Eutscheinblocks ausgegeben worden, in die die Spender beim Einkauf für den eigenen Bedarf Waren eintragen und sofort bezahlen können. Die ausgefüllten Gutscheine werden der Geschäftsstelle der Winterhilfe zugeführt, die sie an die Bedürftigen verteilt. Um recht rege Beteiligung an diesen Einzeichnungen wird wiederholt gebeten. Die Blocks liegen in den durch besondere Plakate kenntlich gemachten Ee-
Die hoffnungsseligen Optimisten tippten auf Schnee, dieweil es allmählich an der Zeit ist, daß die Erde ihren traditionellen weißen Weihnachtspelz überstreift. Statt dessen gab es brauende Nebelschwaden, die die Straßen zum weinen oder schwitzen brachten, je nachdem, wie man das feuchte Gerinsel benennen
EIN POSTEN ■ ■
DEUTSCHER TE DDIrU E QUALITÄTS- I CrrlviiC
weckt hatten. „Da er ja der Schwiegersohn werden soll", ließ sich die Schwiegermutter gegenüber den innerhalb der Familie auslauchenden Bedenken vernehmen, „darf man es nicht so genau nehmen!"
Eines Tages — das Idyll dauerte bereits mehrere Monate — fiel Else aber aus allen Himmeln. Robert wurde nämlich eher Vater als Ehemann. Ein Umstand, mit dem Else sich nach eingehender Unterhaltung mit ihrer Schwester abgefunden hatte, der ihm aber nicht in den Kram paßte, denn er wutzte Else dazu zu bringen, daß sie sich einen Eingriff im Sinne des § 218 gefallen ließ. Else wurde auf den Tod krank und konnte sozusagen noch in letzter Minute gerettet werden. Zugleich wurde sie aber gewahr. daß der nette Herr nichts anderes als ein ganz abgefeimter Heiratsschwindler war, ein Mann, der schon 12 Jahre verheiratet und Vater von vier Kindern war. Das Idyll nahm ein rasches Ende. Aus dem Verfahren, das wegen des Verbrechens gegen § 218 eröffnet wurde, erwuchs dann auch der Prozeß gegen Robert, der jetzt so ziemlich zum Gegenteil eines netten Herrn geworden war.
Vor dem Schöffengericht sah man sich wieder. Else tief geknickt, nach ihren Angaben für immer mit den Männern fertig, der „nette Herr" dreist leugnend und sich als das Unschuldslämmchen hinstellend. Die Darstellung der Details sei uns geschenkt. Gesagt sei nur, daß selten frecher und raffinierter geschwindelt, betrogen und gestohlen worden ist, als es der Angeklagte gemacht hat. Es sei aber auch vermerkt, daß einem Betrüger das Handwerk selten so erleichtert worden, wie diesem „netten Herrn" durch Elses und ihrer Familie — sagen wir schonend — Vertrauens
Der Herr Doktor. Herr Diplomkaufmann August Degenhardt,, als „Schloßherr" vom Park Schönfeld weit bekannt, hat gestern an der wirtschafts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität mit „gut" zum Dr. rer. pol. promoviert. Wir gratulieren herzlich!
Erster Gottesdienst nach der Erneuerung der Marttnskirche. Um eine Ueberfüttung der Kirche zu vermeiden, sind an die Gemeindeglieder und an die geladenen Gäste sowohl für den Gottesdienst um 10 Uhr wte für den Gottesdienst um 17 Uhr unentgeltlich Karten ausgegeben. Ohne Karte ist ein Besuch unmöglich. Es konnten natürlich nur soviel Karten aus- gegeben werden, als Raum und Plätze vorhanden sind. Wer am Sonntag, den 18. Dezember, nicht teil- nehmen kann, wird sicher an einem der Weihnachtstage Gelegenheit- finden, einen Gottesdienst in der neu hergerichteten Kirche müzufetern.
Anläßlich der Wiedereröffnung der St. Martius- ttrche veranstaltet der Kirchenchor St. Martin am Sonntag, 20 Uhr, ein Kirchenkonzert unter Mitwirkung der Konzertsängerin Mirni Engelmohr (Sopran), Hellmuth von Dirinashofen (Tenor), Kammersänger Hans Wuzel (Baß), Ludwig Baier (Violine), Katha- Jt?Sme8,Jeembal0)- Kirchenmusikdirektor Hein- ttdj Moller (Orgel) und des Philharmonischen Orchc- sters Zur Aufführung gelangt, außer Werken von Froberger, Haßler, Orlandus de Lassus, Schütz, Schlick, Kniller, die Bach - Kantate „Nun komm der Heiden Heiland .Die musikalische Leitung liegt in den Hän- den von Mustklehrer Willi Dallmann.
seligkett.
Die große Strafkammer hatte für den netten Herrn nicht die gleichen Sympathien, wie sie Else einstmals gehabt hatte, allerdings auch nicht den Groll, mit dem Else und die Ihren heute dem 36jähr. Robert Sch. gegenüberstehen. Wegen fortgesetzten Betrugs, Diebstahls und Unterschlagung erkannte das Gericht — unter Berücksichtigung recht erheblicher Vorstrafen wegen gleichartiger Vergehen — auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis gegen ihn und ließ ihn wegen der Höhe der Strafe sofort zur Untersuchungshaft bringen, zumal er ein Reststrafe „auf Bewährungsfrist" hat. Else erhielt wegen der § 218-Geschichte anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat 90 Mark Geldstrafe. Em dritter An-
Nrünkohl *iv—!•> »nwcnivm av—au, io—au.
Rote Rüben 8—10. Zwiebeln 8—12, Mohren 8—10, Spinat 20—25, Nühchen 80—120. Sellerie 15—20, Porree 15—20, Meerrettich 35—10, Unterkohlrabi 8—10. Stück: Blumenkohl 30—70, Salat auM. 30—32, Endwien 15—20. Pfund: Kartoffeln 3, Bananen 25—30, Aepfel I 20—25, II 10—18, Weintrauben 86—50, Zwetschenmus 40—90. Birnennrus 25 bis 30, Walnüsse 35—15. Haselnüsse 35—40, Molkereibutter 135—145, Landvutter 110—120/ Kochkäse 35—45, Kasematte 25—80. — Stück: Zitronen 4—8, Apfelsinen 5—10, Hühnereier inl. 13—15, auäl. 10—11, Enteneier 12—13, Taube 50 bis 80. Pfund: Hasen tat Fell 48—55, Reh im Fell 48—52, Rehkeule-Rücken 90—100, Rehblatt 70—75. Rehkochwild 40 bis 50. Gänse 65—80. Enten 70—96. Hühner 65—75, Hahnen 70—80, Rindfleisch 60—70. Kalbfleisch 55—65, Hammelfleisch 80—75, Schweinefleisch 80—75. Sveck mag. ser. 85—95, -Loeck fetter ser. 75—80. Zervelatwurst 120—140, Lebermurft 70 bis 80, Blutwurst 60—70, Schmalz 80—85, Ziegenfleisch 80 bis 35, Schellfisch 85—40. Kabeljau SO—35, Seelachs 25—30, Goldbarsch 82—3». Fluhp-cht 90—100. Barbe 45—60. Weißfische 30—35, grüne Heringe 20—22.
10 Pfennig — Du legst also 5 Pfennige zu. „Nutzbringende Heimarbeit"?
Dann kannst Du Adressen schreibe», und zwar neue Adressen aus dem Versicherungswesen. Was im Adreßbuch steht, interessiert den Verlag nicht, das kennt er. Fein säuberlich ist der Vororuck: fast ein Steckbrief gegen den, dessen Adresse Du dem Verlag melden sollst. 2n einer Stadt wie Kassel, in der Du im Laufe eines Jahres vielleicht 200 Adressen — natürlich mit der notwendigen Lauferei und Fragerei —■ feststellen kannst, bekommst Du für jede Adresse das fürstliche Honorar von 2 Pfennigen! Dabei mußt Du die Adressenkarten noch von dem Verleger der „Erwerbs- mappe" käuflich erwerben!
Du kannst dann noch — aber lassen wir das doch. Was Du sonst noch kannst mit Deiner „Erwerbsmappe" ist dasselbe, wie die beiden vorstehenden Beispiele. Was Du aber bestimmt tust, ist das, was mein Gewährsmann auch getan hat: ihnärgerndieS^, die er für die ..Erwerbsmappe" bezahlt hat.
Und er hat Recht sich zu ärgern, denn diese „Erwerbsmappe" ist eine Angelegenheit, die den Staatsanwalt interessieren müßte. Denn: selbst wenn auf Grund der „Erwerbsmavve" ein Verdienst zu erzielen wäre, dann doch nur bann, wenn die in ihr enthaltenen Arbeitsvorschläge in einer Stadt wie Kassel nur einer bestimmt begrenzten Zahl von Personen gemacht würden. Da aber feder die „Erwerbsmappe" kaufen kann, sind die Vorschläge wertlos für den Erwerbslosen. nicht aber für den Verleger, der die 5 Jt in der Tasche hat, ehe der Empfänger der Mappe seine Enttäuschung erlebt.
Wer sich für die „Erwerbsmappe" näher interessiert, kann von uns die Adresse des süddeutschen Verlags erfahren...
„Jeder Baptist em Missionar!"
Ein Film von der Werkstatt evangelischen Glawbens- schafsens in Kassel.
Als Johann Gerhard Onken, der Vater der beut* Ichen Baptisten, vor nahezu 100 Jahren bei einem Besuch seiner Glaubenssreunde in England gefragt wurde, wieviel Missionare die deutschen Baptisten denn hätten, da antwortete er aus tiefster Ueberzeu- gung: „7000! In Deutschland ist jeder Baptist ein Missionar".
Dieser Ausspruch Onkens ist zum geflügelten Wort geworden und noch heute setzt jedes Mitglied der großen Baptistengemeinde alle Kräfte ein, Missionar für Pas Evangelium und feine ewigen Wahrheiten zu sein. Werkzeug für diese stille und uneigennützige Arbeit liefert ihm das Hans in der Jägerstratze zu Kassel, das von den aKsselanern kaum beachtet, von vielen Besuchern Kassels — vornehmlich auch Ausländern — voll Interesse ausgesucht, in feinen Räumen die weltbekannte Firma I. G. Onken Nachfolger G. m. b. H. beherbergt, das Verlagshaus der deutschen Baptisten.
Von dieser Werkstatt für das Rüstzeug evangelischer Glaubenstreue und glaubensstarkem Bekennermutes erzählt uns der Film, den Photograph Earl Eberch (Manuskript und Aufnahme Eduard Schulz-Keffel) im Auftrag des Verlagshauses gedreht hat und der am Freitag abend in der Kapelle der Baptisten in der A^nchebergstraße vor geladenem Publikum seine Uraufführung erlebte. Geschäftsführer E. Schröder begrüßte die große Zahl der Gäste, hieß besonders die Vertreter der Stadt, hiesige und auswärtige Geschäfts- freunbe und die Angehörigen des Verlagshauses willkommen und gedachte der Veteranen der Arbeit für das Evangelium und des langjährigen Leiters Wilh. Haups. In großen Zügen umritz er Werden und Wachsen des Werkes Onkens, der, ursprünglich Vertreter der schottischen Bibelgesellschaft, fein Haus in Hamburg bald auch als Verlagsbuchhandlung ausbaute. Einen Wendepunkt im Leben des anfblühen- den Unternehmens brachte das Jahr 1878, in dem Philipp Bickel erster Geschäftsführer wurde. Im Jahre 1899 erfjolgte die Verlegung nach Kassel, wo Benjamin Schmidt und Wilhelm Haupt 27 Jahre lang die vorwärts und auswärts strebenden Leiter waren. Hier wurden neben den eigenen Verlagswerken immer mehr Arbeiten für das freie Wirtschaftsleben übernommen.
Einige Zahlen sollen die Intensität der Arbeit kennzeichnen, die hier geleistet wird. 9 eigene Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 250000 Stück werden herausgegeben, alljährlich erscheinen zwei Kalender jeder in einer Auflage von 140—150 000 Stück und „Singvögelein", das Blatt der evangelischen Sonntagsschuleu, wird mit 550 000 Exemplaren versandt. Der Umsatz der Buchhandlung tst befriedigend und in diesem Jahr wird der Verlag auch auf der Kasseler Weihnachtsmesse vertreten fein.
Schriftleiter Flügge schilderte in anschaulichen Bildern die Größe und den Umfang des Verlagshauses, das insgesamt 100 Personen beschäftigt und jeden Monat die stattliche Summe von A)000 Mark für Löhne und Gehälter verausgabt. Dann führte der Film die aufmerksamen Zuhörer durch das große Werk, das in nahezu lOOjähriger Arbeit entstanden. In einer Fülle interessanter Bilder erlebt der Besucher des Hauses das Wirken evangelischer Glaubenskräfte, gewinnt einen tiefen eindrucksvollen Einblick in den umfangreichen Geschäftsbetrieb und wird über das Verbreitungsgebiet deutschen Schrifttums orien- tiertMber auch die,.Schönheiten.ber Stadt Kassel und ihrer Umgebung werden lebendig und vertiefen den Eindruck, den das Haus in der Jägerstratze erweckt.
Fritz R au -Steglitz, der Konzert-Organist der Capitol-Lichtspiele, schrieb zu dem Film eine ansprechende Begleitmusik, die bte Wirkung wesentlich beeinflußt. Er gab auch mit Vor- und Nachspiel dem Abend einen besonderen Rahmen. Der gemischte Chor der Baptistengemeinde unter Leitung seines Chormeisters Faktor Zimbel erfreute durch den Vortrag mehrerer Chöre. Schriftleiter Schmidt betonte in seinem Schlußwort, daß die Fa. I. G. Onken Nachf, das Verlagshauas der deutschen Baptisten, den Namen der Stadt Kassel hinaustrage in die Welt, wie kaum eine andere und daß nun auch der Film lebendig für Kassel werbe. Die Arbeit der deutschen Baptisten und ihres Verlags trage wesentlich zur Vertiefung des evangelischen Gedankens bei und das Haus in der Jägerstraße sei eine gute Waffe für Deutschtum und Evan- gflium im Kampf gegen die aufwachsende Gottlosenbewegung.
Der Film fand allgemeinen Anklang und dürfte auch über die Gemeinde der Baptisten hinaus in aller Welt der Stadt Kassel neue Freunde gewinnen.
„Jeder Baptist ein Missionar!" Auch dieser Film wird Missionar fein.
Allerlei vom Tage
Märchenoorstellung im Staatlichen Theater. Für die am Sonntag um 15 Uhr stattfindende Vorstellung des Weihnachtsmärchens „Peterchens Mondfahrt" sind Karten erhältlich. Ferner finden am Dienstag und Freitag um 14% Uhr Märchenvorstellungen statt. Sonntag, 19% Uhr (D11) „Königskinder" Märchenoper von Engelbert Humperdinck, in der Neuinszenierung von Dr. Fritz Schröder unb unter musikalischer Leitung von Wilhelm Franz Neuß. In den Hauptpartien: Sofie Brandftärter, 811fr eb Borchardt und Kammersänger Fritz Fitzau. — Montag (511) und Donnerstag (C12) 20 Uhr, außerdem Schülerkarten, die Weihnachtskomödie „Heirng'funden" von Anzengruber mit Marta Hartmann als Gast. — Dienstag (B11) die heitere Oper „Doktor unb Apotheker" von Dittersdorf. — Mittwoch (E12) ,/Der Freischütz".
Sonnabend (A11) und Dienstag (B11) 20 Uhr die komische Oper „Doktor unb Apotheker" von Dittersdorf.
Ladenschluß am Heiligen Abend. Nach dem Gesetz über den Ladenschluß am 24. Dezember vom 13. Dezember 1929 (Reichsgesetzblatt Teil I S. 219) dürfen offene Verkaufsstellen am 24. Dezember nur bis 17 Uhr, Verkaufsstellen, die ausschlietzlich ober überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen verkaufen, bis 18 Uhr geöffnet sein. Die beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden. Gleichzeitig wird daraus hinge- wtesen, daß nach § 7 der Polizeiverordnung über den äußeren Schutz der Sonn- unb Feiertage vom 23. No- vomber 1931 (Gesetzsammlung S. 249) am Vorabend des Weihnachtssestes (24. Dezember) alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen verboten sind, sofern bei ihnen nicht der ernste Charakter gewahrt wird.
Gefaßte Einbrecher. Die Kriminalpolizei nahm zwei jugendliche Kaffeier Einbrecher fest, die vor einiger Zeit in Wiesbaden einen Wohnungseinbruch ausgeführt hatten. Die gestohlenen Sachen konnten zum größten Teil wieder herbeigeschafft werden.
Auto rollt ins Schaufenster. In der abschüssigen Wilhelmstraße lockerten sich an einem dort abgestellten PKW. die Bremsen, wodurch der Wagen ins Rollen kam und quer über den Bürgersteig gegen das Haus Nr. 8 stieß. Dabei wurden die linke Schausenster- scheihe des Stahlwarengeschäft P. zertrümmert, ein Schaukasten abgeriffen und die Holzbekleidung am
Ein Zusammenstoß zwischen einem die Orle- ansstmße herunterkommenden Reichsbahnlieferauto und einem den Grünen Weg entlang fahrenden auswärtigen Bäckerwagen ereignete sich Freitag abend kurz vor 7 Uhr. Zwar tarnen die Personen beider Vehikel mit dem Schrecken davon, doch erlitt das Pferd des Bäckereifuhrwerkes klaffende Kopfverletzungen, die von der herbeigeeUten Feuerwache Mauerstraße ausgewaschen wurden.
Eine folgenschwere Verwechselung passierte gestern einem 66jährigen Invaliden in einem Hause der Holländischen Straße, der beim Einkassieren von Zeitungsgeldern die Haustür mit der Kellertür verwechselte und dadurch die dunkle Keler- treppe hinab stürzte. Der Bedauernswerte, erlitt einen linksseitigen Beckenbruch und muhte durch die Sanitätshauptwache in das Marienkrankenhaus eingeliefert werden.
Beim „wilden" Fußballspiel verunglücktem Oberzwehren ein 9jähriger Knabe dadurch schwer, daß er auf einen frischen Maulwurfshaufen trat dabei zu Fall kam und einen Bruch des Oberschenkels erlitt. Die Arbeitersamariterkolonne schaffte den Kleinen in bas Landeskrankenhaus.
Dampfraum verwandelten. Und bann fuhrwerkte der Winter zur Abwechslung wieder mit ein paar Kältegraden dazwischen, so daß alle Schneehoffnungen zwar nicht zu Wasser, aber zu schönem festen Eis wurden. Das Jungvolk klappert mit den Stahlrössern und gleitet in mehr ober weniger elegantem Bogen über die Eisfläche. Das gesetztere Alter friert an Nase, Hände und Füße, schneuzt aller Augenblicke die Schnupfennase und räuspert sich an dem halb Dutzend Fröschen, die in der Kehle sitzen, in Wut oder stiller Ergebenheit.
Ansonsten ist die Welt voll Heimlichkeit und Heber» raschungssucht. Vadder bekommt das vierte „Nur ein Vielteistündchenkissen", er weiß es schon elf Monate vorher, aber er läßt sich staunend überraschen. Auch der traditionelle Weihnachtsschlips erweckt immer wieder stürmisches Ueberraschungsgetöse — wehe, wenn er auf dem Weihnachtstisch fehlen würde, wo bliebe da die lleberraschung? Mutter kriegt die obligate Handtasche, zu keiner Zeit werden mehr Handtaschen geschenkt als zum Christfest. Sie rechnet damit so fest, wie mit ihrem regelmäßigen Wirtschaftsetat, nichtsdestotrotz, der Ueberraschungsjuchzer kommt aus
Besser spät als niemals.
„Ter en«tische Dichter Bernbar» Shaw, »eßen witzige und Storno di en and) viele öeutsrüen
! «esüchrt haben überraschte, di- Welt vrn kurzem mtt »er trotz seiner 76 Jahre noch Unterricht in nähme. Jetzt kommt aus England dieNachrichi.dak; der 1856 geborene Dichter soeben noch °°° <n6L »'und (also ES mag für manchen Leser schwer verständlich sein, baß die auch in Deutschland vorgckommen. Lo hat z B Hinden- Leffentltchkeit sö gut wie J?01 /ZT ttad) dem Weltkriege sein Leben vernchert, also etwa in dem gleichen Alter wie Shaw Im allgemeinen fuhren die r'cbcnsverficherungs-Gefellschaften cS1 i,e Jahresbeiträge für ein „Ein- HAUn5 -rahren: jedoch bestehen in
Deutschland auch zahlreiche Lebensvcrnchcrungen, die im Alter von 66 Sayren und in noch höherem Alter abaeicbto!- 'nJken'snTt” ~?r ;ÄC, Allgemeinheit interessanteste Sr- gebms der Alters-stamtik ift jedoch dieses: i n D e u t s ch- land sind mehrere Millionen &ä,n«er und Frauen lebensverfjchert welch,A«s 40. L « bensjahr bereits überschritten hat- t. als sie öieLebensver sich e r u n g ab -
i i« Ta-g Bedenken mancher Familienväter, Sporen find, daß sie ..für eine Lebensver- Mung schon ,u alt leien". i,t also durch bas Beispiel von Millionen Mannern und Frauen widerlegt