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-Mr. 295 / Zweivnvrwanzigfier Jahrgang

MMer Meaefft RaArkAh«

Freitag, 16 Dezember 1932 z 2 Veikage

Aus aller Well

Mit einer Million geflüchtet

Berlin, 16. Dezember.

Nachdem int April d. 5. die Signalbau A.-E. Dr. Huth zusammengebrochen war, wurde von der Staatsanwaltschaft I gegen den Inhaber der Aktien­majorität und Direktor der Gesellschaft, Dr. Erich Franz Huth, ein Verfahren wegen Konkursvergehens und handelsrechtlicher Untreue eingeleitet. Auch die Aufsichtsratsvorsitzende der Aktiengesellschaft, Frau Erika Neuner, wurde in das Verfahren verwickelt. Wie jetzt festgestellt mürbe, hat Frau Neuner Beträge von insgesamt einer Million Mark aus dem Unter­nehmen herausgenommen und ist schließlich nach der Schweiz geflüchtet. Man vermutet, daß Frau Neuner diese von ihr entnommene Million bereits vorher nach der Schweiz überwiesen hat. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Frau Neuner Steckbrief erlassen.

Feuergefecht mit Schmugglern

Düsseldorf, 16. Dezember.

Zwischen Schmugglern, die wiederum einen gepan­zerten Kraftwagen benutzten, und Zollbeamten kam es bei Nacht bei der Himmelsgeister Rheinfähre zu einem heftigen Feuergefecht, wobei ein Zollbeamter schwer verletzt wurde.

. Beamte der Düsseldorfer Zollfahndungsstelle hatten tn Erfahrung gebracht, daß in der Nacht über die Him­melsgeister Rheinfähre Schmuggelwaren gebracht wer­den sollten. Sie legten sich auf dem rechten Rheinufer auf die Lauer. Gegen 3 Uhr nachts hörten sie daß mehrere Autos auf dem anderen Ufer fuhren.' Auf der Fähre, die den Rhein überquerte, befand sich ein Lreferwagen und ein Motorrad. Die Insassen hielten auf das Haltesignal der Erenzbeamten nicht an, son­dern durchbrachen die Sperrkette. Die Beamten wur­den aus dem Lieferwagen und von dem Motorrad aus beschossen.^ Dabei wurde der Zollpraktikant Schneider, dem es kürzlich pelanq. nach einem erbitterten Kampf den bekannten Eroßschmuggler Szymanski festzuneh- me», durch einen Oberschenkelschuß schwer verwundet.

Von den anderen Beamten wurde die Verfolgung der Schmuggler, die ein rasendes Tempo vorlegten, mit einem Dienstwagen und einem Motorrad aus­genommen. Sie entdeckten die Schmuggler bei dem Gaswerk Haan, wo die Schmuggler damit beschäftigt waren, den defekt gewordenen Kühler ihres Autos zu reparieren. Es gelang den Schmugglern, in der Dun­kelheit zu entkommen. Bei dem benutzten Schmuggler- "uto handelt es sich wiederum um einen gepanzerten ,">imler-Wagen. dessen beschlagnahmter Inhalt aus zehn Zentnern Tabak und 50 000 Zigaretten bestand.

Heldenhafte Muiier

rettet 9 Kinder aus dem brennenden Haus

Kempten, 16. Dezember.

Sn Sommersried im Allgäu entstand um Mitter­nacht durch Brandstiftung im Anwesen des Landwirts Joseph Gut Grotzfeuer, das sich von der Tenne aus mit rasender Schnelligkeit, genährt vom Winde, über alle Gebäullchkeiten und das Wohnhaus verbrei­tete. Als die Inwohner des Anwesens aus dem Schlaf gerissen wurden, züngelten bereits die- Flammen in die Schlafräume. Von ihrem Mann, der durch das Unglück fassungslos geworden war, unterstützt, brachte Frau Gut nacheinander ihre neun Kinder, angefangen vom Kleinsten bis zum Halberwachsenen, über die Treppen hinab in die rettende Freiheit. Nachdem sie ihr letztes Kind geborgen hatte, mußte die tapfere Frau, um in den Flammen nicht umzukommen, aus beträchtlicher Höhe in den Hof springen, wobei sie eine schwere Fußverletzung davontrug. Hinter ihr stürzte krachend, einen gewaltigen Funkenregen verbreitend, der Dachstuhl des Hauses zusammen und durchschlug das Gebäude. Das Vieh war von Nachbarn aus dem Stall getrieben worden. Alles übrige wurde ein Raub der Flammen.

Londons Opernhaus muß einer Markthalle welchen

Das Gebäude der Londoner Oper in Covent Garden wird jetzt niederge­rissen, um dem Neubau einer moder­nen Markthalle Platz zu machen. Ta mit verliert London eine weltbe rühmte Kunststätte, an der die ge feiertsten Künstler der Welt alljährlich vor einem eleganten Publikum auf traten und Triumphe feierten.

wenn sie ein ungeheurer Kessel wäre, so behandelt dort Prinz Ginori Conti die Erde!

Es war leicht genug, Bohrlöcher zu bohren und , entsprechende Quellen für Niederdruck wie für Hochdruck anzuzapfen; aber dann kam die Schwie­rigkeit. Die Ingenieure hatten mit Schwefel, Bor­säure und Kohlensäure zu tun, lauter Stoffen, deren aufreffende und ätzende Eigenschaft Maschinen und Leitungen dauernd beschädigte. Zuerst nahm man Kupferrohr, dann mußte man Aluminium für die Leitungen benützen. Indessen, beute gewinnt man bereits 12 000 Kilowatt Vulkan-Energie. Prinz Konti gibt aber offen zu, daß noch viele Schwierig­keiten zu überwinden sind.

Auch an einer anderen Stelle der Welt, in Kali­fornien, hat man die Erdwärme mit Erfolg als Energiequelle angezapst. Dort benützt man aber Geiser, aus deren Dämpfen die ansreffenden Be­standteile leichter zu entfernen sind. Der Distrikt Sonoma, der jene Kraftgewinnungsquelle umgibt, wird von dort bereits mit 11000 Kilowatt Energie beliefert. E. D.

Hielte CUeo*uk

Spure« des Bankdirektors Schäfer. Wie die Justiz­pressestelle in Düsseldorf mitteilt, sind in Thüringen zwei Koffer des geflüchteten Bankdirektors Schäfer der Düsseldorfer Filiale der DD.-Bank gefunden worden. Während der eine Koffer Kleidung und Wäsche ent­hielt, befanden sich im anderen eine Menge Schrift­stücke. Die Behörden sind damit beschäftigt, festzustellen, stellen inwiefern der Inhalt der Schriftstücke mit den Strafhandlungen des Bankdirektors zusammenhängt.

Zwei Schuß Pulver auf Nowaja Semlja

Schallmessungen 3000 Kilometer vom Sprengplah entfernt

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Der Apparat, der die Schallwellen auszeichnet, heißt Undograph.

Von der Tatsache der durchgeführten Sprengungen auf Nowaja Semlja sind die Potsdamer Schallsorscher bereits fünf Minuten nach der Explosion auf sunken- telegrafischem Wege unterrichtet worden. Erst mehr als drei Stunden nachher konnte' der Schall der Ex- plasionen mit den Apparaten registriert werden. Um die Schallmeffungsversuche auf möglichst breite Grund­lagen zu stellen, hat man übrigens auch auf anderen Stellen des Kontinents Beobachtungsstationen errich­tet. Aehnliche Explosionen erfolgten etwa zu der gleichen Zeit in Holland. Die holländischen Detonatio­nen sind in Jever in Oldenburg durch Professor Dr. Kühl mit Meßgeräten aufgenommen worden. Aeün- liche Meßstationcn registrieren noch an zwanzig ande­ren Stellen Europas die Detonationen von Nowaja Semlja und Holland.

Auf die wissenschaftlichen Einzelheiten dieser in­teressanten Experimente braucht man hier nicht näher einzugehen. Wie notwendig aber gerade solche akusti­schen Forschungen sind, leuchtet auch denen ein, die während des Weltkrieges int tollsten Artillerieseuer

> Potsdam, 16. Dezember.

In der Morgenfrühe des 15. Dezember sind auf der nordruffischen Insel Nowaja Semlja 1000 Kg. Amonal in die Lust gesprengt worden. Kurze Zeit dar­aus erfolgte eine zweite Explosion. Die Sprengun­gen aus Nowaja Semlja waren genau verabredet worden mit den deutschen Akusiiksorschern. die ans dem Potsdamer Telegrafenberg int Interesse der Stratosphärenforschung Schallmeßversuche vornehmen wollten.

Die Entfernung Nowaja Semlja und Potsdam be­trägt reichlich 3000 Kilom. Da sich der Schall mit einer Sekundengeschwindigkeit von 333 Metern fortpflanzt, konnten die deutschen Wissenschaftler genau berechnen, wann die Schallerschütterung sich mit den Meßgerä­ten in Potsdam registrieren ließ. Die Schallsorscher schloffen sich zu diesem Zwecke in einem Laboratorium ein, das gegen irgendwelche Erschütterungen vollstän­dig gesichert war.

Wenn die Versuche praktisch nutzbar gemacht wer­den sollen, müssen sie natürlich mit wissenschaftlicher Genauigkeit durchgeführt werden. Aus diesem Grunde hat man in Potsdam sehr komplizierte Appa­rate aufgebaut, die den Schalldruck, der aus Luft­schwankungen besteht, mit Sicherheit registrieren. Tas Laboratorium, in dem die Gelehrten ihre Messungen durchführen, ist teilweise in den Boden eingelassen.

Der Prozeß gegen die Wiesbadener Aerzti« Dr. Wehner. Vor dem Wiesbadener Schwurgericht begann eine auf drei Tage angesetzte Verhandlung, zum Teil unter Ausschluß der Oesfentlichkeit geführt, gegen die Wiesbadener Frauenärztin Frau Dr. Wehner wegen gewerbsmäßiger Abtreibung. Der Angeklagten wird vorgeworfen, sich in den Jahren 1927 bis 1930 in drei­zehn Fällen gegen den Paragraphen 218 schuldig ge­macht zu haben. Es sind über 20 Zeugen geladen worden. Bei ihrer Vernehmung bezeichnet sich die An­geklagte als unschuldig; sie habe niemals Medikamente verschrieben, die eine Unterbrechung der Schwanger­schaft herbeiführen sollten und außerdem nur dann einen Eingriff vorgenommen, wenn durch ein Attest eines anderen Arztes die Geburt für die Mutter eine schwere Gefahr für. deren Leben bedeutet hätte.

Die Veruntreuungen beim Reichsverband der Luft­fahrt - Industrie vor Gericht. Dor der Großen Straf­kammer des Landgerichts II in Berlin hatte sich der Registrator August Kern wegen Urkundenfälschung und Betrug zum Nachteil des Reichsverbandes der deut­schen Luftfahrtindustrie, der um 109 000 Mark geschä­digt worden ist, zu verantworten. Um seine Einnah­men zu verbessern, hatte Kern an der Börse eifrig spekuliert, aber dabei große Geldverluste erliten. Kern, der in vollem Umfange geständig ist, wurde zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis verurteilt.

Zwei Todesurteile wegen Unterschlagungen von Staatseigentum. Umfangreiche Unterschlagungen, die kürzlich in den Verwaltungen zweier Getreide­elevatoren in der Nähe Moskaus aufgedeckt worden waren, beschäftigten das Moskauer Kreisgericht. Dieb­stahl am Staatseigentum gilt als eines der schlimm­sten Verbrechen und kann auf Grund einer kürzlich erfolgten Verordnung mit Todesstrafe geahndet wer­den. Von den 30 Angeklagten, darunter zwei Direk­toren der Elewatoren sowie einige frühere Getreidc- händler wnrden zwei zum Tode, die übrigen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.

hier die Inspiration zu den Höllenschilderungen der „Göttlichen Komödie" empfing. Aber ein anderer Toskaner bat in diesem Vorhof der Hölle, inmitten von Dampf und Donner, eine ganz andere Vision als der Dichterfürst erblickt und in die Tat umgesetzt.

Heute erheben sich in dem früher so einsamen Höllental Kraftwerke und Maschinenhäuser; dicke Rohrleitungen winden sich allenthalben dahin, ein Gewirr von Drähten und Kabeln erfüllt die Lust und gellende Fabriksirenen, summende Dynamos und puffende Zylinder übertönen das dumpfe, schüt-

die «nerttoüroigen „Zonen des Schweigens" beobachtet haben. Geraöe darüber näheren Aufschluß zu halten, ist mit der Zweck der Sprengungen.

Das wäre ein Weihnachtsgeschenk — die neue Voigtländer „Brillant"! Ist Ihnen die hübsche kleine Kamera, die so ganz anders aussieht als die üblichen Rollfilm-Apparate, in den Photo-Schaufenstern noch nicht ausgefallen? — Brillante Bilder gibt die „Bril­lant", spielend einfach ist sie zu bedienen, und — was heute die Hauptsache ist — man kann sic erschwingen, denn sic kostet noch keine 20 Mark. Lassen Sie sich

Kraftwerk „Hölle"

Die Erdwärme als Energiequelle.

In der italienischen Provinz Toskana liegt ein finsteres, unheimliches Gebirgstal, das noch vor gar nicht langer Zeit von Mensch und Tier ängstlich ge­mieden wurde. Kein Grashalm, keine Blume wächst auf seinem heißen, ewig zitternden und schwankenden Boden. Schwarze, drohende Felsen umringen diese Stätte des Grauens; dumpf grollt und brüllt es aus der Tiefe, und erstickende Dampf­schwaden liegen über der düsteren Landschaft. „Valle dell' Inferno", Höllental, nennen die Toskaner die­sen schaurigen Ort, der recht wohl einen würdigen

Eingang zur Unterwelt darstellen könnte. Es ist mehr als möglich, daß Dante, der ja Toskaner war.

ternde Grollen der unterirdischen Gewalten. Hier , ________ ,

hat der Mensch der Mutter Erde die erste Wunde doch dieses famose Weihnachtsgeschenk einmal ganz geschlagen, um ihr die Lebenskraft abzuzapsen. Wie | unverbindlich beim nächsten Photohändler zeigen!

Zur Verleihung des preußischen Gtaatspreises:

Oie Malergeneration der 30jährigen

H. R. Berlin, 16. Dezember.

Der große Staatspreis der preußischen Akademie der Künste für Maler wurde, wie schon kurz gemel­det, dem berliner Maler Alfred K i tz i g für das Bild­nis eines jungen Mannes verliehen. Das Charakteri­stikum des preisgekrönten Werkes ist eine ungewöhn­

liche sichere Erfahrung des Porträtmäßigen, eine stark wirkende, faubere Farbengebung und eine fast unsicht­bare Pinselführung. Das Handwerksmäßige tritt vor denn Persönlichen in den Vordergrund. Ten gleichen Eindruck empfängt mau von den anderen Bildern Kitzigs, die zusammen mit dem Staatspreis in een Räumen der Akademie ausgestellt sind. Einige Zeich-

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Der Maler Alirrd Kidi«

nnngen, santasiestarke Illustrationen fesseln stärker als die Gemälde.

Einige hundert Bilder hauptsächlich in Berlin le­bender Maler standen zur Auswahl. Die preußische Akademie stellt sie zur öffentlichen Beurteilung. Wenn Ritzig aus dieser großen Schar der Preis zuerkannt wurde, so bleibt der einzig logische Schluß zu ziehen, daß aus dem Mangel an originellen Begabungen voll- eitdete technische Gestaltung eines Motivs der Wert- maßstab sein mutzte. Die Bewerber um den Staats­preis verkörpern die Generation der Dreißigjährigen, I also Gegenwart und nächste Zukunft der deutschen ! Malerei. Sie stammen aus den verschiedensten Mi- I lieus der Landschaft und der Ausbildung. Sie kom- ; men aus den Akademien, Kunstgewerbe- und Hand- I werkerschulen. Viele von ihnen sind Autodidakten, sie | kommen von den Universitäten und aus den Handwcr- । kcrstuben. Aber keiner dieser ganzen Generation hat ; seinen Namen einer weiteren Oesfentlichkeit einge- ! prägt. Die Malerei von heute ist epigonenhaft, wir ! brauchen den Ausbildungsgang der Wettbewerber nicht nachzulesen, wir sehen ihnen an, aus welcher Schule sie stammen. Hofer, Slevogt, Spiegel haben ihnen die Methode des Malens beigebracht, in der sie j stehen blieben. Die Autodidakten sind meistens noch ' die stärksten Talente.

> Von früheren Schülerin der Kasseler Kunstaka­demie sind Arnold Bode, Karl Döbel mit Hans Tühne unter een Bewerbern gewesen. Unter ihnen cheint uns Bose heute die stärkste malerische Potenz. Er fängt an, in Berlin seinen eigenen Stil, eine starke Konzentration ves Motivischen und Farbigen, zu ent­wickeln. Aus der Gefahr einer spielerischen Versla- cbung hat er sich befreit, aber er ist noch nicht am Ziel. Karl Döbel, etwas jünger als Bode, der wie dieser mit 5 Bildern in den Wettbewerb trat, macht eine überraschende und gefährliche Wendung zur Auflö­sung jeder Konzentration und sucht durch Expressionen eine Sicherheit und Originalstadt zu gewinnen, für die noch manche Voraussetzungen fehlen. Es ist leicht, sich auf diesem Gebiet zu verlieren, aber es ist schwer Sie

Grenzen wieder zu finden, die dem Maler naturge­mäß gerecht sind. Es wäre schade um diesen Begabten, wenn er sich verlieren würde. Wir sind nicht reich an Begabungen, wie Döbel sie ohne Zweifel hat.

Die Akademie der Künste wird nicht zuletzt darum Kitzig den Staatspreis gegeben haben, weil sie in die­ser Zeit der fluktuierenden Begriffe und Methoden die handwerksmäßig sichere und solide Erfahrung und Durchführung einer Aufgabe als notwendig und vor­bildlich hinstellen wollte.

Kulturgeschichte in Volksausgaben

Das steigende Interesse an Biographien und Ge­schichtswerken hat die Herausgabe von Volksausgaben bisher kaum erschwinglicher Standardwerke der Kul­turgeschichte zur Folge gehabt. Der Verlag Paul Aretz, der sich von jeher für die Veröffentlichung wohl­feiler Bücher dieses Wissensgebietes eingesetzt hat, bringt jetzt drei bedeutende knlturgeschichtllchc Werke in Volksausgaben heraus: Ferdinand Gregorovius „Glanz und Untergang Roms" (Seinen 2,85 RM.s, Georg Voigt „Ter Renaissance" (Seinen 2,85 RM.) und Hans Licht „Sittengeschichte Griechenlands" (mit 80 Abbildungen in Kupfertiesdruck 4,80 RM.).

Gregorovius, einer der besten Geschichtsschreiber des vorigen Jahrhundert, dessen „Geschichte der Stadt Rom" ein Meisterwerk künstlerischer Darstellung ist, gibt in „Glau; und Untergang Roms" ein Charakter­bild des römischen Kaisers Hadrian und ein Gemälde seiner Zeit. Hadrian, der das Knlturideal in einer Verschmelzung der hellenisch römischen Kultur sah, ist der bedeutendste Exponent der versallenden Antike, die unter ihm ihren letzten Glan; ausstrahlt. Wir verfolgen in Gregorovius klarer Darstellung Hadrians Reisen durch die römische Welt, lernen seine künstle­rischen und gelehrten Neigungen kennen, sehen das Rom jener Zeit, das geistige Leben, das von Män­nern wie Plutarch, Sueton, Arrian, Florns u. a. ge­kennzeichnet ist.

„Die Rknaissance" von Georg Voigt, dem Zeitge­nossen Gregorovius', gibt einen ausgezeichneten und klaren Ueberblick über die wichtigste Epoche der ita­lienischen Kulturgeschichte, des Zeitalters des Petrar­ca und Boccaccio. Voigt schildert das Leben in der Musenrepublik von Florenz und die humanistischen Bestrebungen an den Höfen Italien. Er zeigt die

Urzelle der ganz Europa erfassenden Renaissance ans, die Rettung klassischer Autoren aus Klostergrabern und die Ausbreitung einer neuen Bildung, die alle Gebiete der Kunst und des Lebens befruchtete.

Hans Lichts Sittengeschichte Griechenlands, die noch um einen weiteren Band ergänzt werden soll, behandelt in Wort und Bild Sitten und Gebräuche, Literatur und Kunst des alten Griechenland. Licht gebt es bei der Darstellung der griechischen Gesell­schaft vor allem auch um die Deutung der meist miß­verstandenen griechischen Erotik. Er schildert Ede und Frauenleben, Kleidung, Hygiene, Nacktkultur, e» gebt auf das Theater der Antike ein, die attische Tragödie und Komödie, und beschließt den ersten Baud in einer chronologisch geordneten Darstellung der Erotik in der griechischen Literatur.

Die Ballettmeisterin des Kasseler Staatstheaters. Frau Helke Jürgensen, ist im gegenseitigen Ein­verständnis aus dem Verband des Staatstbcaters ausgeschieden. Die Stellung wird bis znm Schluß der Spielzeit nicht neu besetzt werden. Für die Ein­studierung der in der Revue „Im weißen Rößl" vor­kommenden Tänze wurde die Bällettmeisterin Ilse Petersen vom Frankfurter Opernhaus ans einige Wochen als Gast verpflichtet.

Defizit des Stadttheaters Münster. Trotzdem das Ttadttheater Münster für diese Spielzeit die Opcr abgebaut hat und Opernvorstellungen aus Osnabrück bezieht, kann schon jetzt festgestcllt werden, daß der von der Stadt bewilligte Barzuschutz von 50.000 M. nicht ausreichen wird. Man rechnet am.Ende der Spielzeit mit einem darüber hinansgehcnden Defizit von noch 40 000 Mark. Tic erwarteten Einnahmen wurden bisher trotz einer Steigerung der Abonnen­tenziffer nicht erreicht.

Neber „Idherecht am laufenden Band" schreibt Geheimrat Prof. Tr. E. Heilfron in seinem in Mar Hesse- Vertag er- fcbicncncn Buch, das den Niederschlag einer 4tiiä6rigcn rich­terlichen Tätigkeit und Lebenserfahrung darstetli. Tas Werk dedandelt ein Sachgebiet, das für Lebensführung und Lebeus- gestaltung vieler Millionen von Volksgenossen von matz­gebender Bedeutung ist. Ter Verfasser bat fitfi bemiibt, dem Wort von XSäfar Flaischlen zu folgen: „Auch die aller- schwersten Sachen lasten sich mit Lachen machen!" Bei aller lxrnstdafngkeit ist die Tarstellung in leichten Humor getaucht, der die ichwierigeu Vechtsprobleme auch dem rcchtsuukundigen Leser naher bringt und schmackbast macht.

Rauhe Haut ? H

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