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Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Handelszeitung
Mittwoch, den 14. Dezember 1932
Die Zinserleichterung für die Landwirtschaft
Die neue Durchführungsverordnung / Von Rechtsanwalt a. K.-G. Bernhard Blau, Berlin
Her D«r<bführungs- E°rg änzungs- »erordnung über die Zinserleichtcrung für »en lanö- ivirtschaftlichen Realkredit vom 24. 11. 1<M find verschie- bcn« Zweifelsfraaen geklart, Hfe von gröhtcr praktischer Bedeutung für die Landwirlschafk find.
Es konnte bisher zweifelhaft fein, ob eine Forderung, i ksamtbupothek auf mehreren, Lem-
1° ben E-gen tumer gehörigen Grundstücken gesichert ist, auch mlnn die Äinserleichterung und die Rechtswohltat der !• 4- 1935 genießt, wenn eines dieser örun.ititde ein landwirtschastliches, forstwirtschaftliches r garlnenfches Grundstück, das andere hingegen ein 6 1 VL? c 8 Äst Durch die neue Verordnung ist diese vrage dahin geklart, dah, wenn die Forderung durch eine
GefamthiipotKek auf mehreren, demselben EigeMüm« .Grundstücken gesichert ist. sämtliche Gryud- NUcke ,ür die,e Frage als e i n Grundstück aufusehen find.
(1'5 Hübet auch in diesen Fällen sowohl die Zinsherab- £c b " »« als auch die Stundung der Hypothek U <- t t. Ob das belastete Grundstück ein landwirtschastli- lh«o, forilnnrtschattliches oder gärtnerisches ist, entscheidet $nf A n trag des Gläubigers, des Schuldners oder, falls «er Schuldner und Eigentümer nicht eine Person sind, des Eigentümers das Amtsgericht, in dessen Bezirk das Grundbuch der belaiteten Grundstücke geführt wird. Die Eutscherdung iss endgültig. Wenn bei einer Gesamthypo- rber. die auf in verichiedenen Bezirken belesenen Grund- Ituden lastet, mehrere Amtsgerichte zuständig sind, so ent- Icheidet ausschließlich das Amtsgericht, das zuerst angegangen ist.
Tilgungshyvotheten
konnten es bisher zweifelhaft erscheinen lassen, welcher K a- plitalbetrag im Hinblick auf eine jeweilige Tilgung oer Forderung für die Zinsherabsetzung zugrunde zu legen iss Es wird nunmehr bestimmt, daß bei Tilgungs- hypotheken für die Hinsberabsebung nicht der jeweilige Ka- pitalbetrag der Forderung — also unter Berücksichtigung *er Kilgungsrate — zugrunde zu legen iss, sondern der u r- i v u n g l i ch e Kapitalbetrag.
An ssch trat die Ainserleichterungsverordnung für den landwirttchaftlichen Realkredit erst am 29. 9. 1932, also mit »ent Tage der Verkündung in Kraft Rach der neuen Verordnung unterliegen jedoch der Zinssenkung auch
Fordernugeu, die erst »ach bete 28. 9. 1932 durch Hypothek gesichert wurden.
dieser Verordnung gekürzt sind, auch dann nicht zu einem ; ruberen Zeitpunkt als dem 1. 4. 1935 verlangt werden kann,
wenn die vorzeitige Fälligkeit die Folge einer unpünktlichen Zahlung von Zins- oder Tilgungsbeträgen iss
und die rückständigen Beträge bis zum 31. 12; 1932 I iiachgezahlt werden.
Abgesehen hiervon findet aber die Fristverlängerung für ^Rückzahlung der Hypotheken bis zum 1. 4. 1935 nicht statt, wenn die Hypotheken vor dem Inkrafttreten der Zins- erlelchterungsverordnung vom 27. 9. 1932 aus besonderem Anlaß vorzeitig fällig geworden sind, oder fällig gemacht werden konnien. Ist ein
bankmäßiger Personalkredit
des Landwirts dadurch gesichert worden, daß er aus einem >bm gehörenden Grundstück zugunsten der Bank eine Grundschuld bestellt hat. so wird die etwa vorhandene Fälligkeit der Grundschuld nicht durch die neue Verordnung hinaus- geschoben. Dasselbe gilt, wenn der Landwirt eine ihm zustehende Eigentümergrundschuld der Bank zur Sicherung des Personalkredits abgetreten hat.
Die neue Durchführung«- und Ergänzungsverordnung über die Zinserleichterung ist mit Rückwirkung vom 29. 9. 1932, also dem Tage des Inkrafttretens der Hauptverord- nung in Kraft getreten. Dadurch kommen die Erleichterungen, die in der neuen Verordnung geschaffen sind, mit rück, wirkender Kraft den Landwirten zugute. Insbesondere ist es für schwebende Zwangsversteigerungen von Bedeutung, im Hinblick auf das Nachzahlungsrecht von rückständigen Zinsen und Tilgungsbeträgen bis zum 31. 12. 1932 zur Herbeiführung des FSlligkeitsaufschubs der Hypotheken
Anträge auf einstweilige Einstellung der Zwangsversteigerung
zu stellen. Denn es handelt sich hier um ein Recht, das keinem Schuldner rückständiger Beträge genommen werden kann.
Die Lösung des Weltwirtfchaftsrätfels. Bon Paul Schulz. Verlag Dr. Georg Vajna u. Co., Budapest. Der Verfasser sieht die Ursache der Weltwirtschaftskrise in der „Panikbereit
schaft", die durch die elektrische Nachrichtenübertragung und die mechanisierte WarentranSport-Niöglichkeit veriirsacht ist. ■<$m einzelnen unterscheidet er Wädrungspanik, Warenpreis- Panik und Kreditpanik und empsiehlt er hiergegen eine Reihe von Einzelmaßitahmen, bei denen er Selbsthilfe und Fremd- Hilfe unterscheidet. Der Verfaster erstrebt hiermit eine gerechte Verteilung des Mechanislerungsgewinnes zwischen Unternehmer, Arbeiter und Konsument. Soweit die Arbeitslosigkeit durch diese Maßnahmen nicht beseitigt wird, fordert er die gesetzliche Einführung der Kurzarbeit unter Aufrechterhaltung des Reallohnes. hi
Kein Abwehrkaffee mehr
Einigung über Zugaben zwischen Lebensmitteleinzel- handcl und Spezialgeschäften für Hauswirtschaftsgegenstände.
Zwischen dem Rekofei (Reichsverband Dt. Kaufleute des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmilteleinzelhandels), dem Verband der Edeka-Genossenschaften sowie dem Reichs- verbanH Deutsch. Spezialgeschäfte in Porzellan, Glas, Haus- und Küchengeräten ist nach langwierigen Verhandlungen durch Vermittlung der Hauptgemeinschast des Deutschen Einzelhandels eine Vereinbarung zustande gekommen, die den ersten Schritt zum gemeinsamen Kampf dieser Fachverbände gegen das in der von ihnen vertretenen Branche besonders ausgebrochene Zugabeunwesen bedeuten kann. Die Reichsfachverbände verpflichten ssch, alle Kampfbeschlüsse insbesondere auf Einführung von A b w e h r k a f f e und Abwehrmargarine (die ihrerseits wiederum Teile des Le- bcnsmittelhanbels von der Gewährung von Zugaben in Porzellan-, Haus- und Küchengeräten abbringen sollten) einzustellen. Ans die Mitglieder soll stätkstens eingewirkt werden, die Verabfolgung branchefremder Zugaben zu unterlassen. O er t l s ch e Vereinbarungen zur Beseitigung des Zit- gabenkampses zwischen dem Lebensmittelhandel und dem Handel mit Glas-, Porzellan. Haus- und Küchengeräten sollen unter Führung der Reichsfachverbände baldmöglichst zustande gebracht werden.
In Kurzes
wenn die Verpflichtung $ur Bestellung der Hypothek bereits vor diesem Zeitpunkt bestand.
Nach der Hauptverordnuna führt bekanntlich die Herabsetzung der Zinsen nicht zu einem Verzicht seitens des Hy- pothekensläubigcrs. Es erhöbt sich vielmehr der Kavital- betrag der Forderung um den Betrag, um den die Zinsen herabgesetzt worden sind. Diese ..Zusatzforderung" ermäßigt ssch, wenn die Stammsorderung (Stammhypothekj aus Verlangen des Gläubigers vor dem 1. 4. 1940 zurück gezahlt
Die Ermäßigung der Zusatzforderung
beträgt, wenn die Rückzahlung in der Zett vom 1. 4. 1939 bis zum -31. 3. 1940 erfolgt, ein Viertel, in der Zeit vom 1. 4. 1938 bis zum 31. 3. 1939, die Halste, in der Zest vom 1. 4. 1937 bis zum 31. 3. 1938, drei Viertel; erfolgt die Rückzahlung vor dem 1. 4. 1937. so sollt die Zusatzforderung fort. Nunmehr wird in der neuen Verordnung bestimmt, daß, wenn eine Hyvothekensorderung vor dem 1. 10. 1934 zurückgezahlt wird, sich die Zusatzforderung aus den Betrag ermäßigt, den die Zinsherabsetzung für die Zeit vom 1. 10. 1932 bis zum Tage der Rückzahlung ansmacht. Handelt es sich jedoch um keine „Tilgungshyvothek" und wird sie aus Verlangen des Gläubigers zurückgezahlt, io bleibt es bei den vorher erwähnten Ermäßigungen.
Während in dem allgemeinen HNPothekenmoratorium vom 11. 11. 1932 dem Schuldner die Möglichkeit gegeben war, durch Nachzahlung der rückständigen ZinS- und Tilgungs- betrage bis zum 12. 12. 1932 den Kündigung sjchuft zu gewinnen, fehlte bisher eine derartige Bestimmung in der Verordnung über die Zinserleichterung für den landwirtschaftlichen Realkredit vom 27. 9. 1932. Nunmehr wird bestimmt. daß die Rückzahlung der Hypothek, deren Zinsen nach
Ju der Sitzung des Aufsschtsrats der Felten und Guilleaume, Carlswerk A.-G., Köln-Mül» heim, wurde mitgeteilt, daß der Rückgang der Umsätze in den letzten Monaten zum Stillstand gekommen ist und ssch schwache Anzeichen einer Belebung bemerkbar machen. Die Ausschüttung einer Dividende für das zu Ende gehend« Geschäftsjahr kommt nicht in Betracht (i. V. wurde der uw den Verlust von 197 429 RM ermäßigte Gewiunvortrag mit 123 352 RM auf neue Rechnung vorgetragen).
Albert H. W i g g i n , der Vorsstzende des Ausschusses kür das Deutsche Kreditabkommen von 1 9 3 2, kündigt nunmehr offiziell di« Einbrrufnng der in diesem Abkommen vorgcjeheuen Konferenz zur Revision des zu End« Februar 1933 ablansenden Kreditabkommens auf den 30. Januar 1933 nach Berlin an.
In der Aufsschtsratssstzung der Bergmann-Elek- trizitäts -Werke A.-G., Berlin, am 13. 12. 32 berichtete der Vorstand, daß ssch weitere Verluste im Geschäftsjahr 1932 nicht hätten vermeiden lassen. Der Aufsschtsrat beab- sschiigt, dir notwendig« Kapitalzufammenlegung gelegentlich der Vorlage der Jahresbilanz für 1932 im Frühjahr 1933 der G.-V vorzuschlageu. Das Geschäftsjahr 1931 schloß eiuscht. 0.98 Mill. RM Vortrag mit einem Verlust von 26,37 Mill. RM ab. Nach Auslösung der Reserven von 7,55 Mill. RM wurde der Restverlust mit 18,82 Mill. RM vorgetragen.
_ Di« b«i der ,.Arbeits»e««iuschast privater Frnerversicherungs - Gesellschaft en in Deutschland" im November im Deutschen Reich an gefallenen «chäden belaufen ssch aus 6 009 303 RM. Der für die beiden letzten Monate ,zn beachtend« Rückgang entspricht der ssnkeuden Tendenz der Schadenknrve, die ssch regelmäßig
im letzten Fahresvieriel sessssellen läßt. Di« Schaden des lausenden Jahres betragen bei der Arbeitsgemeinschast bisher insgesamt 78 764 329 RM. liegen also unter dem vorjährigen Ergebnis.
Die Baumwollweberei Arthur Pongs, Gladbach-Rheydt, hat die Zahlungen eingestellt. Rach einer vorläufigen Uebersicht liegen etwa 30 bis 35 Prozent in der Masse.
Die Meldung eines Berlin« Mistagsblattes über angebliche Verhandlungen des Reiches mit der I. G. Farbeuiudustrie üb« den Austausch von (Sei« seukirchen-Aktien gegen Stahlvereinsaktieu wird bementiut
Di« Reichsforschungsstelle für landwirtschastliches Marktwesen stellt in ihrem 12. Bericht über die Preise und Svau- nen bei den Brotgetreidevrodnkten fest, daß die Preise für 1 k g Brot mit 33,2 Pfg. im gemogenen deutschen Durchschnitt und für 1 kg Weizenkleingebäck mit 77,6 Psg. im gewogenen deutschen Durchschnitt um 15 Prozent tbzw. 8 Prozent beim Kleingebäck) unter den Preisen des Vorjahres liegen. Diese Verbilligung der Brot- und Ge- bäckpreise ist nicht nur auf die gesunkenen Mehlpreise jii- rückzusühren, sondern beruht auch ans der Verringerung der Verdienstivannen im Mühlen- und Bäckergewerb«.
Die Westfälische Drahtindustri« Hamm tWests.), erlitt einen Verlust von 1 070 713 RM, der aus dem Scnto „andere Reserven" gedeckt worden ist (der Vorjahresverlust von 583 584 RM wurde aus dem Delkredere- konto gedeckt). Die Stammaktionäre «halten die garan- ti«te Mindestdividende von 5 Prozent, die von der Fried. Krupp A.-G. zur Verfügung gestellt wird.
Verbilligtes „Postgut“
Verbilligung des Paketverkehrs zwischen großen Orten. Einführung einer verbilligten „Kleingutsendung".
Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost DeWnigtc sich im wesentlichen mit lausenden Angelegenheiten. Ter ReichSpostminister konnte seststellen, daß vom September ab in den meisten Dienstztveigen eine über die Saisoneinslüsse hinausreichende konjunkturelle Ve r k e h r s b e l e b u n g bemerkbar sei. Der Verwaltungsrat wurde dann über den Stand des Arbeitsbeschasfungsprogramms unterrichtet. Da die Anleihefrage noch nicht gelöst ist, Hal die Deutsche Reichs- Post bekanntlich aus dem Gesamtprogramin von 60 Mill. RM einstweilen Zusatzaufträge in Höhe von 34 Mill. RM herausgegeben.
Der Reichspostminister kündigte ferner an, daß die Post- fur den Massenpaketverkehr zwischen großen ^.rten eine gegenüber dem Postpaket etwas verbilligte Kleingutsendung bis zum Höchstgewicht von sieben Kilogramm einfuhren Ivolle, die die Bezeichnung „P o st g u t" erhalten soll. Der verbilligte Tarif wird sich etwa auf gleicher Höhe tote die allgemein im Sammelverkehr bestehenden Pergütungssätze halten. Eine Unterbietung anderer Verkehrsunternehmungen ist nicht beabsichtigt. Der Tarif ist als Frei- h a u s t a r i f gedacht; Zustellgebühren werden nicht erhoben.
"eue Verseildungsart soll zunächst versuchsweise einae- suhrt werden, sobald die Vorbereitungen beendigt sind. Der Verwaltungsrat genehmigte sodann eine Verlängerung der Fernsprechanschlüsse?^^^° Wiedereinrichtung gekündigter
Eschweger Leder
Der Abschluß für 1931/32.
ef*tocger Lederwerke Schmidt u. Co. A.-G., E s ch w e g e, berichtet über das Geschäftsjahr 1931/32, daß die wirtschaftliche Depression der Jahre 1931 und 1932 ihre Branche in besonders starkem Maße betroffen und zu cinem T i c s ft a n d der Preise geführt habe, den man nicht für todglich gehalten hätte. Besonders in der zweiten Halste des Geschaftsiahres trat ein neuer scharfer Preisrückgang ein. Wahrend der Umsatz sich bis Ende 1931 noch ganz gut gehal- ten batte, fiel er ab Januar d. I. auch mengenmäßig ab als Folge der allgemeinen Arbeitslosigkeit und der dadurch be- , s... ______llonj ttntiaft. Im übrigen war im
Hinblick auf die allgemein ungünstige Wirtschaftslage auch eine gewisse Zurückhaltung im Verkauf geboten, durch die andererseits größere Verluste an den Außenständen vermieden werden konnten. Trotz des teilweise enorm niedrigen Preisniveaus habe man' es für nicht richtig gehalten, das „ alel!a0,et den Verhältnissen am Bilanzstichtage entsprechend zu bewerten.
-.„^Das Geschäftsjahr brachte einen Rohgewinn von ??so4ea-V3»5 4j,6) 9tJD?- toäbrenb Betriebsunkosten 175 015 (1e8on^6:^'=)'Smn^™!851Vir^tc!1' 135590 (149568) und Steuern lü 20" .(9280) RM erforderten. Nach 19 377 (16 207) RM Abfchrelbungen unbl3 216 (18 022) RM Zuweisung zum Telkrederekonto ergibt sich unter Berücksichtigung von 1787 RM Gewinnvortraä ein Verlust von 85 212 RM, während i. V. aus 13 787 RM Reingewinn (einschl. 11 114 RM Vor- trag) eine Dividende von 4 Prozent verteilt wurde Der Verlutt wird, wie bereits gemeldet, auf neue Rechltuna vorgetragen, obwohl zur Tilgung reichlich offene Reserven y,11 .deefugung stehen. Bei Eintritt nur etwas gebesserter fcrÄen uornÄ *'e & Di? Entwicklung"'^ SÄmÄ“ Geschäftsjahres scheinen diese
.In der Bilanz vom 30. 6. 32 sind Bankaulstalie« rLF^L A»«), Wechselbessand und Devm M 34 61" (49 718). Debitoren mit 206 465 (241 026), und das Waren« lager mit 32a 822 (399 620) RM ausgewiesen Aus der Passivseite bat sich das Aktenkavital durch Einzie- ltnng von im Besitz der (veiellschait befindlichen eigenen Aktien an Hohe von 50 000 RM gemäß Beschluß der G-B dvto lS 5. :L VON 3.4) 000 aus M OOO RM vermindert Bei ntit 44*11 ‘f51 RM stehen Kreditoren
ton 44 2-11 (al 052), Tratten mit 122 220 (157 500) und So vvtheken mit 83 893 (116 693) RR! zu Buch T e Teltte' Sererucklage betragt unverändert 25 000 RM die Rücklaae mr Koniunkturrisiken unverändert 38 926 RM.
Mensch auf der Flucht
51
Roman von Ludwig Wolff
Sie verließen das Hotel und stiegen in den Wagen.
Daniel hörte sein Herz schlagen, als ste die weinerlich knarrende Treppe des armseligen Hauses in der Oudenarder Straße hinaufgingen. Tr. Turner schloß die Wohnungstür auf und ließ Daniel eintreten. Das Zimmer war unverändert. Um den Tisch herum standen in guter Ordnung die drei Sessel, auf denen einmal sein Vater, Nadja und er gesessen hatten. Wo war der Vater? Daniel starrte die leeren Sessel an und spürte ein Würgen im Hals.
,.Wo haben Sie meinen Bruder gefunden?"
„Sm andern Zimmer, Lord Daniel."
Der Kapitän trat in Nadjas Zimmer, das noch dürftiger eingerichtet war als das Zimmer des Vaters. Nur ein Bett, ein Seffel, ein schmaler Schrank und ein kleiner Wandspiegel waren da. Dr. Turner öffnete das Fenster. Daniel stand auf der Schwelle und lehnte an dem Türstock. Seine Blicke irrten hilflos durch den Raum.
Können Sie mir erklären, was hier geschehen ist?"
„Das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben,“ antwortete der Arzt ausweichend.
Daniel gab stch nicht zufrieden.
„Aber Sie werden sich doch Ihre Gedanken darüber gemacht haben, Dr. Turner?"
.Das find nur Hypothesen, Lord Daniel, unbeweisbare Vermutungen."
Der Kapitän runzelte die Stirn.
„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie reden wollten, Dr. Turner."
„3d) weiß nichts Bestimmtes, Lord Daniel."
.Dann sagen Sie mir das Unbestimmte."
Dr. Turner sah in das Eeficht Daniels und entschloß fich zu sprechen.
„Ich kann mir vorstellen, daß sich die Sache in folgender Weise abgespielt hat." Er holte Atem. „Nadja hat Ihren Herrn Bruder angerufen und ein« geladen, hierherzukommen. Er kommt und findet sie allein. Er wird zudringlich und hält es für selbstverständlich, daß sie feinen Wünschen entsprechen werde."
„Woraus schließen Sie das?" fragte Daniel empört.
„Ich fand Ihren Herrn Bruder tot im Bett liegen."
Daniel stand wie versteinert da. Er starrte das Bett und Dr. Turner an.
„Aber der Tod? Wie erklären Sie den Tod?"
„Ihr Herr Bruder hatte, wie ich Ihnen erzählt habe, vor einigen Jähren eine schwere rheumatische Erkrankung überstanden, die leider das Herz angegriffen hatte. Ein Herzklappenfehler war zurückgeblieben,
ein inkompensierter Herzklappenfehler. Ein jäher schreck konnte ihn töten."
„Woher sollte der Schreck gekommen sein?"
,Don Nadja."
„$on Nadja?"
.Die Vermutung liegt nahe, Lord Daniel. Außerdem habe ich eine Spur entdeckt, die meine Vermutung vielleicht bestätigt. Ich sage ausdrücklich vielleicht."
„Was für eine Spur?"
„Als ich in das Zimmer trat, fah ich in der Wandecke beim Bett eine Schußspur. Wenn jemand auf den im Beit Liegenden einen Schuß abgegeben hat, in der Absicht zu treffen oder zu fehlen, so konnte die Kugel dort in die Wand einfchlagen."
Dr. Turner ging zu dem Bett und schob es ein wenig zurück. Die Kugelspur in der Wand wurde sichtbar.
„Als ich die Spur gesehen und festgestellt hatte, daß Lord Richard unoerwundet war, zog ich das Bett ein wenig vor, um das Loch in der Wand zu verdecken. Die Polizei hätte langdauernde Untersuchungen vorgenommen. die zwecklos gewesen wären und vielleicht nur Jack Horner und Nadja Nikitenko Schwierigkeiten gemacht batten."
„Auch dafür habe ich Ihnen zu danken, Dr. Turner. Ich stehe in großer Schuld bei Ihnen."
„Nein, nein!“ wehrte Dr. Turner ob. ,Zch stehe in Ihrer Schuld, Lord Daniel."
,Meun sich alles so abgespielt 'bat, wie Sie annehmen, Dr. Turner, ist es nur verwunderlich, daß niemand im Haus den Schuß gehött hat."
„Melleicht wird in diesem Haus ein Schuß nicht besonders beachtet, vielleicht war die Waffe mit einem Schalldämpfer versehen." Der Kapitän machte ein zweifelndes Gesicht. ,Zch muß nochmals darauf Hinweisen, daß es sich hier um Hypothesen handelt, die zum Teil sehr anfechtbar sind. Es ist zum Beispiel leicht möglich, daß das Schußloch in der Wand von früher herstammt. Was aber am allermeisten gegen meine Vermutungen spricht, ist die Tatsache, daß ich
Der Abdruck beginnt am Sonntag
nicht den kleinsten Grund entdecken kann, warum Nadja Nikitenko versucht haben sollte, Ihren Herrn Bruder durch einen Schreckschuß zu töten."
Daniel erinnerte sich der haßerfüllten Blicke, mit denen das junge Mädchen seinen Bruder angesehen hatte, und der ahnungsvollen Worte Fräulein Petersens, die von der unbekannten Größe Nadja gesprochen hatte, und des kleinen Zettels, den Nadja in seine Manteltasche gesteckt hatte -— ober wozu darüber reden?
„Was sich in diesem Zimmer ereignet hat, wird immer Geheimnis bleiben," sagte Dr. Turner, als wollte er die Ausschweifungen seiner Phantasie ont- jchuldlgen.
Unser neuer Roman
von Caren
wird in besonderem Maße den Beifall unserer Leser finden, zeigt er doch nicht nur einen sehr gepflegten Stil, sondern auch eine außerordentlich spannende Handlung. Aus dem Jnhatt wollen wir folgendes verraten: Der junge Kunstmaler Grau glaubt seinen Feind, einen Kunsthändler, und wie sich später herausstellt, raffinierten Bilderfälscher ermordet zu haben. Er stellt sich der Polizei und erzählt haargenau Tat, Tatort, Begleitumstände: Gestern in Berlin, um die und die Zeit.... Aber gestern lag er in Stettin fieberkrank zu Bett, verließ das Haus überhaupt nicht. Die Polizei schüttelt den Kopf: Irrsinn? Grober Unfug? Der Fall gibt nicht nur dem rührigen Kriminalkommissar, der nicht locker läßt, bis er Licht ins Dunkel bekommt, einige Rätsel zu, knäcken, sondern auch dem Leser. Bis sich das Geheimnis um die „Dame mit dem Otterpelz" enthMt, wird man Fortsetzung für Fortsetzung mit der gleichen großen Spannung lesen. Wir wünschen also recht gute Unterhaltung!
Kapiian ging schwetgend in das erste Zimmer Si a 5 e W aut einen Seffel und blickte aus halb- geschlossenen Augen tn die Lust. Nach einer Weile fragte er mit angstvoll verzweifelter Stimme, mehr sich selber als seinen Begleiter:
„Was geschieht jetzt mit meinem Vater?"
—r. ~urner antwortete sehr vorsichtig und behüt-
- "Sie müssen ihn seinen Weg gehen lassen. Lord ihn 4.I- w'rS$ Stou6e’ ¥& Sle "'cht das Recht haben, ihn aU stören oder zu beunruhigen."
Der Kapitän bedeckte fein Gesicht mit beiden Händen und sagte geguält:
„(Es ist schwer zu ertragen. Es ist ftft Ju schwer." Dr. Turner trat einen Schritt näher heran.
p ch-ll Sie nicht mit Bibelsprüchen belästigen, Lord Daniel, aber vielleicht werden Sie zugeben daß Troit und Weisheit in den Worten find: Die Väter sollen nicht sterben um der Söhne willen, und die »ohne nicht um der Väter willen, sondern ein jeglicher soll für seine Sünde sterben."
xani?-LS<I:ttet die Hände vom Gesicht und Itano entjchlossen auf.
„3a. Ein jeglicher für seine Sünde."
(fr ä ule in Petersen war an dem Tag, an dem Richard Barker Earl os Tyrannei durch einen Schuß ins Leere getötet wurde, zu ihrem Onkel Engelhuus gereift, nm in Ruhe ihren Roman zu schreiben. Sie hat, da sie aut der Insel Pellworn keine Berliner Zeitungen zu Gesicht bekam, niemals erfahren, -daß das Happy end das sie fur ihren Helden gefunden hatte, indem sie den unmenfchlichen Bruder zum Sterben verurteilte, von der Wirklichkeit plagiiert worden war.
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