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Kasseler Tkeuess« Kachrlchken
Montag, 12 Dezember 1932 / 1 Beilage
Winternot und Winterhilfe
Run-sunkre-e -es Oberbürgermeisters Or. Stadler
Schon der vorige Winter stand unter _ dem Eindruck nie gekannten Massenelends; viel größer ist die Not dieses Winters. Charakteristisch hierfür ist dre Feststellung, daß
über 46 000 Personen unserer Stadt, mehr als jeder vierte Einwohner, aus össentliche Unterstützung angewiesen
ist. 15 000 Familien unserer Stadt ringen um das tägliche Brot in einem Kampf, der durch seine lange Dauer alle Grundlagen zermürbt, 15 000 Familien leiden neben materiellen Entbehrungen unter dem Druck starker seelischer Nöle. Und das ist das Erschütterndste. Der Zeitpunkt scheint de zu sein, wo die bisher fast unversehrte Volksgesundheit in ihrem Innersten getroffen wird. Es mehren stch_ auch in Kassel die Zeichen, die auf unmittelbare Schäden am Eesundheits- und Ernährungszustand der Bevölkerung schließen lassen. Die großen Kraftreserven gehen auch hier zu Ende.
Not uud Verzweiflung wird immer größer, vielleicht am größten dort, wo sie in aller Stille getragen wird.
Die Mittel, die Reich, Länder und Gemeinden zur Verfügung stellen können, reichen mit ihren gekürzten Sätzen bei weitem nicht mehr aus. Die Hilfe der freien Liehestätigkeit ist dringend erforderlich. Win- terhllfe ist in diesem Sinne Einsatz letzter Kraft. Zwar kann die Winterhilfe nur einen bescheidenen Teil zur Lösung dieser Riesenaufgabe beitragen, die Winterhilfe vermag nicht das Uebel an der Wurzel zu fassen: die Betriebe der Arbeit kann die Winter- >ilfe nicht wieder in Gang setzen. Trotzdem kann die reie Liebestätigkeit nicht entbehrt werden, sie wird n Fällen schwerster Not Linderung und Milderung bringen, fie gibt als Ausdruck von Volksverbundenheit und Opfersinn jenen inneren ideellen Rückhalt, der für unsere notleidenden Mitbürger nicht weniger wichtig ist als der materielle.
Der Erfolg der vorjährigen Winterhilfe ist hierfür ein deutliches Beispiel. Dre Aufgabe ist in diesem Winter unvergleichlich schwieriger als früher. Man- hes, was im Vorjahr entbehrlich war, ist bereits fortgegeben worden. In vielen Kreisen, die im Vorjahr noch geben konnten, ist heute die Not selber täglicher Gast. Es gibt nicht mehr allzu Viele, die von der Sorge um die eigene Existenz f'er sind; wohl jede Familie muß sich Einschränkungen auferlegen. Aber es besteht sckon ein erheblicher Unterschied darin, auf irgend eine Annehmlichkeit zu verzichten, als Mangel am elementarsten Lebensbedars zu leiden. Tausende und aber Tausende wissen nicht, woher sie Ernährung und Bekleidung nehmen sollen. Hier gilt es, den Gedanken des Füreinanderstehens in die Tat umzusetzen; darum:
Wer «och über ein«, we«« auch bescheiden«, feste Einnahme verfügt, der muß helfen und geben für die, die in bitterer Not find!
Zwar ist auch in diesem Jahr die erwünschte völlige Einheitlichkeit des Hilfswerks nicht durchgeführt, aber es ist doch verhütet worden, daß das Hilfswerk in Einzelaktionen zersplittert wird. Die Kasieler Winterhilfe ist keine behördliche Einrichtung, sondern sie wird getragen von den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, ohne jede politische oder sonstige Absicht. Impuls und Richtung für ihr Wirken gibt lediglich der Gedanke: Wir wollen helfen!
Worin besteht ihre praktische Aufgabe? Das ist einmal die Aufrechterhaltung der Maffenspeisungen durch Zurverfügungstellung von Kartoffeln, sonstigen Lebensmitteln und Geld. Welche erheblichen Mittel erforderlich sind, wird jeder erkennen, wenn er hört, daß
täglich 1600 Portio«««
ausgegeben werden. Doppelt dankbar ist die Winterhilfe für die
selbstlose lluterstützung der Landbeoölkeruug, die uns bei der Erfüllung dieser Ausgabe auch in diesem Winter trotz aller Zersplitterung nicht vergessen hat. Die Hauptaufgabe liegt in der
Familienhilfe.
Diese Hilfe wird in diesem Jahr in erster Linie in der Beschaffung von wesentlich verbilligten Lebensmitteln liegen, vor allem von Brot und Fett, daneben von Kohlen, Kartoffeln und Kleidung. In dankenswerter Weise haben einzelne Organisationen, Verbände und Gekäste unserer Stadt hierfür durch
Preisnachlaß volles Verständnis gezeigt. Welch« Geldmittel aber außerdem notwendig sind, ergibt sich aus der Tatsache, daß
15 000 Familien in den Listen der freien Wohl- fahrtsverbändc für die Winterhilfe vorgemerkt
sind.
Die Sammlungen zur Beschaffung ausreichender Geldmittel sind im vollen Gange. Das Konto der Kasseler Winterhilfe für Geldspenden befindet sich bei allen Banken und Sparkaffen. Daneben tst die GKd- sammlunq der Kasseler Winterhilfe in diesem ^ahre in erster Linie auf einer wöchentlichen Groschensamm- lunq ausgebaut. Ueberall in der Stadt in den Geschäften und Betrieben befinden sich die Büchsen der Winterhilfe. Es ist jedem, der noch Verdienst und Arbeit Hai, Gelege,cheit gegeben, seinen wöchentlichen WinterhUfsgroschen zu spenden. Jeder Betrag, auch der kleinste, ist herzlich willkommen.
Daneben ist eine Pfundsammlung eingerichtet. In über hundert Kaffeler Lebensmittelgeschäften besteht die Möglichkeit, die Winterbilssspende anstatt von Geld in' der Form eines Gutscheines auf irgend ein Pfund Lebensmittel zu leisten.
All diese Maßnahmen können nur zum Erfolg führen, wenn sich alle vorbehaltlos in den Dienst des großen Hilfswerks stellen. Auch die geringste Gabe hilft mit am Werk. Und so richte ich die herzlich« Bitte an jeden meiner Mitbürger und Mitbürgerinnen: Helft Alle! Es ist dafür gesorgt, daß jede Gabe dazu beiträgt, Elend zu mildern. _ hungernde Kinder froh zu machen, Krankheit und Kälte von darbenden Mitmenschen fernzuhalten. Beteiligen Sie sich an den Sammlungen und besuchen Sie dre zahlreichen Veranstaltungen, deren Erlös der Winterhilfe dienen soll. Wir inüffen nur von dem Nebligen geben, wir müssen vom Notwendigen opfern. Es genügt nicht, nur das zu geben und das zu tun, was im Vorjahr gegeben und getan wurde.
Unser Helkerwille mutz heuer noch größer sei«, denn auch die Rot ist grötzer.
Dabei dürfen wir trotz aller Nöte der Zeit, trotz aller Erschwernisse den Glauben nicht verlieren, daß unser deutsches Volk, wenn auch noch kein Aufwärts da ist. doch den tiefsten Punkt überwunden hat. Wenn jeder Einzelne das Seine tut, werden wir auch diesen schweren Winter überwinden. Im Daseinskampf des ganzen Volkes darf niemand an vorderster Front fehlen!
Aus der evangelische« Landeskirche. In den Ruhestand versetzt: Klinikpfarrer Wagener in Marburg zum 1. April, Pfarrer Werner- in Kappel zum 1. April. — Bestätigt ist die Wahl des Pfarrers D. Steinweg zum Kreispfarrer des Kirchenkreises Rotenburg.
Der im BortragSverzeichnis der Fichte Gesellfchast tntb der Kulturellen Arbeitsgemeinschaft angekündigt« Vortrag von Serrn Bruno Jacob „Die Herausbildung der hessischen täbtetocienä* (‘Staff. Münze, Grotzburg, Patriziat, Zünfte) ist verschoben und findet am 19. Dezember, 20 Uhr, im Nordischen Hof. Rahnhofsvlab, bei freiem Eintritt statt.
Die im Norden und Süden zunehmende Stö- rungstätigkeit wirkt allmählich abbauend auf den hohen Druck. Namentlich das weitere Durchgreifen der Störung über Südfrankreich dürfte zu Frostmilderung, ferner zu Bewölkung und auch vereinzelten Schneefällen führen.
Aussichten für Dienstag:
Abflauen des Frostwetters, neblig-wolkig, einzeln« Schneefälle.
S5etietBe»6<u6t««e wm 11. Stege miet.
Zeit Barom. L mm Temv. O. Luftfeuchtigkeit
Mittags 12 Uhr 768 — 15* 64%
Abends 6 Uta 768 — 3° 73%
Wetterbeobachtung vom 12. Dezember.
Morgens 8 Uta 7574 — 8,5 84%
Mitgeteklt von Divlomovtiker Seh.
Slaalsthealer für 1933 gesichert!
Aber wahrscheinlich nicht ohne Einschränkungen
Unseren Lesern ist bekannt, datz in Berlin in d«n letzten Wochen wichtige Verhandlungen wegen ver weiteren Erhaltung des Kaffeler Staatstheaters schwebten, bei denen der Oberbürgermeister und Intendant mit Unterstützung des Oberpräsidenten aufg eindringlichste die Belange Kassels als hessisches Kulturzentrum vertreten haben. Auch seitens des preußischen Finanzministeriums scheint man trotz aller eigenen Sorgen erfreulicherweise Entgegenkom men gezeigt zu haben, was aus folgender Meldung hervorgeht, die wir von gut unterrichteter Berliner Seite erhalten:
Tie Gefahr, datz der preußische Staat im nächsten Spicljahr den in diesem Jahre noch gewährten „Uebergangszuschuß" von 200 000 Mark ganz zum Fortfall kommen kaffen werde, ist gebannt worden: der Zuschuß wird allerdings auf 160 000 Mark gesenkt. Der weiterhin vvm Staat gezahlte „Leerlauf", d. h. die Summe, die der Staat auch bei StUlegung Ohnehin Halle zahlen müssen, ermäßigt sich leider um die ablaufenden Verträge der hochwertigsten Solisten u. a. so der Hochdramatischen Kerrl und des Kammersängers Fitzau. Dieser Ausfall tritt ab 1. August ein und beträgt etwa 60 000 Mark, sodaß im ganzen gegenüber dem gegenwärtigen Spieljahr 100 000 Mark auS- sallen
Es dürfte nunmehr sicher sein, daß die Stadt Kaffel in diesem Jahre mir mit etwa 30 000 Mark der bewilligten Garantiesumme in Anspruch genommen wird.
Hunderttausend Mark weniger, das bedeutet in einem ohnehin sparsam aufgcbauten Etat ein arges Loch.
Trotzdem wird man auch im Jahre 1933 wohl ohne Verkürzung der Spielzeit durchkommen, wenn auch die „Große Oper" als bedroht anzusehen ist und man möglicherweise sich auf Operette und Spiel- oprr wird einrichten müffen.
Aber selbst dann dürste es voraussichtlich dem Intendanten Klitsch gelingen, durch Gastspiele und Verhandlungen mit rhein-mainische« Opern dafür zu sorgen, daß die große Oper nicht ganz fortfällt, zumal fie gut besucht ist: Herr Klitsch hat ja schon in Mainz eine glückliche Hand in solchen Verhandlungen gezeigt. Die städtischen Körperschaften stehen jedenfalls wieder vor ernsten Entschlüssen, jedoch erwarten wir zuversichtlich einen positive« Ausgang.
Urbrigens haben fich, wie man sich in Kreisen der städtischen Finanzkommission erzähst, leider in den letzten Tagen erhebliche und besonders bedauerliche Versager im Spielplan herausgestellt. Ein schlechtes Zeichen für Kaffeler „Kultur" ist die geringe Kasseneinnahme bei Gerhart Hauptmanns ,^> a n - nelesHimmelfahrst", und auch das Experiment „O e d i p u s" hat sich — vvn der Kaffe aus betrachtet — als eine völlige Riete erwiesen. Die letzten Vorstellungen beider Stücke sollen (außerhalb des Abonnements) kaum 50—70 Mark Tageskasse erbracht haben, sodaß es kein Wunder wäre, wenn die Intendanz unter Verzicht auf kulturelles Prestige sich gezwungen sähe, die weiteren Vorstellungen schleunigst abzusetzen, da jedes Loch in der Kasse unter den augen- blicklichen Verhältnissen nicht mehr gut zu machen ist.
Kasseler Baugewerbe in Not
Sitzung der Rotgemeinschast des Kasseler Bauwesens.
Unter dem Vorsitz des Stadwerordnetenvorstehers Hofacker fand eine eingehende Aussprache zwischen den Vertretern der Rathaussraktionen und dem Arbeitsausschuß der Notgemeinschaft des Kasseler Bauwesens statt.
Architekt Zahn wies auf die Zusammensetzung der Rotgemeinschast (Architekten. Arbeitgeber- und Arbeit- nehmer-Organisatwnen) hin. Er ersuchte um die Un- tersttzung der Bestrebungen durch die Stadtver- waltung
Svndikus Dr. Gerland ging von der Notlage der heimischen Bouwirtschast aus. Man sei der Ueberzeu- gung, datz nicht durch weitgespannte zentrale Wirt- schastsprogramme der augenblicklichen Bedrängnis gesteuert werden könne, sondern datz man versuchen müsse im engeren Kreis eine leichtere Belebung des Baumarktes zu er>nöglichen, zumal da die augenblicklich hervortretende Baulust eine gute Konjunktur einleiten könne. Die Mehrzahl der Kreditanstalten sei auf kurzfristige Kredite angewiesen, während die Landeskreditkasse infolge der Entwicklung des Pfandbriefmarktes z. Zt. außerstande sei, in weiterem Umfang Hvpothekengelder zu gewähren. Auch der Stadtspar- kasse seien infolge der Nowerordnung vom 6. Oktober 1931 Beschränkungen auferlegt, die eine Spitzenfinanzierung der Bauten besonders abträglich sei. Es tauche daher die Frage aus, inwieweit mit Hilfe der Reichszuschüsse für Eigenbeimbauten tatsächlich eine Belebung des Baumarktes erreicht werden könne.
Dr. Gerland macht den Vorschlag, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß die hemmende« Vorschriften der Nowerordnung wenigstens bezüglich der Neueinlagen der Siadtsparkafle gemildert würden. Auch sei zu erwägen, inwieweit man Mittel der wertschaffenden Erwerbslosenfürsorge für Bauarbeiten nutzbar machen könne da es vor allem gelte,
die große Zahl der erwerbslosen Bauarbeiter nicht noch werter anwachsen zu lassen.
Die einzige Möglichkeit zur Spitzenfinanzierung hiesiger Bauvorhaben sei vielleicht durch die Hessische Heimstätte gegeben, die gemeinsam mit dem Stadtbauamt die Errichtung einer größeren Siedlung plane sofern die der Anstalt zur Verfügung siebenden Zwischenkredite in ihrer Laufzeit vom Preußischen Staatsministerium verlängert würden. Die Stadtver- waltung werde gebeten, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß Bauplanung und Bauausführung durch ortsansässigen Architekten und Unternehmer bei Beschäftigung einheimischer Bauarbeiten erfolge Die Bautätigkeit in Kassel könne seitens der Stadt weiter dadurch gefördert werden, daß man durch Stundung von Anliegerbeiträgen, Kanalbaukosten und durch billige Hergabe von Grundstücken, sowie gegebenenfalls durch Bürgschaftsübernahme für erststellige Kredite entgegenkomme. Der größte Schaden werde der Kasseler Bauwirtschaft z. Zt. durch Schwarzarbeit und durch Bevorzugung ortsfremder Unternehmer zugefügt.
Doch könne es gegenwärtig kaum verantwortet werden, daß die wenigen anfallenden Bauaufträge fast ausschließlich durch nicht ortsansässige Baugeschäfte
ausgeführt würden, die an den Lasten der Stadt keinen Anteil hätten. Es empfehle sich daher, in den Verkaufs- oder Erbbauverträgen einen entsprechenden Vorbehalt aufzunehmen.
Gewerkschaftssekretär Jungklaus führte aus, daß
95 Prozent der hiesigen Bauarbeiter im letzten Sommer ohne jegliche Arbeit gewesen seien
und daß damit die Verbitterung auch gegenüber den in Kassel beschäftigten auswärtigen Bauarbeitern steige, umsomehr als diese vorwiegend
nur mit einem Bruchteil des tarifmäßige« Lohnes beschäftigt werden.
Die Baupolizei möge bei der Genehmigung von Bauanträgen schon darauf Hinweisen, daß von den Bauherren und Unternehmern auch einheimische Bauar- heiter verwendet würden.
Stadwerordneter Catta erblickt
die Ursache der gegenwärtigen Mißstände in der überspannten Gewerbefreiheit, die nur das Pfuschertum grotzzüchte.
Er beantrage, daß auch bei Stundung von Anlieger- beiträgen, sowie den Kosten für die Versorgungsleitungen den Bewerbern die Auflage gemacht werde, das ortsansässige Unternehmertum zu berücksichtigen. Er habe feststellen können, daß von 30 bei der Baupolizei kürzlich eingereichten Baugenehmigungsplänen 28 von auswärtigen Architekten entworfen worden seien.
Stadtoberbaurat Jobst begrüßt die Bestrebungen der Notgemeinschaft und versichert, daß sowohl der Oberbürgermeister als auch die Stadtbauverwaltung bei der Verwirklichung des Zieles gern Mitarbeiten würden. Man erhoffe durch
das kommunal« Arbeitsbeschaffungsprogramm
Gelder sowohl für den Straßenbau als auch für Hausreparaturen, Wohnungstetlungen und Umbauten gewerblicher Räume flüffig macyen zu können. Selbstredend verlange die Stadt bei der Hergabe von Grundstücken die Auftragserteilung an ortsansässige Baugeschäfte und führe auch mit Hilfe der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände eine Aufsicht durch Auch die Vorschläge zur Bekämpfung der Schwarzarbeit mache sich die Stadtbauverwaltung gern zu eigen, wie man überhaupt durch ein Zusammenwirken von Behörde und Selbsthilfe nicht nur dem Baugewerbe, sondern der Stadt selbst diene.
Stadtverordneter Dr. Hartmann teilt mit, daß nach der Aeußerung des Landeshauptmanns die Hessische Heimstätte lediglich die finanzielle Betreuung der Siedlungsbauten übernehmen solle. Da die Stadt gebeten sei, zur Finanzierung des Bauvorhabens die Reichszuschüsse zu bewilligen, so ersuche er. bei den Verhandlungen im gleichen Sinne zu wirken. Im Schlußwort erklärte Stadtverordnetenvorsteher Hofacker, datz auch er in der Schmutzkonkurren; eine Gefahr sowohl für die Arbeitgeber wie für die Arbeitnehmer erblick«. Di« Rathausfraktionen würden die Vorschläge der Notgemeinschaft auf ihre Durchführbarkeit prüfen und namentlich die finanzielle Seite mit Nachdruck verfolgen.
Oer silberne Sormiag
Diel« Besucher auch von auswärts. — Mäßig«»
Geschäft.
Der silberne Sonntag war in Bezug auf den Sonnenschein golden, bezüglich des Geschäfts dagegen kupfern. Ta «nan aber heute auch den Pfennig ehren soll, so mußten die Kasseler Geschäftsleute eben mit dem zufrieden fein, was ihnen nach Wegfall des kupfernen Sonntags und bei der allgemeinen Wirtschaftslage noch geblieben war. Das Wetter war jedenfalls. wie gesagt, prtma. Ein Wintersonntag, wie er sein soll, wenn auch der rauhe Ostwind die Rasen rot und die Hände blau färbte.
Viel Volks drängte sich in den Straßen fchon am Vormittag, auch vom Land brachten die Züge ziemlich viel Kauflustige Aber der eigentliche Betrieb in den Geschäften erwachte erst allmählich von 2 Uhr nach mittags ab und auch da sehr ungleichmäßig. Bei Ein- bruch der Dunkelheit waren Kassels Stratzen zum großen Teil festlich erleuchtet. Neben den bunten Geschäftsreklamen und Schaufensterbeleuchtungen tvrren wieder ganze Straßenzüge der Mittelstadt, diesmal auch die Südseite des Friedrichsplatzes, illuminiert. Die Marttnskirche und das Rathaus hatte man wie
der angestrahlt. Auch die Städter, die auf den Höhen des Habichtswaldes die reine Winterluft eingeatmet hatten, kamen abends noch in die Stadt, sodaß die Hauptgeschäftsstraßen schwarz von Menschen waren.
Das Ergebnis des Tages wird verschieden beurteilt. In der City und den angrenzenden Geschäftsstraßen war man einigermaßen zufrieden, an Publikum fehlte es nicht, verlangt wurde hauptsächlich gute Miitelware. Am besten schnitten die Geschäft«, die Kleiderstoff zu verkaufen hatte» (besonders solche für Damen) ab. Herrenkonfektion war weniger befriedigend, die Schuhgeschäfte hatten gut zu tun, ebenso die Spielwarenläden, Herrenartikel gingen einigermaßen, ebenso Trikoiagen, dagegen klagten Drogerien und Zigarrengeschäfte über schlechten Absatz. In der Alt- staot und an den Peripheriestraßen wurden in der Hauptsache billige Artikel verlangt, der äußerste Westen und das Stadtviertel klagten am meisten. Die großen Kaufhäuser hatten starken Zuspruch; die Umsätze waren hier wohl mengenmäßig aber weniger zahlenmäßig befriedigend, immerhin ist man auch hier nicht enttäuscht. Interessant ist die Angabe, daß gerade in den ganz großen Geschäften fast 75 Prozent der Käufer von auswärts kamen. Alles in allem: Der silberne Sonntag war kein direkter Versager, aber der fehlende dritte Verkaufssonntag vor Weihnachten dürste nach Ansicht der Geschäftsleute nicht mehr ein- zubrtngen sei» **
Sie ahnen ja £araicht,was Frauchen mit den BLAUPUNKT- Stickereien alles anstellt, sogar ein Halsband hat sie mir ru Weihnachten gemach?
Man kann natürlich alles nut diesen Stickereien erreich l Man kam sogar einen zufriedenen Raucher zum Mann haben, wenn man An „Blaupunkt“ rauchen läßt.
38 lau yunkt
mit Stickereien und Sotdaten-Biidern
WALDORF ASTOR IAC M-B-H