_____________Sette 8 — 1 Beilage
sei es beim Proletarier ober bei dem Adelsgenossen, wird immer »en Menschen formen. Tenn wieder kennt man persönlichkeitsbetonteFamilien, bei denen einzelne erfolgreiche und hoeliinielligente Vertreter den Familiengang beeinflussen, und endlich gibt es berussbe- wnte Geschlechter, bei denen man nur Aerzte, Bauern, Pfarrer und andere feststellt. Bei all diesen Betrachtungen erhebt sich auch bei dem Fernstehenden immer wieder die Frage: . -----
Wie gehen eigentlich Familien zu Grunde?
Bei diesen Fragenkompleren arbeiten Historiker, Mediziner und Genealogen zusammen und stellen unabhängig voneinander fest, daß einmal ganze Bevölke- rungsschichten durch sozialogische Gewalttaten, wie in Rußland der Adel, die Offiziere, einfach zum Erlöschen gebracht werden. Andererseits aber ist vor allem Vie Verhandtenheirat die faenilienrodende Ursache. Durch die Heirat in der Familie gibt es einmal einen großen Abnenausfall und dann auch eine Häuiung schlechten Erbgutes in potenzierter Form. Der Vortragende bewies seine Behauptungen durch familiengeschichtliche Darstellungen berühmter Geschlechter. Sc kam es. daß in der Familie Kalikeik durch den Fehltritt eines Mitgliedes von 400 Angehörigen 30 Prozent schwachsinnig wurden; so ging durch die immerwährende Verwandtenheirat das berühmte Geschleckt der Medizeer geistig und körperlick zu Grunde- Familienforschung ist freilich eine mühsame Wissenschaft. Die toten Zahlen und biologischen Notizen unserer alten Kirchenbücher aber werden mit einem Schlage lebendig. wenn ihre Durchführung im familiengeschichtlichen und eugenischen Sinne geschieht. Und dann wächst aus dieser Erkenntnis heraus die schönste Frucht eugenischen Handelns:
Der Sinn und das Verantwortlichkeitsgefühl für gesundes Erbgut bei der Gründung einer neuen Familie;
Alte Mister als Adventsfreude
Einen feinen, nicht alltäglichen Genuß bot die im Saale des Kasinos in der Wolfsschlucht von den Schülerinnen der unter Leitung von Frau Direktor Lemp stehenden Reinhardswaldschule unterstützte Adventsfeier des B. D. A. Zwölf nach Gemälden alter deutscher, italienischer und niederländischer Meister gestellte liebliche lebende Bilder, gesanglich und symphonisch untermalt, bereiteten auf das Geheimnis der -heiligen Weihnacht vor. Die Darstellungen waren in Haltung und Kostümen wundervoll stilecht, so daß die großen Maler — wir nennen nur Dürer, Fra Angelico, Raffael und van Eyk —- in Farbe und Stimmung lebendig und packend zu den Besuchern redeten. Ganz entzückende Engelsgruppen, am allerschönsten aber die Madonnen. Reicher Beifall dankte dieser wirklich ergreifenden Adventsüberraschung.
Zn liebenswürdiger Weise hat sich Frau Direktor Lemp bereit erklärt, die begeistert aufgenommene Vorführung zu Gunsten der „Kasseler Winterhilfe" gm 12. und 13- Dezember im Kasino zu wiederholen. Wir find überzeugt, daß dieser Entschluß allseitig dankbarst begrüßt wird.
Festtagsrückfahrkarte« der Reichsbahn. Wiederholt vorgetragene Wünsche des Publikums, an auswärts wohnende Angehörige an Stelle des Fahrgeldes eine Fssttagsrückfahrkarte für eine Reise nach Kassel senden zu können, hat die Fahrkartenausgabe des hiesigen Hauptbahnhofs veranlaßt, auch Festtagskarten auszufertigen, die zur Fahrt von auswärts hack Kassel üNd 'zurück berechtigen':- tnait kaitn z. B. hiB eMKarte lösen, die gültig ist zur Fahrt von Berlin nach Äajfel und zurück. Damit wird die Möglichkeit gegeben, Angehörigen für die Fahrt nach Kassel und zurück die vollständige Fahrkarte zu schicken und sie durch dieses Geschenk zum Besuch zu verpflichten- Diese Fahrkarten können, wie die übrigen Festtagskarte n, schon von Montag ab gelöst werden, allerdings zunächst nur an Schalter 8 der Fahrkartenausgabe Kassel Hbf.
Kasseler Tkeueste TTodfHAfen
Smenabend, lO./gonntaa. 11. Dezember 1932
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Man stehl den Sinn des ehelichen Zusammenlebens nicht mehr Darin, alle Röte kameravickaftlich mitern-
Freiheit oder Autorität?
Die Sendung der Kirche
Unter dem Thema „Die Sendung der Kirche" hielt Pfarrer Lic. Lieberknecht eine Vortragsreihe, bei der er sich im einzelnen mir »en Fragen „Freiheit «der Autorität“ — „Volkheit oder Menschheit?" — „Neue Familie oder Untergang?" — beschäftigte.
Es handelt sich darum, die veränöerte Haltung gegenüber den Grundfragen der Lebensanfchauuligen, der Familie un» des Voltsganzen von der Kircke her zu deuten. Weithin begegnet man bei »en Menschen unserer Zeit der Meinung, die Kirche sei lediglich ein Ort der sonntäglichen Erbauung, um sich der Sorgen uns Nöte des Alltags für eine kurze Stunde zu entheben Pfarrer Lieberknecht wollte Durch seine Vorträge den Sinn für die eigentliche Aufgabe der Kirche bei seinen Hörern neu wecken Wenn man von der Sendung der Kircke spricht, so geschieht es aus der Gewißheit, daß die Kirche auch heute noch und in aller Zukunft einen Auftrag zu erfüllen hat Sie hat von Anfang her »as Won Gottes in der Welt zu verkündigen. Wenn sie dies tun will, so muß sie im besonderen Maß das Ringen in dem Sinn des Lebens durchkämpfen und ihn den Menschen im Heute zeigen. Sie hat kein Programm zu geben, sondern die Haltung des von Gott innerlich erneuerten Menschen deutlich zu machen.
„Freiheit oder Autorität" hieß die Frage des ersten Abends. Pfarrer L. schilderte in anschaulichen Bildern den Menschen der in Freiheit sein Leben zu gestalten versucht und den, der aus dem Gehorsam kommt. Doch wenn auch ein Motiv besonders deutlich hervortritt, so steckt im Grunde beides im Menschen besonders im jungen Menschen, der Drang nach Freiheit und das Bedürfnis nach Auwritäl. Wir haben zu fragen: worin besteht der Gehorsam, den Gott verlangt? In unserem Beruf, in der Ehe, als Glied unseres Volkes, sind wir einer höheren Macht dienstbar, die uns bestimmte Ausgaben stellt. Hier wind das eine gefordert daß wir in aller Freiheit das Za finden zu einem bindenden Gehorsam. — Im Vortrag
zu machen hat, von dessen Ankunft die Adventszeit eine Ahnung geben will.
„Neue Familie oder Untergang"
lautete der letzte Vortrag, »er den Blick wieder auf die nächsten Aufgaben in der Familie lenken wollte. Auch sie ist eine Gottesordnung. Hier wird die unerbittliche Tatsache deutlich, daß ein Volk nicht deshalb untergeht, weil es in Noi ist, oder von Feinden bedroht wird, sondern weil seine sittlichen Kräfte zersetzt sind. Weil hier heute im allgemeinen uns für den Einzelnen eine besondere Not liegt, deshalb hat die Kirche nicht zu schweigen, wenn sie ihren Auftrag erfüllen will: Wort Gottes heute deutlich zu machen — Wir stehen vor der Tatsache der Zersetzung, die alle beste-, henden Verhältnisse angegriffen hat. Alle Ordnungen, die früher unumstößlich galten, werden angezweifelt. Die Ehe, wird sie noch als Selbstverständlichkeit genommen? —
Aufgabe der Kirche ist es auf Has hinzuweisen, was sie selbst auf diesem Gebiet gefordert und gegeben hat. Die Reformatoren forderten, daß sich in der Ehe das Menschengeschlecht fortsetzen soll. Schleiermacher spricht davon, daß hie Ehe keine Zweckhandlung, sondern Ausdruckshandlung sei, durch die das geistige znein- anderwollen im leiblichen symbolisch dargestellt werden soll. In ihr muß sich der Mensch durch das Gebot der Treue über sas Triebhafte erhehen.
Dies sind die beiden Brennpunkte, von denen aus die neue Haltung zu finden ist. Aber es erhebt sich Die Frage, ob dieses evangelische Gut Überhaupt noch lebt? Es ist das Wort: „Kinder sind eine Gabe des Herrn" weithin nicht mehr lebendig, selbst bei Menschen, die nicht durch wirtschaftliche Not gezwungen sind, um »er Verantwortung willen auf Kinder zu verzichten. Auch der Schleiermachersche Gedanke sich gegenseitig hinauf zu entwickeln ist weithin vergessen.
ander zu tragen.
Die Christen sollen ohne Scheuklappen mit jedem ehrlichen Wahrheitsmenschen ringen. — Die Christen haben auch ein Wort zu Den Reformbeftrebungen zu sagen, um die in der Literatur und in der Frauenbewegung schon lange gerungen wird Es geht nicht um Das Lebensglück »es Einzelnen, daß er sich in aller Freiheit ausleben kann, sonoern um die Zukunft unseres Volkes Die Frage ist die: Wie machen wir die wertvollen Familien willig zu Vater- uns Mutterschaft unD wie hemmen wir die Unwürdigen? — Hinweis auf ungewisse Fragen sind in der izugenderzre- hung notwendiger als Aufklärung
Zweitens gilt es zu Den Schleiermacherschen Ge- danken eine neue Stellung zu finden Es ist eintach Tatsache, oaß so viele Ehen trotz erschwerender Umstände bestehen, weil oa irgend etwas Urtümliches im Menschen sein muß, das feine Zersetzungserickeinung zerstören kann. Deshalb kann die Dauerehe niemals aufgegeben werden. Menschen, die die tiefste Gemeinschaft miteinander gehabt haben, können nicht ansein- andergehen, sie leiden denn Schaden. Hinter der tr- oischeu Liebe steht die himmlische, die vergibt und nicht aufhört. Wenn »er Mensch zur Ehe berufen ist, ist er Schöpfer geworden. Er ist Gott begegnet. Er darf dies Geschenk nicht leichtfertig verspielen oder mißachten. Es gilt aber auch zu den Reformvorschlägen in der Gesetzgebung aus christlicher Verant- ' Wartung heraus Stellung zu nehmen Etwa zur Ehe- scheidungssrage. wo es fick z. B. darum handelt, soll eine Ehe durch Staatsordnung weiter bestehen, wo die Menschen sich auseinander gelebt haben, sodaß sie fick zur Qual werden? Oder zur Rechts'tellung von Mann und Frau in der Ehe, die heute teilweise veraltet sind.
Es ist heute schwer, etwas über die wirtschaftliche Möglichkeit einer Eheschließung zu sagen Aber zur Besinnung auf die neue innere Härtung muß die Kirche gerade heute rufen, denn wir stehen in der Zeit der großen Wandlung, in solchen Zeiten redet Gottes Si'mme und die Kirche hat sie zu hören. „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes" spricht der Herr der Kirche und alle Dinge sind möglich dem. der glaubt. G- M-
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Geschichte des Reserve-Feldartillerie-Regiments 51
„Bolcheit oder Menschheit"
gab er ein Bild des Menschendes 19. Jahrhunderts, dessen Welt und Lebensgefühl seinen höchsten Ausdruck in »em Schillerschen Gedicht „An die Freude" gefunden hat: „Seid umschlungen Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt!" Er zeigte wie plötzlich dieses kosmopolitisch gerichtete Weltbürgerbewußtsein im Jahre 1914 vollständig vernichtet wurde. Auf einmal wußte jeder, daß er seinem Volk angehört, für das er sein Leben einzusetzen hatte, weil das Leben dieses Volkes es verlangte.
Was hat die Kirche in die Zeit hinein zu sagen? Menschheit — Volkheit? Tie Kirche weiß von der Spannung, in der der Christ steht als Glied seines Volles, in das er hineingeboren ist, dessen Sprache er spricht, von dessen Tradition er sich nicht lösen kann, das aber ein Volk neben anderen Völkern ist, dessen Existenzberechtigung anzuerkennen die Ehrfurcht vor dem Leben gebietet.
Die Kirche kann niemals ausschließlich die Kirche eines Volkes sein.
Es gibt feinen deutschen Gott, demzufolge jedes Land seinen Ratlvnalgott haben müßte, sondern »en Herrn über alle Dinge. Die Kirche hat Die Gebundenheit an das Volk, an die Traditnon als Schöpfungsordnung und Aufgabe Gottes dem Menschen deutlich zu macken und jeden völkischen Kultus, der das Volk neben Gott stellt, als Abirrung herauszustellen. Dte Kirche darf aber auch Den Missronsbefehl „gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker" . . . nicht übersehen Denn es gibt im Glauben, ebenso wie es nur einen Gott gibt, nur eine christliche Kirche, wenn sie auch in verschiedenen Ausprägungen in den Völkern lebt. Deshalb hat sie auch Aufgaben, die über das Volkstum Hinausgehen. Sie darf sich der äußeren Missionsarbeit nicht versagen, Die Kirche hat aus diesem Grunde auch ein Wort zur Friedensfrage zu sagen. Sie ist es, die dem kommenden Herrn der Welt den Weg bereit
Man schreibt uns:
Der „Regimentsgeschichten" sind dis heute schon viele erschienen. Aber besondere Teilnahme wird sich in unserem Hessenlande die Geschichte des Reserve-F.- Art.-Rgts. Nr. 51 erfreuen, die noch vor Weihnachten erscheinen wird. Wurden doch zwei Abteilungen dieses Truppenteils in der alten Kasseler Artilleriekaserne aufgestellt und setzte sich sein Mannschaftsbestand zusammen aus einer besonders hohen Anzahl von Mitbürgern und anderen Kurhessen, die heute noch ihrem Regiment Treue halten. Viele seiner Angehörigen haben, wie die Ehrentafel in der Gedächtnisstätte am Aueabhang beweist, „treu bis zum Tode" in seinen Reihen ihre Pflicht erfüllt.
„Herausgeber" der R.-G. sind Kasseler Herren dev Geschichte unter Mitarbeit sehr vieler ehemaliger An- gohöriger »es Regiments in jahrelanger, sorgfältiger Arbeit zu einem Werk von über 700 Druckseiten, versehen mit etwa 600 Abbildungen.
Die Geschichte schildert, hie mühevolle Aufstellung und Aüsrustunch' des Regiments, seinen durch! '4bie Kriegslage erzwungenen überstürzten Einsatz in Flandern, sein erstes frisches Voranstürmen bei Langcmarck. Es wird berichtet, wie in der Lehre des Krieges, und unter bewährter Führung aus der ungeübten und unerfahrenen Truppe ein scharfes Instrument wurde, das sich bewährte im zähen Halten einer Stellung, wie im „Drang nach vorwärts". Es wird berichtet in meisterhaften Einzelschilderungen von dem ersten deutschen Gegenangriff, dem Erstarren der Fronten zum Stellungskriege, den schweren Kämpfen an der Somme und in der Champagne, vor Reims. Verdun, Mont- bübier und Soissons und zuletzt von dem bitteren Rückzug. der das Regiment in vollster Ordnung und ohne Verlust auch nur eines seiner Geschütze zur Demobilmachung nach Oberkaufungen führte.
Diese Reg.-Geschichte ist kein „Heldengesang", auch keine trockene Wiedergabe der sog. „Kriegstagebücher". Wenn man eigene Erfahrungen zum Lehrmeister für kommende Geschlechter macken will, mutz man an erster Stelle ehrlich, sachlich und ungeschminkt berichten. Gerade in dieser Ehrlichkeit liegt der Hauptwert des Buches, dessen lebendige Schilderungen auch den Unbeteiligten fesseln werden.
Bei einem Besuche der Front stellte der damalige Kasseler Oberbürgermeister dankerfüllt für Kriegsende einen festlichen Einzug unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung in die Hauptstadt Hessens in Aussicht. Wie jo viele andere, hat man auch diese Hoffnung begraben müssen, aber möchte jetzt unser Heffenland beweisen, datz bei ihm die Erinnerung an die alte Armee und ihre Taten in treuer Hut steht.
Kam liensorfchung und Eugenik
In der Arbeitsgemeinschaft für Eugenik, die jeden Monat unter Beteiligung weiter Bevölkerungsfchichten tagt, sprach gestern Professor Dr. Hofmann eingehend über Familienforschung und Eugenik. Unsere Zeit, so ssihrte er aus, ist das Zeitalter der Gemeinschaftsbildung, der Konzerne und Gesellschaften gegenüber dem Jndividium. Eine solche Gemeinschaftsbildung ist auch die Familie, die Keimzelle des Staates. Alle Ansehörigen einer Familie sind, wenn wir auf Generationen zurückschauen, Glieder einer langen Kette, und in tedem ©liebe spiegelt sich ein Teil des Erbgutes der Ahnen wider. Der Genealoge kennt drei Arten der Familiengruppen. So spricht er von Generationsschicksalen, die milieubedingt sind. Die Umwelt,
Zu Weihnächte» einen Blaupunkt und die Welt ist Dem! Das wäre wirklich kein allzu kühner Weibnachtswunsch. denn Sie wisse» ja selbst, daß der Blaupunkt 2000 schon für etwa RM IdO.— überall zu haben ist. Auch auf Abzahluna können Sie den Blaupunkt "2000 erwerben, so das, das Hindernis etwaiger Geldknappheit ohne.weiteres wegfällt.
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v P. 370
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DasWeihnadikges der praktische Wandh
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