Handel. Wirtschaft«Börse
Kasseler Neueste Nachrichten Hessische Handelszeitung Freitag, den 9» Dezember 1932
Die Börse der Woche:
Di» »bautet ie bet Sirte »«tbe ferner durch hie Sait« fchetulichkeit aageregt. bei eine flnfUxternag bet Still-
Kaufe der Mont&nkonzeme
neue
l.) vorkonnte.
Schiildnerschufy vor Verfallklauseln
Wichtiger Iristablauf: IX. Dezember
halterte»ite ja einer Setmebtung der Lverrmarttanteu f Liren werde.
Das würde aber auch eine AuÄednung der Lverrmark-Ber- wendungsmö-Iichkejten für dar Ausland nach der Richtung von neuen Sudlandskäufen in deutschen Effekten aus Ltilldalttgeldern bedeuten. Man kaufte insolaedeffen die vom Ausland« früher bevorzugten Papiere, fo Rerchsbankanieile, Rotzftofswerie, Tarifwerte (Vekula. Deffauer Gas). — Kaufinteresse zeigte sich für die Kunstsei- öenivertt auf den Abichluh der internationalen Sunstseiden- verhandlungen. Conti Gummi stiegen weiter auf Häufe der Ovel-Gruppe. Beachtung fanden auch die Brairnkob- lenroerte. speziell Leovoldgrube sowie Dt. Erdöl. Bei Rütgerswerke erwartet man grd he re Aulträge aus »en kommenden Ltrahenbauien. — Tie Umsätze am Renten- markt schrumpften weiter ein, nur Zndustrie-Qblisativ- nen waren gesucht. — Die Wiederaufrollung der Düsseldorfer Affäre «<Kfer durch den Rücktritt des Direktors der DeTi-Bank. Dr. Kehl, nies vorübergehend eine Abschwächung hervor, aber trotz umfangreicher Realisationen der Tagesspekulation blieb der Grundton doch zuversichtlich.
gen meist mit einer Montan Hausse begannen. Das Publikum hält sich frellich vorerst noch zurück, es will oixn- bar abwarten, ob dem neuen Reichskabinett eine innervoli- tifdx Entspannung gelingen wird, es will auch erst die Einzelheiten des Wirtschaftsprogrammes des neuen Kabinettes kennen lernen. Aber die Gewißheit, Hatz dieses Programm eine Eeweirerung der Arbeitsdeichafsungspläne bringen wird, veranlaht Publikum und Spekulation schon setzt, Ausschau nach jenen Werten zu halten, die. von neuen StaatS- uiid Sommunalaufträgen Vorteile haben würden. In diesem Zusammenhänge wurden, ahge,eben von Kohlen- und Eisenwerien. vor allem Maschinenwerte gekauft, io besonders Muag, ferner (auf die geplante Motorisierung der Reichswehr) Autowerte, speziell BBkW. Te.- n. Kabelwerte (Dt. Kabel. Selten u. Guilleaume etc) und Bauwerte (Julius Berger. Hochtief, Deutsche Linoleum).
Dieser Lchuldnerschutz vor einer Verfallklausel gilt nur für die unter die Verordnung vom 11. November d. I. fallenden, oben genannten Hvvothekemorderungen. Kür bic Hnootheken- usw. Korderungen an I a » d w t rif A a 1111 = Jen Grnndfrücken, deren Limen durch die Verordnung vom 27. 9. herabgesetzt ftn\ und daher nicht unter die _____ Verordnung vom 11. November (allen, belicht tcdoch ein besonderer Schuldnerschutz. Rcchtsnachtetle infolge unpünktlicher Zahlung treten nach der Verordnung vom 27. 9. (S 11 Abs. 8) nicht ein. wenn bls »nm 1. Ja- nnar 1993 fällige Zint- und Tilgungsbeträge infolge eines ..nicht auf grober Kahrläfsigkeit beruhenden Irrtum« über die Hdhe der nach der Verordnung geschuldeten Zins- uiw. Betrage unvollständig gezahlt werden. Dr. Brvnner.
Die groBtu Jirduftriekonzerne, deren Kinanz- sorgen in den letzten Monaten die Sörit immer wieder beunruhigt h-tten, find plötzlich aus ihrer Resignation herausgegangen. Sie treten feit Kochen in immer zunehmendem ilwkange als Käufer größeren Stils für Montanwerte und Brauukoblenwerte aut. Aogefehen davon, dah diese rhe.ntschen Käufe von Aktienpaketen ..eingefrorene' • Aktienpakete aus alten Lombards bei den Banken zur Lösung bringen, bestärkt dieses Eingreifen rbeinifcher Jndu- üriekonzerne Spekulation und Publikum in der Anschauung, daß es in der Industrie aufwärts geht. Tie etwas zuversichtlicher laute nben Situation «berichte aus verschiedenen xfubuftriett. vor allem aus der Eisen- und Kohlenindustrie sowie vom Schrottmarkt erhalten dadurch ein besonderes Relief. und ke Börfe glaubt endlich an die Prognosen, die schon seit geraumer Seit den Kehrreim tragen: die Wirt- schastsschrumpfung geht ihrem Ende entgegen. Kretlich mutz man sich darüber klar fein, datz bet diesen Saufen großer Konzerne zweifellos auch Kombinationen und Erwägungen über neue Sufammenfchlüfse in der westdeutschen Montanindustrie eine gewichtige Rolle spielen. Die Konzerne finb flüssiger geworden und legen flüssige Mittel in Montauaktien au. um später, bei neuen Zusammenschlüssen, mit dabei zu fein. Die K ü b r u n g bei dieser Mon- tanbewegnng batten Gelsenkirchen. Ber. Stahlwerke. Harpe- ner und Rhein. Braunkohle. Bei Gelsenkirchen spricht man immer wieder von einer Reprivatisierung des Aktienpaketes der Regierung, bei Harpen von der Möglichkeit einer kleinen Dividende, aber auch davon, datz die Silverberg-Gruppe, die Rhein. Braunkohle beherrscht und schon über einen stattlichen Besitz an Harvener-Aktien verfügt, wieder den Gedanken an eine Aufnahme von Harpen durch Rhein. Braunkohle auf dem Wege des Aktien-llmtausches oentiliere. Die rheinifche Spekulation folgt naturgemäß diesen Käufen der Grotzkon.zernc. insbesondere waren in den letzten Tagen größere rheinische Pramicnkäuse in Montan- werten su bemerken.
Es konnte nicht ansbleibe», datz diese Bewegnng auch die Börfenspeknlation aaregte.
Man erinnerte stch daran, Latz von jeher Auswärtsbewegun-
Auf Svpothekenforderungen usw. an l a n dwirisch aftli «en Grundstücken findet dte neue Verordnung auch in diesen Fällen keine Anwendung, soweit die Stmen durch die Verordnung über die Zinserleichteruttg für den landwirtschaftlichen Realkredit vom 27. S. 1932 herabgesetzt sind. Die Källigkeit wir» jedoch für Hvvothekenforderungen an landwirtschaftlichen Grundstücken insbesondere binans- geschobcn. wenn die Sorderung bereits vor der Verordnung vom 27. September 1932 mit nicht mehr als 4 Prozent verzinslich war oder erst nach dem 29. «»evtember 1932 entstanden ist.
Schliehlich sind von der Hinausschiebung der Källigkeit ausgenommen bankmätzge, durch Hopotbeken geiicherte Personalkredite sowie durch Hvpothck oeer Grundschuld gesicherte Sortierungen aus Gefälligkeiisdarleben oder. Darlehen. bei denen eine langfristige Kreditgewährung nicht beabsichtigt war. schließlich Hoovibeksn und Ärundschulden, die Trägern der Invalidenversicherung znftehen.
Bei de» Hiernach bet «er-rdaung eem N. November
Einen für die Schuldner wesentlichen Schutz vor Berfallklaufeln enthalt die Verordnung vom 11. November 1932 über die Hinausschiebung der Källigkeit von durch Hypothek- öder Grundschuld gesicherte Forderungen sowie Grundschulden. Unter diese Verordnung fallen vor allem
e) Hnpotbekensordernngen »sw., die »ach Bereinbarnaa oder Satzuugsbestimmnng ohne Kündigung fällig sind »der bereite vor dem 9. 12. 1931 gekündigt waren:
6) Hvvoibckcnforderttnaer usw.. die erst »ach dem S. 12.
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Ausnahme der Anfwertungsbopotheke».
In Kürze:
Der , ra » hifche Gr - tzbetrieb C. G. Röder A.-G. la Leipzig bet die Zahlungen cinftcUen müllen, nachdem die ungebahnte» Stützungsverbaudlnugen nicht den erhofften Verlauf genommen haben. Angestrebt wird ein gerichtlicher Vergleich. Ms Verbindlichkeiten «erden zusammen ans annähernd 3 Mill. RM geschätzt.
Die Maschinenfabrik Buckau, R. Wolf A.-G„ Magdeburg, wird in diesem Jahr voraussichtlich keine Dividende pertötlen. (Bor 2 Jahren 10 Prozent, im Borjahre 5 Prozent). Der Status der Gesellschaft ist nach wie vor gut zu neunen. Das Unternehmen ist liquibe.
Die GB der Gebrüder Simon Tertil A.-G., Berlin, beschlotz. den JahreSverluft von 431 686 RM zuzüglich des aus dem Borjahr vorgetragencn BerlfusteS mit nunmehr insgesamt 598 905 RM bet 5 Mill. RM A.-K. aus neue Rechnung vorzutragen.
Heber die beabstchttgtc Abtrennung der S u v s c r betriebe der M a n S s c l d A.-G. für Bergbau und Huiten- betrieb, Eisleben, (Schächte und Kupferhütten, ausschlietzlich kupserverarbeitendc Betriebe) verlautet, datz die Berhandlun- gen im Gange sind. Wahrscheinlich kommt eS zur Bildung einer Aktiengesellschaft, deren Anteile in der Hand der Mansfeld A.-G. bleiben sollen. An eine direkte Beteiligung der öffentlichen Hand ist nicht gedacht.
Die arbeiten derParksier Petr » leum -« o »fe - r e n z scheinen stch in die Länge zu ziehen. Es stnd Schwie- rigteiten aufgetaucht, dte das Ergebnis der ursprünglich getroffenen grundsätzlichen Einigung über die Kontingentierung der rumänischen Petroleummenae in Frage gestellt haben sollen. Unter diesen Umständen dürste die Konferenz noch einige Zeit andauern.
Bon der Kunftseidc-BerkausSbüro G. m. b. H., Berlin, wird mitgetcilt, datz die Verhandlungen mit der belgischen und
batz eine Rückzahlung von öem Gläubiger n t 6 t v o i dem 1. Avril 1934 »erlangt werden kann. Eine Hinausschiebung der Rückzahlung findet nicht statt, wenn die Fälligkeit der Forderung aus besonderem Aula«. B wegen nnvünklicher Zinszahlung. Verichlechierung des belasteten Grundstücks oder iergl. vorzeitig eingetreten ist. .Der Schuldner bat jedoch, wenn die Forderung infolge unpünktlicher Zahlung von Zins- und T i I g u n g s b e t r a- gen vor dem Inkrafttreten der Verordnung (If zeitig iällici geworden ist oder fällig gemacht wert— ....— Sie Möglichkeit, dte Rückzahlungsvfl'.ckt im gegenwärtigen Zeitpunkt *u beseitigen, «r mutz zu. diesem Zwecke „Ine rückständigen Zins. bezw. T«lgungsbetrage innerhalb eines Monats nach dem Inkrafttreten dre Verordnung. alfo bi» iu m 18. 11. 1982 nachzahle » Auch
lich ist jedoch, »atz die voreilige Fälligkeit auf unpünktlicher Zins- oder dergl. .Zahlungen, nicht auf anderen Gründen, wie i. B Verschlechterung des belasteten Grundstücks beruht.
sranzSstschen Kunstseideinvustrie bezüglich ihres Beitritts zu dieser Gesellschaft zu einem günstigen Abschluß gekommen stnd. Durch den erfolgten Beitritt ber Belgier und Franzosen zu dem deutschen Kunstseide-BerkaufSbür» ist ein bedeutsamer Schritt zur Weltverftändigung ber Kunstseide- induslrie erfolgt
Am 1. April 1933 werden die Zvrozenttaen Goldschatz- an weiiungen der Stadt Berlin von 1928 über 85 Mill. RM zu HO Prozent . 27.5 Mill. RM fällig. Ob auch die Stadt Berlin wie Kranrfnrt/M. und Köln den Weg bor Stundung wird gehen wüsten, lätzt sich zurzeit noch uicheim Gtt mckj chckjf- K Adi Adi Adi ck nickt mit Gewihheit sagen. Sie ist aber bemüht, einen geeigneten Weg m finden, nm eine ordnnngsmätzige Abwicklung zu gewährleisten.
Wie die Preußische Staatsbank (Seehaudlnng). Bvrlin. mitteilt, ist die Frist für den Umtausch der am 2 4. Januar 1933 zu 102 Prozent rückzahlbaren «prozentigen Prentzische» Sckatzanwei- f n n g e n in neue 8ero$entige Prentzische Sckatzanweisnuaen bis zum 10. Jauiiar 1933 verlängert worden. Im gleichen Zeitpunkt endet die Frist für den Berkans der netten Schatz- anroeitnngen.
Ucbet das 8etmögen der Schaeffer. Homberg ®. m. b. H.. Knops, und Klefnmetallwarenfa- b t tt. Wuppertal, die im JnU d. 38. mit rund 4.25 Mill. RM Passiven in AahlnngSfchwierigkeäteu geriet ist nunmehr das Vergleichsverfahren eröffnet warben. Geboten wird für Forderungen bis in 5000 RM eine Quote von 30 Prozent. Auch über die Tochtergesellschaft, diePfennina- S ck u b m a ch e r. W o r k e G. m. b. H., Wuppertal, die mit 1.6 Mill. RM Passiven ebenfalls die Zahlungen einstellen muhte. Istdas Vergleichsverfahren eröffnet worbe». Geboten werden ebenfalls 30 Prozent.
Stärkung der Spezialgesdiäfie
Sitzung des Borstandes der Hauptgemeinschast.
Der Vorstand der Hauptgemetnschaft des Deutschen Stnzel- Handels kam in seiner letzten Sitzung zu dem Ergebnis, bat, in der Organisationsform der Hhuptgemeinschast. »le den Einzelhandel verschiedenster $rana)cn, -«"riebssormen, -größen und der verschiedenen Länder und Bezirke zusammen- satzt, die Idee der Gesanrtberussstandsvertretung nach Wie vor ihren Ausdruck findet und dementsprechend-die,Vertretung des Gesamtbernssstandes weiterhin d'e Aufgabe für die Arbeiten der Hauptgemeinschast ist. Tas Ausscheiden der Betbande der Waren, und Kaufhäuser sowie der Lebensmittelstlialbetttede ton*"« brtraWme pnä^nntÄ ««We^ aZ°'Lu7"Lr «Kmesnschoft wird in erster Linie der Stärkung serSpezialge sch aste gewidmet setn, hierfür stehen im Vordergründe die Bemühungen um beirlebs wirtschaftliche Selbsthilfe, sodann wirlschastspolit.sche Ma^ nahmen zur Senkung der Kosten. Eine besonders wichtige Aufgabe 1er Hauptgemeinschast wird in den weiteren gewerbe- poltsischen Arbeiten zur Fesügung der Grundsätze ebr l ich en W e 11 b e W e r b s gerade in der jetzigen wirtschastspoMlschen Sage gesehen, wozu die Hauptgemeinschast die bisherige Zusammenarbeit mit anderen Gruppen der Warenverteilung weiterführen wird. Ist Würdigung des gegenwärtigen Standes der Krisenentwicklung beschäftigte sich der «orstand mit den Plänen zur « r b ei t s b e s ch a s s u n a und E tnl om- menspo1111k. Die Hauptgemeinschaft wird in den näck- sten Tagen ihre Vorschläge hierzu im Benehmen mit den Vertretungen anderer Wirtschaftsgruppen der Regierung über« mittcln. b£t ,tlt ber Reklame die gesunden, engen und ehrlichen Beziehungen zwischen Warenpreis und Warenguali- tät dem Verbraucher deutlicher zu machen, wurde vom Vorstand gerade in der heutigen Lage eine besonders enge Zn - sammenarbeit mit den verbrancher - rgani satt o n e n als dringend notwendig zur Erfüllung der volkswirtschaftlichen Au,gäbe des Einzelhandels als Mittler der Verbraucherwünsche bezeichnet. Im gegenwärtigen 3u[tanb ber Wirtsehast dürfte das bevorstehende Weihnachtsgeichaft Von besonderer volkswirtschaftlicher Bedeutung sein. Die.yaupt- gemeinschaft bösst, datz alle Beeinträchtigungen der Kauflust durch Regierungsmaßnahmen ober politische Kundgebungen diesmal vermieden Werden.
Zaghafte Belebung
in der Baumwollweberei.
Der Gesaintverband Deutscher Baumivollweberei «. v. Berlin berichtet: Die Baumwollweberei hatte im November bnzweifelhaft eine Abschwächnngb e s G e sch äftszu verzeichnen. Der Auftragseingang war srätztentetls niedriger als in den Vormonaten. Der Auftragsbestand ist _ daher durchschnittlich geringer geworden, jedoch konnte der Beschäftigungsgrad Infolge der aus früherer Zeit vorliegenden Aufträge im allgemeinen auf der bisherigen Hdhe geholien werden Die Frage, ab die Zurückhaltung ber Käuserschaft dos Matz ber tatsächlichen Kaufschwäche noch übersteigt, kann nicht einheitlich beurteilt werden. Die in ber Baumwollweberei vorgenommenen Neueinstellungen finb nur zu einem Teil sai- fonSebinot. In ber Hauptsache dürfte es sich um eine PshSo- logische Wirkung der starken Augustverkause handeln, welche durch die Baumwollsteigerung hervorgerufen wurden, gestützt auf das anfängliche vertrauen in die politische Lage. Wenn im Augenblick gegenüber ber anfänglichen @£toart»belebung ein gewisser Rückschlag zu verzeichnen ist so läßt uch noch nicht sagen, auf welche Grunde dies zurlickgefübrt werden kann: denn genügend Anzeichen sprechen Dafür, daß eine Belebung der Wirtschaft tatsächlich vorhanden ist und daß es nur daraus ankommt, datz sie nicht durch politische Vorgänge in ihrer Entwicklung gestört wirb.
Die Autoindustrie fordert
sofortige Hilfe für den Kraftverkehr.
Die 31. Mitgliederversammlung der R e i ch S v e r bau - deS der AutomobtlinduftrieE. v. nahm eimtmiinig eine Entschließung an. in der von der Reichsregierung brm genb geforöert wirb, einen Abbau ber Sonberlasteu des Kraftverkehrs nicht länger hinauszuzögern. Gegenüber dem 1928 erreichten Stand sei der Wert der deutschen Anto- mobilproDuktion auf über ein Drittel herabgesunken, und die Beschäftigung der Werke sei schlechter als in irgend einer an deren Industrie. Kraftverkehr und mit ihm Automobilindustrie könnten nicht gesunden, solange das für sie wichtigste Bro-
Mensch auf der Flucht Roman von Ludwig Wolff
44.
Daniel Barker lief durch die Stadt wie früher einmal, als er seinen Vater gesucht hatte, aber jetzt suchte er niemand mehr. Die Zeiten des Suchens und Findens waren vorbei. Nichts erwartete mehr den Kapitän Barker, der nur marschierte, weil er nicht stillstehen oder -sitzen konnte. An seinem Kopf war Leere, kein Gedanke erhob sich und stellte Fragen, die Augen blickten, aber sie sahen nichts, das Herz schlug und fühlte nichts.
Die Stunden liefen mit Daniel Barker um die Wette, die Nacht rückte vor, ein voller Mond stand am nackten Himmel, die Luft roch nach verbranntem Oel und nach Flieder, die Beine wanderten wie selbständige Wesen, die jeglicher Zucht entronnen waren. Es gab funkelnde Äsphaltstratzen und einsame Ufer- wege mit Liebespaaren und dunkles Wolddickicht, aus dem lauernd« Augen starrten. Es gab Lärm und Stille, Lachen und Weintzn, Streit und Zärtlichkeiten, die Welt war voll von Schmutz und Grauen. Was half das Händewaschen, Lady Dyronnel! Auch das Wasser war unsauber. Und unser kurzes Leben ist von einem Schlaf umflossen.
Es war spät in der Nacht, als die Beine mit Daniel Barker nach Hause gingen. Er fiel ins Bett und schlief sofort ein. Als er nach einigen Stunden erwachte, schien die Sonne ins Zimmer. Er lag eine Weile ganz still und regungslos, als wollte er den einen Gedanken, der in feinem Gehirn war, nicht stören, dann stand er auf, wusch und rasierte sich und begann, seine Koffer zu packen. Als er mit der Arbeit fertig war, hörte er John Hogan auf dem Korridor. Er öffnete die Tür und rief ihn ins Zimmer.
„Wir fahren. John."
„Jawohl, Kapitän," antwortet« John Hogan, ohne zu zögern, dann erst überlegt« er. .Mit Sack und Pack?"
Barker nickte.
,Ln zwei Stunden ist alles bereit, Kapitän. Ich muh den Wagen abschmieren und die Biemsen nachsehen."
John Hogan stand da, als erwartete er noch irgendeinen Befehl.
„Mein Vater ist wieder verschwunden," sagte Barker mit klangloser Stimme, ohne seinen Steuermann anzusehen.
John seufzte tief auf.
„Alte Menschen find eigensinnig. Das können Sie nicht ändern, Kapitän."
„Nein, man fann nichts ändern, John. Also in zwei Stunden."
Der Steuermann verlieh das Zimmer.
*
Barker wäre am liebsten ohne persönlichen Abschied von Fräulein Petersen weggefahren, denn es war zu qualvoll, mit einem Menschen zu reden. Er schrieb einige herzliche Zeilen des Dankes und legte tausend Mark bei, die eine schwache Entschädigung für die verlorene Zeit und für die Freundschaftsdienste Fräulein Petersens sein sollten. Aber als er nn Wagen sah, erschien ihm dieses stumme Davonfchleichen fo unwürdig und feig, daß er nach der Düsseldorfer Strah« fuhr, um seinen Brief eigenhändig abzugeben.
Fräulein Petersen war schon zum Ausgehen ange- kleidet, als Barker kam. Sie sah in sein Gesicht und begriff sofort, was gefchehen war.
„Ich will Ihnen adieu sagen, Fräulein Petersen." Sie nickte.
„Sie fahren weg, Kapitän Barker?"
„Jetzt ist alles zu Ende. Ich bin den falschem Weg gegangen."
.Jdr Vater?"
„Ich habe ihn vertrieben."
„Was werden Sie jetzt beginnen?"
„M weih es nicht."
„Wohin fahren Sie?"
.Ich weih es nicht."
Sein Gesicht war unbewegt und verschlossen, zwischen den Augenbrauen stand eine tiefe Falte, seine Augen blickten lmrt und drohend — niemals, so schien es Fräulein Petersen, war ihr der Kapitän Daniel Barker ferner und fremder gewesen als in der Stunde des Abschieds.
Er legte den Brief mit Geld auf den Schreibtisch.
.Fakten Sie vielen Dank für alles, Fräulein Petersen. Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen, ohne es zu wissen oder zu wollen, wehgetan habe."
,LH, es war nichts."
Ihre Lippen zerbiflen «iu Schluchzen.
Er gab ihr di« Hand.
.Leben Eie wohl, Fräulein Petersen."
„Alles Gute für Ihre weitere Fahrt," stammelt« sie schwer schluckend.
„Danke."
,D>anke."
Er ging zur Tür.
„Ich muh noch Mr. Hogan Adieu sagen."
6te begleitete Barker aus die Str atze und reichte dem Steuermann die Hand.
„Good bye, Mr. Hogan."
„Auf Wiedersehen Fräulein Petersen."
Barker lieh den Motor an.
„Good bye, Kapitän! Good bye!"
Er winkte ihr zu. Der Wagen fuhr los.
Das ist doch kein Romanenbe, dachte sie nachstarrend und verwechselte in diesem schmerzlichen Augenblick Wirklichkeit mit Erdichtetem so sehr, dah sie ver- gah, wie unverrückbar der Ausgang ihres Romans schon feststand.
Das geht doch nicht, überlegte sie, dah der Held sich einfach in sein Auto setzt und daoonfährt. Niemand weih, was weiter mit ihm geschieht. Ünd was wird aus dem verlorenen, wiedergefundenen und nochmals verlorenen Vater? Welches Schicksal erwartet Nadja, die unbekannte Gröhe? Wie ergeht es dem schlechten Bruder, den die Schriststellerin zum Tod verurteilt hatte?
Und was beginnt jetzt die nette Sekretärin, von der man kühl und gleichgültig verabschiedet hatte?
Fräulein Petersen hielt sich ungewöhnlich tapfer. Sie blickte aus brennenden Augen dem Wagen nach, solange er in Sicht blieb, schluckte die Tränen hinunter und ging, als es in der Düsseldorfer Strahe für sie nichts mehr zu sehen gab, aufrecht und bläh wie ein« richtige klein« Heldin tn dos Haus zurück.
45.
Daniel Barker fährt, er weih nicht wohin. Er steuert den Wagen, aber er hat kein Ziel. Er sieht nach rechts, er steht nach links und fünfzig Schritte Seradeaus, er hupt, er bremst, er tritt auf den Eas- eb«l, aber es ist vollkommen unklar, warum er dies alles tut.
Der Wagen jagt über die Avus, weil sie eine bequeme Strahe ist. Berlin verschwindet. Hier ist schon Potsdam. Dann kommt eine Tafel, die nach Magdeburg weist. Hundertfünfzehn Kilometer nach Magdeburg. Warum nicht nach Magdeburg?
Daniel fährt nach Westen. Er fährt seinen Strich, nicht zu schnell, nicht zu langsam, immer um die Hundert herum. Die Luft ist heiß und still. Silberblauer Himmel. Der Frühling ist schon vorüber, Sommer liegt auf den Feldern. Der Motor singt. Ferne wird Nähe, Gegenwart Vergangenheit.
In Magdeburg zeigt ein Schild nach Braunschweig. Auf nach Braunschweig!
Die Strahe stürzt entgegen, die Bäume wollen fliehen, die Telegraphenstangen stehen schief, der Fahrwind jault wie ein Hündchen.
Daniel Barker starrt mit scharfen und unbeirrbaren Seemannsaugen geradeaus, aber er sitzt eigentlich gar nicht am Steuerrad, er steht auf der Kommandobrücke der „Providence" und ist schläfrig, wird immer schläfriger, ist vergiftet von Schlafsucht. Er geht in die Kajüte, und damit ist alles zu Ende. Der Schlaf hat ihn um sein Leben betrogen. Der Wagen wird langsamer, Varker reiht sich zusammen und gibt Gas.
Braunschweig ist eine schöne Stadt, von dir Stratzen nach ballen Himmelsgegenden führen. Barker gerät in schwierigen Winkelwerk der Alfftadt auf einen Weg, der nordwärts geht. Muh es denn Westen fein? Auch der Norden ist gut. Sechsundzwanzig Kilometer bis Gifhorn.
John Hogan schweigt. Er kennt dieses Gesicht seines Herrn. So hatte der Kapitän nach dem Schiffbruch in dem kleinen Hafen gestanden, stunden- und tagelang, und auf das überfällige Rettungsboot gewartet, das niemals wiederkam.. Verflucht und zugenäht! Sie hatten kein Glück.
(Fortsetzung folgt.)
Verhinderte Flucht.
Bei der Uraufführung des modernen Stückes flüstert ein Gast dem andern zu:
„Es mutz wohl stark regnen draußen, wie?"
„Warum?"
„Na, weil niemand davonläuft!"
Training.
„Verstehen Sie etwas vom Trabrennen?"
„Natürlich, sonst würde ich doch jeden Morgen die
Straßenbahn verpassen!"
Bedeutsame Lektüre.
Sie: „Ich lese ein Buch, das einen großen Einfluß auf unser eheliches Glück haben wird."
Er: „Wahrscheinlich ein Kochbuch?"
L10
\ Cüffünftu'das al schon nas-afer.....
felnsciunecker-flaßt auf-fty mufes sein!