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Kasseler Neueste JtadfrridWcn

Mittwoch, 7. Dezember IMS

fei ein Beweis uafür, daß der alte Raiffeifengeist in unserem Hessenlande weiterhin fortlebe. Beigeord­neter keck überbrachte di« Grütze und Wünsche des Oberbürgermeisters Dr Stadler, und bat um Unter­stützung der Winterhilfe der Stadt Kassel. Kammer- drrektor T e n t e r überbrachte die Grütze des Präsiden­ten der Landwirtschaftskammer, Kammercherrn von Kendel! Mr wollen stolz darauf sein, führt« er aus, bag es uns trotz der grotzen politischen Schwierigkeiten gelungen ist. die Gemeinschaft in den Raiffeisen--Ber- einen aufrecht zu erhalten. Aber das dürfe nicht ge­nügen: Dies« Dolksgemeinschaft dürfe nicht nur eine Sa&e sein, sondern müsse auch immer eine Aufgabe bleiben, indem jeder Raiffeisenmann sich zur Pflicht mache, den Gedanken der Volksgemeinschaft hinauszu­tragen in unser ganzes Volks- und Wirtschaftsleben. Ait herzlichen Worten dankte Derbandsanwalt Schmidt für die vielen guten Wünsche.

Ls schloß sich dann der Dortrag des Unterverbands- direttors des Kreises Schlüchtern, Pfarrer O t t o - Marjotz, an. der über das Thema:

Die Genossenschaft eine Erziehungsftätte zur Menschenwürde und Volksgemeinschaft"

sprach. Mit packenden Worten wies er darin nach dah die Genossenschaften die Aufgabe hätten, freie, sittlich und erzieherisch wirkende Persönlichkeiten heranzubil­den, und eine Schule der Einfachheit und eine Pflanz, statte des praktischen Ehristentums zu sein. Sie schla­gen die Brücken von Stand zu Stand, von Stadt zu Land, von Konfession zu Konfession, von Partei zu Partei und tragen autzerordentlich zur Lösung der sozialen Frage bei. Die Genosienschaft sei die wärmste Fürsprecherin für Herkommen und gute Sitte, und für siegelte das Wort, datz hier gute Sitten mehr ver­mochten als anderswo gute Gesetze. Der Mensch lebt |

von dem, was er glaubt. Nur dann trifft uns der Blitzstrahl der Vernichtung, wenn wir aufhören, an uns zu glauben Die Hoffnung aber auf ein besseres Deutschland ist abhängig von einem Besinnen auf die Seele, von einem tiefen Wurzeln in den Raiffeisen- ichen Gedanken: Gottvertrauen und Brudergemein­schaft von der Aufgabe, alle unsere Arbeit als Got­tesdienst anzusehen.

Es begann dann die eigentliche Kurfusarbeir unter der Leitung von Oberrevisor Weitzel und Ober­revisor Glitz, welche kaufmännische Fragen behan­delte. Ein Vortrag von Direktor Dr. Günther« Harleshausen gab ein hochinteressantes Bild von der Bedeutung der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Harleshausen, die am Schlutz des Kurses von den Teil­nehmern besichtigt wurde. Ein Vortrag mit Lichtbil­dern von Verbandssekretär Dr. Bolte zeigte das Leben und Wirken Friedrich Wilhelm Raiffeisens, die Bedeutung seiner Eenossenichaftsidee und ihre Ver­körperung in der derzeitigen Raiffeisen-Organisation, die, wie im BiLe vorgeführt wurde, heut« nicht nur Deutschland erfatzt hat, sondern auch Länder wie Deutsch-Österreich, Deutsch-Mähren, Deutsch-Böhmen, Siebenbürgen, die Schweiz, Holland, Finnland, ja sogar Indien und Japan,

Im Mittelpunkt eines Familienabends stand ein Vortrag des Leiters der Dhristlichen Bauernhochschule Loshausen, Pfarrer Fritsch, über das Wollen und Wirken der Christlichen Bauernhochschule Loshausen. Mit Worten der Anerkennung für die angestrengte Arbeitsleistung und mit dem Wunsche, dah der auf dem diesjährigen Rechnerkursus gelegte Grund für die Weiterentfaltung der Raiffeiseubewegung in unserer Heimat dauerhaft segensreich sein möchte, schloß Der­bandsanwalt Schmidt am Sonnabend die Genossen­schaftswoche.

Alle Erwartungen übertroffen

Hervorragende Ergebnisse der

Die Segelflugschulen am Dörnberg haben Ende November für die Wintermonate ihre Pforten ge- ichloflen. Nur in den Werkstätten wird noch weiter gearbeitet.

Das Ergebnis des Flugjahres hat alle Erwar­tungen übertroffen und die besten Beweise dafür gebracht, datz sich das Dörnberggelände für die Gleit- unb Segelflugausbildung hervorragend eignet.

Bon Anfang März bis zum 21. November 1932 fanden am Dörnberg insgesamt 7790 Starts statt.

Sie verteilen sich auf die drei Segelflugschulen in folgender Weise:

Niederhessischer Verein für Luftfahrt 3164 Starts Auswärtige Segelfluggruppen als Gäste

des Kasseler Vereins 624 Starts

Maslieg Deutscher Burschenschafter 2 862 Starts

Staatliche Ausbildungsstätte für Po­

lizeisegelflieger 1140 Starts

An Prüfungen

konnten mit Erfolg abgelegt werden: 226 A-Prü- sungen, 153 B-, 68 E- und 25 Prüfungen für den amtlichen Segelflugzeugführerschein. Diese Prüfun­gen verteilen sich auf:

Niederhessischen Verein für Luftfahrt, der in sei­ner Segelflugschule in diesem Jahre 16 Lehrgänge gegen 6 im Jahre 1931 abhalten konnte und 180 Flugschüler ansbildete, mit 95 A-, 60 B-, 19 C- und 9 amtlichen Prüfungen; Gäste des Vereins 30 A- 18 B-, 11 C- und 3 amtliche Prüfungen.

Akaslieg Deutscher Burschenschafter: 77 A-, 45 B-, 24 E- und 8 amtliche;

Staatliche Ausbildungsstätte für Polizeisegelflie­ger: 24 A-. 30 B-, 14 E- und 5 amtliche Segelflug­prüfungen.

Erfreulicherweise haben sich trotz des bisweilen herrschenden Hochbetriebes an den Start- und Lan- destellen schulten doch oft bis zu 6 verschiedene Gruppen gleichzeitig ernstliche Unfälle in diesem Flugjahr nicht ereignet. Hierzu trugen bei einmal die. gewissenhafte Ausbildung der eingestellten Flugleh­rer. das ausgezeichnete Maschinenmaterial, das unter ständiger Kontrolle anerkannter Bauprüfer

Dörnberg«Gegelflugschulen

steht und das vorzügliche Landegelände, das einen ganz besonderen Vorzug des Segelfluggeländes am Dörnberg darstellt.

Für das Jahr 1933 kann man mit einem noch größeren Zugang an auswärtigen Flugschülern rech­nen, da auf Grund der erzielten Erfolge den Segel­flugschulen die Werbung bedeutend erleichtert ist.

Erforderlich damit wird aber auch ein weiterer Ausbau der Fliegerschulen. Die Staatliche Uebungs- stelle für' Polizeisegelflieger ist hierbei in der glücklichen Lage, datz ihr voraussichtlich zum Neubau eines Unterkunftsgebäudes und zur Herstel­lung einer Licht- und Wasserleitung die erforder­lichen Mittel für das kommende Frühjahr zur Ver­fügung gestellt werden. Für die privaten VereinS- fliegerschulen aber ist es immer noch eine der schwie­rigsten Aufgaben, nur die unbedingt erforderlichen Mittel zusammenzubringen. So ist auch der Nieder- hessische Verein für Luftfahrt, dessen Fliegerlager noch sehr des weiteren Ausbaues bedarf, da es zur Zeit nur die primitivsten Einrichtungen besitzt, und dessen Flugzeugpark dem erweiterten Schulbetrieb nur durch ständigen Neubau von Flugzeugen gerecht werden kann, immer noch auf seine spärlichen Mit­gliederbeiträge und gelegentliche mühsam erbettelte Spenden angewiesen. Trotzdem wird man alles daran setzen, auf dem erfolgreichen Weg sortzuschrei- ten und, wenn auch langsam, den Ausbau der Segel­flugschule Zierenberg am Dörnberg und des Flieger- logers zu vollenden.

Gilt es doch, der Ertüchtigung unserer Jugend, der Erhaltung des in tausendfachen Stürmen bewährten deutschen Fliegergeistes und dem

Wiederaufbau unserer deutschen Luftfahrt!

Auch im Winter werden an den Sonntagen Schul- und Uebungsflüge der Segelflieger des Nie­derhessischen Vereins für Luftfahrt am Dörnberg bei günstigem Wetter stattfinden. Vom 24. Dezember bis 1. Januar wird die Segelfluggruppe des Düs­seldorfer Aeroklubs mit zwei eigenen Flugzeugen und 16 Jungfliegern einen Schulungskursus am Dörnberg abhalten. Die Lehrgänge des Niederhes­sischen Vereins für Luftfahrt beginnen wieder am 15. März 1933.

Oie Diebe des Köngsmaniels gefaßt?

Wie man aus Göttingen erfährt, sind die Behör­den der lleberzengnng, datz die bei L r i e r festgenom­mene Diebesbande, die aus dem Münster in Gückin­gen vor einiger Zeit Kirchengeräte im Werte van einer Million Mark geswhlen hat, vermutlich auch den ha­waiischen Federmantel und Federhelm aus dem Göt­tinger Anthropologischen Institut entwendet hat. Die Ermittelungen in dieser Richtung find tn die Wege geleitet.

Zweimal Feuer in Volkmarsen

Gestern abend brach in Volkmarsen im Hause des Anstreichers K. in dem vor vier Wochen bereits der Dachstuhl abgebrannt war, wiederum auf bisher noch unaufgeklärte Weise Feuer aus- das durch da« tatkräf­tige Eingreifen der freiwilligen Feuerwehr vollständig gelöscht werden konnte. Heute morgen gegen 147 Uhr hörte man nochmals Feuerrufe, und wieder­um brannten die noch in dem Hanse vorhandenen Forchen- und Oelvorrate. Dieser Brand nahm eine sehr gefährliche Ausdehnung an und brachte die Neben­gebäude ernstlich in Gefahr. Durch das anerkennens­wert schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnten fie jedoch gerettet werden

Klowesabend in der Alistadi

Ob Schleicher oder Papen Jetzt die Regierung haben. Ob Hitler will, ober er will »ich Der bin Slowes der bin ich

so schallt es mir in einem Lokale der Altstadt ent- Sen. Donnerwetter! Die Kasseler KlöWesse betätigen

auch schon politisch? Doch nein, ein Blick auf die­sen Dreikäsehoch, der übrigens mit seinem langen Priestergewand, dem geschickt angegllebten Vollbart u. dem auch sonst würdigen Aussehen einem ehemaligen russischen Popen en mmtature gleicht, überzeugt mich, daß er noch in dem glücklichen Alter ist, wo ihm ein bunter Luftballon von Tietz wichtiger ist, wie alle unsere politischen Fragen mitsamt dem Mandschurei- konslikt und dem Danziger Korridor.

Und dann dteS Gewimmel auf den Straßen, ich gebe doch jeden Tag hier durch, wo stecken nur sonst viese unzähligen Kinder? Jedes Haus, jeder Torweg speit neue Scharen aus, ich bin überzeugt, daß etn Grotzteil hiervon garnicht angemeldet ist. Raffel müßte bestimmt die 200 000 Grenze überschritten haben. Und die Masken, noch in keinem Jahr habe ich so wirk­

lich originelle und kleidsame Tvpen gesehen, wie in diesem Notjahr. Da war ein prächtiger Jndtaner- häuptling in voller Kriegsbemalung, ein retzendrs Schneewittchen, auch ein Rotkäppchen mit Wolf tauchte auf (der große Schäferhund heißt übrigens wirklich Wolf) Und dann die Hunderte anderer, bte mit klei­nen Mitteln unzählige Figuren des täglichen Lebens kopierten und parodierten. _

Und nun die Geschäftsleute der Altstadt, sic find ja so di« eigentlich geibfraaenben des KlowesabendS. Aber ich glaube sagen zu können, daß wohl noch nie so großzügig gegeben ist, wie dieses Jahr. Ueberall standen di« grotzen Tüten mit Pfeffernüssen, Nutzen und anderen Leckereien bereit oder wer nicht vorge­sorgt hatte ober zu frühausverkauft" hatte, gab Geld. Offenbar eine ausgezeichnete Kundenwerbung mit Hilfe der Kinder, die sich hoffentlich bei dem letzt einsetzenden Weihnachtsgeschäft auswirken wird. In den späteren Abendstunden sah man denn auch unter den kleinen Klöwessen viele vergnügt« Gesichter und ein strammes Kerlchen, das als Schornsteinfeger herumstolzierte, sagte mir auf meine Frage, aus sei­nen gefüllten Schnappsack klopfend:Fein Onkel. Aber auch in so mancher armen Familie, die mit ihrer geringen Unterstützung kaum das Notwendigste zum geben hat, werden die kleinen Geschenke, die ihre Kinder heute mit heimbrachten, ein wenig Freude verbreitet haben. Und das wäre allein schon Grund genug, dieses alte Kinderfest zu feiern!

»Fürsorge-Llnfug"

Der Rentnerbund schreibt unter obiger Spitz­marke: Im Verfolg der Nowerordnungen hat sich in der Praxis vielfach eine Handhabung der gesetz­lichen Bestimmungen herausgebildet, die man bei ihrer völligen Nichtbeachtung des lebendigen Lebens und ihrer Ueberbetoertung des Paragraphen nicht anders als Unfug bezeichnen kann.

So wurde z. B. einer 91jährigen Gretstn, bte mit ihrer 54jährigen Tochter zufammenlebt, der eine monatliche Einnahme aus Zinsen und Vorzugsreme von 30,70 Diark zur Verfügung steht, bte bisherige Unterstützung von 42 Mark auf 25 Mark monatlich gekürzt so dah für beide Personen eine Monatsein- nahme von 55,70 Mark zur Verfügung steht, wovon allein 34 Blatt Miete zu zahlen sind. Es verbleibt also zur Bestreitung des Lebensunterhalts für die 91jährige, ebensowohl wie für ihre Tochter, die Summe von 36 Pfennig pro Tag.

Die 81- und 78jährigen Eheleutr L. in R. hatten aus Weitergewährung der Fürsorge verzichtet, da fie ihr kleines Kestvermögen von 5000 Mark aufbrau- chen wollten, damit sie wegen ihres BlterS und ihrer Gebrechlichkeit nicht mehr zum Wohlfahrtsamt zu gel;en brauchten. Durch Beschluß deS Berwaltungs- unb Polizeisenats N. wurde jedoch daS Ehepaar durch vorläufig vollstreckbaren Befchlutz verpflichtet.

Sport im Barockpark?

Das Bowlingreen als Turnierplatz

Der Landesverein für Heimatschutz in Kur Hessen und Waldeck hat in einer Eingabe an den Regie­rungspräsidenten Stellung genommen zu der Frag: der Verwendung des Bowltnggreens für den Reir­und Fahrsport. Die Eingabe lautet:

..Die künstlerische und kunsthistorische Bedeutung des Aueparkes ist bekannt; es brauchen Ausführungen darüber nicht gemacht zu werden. Zwar ist die fran­zösische Anlage in den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts im Sinne des englischen Landschafts­gartens umgestaltet worden, doch sind die grotzen Achsen bei radial ausstrahlenden Alleen und Kanäle erhalten, und das Parterre vor dem Schloß ist in ein Bowlinggreen umAswandelt worden, dem da­durch eine besondere Bedeutung zukommt, daß es die Achsen der Alleen und Gräben auffängt und ge­wissermaßen das Gelenk herstellt zwischen der Schlotz- anlage und dem Park. Der Schnittpunkt liegt nicht auf der Terrasse, sondern auf der Grenzlinie zwischen dem rechteckigen und dem kurvierten Stück des Bow- linggreens.

Das Bowlinggreen ist das Herz der Anlage.

Es ist mit seiner Weite und Ruhe an sonnigen Tagen sowohl beim Blick von der Schlotzterrasse aus als auch beim Blick vom Eingang der Alleen jum Schloß von einer überwältigenden großartigen Wirkung. Viele Besucher Kasiels, die dieses Bild in sich tragen, wür­den enttäuscht fein, wenn sie es in einer Weise ver­ändert fänden, die der Großzügigkeit des Eindrucks Abbruch tut.

Dieser Eindruck würde gesichert, wenn man jeden Sport von der Wiese fernhielte. Wenn man aus Mangel an geeigneten Plätzen zugegeben hat, daß geschlossene Schulklaffen unter Aufsicht auf dem Rasen spielen, so kann doch die Verwendung des Platzes für Zirkusbauten und wilde Fußballspiele als nicht vereinbar gelten mit der Erhaltung feiner Substanz. Die Stellen des Platzes, die für diese Zwecke in An­spruch genommen worden sind, sprechen eine deutliche Sprache. Der mangelhafte Erhaltungszustand führt erfahrungsgemäß zu einem Mißbrauch, der sich umso stärker auswirkt, je weiter der bedauerliche Mangel an Pflege in Erscheinung tritt. Schon bildet sich etn Verkehrsweg quer über die Wiese, den das vom Auedamm kommende Publikum zu nehmen

^)er Einbau von festen Hindernissen für Turnier­zwecke auf dem Bowlinggreen würde zweifellos die häufigere Benutzung für Reitzwecke zur Folge haben, und das Fußgängerpubllkum würde es noch weniger als bisher verstehen, warum ihm das Betreten des Rasens verboten ist. Die Folge davon würde fein, daß der Rasen sich sehr bald allgemein in einem Zu­stande befinden würde, in den er auf großen Flächen durch Fußballspiel und Zirkusbau versetzt ist.

Die in den Rasen einzubauenden Hindernisse haben zum Teil nicht unerhebliche Ausmaße. Der sog. Irische Wall hat von der Sohle der Gräben bis zum Kamm eine normale Höbe von 2,10 Meter und einschließlich der zugehörigen Gräben eine Breite von 5,30 Meter. Das Ausbringen von Sand ober Torf-, mull vor und hinter den Hindernissen liegt im In­teresse des Sportes. Auch eine pflanzliche Umrahmung ist für manche Hindernisarten erforderlich. Derartige Einbauten sind für die Wirkung des ungeteilten gro­ßen Rasenteppichs äußerst bedenklich. Will man den Turnierplatz so ausbauen, wie der Sport es ver­langt, so entsteht zwangsläufig ein Ausschnitt aus

der Fläche des Bowlinggreens, bet bie Einheitlich­keit und die großartige Wirkung der Fläche störend unterbricht. .

Da bauliche Eingriffe in der unmittelbaren Nahe des Schlosses nicht in Frage kommen können, mutz der größte Teil der Zuschauer aus der Schlotzterrasse untergebracht werden, welche, ihrer alten Aufgabe als Orangerie entsprechend, bet sonnigem Wetter eine Treibhaustemperatur zu entwickeln pflegt. Neben der Blickrichtung nach Süden, welche eine starke Blen­dung der Sonne zur Folge hat, wird für ein größe­res Publikum der Aufenthalt an dieser Stelle au; die Dauer kaum für den Besuch der Veranstaltungen werben. Nach Ansicht des Arbeitsausschusses des Vereins für Heimatschuß in Kurhessen und Waldeck können Kulturwerte von dem Range des Aueparkes nicht preisgegeben werden für Ideen, von denen es einstweilen fraglich ist, ob sie überhaupt zugkräftig genug sein werden, um sich durchzusetzen.

Es versteht sich von selbst, daß die Stadt Kassel bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen darum bemüht sein muß, Verkehr nach der Stadt hinzu- ziehen.

Es ist deshalb zu prüfen, ob nicht der an sich begrüßenswerte Gedanke des Reit- und Fahrver­eins an anderer Stelle des Parkes seine Ber- wirklichung finden kann. Der Arbeitsausschuß bringt die große Rasenfläche nordöstlich des Tier- gartenRestaurants in Vorschlag.

die neben einer ausreichenden Größe alle Vorbedin­gungen für einen Turnierplatz besser erfüllt, als es auf dem Bowlinggreen der Fall ist. Es läßt sich ein Platz in der Größe von 80 X155 Meter ohne Schwie­rigkeit in das verfügbar« Gelände hineinpassen. Die Länge kann, falls der Wunsch besteht, noch wesentlich gesteigert werden. Es muß indessen darauf aufmerk­sam gemacht werden, daß das angenommene Maß etwa dasselbe ist, wie es die gleichartigen Anlagen in Breslau, Hamburg, Frankfurt und Kissingen auf­weisen. Die Tribüne könnte an die Böschung des Auedammes angelehnt werden und würde an der Südostseite des Platzes eine günstige Lage haben. Der natürliche Rahmen des Baumwuchses würde dem Eindruck des Platzes umso mehr zustatten kommen, als künstliche mit Hilfe von Zeltbahnen zu schaffende Umwehrungen hier völlig in Fortfall kommen könn­ten. Auch eine evtl, noch erforderliche Absperrung der Straßen und Wege würde sich an dieser Stell« leich­ter ermöglichen lassem' Für die Wahl des Platzes spricht bie Nähe des Tiergarten-Restaurants, die Nähe der Autobushaltestelle auf dem Auedamm und die Möglichkeit, Abstellräume zu schaffen für bie Pferde sowie für den sonstigen Zubehör, der bei einer zeitge­mäß eingerichteten Reitbahn nicht fehlen darf. Auf diesem Turnierplatz könnten die Reiter Kassels sich ihrem Sport jederzeit ungestört bingeben.

Es würden vorhandene kulturelle Werte wesent­licher Art nicht beeinträchtigt, und das ganz« Unter­nehmen würde getragen werden von der Förderung aller Kreise, bie am Reit- und Fahrsport selbst sowohl wie an der Förderung des Fremdenverkehrs in Kas­sel interessiert sind. Die Anlagekosten an der vorge­schlagenen Stelle wären denkbar gering. Der Arbeits­ausschuß bittet dringend, sich dafür «Insetzen zu wol­len, daß eine Anlage, die einen wesentlichen Teil der Schönheit Kassels ausmacht, auch den künftigen Ge­nerationen unversehrt überantwortet werden kaum Dr. Gessner. Dr. Bleibaunn.

die in bett letzten vier Jahren aufgewendeten Für­sorgekosten mit 3 437,15 Mark sofort zu ersetzen.

Von der Witwe W. in E. wurde gefordert, daß, wenn sie ihre bisherige Unterstützung von 32 Mark monatlich weiter beziehen wollte, sie chre drei letzten Aufwertungshypotheken im Bettage von je 2 000 Mk. der Stadt verpfänden müßte. Eine Erklärung dar­über sollte sie sofort abgeben. Das Beschwerdever- fahren gegen diese schwere Härte blieb erfolglos. In Verzweiflung darüber, daß ihr auch die Verfügung über ihren letzten Notgroschen, den sie als allein­stehende Frau für bitterste Not bewahren wollte, suchte Frau W. den Freitod durch Gas.

So steht der Lebensabend unserer Alien aus!

Vervilligie Kohlen

für Llnierstühungsempfänger

Bom städtischen Presseamt wirb mltgeteiit:

Der Stadtverwaltung ist es gelungen, außer der nach den Grundsätzen individueller Fürsorge wirchge- führten Kohlenzuweisung an «ranke, Pflegefitrsorgc, kinderreiche Bewohner anerkannt kalter Baracken u. a. nunmelr auch den übrigen Unterstützungsempfängern des Wohlfahrtsamtes die Möglichkeit verbilligten Koh- lenbezuges zu verschaffen.

Die Z e ch e n haben fich auf Wunsch der Ktadwer- waltung in dankenswerter Weise bereit gefunden, die von den Ausgabestellen abgeholten Kohlen zu wesent­lich niedrigeren Preisen an Unterstützungsempfänger

abzugeben und zwar:

Zeche Roter Stollen: Ab Zechenplatz: Braun­kohlen pr. Ztr. 35 Pfg^ Braunkohlenwett MonAe- berger Gewerkschaft: Ab Zeche Braunkolsten- btttettg pr. Ztr. 69 Pfg. Schlackender wer- tungsgefellschast: Kleinkoks 45 Pfg. pr 3tr-

Die Stadt wird ihrerseits für 2 bgw. S Ztr. Koh­len (für Familien ohne und mit Kinder) 20 Pfg. pr. Ztr. gewähren, sodaß tue Kohlen für bte Unterstnt- zungsempsänger nunmehr erheblich verbtlltgt find. Braunkohlen würden sich danach: ab Zeche Roter Stol­len für den Unterstützungsempfänger auf 15 Pfg. pr. Ztr., Braunkohlenbriketts ab Moncheberger Gewerk- schast aus 40 Pfg. pr. Ztr. stellen.

Wie wir hören, wirb auch die Winterhilfe, ebenso wie bas Städtische Wohlfahrtsamt, verbilligte Kohlen für Hilfsbedürftige zur Verfügung stellen und einen Anteil von 20 Pfg. für den Zentner Überneh­men. Zu Weihnachten werden auf diesem Wege ins­gesamt 5000 Zentner verbilligte Kohlen zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus werden z. Zt. Verhandlungen über die Zurverfügungstellung weiterer 10000 Zentner ver­billigter Kohlen geführt. Hierbei ist die Wahl des Heizmaterials auf Briketts ober Braunkohlen bem Empfänger anheimgegeben.

Desgleichen wird die Winterhllfe vor Weihnachten noch erhebliche Mengen an verbilligtem Fett und Brot zur Verfügung stellen können.

Unter anderem ist es dankbar begrüßt worden, daß die Firmen Thams und Garfs und das Rheinische Kaufhaus eine größere Anzahl von Gutscheinen zum kostenlosen Bezug von Lebensmitteln der Winterhilfe zur Verfügung gestellt haben.

Wlr gratulieren

Ein Doppeljubiläum feiern alte Abonnenten un­seres Blattes am heutigen Tage. Das Ehepaar Wil­helm Klingeberg, Augustastraße 4, kann gleich­zeitig mit dem Tage des fünfundzwanzigjährigen Mietsjubiläums auch bas Fest bei silbernen Hoch­zeit im Kreise seiner Kinder feiern.

Eine Siebzigjährige. Die Witwe und Kleinrent- nertn Elise Wagner, Wörthstraße 27, begeht am 11. Dezember ihren 70. Geburtstag. Er« wohnt sett 20 Fahren in der jetzigen Wohnung und tst sett dieser Zeit Leserin der ,K. N. N.". Wir wünschen thr einen gesunden Lebensabend!

Am 6. Dezember feierte das Ehepaar Wilhelm " 5 und Frau, Kassel, Augustastratze 4, bernen Hochzeit. Zu gleicher Ehepaar 25iähriges Mietsjubilaum.

Klingeberg i bas Fest der sil Zeit feierte das C*,..,-- , , An zahlreichen Ehrungennb Anerkennungen hat es nicht gefehlt. '

Dor verlorene Goldfuchs. Am 1. Dezember wurde auf dem Wege von Der Mühlengasse bis zur »traßen. bahnhaltestelle Holzmarkt ein braun-ledernes Portemonnai7mit einem 20-Markstück aus Gold mit der Jahreszahl 1894 verloren. Sollte die­ses Goldstück zum Verkauf gebracht werben, wttt» um sofortig« Verständigung der Kriminalpolizel, Zimmer 76, gebeten.

D. H. 8. Am Freitag, 20.15 Uhr spricht in unserem «Pros. Dr. Fr. König, Gießen überDer Kamps des chlums in Mitteleuropa".

In Gemeinschaft mit der flachen Ostseestörung und des Novbrneer- sowie Skandinavien-Hochs getaugt mehr und mehr Kaltlust aus Novdosten nach Deutsch­land. Sie führt unter sinketwen Temperaturen Be­wölkung mit sich und außerdem treten anfänglich in ihrer Begleitung einzelne, teilweise als Schnee austre­tende Niederschläge auf.

Aussichten für Donnerstag.

Nachtfrost, teils wolkig, teils aufklarend und kalt, meist trocken.

SBetietbeobaditiw« van» 6. Dezember.

Seit Barm». L nun Temv. C. Suftfeudbttofeit

Mittag» 14 tt&t 761.4 -r 2 83 %

Abends 6 Uhr 761,8 + 2.3 85%

Wetterbeobachtung nom 7. Dezember.

Morsens 8 Uhr 762,8 + 13» 90 %

Mitgetetlt von Divlomovtiker Heh.

BalkSnatträge M Vereins kfir «olksbildm«. Die wette Vortragsreihe wird Krettag im Güdetzanse fortgesetzt. Pro­fessor Dr. H. Michel fvrtcht zu vorzüglichen Stchtbllbern über gfojfe dmcb _____________

Mit