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Kasseler neueste Nachrichten

bei

Politische Geschäftsordnungsdebatte

Die Kommunisten unterbrechen ihn lärmentz mit f einer antiparlamentarischen Partei wählen. Er schlägt

Abg. Dittman» (Soz.) erklärt, seine Freunde könnten zum Reichstagspräsidenten nicht den Vertreter

Aben-lie-

Strppeln,

Abg. Steinhoff (Dn.): Trotz unserer Bedenken gegen die Person Göring würden wir für ihn ftitn» men, wenn die Nationalsozialisten ihre Bedenken gegen . . . Der Schluß geht unter in den lärmenden Rusen der Kommunisten: „Wir verlangen Abstimmung!"

_ ranensanträge gegen das Kabinett Schleicher ans die Tagesordnung gesetzt würden.

Reichstagsbeginn ohne Zwischenfälle

Litzmanns Angriff gegen Hindenburg / Die Wahl des Präsidiums Die Tagesordnung der heutigen Sitzung

nicht von ihnen, sondern immer vom Autor aus, der fie zusammenbringen muh, weil er sonst nicht weiter kommt mit ihnen-

Bei Will Kramps Hauptgestalt, -sm Werkstudenten Hermann Meng, der immer im Mittelpunkt alles Ge­schehens um sich herum steht und lösen muh, was stch an ihm verknüpft, kommt nun noch hinzu, -ah seine aus Gottesgläübigkeit resultierende Güte unglaubhaft bleibt, so -ah man nur zu gut die Feindschaft gegen ihn versteht. Aber nicht so, wie es der Autor mochte, sondern weil man ein Gefühl der Peinlichkeit nicht los wird, wenn von Gott gesprochen wird (was durch­aus anders sein könnte!), und weil es zu ärgerlich ist, wenn er — bei dem Autor aus Güte — immer wieder vor den einfachsten Dingen versagt und etwa die Mädchen, di« auf ihn warten, warten läßt oder, wenn schon, dann in eine so unangenehme Ekstase ge­rät, -atz es unerträglich ist,

Nein, gelungen ist Will Kramp das, was er dar- stellen wollte, nicht, aber es ist ein Anfang, und der Ernst, der dahinterstcht, macht Hoffnung.

A. Artur Kuhnert.

dem Ruf: „Sie müssen erst unsere weiteren Anträge zur Abstimmung stellen!"

Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) schlägt den Abg. G ö - ring zum Reichsiagsprästoenten vor.

Äbg. Breitscheid (Soz.) widerspricht dem kom­munistischen Verlangen, Mittwoch schon über den Mißtrauensantrag abzustimmen. Die neue Regierung habe einen Anspruch daraus, mit ihrem Programm ge-

Amnestie und Winterhilfe

Die Sitzung des Aeltestenrates.

Berlin, 7. Dezember.

Der Aeltestenrat des Reichstages trat am Diens ag nach Schluß des Plenums zusammen. Die Reichsregierung ließ im Aeltestenrat mittei­len, daß sie selbst bereits erörtert habe, was in der

Um die Erhaltung der akademischen Lehrerbildung. In einer öffentlichen Kundgebung, die von den sieben Ä deutschen Lehrer- und Lehrerinnenverbänden in veranstaltet wurde, hatte Prof. Moys Fi­scher-München den Hauptvortrag übernommen. Nach 3 weiteren Referaten von Hochschullehrern aus Leip­zig, Bonn u. Braunschweig wurde folgende Entschlie­ßung angenommen: „Die Reichsvereine der Lchrer- und Lehrerinnenschaft an Volks-, Mittel- un© Be­rufsschulen richten angesichts der der Hochschulbildung der Lehrer drohenden Gefahr an das deutsche Volk und die deutsche Oeffentlichkeit die dringende Mahnung, sich schützend vor die gefährdete Lehrerbildung zu stel- -ten. Es gilt, atte Kräfte dafür einzusetzen, daß die gemäß Artikel 143 der Reichsverfassung in deutschen Ländern geschaffenen Formen der Lehrerbildung trotz der wirtschaftlichen Note der Zeit erhalten bleiben. Die Bildung der breiten Volksmaffen, von der in wei­testem Maße der wirtschaftliche Wiederaufstieg und der geistige und sittliche Hochstans deS deutschen Volkes abhängt, würde aufS schwerste beeinträchtigt werden, wenn statt eines sachdienlichen weiteren Ausbaues der seit 1922 geschaffenen Einrichtungen für die Leh­rerbildung eine Verkümmerung oder gar ihre Be­seitigung Eintreten sollte. Die hierauf abzielenden Be­strebungen sind um so unverständlicher, als Sparsam­keitsgründe für die Zerschlagung der neuen Lehrer­bildung, deren Kosten, wie wiederholt nachgewiesen ist, erheblich geringer sind, als die der früheren Seminar- bilduna. nicht aeltend aemachr *twh»w tönneiL*

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Schwören wir, den neuen Tag zu doppel«, und der Kuß sei Brücke aus der Zeit, und vom Lenz bis herbstlich wehn die S nur ein Bogen holder Ewigkeit!

„Wir kommen nun zur Wahl des Präsidenten. ♦

Damit ist der Arbeitsstoff der ersten Sitzung er- ^digt- _$ie nächste Sitzung soll nach dem Vorschlag des Vizepräsidenten Esser am Mittwoch, 2 Uhr naMnr- tags stattftnden. <Auf der Tagesordnung soll nacMei- nem Vorschlag stehen der Gesetzentwurf über die Ver­tretung des Reichspräsidenten, Anträge auf Aende- rung der Notverordnung vom 4. September, Amnestie- anträge und Anträge auf Winterhilfe und Arbeits-

ketne Kultur jemals bannen kann: fie müßte denn dem Menschen Unsterblichkeit gewährleisten. Was auch immer Metaphysik antworten mag, und sie hat oft und in sehr tiefer Weise dem Tode seinen tragischen Stachel zu entziehen versucht, die Unsterblichkeit hier auf Erden bleibt ein unmögliches Verlangen. Und jene Kultur will gar nicht das Unmögliche möglich machen, trotzdem kapituliert sie keineswegs: denn fie läßt die dunkel glühende Siegessymphonre erklingen, ertönen, erbrausen, die uns umfängt, wenn der tote Marmor der Erabrelifs für uns lebendige Musik wird. Vielleicht find die einzelnen Griechen ganz anders gestorben, als diese Male künden. Aber so und nicht anders wollten die Griechen den Tod sehen, nicht bloß als trauriges End«, nein auch als Aufgabe letzter Le­bensbewährung und Werterfüllung. Wer diese Mög­lichkeiten der Kultur übersieht, übersteht sie über­haupt. Darum mutz jede echte Philosophie der Kultur sich zum Tragischen unerschrocken bekennen, denn damit bekennt sie sich zum Menschen, zur Geschichte und zur

ndung wurde durch meine Jnfanterie- g a o e herbeigeführt und Hindenburg gab zu, daß er uns den Feldmarschallstab zu danken habe. Heute handelt es sich für ihn um Wichtigeres als den Feld- marschallstab. Es handelt sich darum, daß er dem hi­storischen Fluch entgeht, das deutsche Volk zur Ver­zweiflung getrieben und dem Bolschewismus preisge- geben zu haben, obwohl der Retter bereit stand. (La­chen links)

hört zu werden, und der Reichstag hab« das Recht, seine Meinung zu diesem Programm zu sagen. Dem neuen Kabinett stehen auch die Sozialdemokraten mit großem Mißtrauen gegenüber! Die Kommunisten wollen aber mit ihrem Antrag viel weniger die Re­gierung stürzen als den Parlamentarismus unter­graben.

Zn der Abstimmung wird der kommunistische Antrag, das Mißtrauensvotum schon Mittwoch auf die Tagesordnung zn setzen, mit Otten Stimmen gegen die der Kommunisten abgelehnt. Di« Kommu­nisten rufen: „Die Retter Schleichers".

Gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten wird auch der sozialdemokratische Antrag auf Regierungsprogramm-Debatt« abgelehnt- Es bleibt beim Vorschlag des Präsidiums.

Schluß der Sitzung gegen 8 Uhr abends.

Die Not des deutschen Volkes (Zuruf bei ben So;.: An der Ihr schuld feto!) ist grenzenlos. Im Monat Oktober ds. Js. haben in Berlin 193 Menschen sich selbst das Leben genommen. (Zuruf b. d. Komm.: Ader keine pensionierten Offiziere!) Täglich bekomme ist erschütternde Briefe von ehemaligen Untergebe­nen und ihren Hinterbliebenen. Die Briefschreiber pno 6er Meinung, vaß der Reichspräsident über die Zu stä nde in Deutschland nicht im Klaren ist. Genau 18 Jahre ist es her, daß Feldmarschall von Hindenburg sich zum Retter Deutschlands machte. Mn 23 Novem­ber 1914 fand der Durchbruch nach Brzeszy statt, im Anschluß daran die Schlacht bei Lodz. Tie glückliche Wendung wurde durch meine Fnfanterie-

befdwung.

Abg. Lobe (Soz.) beantragt, auch die Entgegen­nahme der Regierungserklärung und die An­träge auf Abschaffung der Sondergerichtsbarkeit auf di« Tagesordnung ju setzen.

Abg. Torgler (Komm.) meint, es fei interesiant, daß der nationalsozialistische Präsident die entscheiden­den Abstimmungen gegen das neue Kabinett Schleicher noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt habe. Die Kommunisten müßten verlangen, daß schon Mittwoch die Anträge auf Aufhebung aller Notver­ordnungen und hie

Die ewige Feindschaft

Ein Roman von Will Kramp.

Der noch sehr junge Will Kramp versucht in die­sem bei Eugen Diederichs erschienenen Roman das Problem darzustellen, das sich Zwischen einigen jungen Menschen ergibt, wenn einer von ihnen durch eine nicht faßbare Fähigkeit in einen schnellen und starken Kon­nex kommt mit allen Menschen und Dingen, die ihn umgeben, während den anderen diese Fähi^elt fehlt, so daß sie ttotz der gleichen Eigenschaften außerhalb der Menschen und Dinge bleiben und das Gefühl ha­ben, daß an ihnen all das vorübertrerbt, was durch den anderen hindurchgeht. Dieses Gefühl des Drau- ßenseins bedingt di« Feindschaft gegen den anderen, die um so tiefer ist, als sich ja auch diese Außenstehen­den im Bann des anderen befinden und immer wieder von ihm angerührt werden. Dieses Problem ift ge­wiß möglich und wichtig. Daß sich ein junget Mettsch so ernsthaft daran versucht, spricht viel für ihn, und ich meine, es kommt daibei garnicht so seht darauf an, ob ihm die Darstellung auch wirklich gelungen ist.

Der Roman hat den Grundfehler mit vielen Ro» manen seiner Gattung gemeinsam: die Menschen, die sich durch ihn bewegen, find von dem Autor mit vielen beispielhaften Eigenschaften, die zur Darstellung des Problems notwendig find, belastet und oerschwinden als Menschen darunter. Man kann sie verstehen, aber man kann sie nicht fühlen, fie sind da, aber sie leben nicht, und »eng sie sich begegnen, dann geschieht da«

Vom (Sinn -es Lebens

Don Prof. Dr. Emil Utitz

Don Brot, lttitz, dem bekannten Hallenser Philo- sovü und Sulturnititcr, erscheint ein Buch „Mensch und Kultur, aus dem wir mtf Erlaubnis des Ber­lages Ferdinand Enke in Stuttgart nachstehende Prob« abdrucken:

Wer das Nationalmuseum zu Athen besucht, wird unter anderen unvergeßlichen Eindrücken bestimmt auch den der griechischen Grabreliefs erleben. Zn langen Reihen ziehen sie an uns vorbei: die Menschen nehmen Abschied vom Geben, denn nun beginnt die furchtbare Reise in die Unterwelt. Der Tod wird nicht versüßt ober vergoldet. Die Götter leben ewig, der Mensch stirbt. Das ist sein Los, eben weil er Mensch ist. Er scheidet aus dem Feste des Lebens. Das Leben er­glänzt im göttlichen Lichte; in der Unterwelt drängen sich vlasse Schatten. Es ist also eine entsetzliche Fahrt, zu der Sterbende sich anschicken. Wie aber treten sie diese an? nicht verzweifelt, die Haare raufend, fas­sungslos schreiend, in Tränen aufgelöst, schlotternd an allen Gliedern. Sondern ht dem unsäglichen Schmerze des Scheidens, in der erschütternd rätselhaften Frage an die Grausamkeit unerbittlichen Geschicks, ver- Iteren sie nicht die edle Vornehmheit der Haltung, die gestraffte Beherrschung, die aber nichts Krampf­haftes an sich hat, vielmehr zur .zweiten Natur ge­worden ist. Sie verleugnen nicht ihre Erziehung; sie bleiben adelig und schön. Was ihnen als 3beal triumphierenden Lebens vorschwebte, das wahren sie bis ans Ende und zeugen so für die unverbrüchliche Echtheit jenes Ideals des geheiligten, vergotteten Le­bens. Das Leben, gerade als sich vollendendes, hieß Maß, Mitte und Grenze.

So wird die Reihe der Grabreliefs zu einem einzig­artigen, nicht zu überbietenden Hymnus auf das Le­ben, das den Griechen als höchstes Wertleben erschien, als strengste Pflicht und bamtt zugleich als stolzester Segen, als Weihe und Beglückung. Und dieser Hym­nus rauscht so unsagbar gewaltig auf — hier dran­gen die stärksten Worte zu — weil er nicht kapituliert vor letzter Probe, weil er im Gegenteil gerade da zu reinster Harmonie sich steigert.

Darum erleben wir hier auch alle Schauer, alles Leid und alle Größe des Tragischen: bie Wertverwirk­lichung im unabweisbaren Opfer, im notwendigen Opfer, bas bet Mensch in seiner Endlichkeit bezahlen muß. Und alles Trautige wandelt sich in Tragik. Das ist der Sinn all jener Werke. Nicht der Tob wird durch sie finnhaft, nein das Leben als Wertleben. Hier grei­fen wir ein überragendes Beispiel einer Tragik, die

. Berlin, 7. Dezember.

Die Tribünen und die Diplonrarenlogen im Reichs- rag waren schon lange vor Beginn 6er gestrigen E r- " s.s.^un gs s i tz u n a bis aus een letzten Stehplatz gefüttt. Auch die Abgeordneten, «nh Ausnahme der Pttttionalsoztalisten, haben ihre Plätze größtenteils Ichon eingenommen, ehe die Glocken zum Sitzungsbe­ginn lauteten. Wenige Minuten vor drei Uhr strömten dann auch die Nationalsozialisten, die wiever geschlos­sen in Parteiuniform auftraten, in den Saal. Die Re- glerungsbänke blieben leer, während am Reichsrats- tiich die Vertreter der Läitoer Platz genommen hatten, an <Der Spitze Ministerialdirektor Dr. Badt für 6ie Re­gierung Braun.

Punkt 3 Uhr betritt Alterspräsident Litzmann, als einziges Mitglied der Nationalsozialisten Fraktton in Zivil, aus der Brust das Eiserne Kreuz I. Klasse, den ut" öiS Sitzung zu eröffnen. Die nationalsozia- Itfüftoe Fraktion erhebt sich von den Plätzen und bringt dem Alterspräsidenten ein dreifaches Heil bar Litzmann dankt mit dem Faschistengruß. Die Kommu­nisten rufen stürmisch „Nieder!" Auch einige Besucher her Publikumstribüne ftimenen in die Niederrufe ein.

Alterspräsident Litzmann

stellt zunächst fest, daß nach der Geschäftsordnunq der an Jahren älteste Abgeordnete den Vorsitz zu über­nehmen hat. Er sei am 22. Januar 1850 geboren und fomit 82 Jahre alt. Da niemand älter fei, eröffne er die Sitzung. (Die Kommunisten rufen: Der General der geschlagenen Armee!) Als Schriftführer beruft der Alterspräsident die Abgg. Kaufmann und Linder (Nat.-soz.) Laverenz (Dn.) und Schwarz-Frankfurt (Zentrum).

Der Alterspräsident nimmt dann das Wort zu seiner Eröffnungsansprache. Unsere Machthaber, so führte er aus, haben in den letzten 14 Jahren sich reichlich Mühe gegeben, das deutsche Volk an Enttäuschungen zu ge­wöhnen. (Zustimmung der Kommunisten) Die Ent- tauschunL vom 13. August und 25. November schlagen trotzdem schmerzliche Wunoen. Das Volk hoffte, daß nach den jahrelangen fruchtlosen Experimenten der Reichspräsident die befreiende Tat eintreten lassen würde und glaubte, daß er, wie früher, den Führer. der stärksten politischen Bewegung mit der Führung der Regierung betrauen würde. Das hätte in diesem Falle den Mann betroffen, der allein fähig ist, das Vaterland zu retten. (Beifall bei den Nat.-So;., Ge­lächter links und Rufe der Komm.: Nieder mit Hitler!) Statt dessen wurde ein parlamentarisches Scheinge­fecht geführt. Man wollte unserem Führer nicht die Macht überlassen, indem man ihm unerfüllbare Bedingungen stellte. (Zuruf von den Komm.: ,Zch denke, Hitler kann alles!" Heiterkeit). Derselbe Reichspräsident, der einem Herm. Müller, einem Brü­ning und einem Franz von Pap en sein volles Ver­trauen geschenkt hatte (Zuruf bei den Komm.: Wofür Sie den breiten Rücken hinhielten!), versagte sein Ver­trauen dem Manne, in dem Millionen Deutscher den G.rößten und Besten sehen, den Deutschland gegen« ;. wartig besitzt. (Stürm. Beifall b. d. Nat.-So;., Lachen " v. d. Soz. ustd b. d. Komm.) der feit 14 Jahren und länger an dem Problem gearbeitet hat, wie Deutsch­land $u teilen ist. Das Ergebnis der Papen-Regie- runa ist innerpolitisch das Chaos, außenpolitisch die Isolierung Deutschlands.

als Gegenkandidaten den Aba. L ö b e vor.

Abg. Remmele (Kom.) schlägt den Abg. Torg - l e r (Som.) vor. In der Stichwahl würden aber die Kommunisten für Lobe stimmen (Hört! Hört!)

Ter Alterspräsident läßt die Wählt des Reichs­tagspräsidenten in Form des Hammelsprunges vor- nehmen. Die Abgeordneten verlassen den Saal und geben beim Wiedereintritt ihre Stimmkarte ab.

Zur Wahl stehen außer den Abgg. Göring (Rat,- Soz.), Lobe (Soz.) und Tor gier (Kom.) auch der Abg. Graes (Dn.) Abg. Steinhoff, dessen Erklärung im Lärm der Kommunisten unverständlich blieb, hatte

Im Raff eie r «leinen Tbeater wird morgen das Schau spiel ..Mann Nummer Soundsoviel" von Julius Maria Becker erftauigesübrr.

In Reciams Universai-Bibiiottzek erschien: Dr. Mar Apel: Einsührung in die Philosophie. Diese Ginttrhr-mra hnu nach einem Worte Ranis nicht Philosophie, sondern philosophie­ren lehren, indem die Grunidgedanken der Welt- und Leven-- anschauungen an den großen Gestalten der Philosophie lebendig tut Anschauung gebracht werden. Zo durchwandert ‘bet Leser drc philosophische Gcdantcmvelt von der =,eit der alten Griechen bis tut Gegenwart und schürst seinen P!ick für das Wesentliche der philosophischen Probleme. Dabei ist allzngrotze Kürze vermieden worden und das Wichtigste klar und aussirhrlrch entwickelt, so z. B. die Lehre oants -nf 58 Seiten. (Leinenband 1.45 M.>

„Neder Rosen, Züchtung, «npslanzung und Pflege" schreibt Wilhelm Kordes in dem neuen Gartenbuch des Verlags Tro- witsch, Frantturt/Oder (136 Seiten mit 137 z. I. farbigen Abbildungen und 2Ü Skizzen. Preis kattoniett RM 4,20). Nicht nur der Züchter kann von diesem Züchter wertvoll« An­regung erhalten und neue Ziele erfaßten, sondern auch der. der Rosen anzieht, mutz daS Buch lesen, wenn er wirklich Nutzen erzielen und zeUgemütz arbeiten will. Ganz besonders interessant sind die reichen Erfahrungen Über die einzelnen Sorten, über ihre Verwendung im Garten und über die Pfleg«.__

Die Vizepräsidenten

Für die nun folgende Wahl des ersten Vizepräsi­denten schlägt Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) den Ab­geordneten Esser (Ztr.) vor.

Abg- Löbe (Soz.); Wir schließen uns diesem aus­gezeichneten Vorschlag an. Wir hoffen dabeff dem Herrn Reichstagspräsidenten Göring eine Hilfe zur Seite zu stellen für seine Bemühungen um die Parla­mentsrechte und um die Verfassung von Weimar (Hei­terkeit). Von den Kommunisten wird der Abgeordnete lorgler vorgeschlagen.

Zum ersten Vizepräsidenten wird der Abg. Esser (Ztr.) gewählt mit 445 Stimmen. Aus den Abg. Torgler (Kommunist) fielen 93 Stimmen.

Zur Wahl des zweiten Vizepräsidenten schlagen die Sozialdemokraten den Abgeordneten Löbe, die Nationalsoztalisten den Abg. Rauch (Bayr. Dpt.), die Deutschnationalen den Abg. Eraef und die Kommu­nisten den Abgeordneten Torgler vor.

Die Wahl ergibt für den Abg. Rauch (Bayer. Vpt.) 195, für den Abg Löbe^Soz.) 198, Graes (Dtn.) 58 und Torgler (Komm.) gz Stimmen. Demnach hat keiner der Kandidaten die absolut« Mehrheit erreicht, und es muß Stichwahl zwischen dem Abg. Rauch und Löbe ftattfinben.

Zn der Stichwahl wird Abg. Rauch (Bayer. Vpt.) mit 255 Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten ge­wählt. 202 Stimmen fielen auf den Abg. Löbe (Soz.).

Nunmehr wird noch die Wahl des dritten Vizepräsidenten vorgenommen. Hierzu werden vorgeschlagen von den Nationalsozialisten Abg. Dr. Hugo (D. Vpt-), von den Sozialdemokraten Abg. Löbe (Soz.), von den Deutschnationalen Abg. Graes (Dnat.) und von den Kommunisten Abg. Torgler.

Stimmen erhielten Abg. Dr. Hugo 204, Abg. Löbe 193, Abg. Torgler 87 und Abg. Eraef 52. Es findet also Stichwahl zwischen Hugo und Löbe statt.

Bei der Stichwahl zwischen dem Abg. Löbe und Hugo entfallen nach dem berichtigten Ergebnis — zu­nächst wurden für jeden Abgeordneten 205 Stimmen gezählt, so daß durch Los Abg. Hugo als 3. Vizepräsi­dent verkündet wurde — auf Abg Löbe 205 und auf Abg. Hugo 204 Stimmen. Löbe ift damit also gewählt.

Dann folgt die Wahl der Schriftführer. Die Wahl der 12 Schriftführer wird in einem Wahl­gang vollzogen. Hierauf benennt das Haus die Mit­glieder für den auswärtigen Ausschuß und den Hebet» wachungsausschuß, die sich am Mittwoch konstituieren sollen.

Abg. Torgler (Komm.) beantragt die sofortige Haftentlassung der in Haft befindlichen drei kommu­nistischen Abgeordneten. Wg. Dr. Frick (NSDAP.) erklärt, er werde der sofortigen Abstimmung nicht wi­dersprechen, wenn fie zugleich auch für die beiden na­tionalsozialistischen Abgeordneten gelte. Widerspruch wird diesmal nicht erhoben und die Haftentlas­sung der fünf Abgeordneten wird mit de« Stimme« der NSDAP, und KPD. beschlossen. . . _

Von

Julius Maria Becker.

Ja, wir wissen: Nacht macht uns zu Schemen, doch der Traum hat unsrer Liebe acht! Wenn wir abends leise Abschied» nehmen, sagt ein letzter Kuß: „Gut Nacht! Gut Nacht! Einmal doch um Ungestüm und Werben frühen Schlafs vergaß ich's. Doch voll Not sprachst du weinend: „Müßte ich nun sterben, stürb ich ungeküßt in Nacht und Tod! Ach, das Wort fiel schwer auf meine Seele. Wär' es möglich, daß der schlimme Feind Riegel höbe, daß er meuchlings stehle Herz vom Herzen, die ein Traum vereint? Und ich frug bei Weisen und bei Toren, alle nickten mir ein kaltes Ja: Jenem, der erwürselt und erkoren, ruft umsonst die Angst: „Bleib da! Bleib da!" M wir sind ertoürfelt und erkoren! Ich um» du, so schön, so reich du bist! Und fo sei zur guten Nacht geschworen, füllen wir mit Glanz die arme Frist!

Das Wohl und Wehe von Volk und Vaterland muß die einzige Richtschnur unseres Denkens und Handelns sein. Gleichgültig, ob der Reichstag von Dauer ist oder ob er in scherzhafter Anwendung des Art. 1 der Reichsverfassung „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus" bald wieder aufgelöst wird, mutz er vor allem an eins denken: Ans Vaterland! (Lebhafter Beifall bei den Nat.-So;., Rufe bet den Komm.: Ihr habt Südtirol verraten!)

Darauf nimmt der provisorische Schriftführer Abg. Laverenz (Du.) den

Namensaufruf

zur Feststellung der Beschlußfähigkeit des Hauses vor. Beim Namensaufruf meldet sich Abg. B u ch m a n n nicht. Die Kommunisten rufen: Der sitzt im Gefängnis!

Nach dem Namensaufruf wird das Schreiben ver­lesen, in dem Reichskanzler von Schleicher seine Er­nennung und die Zusammensetzung der neuen Re­gierung mitteilt. Weiter werden die eingegangenen Vorlagen und Verordnungen bekanntgegeben. Der Alterspräsident teilt mit, daß nach der Zählung 566 Abgeordnete anwesend sind, das Haus also beschluß­fähig ist.

Haftentlaffuncsan träge

Tie Abgg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) und Torgler (Som.) beantragen, die in Haft befindlichen national­sozialistischen Abgeordneten Keller und Grezesch und die kommunistischen Abg. Madtzalena, Buchmann und Thom freizulassen. Abg. Torgler beantragt weiter, die Aufhebung der Burgfriedensnotverordnung.

Abg. D i 11 m a n n (Soz.) stimmt der Haftentlassung der drei Kommunisten zu und richtet an die National­sozialisten die Frage, ob es richtig sei, daß die Abge- oroneten, deren Freilassung sie fordern weaen Tot­schlags und Bombenlegerei im Gefängnis sitzen. Diese Fälle müßten erst dem Geschäftsordnungsausschutz Überwiesen werden.

Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) erklärt, nach dem Wi­derspruch des Abg. Dittmann gegen die sofortige Haft­entlassung der Nationalsozialisten widerspreche er auch der sofortigen Haftentlassung der Kommunisten (Lärm links). Dann erklärte der Alterspräsident Litzmann:

den Abg. Graef vorgeschlagen mit der Begründung, die nicht einheitliche Stellungnahme der Nationalso­zialisten für dessen Wahl zum Vizepräsidenten mache es den Deutschnationalen unmöglich, für den Abg. Gö­ring bei der Präsidentenwahl zu stimmen.

Göring ift Reichstag-Präsident

Bei der Prüstdentenwahl erhielten Abg. Göring (Nal.-Toz.) 279, Abg. Löbe (Toz.) 120, Abg. Torg- l e r (Kom.) 92 und Abg. Graes (Du.) 51 Stimmen.

Abg. Göring ist somit im ersten Wahlgang zum Reichstagspräsidenten gewählt, da die absolute Mehrheit 273 Stimmen beträgt.

Die Nationalsozialisten begrüßen mit lauten Heil- Rufen die Verkündung des Wahlergebnisses und bann den Präsidenten Göring, als er den Präsidentensitz einnimmt.

Präsident Göring dankt zunächst dem Alterspräsi­denten von Litzmann, der als Sieger des Weltkrieges jetzt in ungebrochener Frische der Volksvertretung die­ne. Die deutsche Volksvertretung sei in letzter Zeit herabgewürdigt worden. Man habe von überlebtem Parlamentarismus gesprochen im Gegensatz zu einer autoritären Staatsfichrung. Auch wir sind gegen eine überlebte Parteiherrschaft, aber die Regierung hat alles getan, um den Begriff der Autorität gründlich zu zerstören. Der Kuhhandel der letzten Wochen steht einzig da, und selbst alte erhobte Parlamentarier könnten vor Neto blaß werden, wenn sie an diesen Kuhhandel der autoritären Staatsregierung denken. (Heiterkeit und Beifall). Wir brauchen eine autoritäre Staatsführung, aber sie mutz der Verfassung gemäß sich stützen auf die Kraft des deutschen Volkes und nicht auf Bajonette, denn Bajonette sind zu allem möglichen gut, aber nicht, um darauf zu sitzen. (Beifall).

Wir bedauern, daß durch die Ernennung des Wehr- ministers zum Reichskanzler unser« kleine, aber aus­gezeichnete Reichswehr in den Streit der Parteien hineingezogen wird. Niemals darf unsere Wehrmacht benutzt werden, um im Innern als Polizei gebraucht zu werden. (Beifall und Hört, hört.) Mit dem Artikel 48 wird jetzt so regiert, daß der reine Absolutismus an der Ta­gesordnung ist. Henn man der Volksvertretung das Recht nehmen will, durch ein Mißtrauensvrtum eine Regierung zu stürzen, so ist das niemals mit der Ver­fassung vereinbar. Man mag zur Auflösung des Reichs­tags jedesmal andere Gründe 'heranziehen, um dem Buchstaben der Verfassung zu genügen, aber dem Geist der Verfassung entspricht dieses Verfahren nicht. Nach der Verfassung geht die Staatsgewalt vom Volke aus und darum hätte mit

Mittwoch, 7. Dezember 1932

der Staatsführung Adolf Hiller betraut werden müs­sen, hinter dem ein Dritte! des ganzen Volkes steht. (Unruhe bei den Kommunisten.) Ich trete mein Amt an als Dienst am deutschen Volk (Beifall bei den Na­tionalsozialisten).