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Sette 21 Beilage

Kasseler Treueste Ttadkftbftn

Dienstag, 8. Dezember 1932

einem neuen Albeilsbeschaffungsprogramm heraus- tonwne, würde der Bezirksverdand noch einmal 800 000 bis 1 Million Mark locker machen. Außerdem könnten, immer vorausgesetzt, daß das Reich für die ersten fünf Jahre den Zlnsendienst übernimmt, für die folgenden drei Jahre noch einmal zwei Millionen Mark aus den Mitteln des Reiches hereingenommen werden, sodaß für die kommenden Jahre

insgesamt etwa 3,5 Millionen Mark zur Verfügung stünden. Damit könnten die meisten Wünsche der In­teressenten erfüllt werden, lieber alle Wünsche, so sagte der Landeshauptmann weiter, lasse er mit sich reden, nicht aber darüber, die Schuldenlast des Bezirksver- bandes noch weiter zu erhöhen.

Oie Aussprache

Die einzelnen Redner trugen Wünsche vor, die sich auf den Ausbau bestimmter Straßen bezogen. Von mehr als einem Redner wurde darauf hingewiesen,

daß das Reich aus der Brennstoffsteuer und aus dem Spritbeimischungszwang schon über 300 Millionen M. jährlich einnehme, die gerechterweise ausschließlich für den Straßenbau Verwendung finden müßten.

Grundsätzlich drehte sich die Aussprache zur Haupt­sache darum, ob in dem bevorstehenden Arbeitsab- fthnitlen in erster Linie die Straßen erster Ordnung allein ausgebaut werden sollen oder ob man auch die Straßen zweiter Ordnung berücksichtigen müsse. Die Mehrzahl der Redner sprach sich für eine erhebliche Be­rücksichtigung der Straßen zweiter Ordnung aus. denn man erkannte an, daß sich die großen Straßen im allge­meinen dank der Arbeit der voraufgegangenen Jahre in einem befriedigendem Zustand befinden. Veranlaßt durch den Verlaus der Aussprache stellte Landeshaupt­mann v. Pappenheim noch fest,

daß die gesamten Wünsche der Interessenten sowie der Kreise und Gemeinden Arbeiten im Betrag von über

7 Millionen Mark ausmachen würden.

eine Summe, die zur Zeit garnicht verfügbar fei. Pre- testiert wurde noch gegen die sogenannte Reichs-Ver- kehrsspinne, nach der angeblich der Regierungsbezirk Kassel keinen Durchgangsverkehr habe. Diese Unrich­tigkeit beruhe darin, daß die letzte Verkchrszählung in dem Jahre erfolgt sei, in dem der Bezirksverbanv die meisten großen Straßen seines Bereiches ausge­baut habe. Durch die damit verbundene Straßensperre sei die falsche Zählung zustande gekommen. In Wirk­lichkeit sei Kurhessen cm Bezirk mit großem und wich- tgem Durchgangsverkehr.

Die Aussprache wurde abgeschlossen mit dem Er­suchen an den Landeshauptmann, bei den Berliner Zentralstellen sowohl wegen einer Aenderung der Kraftfahrzeugsteuerverteilung als auch wegen Gewäh­rung eines beträchtlichen Zuschusses aus den Mitteln der Brennftoffsteuer vorstellig zu werden. Landes­hauptmann v. Pappenheim nahm den Auftrag an und versprach, die Interessentenkreise alsbald von dem Er­gebnis seiner Verhandlungen in Kenntnis zu setzen.

Eine neue kommunale Katastrophe:

Schließung der Schulen wegen Heizungselnstettung? / Oie unhaltbare Praxis des ^Bedarfs

Zu der gestern Beim Landeshauptmann von Pap­penheim abgehalteuen Besprechung über das hessische Landstraßenwesen, über die wir au auderer Stelle be­richten, gab RegierungsprSfideut Dr. Friede»s- burg eine Erklärung ab, die lebhafte Bestürzung Her­vorruse» wird. Zn Ablehnung des non der Landes- Verwaltung vorgetrageueu Plans einer eventuellen nochmalige» Erhöhung der Bezirkssteuer. erklärte Dr. Friedensburg, daß er einer derartige» Maßnahme niemals feine Zustimmung als Leiter der Kommunalauffichtsbehörde gebe« könne, zumal die meiste» Städte und Kreise mit ihren bischerigen Steuerabführungen au den Bezirksverband im Rück­stand seien. Die Sage des größten Steuerzahlers des Beztrksverbaudes, der Stadt Raffel, fei überaus katastrophal: der nackte ^«Bedarf, der «»r »och Ge­hälter, Lohne und Uuterstützuuge» enthalte n»d ans dem z. B. der Ziufeudieuft für Anleihen und die Be­zahlung vo» Haudwerkerrechnungen ausgeschlossen worden fei, könne auch nur noch unter starker Zuan- spruchnahme staatlicher Steuern aufgebracht werden.

Unter diese« obwaltenden Umstände« bestehe die drohende Gefahr, daß er, der Regierungs­präsident, in Kürze möglicherweise die Schließung aller städtischen Schulen in Kassel anordnen müsse, weil es nicht mehr zu verantworten fei, daß noch Kohlenrechnungen für die Schulhetzung bezahlt und da«« die an sich schon stark gedrosselten Richt­sätze für die Wohlsahrtserwerbslose« noch mehr gesenkt werden müßten.

A« diese Erklärung knüpfte Dr- Friedensburg «och weitere Ansführunge« an, die sich auf die Ursachen dieser Finanznot bezogen. Zn erster Linie sei es vie unhaltbare Regelung der Erwerbslosenfürsorge, die die Gemeinde« an den Rand des Ruins gebracht habe. Die Berliner Zentralstellen müßte« endlich einsehe«, daß es so, wie bisher nicht weiter gehe« dürfe, wen» die Katastrophe nicht unabwendbar werden sollte.

Die Erklärung des Regierungspräsidenten wird in der städtischen Bevölkerung große Bestürzung aus- lösen. Schließung der städtischen Schulen wegen Ein­stellung der Heizung ist eine Maßnahme, die selbst in den ärgsten Kriegswintern, wo man von einem Koh- lenmangsl sprechen konnte, nur vorübergehend durch­geführt wurde. Wir wollen hier gar nicht davon spre­chen, welche Auswirkungen eine Schließung der Schu­len auf den llnterrichtsbetrieb im allgemeinen haben muß. Darüber kann es nur eine Meinung geben. Wir wollen nur eins feststellen:

Für viele Tausend Kasseler Schulkinder ist das geheizte Schulzimmer tatsächlich das einzige warme Zimmer, das diese arme« Kinder im Lause des Winters kenne» lerne».

Zn Hause, wo der Vater arbeitslos ist und die Mutter mit den kärglichen Unterstützungspfennigen nicht ein­mal den Hunger von den Ihren fernhalten kann, wird nur noch bei besonderen Anlässen geheizt. Mr Tau­sende von Eltern ist es eine starke Beruhigung, ihre Kinder wenigstens während der Schulstunden in einem geheizten Zimmer zu wisse«. Und diese soll den Eltern nun auch noch genommen werden?

Man weiß, daß der Regierungspräsident in den letzten Wochen für die Kasseler Kommunaloerwaltung eine Reihe schwerwiegender Anordnungen getroffen hat, zu deren Durchführung er verpflichtet war. Es ist daher durchaus möglich, daß die Streichung der Beträge für die Schulheizung aus dem sogenannten ^-Bedarf ganz und gar im Zuge der neuerlichen Praxis der von Berlin aus betriebenen Kommunal­politik läge. Der Zwang zur Einstellung des Zinsen­dienstes und zur Nichtbezcchlung von Handwerkerrech­nungen waren, wie dieK. R. 31. befürchtet haben, ja nur erste Schritte auf einem überaus bedenklichen Wege.

Zu dem neue« Schritt, bet Einstellung der Schul­heizung und damft der Schließung der städtischen Schulen, darf es «»ter keine» Umstan» den kommen-

Soll sich auch in diesem Falle das langsam vertraute Bild wiederholen: Der Regierungspräsident ordnet auf Weisung von Berlin an, die Stadt protestiert, durchgeführt wird es doch?! Warum sollen, wenn man schon ein Attentat auf die Schuljugend verüben will, denn noch die Amtsbüros geheizt werden, so z. B. im Verkehrsamt, dem man ja eben alle Mittel zu wirken gestrichen hat. Wenn die Drohung mehr fein soll als ein Schrecffchuß, so möchten wir mii aller Energie dar­auf Hinweisen, daß man hier mit dem achselzuckenden Hinweis auf die leeren Kassen nicht durchkommt.

Kiudererziehuug ist Staatssache, auch wenn zufällig in einem Teil der Schulen die Stadt den Unterricht erteilt. Soll bann an staatlichen Gvmnasien gelehrt werden, die Schüler der Schule nebenan aber spazieren gehen, weil sie städtisch ist?

Hier könnten vielmehr einmal die beteiligten Stellen ihr Organisationstalent zeige«, denn letztlich ist es ja nicht so, daß Kohlen und Koks nicht vorhanden wären. Freilich geht das nicht ohne guten iWllen sowohl der Stadt als auch der Ber­liner Regierung ab. Entweder muß der auf den Städt. Werken anfallende Koks, über dessen mangelnden Ab­satz diese ja klagen, herangezogen werden, wobei aller­dings die Aufsichtsbehörde sich unter Umständen mit einem geringeren Eingang aus Ablieferungen der Städtischen Werke auf längere Sicht vertraut machen Müßte. Ober man müßte bei den riesigen Kohlen­

lagern der Reichsbahn in Kassel, die ja auch während des Winters nicht aufgebraucht werden, eine vorüber­gehende Anleihe machen.

Dort, wo aber Braunkohlen verheizt «erde« kön­ne», wäre eine Stillegung infolge Kohlenmangels in einer Stadt, die sozusagen auf Kohlen fitzt, doppelt unerhört.

Wir könnten uns keinen produktivere« Einsatz des Ar­beitsdienstes denken, als in der Heranschaffung die­ser Kohlen. Auch hier müßte es «täglich sein, sich mit der heimischen Industrie zu einige«.

Man stelle sich blyß einmal vor, wenn das Kasseler Beispiel Schule machte und alle Städte mit ungedeck­tem ^.-Bedarf ihre Schulen im Winter stillegen woll­ten! Folge: Weitere Arbeitslosigkeit im Bergbau, weitere Steuerrückgänge, weitere Drosselung. . .

Ist das der Regierungsweisheit letzter Schluß?!

Die Berliner Zentralstelle«, an die in der Be­sprechung beim Landeshauptmann hinlänglich appel­liert worden ist, müssen sich endlich rühren und ihre bisherige« Drosselungsmaßnahmen abstoppen. Der Stadt Kassel ist nicht mehr mit einer in mehr oder weniger naher Zeit in Aussicht gestellten grundlegen­den Reform des öffentlichen Fürsorgowssens geholfen, die Hilfe muß vielmehr sofort und in durchgreifender Weise erfolgen. Der bischerige ^-Bedarf, zu dem selbstverständlich auch die Handwerkerrechlmn- gen gehören, mutz unter allen Umständen fichergestelli werden, und Jet es um den Preis der völligen Der- wendung der in der Stadt aufkommenden Staats­steuern.

Dem Regierungspräsidenten ist die AWihrung die­ser Steuern von Berlin aus zur unausweichlichen Pflicht gemacht worden, er ist auch nur wussührendes Organ. Darum müssen die Zentralstellen ihre bisherigen Anordnungen lockern und den Weg frei« geben, der de« gegenwärtigen Bestand der kommu­nale« Betätigung sichert oder der Zusammenbruch der städtischen Verwaltung ist unaufhaltbar!

*

In diesem Zusammenhang sei auf eine andere Aus­wirkung des gedrosselten ^-Bedarfs hingewiesen. Kassel soll bekanntlich eine Fremdenverkehrsstadt sein. Die schwer betroffene Kasseler Wirtschaft hat in den letzten 'Jahren aus dem Fremdenverkehr ganz ansehn­liche Einnahmen erzielt, die zu steigern angesichts der weiteren Schrumpfung der übrigen Wirtschaft schlecht­hin zur Lebensfrage für Kassel geworden ist. Heran­ziehung des Fremdenverkehrs und Fremdenwevbung

läßt sich jedoch nicht ohne Geld durchführen. Das ist eine Weisheit, die wohl keiner besonderen Unter­streichung bedarf. Bei allem Bestreben zur Sparsam­keit halben die städtischen Körperschaften in den dies­jährige« Etat für die Tätigkeit des Stadtverkehrs- amrtes einen Betrag eingesetzt, der für die wirklichen Bedürfnisse schon viel zu niedrig war.

Wege» der Drosselung des ^.-Bedarfs find nun­mehr auch sämtlich« Berlage des Stadtverkehrs­amts gesperrt worden, so daß die Borbrreit»»- gen für die Fremdenverkehrswerbung igzz auf der ganzen Linie eingestellt werde« müsse«.

Was das für de« Kasseler Fremdenverkehr bedeutet, bedavf wahrhaftig keiner besondere« Hervorhebung. Stillstand bedeutet auf dem Gebiet der Fremdenver­kehrswerbung Rückgang und Rückgang ist gleichbedeu­tend mit Zertrümmerung der von frühere» Jahren geleistete« Arbeit.

Der Fremdenverkehr ist eine Lebensfrage für Kassel und es ist daher eine Unmöglichkeit, wenn die Mittel $ur Förderung des Fremdenverkehrs einfach durch einen F^erstrich gesperrt werden.

Für Kassel gehören diese Mittel einwandfrei zum engsten ^.-Bedarf und es muß auch hier von den Zentralstellen Vernunft gefordert werden!

Schließlich sei «och ein hübscher Fall aus der Praxis des ^.-Bedarfs mitgeteilt. Im städtischen (Etat sind in ganz beschränktem Umfange Zuschüsse und Beiträge eingesetzt, die die Stadt Kassel an eine ganze Reihe von Vereinen und Organisationen leistet, deren Arbeit dem Gemeinwohl dient. Diese etatisierten Mittel sind unlängst ausgeschüttet worden, weil auch die Vereine und Organisationen in ihrer Finanz­gebarung mit den Beträgen rechnen. N a ch der Aus- ßHüttung beantragte die KommunalaufsichtsbehördL di« Zahlung und ordnete unter Hinweis auf die per­sönliche Haftung des Finanzdezernenten an, daß die bereits gezahlten Beträge von der Stadt zuvück- gefordert werden sollen. Die Rückforderung ist auch erolgt, worüber die betroffenen Vereine und Organi­sationen wenig erbaut «taten.

Daß diese Finanzpolitik unhaltbar wenn nicht noch mehr ist, sollte man doch auch in Berlin ein» sHen können!

Neues vom Rathaus

Oie Sagfah baut

Die Eagfah beabsichtigt nun doch, an der Hohen- zollernstraße, zwischen Eeyso- und Aschrottstraße (ge­genüber den Tennisplätzen), 48 Kleinwohnungen zu errichten. Es handelt sich um 23-Zimmer-Woh- nungen. Man rechnet mit einem Mietpreis je nach Größe von 4045 RM. Der Magistrat hat für die­ses Bauvorhaben vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten die selbstschuldnerische Bürgschaft für eine von. der Reichsversicherungsanstalt für Ange­stellte, Berlin, bewilligte 2. Hypothek übernommen.

Oie festgefrorene Wegmann-Bürgschast

Die Stadt Kassel hat 1927 der Deutschen Zentral- Vodenkredit A.-E., Berlin, gegenüber für ein mit­telfristiges Darlehen an die Firma Weg mann in Höhe von 1200 000 RM. Bürgschaft übernommen. Das Darlehen wurde anfangs d. Zs fällig und die Stadt aus der Bürgschaft in Anspruch genommen. Die Verlängerungsverhandlungen führten zunächst zu keinem Ergebnis. Nunmehr hat der Magistrat nach vorausgegangenen langwierigen Verhandlungen in seiner heutigen Sitzung vorbehaltlich der Zustint» mung der Stadtverordneten beschlossen, für den glei­chen Betrag erneut der Zenttal-Bodenkredit A.-E. ge­genüber die Bürgschaft unter.folgenden Bedingungen zu übernehmen:

Das mittelfristige Darlehn wird in ein langfrifti» ges verwandelt. Der Zinsfuß wird einschließlich des Verwaltungskostenbeitrags von 8% auf 7 Prozent herabgesetzt, der Abtrag wird auf 1 Prozent jährlich festgesetzt. Die Enmdschuld auf den Fabrikgrundbefitz der Firma Wegmann in Höhe von 1500 000 RM. zu­gunsten der Stadt Kassel bleibt bestehen.

Karlshospital stark belegt .

Bor etwa einem Zahre war die Innere Mission zwecks Neuregelung des Derhältntsses zwischen Städt. Verwaltung und Karlshospital an den Ma­gistrat herangeirete«. Die wirtschaftliche Lage des Karlshospital schien damals so gefährdet, daß sein Fortbestand nicht mehr als gesichert zu betrachte« war. Die Innere Mission erklärte sich bereit, drei fürsorgerisch und pflegerisch gut ausgebildete Hilfs­kräfte anzustellen und dem Stadtgesundheitsamte die laufend« ärztliche Aussicht zu übertragen.

Diese Maßnahmen haben sich als durchaus zweck­mäßig für beide Teile erwiesen. Die Zusammenar­beit zwischen Wohlfahrtsamt und Karlshospital hat ich reibungslos vollzogen. Die Verteilung der auf- tenommenen Pfleglinge Wischen Krankenanstalten, tobt Wohlfahrtsheim und Karlshospital erfolgt ge­mäß der Begutachtung des Stadtmedizinalrates. Die Belegungszifser des Karlshospitals ist seit Monaten so hoch, daß die Anstalt sich selbst trägt, obwohl die Verpflegungssätze der allgemeinen Wirtschaftslage durchaus angepatzt sind. Der Ausgleich wird _ da­durch erleichtert, daß auch die benachbart«« llrtiver-

sitätsstädte das Hospital belegen, und daß fortlau­fend auch einige Selbstzahler in der Anstalt unterge­bracht sind.

Gegen LebenSmittelpantfcher

Zwischen dem Magistrat uni> dem Polizeipräsiden­ten ist eine neue Vereinbarung über die Durchführung der Kontrolluntersuchungen von Lebensmitteln ge­troffen worden. Es ist erfteulich, daß die Zahl der Kontrollen nicht herabgesetzt werden wird. Regierung und Ministerium halten bte Ueberwachung des Ver­kehrs mit Lebensmitteln in den heutigen schwierigen Zeitperhältnisse« für ganz besonders wichtig im In­teresse der Bevölkerung. Die vom Polizeipräsidenten an die Stadthauptkasse zu zahlenden Gebühren wer­den dagegen um 10 Prozent herabgesetzt. Hiermit hat der Magistrat sich in seiner heutigen Sitzung einver­standen erklärt. Der Vertrag ist mit halbjähriger Kündigung abgeschlossen.

Der Magistrat hat weiter beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtvewrdneten-Bersammlung die G^ührev für Kanalbenutzung und Müllabfuhr im Rechnungsjahr 1933 wieder auf bei Grundlage des Friedensmietwertes weiter zu erheben. Die neue Fassung steht eine Bestimmung vor, wonach künftig Gebühren herabgesetzt werden können, wenn die tat­sächlich zu zahlenden Mieten für Wohn- und Ge­schäftsräume hinter der Friedensmiete zurückbleiben.

Verein -er Hun-eliebhaber

Offener Brief an die Stadtverordnete«.

Der unterzeichnete Verein bittet Sie als Stadtver­ordneter, sich für einen Abbau der ungerechten Hunde­steuer im Interesse der städtischen Finanzen einsetzen xu wollen. Der katastrophale Rückgang der Hunde­steuer, welcher fast ausschließlich auf diese überspannte und ungerecht« Steuer zurückzuführen ist, dürfte Ihnen wohl zu denken geben.

Soll diese Steuerquelle ganz versiegen oder bet Stabt erhalten bleiben? Letzteres ist aber nur angän­gig, wenn bte Hundesteuer wesentlich herabgesetzt wirb, damit das Halten eines Hundes überhaupt noch möglich ist.

Wir glauben, daß Sie im Interesse bet Hunde­halter und, was für Sie in der Hauptsache ausschlag­gebend ist, im Interesse der städtischen Finanzen stch unserer Bitte nicht verschließen könne« und sich für Herabsetzung der Hundesteuer einsetzen. Bemerken wollen wir noch, daß der Landkreis Kassel und meh­rere Großstädte aus diesen Erwägungen heraus bte Hundesteuer ermäßigt haben, jedenfalls doch nur im Interesse des Steueraufkommens, weil dieses sonst ganz versiegt.

1930 gab es in Kassel: 4000 Hunde, 1931: 1600 Hunde, jetzt nur noch 1200 Hunde, die versteuert wur­de«, dies muß auch Ihne« genügend Beweis sein für die falsche Besteuerung.

_ , Verein der Huudeliebhaber.

Kilm der Unfälle

Sturz vom Strohsuder. Zn Grebenstein stürzte die 54jährige Ehesrau des Landwirtes K. beim Anziehen der Pferde von dem hochbeladenen Stroh­wagen und zog sich amßer inneren Verletzungen einen B r u ch d e r linken H ü f t e zu, so daß sie durch die Sanitätshauptwache in das Landeskratikenhaus ein­geliefert werden mußte.

Unfall beim Berlasse« des Eijendahnzuges. Auf der Station Oberzwehren war ein 80jahriaer Schreinetmeistet zu langsam ausgesttegen, so daß der 3ug schon wieder anruckte. Dabei stutzte der alte Mann vom Trittbrett und erlitt einen rechtsseitigen Beckenbruch. Passagiere rissen seine 9jährige Enkelin, die sich auch auf dem Trittbrett befand, herunter und bewahrten das Kind durch ihr schnelles Zupacken vor dem Ueberfahrenwerden. Der schwerverletzte Greis, dessen Unfall die Gemüter sehr erregt hatte, wurde durch das llnfallauto bet Feuerwehr in das Elisa- bethkrankenhaus transportiert.

Bom Hund ««gefallen. Als ein 41jähriger Heizungsmonteur aus der Stadtrandsiedlung (Erlen» feld zum Umwerfen eines Baumes sich beim Besitzer des an der Fuldaschlagd gelegenen Kresplatzes ein langes Tau leihen wollte, wurde er von dem als sehr bissig bekannten Wachhund beim Betreten des Platzes angesprungen und auf die Erde niederge­rissen, wobei ihm das Tier den rechten Unterarm zer­fleischte und in das linke Knie biß. Nach erster Hilfe auf der Sanitätswache Fuldabrücke wurde der bös Verletzte durch das Unfallauto der Feuerwehr in das Landeskrankenhaus geschafft.

Spiele nicht mit Schießgewehr ... In der Ober­sten Gasse nahm ein 17jähriger Metzger- lehrling eine dem Gesellen gehörige Schreckschuß­pistole in die Hand, als diese sich auch schon entlud und dem llnoorfichtigen die linke Handfläche zerriß. Die Sanitätswache Fuldadrücke sorgte für Einliefe­rung des Verunglückten i« das Landeskrankenhaus.

Ei« böser Starz. In der Friedrichstraße trat em 27jäh>riger Arbeiter aus der Wildemanns- gasse auf ein von Kohlenschippern leichtsinnigevweise nur lose aufgelegtes Kellergitter und stürzte in de« Kellerhals, wobei er sich einen doppelten Brach des linken Unterschenkels zuzog und durch die Arbei- tevsanlariterkolonne i« das Elisäbethkrankenhaus be­fördert werden «Mßte.

Bo« einet Ratte gebissen. In einem Hause der Altstadt wurde einem Kljähugen Invaliden beim Benutzen des Abortes von einer Ratte ein Stück Fleisch aus dem linke« Oberschenkel ge­bissen, so daß wegen der Eefähilichleit der Ratteu- bisse seitens der Sanitätswache Fuldadrücke für sofor­tig Serumbehandlung gesorgt wurde.

Sirahlende Mittelstadt

Am Mittwoch, 16% Ubt findet eine Illumination der folgenden Straßenzüge: Bahnhofstraße, Kölnische Straße, Königsplatz, Untere Karlstraße, Unt. Königs­straße, Straße an der Garnisonkirche, Oberste Gasse, Martinsplatz, Hedwigstraße, Hohentorstraße, Moltke- straße, Jägerstratze, Lutherplatz und Mauerstraße statt. Gletchzeitig wird um 15,30 Uhr zum ersten Mal die Martinskirche beleuchtet, die vom 7. Dezember bis 26. Dezember allabendlich angestrahlt wird.

Aussicht

Zentraleuropa wird von hohem Druck beherrscht, dessen Wetterwirksamkeit aber nicht zur vollen Geltung kommt, denn über Südfrankreich und der Biskapa bringt eine Störung vor. Ihr Wolkenschleier dürfte sich auch bis über unser Gebiet ausbebnen unb die Temperaturen, besonders Ein- und Ausstrahlung, be­einflussen. Das Niederschlagsfeld dagegen wird nicht soweit zum Vordringen kommen.

Aussichten für Mittwoch, 7. Dezember.

Temperaturen bei Aufklaren nachts um Null, viel­fach neblig und wolkig, meist trocken.

Wetterbeobachtung vom 5. Dezember.

Seit Barom. t. nun Teuiv. C. Luftfeuchtigkeit

Mittags 12 Uhr 760,5 + 5,50 74%

Lbenös « Uhr 760» + 3» 88%

Wetterbeobachtung vorn 6. Dezember.

Morgens 8 Uhr 758,9 + 1 87%

Mitgeteilt von Divlonmvtiker Hetz.

Weitere Lokalnachrichten 4. Seite Hauptblatt!

Das Raunen und

Pinslern lünoiwieder an...

Eine schone sorgenvolle Zeit be­ginnt. Kopfzerbrechen, heimliches Beraten, womit man wohl die größte Freude machen könnte.

Dürfen wir Ihnen helfen ? Kommen Sie ruhig mal zu uns, lassen Sie sich ganz unverbindlich all die schönen Dinge vorlegen, mit denen man für wenig Geld viel Freude machen kann.

Es macht uns Vergnügen Sie zu beraten, damit Sie auf jeden Fall düs Richtige treffen. Nur kommen Sie nicht erst in der letzten Stunde.

Richtige Weihnachtsfreude will gut vorbereitet sein.

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