Sonnabend, S./Sormtag, 4. Dezember ISSL / r. VeNa-e
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Tanie Grüner" 70 Zähre
Denn eine Metze voll Dukaten wog den Jah-
an.
reszehnten von Immichenhain mehrfach auf. Den,
komischen Hauptrollen: Trude Tandar und die Herren
Staatliches Theater
Sauer, Söhning und Wendt.
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Schnelles, müheloses Rasieren
KALODERMA-RASIERSEIFE
Hooß als handelnde Person gehabt hat, daß hier und dort ein Wörtlein dazugesügt wurde und das
Aus dem Leben eines Schwälmer Lauern, der den Landgrafen zum Freunde hatte
Die Witwe Katharina Hooss weih noch lebendig die Geschichten von Junker Hans zu erzählen... wohlhabende Leute waren. Sie besaßen außer einigen Erbgrundstücken auch einen adeligen Zehnten des nahen Klosters Immichenhain, der die stattliche Summe von viertausend Talern im Jahr aus machte. Es wird also aus dieser Schwalmerhochzeit außergewöhnlich hoch hergegangen sein. Fürst und Fürstin tanzten denn auch eifrig mit —nur Plötz' lich ergab sich eine heikle Situation, als beim „Küsse-Süßchen-Tanz" Johannes Hooß die Landgrä- sin, seine Tänzerin, altem Brauch gemäß küssen wollte. Da gedachte ibn der Landgraf einmal hereinzulegen: „Was zahlst Du für der Fürstin Kuß?" fragt er den etwas angeheiterten Bräutigam. „Eine Metze voll Dukaten" ist dessen unbedachte Antwort. Und ebenso schnell nahm der Landgraf diese Zusage
Junker Hans und dir Nukstenmrtzr
guten Hooß mag der Schädel gebrummt haben, als er sich an das gegebene Versprechen erinnerte. Es half ihm aber nichts, der Landgraf bestand auf Erfüllung. So machte sich denn Hans Hooß eines Tages auf den Weg nach Ziegenhain. „Wo ist die Metze Dukatens" war des Fürsten erste Frage. „Ich habe sie mitgebracht", sagte Hans Hooß — und griff in die Rocktasche. „Hier ist sie:" und stellte auf den Tisch eine kleine Metze vom Durchmesser eines Du- hatenstückes, gestrichen voll — und mit einem golde-
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Den hatte er einst, als er sich bei der Jagd verirrt batte, auf den rechten Weg nach Ziegenhain gebracht und der Landgraf hatte bei dieser Gelegenheit mit Erstaunen die vortrefflichen Charaktereigenschaften seines bäuerlichen Führers erkannt. Seine Freimütigkeit, sein offenes und aufgewecktes Wesen, sein Verständnis für alle Dinge der Wirtschaft und der Politik ließ den Landgrafen, der beim hessischen Volke besondere Verehrung genoß, aufmerken. Er lud ibn zum Dank für die genoflene Gastfreundschaft auf dem großen Anwesen in Leimbach nach Staffel und Ziegenhain ein und Johannes Hooß folgte dieser Aufforderung. So kam es. daß als Geaenbesuch der Landgraf zusammen mit seiner Gemahlin auch als Hochzeitsgast in Leimbach erschien. Dabei trug sich iene lustige Geschichte von der Dukatenmebe zu, die als besonderer Beweis der Schwälmer Schlaqsertiakeit überall erzählt wird. Es sei vorausgeschickt, daß die Hooßes überaus
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... und ihr Enkel und Erbe des Hofes führt wieder den Namen des groben Vorfahren neu Strichholz darüber. Der Landgraf starrte das sonderbare Maß an; „Die ist aber zu klein, mein Freund", bemerkte er lächelnd. Aber Hans Hooß batte seine Antwort schon zurecht: „Wollen der Herr Landgraf bevenken, daß ein Dukateninaß kleiner ist als das Matz für Korn und Weizen," erwiderte er und schob die Metze seinem Fürsten zu. Der nahm sie lachend. Er war dem Schwälmer Witz nicht ge wachsen . . .
Roch heute wohnen in Leimbach auf Junker Hansens Hof die Nachkommen der Familie Hooß. Auch heute wird dort wie in der Schwalm die Tracht und Sitte der Väter bochgebalten. Und wieder wächst dort ein Johannes Hooß heran, den nicht nur der Name, sondern auch Denken und Fühlen mit dem großen Vorfahren eng verbinden.
Ed. SchulzsKeffel
Zu Gunsten der Sttaßensammlung der Kasseler Ganze plötzlich eine neue Geschichte war. Das tut Winterhilfe finden am Sonntag um 11% ltzw. nichts zur Sache. Denn was uns in den Sagen um 11% Uhr folgende Konzerte statt: Kasseler Konzert- Funker Hans" überliefert wird, will ja nur in gro- Orchester (Schröder) ans dem Friedrichsplatz, Kapelle ßen Zügen ein Lob auf den Schwälmer im Allge- der Schutzpolizei auf dem Kaiserplatz, Kapelle der meinen fein.
O.-R. II auf dem Wilhelmshöher Platz, Ecke Wein- Heute noch wohnen in Leimbach an der Antre;,, bevchtraße. im Herzen der Schwalm zwischen Loshausen und
Willingshausen, unweit Ziegenhain, die direkten Nachkommen des Schwälmers Johannes Hooß air dem großen prächtigen Anwesen, das nach wie vor den Namen „Junker Hansens Hof" führt. Hier lebte einst der alte Johannes Hooß, den eine innige Freundschaft mit dem Landgrafen Carl verband.
Links: Landgraf Karl besucht den Bauern Johannes Hooss in Leimbach. Ein Ge» mälde von L Katzenstein
Oben: Wandbemalung und Hausspruch vom Hause des Johannes
Sämtliche Bilder eigene Ausnahmen der K.R.N
CQ och heute sitzt in der Schwalm der Stern des alten Chattenstammes, der in der Tradition der Vorfahren l und mehr als die meisten aller deutschen Volks, .ne an Art und Wesen der Väter festhält. So sliid die Schwälmer zum Inbegriff alles Heffifchen geworden; ihre Treue und ihre Lauterkeit ist sprichwörtlich und die Pflege der alten Trachten sichert ihnen in der Geschichte einen bleibenden Ehrenplatz.
Schon immer weiß sie Gutes und Ehrenwertes
aus der Schwalm zu berichten und manch prächtiges Wort ward uns von ihr überliefert. Gar oft geht auch hier Wahrheit und Sage Hand in Hand. Manche Geschichte wird uns erzählt, die strenger Prüfung nicht standhält. Eins aber ist allem gemeinsam, das über die Schwalm und ihre Bewohner erzählt wird: der Wunsch, diesen prächtigen Menschenschlag ins rechte Licht zu stellen Und als Vorbild vor Augen zu führen. So müssen auch die Geschichten gewertet werden, die man sich über Jo-
bar der guten und kunstsinnigen Frau. Schon als ihr Mann Inhaber des bekannten Schuhwarengeschästs am Altmarkt war. hielt sie engste Fühlung mit den hiesigen Theaterkreisen. Sie war nicht nur eifrige Besucherin unseres Musentempel, sondern auch Freundin ro, und Beraterin so mancher Künstler. Als schlechtere
ernot. -iehrdicti) feiten kamen, vermietete sie an Schauspielerinnen, die Wer vom Kasseler Theatervölkchen kennt sie nicht, sich bei ihr stets wie bei Muttern fühlten. Nachdem die muntere, allezeit zuversichtliche und hilfsbereite Frau Grüner ihr Heim an der Schönen Aussicht auf« „Xante Grüner", in Wirklichkeit Frau Mathilde geben mußte, zog sie nach dem Westen. Auch heute noch Grüner geheißen. Die alte Dame mit dem jungen gehört ihr Herz dem Theater und den Künstlern, die Herzen hat am Sonnabend, den 3. Dezember, das bib- ihre Svmpathie dankbar erwidern. Wir wünschen lische Alter erreicht. Man glaubt ihr die 70 Jahre Xante Grüner, der Unverzagten, noch viele schöne nicht, aber man erinnert sich an diesem Xage dank- Jahre.
Die Klinge o schabt nicht - sie gleitet!
Heute 20 Uhr (F 9) „Die Fledermaus" Operette von Johann Strauß, Inszenierung: F. W- Hanschmann, musikalische Leitung: Felix Oberhoffer. Hauptpartien die Damen: Brandstätter und Zöbisch und die Herren Berger, Ebhardt, Hanschmann, Schillings, Schürer, Tibaldi und Warbeck. Morgen, 14% Uhr, zum letzten Male und bei volkstümlichen Preisen Schillers „W i l h e l m T e l l" in Szene gesetzt von Intendant Klitsch. Titelrolle: Karl Ebhardt. — Morgen, 20 Uhr, zum letzten Male und bei
kleinen Preisen der stürmische Lacherfolg „Pension Versetzt: Steuerwachtmeister P e e tz von Breslau Sch oller", Inszenierung: Karl Randi. In den nach Kassel.
Hanneles Himmelfahrt". Die nächste Wie
Rk. 284 / Zwelunvzwanzlgsser Jahrgang
Verholung von Strawinskhs „Oed ipu s reg“ und „Pe 1 ruschk a" ist am Dienstag.
Kleines Theater. Heute, Sonnabend, bis einschließlich Mittwoch, Wiederholungen des Lustspiels .Günstige Gelegenheit!" Sonnabend und Sonntag 16 Uhr wird das Kindermärchen - Lustspiel Das tapfere Schneiderlein" von Robert Bürkuer zu ganz kleinen Preisen aufgeführt.
6 bis 8 Wochen eine Sammlung, das macht dem willigen Geber nichts aus. Die Winterhilfe aber wird täglich bestürmt, Zehntausende hungern in unserer Stator! Darum ergeht an alle die dringende Bitte, Hannes Hooß aus Leimbach erzählt. Mag fein, das Werk am Sonnabend und Sonntag zu unterstützen, daß diese oder jene garnicht den alten Großbauern
Neues aus Kassel
Raffel, 3. Dezember.
Wissen Sie schon...
daß 15 000 Familien zur Unterstützung bei der Kasseler W.nterhilse angemeldet find? Daß ein Viertel der stanzen Bevölkerung unserer Stadt arbeitslos ist?
Wissen Sie schon,
Mi die Kasseler Winterhilfe im vergangenen Winter 60 000 Mark für Unterstützungen ausgeben konnte? Dann werden Sie auch verstehen, welche Mittel sie in diesem noch viel schwereren Winter benötigt, um allen Hungernden und Frierenden wenigstens eine Kleinigkeit zukommen zu hassen. Und wenn bis jetzt 6000 Mark eingegangen find, wieviel entfallt dann «uf jede der 15 000 Familien?
Unter unseren Mitbürgern find einige, die sich wrer moralischen Verpflichtung den bedürftigen Brü- dern und Schwestern gegenüber bewußt sind und regelmäßig das Ihre tun, ihre Hilfsbereitschaft zu zeigen. Viel größer ist bedauerlicherweise die Zahl derer, die wohl die Not erkennen, "aber glauben, nichts für andere übrig zu haben. Sie sollten ihrem Schicksal bantoar sein, daß sie noch ein auskömmliches Gehalt haben, daß sie sich satt essen und warm kleiden können, daß sie in behaglichen und geheizten Räumen wohnen können, daß fie ihre Kinder in höhere Schulen schicken *et ihnen Mufikstunden erteilen baffen können. Sie wenden ihre ganze Sorge der eigenen Familie zu und denken nicht daran, daß fie auch für die anderen Dolks- genoffen verantwortlich find. Wenn sie für jede Mark, die fie Mr Sachen ausgeben, die nicht zum drinqlich- |tat Bedarf der Lebenshaltung gehören, nur 5 Pfennige für die Kasseler Winterhilfe abgäben, würden te das gute Gewissen haben, ihr Möglichstes Mr Lin- bening der Rot beizusteuern. Möchten sie sich doch «ffraffen, vielleicht unter einem Keinen Verzicht sich «inzureihen unter die bis jetzt so geringe Zahl der regelmäßigen und Mverläsfigen Helfer.
Reben der Büchsensammlung, die in Geschifften und Behörden und gelegentlich in einzelnen klebten Lo- staleu der Stadt durchgefühtt wird, besteht eine Psund- fammlung, die jedem Gelegenheit gibt, beim Einkauf m Lebensmitteln an die zu denken, die nicht kaufen Bienen. Zn den Geschäften liegen Gutscheinblocks auf, tn die die Spenden, jeweils 1 Pfund irgend einer Ware, eingetragen werden können- Don dieser Mög- kichkett, unmittelbar den Bedürftigen Waren zuzn- Äfft dis jetzt leider erst sehr wenig Gebrauch worden. Sie wird daher immer wieder den Hausfrauen zur Benutzung und tat Geschäftsleuten Mr Unterstützung empfohlen.
Die Kasseler Winterhilfe veranstaltet am S. und L Dezember eine Stratzensamntlnng.
Warum Abneigung gegen Stvaßenfirmmlnngen?
Die Veranstaltung einer Stt-chensanmrlung erregt immer wieder den Unwillen weiter Volkskreise. Als Grund zu dieser Abneigung wird angegeben, es würden zu viele derartige Sammlungen veranstaltet, und man könnte nicht für jeden Zweck etwas geben. Das ist richtig. Hier aber 'handelt es sich um eine Unterstützung der Aerrnsten und Elendesten unserer eigenen Stadt, und dieser darf sich niemand entziehen. Seit mehreren Wochen wurde keine Sammlung mehr genehmigt, damit alle Gebefreudigkeit der Winterhilfe und der von ihr Betreuten zugute kommen sollte. Alle
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