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Sonnabend, 26./Sonntag, 27. November 1932

Kasseler Neueste Jta<6ri<fifen

Seite 3 1. Beilage

Lwfere Heimat

Aus dem Landkreis Kassel

Niederkaufungeu. Einbruch. Mit großer Frechheit wurde wieder in das Jagdhaus Gerling eingebrochen. Was nicht gestohlen wurde, wurde doch zertrümmert.

Oberkaufungen. Baden billiger. Der Schulvor­stand hat die Badepreise herabgesetzt. Der Preis be­trägt ah 25. November für ein Wannenbad 25 Pfg. und für ein Brausebad 10 Pfg.

Oberkaufuogeu. Im Dienste der Winterhilfe. Am Dienstag soll eine Sammlung von Lebensmitteln zu­gunsten der Volksküche, diS am 5. Dezember wie­der in Betrieb gesetzt wird, stattfinden. Die Spen­der werden in eine von den Vorständen des Vater­ländischen Frauenvereins, der Kirchengemeinde und derSelbsthilfe" gezeichneten Lifte eingetragen. Die Spenden werden dann später, je nach Gebrauch, ab­geholt. Vor Wiedereröffnung der Volksküche sollen alle, die die Küche in Anspruch nehmen wollen, einen schriftlichen Antrag stellen. Die Anträge können am Dienstag von 46 Uhr nachmittags auf dem Bür­germeisteramt abgegeben werden.

Aus Südhauuover

Hann. Münden. Prof. Westerman» 70 Jahre alt. Am heutigen, 26. November, begeht Professor Westermann, einer der ältesten ehemaligen Leh­rer des Mündener Gymnasiums, seinen 70. Geburts­tag.

Hann. Münde«. Verpachtung. Am Dienstag werden im Rathaus mehrere Acker- und Wiesen­stücke öffentlich verpachtet.

Nienhagen, Kreis Münden. Der Segen des frei­willigen Arbeitsdienstes. Um die Eemeindesinanzen zu heben, ist es dem Bürgermeister gelungen, den freiwilligen Arbeitsdienst einzuführen. So werden schon seit einigen Wochen 25 junge Leute mit dem Bau eines Waldweges für die Forstgenossenschaft be­schäftigt. Wöchentlich fließen über 250 RM. Arbeits­löhne in die Gemeinde. Hoffentlich wird es auch möglich sein, die Straße nach Uschlag zu bauen, um eine bessere Verbindung mit Kastel herzustellen.

Dransfeld. Freitod. Auf der Wiese hinter dem Mischen Friedhöfe am Dransberge hat sich ein in Dransfeld geborener und in Hannover wohnender Kaufmann erschosten. Die wirtschaftlichen Sorgen ha­ben den ledigen in der Mitte der sechziger Jahre ste­henden Mann in den Tod getrieben.

Aus dem Kreise Melsungen

Melsungen. Glockenjubiläum. In Erinnerung daran, daß in diesem Jahre die beiden kleinen Glocken der Stadtkirche ein halbes Jcchrtausend im Turme hängen, soll der Hauptgottesdienst am Sonntag zu einet Gedenkfeier ausgestaltet werden.

Melsungen. Versichert oder nicht? Zwei Personen, die sich als Versicherungsvertreter einer Kranken- und Unfallversicherung ausgaben, statteten Melsungen einen Besuch ab. In verschiedenen Fällen ist es ihnen ge­lungen, eine Anzahlung zu erhalten, ohne daß den Ver­sicherten eine Quittung ausgehändigt wurde. Die Ver­sicherten misten nicht einmal, mit welcher Versicherung sie es zu tun haben, da sie keinerlei Papiere erhalten haben.

Spangenberg. Ein Auto umgestürzt. Ein Last­auto mit 30 Zentner-Säcken beladen, stürzte an Ben­ders Ecke um und begrub zwei Arbeiter unter sei­ner Last. Glücklicherweise ist keiner zu Schaden ge­kommen.

Guxhagen. Auf Nimmermiedersehn. Die Unsitte, nachts Wäsche zu trocknen, kam der Metzgerei B. teuer zu stehen. 25 Paar Strümpfe waren früh morgens spurlos verschwunden.

Aus dem Kreise Wihenhausen

Witzenhausen. Straßensperrung. Wegen Verbesse­rungsarbeiten wird der Landweg Oberrieden-Hilgers­hausen vom 28. November bis 3. Dezember b. I. für den Verkehr gesperrt. Umleitung über Sooden-Men­dorf bezw. Wendershausen-Rückerode. Der Vater­

ländische Frauenverein vom Roten Kreuz hat auch für diesen Winter wieder eine Pfundsammlung von Lebensmitteln eingerichtet.

Witzenhausen. Freiwilliger Arbeitsdienst. Die Stadt Witzenhausen beabsichtigt, im Wege des frei­willigen Arbeitsdienstes geeignete zusätzliche und ge­meinnützige Arbeiten (Instandsetzung und Verbesse­rung von Wegen und Gräben in der Feldmark usw.) aussühren zu lasten. An den Arbeiten können Be­schäftigungslose jeder Art bis zum Alter von 25 Jah­ren beteiligt werden. Die Vergütung erfolgt nach den vom Landesarbeitsamt noch sestzusetzenden Sätzen. Anmeldungen auf dem städtischen Wohl­fahrtsamt (Zimmer 2 des Rathauses) bis zum 1. De­zember.

Großalmerode. Revision der Quittungskarteu. Am Dienstag, den 29. November, von 9 bis 12 Uhr fin­det im Rathaus eine Revision der Quittungskarten statt. Die Arbeitgeber haben hierzu sämtliche in ihren Händen befindlichen Karten nebst Lohnaufzeichnun­gen dem Landesversicherungsinspektor vorzulegen. Auch die Karten der freiwillig versicherten Personen werden einer Nachprüfung unterzogen.

Aus dem Kreise Rotenburg

Rotenburg. Die Mittel sind erschöpft. Weitere Anträge auf Gewährung von Reichszuschüssen für Bauarbeiten werden vorläufig nicht mehr entgegen­genommen, da die für den Kreis bereitgestellte Summe bereits erreicht ist.

Obersuhl. Obstbaumschänder. Während vor län­gerer Zeit von den von der Gemeinde gepflanzten jungen Obstbäumen die Kronen abgebrochen wurden, sind vor kurzem 3 junge Bäume am Dankmarshäuser- weg entfernt worden. Hoffentlich gelingt es, die Schänder zu fasten.

Oberfuhl. Winterhilfe. Die Gemeinden Hönebach, Seifertshaufen und Dankerode sind der Gemeinde Oberftchl für das Jahr 1932/33 als Sammelgemeinden für die Winterhilfe zugeteilt worden. Eine Samm­lung in den Gemeinden wird in Kürze vorgenommen.

Obersuhl. Die Gemeindevertretung schloß sich dem Beschluß des Gemeindevorstandes über Festsetzung der Baufluchtlinie vor dem Eichholzschen Hause Nr. 150 an. In einer Streitsache gegen die Gemeinde beschloß die Gemeindevertretung, zwischen dem Gegner einen Vergleich abzuschließen. Zu einer längeren Debatte kam es über die Arbeiten des freiwilligen Arbeits­dienstesEntwässerung des Rhedenwiesen". 4 Arbeits­willige sollten entlassen werden; die Gemeindever­tretung machte aber den Vorschlag, die Leute 8 Tage noch auf Probe $u beschäftigen. Sollte dadurch eine Besserung nicht erzielt werden, so sollen sie entlasten werden.

Sontra. Wir gratulieren. Frau Auguste Hell­mund wird heute 70 Jahre alt. Wir wünschen alles Gute!

Berneburg. Eetreidediebe erwischt. Einem Land­wirt wurden mehrere Sack Weizen aus- der Scheune gestohlen. Es wurde festgestellt, daß die Diebe beim Dreschen geholfen hatten und infolgedesten mit der Oertlichkeit genau Bescheid wußten. Ein Teil des gestohlenen Getreides wurde noch bei ihnen gefunden.

Aus dem Kreis Hofgeismar

Hümme, Kreis Hofgeismar. Unfall im Walde. Ter Holzhauer Albert Zmuda wurde beim Holzfällen von den Aesten eines in unvorhergesehener Richtung nie­derstürzenden Baumes so unglücklich getroffen, daß er schwere Verletzungen am Kopf und am Körper davon­trug. Der Arzt ordnete die Ueberführung in ein Krankenhaus an.

Panzerwagen" ist kein Panzerwagen

Freispruch in Hofgeismar

In der Strafsache gegen die vier Nationalsozialisten Hold, Damm, Hild und Zeich aus Hofgeismar, gegen die in der vorigen Woche wegen der Herstellung desPanzerwagen" verhandelt worden war, verkündete

Amtsgerichtsrat Staudinger Freitag vormittag das Urteil. Di« Angeklagten wurden auf Kosten der Staatskaste freigesprochen, da der von ihnen hergerichtete Wagen nicht als Heeresgerät angesehen werden kann. Dementsprechend wurde auch nicht auf Einziehung des Wagens erkannt.

Der Staatsanwalt, der die Verurteilung beantragt hatte, wird wahrscheinlich Berufung gegen das Ur­teil einlegen.

Aus dem Kreise Eschwege

Eschwege. Wiedergewählt. Bei der Ergänzungs­wahl für die Industrie- und Handelskammer Kassel- Mühlhausen wurde Fabrikant Otto Doernberg wie- dergewählt.

Aus Waldeck

Eorbach. Betriebsunfall. In dem Betriebe der Corbacher Continental-Gummiwerke wurde einem Schreiner von der Fräsmaschine der Mittelfinger glatt abgeschnitten.

Aus dem Kreise Fritzlar»Homberg

Homberg. Reit- und Fahrturniere. Es finden 1933 Reit- und Fahrturniere statt: am 30./31. April in Marburg, am 7./8. Mai in Homberg (Bez. Kastel), am 14./15. Mai in Kastel, am 23-/24. Mai in Hof­geismar.

Sem Nächsten zur Wehr

Bezirksfeuerwehrtag in Schlierbach.

Unter Leitung von Bezirksbrandmeister Kurz- Zimmersrode und Krersbrandmeister Ramp-Fritzlar fand am Freitag der Bezirksfeuerwehrtag in Schlier­bach statt. Insgesamt waren etwa 400 Feuerwehr­leute erschienen. Bezirksbrandmeister Kurz erklärte, man habe Schlierbach in viesem Jahr deswegen als Uebungsort gewählt, weil hier sehr schlechte Waffer- verhältnisse beständen und keine für Löschmaßnahmen geeignete Wasserleitung zur Verfügung stehe.

Es ertönte sodann Feueralarm. Aus dem An­wesen des Landwirts Groß war Feuer ausgebrochen. Kreisbrandmeister Ramp-Fritzlar hob nachher lobend hervor, daß die Wehren trotz schlechter Wasserverhält­nisse zufriedenstellend gearbeitet hätten. Für die Ge­meinden Schlierbach und Dorheim, die die schlech­testen Wafferverhältnisse im Bezirk haben, sei der Bau eines Löschwasserreservoirs an günstiger Stelle zu empfehlen. Auch ein zweckentsprechender Ausbau ihrer bestehenden Wasserleitungsanlagen erleichtere im Falle eines Brandes die wirksame Bekämpsung des Feuers sehr.

Aus dem Kreise Ziegenhain

Roppershain. Neuer Bürgermeister. Nach Amts­niederlegung des früheren Bürgermeisters Töpfer wurde jetzt der Landwirt Adam Orth zum neuen Bürgermeister der Doppelgemeinde Roppershain- Lembach gewählt.

SKukircheu. I« Landwirtschaftlichen Kreisverein sprach Regierungsrat Dr. Eörech vom Landeskulturamt Hersfeld über die Durchführung und Finanzierung von Zusammenlegungen. Nach feinen Ausführungen betragen die Verkoppelungskosten pro Hektar im Durchschnitt 125 RM.

Aus Sem Kresse Kirchhain-Marburg

Marburg. Keine Verlegung des Hauptzollamts nach Marburg. Die Gerüchte über eine Aufhebung des Hauptzollamts Gießen und seine Verlegung nach Marburg gaben der hessischen Regierung Anlaß zu schriftlichen und mündlichen Vorstellungen denn Reichssinanzministerium. Es hat nunmehr, laut Frkft. Ztg.", erklärt, daß eine Verlegung nicht be­absichtigt sei und auch früher eine derartige Absicht nicht bestanden habe.

Marburg/Lahn. Ein Erpresscrpiirchen verurteilt. Vom Marburger Schöffengericht wurden ein junges Mädchen und ein junger Mann aus Marburg we­gen Erpressung und Diebstahls zu drei bzw. sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In einer Wirtschaft in Marburg hatte ein älterer Mann ans einem Kreisorte Marburgs das junge Mädchen kennen ge­lernt. Er verabredete sich mit dem Mädchen in eine andere Wirtschaft, bezahlte ihm Essen und Trinken und das Mädchen benutzte die Gelegenheit, um dem Manne zehn Mark aus der Brieftasche zu nehmen. Als sich der Mann mit dem Mädchen allein glaubte, trat plötzlich der Bräutigam der jungen Dame hinzu und stellte den Mann zur Rede, gab aber an, wenn er Geld bekäme, wäre die Sache aus der Welt ge­schafft. Der Mann gab in seiner Angst seine ganze Geldbörse her, in der sich aber nur noch zwei Mark befanden. Jetzt hatte sich das saubere Pärchen vor dem Gericht zu verantworten, das oben angeführte Strafe fällte.

Marburg/Lahn. Geheimrat Haeuser 75 Jahre. Der Vorsitzende des Marburger Universitätsbundes, Geheimrat Haeuser, begeht am 26 November seinen 75. Geburtstag. Als steter warmherziger Förderer der Marburger Universität und der Stadt Marburg, der er eine große Stiftung für das nach seiner Frau benannte Luisabad gemacht bat, hat sich Geheimrat Haeuser unvergängliche Verdienste erworben. Die Theologische Fakultät, die ihm sehr viel verdankt, hat dem Geheimrat als Ausdruck besonderer Ehrung zu seinem Geburtstag die Würde eines Doktors der Theologie verliehen.

Aus dem Kreise Frankenberg

Frankenberg. Eine Sitzung der Stadtverordneten findet am Montag, abends 8 Uhr, statt. Tagesord­nung: 1. Beitritt zur Revisionsstelle des Stäotebun- des. 2. Verkauf einer Fläche an Koch, Zechen­haus. 3. Wahl eines Waisenrates als Vertrauens­mann des Jugendamtes. 4. Nachträgliche Bewilligung der Etatsüberschreitungen. 5. Erhöhung der Bürger- steuer auf 500 Prozent durch den Herrn Regierunas- präsidenten. 6. Kanalisation am Berg. 7. Ein­richtung eines Brausebades für die erwachsene Be­völkerung.

Der Ruf nach Verständnis

Die Forderungen der Friseure o»n Hessen und Nassau.

In Frankfurt tagten die Obermeister der hessischen und nassauischen Frrseurinnungen. Die Berichte der Obermeister über die wirtschaftliche Lage des Friseur­berufs ergaben ein trostloses Bild. Als Ergebnis der Aussprache fand eine Entschließung Annahme, worin in acht Punkten die Forderungen des Friseurhandwerks niedergelegt sind. Grundsätzlich wird verlangt:

Aufhebung der für das Frifeurgewerbe einseitig er- lastenen Notverordnungen, Schutz und Förderung des Handwerks gemäß § 164 der Reichsverfassung, Ent­lastung desselben von einseitig auferlegten Steuern und Abgaben, sowie Senkung der sozialen Lasten, Aus­hebung der Hauszinssteuer und damit Senkung der Mieten, Zwangsvollstreckungsschutz auch für bas Hand­werk, Einführung der Handwerkerkarte, größeres

Verständnis der Verwaltungsbehörden gegenüber dem Handwerk, Wiederherstellung der den Innungen zustehenden gesetzlichen Rechte.

Ganz besonders aber fordert das Frifeurhandwcrk Wiederherstellung des Selbstböftimmungsrcchts für feiner Hände Arbeit, Wahrung der verbrieften Rechte, Schutz und gleiche Behandlung wie alle ande­ren Volksgenossen. Zur Lchrlingsfrage wurde erneut die Erbringung eines ärztlichen Zeugnisses und einer Eignungsprüfung bei Einstellung zur Pslrcht gemacht und einheitliche Sätze für eine Erziehungsbeihilfe bzw. Kostgeld festgelegt. Aber auch die Notwendigkeit einer scharfen Durchführung der einschränkenden Lehrlings­vorschriften wurde betont, damit der Ueberfüllung des Berufs Einhalt geboten und die Schwarzarbeit nicht noch weiter gefördert wird.

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