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Gonnabend, 26./Sonniag, 27 November 1932 > 1. Destage

Vor Kasseler Gerichten

Seemannsgarn

Freitag wurde vor dem Schöffengericht die Ver­handlung gegen den Kaufmann K. wegen Gefangenen- befreiung aus dem Landeskrankenhaus verhandelt, über die wir dieser Tage berichtet hatten. Die aus dem Landeskrankenhaus vorgeladenen Zeugen, ein Arzt, eine Krankenschwester, ein Pfleger und eine Hausangestellte, vermochten nichts darüber zu sagen, daß K. gewußt haben mutz, datz es sich bei seinem Pfleger" um einen Strafgefangenen handelte, dem er keinen Vorschub zum Verlassen des Krankenhauses leisten durfte. Als belastende Aussage blieb nur die des Seemanns und Schmuggler G. übrig, der matz das Gericht aber trotz des von dem Zeugen,geleisteten Eides kein Gewicht bei, weil G. sich nächsten Mittwoch wegen der Unterschlagung der ihm von K. gegebenen 4500 Mark zu verantworten hat und deshalb starkes Interesse daran haben mutzte, den gegen ihn auftreten­den Zeugen K. zu belasten. Infolgedessen wurde K. freigesprochen.

Was aus einer Heiratsanzeige werden kann

Um seinem arbeitslosen Freund etwas zu helfen, hatte der 24jährige Schreiner Otto E. aus Kassel eine Heiratsanzeige in die Zeitung rücken lassen, durch die ein junges Mädchen mit etwas Geld gesucht wurde. Das Inserat hatte ein etwas merkwürdiges Echo, denn E. erhielt einen Brief aus Luxemburg, in dem ihm in zunächst versteckter Form das ange­tragen wurde, was man landläufig als Spionage be­zeichnet.

Neugierig ging E. auf den Briefwechsel ein. Der französische Agent und um ein solches Subjekt han­delte es sich bei dem Luxemburger Briefschreiber wollte mancherlei von E. wissen, und versprach ihm dafür Geld. Von Geheimnissen, die er dem Franzosen verraten konnte, wutzte E. nichts, darum schwindelte er den Burschen in Luxemburg an. Schlietzlich zeigte er sich der Polizei selbst an. Das war auch sein Glück, denn kurz nach seiner Selbstgestellung lag in Kasiel schon ein vom Oberreichsanwalt in Leipzig ausgehen­der Haftbefehl vor.

In einer unter strengstem Ausschluß der Oesfent- lichkeit stättgefundenen Verhandlung wurde G. von der Großen Strafkammer wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse entscheidend war wieder, datz er überhaupt mit dem Vertreter einer auslän­dischen Macht, der an geheimzuhaltenden Dingen inter­essiert war, Verbindung ausgenommen hatte zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 2 Jahre 6 Monate Gefängnis beantragt.

DerReformator"

Merkwürdige Ausreden gibt's vor Gericht! Der Mann, der nächtlicherweile mit einer Leiter vor einem fremden Hause erscheint und den ihm von der Leiter herunterholenden Schupomann erzählt, er habe seinem Freund die Blumen begießen wollen, ist ein Stüm­per gegen den Angeklagten, der für seine Tat nicht nur Anerkennung, sondern auch noch klingende Münze zu fordern sich berechtigt glaubte.

Folgendes lag vor: Der Angeklagte war vorüber­gehend bei der Landesversicherungsanstalt beschäftigt gewesen. Eines Tages kam man dahinter, daß er aus abgelieferten Jnoatidenkarten, die zur Vernichtung bestimmt waren, zahlreiche nicht entwertete Marken etwa für 4500 Mark herausgelöst, gereinigt und mit neuem Klebstoff versehen wieder in den Han­del gebracht hatte. 2n der nüchternen Sprache des Strafgesetzbuches war das Diebstahl und ein Vergehen nach der Reichsversicherungsordnung.

Man höre nun aber, was der Angeklagte dem Ge­richt erzählte: Er habe schon kurz nach Beginn seiner Tätigkeit in der Landesversicherungsanstalt gemerkt, daß das System der Kartenvernichtung unvollkommen sei. Wie leicht konnten die Marken aus den abge­lieferten Karten herausgelöst und wieder verwertet werden! Er habe sich da einen anderen Plan aus­gedacht, mit deffen Einführung die Landes­versicherungsanstalt ein für allemal vor Schädigungen gesichert gewesen wäre. Um aber die Leitung der An­stalt von "der Güte seines Planes zu überzeugen, hätte er selbst erst einmal Marken entwenden müssen.

Vorsitzender: Mutzten Sie die Marken denn aber auch verkaufen?

Angeklagter: Selbstverständlich, das gehörte doch auch zu dem Beweis für die Güte meines Planes.

Vorsitzender: Wo haben Sie IhrenPlan" denn eigentlich?

Angeklagter: Den habe ich fix und fertig im.Kopf.

Vorsitzender: Sie hätten wirklich bester getan, den Plan der Landesversicherungsanstalt vorzulegen, be­vor die Anzeige gegen Sie erstattet wurde. 2etzt sieht nämlich die Geschichte mit dem Plan doch phantastisch aus.

Dem Staatsanwalt wollte die Ausrede des Ange­klagten nicht einleuchten, so datz er 4 Monate Gefäng­nis gegen ihn beantragte. Das Gericht verhängte 5 Monate gegen seinen Erfinder, und zwar wegen Diebstahls und wegen Wiederverwendung der gestoh­lenen Marken. Eine mitangeklagte Frau, die dem An­geklagten die Marken gegen Bezahlung abgenommen hat, wurde freigesprochen, da sie beim Ankauf der Marken gutgläubig gewesen ist.

Diakonisteneinsegnung. Am 1. Adventsonntag wer­den in den Adventskirche 17 junge Schwestern des Hes­sischen Diakonisfenhauses zu Diakonissen eingesegnet und in das Amt der Diakonie feierlich eingewiesen. Die Feier findet um 10 Uhr statt. Die Festpredigt wird von Pfarrer Noltenius in Rinteln gehalten.

Führungen durch das Stöbt. Raturkundemuseum. Tic tachmänm'schcn Rührungen beginnen am Sonntag mit einem unentgeltlichen Rundgang durch die Sammlung. Treffpunkt 11.15 Ubr im Museum.

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KRAGEN

Neues aus Kassel

Kaffel, 26. November.

Advenisbiiie

O laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen, und lösch der Zwietracht Glimmen aus. Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus!

Friedrich Rückert

Wochenbericht der Winterhilfe

2n der vergangenen Woche konnte die Kasteler Winterhilfe wieder einige tausend Gutscheine aus­geben. Neben den vom Rheinischen Kaufhaus zur Verfüguns gestellten 1000 Scheinen über verschiedene Lebensmittel nach Wahl wurden weitere Brotkarten und die ersten Scheine für Kartoffeln verteilt Datz eine Ausgabe von 5 oder 7000 Scheinen nicht 15 000 zur Unterstützung angemeldete Familien befriedigen kann, mutz jedem einleuchten. Daher ergeht immer wieder an alle Kreise der Bevölkerung die herzliche und dringende Bitte, nach Kräften zu spenden. Jeder, der noch satt zu esten und ein warmes Zimmer zum Wohnen hat, sollte au die denken, die hungern und frieren muffen.

Zur Groschensammlung sind in weiteren Geschäften Sammelbüchsen aufgestellt worden, und zur Pfund­sammlung liegen Einzeichnungsblocks bis jetzt in etwa 70 Firmen auf, um deren Benutzung auf das herzlichste gebeten wird. Es ist zu erwarten, datz auch noch wei­tere Lebensmittelgeschäfte sich zu dieser Unterstützung des Hilsswerkes bereitfinden werden.

Schon jetzt sei darauf aufmerksam gemacht, datz am nächsten Sonntag wieder eine Straßensammlung für die Winterhilfe stattfinden soll, die als allgemeiner Hilferuf sich an jeden einzelnen wenden und um ein Scherfleiu bitten möchte.

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Moloch Verkehr

Derkehrsunfall fordert Menschenleben.

Freitag «achmittag gegen Uhr ereignete sich an der der Höhenthorstraße gegenüber liegenden Ecke Dorther- und Mauerstratze ein schwerer Ver- kehrsnnfall. Dort fuhr ein großer Lastkraft­wagen des Kasseler Konsum- und Sparvereins in­folge Versagens der Steuerung über den Bürgersteig bis au die Treppe des über den alten Totenhof MH- renden Weges, wobei der vor idem Kraftwagen aus­weichende 40-jähr. Straßemneister Poppe aus Gre- benstein gegen die die Treppe einfassenden Grotten-

und so

wandert die Affenallee den Weg alles Vergänglichen

Sämtliche Bilder eigene Ausnahmen der K.R.R.

Kronen

Nebenstehend

Links oben: Einsam und verlassen blieben die ge« köpften Strünke zurück . ..

Oben: Die zwanzig Meter hohe Magirusleiter schiebt sich in die gefährdeten

schk. Seit Tagen hallt die Karlsaue wider vom Dröhnen der Axt. Riesige Baumkronen stürzen kra­chend und berstend zu Boden, schlagen donnernd aus uttir zersplittern in einen wilden Berg undurchdring­lichen Geästes. Das Todesurteil der Affenallee wird vollstreckt. Jene herrlichen Bäume, die mit ihrem riesigen Blätterdach im Sommer kühlenden Schatten spendeten, deren gewaltige Kronen im Schmucke von migezählten Tausenden von weißen und roten Blü­tenkerzen wir im Frühling bewunderten, trugen nur äußerlich die Zeichen des Glanzes und der Schönheit. Ihr Körper aber war krank. Voll Sorge blickten die Pfleger des Aueparkes aus ihre Schmerzenskinder, die Kastanien, denen Altersschwäche bedenklich in die Krone gesahren war. Bei jedenr heftigen Wind split­terten Aefte, oft sogar ganze Kronen, zu Boden hinter dem kraftstrotzenden Bild im Frühling und Sommer verbarg sich der Todeskevm. Um Schlim­meres zu verhüten, mutzte ihreKöpfung" beschlossen

werden und die Bereinigung der Affenallee von Bäu­men, die selbst durch Beschneiden aus zwölf Meter Höhe nicht mehr zu retten sind. Mit ehrlichem Be­dauern sieht jeder diese stolzen Bäume sällen und schaut mit Wehmut, wie ihre kmumerlichen Strünke als schäbige Ueberreste einstigen Glanzes verloren in den Rovemberhimmel starrem Zu ihren Füßen ist das. reinste Holzlager entstanden: hoch türmen sich die zer­sägten mächtigen Stämme mit d«n schneeweißen Holz, ein Gewirr von Aesten, die beim Fall zerbra- eben, liegt rings verstreut und wird von denen, die Jahr für Jahr in der Aue gegen besonderen Berech­tigungsschein ihr Holz lesen, gewissenhaft gelichtet. Aus Wägelchen und Rucksack, in der Kötze und auf oen Schullern wandern die Baumkronen der Affen­allee den Weg alles Vergänglichen. Zurück bleiben schwarze Strünke, für die selbst die BezeichnungBu­bikopf noch zu viel wäre. Aber wir dürfen der so plötzlich entschwundenen Aneromantik nicht nach­trauern. In ein Paar Jahren wird der erste Schmerz verwunden sein, neue junge Bäume werden die Stelle der alten einnchmen und aus dengeköpften" wird neues Astwerk schießen. Dem kommenden Geschlecht blieb durch rechtzeitigen Eingriff erhalten, was uns bis jetzt erfreute. Und dafür sollten doch auch wir schon dankbar sein ....

Ich frdumf in ihrem Schatten

Das große Aufräumen in der -150 jährigen Affenallee

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steine gequetscht wurde. Die Feuerwache Mauerstratze brachte den Unglücklichen, der schwerste innere Zer­

reißungen erlitten hatte, in das nahegelegene Spritzen­haus und sorgte für schleunigste Einlieferung des hoff­nungslos Verletzten durch die Samitätsihauptwache in das Landeskrankenhaus, wo er leider am Abend sei­nen Verletzungen erlegen ist. Der den Stratzenbahnverlehr stark behindernde Kraftlastzug mutzte von der Feuerwehr zur Seit gezogen werden.

Fritz Sieglich-Rau

der bekannte Kasseler Konzert-Organist, gibt am Sonntag, den 27. November, 20 Uhr, in der Gar­nisonkirche ein Orgelkonzert mit Werken von Fähr­mann, Pachelbel, Buxtehude und Bach unter Mit­wirkung von Paula Gleim.

Ihre Haut

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Tiefen­wirkung liegt 3 der Wert!

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