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Jt». 273 / Juxknr-qvantziaNer Jahrgang

Montag, 21 Tkovember 1932 z 1. Beilag«

Auf dem Hauptfriedbof

Auf dem unter der bewährten Leitung von Ober­inspektor Kühn« zu einem Kleinod Kassels gewor­denen Hauptfriedhof fanden sich schon im grauen Dämmern des Morgens die ersten Gäste ein. In das Dröhnen der Glocken von nah und fern misch­ten sich die Klänge der Posaunenchöre der Gemeinden und des Christlichen Vereins junger Männer (Wolfs- Ichlucht), die den ganzen Tag über auf allen Teilen des weiten Friedhofs ihre ernsten Weisen spielten, den Toten als Gruß, den Lebenden zum Trost. In der Mittagsstunde führte die vom Kreispfarrer veranstaltete Andacht eine große Gemeinde in die Kapelle des Hauptfriedhofs. Hier fand Pfarrer Lic. Lieberknecht zu Herzen gehende Worte hoff­nungsvollen Glaubens im Gedenken der Toten. Auch die am frühen Nachmittag abgehaltene liturgische Feier in der Auferstehungskirche erfreute sich ebenso wie der Abendgotlesdienst regsten Zu­spruchs.

häufig selbst die zu einem Bnich-

phale Lage der Gemeinden Wunen verkürzten Unterstützungen nur noch _

tetl ausgezahlt werden. Erschreckend ist die Zahl derer die hungern und frieren und di« da leiden i» Krank­heit und Siechtum.

Gedenkt der Not!

Sin Rundfunk-Aufruf des Oberpräfidenken Or. v. Hülse«

Die Rot ist größer als i» vergangenen Muter und darum bedarf es vermehrter Anstrengung aller Kräfte der freien Wohlfahrtspflege, bedarf er immer wieder

opferwilligster Nächstenliebe jedes einzelne« 1 Volksgenossen, der noch irgend etwas erübrigen

kann,

um eine wirksame Winterhilfe zustande z« bringen und wahrend der ganzen Wintermonate aufrecht zu erhalten.

So richte ich denn an alle Bewohner der Provinz Hessen-Nassau die herzliche Bitte, mitzuhelfen mit Ta- ten der Liebe, soweit ein jeder nur irgend kann. Alle letzten Möglichkeiten barmherziger Fürsorge müssen m diesem Winter ausgeschöpft werden. Tatkräftig un­terstützte Organisationen der Winterhilfe werden Ver- zwelselnden die Zuversicht geben, daß sie durch diesen Winter hindurchgebracht werden können und sie wer- den dle se^ische Widerstandsfähigkett des deutsche» Volkes starken.

Darum gebe jeder nach seinem besten Können!

Helft mit Geld, Lebensmitteln und Heizmaterial, mtt Kleidern, Wasche, Schuhen. Seht die Truhen, Schränke, Boden, Keller und Ställe nach, manches wird sich noch finden, was für die Zwecke der Winterhilfe brauchbar ist. Ueberall werden die staatlichen Polizeibehörden, die Reichswehr, die Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz, die Spediteure, die Krastfahrzeugbefitzer und andere Stellen gern Fahrzeuge zum Einsammeln der Gegenstände zur Verfügung stellen. Helft auch ihr Frauen durch fteiwillige Näharbeit die eingesammel­ten Bekleidungsstücke brauchbar zu machen. Helft mit durch freiwilligen Küchendienst in den Notstands- küchen. Leistet Hilfsdienste in notleidenden Familien be, 5krankheitsfällen! Hebet die unmittelbare Mitwir­kung des Einzelnen hinaus gilt es aber auch, die Winterhilfe auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen. Diesem Ziele dient an vielen Orte»

die Groschen-Sammlung,

die erreichen will, daß jeder, der noch im Besitz von Verdienst und Arbeit ist, jede Woche, wenn er wirklich nicht mehr geben kann, wenigstens 10 Pfennig zur Winterhilfe spendet. Viele Wenige machen ein Viel. I Das gleiche Ziel erstrebt das große Liebeswerk des Verkaufs der von der Reichspost ausgegebenen Wohl- ahrtsbriefmarken, und die große Volkswohllotterie zu Gunsten der Winterhilfe, deren Ziehung vom 16. bis 17. Februar und vom 11. bis 16. März vorgesehen ist.

Im übrigen verdienen alle Maßnahmen in den Ge­meinden zur Verbilligung des Lebensbedarfes für Ar­beitslose^ und andere HUfsbedürftige einer nachdrück- I lidjen Förderung, wie ja auch sonst jeder Einzelne und I die örtlichen Stellen nachsinnend noch viele andere I Wege finden werden, auf denen das große Unterneh­men der Winterhilfe zum Segen der notleidenden Be­völkerung gedeihen kann.

n. Denkt daran, wenn Ihr jetzt für Euch und Eure Lieben das Weihnachtsfest vorbereitet und wenn Ihr selbst unter dem Weihnachtsbaum steht. Laßt uns in der Winterhilfe eine große deutsche Notgemeinschaft bil­den, die in hingebender Nächstenliebe alle deutschen Volksgenossen umschlingt und uns alle einigt in dem Glauben an das deutsche Volk, an die deutsche Heimat I und an unser deutsches Vaterland!

Wie alljährlich veranstaltete auch diesmal di« deutsche Feuerbestattungskasseflarnrna in der Kapelle des Krematoriums eine Totengedächt- Nlsfeier. Auch hier regste Beteiligung. Organist Kattlofsky (Orgel), Fräulein Elsa Kneifel (Alt) und Kammermusiker Kruse (Violine) wußten mit einer Reihe klangvoller, auf beachtlicher künst­lerischer Höhe stehender Darbietungen echte Weihe- stimmunq zu schaffen, die im Verein mit der von Pfarrer Zeidler gehaltenen Ansprache und Litur- gie und dem Gemeindegesang der Feier gottesdienst- lichen Charakter gaben

*

Auch dieKrieger-Eedächiuisstätteinder Voran« war den ganzen Tag über das Ziel vieler Kasselaner. Als Erster legte die Stadtverwaltung ernen Kranz zu Füßen desToten Kriegers" in der Haue. Ihr folgten mit mehr oder weniger starken Ab­ordnungen fast alle Regimentsvereine, die ehem. 83er ßanbrocfir 83, Feldartillerie 11, Husaren 14, Train 11 Futzartillerie 11, die ehem. Pioniere, Feldartillerie 47*

Der Ostbund rief am Totensonntag alle Ostmär­ker in den kleinen Saal des HotelsVereins- hau s" zu einer Feierstunde, die di« Gräber ihrer Heimgegangenen in den Ostgebieten nicht besuchen Wunen. Unter der Mitwirkung des Streichquartetts der Herren Tischler, Munk, Weitzel undK ö ler, der Männerchörearton Kassel und Niederzwehren (Leitung Konrektor SäfteI) und Frau Lubkowitz-Osius bot er seinen Freun­den und Gissten eine von tiefer Andacht getragene Weihesrunde. Im Mittelpunkt stand die tief zu Her­zen gehende Rede von Pfarrer Pelz. Liturgische Echriftlesungen und Eemeindegesang machten die Feier auch hier zur gottesdienstlichen Handlung. Eine Sammlung freimütiger Spenden soll zur Errichtung einer Ehrentafel für Gefallene in der Paulskirche zu Bromberg miichelfe».

die 167er und die 5. Dragoner. Nicht zu vergessen dis 9. Kompagnie des Jägerbataillons und der Deutsch­nationale Handlungsgehilfenverband.

Am Nachmittag hielt hier das Reichsbanner ein« eindrucksvolle Totenfeier. Im flackernden Schein der Fackeln nahmen die Fahnen und Mannschaften der Kasseler Stürme Aufstellung, dumpfer Trommelwirbel ließ di« Menschenmenge aufhorchen, die sich im Dun­kel am Fuß des Denkmals drängte. Nach dem Gebet Verlaßt uns nicht!, von der Reichsbannerkapelle un­ter Kapellmeister Starke klangvoll zu Gehör ge­bracht, vertiefte der gemischte Chor des Männer­gesangvereinsHarmonie, Bettenhausen (Chor­leiter Lehrer Kleindienst), durch fein abgestimmten Vortrag mehrerer Choräle die andachtsvolle Stim­mung.

Die Gedenkrede hielt Pfarrer Ide, Klein- alnferobe. Hm di« Toten des Weltkrieges wahrhaft zu ehren, müsse man die volle, ungeschminfte Wahr­heit sagen; die Wahrheit, die in ihrer Schlichtheit so tragisch wirke. Wie es am Denkmal der 200 Spar­taner zu Termophilae zu lesen stand:Wanderer, kommst Du nach Sparta, so verkündig«, Du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl!" so seien auch unsere Toten gestorben sür Volk und Vaterland, wie das Gesetz es befahl! Nicht schnöde Eroberungssucht habe sie getrieben, sonst wäre ihr Tod nicht so erschütternd gewesen. Unser Geben und Sterben habe den Sinn, den wir ihm geben. Wir tonnten die Toten nur ehren, wenn wir ihrem Sterben einen Sinn geben und damit auch die Frag« nach dem Sinn des Krieges lösen. Die Taten des Weltkrieges starben für ein freies Volk, für ein freies Vaterland; für ein Deutschland, in dem Recht und Wahrheit als die höchsten Güter geachtet wer­den. Und wir dankten die deutsche Republik nicht zum wenigsten dem Blute der Gefallenen und dies« republikanische Freiheit gelte es festzuhalten, für st« gelte es die größten Opfer ju bringen. Aber die To­ten seien auch ein Opfer für die Menschheit gewor­den, der es dadurch zum Bewußtsein kommen solle: ,Me wieder! Der Gedanke des ewigen Friedens sei nicht nur Memschbeitsgedanke, sondern auch ein deut­scher. Immanuel Kant habe den hohen moralischen Mut gehabt zu schreiben:2)er ewige Friede ist nicht nur eine Idee, er ist eine Ausgabe! Choral und Kranzniederlegung beendeten diese Feier i« der Abendstunde.

Auf dem Gefangenen-Friedhof, den wir unseren Lesern im letzten Sonntagsbilderbogen ins Gedächtnis zurückgerufen haben, hielten die Ottsgrup- pen des Reichsbanners von Ober- und Rieder, zwehren, verstärkt durch das Kasseler Jungbanner mft Spielmannszug und Fahnen und eine Abteilung von Göttingen eine schlichte Gedenkfeier ab. Eau- jugendfiihrer Senkbeil schilderte das große Ster­ben hn Kriege.

hungeriü» und frterenb den Winter überwinden. Ein stilles Helden- und Duldertum. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Deutsche, d,e der Not ihrer Brüder und Schwestern verständnislos gegenüberstän- de». Kein Wunder, wenn die Notleidenden ungedul­dig werden und stürmisch Opfer von denen verlan­gen, bte noch wohlgeborgen auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Im Lande tobe der Kampf der Par- teren und Stände. Vorbei sei es mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft, die erstmalig im Kriege in Er­scheinung trat und die, gedüngt mit dem Opferblute unserer Gefallenen, weiterwachsen sollte.

Der Opfertod unserer zwei Millionen Brüder, deren Blut die unzerbrechliche Verbindung sein sollte, scheine vergeblich gewesen zu [ein. Aber an dem Heldenmut unserer Kriegsteilnehmer, an dem Opfer­tod der Gefallenen, an dem stillen Dulden der leben­den Kriegsopfer müsse sich unser Volk wieder auf- richten. So schwer den Kriegsopfern auch der Kampf um ihr Recht gemacht werde, ihre Liebe zu Deutsch­land werde dadurch nicht gemindert. Kriegsopfersache fei Volksfache! Diefe Erkenntnis müsse insbesondere auch die Heranwachsende Jugend beseelen. Ihr müsse gelehrt werden, was sie den Kriegsbeschädigten und den Kriegerhinterbliebenen schuldig sei.'

Denn es gibt kein Wort, für die Opfer zu danken, Und es gibt keinen Dank sür sie, die da sanken.

Für uns, für Deutschland.

Unter den Klängen des Beethoven'schen Trauer- marsches bewegte sich die Versammlung bann zum Ehrenmal der Gefallenen, wo Gauvorsitzender B a ch - wann bei dem Lied vom guten Kameraden den Kranz mit weißer Schleis« niederlegte.

öor wenigen Tagen zum Oberpräsi- oenten unserer Provinz ernannt worden bin, f0tt Li" erster,Schritt in di« breite Oeffeutlichkeit et» Aufruf sei» zur 2tnb«rung bitterer Rot,

i^;mnmer /teigendem Maße alle Bevölkerungsschich­ten befallen hat und gerade in den Wintersaaten '^"Erscheinung tritt. So rufe ich benn Euch alle, Ihr Manner und Frauen Ihr Kna­ben und Mädchen hiermit auf, '

3« selbstloser Mitarbeit und zu hiugebender Tat für bas große Notwerk der Wittterhilfe,

brejet}t überall in Stadt und Land in mannigfaltiger Weise organisiert wird. a

«x. »langen Jahren lebe ich mitten unter Euch. £Venne ^uer Denken und Fühlen. Ich weiß, daß L" A^e~?te Nächstenliebe immer noch leben­dig ist und daß ^zhr gewohnt seid, in Not und Gefahr zu^nmenzuftehen, und daraus schöpfe ich die feste stu- hallen^'wiÄ meUl SJtuf bei Euch nicht ungehört oer-

Znrmer wieder kehren unser« Gedanken zurück ui unseren deutschen Helden des Weltkrieges, die draußen «ll- hAelb4?ct Ehr« ihr Leben Hingaben für uns bannt Ihr weiter leben tonnt Diese Helden h°ben nicht gewußt und haben nicht danach gefragt welch einzelnen Menschen ihre Selbstaufopferung zu Zuie kam, sie haben schlicht und selbstverstondlich ge- tzandelt, weil höchste Rot des Vaterlandes sie rief, chr Vorbild mahnt uns täglich zu gleichem Ovier- siu» für unsere deutsche Volksgemeinschaft PT ®as Opfer bas vo» Euch für die Winterhilfe jetzt erbeten wirb, ist unendlich viel kleiner als bas weh

ches jene Helden Euch gebracht haben.

Riesengroß ist heute wieder die Rot auf deutscher Erde nt unserer Provinz Die mörderisch« frw.ter jEdeutsch« Familie ^-r? e9Inn breses Winters sind im ganzen '«T Erwerbstätigen in Deutschland

Mienen Personen arbeitslos und dadurch auf öffentliche Unterstützung angewiesen, d. h

webt als jeder vierte erwerbsfähige Deutsche kann F "i$t wehr durch eigene Arbeit seinen Lebensstandard verdienen.

3u diesen 5,1 Millionen treten noch weitere 2 Mil- be>L6tatl^if=n nicht mehr als arbeits- geführt. werden, weil sie aus diesen ober jenen

Gründen teilte Unterstützungsansprüche haben. Jns- ÄÄ ®lt "b" mit 7,1 Million Stellen- anmartern rechnen, also

auf zwei Arbeitsplätze entfällt heute in Deutschland mindestens ein Arbeitsuchender!

Ermessen wir, welche Unsumme von Rot und Elend sich hinter diesen nackten Zahlen verbirgt? Da gibt L e'* b> 1° 7 bis 8 Jahren arbeitslos

ttiö, da find Zwanzigjährige, die seit der Schulent­lassung überhaupt noch nie in geregelter Arbeit ge- jtanben haben, ^e länger die Arbeitslosigkeit des Einzelnen andauert, umso verzweifelter wird seine -.age; hatte er in der ersten Zeit noch kleine Erspar­nisse, bte er aufzehren konnte, noch Freunde, die ihm beisprangen, fehlte es ihm nicht so an Kleidung, so fallen tm Laufe der Zeit alle diese kleinen und gro­ßen Erleichterungen der Erwerbslosigkeit weg, und immer auswegsloser wird die Lage der betroffenen Familie. Die öffentlichen Mittel des Reiches des Staates und der Gemeinden sind trotz größter An­strengungen immer knapper geworden, um in hinrei­chendem Maße Hilfe zu bringen. Durch die katastro-

,.^Totensonntag tn Notzeit! Schon bas rein äußer­liche Bilb bes gestrigen Sonntags, ber bem Geben- tcn ber Toten gewidmet war, zeigte in mancherlei Kleinigkeiten, baß bitterste Not auch Kassels Bevöl- kerung hemlsucht. Wohl trug er ganz bas stille, ernste Gesicht, das diesem Novembertag zukommt, wohl stand auch er im Zeichen ernster Geschäftigkeit vieler, die ihrem Gedenken lieber Heimgegangener durch würdigen Grabschmuck sichtbaren Ausdruck ga­ben. Wenn auch der Menschenstrom, der zum Hauptsriedhof zog, zeitweise starke Formen auf­wies, so stark, wie in früheren Jahren war im ganzen genommen der Verkehr nicht. Viele aus dem ,n Kassel ja besonders großen Heer ber Arbeitslosen halten die letzten Tage ber Bußtagswoche zum Be- >uch der yrteb^ofe benutzt; vielen fehlten auch bie M'"el, um auch nur die bescheidenste Ausschmückung der Graber vorzunehmen, ja, vielen fehlte selbst das Notwendigste zum Besuch des Friedhofs, sie gedach­ten ihrer Toten in ber Stille ihres Heims Die weniger starke Inanspruchnahme ber Straßenbahn, der weniger bemerkbare Autoverkehr sinb weitere Zeichen der Rot. Unb ein Zeichen ber Not war auch der beträchtlich angewachsene Straßenhanbel, ber neben einfachsten Kränzen besonders schlichte Ge­bende zu billigstem Preis feilhielt. Neben ben Gartnern und Blumengeschäftsinhabern hatten zahl- retche Erwerbslofe das Wohlfahrtsamt harte tnach Informationen aus Gärtnerkreifen) etwa 100 Erlaubnisscheine ausgegeben Verkaufsstänbe auf- gemacht. Ob biefe Maßnahmen des Wohlfahrts- amtes eine tatsächliche Hilfe bedeutet, erscheint aHerbtngS mehr als zweifelhaft, denn diesem gro- ^n A'igebot stand eine durch die geschwächte Kauf- kraft breitester Schichten ber Bevölkerung bebingte, wesentlich geringere Nachfrage als in früheren Jah-

Gegenüber. Es blieben teilweise recht beträcht- ttche Mengen fertiger Gebinbe unverkauft. Man batte rn^den Kreisen ber Gärtner- unb Blumenge- Ichaftslnhaber unter Berücksichtigung bes stark angeschwollenen Straßenbanbels mit ber Hälfte der letzten Jahre gerechnet, der tat- fachltche Umsatz blieb teilweise noch unter dieser Schätzung.

Totensonntag in Notzeit! Wer zu stiller Stunde über ben imebbof wandert, findet auch hier ihre Spuren. In peinlichster Gepflegtheit präsentieren sich Wege unb Rasenflächen, auch zwischen ben Rei­hengräbern schuf bes Gärtners geschäftige Hanb reinliche Ordnung, dunkles Grün der Tanne deckt die Mehrzahl ber Hügel, aber . . . wohin bas Auge blickt, nur schlichtester Schmuck, nur hier unb da ein mal ein Produkt geübter Binderinnenhände, das über das Maß billigster Einsachbeit binauSgebt. So wohltuende bie Vermeidung prunkvoller Aus schmücknng ist, bas beinahe Uniformierte solcher Schlichtheit als Gradmesser ber Armut unserer Bevölkerung betrachtet wirkt erschütternd.

Totensonntag in Notzeit! Noch in einem kam sie deutlich zum Ausdruck, in dem Besuch der Kirchen, in der Teilnahme an den Gedenkfeiern unb Weihestun-

Der Tag der Toten

Kastel im Zeichen ehrenden Gedenkens / Gedächtnisfeiern und Weihestunden Regster Besuch der Friedhöfe, aber schwächerer Verkehr

| den. Mehr denn je sucht in Zette» bet Rot ber Mensch einen inneren Halt, schließt er sich in Gemein­schaften zusammen, die ihm Stütze sein können im Lebenskampf. Trost unb Stärkung sucht er unter ber Wucht jener unerbittlichen Kräfte, die seine Existenz bedrohen. Der Weg führt ihn in bas Gotteshaus unb zu solchen Veranstaltungen, bie in ernster Größe über dem Alltag stehen, erhebend und befreiend wir­ken. So war auch der Besuch aller Kirchen gestern besonders rege, die Teilnahme an ben Gedenkfeiern unb Weihestunden besonders stark.

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Auf dem Militärfriedhof

Der M ilitärfriedhof, den Friedhofsvet- walter Bleitner mit Sorgfalt und Umsicht be­hütet, sah schon in früher Morgenstunde zahlreiche Besucher. Auf dem Platz vor der kleinen Kapelle versammelte der Reichsbund ber Kriegsbe­schädigten unb Kriegerhinterbliebene» seine Mitglieber und Freunbe zu einer Eefalleneu- ©ebentfeier, an der auch bie Abteilung Rordstabt des Reichsbanners mit ihren Fahnen teilnahm. In seiner Gedenkrede sprach Amtmann Gaul er von der Mahnung der Toten, deren Kreuze ohne Namen in Feindesland tausendfältige Zeugen des blutigste» aller Kriege seien. Im Gedenken derer, die im Kampf um den Schutz des Vaterlandes fielen, gelte es, alle Kraft einzusetzen für ihre Hinterbliebenen. Denn das Schwerste in der Stunde des Todes fei immer der Gedanke an die Zurückbleibenden in der Heimat gewesen. Totensonntag solle aber auch ei» Erinnern sein an die Pflicht der Mensche», ben Frie­den zu erhalten. Zeh» Millionen Menschen aller Län­der starben für die Verteidigung ihrer Heimat. Es ge­nüge nicht, den Gefallene» große Denkmäler zu bauen, der Dankespflicht werde nut bann genügt, wenn für ihre Hinterbliebenen ausreichend gesorgt werde.

Schubertlieder, von der Chorvereinigung Rord- ost und dem Volkschot Bettenhausen (Chor­meister E e e f e»Sjeiltgenrobe) mit gutem Ausdruck vorgetragen und stimmungsvolle Weisen der Reichs­bannerkapelle (Kapellmeister Starke) umrahmte» die Rede. Am Denkmal der Gefallenen deckte bet große Lorbeerkranz mit der Schleife in den Reichs- ftttben ein schlichtes Sträußchen zu, das still« Hände dort zum Gedenken an einen teuren Toten niederge­legt hatten. 8

, Nur wxnig später fand an gfetdjer Stelle die Gedächtnisfeier des Reichsv er bandes Deutscher Kriegsopfer statt. Auch sie iah eine große Gemeinde. Umrahmt von getragenen SBetfen bet Kapelle ehem Militärmusiker hielt Kauf­mann Roder eine eindrucksvolle Gedenkrede. Er wies daraus hin, daß bie ungeheure Wirtschafts­krise.. als letzte Folge des großen Krieges, über SWItonen Volksgenossen eine furchtbare materielle und seelische Not gebracht habe. In ihre» FamUien herrsche tiefe Not unb bitteres Leid, viele müßte»

Stete!

Ate besondere

cWir wissen nicht,welche 3% Pfg-Marke Sie bisher geraucht haben.Wenn wir Sie gleichwohl bitten, der Wissenschaft halber doch einmal die O B E R S T- Zigarette zu probieren, geschieht das in der Über­zeugung,dass Sie uns für diese Anregung dankbar sein werden. OBERST hat eben doch, abseits von den vielen,eine ganz besondere Note:

die 3?3 Pfg-Zigarette bei. der nach teurer QMar^encArt siaicMilde mit AROMA paart.