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Sonnabend, 19./Gonntag, 20 November 1932 * 1. Bei'aqe

Neues aus Kassel

Kassel, 19. November.

Totensonntag

Die hölzernen Wunder von Lamspringe

Mag auch die Liebe weinen, es kommt ein Tag des Herrn, es muß ein Morgenstern nach dunkler Nacht erscheinen! Mag auch der Glaube zagen, ein Tag des Lichtes naht, zur Heimat führt sein Pfad, aus Tämm'rung muß es tagen!

Fr. Adolf Krummacher.

Pfundsammlung der Winterhilfe

Zur Beschaffung von Unterstützungen für die Be­dürftigen hat die Kasseler Winterhilfe eine Psund- sammlung eingerichtet, mit der in anderen Städten bereits gute Erfolge erzielt worden sind.

Die Idee dieser Sammlung ist die, eine Gelegen­heit zu geben, außer Geld auch Waren zu spenden und jedem Spender die Gewähr zu geben, daß die Spen­den in richtiger Weise verwendet werden. 2n den durch besondere Plakate kenntlich gemachten Lebensmittel­geschäften (Mitgliedern des Landesverbandes des Le­bensmittel-Einzelhandels) liegen Gutscheinblocks auf, in die die Hausfrauen neben dem Einkauf für den eigenen Bedarf noch ein Pfund Ware nach eigener Wahl eintragen können und gleichzeitig bezahlen. Die Geschäfte liefern die ausgefüllten Gutscheine über den Landesverband an die Geschäftsstelle der Kasseler Winterhilfe, von wo aus sie an die Bedürftigen zum Abholen der Waren weitergegeben werden. An Hand laufender Nummern wird eine Kontrolle darüber ge­führt, daß alle ausgefüllten Gutscheine an ihr Ziel gelangen.

An die ganze Bevölkerung wird die herzliche und dringende Bitte gerichtet, neben den Geldsammlungen auch diese Warensammlung zu unterstützen, damit im­mer mehr Möglichkeiten geboten werden, den notlei­denden Mitbürgern durch die schwere Zeit zu helfen.

Feste Nun-reisekarien der Reichsbahn

Mit 25 Prozent Fahrpreisermäßigung.

Der in diesem Jahre in Baden, Bayern und Ost­preußen unternommene Versuch mit festen Rundrerse- karten mit 25 Prozent Fahrpreisermäßigung, die für bestimmte, gern befahrene Ruwdverbindungen ausge­geben werden, soll wieTie Reichsbahn" mitteilt nunmehr auf den gesamten Bereich der Reichsbahn ausgedehnt werden.

Einzelne der neuen Rundreisekarten werden vor­aussichtlich schon in der Winterreisezeit 1932/33 ausge­geben werden. Die Karten haben eine Geltungsdauer von 15 Tagen bei Entfernungen bis 299 Kilometer und von 30 Tagen bei größeren Entfernungen. Die Rundfahrt kann auf einem beliebigen Bahnhof des Reiseweges in der einen oder anderen Richtung ange­treten und innerhalb der Geltungsdauer beliebig oft und beliebig lange unterbrochen werden. Schnell- und Eilzugbenutzung ist gegen Zahlung des einmaligen Zuschlages für die gesamte Rundreisestrecke zugelassen

40 Jahre im Dienst des Flügelrads

Der Reichspräsident und der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn haben im Oktober anläßlich der Vollendung einer 40jährigen Dienstzeit Glück­wunsch- und Anerkennungsschreiben überreichen las­sen : dem Reichsbahnoberinspekwr Lohmann in Kassel, dem Reichsbahninspektor P o w e l e i t in Göttingen, den Reichsbahnobersekretären Keppler in Melsungen, Flach und Götte in Kirchhain und Lenz in Kassel, sowie dem Lademeister Entz in Kassel.

Oie Lustfchutzübung

Wie schon mitgeteilt, findet auf Anordnung des Polizeipräsidenten am Dienstag abend eine Luft- jcyutzübung mit Verdunkelung statt.

Gegen 23.15 Uhr wird u. a. die Lieferung des elektrischen Stromes für die Dauer von 3 Minuten ausgesetzt in der Weise, daß allmählich die Spannung und dadurch die Helligkeit der Glühlampen verringert wird; schließlich wird vollständig abgeschaltet. Nach Ablauf der 3 Minuten erfolgt dann die Wieder­inbetriebnahme. Infolge der dreiminutigen Strom­unterbrechung hört die Belieferung der an das Losse- werk angeschlossenen Abnehmer, Straßenbahnen, Krankenhäuser, Theater, Kinos, Hotels und Gastwirt­schaften, Straßenbeleuchtung, automatische Treppen­beleuchtung usw. auf. Es ist daher auch für den Ein­zelhaushalt zweckmäßig, für Notbeleuchtung wie Pe­troleum, Kerzen, Akkumulatoren, Taschenlampen usw. rechtzeitig zu sorgen.

Die Gaszufuhr zu den Häusern wird nicht unter­brochen ; dagegen wird die Gas - Straßenbeleuchtung von 22.15 llhr auf Notbeleuchtung gestellt.

Ausgleichflelle

für Veranstaltungstermine!

r Eine notwendige Einrichtung

In der letzten Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß Veranstaltungen allgemeinen Interesses, Konzerte, Vorträge Vereinsfestlichkeiten, Ausstellungen, Sport­feste Kongresse usw. zeitlich dicht beieinander lagen oder' gar zusammen, fielen. Hierunter litt der Besuch der einzelnen Veranstaltungen oft sehr stark. Auch in den K.N.N. wurde wiederholt der Wunsch ge­äußert, daß eine Stelle vorhanden sein müsse, bei der alle Fäden zusammenlaufen und alle wichtigeren Ver­anstaltungen rigistriert werden. ,

Da bereits bei dem städtischen Verkehrsamt etn Verzeichnis von Kongressen und Veranstaltungen, die von draußen herangezogen werden, gemhrt wird, hat der Oberbürgermeister angeordnet, daß 6et diesem Amt eine Ausgleichstelle für Veranstaltungstermlne geschaf-

3n der Klosterkirche der VmedMnrr

Oben links und rechts: Zwei Details aus den Lehnitz werken

Mitte - Malerischer Bilde auf die Klosterkirche

Im Harzvorland, auf halbem Wege zwischen Kassel und Hannover, liegt abseits der großen Durchgangsltnien das mehr als tausendjährige Lamspringe, um die Mitte des neunten Jahr­hunderts zum ersten Mal als Nonnenkloster in alten Urkunden erwähnten < . . In seiner Klosterkirche, einem imposanten domartigen Bau, besitzt es einen Schatz, der Freunde der Holzschnitzkunst schon von weither in den stillen Ort führte, um in der riesi­gen Hallenkirche Stunden der Weihe zu erleben.

Als im Oktober 1643 englische Benedektiner- mönche, denen der Fürstbischof von Hildesheim das freigewordene Kloster zur Verfügung gestellt hatte, in Lamspringe einzogen, fanden sie eine alte bau­fällige gotische Kirche vor. Ruinen standen rings­um: die Baulichkeiten des Klosters waren zerfallen, Stiftsfehde und Kirchenspaltung hatten den morali­schen Einfluß des Klosters vollständig untergraben und die Umwandlung des Nonnenklosters in ein Damenstift Besitz und Rechte zerstört. An die füns- unddreitzigtausend Gulden Schulden, verfallene Ge­bäude und verlorene Rechte war das, was die Be- nedektiner vorfanden. In hundertundsechzigjährigem Ausbau schufen die Mönche aus der Ruine ein neues Werk. Rach hundert Jahren schon hatten sie alle Klöster des Bistums überflügelt, hatten Jah-

/ deren eichene allegorische Figuren die Lehre des Butz- Sakraments zur Anschauung bringen. Ueberlebens- groß ragen die mächtigen dunkelbraunen Körper zu den beschwingten Fronten der Beichtstühle empor. Die westfälische Barockbildhauerschule der Grönin- ger schuf den Hochaltar mit seinen acht Kolossal­statuen ein Hildesheimer Domherr machte ihn dem Kloster zum Geschenk. Einzigartiger Formen- und Gedankenreichtum schmückte Rosenkranz- und Benedikt-Altar der Kirche mit Wunderwerken der Holzschnitzkunst.

Die Wände ringsum scheinen zu leben. Aus den tausendfältigen Schnitzwerken spricht trotz des dun­keln Eichenholzes warmes Leben. Die Ornamente des Barocks feiern Triumphe und spotten in ihrer Beschwingtheit der Härte des Materials, aus dem sie gesoffen. Eine Fülle von Eindrücken auf allen Sei­ten das Erlebnis einer Zeit, die wir kaum noch, unsere Urenkel, wohl nie erfassen können . . .

Ed. SchulzsKeffel.

reseinkünfte von zwanzigtausend Reichstalern, sand­ten ebensoviel Konveniualen auf Mission nach Eng­land wie im Kloster lebten und bildeten in ihrer Erziehungsanstalt in Lamspringe die Söhne der auserlesensten Familien Englands aus. Erst 1803 fand mit der Säkularisation die klösterliche Herrlich­keit chr Ende. .

Als äußeres Zeichen aber blieben die Kloster­baulichkeiten erhalten, deren Perle, die gewaltige, dreischiffige Klosterkirche, Zeugnis von der uner­hörten Pracht der Werke der englischen Benedektiner ablegt. Helles Licht flutet in das riesige Langhaus und hebt die tausendfältige Schönheit wunderbarer Holzplastiken, die zu den schönsten des Barock zäh­len, bestechend hervor. Hölzerne Wunder blicken ringsum auf dich ein.

Fünf verschiedene Holzbildhauerschulen schufen an den Wundern der Lamspringer Klosterkirche. Die Engländer brachten anno 1643 aus Flandern, ihrem Durchgangsland, flämische Künstler mit. Nieder­sächsische Holzbildhauer lösten sie ab; Heinrich Lesse aus Goslar, der Kanzel und Chorgestühl schuf, schwelgte in unerhörtem Formenreichtum; Orna­mente, Blumen, Früchte, Guirlanden, Buketts und Ranken erwachten unter seinem Schnitzmesser zu pulsierendem Leben. In eigenartigem Kontrast sieben zu ihrer artigen Beschwingtheit die schweren Beichtstüble. der Hildesheimer Schule entstammend,

Nebenstehend: Ausschnitt aus Säulensockeln

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f en'wird, deren besondere Aufgabe es ist, die Veran­stalter zu beraten, auf welche Termine die Veranstal­tungen zweckmäßigerweise gelegt werden. Nur auf diese Weise wird es in Zukunft im Interesse der Oeffentlichkeit und auch der Veranstalter selbst ver­mieden werden können, daß Veranstaltungen gleicher Art zu nahe zusammengelegt werden.

Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn die Kas­seler Behörden und sonstigen öffentlichen und privaten Körperschaften, Verbände, Vereine und Privat­personen, die Veranstaltungen generellen Interesses planen, sich rechtzeitig mit der beim städtischen Ver­kehrsamt geschaffenen Ausgleichstelle in Verbindung setzen würden.

Film -er Unfälle

Vom Neubau gestürzt. Auf einem Neubau in Harleshausen hatte etn 16jährtger Zimmermanns­lehrling das Unglück, beim Legen von Balken durch einen Fehltritt aus dem 1. Stock in den Keller ab« zustürzen, wobei er unter den ebenfalls herunter­stürzenden Balken zu liegen kam. Er erlitt außer einem Schädelbruch einen komplizierten doppelten Bruch des rechten Unterschenkels und mußte durch die Arbeitersamariterkolonne in bedenklichem Zu­stand in das Rotekreuzkrankenhaus eingeliefert wer­den.

Folgen einer Balgerei. Als sich mehrere junge Leute in der Schillstratze balgten, erhielt ein 21jäh- riger Arbeiter aus der Hafenstraße einen solchen wuchtigen Tritt gegen das linke Kniegelenk, daß ein Arzt aus der Unfallwache Holzmarkt eine Zer­trümmerung der Kniescheibe feststellte und sofortige Krankenhausbehandlung anordnete.

Gewinnauszug der 40. Preubilch-SLddeutlLe« (266. Prcutznchen) Ltaatslottene. Zweite Klage. 1. Ziehungstag. den 18. November. Ohne Gewähr. Vormittags­ziehung: 5000 Mark: 55 203. 3000 Mark: 1613, 135 303, 375 230. 2000 Mark: 156 327. 157 216. 1000

Mark: 2357, 24 441, 99 425. 109 707, 133 887, 134 608,

171 306, 174 115, 185 556, 234 874 , 280 029, 305 250, 320 380,

349 586, 360 297. 800 Mark: 9447. 64 669 , 69 485, 70 038,

76 046, 79 798, 89 245, 97 577, 119 405, 130 850, 194 472,

283 976, 310 369, 352 893, 357 106. 500 Mark: 12 297,

19 047, 46 977, 56 863. 66 258, 66 259 , 67 228. 70 050, 105 424,

108174, 118136, 142 238, 150 757, 199 216, 246 819, 298 386,

334 730, 385 789, 348 823, 361 837. N achmit.

tagsziehung: 100 OOO Mark: 11 830. 5000 Mark: 3868. £000 Mark: 77 770, 96 697 , 230 711. - 2t00 Mark: 29 922, 36 383, 45 363. 1000 Mark 10 677, 18 902, 58 201. 64 556. 67 906, 125 268, 155 561, 273 413, 341 227, 363 435. 800 Mark: 23 776, 25 758. 69 645, 69 781, 131 425, 154 130, 169 902. 172 746, 190 687, 192 291, 196 .539, 220 830.

246 941, 251 811, 271 135. 290 306, 336 644 . 338 3J9 , 339 716,

358 774, 367 871. 500 Mark: 16 104, 25 867, 33 796, 50 036. 70 404, 138 338, 139 617, 177 676, 180 548, 200 575, 203 329,

209 799. 217 634, 221 455, 233 426. 254 946, 266 067, 299 607,

878 739, 394 709, 395 186, 397 130.

Arbeitsbeschaffung, Arbeitsdienst, Siedlung

Or. Wiskemanns Antrittsrede in Marburg

Gestern hielt Privatdozent Dr. Wiskemann im akademischen Kreise auf der Universität Marburg a. d Lahn seine Eröfsnungsvorlesung über Arbeits­beschaffung, Arbeitsdienst und Siedlung.

Dr. Wiskemann hat den ersten und vorläufig einzigen Lehrauftrag auf diesem Arbeitsgebiet er­halten. Er stellte zunächst die großen vaterländi­schen, nationalen Ziele heraus, die in den drei in­haltsschweren Worten einbegriffen sind. Als die wichtigste und vorbildlichste Aufgabe jedes deutschen Wirtschaftsprogramms gelte die Arbeitsbeschaffung, eine Aufgabe, die dem Volke wieder die Grundlage zur Schaffung produktiver Werte geben soll. Nach einem historischen Ueberblick über die Wandlung der Anschauungen von dem Wert der Arbeit im Verlaufe der deutschen Geschichte, führte der Redner weiter

aus, daß auch das von der heutigen Jugend stür­misch verlangte neue Arbeitsetos auf der

freien Initiative des Privatunternehmers

aufbauen müsse. Es sei auch weiterhin notwendig, mit Kapital zu arbeiten und die Technik zu vervou- kommnen. Hier gebe es keine Rückkehr. Diese Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung werde das Recht des Menschen auf Arbeit im Sinne einer lebendigen Würdigung anerkennen müssen. Die der­zeitigen Mittel der Arbeitsbeschaffung könnten nur ein Notbehelf sein, bis Wirtschaft und Staat als Ganzes zu neuer Gesundung gelangt seien. Die Welt werde des Deutschen Arbeitskraft und -Samm­lung doppelt anerkennen müssen, da Deutschland noch

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