Handel - Wirtschaft • Börse
Kasseler Neueste Nachrichten Hessische Handelszeitung Dienstag, den 15. November 1932
In Kürze
Das Hypotheken-Moratorium
Von Steuersyndikus T)r. Br önner-Berlin
SüdöeutfchlauS
t. Men« ReinkalNnh.
1929
1930
1981
ReinkaK 1483 1381 941
19
4 44 26
7
Bezirke Hannover Nordhaufen
laßt fei, ab 14. November Me »1« »»« tölofien ,« halte». Borstand und NELtSrat di« Schmierigkeit«« bei der Bank itt beheben.
0.01
8.18
Eine nette KünbigimgsbefchrSnkung für Hhpolhekenforde- rungen bringt die ..Verordnung über die Fälligkeit von Hypotheken und Grundschulden- vom 11. November 1932. Betroffen werden grundsitzlich Hypothekenforderuugen, bei denen nicht bereits eine gesetzliche Beschränkung der Kündigung oder eine Zinsherabsetzung durch frühere Vorschriften erfolgt ist. Ausgenommen von der Beschränkung sind toteber bankmäßige Personalkredtte sowie GefälligkettS» und sonstige Darlehen, bei denen eine langfristig« SredttgewShriMg nicht beabstchftgt war. Die Beschränkung geht dahin, daß eine Rückzahlung der betroffenen Hypotheken nicht vor dem 1. April 1934 verlangt werden kann. Ein Schutz deS Gläubigers ist jedoch vorgesehen. Im einzelne» gilt folgendes:
Die betroffenen Hypotheken.
tJReiÄ «»stieb IM. Der gesea- Mslumme von pricht der dnrch-
den Eisenacher und nur ei. 16 v. H. auf den Magd«, burger Kalibezirk.
Deutsch-französisches Syndikat
1930
1209 1128 2011
823 241
120
effektive Menge
4725
4532
3104
1981
860 860 674
586
144 69
Kali- Geographie
Die Verteilung der Produktion auf die einzelnen Bezirke
. verau- icnd «e» bemüht.
Die Gewinirunsder absatzfähigen R o h s a l z e (12 bis 15 v. H. Remkall) erfolgt »u 58 Prozent tu den nördlichen Revieren Magdeburg und Halle, wahrend Las hochprozentige Chlorkalium zu 44 v. H. im Bezirk Noardhausen und zu 41 v. H. im hannoverschen Gebiet hergestellt wird.
Lohnkürzung — Bierabsatz-Rückgang. Me tm gesamten Reichsgebiet waren auch in Berlin im Oktober ganz erhebliche Absatzrückgänge gegenüber dem Oktober 1931 zu beobachten, die bei Fortdauer der derzeitigen Witterungsvertzältnisse ungefähr ein Minus von 1S v. H. und mehr bedeuten wer-
Kakt 82 v. H. der geförderten Roh salze wurde» 1931 in den Chlorkolinmsabriken »sw. weiterverarbeitet, während der Rest, rund 1,5 Mill, t, für den unririttelbriren Absatz bestimmt war, gegenüber 2 Mill, t i. B. Die Gesamteizeugung an absatzfähigen Kalisalze» hat ft(6 feit 1929 folgendermaßen entwickelt (in 1000 t):
effett.
Karnallit und Rohsalze
Düngefalze (18—22% Reinkalif
Düngesalze (28—49 % Reinkali)
Chlorkalium
Schwefelsaures Kalium
Schweselsaures Kaliummagnesia
Di« 6Än>kri«tette«6ei bet efftnet **}
starke» B.»»ruhig»»« im «undeukrei e der K«dener Bank führte», bewirkt«» jetzt, daß sich di« Leit»»« « e r B a » k e. .G, « 4- H.-.
der umeroiran, aus oct „„„ , en;«
ZKe^L w^BeM'u^d HÜNeubc-r.eb w Nüruber«.
übertrage» (L ». Berittst tw« M9 Mill. RM>.
Die Produktionseinfchränknn« betrug sowohl bei den aus den Chlorkaliumfabvikeu kommende» bobervro- zentiaen Salzen als auch bei den unverarbeiteten kaliärme- ren Salzen gegenüuer 1930 rd. ein Drittel. Die Gewinnung von Chlorkalium nahm jedoch nur um 18 v. H. ab, während die der niedrigprozentigen (18—22 v. H. Reinkali) Düngesalze um 59 v H. zurückging. Im einzelnen verteilte sich, die Produktion auf folgende Kaltsalzsorte» li« v. H.):
Der für gestern «»«titfsit Dermin im BeralticksversäB re» der K e b r. K Sri in« A.-G-. Haunover-Lindeu. ist nochmals, und zwar ans de» 14. Scöruar den. da die »msanareiche« Borarbetten Mr die DuEndrnn« d«S Bergleichsvers-hreus »och nicht beendet «erde» konnte».
Sie eee der Berwaltvnq der »<6ett»eI66Tfi6e « »an», mitgeteilt wird, wurde« die in,der ao. G.»
gr vom 21. 1. 32 gefaßten Kavitalerhöbunasbeschlüssednrch- aesührt Für 1931 ergibt üch nach 266 272 (159 466) RM Uschrtibnnge» ei» Lrlnft von 198 564 RM der »orgetra, gen werde« f-ll (L B. 146 475 RM Berlustvortrag).
ttfg
Der R ü ckg« «g der Erzeugung a» absatzfähigen Kalisalzen verteilte sich auf sämtliche Kalibez.irke.Ju den Revieren Magdeburg. Halle und Küdüeutfchland verminderte üch die Erzeugung nach Sem Kaliinhalt um je rd. 40 v. H., in den Bezirken Hannover. Nordhaufen und Eisenach dagegen nur um rd. 30 v. H. Die Hauvtvroduktionsge- biete, die einen größeren Anteil hochprozentiger Salze aufzuweisen haben, wurde» also am wenigsten betrdoffe». Au absatzfähigen Kalisalzen wurden erzeugt si« 1000 t):
Das Saliumfulfat einschließlich der Sali um Magnesia wird zu annähern zwei Drittel« tm Hartfalz fördernden Eisenacher Bezirk erzeugt.
I« den eiuzelueu Gebiete« iS demeutfvrecheud die Zusammeufetzung der Salisalzproduktio« sehr verschiede«.
Im Magdeburger Revier entfielen auf die in den Chlor- kaliumfabriken usw. hergeüellten Salze nur 42 v. H. des Kaliinbalts sämtlicher absatzfähigen Salze, während im E i - seuacher Bezirk diese Salze 96 v. H. der gesamten Erzeugung ausmachen. In diesem jüngste» Reviere der urit- tetoeutßjen Kaliinduitrie ist die Nebenprodnktenge- w i n n u n g von besonderer Bedeutung. Hier wird z. B. sämtliches Glaubersalz und rund 95 v. H. des Maguestum- sulsats fabriziert. Tie übrige» Nebenprodukte. Chlormagnesium und Brom, werben vorwiegend aus de« karnallit- reicheu Salze» der uordöülichen Reviere, oamentkich im Magdeburger Gebiet, gewonnen. Bom Wert der gesamte» Mbenvrogukiengewiunuug emfalleu satt zwei Drittel auf
Im deuttchen Kali -und Salzbergbau arbeitete» li. ,,Wirtschaft und Statistik" tm Jahre 1931 nur »och 54 Werke gegenüber 62 L B. Die Zahl der beschäftigten Per- Ionen verminderte üch von 22 196 auf 16 980, also gleichfalls um saft ein Drütel, während Me Lohn- und Gehaltssumme diefer Personen von 56,4 aus 38,6 RM »urückging. Die Ge- wiuuung von Kalisalz» und Nebenprodukten erfolgte i« 43 Perke« (davon 41 fördernde Betriebe), von denen 11 außerdem noch Steinsalz förderte». I« de» übrigen 11 Betrieben wurde ausschließlich Steinsalz gewonnen. Die Zahl der ttt Betrieb befindlichen Schächte ist von 55 wn Jahre 1930 aus 46 Anfang 1962 zurückgegangen.
Die Kalisalz fördern»« betrug 1931 nur 8,05 Mill t gegenüber 11,96 Mill, t t. 38..' Der Reiukoliinhalt der Förderung betrug 1,08 Mill t. Sowohl der Jnlands- als auch der Auslandsabsatz hat stch vermindert. Der Anteil des Auslandsabfatzes am gefamte» Reinkali-Absatz ging von rund 38 v. H. auf ungefähr ein Drittel zurück. Fast ein Drittel des Auslandsabsatzes ging nach den Ber. Staaten. Bo» dem Rückgang der Ausfuhr wurde» sämtliche Hanptabsatzgebiete betroffen.
Die karnallitische» Rohsalze wnrden von dem Förderungsrückgang verhältnismäßig stärker Betroffen als die höberprozentigen Salze. Ihr Anteil an der Gesamtförderung verminderte üch von 16 auf 11 v. H der esseftiven Menge und von 11 aus 9 v. H. des Kaliinbalts.
I« be« einzelnen Gebiete» iS die Zusammen- setznug der Sörderuu« nach niedrig- »ud hochprozentt- geu Salzen sehr verschieden.
Während in der Rohförderung Süüdeutschlauds und des Nordhausener Bezi rks keine bezw. kaum Karnallite, in der Förderung der Bezirke Eisenach und Hannover nur je 6 o. H. Karnallite enthalten ünd. entfalle» in den Revieren Magdeburg und Halle rund 40 bezw. 44 v. H. des ."alita- Üalts der Förderung aus Karnallite. Der Reinkali-Geüalt der karnallittschen Rohsalze beträgt int allgemeinen rund «in Zehntel. Bei der übrigen Rohsalzförderuna ift der Gehalt an Reinkali gebietsweise sehr verschieden: so beträgt er in Süddeutschland rund ein Fünftel, tat Eisenacher Bezirk nur 11 v. H„ in den übrigen Bezirken etwa 14—16 v. H. der Förderung nicht karnallittscher salze.
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a) AufwertungSfordernngen, -Hypotheken und -grundschulden. Für diese gilt Wie bisher die Beschränkung daß der Gläubiger vor dem 1. Januar 1935 nur unter Einhaltung einer jährlichen KündigungSftift zum Ende eines Ka- lendervierteliahres bis zum dritten Werktage deS Vierteljahres schriftlich kündigen kann;
b) bankmäßige, durch Hvvoibek aeüSerie Personalkredite, zwecks Ausnahme eines derartigen Kredits vom Kreditnehmer zugunsten deS Kreditgebers bestellte Grundschulden sowie zur Sicherung eines bankmäßigen Personalkredits abgetretene Eigentümergrundschuwen;
c) Forderungen aus Darlehen, die aus Gefäkligkett oder sonst unter Umständen gegeben worden sind, aus denen zu entnehmen ist, daß eine langkristige Kreditgewahrung nlcht beavsichtigt war. DaS Vorlregen eines GefalligkeitsdarlehenS wird verneint werden können, sewst wenn freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehungen vorliegen, insbesondere sofern verkehrsübliche Zinsen ausbebungen sind. Fäll« einer nicht beabsichtigten langfristigen Kreditgewährung können gegeben sein, wenn das Geld auf unbestimmte Zett und unter
Rahmenvertrag als Ergebnis der deutsch - französisch«» Zndustnebefptechungen
Ueber die Beratungen der deutsch-französischen WirtschaftSkommtssto», die am «-onnabend täte Arbeiten in Berlin beendet hat ist ein amtliches Kommu- niguS auSgegeben worden. Grundsätzlich darf man sich von dem bisher ertititen Berhandlungseriola keine überrriebenen Vorstellungen machen. Es ift lediglich durch die Gründung des deutsch-französtschen Syndikats, an dem auch England beteiligt ist, ei» Rahmen geschaffen, 6er für die Ausführung größerer Arbeite» in anderen Ländern, insbesondere für Elektrifizierungsarbeiten die Grundlage liefern soll. Ans denirüHeren Berbandlun- gen ift bekannt, daß von deutscher Seite insbesondere die Saufirmen Philip» Holzmann und Julius Berger beteiligt sind. Konkrete Bauaufträge oder Bauvorhaben lte- gen nicht vor. Immerhin ist die Möglichkeit geschaffen, üch um derartige Bauaufträge zu bemühen, ohne daß die größeren deutschen, französische» und englischen Firme» oder auch di« Firme« des gleichen Landes stch dabei Sonkurrenz machen.
Der neue» Künbigungsbefchränknng unterliegen durch Hypothek ober Grundschulo gesicherte Forderungen — das gleiche gilt für Gmnifchulden, nicht jedoch sonstige Forderungen — selbst wenn die Forderung bei Inkrafttreten der Ber- ordnung bereits fällig ist. Die Rückzahlung wird jedoch nicht hinausgeschoben, wenn die Fälligkeit der Forderung aus be- sonderm Anlaß, z. B. wege »unpünktlicher Zinszahlung oder Verschlechterung des belasteten GrundsMcks oder fehlender Ber- sicherung des Gebäudes vorzeitig eingetreten ist. Ist jedoch eine vorzeitige Fälligkeit infolge einer unpünktlichen Zahlung von Zins- und Tilgungsbeträgen eingetreten und die Hypothek aus diesem Grunde vor dem Inkrafttreten der Verordnung vorzeittg fällig geworden oder konnte sie vorher fällig gemacht werden, so wird die Rückzahlung trotzdem hinaus- geschoben, wenn die rückständige» Zins- bezw. Tilgungsbe- ftäge innerhalb eines Monats nach dem Inkrafttreten der Verordnung nachgezahlt werden. Gerichtliche Entscheidungen stehen dieser Regelung nicht entgegen.
Ausgenommen
von der SündigmtgSbefchrSnkung find allgemein:
Bei den nach dem Gesagten von der neuen KündignngSbe- schränkung betroffenen Hypothekenforderuugen usw. kann der Gläubiger die Rückzahlung nicht vor dem 1. April 1934 verlangen. Vereinbarungen und Satzungsbestimmungen jedoch, »ach denen die Forderung aus besonderem Anlaß, z. B. wegen unpünktlicher Zinszahlung vorzeitig fällig wird, bleiben unberührt. Dtes gilt in jebem Falle, wenn bte vorzeitige Fälligkeit nach bem Inkrafttreten ber Verordnung eintritt. Ist bte Hypothek aus biefem Grunde vor dem Inkrafttreten fällig geworden, so kann ber Sckmldncr nach bem_ oben Gesagte» die Rückzahlung noch hinausfchieben, wenn er die rückständigen Zins- bezw. Tilg,ungsbeträg« innerhalb eines MonatS nach dem Inkrafttreten nachzahlt.
Wichttg ist, daß der Gläubiger in jedem Falle ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist vorzeitig kündigen kann, wenn ber Schnlbner länger als einen Monat mit bet Zinszahlung in Verzug ist, ohne Rücksicht baraus, ob die vorzeitige Fälligkeit für diesen Fall ausdrücklich vereinbart ist.
Der Schatz des Gläubigers.
Der Gläubiger der von der Aündigungsbefchränkung betroffenen Hypotheken- usw. Forderungen kann beim Amtsgericht beantragen, daß die Hinausschiebung der Fälligkeit ganz ober teilweise unterbleibt, weil es seine wirtschaftliche Lage ersorbert. Das Anusqcricht hat bei seiner Entscheidung bte wirtschaftliche Lage des Gläubigers, des Grundstückseigentümers bezw. des persönlichen Schuldners, wenn er nicht gleichzeitig der Grundftücksetgenwmer ist, in Beftacht zu ziehen und einen „billigen A u s g l e i ch der widerstreitenden Belange" herbeizuführen. Das Gericht kann insbesondere anordnen, daß die Forderung in Teilbeträgen zurückzuzahlen ist.
Der Zeitpunkt deS Inkrafttretens ber Verordnung steht zur Zeit noch nicht fest. -
lenen Schäden
Bee 8 587 schuft
Die A.-S..
• atm. C«tl^S das am 80. S«»'
Vereinbarung einer Kündigungsfrist hingegeben, von der Kündigung jedoch aus in der Person des Schuldners oder dergleichen liegenden Gründen längere Zett kein Gebrauch gemacht ist, obgleich ursprünglich eine langfristige Hergabe des Geldes nicht beabsichtigt war.
d) Forderungen, deren Rückzahlung bereits auf Grund deS durch bte Noiverorbnung vorn 8. 12. v. I. gewährten Sünbi- anngsschutzes hinausgeschoben worben ist. Hypotheken- usw. Forderungen, deren Zinsen herabgesetzt waren, könne» nach ber Notverordnung vom 8. 12. 1931 nicht vor bem 31. Dezember 1933 gekünbigt werben. Ist bte Kündigung vertraglich für eine bestimmte Frist ausgeschlossen, so verlängert sich die Künbigungsfrift um zwei Jahre, jedoch nicht über den 31. Dezember 1935 hinaus. Die Fälligkeit der Hypothek oder dergleichen war jedoch bestehen geblieben, wenn sie ohne Kündigung nach Vereinbarung oder Satzungsbestimmung eintritt. Bei diesen Hypotheken n. a. wird nunmehr die Kündigung durch die neue Verordnung hinausgeschoben;
e) Forderungen, deren Zinsen durch die Verordnung über die Zinserleichterung für den landwirtschaftlichen Realkredit vom 27. September 1932 herabgesetzt sind;
f) Forderungen, die einem Träger der Jnvaktbeu- versicherung zustehen.
Di« Art der Küudtgungsbeschränknng.
Stabiler Ausfuhrsaldo
Der deutsche Außenhandel im Oktober
Im Oktober haben Einfuhr (398 Mill. RM) und A n S- f n h r (482 Mill. RM) um den gleichen Betrag von 38 Mill. RM zugenommen. Dem Wett nach bedeutet dies für die Einfuhr eine Zunahme um 10% v. H., für die Ausfuhr um 8% v. H. Der Menge nach hat die Ausfuhr nur um etwas mehr als 7 v. H. zugenommen, die Einsuhr dagegen nm 11 p. H. denn bemerkenSwetterweise ist der DurchschnittSwett der GesamtauSsuhr (in Uebereinftimmune mit demjenigen der Fettigwarenausfuhr) um 1 v. H. gestiegen, während der Durchschnittswett für die Gesamteinfuhr (in Uebereinftlm» mung mit demjenigen für die Rohstoffeinsuhr) im Oktober «m etwa % v. H. gesunken ift Infolge der Zunahme von Eta- und Ausfuhr um de» gleichen Betrag beträgt der Ausfuhrüberschuß wie im September 84 Mill. RM und bezisfett stch für die rückliegenden 10 Monate dieses Jahres ans 930 Mrll. RM.
An der Zunahme der E i n f u h r stnd wie. ft» Vormonat sämtliche Warengruppen beteiligt, doch haben tm Oktober bte Lebensmittel mit 21 Will. RM einen stärkeren «»teil en bet Mehreinfuhr als die Rohstoffe, beten Einfuhr um 13 Mill. RM gestiegen ist. Mengenmäßig haben bie Lebensmittel um 18 v. H., bem Wert nach jedoch um 20 v. H. zugenommen, da bet Durchschnittswert für bte int Oktober eingesühtten LebenS- mittel um etwa 2 v. H. gestiegen ist.
Soweit schon vorltegenbe Zahlen es ettennen lasten, haben stch bie einzelnen Bezugsländer, und zwar in Europa und Ueberfee, nahezu sämtlich an de» vermehrte» Warenlieferungen nach Deutschland beteiligt. Zurückgegangen ist nur die Einfuhr ans ber UdSSR und in geringem Umfang auch die Einfuhr über Argentinien.
Die Zunahme derAussuhr geht sowohl dem Wett wie ber Menge nach über bie Steigerung hinaus, bte saisonmaßtg zu erwarten gewesen wäre. An ber Mehrausfuhr sinb mit 31 Mill. RM ausschlaggebenb bte Fertigwaren beteiligt. Die Zunahme bet Fertigwarenaussuhr beträgt bem Wert nach 9 v. H., bet Menge nach nur 8 v. H., ba ber Durchschnittswert der Fertigwarenaussuhr um 1 v. H. gestiegen ist. . __
Der Auslanbsabsatz deutscher Waren konnte tm Oktober bemerkenswerterweise nach saft allen Absatzgebieten gesteigert werben, tnsbesonbere auch nach bett überseeischen Ländern, so daß beten Ausfuhrüberschuß gegenüber Deutschland teilweise eine Verringerung erfahren hat.
Mensch auf der Flucht Roman von Ludwig Wolff
28.
Zn dieser Nacht sah Fräulein Petersen mit ihren literarischen Freunden im Wiener Kaffeehaus.
Es traf sich gerade so, dah alle, die beim Tisch sahen, niedergeschlagen, verdrossen und gereizt waren: Fräulein Petersen, weil sie bestimmt darauf gerechnet hatte, an diesem Abend mit Barker zusammen zu sein, der Textdichter Toni Eisenbeitz, weil er für Mitternacht zu einem talentlosen Komponisten bestellt war, der düsterblickende Dichter Eendrich, dem ein unverständiger Feuilletonredakteur einen prachtvollen Beitrag zurückgeschickt hatte, und sogar der phlegmatische Münchener Kornreiter, weil seine Filmgesellschaft von Tag zu Tag hinfälliger wurde und unverkennbare Kollaps- »rscheinungen hatte.
Die Stimmung wurde noch verschlechtert, als der Maler Studer mit einem grünverzweifelten Gesicht zum Tisch kam und. ohne zu grüßen, hastig fragte:
„Kann mir jemand von euch fünf Mark pumpen?" „Geh, du spinnst ja!" rief Kornreiter.
„Fünf Mark!" sagte der Dichter Eendrich, als ob es sich um eine Million handelte, die der Maler verlangte.
„Zch muh aber fünf Mark haben!" erklärte Studer und letzte sich erschöpft nieder.
„Wozu denn?" erkundigte sich Eisenbeitz und bot ihm eine Zigarette an, die der Maler gierig zu tauchen begann.
„Das ist nämlich eine furchtbar kitschige Geschickte" Der Maler wurde so verlegen, dah er stotterte. „Mein Zu—Zunge ist krank geworden. Der A—Arzt hat ihm eine Medi—Medizin verschrieben. Sie ist schon seit Mittag fertig, aber ich — ich kann sie nicht abholen." Seine Stimme brach. „Es ist furchtbar kitschig."
Fräulein Petersen, die den Maler nur flüchtig kannte, öffnete sofort ihre Handtasche, e-ntnahm ihr einen Zehnmarkschein und reichte ihn dem Verzweifelten.
„Bitte, Herr Studer/
Der Maler sah sie dankerfüllt aus fiebrigen Augen an.
„Vielen, vielen Dank. Fräulein Petersen." Er sprang auf. „Ick werde sofort wechseln lasten."
„Versäumen Sie damit keine Zeit. Siert, Studer. Sie werden mir eben zehn Mark zurückgeben.
Der Maler stand verwirrt da.
„Zch weih aber nicht, ob ich Ihnen das Geld noch in diesem Zahre zurückaeben kann."
„Es hat Zeit, Herr Studer."
„Vielleicht darf ich ein Bild von Ihnen machen, Fräulein Petersen."
Er wartet« ihr« Antwort nicht ab und lief davon.
Nach einer Weile fragte der Dichter Gendrich skeptisch:
„Hat Studer überhaupt nen Zungen!
Kornreiter sah ihn verächtlich an. .
Ich will Zhnen was sagen, was Ihnen wahrschein- lich 'paradox und absurd vorkommen wird, aber es tst meine Erfahrungstatsache: Maler lügen fast me. Das hangt offenbar mit ihrer visuellen Arbeit zusammen. Wenn ein Maler lügt, dann ist er bestimmt vollkommen talentlos. Glauben Sie mir. nur Schriftsteller und Musiker lügen." .
Kann sein", antwortete Eendrich schwer beleidigt, „aber ich haste in jedem Fall diese verallgemeinernden Behauptungen, die unbeweisbar sind.
Kornreiter zeigte ihm seinen breiten Rucken und sagte zu Fräulein Petersen:
Hör' ihm net zu, dem Neidhammel, dem verreckten! Du hast a gutes Herz, Haserl. und das ist nut lieber als die ganze Dichterei von meinem Herrn Nachbar."
Eendrich stand auf und erklärte mit Würde:
,Menn Sie auf eine Wirtshausprügelei rechnen, wie sie in ihrer Heimat so beliebt, ist, so mutz ich Sie leider schwer enttäuschen, Herr Kornreiter."
Pfirt di!" lachte Kornreiter und winkte dem Abgehenden nach. „Morgen fitzt der damische Teifl do wieder da." ,,, ,, _
Alle lachten und vergahen ihre schlechte Laune.
Nachdem sich auch Eisenbeitz verabschiedet hatte, um zu seinem Komponisten zu eilen, blieb Fräulein Petersen mit Kornreiter allein zurück. Es etgtfi sich von selbst, daß Fräulein Petersen nach dieser seltenen Gelegenheit griff und ihrem selbstlosen Freund Kornreiter von dem Roman zu erzählen begann, an dem sie arbeitete. Er hörte wohlwollend und aufmerksam zu und wurde nicht ungeduldig, wenn die Erzählerin sich in Details verlor, um ihre Wirkung zu erproben.
Als Fräulein Petersen zu Ende war, nickte Kornreiter beifällig und sagte:
„Sehr hübsch, Haserl, aber auf die Fabel kommt es heut gar nicht mehr an. Vor allem, weil man in dieser Saison Mastenprobleme trägt _ und sich um Einzelschicksale nicht kümmett. Das ist ein Zeichen unserer fortschreitenden Bolfchewisierung, die das Individuum nicht gelten lätzt." Er lachte auf. „Das hab' i schön gsagt, gel? Weißt. Haserl, alles hängt davon ab. wie du deine Geschichte oorträgff. Nimm sie nur nicht zu tragisch. Erzähl sie lieber ein billerl leichtsinnig und, wenn es geht, humoristisch. Gelegenheit dazu hast ja. Wenn jemand irgend etwas
sucht, ganz gleich, ob seinen Regenschirm oder seine Frau, so reizt diese Sucherei immer zum Lachen."
Fräulein Petersen hatte bedeutende Einwendungen gegen diesen Standpunkt, aber sie hielt sie zurück, um ihren kritischen Berater, von dem sie noch mehr zu höre« wünschte, nicht einzuschüchtern.
„Die einzige Figur, die mit ein bisserl gegen den Strich geht, ift dees Hotelstubenmadel, das eigentlich eine Philosophiestudenttn ist. Weißt, Haserl, das ist schon sehr romanhaft und unwahrscheinlich."
Jetzt allerdings mutzte Fräulein Petersen fröhlich auflachen.
„Warum.soll das unwahrscheinlich sei«, Korn- reiter?"
„Dor allem andern, weil eine Philosophiestudentin niemals ein brauchbares Stubenmadel sein wird. Der Hoteldirektor schmeißt sie am zwetten Tag raus, darauf kannst dich verlassen."
„Das stimmt nicht, Kornreiter.“
Et machte ein verdrießliches Gesicht.
„Mutz denn die Philosophin ausgerechnet ein Stubeimadel sein? Der Held kann doch auch auf eine andere Weise ihre Bekanntschaft machen."
Sie schüttelte energisch den Kopf.
„Nein, das geht nicht. Da wird die Liebesgeschichte sofort banal. Das Hotelzimmermädchen mußt du mir lasten, Kornreiter."
Kornreiter gab nach.
„Na schön! Du darfst aber diese Philosophiestudentin um Gottes willen nicht zu ernst nehmen, Haserl. Wenn sie ihren Lord kriegt, wird sie sowieso das Philosophiestudium aufgeben." Er tränt einen Schluck Vier. „Eine gute Figur ist der alte Lord. Schade, daß du ihn so früh sterben lasten mußt. Aber ich seh' sckon ein, daß du mit ihm nichts mehr anfangen kannst." Et lächelte gutmütig. „Das kapp« end will ich dir in Anbetracht der schlechten Wirtschasts- lage konzedieren, Haserl, obwohl dir Happy end gar nicht liegt“
„Warum nicht?“
„Weil du viel zu sung dafür bist. Happy end ist eine Alterserfcheinung. Alternde Schriftsteller wer- den fo wehleidig, daß sie alles gut ausgeben lasten.“
„Das ist bestimmt unrichtig. Die Leset wünschen ein Happy end.“
Jetzt wurde Kornreiter ernsthaft ärgerlich.
„Geh', red' doch nickt fo einen Stiefel dabet, Haier!. Der Leser wünscht gar nichts. Der Leset will nut nicht von dir aelanmveilt werden. Wenn et ab-t merkt, daß du ibm schöntun und Nachläufen miM. dann gibt et dir einen Fußtritt. Und mit Reckt.“
Fräulein Petersen drückte herzlich die Hand ihres alten Freundes.
„Schönen Dank. Du bist ein weiset Mann.“
Äimreitat fächelte melancholisch:
„Der Himmel bewahre dich vor Weisheit. Haserl. Wenn du weise geworden bist, gehörst im nicht mehr
in diese Welt und kannst dich ruhig begraben lasten.“ Et sah das junge Mädchen mit einem rührend hilflosen Blick an und fragte schüchtern: „Kannst du vielleicht meine Zeche bezahlen, Haserl? Ich habe drei Glas Münchner."
29.
Daniel Barker empfand es seht peinlich, daß et zur Mittagsstunde im Abendanzug, den man übrigens gar nicht bemerken konnte, well et einen Mantel trug, dessen Kragen hochgestellt wat, in das Hotel zurück- kehrte und infolge eines widrigen Zufalls auch noch Herrn Dt. Turnet begegnete, der gerade seinen Zim- metschlüstel beim Portier abgab.
Der Arzt grüßte seht hösttch, und Daniel erwiderte den Gruß ebenso artig, aber er konnte ein Gefühl leichter Verlegenheit nicht völlig ausschalten, obwohl, wie er selber erkannte, gar kein Grund zur Verlegenheit festzustellen wat.
Sobald Daniel in seinem gesicherten Zimmer wat und den Smoftng ausgezogen hatte, fühlte er sich gleich wieder behaglich und geriet in eine so gute Laune, daß er leise vor sich hinpfiff.
Während er sich umkleidete, dachte er an das vielfältige Glück dieser Nacht, an den hilfreichen Baron Dietfurth, an den unbeherrschten Konfektionär Ee- treuer, an die Künstlerklause, an die unwiderstehliche Vitalität des großen Schauspielers und an die spanischen Reize Hella Weylandts, deren Hemmungslosigkeit er um so mehr bewunderte, als et selber ein zurückhaltender und spröder Mensch wat, bet erobert werden mußte. fFrrtfetzung folgt.)
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