Kasseler neueste Nachrlchte«
Montag, 14. Äetemfer 1932
Em Pflästerchen aus Reichsmitteln
Zuschüsse an die Städte zur Herstellung -er Fernverkehrsstraßen
Bekanntlich stellte das Reich den Bezirksverbänden zur Instandhaltung der großen Verkehrsstraßeu gewisse Mittel zur Verfügung, die allerdings den tatsächlichen Bedürfnissen bei weitem nicht entsprechen. Auf Drängen der Sädte werden nun neuerdings seitens des Reichsverkehrsministeriums auch für die Instandsetzung der Fernverkehrsstraßen innerhalb des Stadtgebiets — allerdings mit Ausnahme des sogen. Stadtkerns — Zuschüsse gewährt.
Die Stadt Kassel ist dadurch in die Lage versetzt, ohne Jnanspruchnahüle größerer eigener Mittel einen Teil ihrer großen Verkehrsstraßen aus- . bessern zu lassen. Der in der Bürgerschaft langgehegte Wunsch, das trostlose Pflaster der Frankfurter Straße zwischen Friedrichstraße und Friedrichsplatz zu verbessern, konnte leider nicht erfüllt werden, da diese Strecke eben noch als „Stadtkern"' gilt. Dafür ist aber vorgesehen, die Holländische Straße nördlich der Bunsenstraße längs der Ziegelei Richter mit «leinpflaster statt des bisherigen Polyganal- pflasters zu versehen. Es handelt sich um eine
Strecke von ca. 300 Meter Länge. Auch die Leipziger Straße von der Ringhofstraße bis zur Psarrgaffe soll mit neuem Pflaster versehen werden, ebenso di« Harleshäuser Straße von der Zentgrafensttaße bis zur Riedelstraße.
Ms eine Art Umgehungsstraße wird jetzt endlich auch die Fertigstellung des Aue- damms erfolgen können. Man wird also vom Schloßplatz über die Tischbeinstraße längs der Orangerie am Auedamm entlang zur General Schef- ferstraße gelangen und von da tn die Frankfurter Straße einbiegen, wodurch der Engpaß des Steinwegs vermieden bezw. umgangen wird.
Die Finanzierung dieser Reupflasterungen erfolgt zu 15 Prozent von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung, zu 65 Prozent von der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten. 20 Prozent muß die Stadt selbst tragen. Die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten übernimmt die Ver- zinfnng und Amortifatton, fo daß eine nennenswerte Belastung der Sladt nicht eintritt
Oer Sieg fiel an Albion
im Kasseler Internationalen Tanzturnier
Kaum setzt die „Saison" ein. lebt die alte Strei- srage wieder auf: Soll man in einer Zett, in der Millionen kaum zu leben haben, noch Feste feiern? Aber auch die Gegenfrage ist berechtigt: Sollen die vielen tausend Hände feiern oder nicht doch lieber Ar bett bekommen, die von einem solchen Fest ihr Brot haben, die vielen vielen Schneider und Schneiderinnen, die Bäcker, die Winzer, die Gastwirte, die Friseure und das Heer ihrer Angestellten? Wenn man von Ankurbelung redet muß man schließlich für jede dankbar sein, und eine Ankurbelung war das Stadt- parkseft am Sonnabend für viele fleißige Kasselaner Meifellos. Um sein Zustandekommen hatte sich der rührige Schwarz-Goldklub und fein Vorsitzender Dr. Schlaefke Verdienste erworben.
Bad Nauheim, Wiesbaden, Berlin, Hamburg, gesicherter Stoben internationaler Gesellschaft, gute, aber nun Internationale Tanzturniere" auch in der (sozusagen) „Provinz"?!
Nun, der Erfolg hat dem Reichsverband zur Pflege des Gesellschaftstanzes recht gegeben. Schlietz- lich darf daran erinnert werden, daß die Kasseler Frühjahrsturniere des gleichen Verbandes ein von Jahr zu Jahr wachsender gesellschaftlicher wie ästhetischer Erfolg gewesen sind. Gewiß sprechen auch bei den „Amateuren" des Parketts die strengen Gesetze des Technischen chr gewichtiges Wort mit, aber das Hauptziel des Verbandes ist doch in erster Linie eine Verfeinerung des Geschmackes — eben Aefthetik, und zwar die Gesamthaltung. Und da kann er gerade in Kassel aufbauen auf die rührige Vorarbeit der beiden großen Kasseler Clubs Schwarz-Gold und Rotweitz mit ihrer unleugbaren Breitenwirkung, dem großen Einfluß auf die Gesellschaft.
Im glänzenden Großen Saale des Stadtparks das gewohnt-ungewohnte glänzende Bild dessen, was von der Kasseler „Society" ubriggeblieben ist Die Turnierleitung hatte H. P. Harrmawn-Emerfen, bekannt von den großen Nauheimer Ausscheidungen.
Und die Starttiste? Rhein-Ruhr hatte diesmal neben dem sympathischen, aber zur Endentscheidung nicht disponierten Kölner Paar Jacoby—Frl. Gabler nur den Düsseldorfer Herrn Verheyen—Baronesse Houwaldt entsandt. Letztere in Kassel keine Unbekannten, im Gegenteil. Die starken Sympathien, die fie sich hier bei früheren Turnieren zu erwerben wußten, machen sie sichtlich zu Favoriten des Publikums, was nicht ohne anspornende Wirkung blieb. Die Jnternattonalität wahrten das Londoner Paar Mr. W. H. Thievault—Miß L. Buckley, die Holländer Mormann—Frl. Santen-Amsterdam und das Prager Paar Dr. Kopal—Frl. Utben. Leider vermißte man u. a. das Berliner Spitzenpaar Neumann.
In der C- und Gästeklasse beherrschte Kassel das Feld, während in der B-Klasse das Gießener Paar Lawerenz-Fräulein Berow an den ersten Platz kam.
C- und Gästeklasse: 1 Herr Kirfcht-Fräulein Göpell, Schwarz-Gold-Klub Kassel, 2. Herr Kurpjun- Fräulein Scheele, Schwarz-Gold-Klub Kassel, 3. Herr von Eollas-Fräulein Berkenbusch, Rot-Weiß-Klub Kassel.
B-Klasse: 1 Herr Lawerenz-Fräulein Berow, Rot-Weiß-Klub Meßen, 2. Herr Uhlitzsch-Fräulein Meeder, Schwarz-Gold-Klub Kassel, 3. Herr Gerhardi- Fräulein Eglinger, Schwarz^lold-Klub Kassel.
Internationale Sonderklasse: L Herr W. H. Thiebault-Fräulein L. Buckley, London, 2. Herr Verhehen-Baronesse Houwaldt, Boston-Klub Düsseldorf, 3. Herr Jakoby-Fräulriu Gabler, Grün- Weiß-Klub Köln, 4. Herr Mormann-Fräulein Santen, Amsterdam, 5. Herr Dr. Kopal-Fräulein Urban, Prag.
Der anerkannte Sieg des englischen Stils gab den Londonern merklich Vorsprung, so daß ihr Sieg nicht in Frage stand. In vorbildlicher Haltung beide, sehr ruhig und gemessen, aber von jener Meisterschaft, bei der höchste Beherrschung der Technik und Individualität zusammenklingi zu beschwingter Musikalität und Grazie. Interessant und schön vor allem ihr English Walz. Ein gelegentlicher Faux pas — sagen wir: Fgux paschen konnte den unübertrefflichen Gesamteindruck nicht abschwächen. Sehr vorteilhaft und vornehm die dezente Schwarzrobe mit weißem Spitzenschal der Miß (während man sonst alle Farben der Palette sah und Triumphe des Dekolletees, daß es Herrn Staatskommissar Bracht grün und gelb; Verzeihung: fleischfarben vor den Augen hätte werden können).
Angesichts des Niveaus der Sonderklasse war der zweitePlatzderDüsseldorferVertreter von besonderem Wert, von den Kasselanern mit nicht endenwollendem Beifall unterstrichen. Der Gegensatz zu den Londonern war höchst reizvoll. Gegenüber der unerschütterlichen Ruhe Albions, das trotz aller Rhythmengebundenheit aufleuchtende rheinische Temperament. Graziös, ein seines Bild auch dieses Paar. Dritte und Vierte wurde die Prager und die Amsterdamer. Die sonst sehr feine Kölnerin war sichtlich im Gesamteindruck gehandicapt durch ihr pelzverbrämtes zu langes Kleid, das die Bewegungen nicht voll zur Geltung kommen ließ. Sie belegte mit ihrem Partner den dritten Platz.
Die Kapelle Hoher gab alles was man von der schwierigen Tourniermüsik verlangt. Präzise Ryth- men, große Lebendigkeit und Klangschönheit. =tz=
Kluchi oder Selbstmord?
Bnnkdefraudant ans Düsseldorf in Kassel verschwunden.
In der Düsseldorfer Filiale der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft ist man dieser Tage großen Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen, die von dem Direktor der Fttiale, Dr. Wilhelm Schäfer, begangen worden find. Es ist festgestellt worden, daß Dr. Schäfer in den Jahren 1929 und 1930 private Spekulationen betrieben hat, die mit schweren Verlusten endeten. Um die Fehlbeträge zu decken, hat der unglückliche Spekulant Kundenkonten, die eine besonders hohe Deckung aufwiesen, in Anspruch genommen und aus diesen Konten Sonderkonten errichtet, die nur er kontrollierte. Auf diese Weise konnten die Unregelmäßigkeiten lange Zeit unentdeckt bleiben.
Vor etwa 14 Tagen hatte Dr. Schäfer eine Geschäftsreise nach Kassel angetreten, von der er nicht zurückgekehrt ist. Bei der darauf erfolgten Revision der Filiale wurden die Unregelmäßigkeiten festgestellt. Bisher hat man von Dr. Schäfer noch keine Spur gesunden. Der Annahme, daß er geflüchtet ist, steht die gegenüber, daß er Selbstmord verübt hat, denn er war auch schwer asthmaleidend. Wegen der letzteren Annahme ist auch die Sfa sseler Kriminalpolizei mit der Aufklärung der Angelegenheit befaßt worden.
*
Gefaßte Einbrecher. Die Diebe, die vor einiger Zeit in der Theaterstraße bei Feldstein einbrachen und für mehrere tausend Mark Pelze und Mäntel stahlen, sind jetzt gefaßt, gerade als fie sich einige von den gestohlenen Sachen für sich umarbeiten lassen wollten. Der Schneider schöpfte »erdacht und benachrichtigte die Polizei, die drei der Leute fassen konnte. Beteiligt waren im ganzen fünf; das Haupt der Bande ist ein gewisser St. aus der Holländischen Straße.
Webe bei der Arbeit. Gestern abend kurz vor 7 Uhr überraschten Hausbewohner in der Entengasse 21 (bei Metzgermeister H. Ploch) einen Dieb, der sich mit einer Späkseite davon machen wollte; auf die Wache gebracht, stellte sich heraus, daß derselbe einige Stunden vorher bei einem Geschäftsmann int Graben ebenfalls einen Einbruch verübt hatte.
Diebe am Werk. In der Kohlenstratze wurden aus einem verschlossenen Stall 6 Kaninchen gestohlen. — Am 13. U. gegen 23 Uhr wurde die Woh
nung eines Milchhändlers am Pferdemarkt gewaltsam erbrochen. Der Täter flüchtete, als er von dem Wohnungstnhaber überascht wurde, und entkam unerkannt.
Film der Unfälle
Was Kinder anstellen. $n der Bettenhäuser Str. glitt ein 4-jähriges Mädchen beim Ausrichten ans eiper auf dem Herd stehenden Wanne aus und fiel auf die glühende Herdplatte, wodurch es sich schwere Brandwunden am Gesäß und den Händen zuzog und von der Unfallwache Holzmarkt sofort zum Arzt gebracht werden mutzte. — In der grauen« höferstraße kletterte ein 2-jähriges Mädchen auf den Kohlenkasten und fiel ehe jemand hinzueilen konnte, mit dem Gesicht auf den heitzen Herd, wobei es sich gräßliche Brandwunden im Gesicht und an beiden Händen zuzog. Die Sanitätswache Fuldabrücke brachte die Kleine in das Krankenhaus.
Alitonnfall. Arn 13. 11. gegen 4 Uhr früh kam Hein Personenkraftwagen an der Cb. Königstraße und Friedrichstraße angeblich infolge des schlüpfrigen Dttaßenpflasters ins Schleudern und schlug um. Von den Insassen erlitt ein Kaufmann aus der Kaiser- straße eine Verrenkung des rechten Schultergelenkes. Die übrigen Personen blieben unverletzt. Der Wagen wurde abgeschleppt.
Gasvergiftung durch Unfall. In der Berlepschstraße wurde eine 16jährige Hausangestellte von ihrer Herrschaft am Sonntag Morgen beim Betreten der gasgefüllten Küche leblos vorgefunden. Die angestell- ten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg, doch mußte das junge Mädchen von dem Unfallauw der Feuerwehr in das Marienkrankenhaus eingeliefert werden. Sie war beim Herunternehmen eines auf dem Küchenschr^"» stehenden Gegenstandes vom Stuhl gefallen und hatte bei dem Sturz einen sonst nie ge- brauchien kleinen Gashahn mit dem Arm aufgeschlagen, sodaß das Gas ungemerkt entweichen konnte.
Ans der eoang. Landeskirche. Ernannt ist der Pfarrer Haupt in Vaake, Kirchenkreis Hofgeismar, zum Pfarrer in Kassel-Rothenditmold, Kirchenkreis Kassel-Stadt, ab 1. Januar 1933. I n den Ruhestand versetzt: Pfarrer Nolte in Wichte, Kirchenkreis Melsungen, ab 1. April 1933.
Kuabenbürgerschule 11 (Wesertor). Der Elternbeirat weist nochmals auf den heute, Montag, den 14. November, 20 Uhr, in der Schule statt- E*enben Lichtbildervortrag: „Sinn und Bedeutung r Waldschule" hin. Redner; Herr Direktor Schulz und Heu Lehr« Niemeyer,
der neuen Regierung ist eine kluge und kraftvolle Außenpolitik, die die Gefahr ein« drohenden weltpolitischen Notierung Deutschlands abweudet und alle Schritte Mr Herstellung der völligen deutschen Freiheit geht.
Innenpolitisch müssen durch ein großzügiges Arbeitsbeschaffungsprogramm die in der deutschen Wirtschaft schlummernden Kreditmöglichkeiten geweckt und der leere Dftraum des Reiches besiedelt werden. Eine zielklare Wirtschaftspolitik hat die Beziehungen von Binnenmarkt und Weltwirtschaft so zueinander zu ordnen, daß der nationalen Wirtschaft der höchste Nutzen daraus erwächst. In der Sozialpolitik ist bem Gedanken der Selbstverwaltung ber Berufsstände oor allem in den Sozialversicherungsträgern mehr als bisher Rechnung ju tragen. Der Staat kann sich auf eine allgemeine Aufsicht beschränken. Wir verlangen in der Sozialpolitik klare Rechtsansprüche der Arbeitnehmer, keine .Wohltaten". Die Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen müssen vom ganzen Volke und nicht allein von den Arbeitnehmern aufgebracht werden. Die ungerechte Lastenverteilung durch die letzten Notverordnungen ist zu befeitigen. Der tarifvertragliche Schutz der Gehallter und Löhne muß erhalten bleiben. Ihre weitere Herabsetzung ist notfalls mit Hilfe des staatlichen Schlichtungswesens und bei Verbind! icherklärung von Schiedssprüchen zu verhindern. Insbesondere erhebt der DHL Protest gegen das nie» retorts beobachtete Vorgehen des Einzelhandels .zwecks weiterer Gehaltssenkung. Gerade aus diesen Kreisen sollte mehr Verständnis für die Notwendigkeit der Erhaltung und Stärkung der binnenländischÄr Katzf- kraft aufgebracht werden.
Für ein zielklares Regierungsprogramm, das von nationalem, sozialem und christlichem Geiste erfüllt ist, wird sich die große Mehrheit des Volkes stets einsetzen und notfalls bereit fein, dafür Opfer zu bringen. Die stärkste Stütze des Staatsmannes, der ein solches Programm vorlegt, ist aber das Vettrauen des Volkes. Da die gegenwärtige Reichsregierung dieses Vertrauen nicht genießt, können ihre Maßnahmen awh niemals einen Dauererfolg haben.
Berufskundlicher Vortrag. Im Rahmen bet be- rufskundlichen Vortragsreihe der Berufsberatungsstelle des Arbeitsamtes spricht über den „Äaufmaim im Groß- und Einzelhandel" Herr Kaufmann Küukele, Vorstandsmitglied der Industrie- und Handelskammer Kassel am Freitag, bett 18. November, abends 8 Uhr, im Lesemuseum.
Vorverlegung des Ferkelmarktes. Der für Mittwoch, den 16. d. Mts., vorgesehene Ferkelmarkt wird auf Dienstag, den 15. d. Mts. vorverlegt.
„Hölzerne Kreuze"
Der große französische Kriegsfilm iH Kassel.
(Chassalla-Lichtspiele.)
Für einen französischen Regisseur wird es nicht leicht gewesen fein, Epifoden aus dem großen Kriege 14—18 objektiv darzustellen. Raymond Bernhard darf das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, diesem grandiosen Werk „Hölzerne Kreuze' (Jenseits der deutsche« Gräben) die große Geste der Vrr- ftänbigung zwischen zwei Welten gegeben zu haben. Nur einmal, als die siegreichen französischen Truppen ein elendes Nest nach fürchterlichen Opfern erobert haben, triumphiert die Trikolore . ..
Mit einer Vision beginnt und schließt der Film. Man sieht am Anfang Bataillon auf Bataillon sich in Kreuze verwandeln und am Schluß erlebt der tot- wunde Kriegsfreiwillige den Einzug der Kameraden — jeder mit seinem Kreuz beladen — in die Ewigkeit. Kem Unterschied ist mehr zwischen den Nationen. Vor dem letzten Gericht sind alle Soldaten gleich. Dazwischen liegt das unerhörte Erleben des Frontsoldaten, wie wir es schon aus anderen Kriegsfilmen „Westfront 18' „Sm Westen nichts Neues' usw. kennen.
Es ist Immer dasselbe Schicksal: Ausmarsch, das erste Trommelfeuer, der erste Sturm. Und bann die Gleichförmigkeit des Grabenkrieges. Nur unterbrochen von der Angst, durch eine feindliche Grabenmine in die Lust zu fliegen. Dann wieder endloses Warten, Sturmangriff, verzweifeltes Ringen um irgend rin Fetzen unbekannter Erde. Der Regisseur hat es meisterhaft verstanden, das Schicksal von Kriegskameraden der verschiedenen Berufe so zu schildern, wie es eben gewesen sein kann oder wirflich war.
Die rein technische Wiedergabe des Materialkrieges ist von denkbar größter Wirklichkeitstreue.
hölzerne Kreuze' sind eine Anklage gegen den Krieg, eine Warnung und gleichzeitig ein Denkmal für die Gefallenen. H. Sp.
Oer OHD. zur politischen Lage
Der Eauoorstaud des Gaues Main-Weser im DHB. hat sich in seiner am 13. November 1932 stattgefundenen Sitzung in Mainz mit der derzeitigen politischen Sage besaßt und einstimmig folgende Entschließung angenommen:
Der DHB. ist stets Mr eine autoritäre Staatsführung eingetreten, nicht aber für 6el!bftyerriWeit einer dünnen, im Volke nicht verwurzelten Besitzschicht. Zur Bildung einer volksverbundenen Regierung ist die Berufung eines Mannes notwendig, der vom Vertrauen der breiten Schichten des Volkes getragen ist. Aufgabe
Der olfen Armee
Dor Eröffnung des Kasseler Heeresmuseums
Es mag nur ein Anfang eines Museums fein, was Fleiß und Liebe in Len oberen Räumen der Alten Akademie zusammengetragen hat, aber es ist ein Fundament, auf dem sich weiterbauen läßt, wenn es gelingt, die Kasseler Bevölkerung verdientermaßen dafür zu interessieren. Am Sonntag fand unter der Führung des Generals der Infanterie a. D. von Hülfen eine Vorbestchtigung durch Spender und Freunde statt, die vollauf befriedigte. So manches wertvolle Stück ist schon zusammengetragen und die große Linie, Pflege der Erinnerung an die Kuvhesstsche Armee und das preußische 11. Armeekorps, zeichnete sich deutlich ab. General von Hülsen gedachte mit Dank der erfolgten Anregung des Handelskammerpräfidenten Dr. Karl Pfeiffer und sprach weiter Dank aus ben vielen Spendern und Mitarbeitern, besonders der „Kyffhüuser- fugenb" und Herrn Alldag, der seine bischer tm Mausoleum des letzten Kurfürsten untergobrachte reitye kur- hessische Sammlung zur Verfügung gestellt hat.
Ein Rundgang zeigte viel des Wertvollen. Wenn auch noch viel zu wünschen übrig bleibt, so fehlen noch zahllose Kleinigkeiten aus dem Weltkrieg, besonders aus dem Leben des einfachen Soldaten, aber wir sollten meinen, daß es mit Hilfe der Kriegervereine gelingen müßte, alles zusammenzubringen, was auch ein Stück „Denkmal des unbekannten Soldaten' bedeutet. Unter dem Vorhandenen sieht man glänzende Generails- uniformen aus der Vorkriegszeit, als Koftümpuppe etwas trübselig wirkend, lebende Bilder der Vergänglichkeit. Waffen aller Art gibt es und Dokumente, BeutHtücke aus dem Weltkriege, aus aller Welt, wo deutsche Tapferkeit gekämpft hat. Auf einem Tisch ist eine naturgetreue Parade auf dem Friedrichsplatz mit Zinnsoldaten aufgebaut. Unmöglich, alle die Etnzel- heiten einzeln aufzuzählen.
Besonders begrüßenswert ist, daß bei der Eröffnung des Museums die wunderschönen Räume zugänglich werden, die zuletzt die von tytem Gemahl getrennt lebende letzte rechtmäßige Landgräfin von Hessen bewohnt hat. Die Räume zeigen prunkvolles Rokoko und Gemälde aus dem preußischenKönigshaus, darunter ein besonders reizvolles des jungen „alten" Fritz.
Der neue Haupimann
Traditionsabend des Vereins ehe«. 81er.
Es gehört zu den Erscheinungen der neuen Zeit, daß Veränderungen im Heer, besonders aber der Wechsel in der Führung einer Kompanie nicht nur die Truppe selbst berühren, sondern darüber hinaus auch deutliche Wellen des Interesses in vilen' Kreisen erregen. Denn der Kompaniechef von heute ist nicht nur Führer feiner Kompanie, er ist in gewissem Sinne auch Führer eines Regiments. Nämlich des Regiments der alten Armee, dessen Traditionen zu pflegen feine Kompanie berufen ist. Es ist daher verständlich, daß auch die in dem jeweiligen Regimentsverein zusammengeschlossenen alten Soldaten dem Wechsel in der Führung ihrer Traditionskompanie besonderes Interesse entgegen» bringen. Auch sie haben das Bedürfnis, den „neuen' Hauptmann kennen zu lernen. Was wäre dazu geeigneter als der Traditionsabend, der alte und junge Soldaten unter der gleichen Nummer bereinigt und der Erinnerung an das alte Regiment gewidmet ist?
So war auch der Famflienabend, den bet Verein ehern. 81er am Sonnabend in den „Bürgersälen' veranstaltete, cheichsam der „Einführung' des neuen Thefs der 10. Kompanie des 15. Inf.-Reg., der Traditionshüterin des Inf.-Reg. Landgraf Friedrich!, von Hessen-Kassel (st Kurh.) Nr. 81. Wenn auch das Häuflein derer, die einstmals in der stattlichen Ka- fernc in der Gutleutstraße zu Frankfurt ihrer Militärpflicht genügten, in Kassel nur klein ist, ihre Ber- bunbenbefi mit ben Angehörigen ihrer TrabittonS- kompanie ist barum nicht weniger innig unb der gute Besuch des Abends war ein glänzender Beweis von gutem Einvernehmen.
Musikalische Darbietungen eines Orchesters der Kapelle Heinrich Schröder und ein sinniger Vor- ö-ruch, den eine Schülech» mti verständnisvoller Be
tonung vortrug, leitete ben Abend em. Mit herz, lichen Worten hieß her erste Vorsitzende, Poftinspek- tor Orth, Gäste und Mitglieder willkommen. Besonderen Gruß entbot er dem neuen Chef der 10. Kompanie, Hauptmann Semmel. In eindringlichen Worten führte er der Festversammlung die Bedeutung der Traditionspflege vor Augen unb gab der Erwartung Ausdruck, baß der Geist guter unb wahrer Kameradschaft auch weiterhin in den Reihen ber alten 81er unb ihrer jungen Nachfolger zu Hause sein möge.
Hauptmann Semmel dankte im Namen feiner Kompanie für die herzliche Begrüßung. Er gab bet Hoffnung Ausdruck, daß biefem Traditionsabend noch viele folgen mögen, denn sie feien notwendig zur Erhaltung und Festigung bet Zusammengehörigkeit, ber Kamerabschast und Treue. Sei doch die Pflege bet Tradition auch ein Teil ber Dankes- pflicht gegenüber den Gefallenen. Seine Jäger ermahnte er, allezeit forgfame Hüter und Pfleger der Tradition zu fein und feine Wünsche für das alte Regiment 81 klangen aus in einem dreifachen „Horrido'.
Von echter Kameradschaft zeugte dann die Folge mannigfacher Darbietungen, mit denen die Angehörigen der 10. Kompanie ihren alten Kameraden vom Regiment 81 und ihren Gästen Stunden angenehmster Unterhaltung schufen. Der „Liederkranz 10/18' erfreute unter Leitung seines Chormeisters O. Kahse durch den Vortrag melodiöser Männer- Söre. Besonderen Beifall fand das „Lied der 81er', ne Dichtung des Oberjägers W. Busch, die Chor- meister Kahse in Töne setzte. Die Vorführungen einer Bodenturngruppe verrieten beinahe artistisches Können der Jäger, und daß Soldaten auch gute Schauspieler sein können, bewiesen die „Micky- Mäuse', eine luftige parodistische Angelegenheit, und ein heiterer Schwank aus dem Militärleben der Vorkriegszeit. Reicher Beifall war der Dank für alles Gebotene. Mit Fleiß unb Ausbauer hulbigte bann jung und alt bem Tanz.
Wetter«
Aussicht
Der Einfluß des skandinavischen Hochs dauert fort, so daß wir im Bereich lontinentaler Lust verbleiben. Nächtliches Aufklaren führt zu leichtem Frost, sonst bleibt es trocken und es heitert auf.
Aussichten für Dienstag:
Bewölkt mit Aufklaren und leichtern Nachtfrost, trocken, östliche Winde.
SetterBeobeStitae eem IS. »eeeelet.
Bett Borom. L mm lerne. C BuftfendMiafett
A- tu. ’M kV—W — M%
Mitaetellt treu Dwlonrovtiker 6e6.
Die letzte Stunde
l>t«r ix» ersten Preises
roen uni j«us «reibt. Dr. 6t.
Mensch oeeen bfe ©efebe 6er Na Natur Iteaen bie Äraftgutiltn uni itbett hebens. In einem Gcmi'ck
erstaunliche oneianet ltS tausend- fÄ« »en »ufern-
[ich leibst feitiufteUen. Sa die Heiden ne 1 Naumbura/Laale N 205 ausreichende nten mit dem lesenswerten Buch: „$(! bleiben" an alle Interessenten fetten.., al_.
®ä empfiehlt sich umsomehr, unverzüglich wesen einer Pro- deoackuna en btt Heide-niel!^Hesellschaft ju schreiben, als ne -erade letzt ein Preisausschreiben veranstaltet, welcher je- betn eine kostenlose Betetliauna erm da licht und in welchem Sareretfe bif au einer Million Reichsmark dem glücklich«,
a«r bestimmten Minerals! len bat matt setzt ein ho Raturkräfte geschaffen, uh® » FU9 der menschliche Organismus, indem et ttaiMemifch t» sich aufnimmt, in Kürze