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Seite 2 2. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, ». «ovemLer 1932 1

Arbeit unter einem strömenden kluH

Reportage auf -em Grund -es Rheins / Maschinengewehrtacken im Panzerturm / Zwanzig Mann in -er Aeber-ruckkammer / Telefonate aus -er Tiefe -es Stroms ' ^Schlucken, immer schlucken!"

Sonderbericht für die Kasseler Neuesten Nachrichten.

Meine Herren, wenn Sie jetzt mit mit in die Aese fingen wollen, tun Sie das auf eigene Gefahr. Wie übernehmen keine Verantwortung für Ihre Ge- sundheit!"

Die vermummten Gestalten in Monteurkitteln m-ken. Dann steigen ste in das bereitstehende Motor- boot und fahren zu denPanzerlünnen", die da in der Mitte des Stromes stehen. Kerner durfte über 50 fern, keiner ein krankes Herz haben. Aber auch wir riskieren unter Umständen noch: Mittelohrentzündung. Taubheit und Trommelfellverletzungen. Denn wir muffen unten auf dem Flußbett mindestens 1,1 Atü ^"w^ären-Ueberdruck) ertragen. Nette Aussichten!

Wrr wollen sehen, wie ein Brückenpfeiler entsteht. Man hat uns erzählt: Zuerst wurden Spundwände in das Strombett gerammt, vier Wände. Dazwischen schüttete man Kies und Sand. Darüber baute man aus Beton und Eisenstäben einen Kasten, die Seiten» flachen schräg nach außen. Wie eine umgekipp:« Lore etwa, nur ins Riesenhafte vergrößert. Oben drauf steckt man ein dickes Stahlrohr, das von einem selt­samen Panzertürmchen gekrönt wird. Nun steigen Arbeiter über eine Leiter in das Panzertürmchen, bann mittels steiler Leitern in die Tiefe desSenk­kastens" und beginnen, den Kies innerhalb des Rau­mes abzuschaufeln! Alles wird in großen Eimern durch das Rohr nach oben gezogen und durch eine Seilenöffnung im Panzertürmchen ausgeschüttet.

Dadurch sinkt der Kasten langsam in die Tiefe, wett man ihn von innen immer wieder untergräbt. Bald liegt er tiefer als der Wasserspiegel, und nun würde von unten her der Fluß eindringen. Würde, gäbe es keinen Luftdruck. Für jede Meterriefe wird ein Zehntel Atmosphäre Ueberdruck in den Kasten gebla­sen, um ihn frei vorn Wasser zu halten.

Und während der Kasten absinkt, mit einer Ge­schwindigkeit von 70 Zentimeter in acht Arbeitsstun­den, wird oben, mit gleicher Geschwindigkeit, der Pfeiler gemauert, aus Beton und Steinen.

Zischen und Dröhnen im panzertum

Wir Reporter klettern die Leitern empor, winden uns durch die enge Türe im Panzerturm und geraten in einen winzigen Raum, der höchstens vier Zusam­mengedrückten Menschen Platz bieten kann. Alles ist hier aus Stahl. Alles gepanzert, die wuchtige Tür, die mit einem Rad verschlossen wird genau wie bei

großen Kaffenschränken. Dort eine elektrische Birne, die trüb brennt, dort das winzige, kaum handgroße Fensterchen aus dickem Glas. So mutz es in der eng­sten Ecke eines Unterseebootes aussehen.

Jetzt zischt es schrill und heimtückisch, und aus einer winzigen Oesfnung in der Decke strömt Pretzlust hereim Nein, sie wird hineingedrückt, mit unfaßbarer Gewalt. Von Minute zu Minute steigt der Druck in derSchleusenkammer", wie dieser Panzerturm fach­lich hritzt. Wir sollen nachher zehn Meter unter den Wasserspiegel, also benötigen wir dort unten rund eine Atmosphäre Ueberdruck, um den Wasserdruck aus­zugleichen.

Zuerst sind wir taub. Es knackt und brummt in den Ohren.Schlucken, immer schlucken!" sagt der Führer. Wir schlucken und tauen Zucker, zur Speichel­erzeugung. Der Ueberdruck legt sich wuchtig auf die Schläfen, arbeitet hinter der Stirn. Das Herz schlägt bis zum Hals hinauf.Ruhig und tief atmen! hören wir unfern Führer faßen, und er spricht wie ans ganz Wetter Ferne. Jetzt knattert heftiges Maschinengewehr- feuer: ratatak. Nein, es sind nur Druckblafen, die rasch hintereinander auf das Trommelfell prallen. Und da sind die elf Minuten Einschleutzzeit herum. Die zweite Tür tm Panzerturm, jene, die zum Rohr und ins Innere führt, löst sich von selbst, wegen des ausge­glichenen Drucks, während die Antzentür mit unfaß­barer Gewalt und Wucht vom Jnnendruck zugehalten wird.

40 Leitersprossen hinab in tiefste Finsternis

Hinter dem Panzertüvmchen, das sich jetzt öffnet, gähnt ein rundes Loch in die Tiefe. So ist das Innere des Rohres. Eine lächerlich kleine Eisenleiter an der Wand. Man zwängt sich hinein und beginnt den Ab­stieg, Mann hinter Mann. Der Rücken schleift an der Stahlwand, so eng ist es hier. Nichts für Wohlge­nährte! Da ein rundes Licht unter den Füßen. Noch eine schrägstehende Leiter. Dann ein "geräumiger Betonkeller, mit schrägen Wänden. Sechzehn Meter lang und ebenso breit. Das ist derSenkkasten"! So sieht es in der Flußtiefe aus, zehn Meter unter der Oberfläche.

Zwanzig Mann sind hier beschäftigt. Sie haben Fels angetroffen, nicht nur Kies. Hier gilt es, den Fels mühsam auszumeißeln, um den Senkkasten in die Tiefe zu bringen. Es geht langsam, aber dafür steht der Pfeiler dann auch selbst wie gewachsener

Felsen. Von oben, durch ein gepanzertes Rohr, bekom­men sie Druckluft, die ständig einztscht, um den Druck in der Kammer zu halten. Durch einen zweiten Schlauch erhalten sie noch stärkere Preßlust zum Ar­beiten. Sie setzen wuchtige Pretzlustbohrer an und stemmen schwere Stücke aus dem Felsen. Es klingt tote Trommelfeuer in dieser Enge und Tiefe. Rastlos gehen die nassen und Münzenden Brocken nach oben.

Natürlich haben sie da unten, in der schwarzen Tiefe, ihr elektrisches Licht, ihren Fernsprecher und alle Apparate, die notwendig sind, um Luftdruck und Richtung zu messen. Acht Stunden arbeiten die Leute hier unten, meist jüngere Leute mit gesunden Orga­nen. Ihr Körper Hai sich mit dem Ueberdruck abge­funden, genau wie unserer auch, da sich jetzt der Druck von innen mit dem Außendruck abgefunden hat. Aber die Luft ist feucht und schwer unter Ueberdruck. Im Sommer klettern die Temperaturen mit dem fort­schreitenden Tag immer höher. Im Winter sitzt das Eis in dicken Krusten an der Wand der Glocke und die Luft ist eisig kalt.

Wie das Werk gelingt

Während wir jetzt mühselig die 40 Leitersprossen wieder hinanklettern, erzählt uns der Führer den wetteren Arbeitsvorgang im Senkkasten: Die beabsich­tigte Tiefe von zehn Meier unter dem Wasserspiegel ist nunmehr erreicht, und der Senkkasten kann ge­schlossen werden. Das heißt, der Hohlraum wird mit Beton ausgefüllt. Zuerst mauert man die Ecken aus, von den Kanten nach der Mitte zu. Dann immer höher und höher. Das heißt, die Belegschaft mauert sich selbst den Raum ab, bis zuletzt nur noch ein ein­ziger Mann da sein kann. Dieser letzte Mann spritzt noch alles mit Betonmilch aus und verläßt den nun­mehr ausgefüllten Kasten durch dtS Rohr. Auch die­ses wird dann aus dem Pfeiler gezogen und das Loch mit Betongemisch gefüllt. Dann ist der Pser- ler fertig.

Jnzwifchen hat man langsam in der engen Schleu­senkammer den Ueberdruck von uns genommen. Ganz allmählich läßt man die Druckluft durch eine Düse »ach außen entweichen. Schweiß rinnt uns van der Stirn. Und da gibt die Außentür plötzlich nach: Der Druck ist ausgeglichen. Wir winden uns durch das Panzertürchen ins Freie...

Fünf Minuten find ein Tag

Das größte mechanische Dorf der Welt

München, im November.

_ Die bayerische Hauptstadt darf sich rühmen, auf der Baoariahöhe im Ausstellungsgelände das größte me­chanische Dorf der Welt zu besitzen. Dieses größte mechanische Dorf" ist allerdings in einer klei­nen Nusstellungsbude untergebracht und zeigt ein paar Augenblicke" aus dem bayerischen Volksleben. Rings an den Wänden erblickt man eine Alpenlandschaft mit milden Gebirgspfaden, Sturzbächen, Eisenbahnen, Kir­chen und Weilern. Alles entsprechend verkleinert. Auch die Tageszeiten. Denn alle fünf ober sechs Minuten geht die Sonne unter ' Und sobald es Nacht wird, blinken die Sterne, und aus den Fenstern der Dauern- hütten strahlt traulicher Lampenschein. Aber sonst schläft alles. Und wenn man scharf hinhört, kann man wohl auch das Schnarchen der Bewohner vernehmen. Richtig schön wird es aber, sobald der Morgen graut Das geschieht, wie gesagt, nach fünf bis sechs Minuten. (3m Winter, zum Okloberfest und an Sonn» und Feiertagen dreht sich die Erde noch rascher, wie es eben der Bedarf verlangt.) Da sieht man den Loisl uner­müdlich an das Kammerfenster eines drallen Dirndls klopfen, das Dirndl steckt auch neugierig den Kopf her­aus, schüttelt ihn aber abweisend, so daß der arme Bub unermüdlich weiterklopfen muß bis in alle Ewigkeit. Damit jedoch der bayerische Humor nicht ganz zu kurz kommt: unterdessen läuft eine ganze Reihe junger

Leute durch die Hintertür des besagten Kämmerchens. Und über dem Häuschen liest man den sinnigen Vers.: Versprichst du mir, hübsch brav zu sein, Darfst du zu mir ins Kämmerlein."

Daneben entwickelt eine freiwillige Feuerwehr fie­berhafte Löschtätigkeit, vor einem Schloß marschiert im Stechschntt eine Wache aus, aus einer Felsspalte guckt eine Gemse, ein Jäger macht Pifspaff, die Gemse zieht sich diskret zurück, um nach einer Weile das sin­nige Spiel zu wiederholen. Ueberdies kann man eine Dam« bewundern, die einem Herrn durchs Fenster höchst despektierlich die Zunge herausstreckt. Arn lieb­sten scheu aber die Münchener die Szene mit König Ludwig II. an, der in einem schworen Mantel bleich und finster mit seinem nicht fröhlicher blickenden Be­gleiter D. Gadden aus Schloß Berg über eine blü­hende Wiese längs des Starnbergersees dahinschreitet. Auf dem See fährt übrigens ein etwas überdimen­sionaler Dampfer unentwegt hin und her.

Der Augenblick tritt ein, wenn der wahnsinnige König den Uferrand erreicht hat. Denn nun hebt er die Hand und deutet vielsagend auf den See hinaus. Menn man aber nun glaubt, jetzt die bis heute noch nicht restlos aufgeklärte Tragödie zu erleben, so irrt man sich. Denn im nächsten Augenblick machen Lud­wig II. und Dr. Eudden eine schneidige Kchrtwendung und gehen mit feierlichen Automatenschritten wieder in das Schloß.

).

Verwirrung infolge einer erlittenen Gehirnerschütte­rung auf das Dach geklettert ist.

Eine ehrgeizige Gattin ist die bekannte englische Weltfliegerin Amy Johnson; nachdem sie sich eben erst mit dem gleichfalls bekannten Fl'.eger Mollisson verheiratet hat, will sie jetzt schon zu einem Flug England-Kapstadt starten, um den für diese Strecke bestehenden Rekord ihres Mannes zu brechen.

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Eine große Hyazinthenzwiebel-Vernichtungskam­pagne haben die holländischen Zwiebelzüchter be­schlossen; sie wollen rund 10 Prozent der vorhande­nen Vorräte, also etwa 20 Millionen Hyazinthenzwie­beln, vernichten und hoffen, dadurch die Preise für Hyazinthenzwiebeln wieder in die Höhe zu bringen.

Gronaus Heimkehr verzögert

Berlin, 9. November.

Der Weltflieger von Gronau tettt aus Genua in einein Funkspruch mit, daß er bei dem schlechten Wet­ter über den Alpen feinen Start verschoben habe. Der Leiter von Gronau wird in Friedrichshafen, toc er seine erste Landung in Deutschland beabsichtigt, ian Namen der Reichsregierung und der württembergi- schen Staatsregierung vom württembergischen Staats­präsidenten begrüßt werden. Von Friedrichshafen wird er fein Flugzeug an feen Heimatsort, List, dem Ausgangspunkt des Weltfluges, überführen. Von einer Landung in Berlin wird in Anbetracht des un­sicheren Novemberwetters abgesehen, von Gronau wird von List aus mit feiner Besatzung nach Berlin reifen und hier vom Reichspräsidenten von Hinden­burg empfangen.

Ittelne Clu&iik

In der Kaserne des 7. (Bayerischen) Pionier­bataillons in München ereignete sich in der letzten Nacht ein schwerer Unfall. Ein Gefreiter dieses Bataillons wurde vom Kasernenposten für einen Einbrecher gehalten und nach mehrmaligem Anruf, auf den keine Antwort erfolgte, durch einen Schuß schwer verletzt. Der Gefreite starb in der Nacht.

Der Kaufmann Ernst Wernicke in Bornim (Mark) hat als Leiter der Spar- und Darlehnskasse des Kreises Ofthavelland 200 000 M. veruntreut Wernicke hat bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft ein Geständnis abgelegt und die Unterschlagung ein­gestanden.

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Eine sechsfache Kindtaufe gab es in Emden, wo eine Frau mit Drillingen glücklich niedergekommen war; als die drei Babys getauft werden sollten, er­innerte sich die Mutter, daß die früheren Kinder von zwei, drei und vier Jahren auch noch ungetauft wa­ren, worauf sie die Gelegenheit benutzte, alle sechs auf einmal taufen zu lassen.

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Frau Marie Jürgens, die schon einmal gemeinsam mit ihrem damaligen Manne, dem Kammergerichts­rat Jürgens, im Mittelpunkt eines Berliner Skan­dalprozesses gestanden hatte, ist vor dem Schöffenge­richt Berlin-Schöneberg wegen fortgesetzten Kredit­betrugs und wegen Arreftbrnchs angeklagt. Da die Angeklagte zu den bisher angesetzten Terminen nie­mals erschienen war, wurde sie kürzlich verhaftet und dem Gericht aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die Angeklagte, der fortgesetzter Kreditbetrug in den Jahren 1928 bis 1930 zur Last gelegt wirb, behaup- tete, daß sie durch das Verhalten ihres Mannes, von dem sie erst vor wenigen Wochen rechtskräftig geschie­den worden war, in eine schwierige wirtschaftliche Lage geraten sei

Bergsturzalarm gab es neuerdings wieder in dem schweizerischen Dorf Linthal am Fuße des Clausen- passes (Kanton Glarus); der schon seit Jahren mit dem Absturz drohende Kilchenstock schien in Bewegung gekommen zu fein, so daß die vorbereitenden Alarm­sirenen in Gang gesetzt und der für die Bevölkerung vorgesehene Abzugsweg mit Scheinwerfern erhellt wurde.

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Bei der Ankunft des französischen DampfersLa­martine" in Marseille wurden von der Zollbehörde nicht weniger als 430 Kg. Opium in den Waschräu­men des Schiffes beschlagnahmt. Die .^Lamartine" versteht den Dienst nach dem Nahen Osten. Die fran- zöfische Hafenpolizei war schon seit langem darauf aufmerksam geworden, daß die französischen Schiffe, die in Jnstambul vor Anker gehen, Rauschgiftschmug­gel betreiben, an dem auch die Besatzung der Schiffe aktiven Anteil nimmt Aus diesem Grunde wurde auch diesmal eine eingehende Untersuchung des Schiffes vorgenommen, die ein sehr fruchtbares Er­gebnis gerügte.

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Bei der Ausfahrt aus der spanischen Station Ja- tiba wurde der Postwagen des Schnellzuges Valen­cia-Madrid von einer 12köpfigen Räuberbande über­fallen. Die Räuber versuchten, die Postsäcke an sich zu bringen. Es kam zu einem Kampf zwischen den Räubern und den Postbeamten. Schließlich mutzte die Räuberbande die Flucht ergreifen. Mehrere Mitglieder der Bande wurden schwer verletzt.

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Richard F. Kindersley, ein Sohn des bekannten englischen Finanzmannes Sir Robert Kindersley, wurde auf dem Dach eines Eisenbahnwaggons in der Station Farnham (Surre?) mit zerschmettertem Kopf aufgefunden. Der Verunglückte wer nach einem Auwunfall mit dem Zuge nach Hause gefahren. Es wird angenommen, daß er in einem Zustand der

Oie Neger von Alabama

Neuyork, 9. November.

Die amerikanische Justiz, die ohnehin nicht allzu­viel an Renommee zu verlieren hat, ist durch einen neuen Fall schwer kompromittiert worden: vor einiger Zeit waren in Alabama, einem der Südstaaten, wo es eine starke Negerbevölkerung, aber einen noch stär­keren Hatz der weißen Farmer gegen die Neger gibt, sieben junge Neger wegen Vergehens an weißen Frauen zum Tode verurteilt worden.

Das Urteil stützte sich aus recht fragwürdige Indi­zien, die Vergehen sollten in einem Mterzug passiert sein. Es war so dunkel, daß niemand irgend etwas sehen konnte, und außerdem stellte sich nachher heraus, daß sich die angeblich vergewaltigten Frauen nicht gerade eines einwandfreien Rufes effreuten. Die Ver­teidigung der Verurtettten betrieb daraufhin das Wie­deraufnahme-Verfahren mit der Begründung, daß den sieben Negern erst am Tage der Prozeß-Ver­handlung eine Offizialverteidigung gestellt Worten sei. Natürlich war es der Verleidigung nicht möglich, sich unter diesen Umständen auf den Prozeß vorzuberei­ten. Der Oberste Gerichtshof in Washington hat jetzt die goldene Brücke, die ihm mit diesem von der Ver­teidigung präsentterten Revistonsgrund gebaut wurde, beschritten und die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die sieben zum Tode Verurteilten angeordnet.

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Washington, 9. November. Das Oberste Bundes­gericht hat die Todesurteile gegen die sieben Neger aufgehoben. Der Oberste Gerichtshof begrün­dete die Aufhebung der Todesurteile, mit der unan­gemessenen Verteidigung der Verurteilten. Die bis­herigen Urteile grenzten an Justizmord. In Ame­rika stehe auch Negern der verfassungsmäßige Rechts­schutz zu.

Israel in Neuyork" h-itzt ein neues Buch von Pierre <KuAv nnö Movie Twerikv. bas soeben im P°wnir-Berlag Earl Siwmna. Berlin, erschien. Zwei Schrittsteller schrieben dies Buch. Der eine ist iudensreundlich. der andere juden- fcmdlich eingestellt und in ihrem aemeinlamen Werk ersteht ein Roman, den die Juden als antisemitisch, die Judenaea- ner als jüdisch bezeichnen können. Der Titel verspricht mehr, als das Buch hält. Die Bettastei kennen unter den 2k Millionen Neunorker Juden anscheinend nur Schieber und Boheme von dem wirklichen Gvenoleben sagen ste nichts. Auch die iüdiichen Kultusgebräncke find recht oberflächlich oftmals falsch geschildert. Wirklich aut und interessant ist «apitel 6. in dem die gehobene wirtschaftliche Stellung der ouien in der Welt iu begründen versucht wird. Ter Ro­man ist unterhaltend geschrieben und wird seine Leser

Arzi und Umwelt

Hygiene beim Einkauf

Die Sorge der Hausfrau um das leibliche Wohl ihrer Familie beginnt beim Einkauf. Was Mutter von da nach Hause bringt, soll gut und billig, und vor allem auch in gesundheitlicher Beziehung einwandfrei sein. Das ist leichter gesagt, als getan; denn trotz aller hygienischen Kenntnisse, die erfreulicherweise bei den Hausfrauen hpute schon recht gute sind, wird teils von den Hausfrauen, teils von den Verkäufern und Ver­käuferinnen oft recht gedankenlos gegen die Grund­regeln der Gesundheitspflege verstoßen .

Da geht z. B. die sparsame Hausfrau auf den Wochenmarkt, um Butter zu kaufen. Natürlich nimmt man nicht die erste beste, und bereitwillig bie­tet auch gewöhnlich die Verkäuferin, meist auf einem Messer, eine Kostprobe an. Ist es schon an sich häßlich und nicht ungefährlich, vom Messer zu essen, so wird im Drange des Geschäfts dieses Messer gewiß nicht jedesmal vor einer neuen Kostprobe gereinigt, sondern nur oberflächlich, womöglich gar mit der schmutzigen Marktschürze, abgewischt! Da ist natürlich der Heber» tragung von allerlei Krankheitskeimen Tür und Tor geöffnet. Tie denkende Hausfrau muß solche Kostpro­ben zurückweisen und entweder ganz auf, sie verzichten ober verlangen, daß sie etwa auf einem sauberen Holzspeil dargereicht werden, das jedesmal nach der Benutzung vernichtet wird.

Eine Weitere Unsitte ist es, beim Einkauf gerupf­ten Geflügels dieses auf seine Güte mit der bloßen ober mit bei behandschuhten Hand zu prüfen. Auch hier werden unnötig Krankheitsstoffe auf oder in die Nah­rungsmittel gebracht.

Selbst wenn der Einkauf auf dem Markte in streng hygienischer Weise vor sich geht, dann wirb nicht selten alle Hygiene wieder zunichte gemacht durch den In­halt der Markttasche. Hier ruhen oft friedlich bei­einander Obst, Gemüse, Brot und Kartoffeln. Letztere sind mit Erde und Schmutz bedeckt, aber daß diese Un­reinlichkeit auf das meist gar nicht ober nur ungenü» genb verpackte Brot übergeht, auch wenn man es zu Hause sorglich in ben geschlossenen Brotkorb legt, bas, liebe Hausfrau, hast bu gewiß nur selten bedacht!

Auch beim Einkauf im 2 a b e n, bet äußerlich noch so gepflegt sein mag, kann durch sorgloses Verhalten des Verkaufspersonals viel gesundheitlicher Schaden angerichtet werten:

«Klein-Lieschen wird von der Mutter zum Kauf« mann geschickt und soll dort ein Pfund Zucker kaufen. Sorgfältig wird der Zucker auf sauber mit frischem Papier bedeckter Wiegeschale abgewogen und soll dann in die beieitliegenbe, blütenweiße Tüte gefüllt werben.. Da neben fiiesdjen noch viele andere Kunden warten, muß es mit der Verpackung rasch gehen. Schnell nimmt der Verkäufer eine Tüte und bläst mit vollen Backen hinein, damit sie sich zur Ausnahme des abgewogenen Zuckers möglichst rasch entfaltet. So bringt bann Lies­chen der Mutter nicht nur den Zucker, sondern in ,ihm vielleicht auch Tausende von krankmachenden Bazillen mit heim. Denn ob bei Verkäufer nicht gerade an einer Erkältung leidet ober sonst irgendwie krank ist und so durch das Aufblasen der Tüte allerlei Krank­heitskeime hineingeblasen hat, wer will bas wissen! Hier hilft nur eine verständige und taktvolle Beleh­rung des Verkäufers und ein sorgfältiges Aufpassen beim Einkauf, um solche Gefahren zu vermeiden.

In gleicher Weise sollte man achtgeben und ein­schreiten bei allen Verkäufern und Verkäuferinnen.in Lebensmittelgeschäften und Fleischerläden, die beim Wiegen und Verpacken durch Anfassen der Ware mit den Händen gegen die notwendige Sauberkeit und Hygiene verstohen. Dor allem müßte auch dafür Sorge getragen werden, daß nicht der gleiche Verkäufer Ware verkauft und schmutzige Geldstücke oder Scheine in Empfang nimmt. Diese und ähnliche Schäden beim Einkauf lassen sich leicht mit ein wenig Wissen und ein wenig gutem Willen abstellen, was sicher dazu beitra­gen dürfte, uns in erhöhtem Maße zu erhalten unser größtes Gut, unsere Gesundheit. Dr. C. K.

Wie aus Gretchen Zette Mata Hari wurde

In dem Namen Mata Hari, den sich die hollän­dische Provinzlerstochter Margareta Geertrnida Zelle zulegte, um Karriere zu machen, liegt eine eigentüm­liche Zauberkraft. Von dieser Zauberkraft des Na­mens war das Leben der holländischen Kriegs- spionin getragen, von ihr erhält heute der Fllm Mata Hari" mit Greta Garbo in der Titelrolle feine hauptsächliche Anziehungskraft. Unzählbare Schrift­steller haben, angelockt von diesem fremdländischen Namen, dem Schicksal der Abenteurerin Bucher und Zeitungsartikel gewidmet. Abertausende von Zu­schauern in der Neuen und in der Alten Welt stro- men heute in die Lichtspielhäuser, weil auf dem Zet­tel dieser rätselhafte, lockende Name:Mata Hari" prangt.

Es wird gegenwärtig nur wenige Menschen geben, denen der Name Mata Hari nicht geläufig ist. Trotz­dem steht es in den allermeisten Fällen so, daß sie gar nicht wissen, was der Name bedeutet. Der Name ist malahschen Ursprungs und bedeutet: Das Blendende, das Strahlende, das Sonnengestirn. Aber es scheint, daß es der Kenntnis dieser Namensbe­deutung gar nicht bedarf; auch ohne den Sinn zu kennen, werden die Leute, die den Namen ausspre­chen, von einer seltsamen Faszination erfaßt, eben von jener Blendung aller Sinne, welche das oberste aller Gestirne, die Sonne selber, bewirkt.

Es ist eigentümlich, zu beobachten, daß Mata Hari jener Faszination, die von dem Name» aus­geht und heute für den FUm die beste Reklamege­währ abgibt, in ihrem Leben felber erlag. Sie wurde erst zu der Abenteurerin großen Stils, zur un­widerstehlichen Verführerin der Männerwelt, nach­dem sie sich in Mata Hari umbenannt hatte. Als Margareta Geertruida Zelle, die in dem Städtchen Leeutoarden geborene Tochter eines kleinen Mützen­machers, konnte ste niemals die werden, die sie bot» bestimmterweise war. Mit diesem ebenso gutbürger­lichen wie nichtssagenden Namen war sie an Ban­den gelegt, an die Bande eines engen, bescheidenen, züchttgen Lebenslaufes. Es ist ein Name ohne Strahlenkranz, ein Name gestrenger kalvinistischer Lebenshaltung, farblos und kalt. Mit dem Aus­bruch jedoch aus der Enge, aus der Zelle chres klei­nen Heimatlandes und mit ihrer Ueberfteblung nach Paris stellt sich für die züchtige Frau Zelle der an­dere Name ein, Mata Hari, glühend, vulkanisch, ele­mentar, und in diesen Namen in die von ihm be­zeichnete wild lodernde Lebenshaltung stürzt sich nun die Holländerin mit allen ihren entfesselten Leidenschaftskräften.

In Afrika.

Sie nimmt ein Schattenbad um weiß zu werden. (Ric et Rac")