- darüber, baß man ihnen keinen richtigen Saail jur -Verfügung stellte: Das Theater des Nouveautos mit dein ne schließlich vorlieb nehmen mußten, ist nur eine schmiere, und gegen solche Dinge ist der heißblütige Lüden sehr empfindlich. Dann sind die Militanten der r -e Valois gewöhnt, mit ihren gemeinhin >ebr energischen Ehegattinnen zu den Kongressen zu kommen. Nun aber scheint man nichts getan zu haben um sie Platzfrage zu lösen, und es gab Hunderte von Olidachlosen, die sich ganze Nächte hindurch in den
Kasseler Treueste Nachrichten
Dienstag, 8. November 1932
zahllosen Kaffeehäusern herumtrieben. Toulouse besitzt zwar kein Montmartre, aber doch ein Miniatur- Montparnasse, und zwar an der Straßenkreuzung Jaurss-Strasbourg; der Großteil der radikalen „Kämpfer" lenkte natürlich hierhin seine Schritte, was zu allerlei moralischen Beanstandungen, führte. ,,Ther- che; la femme “ heißt es auch in der französischen Politik, und in dieser Hinsicht werden sich die Folgen des diesjährigen radikalen Kongreffes recht unliebsam bemerkbar machen.
Von rechts bis links.
Weitere Preffestimmen zum Wahlausgang
Neuer Notruf der Städte
Sieben Forderungen des Städtetages
Berlin, 8. November.
Der Präsident des deutschen Städtetages Dr. M u l e r r hat an den Reichskanzler neuerdings ein Schreiben gerichtet, in dem er auf den bevorstehenden Zusammenbruch zahlreicher Gemeinden hinweist und die Forderungen der Städte in sieben Punkte zusam- mcnfaßt, in denen es u. a. heißt:
1. Es ist notwendig, die Arbeitslosenhilfe vom Gemeindehaushalt finanziell loszulösen und einheitlich zusammenzufaffen.
2. Es ist dringend erforderlich, aus den Ersparnissen der Arbeitslosenversicherung und Krisenfür- sorgx die ungedeckten Mehrausgaben in der Wohl- sahrtserwerbslosenfürsorge zu finanzieren und die Reichshilfe um den Betrag von rund 200 Millionen RM. sofort zu erhöben.
3. Die Gemeinden muffen in die Kampffront gegen die Arbeitslosigkeit eingegliedert werden.
4. Eine entscheidende Initiative des Reiches ist in der Frage der langfristigen Zinsbelastung dringend geboten mit dem Ziele, gangbare Wege zu einer Ber- «rinderung der Zinsverpflichtungen im gleichen Jn- ttreffe vom Schuldner und Gläubiger sowie der gc. samten Volkswirtschaft zu finden.
5. Die Frage der kommunalen Umschuldung mutz abschließend beschleunigt gelüst werden.
6. Die Gemeinden erwarten, daß die Reichsregie- rung zu der geforderten Besteuerung öffentlicher Betriebe nicht die Hand bietet.
7. Die Gemeinden müssen in eine nähere staatsrechtliche Beziehung zum Reich treten, die ihre Zu- sammenarbeit und ihre Betreuung nach einheitlichen Gesichtspunkten nach sich zieht und damit die Wiederkehr solcher unmöglichen Situationen, wie sie in der .Gegenwart eingetreten sind, ein für alle Mal verhindert.
Das Ende
des Berliner Verkehrstreiks
Berlin, 8. November.
Zwischen dem kommunistische« und dein nationalsozialistischen Flügel der Leitung des Berliner Ber- kehrsstreiks ist, wie eine Mitteilung von kommunistischer Seite erkennen läßt, ein Konflikt ausgebrochen. Die Natioualsozialisten haben mit der Begründung, daß die Revolutionäre Eewerkschaftsopposttiou de« Streik verraten habe, ihre« Anhängern di« Wiederaufnahme der Arbeit empfohlen. Die zentrale Streikleitung der Berliner Verkehrsarbeiter hat daun, wi« von der Redaktion der „Roten Fahne" mitgeteilt wird^de«. Abbruch des Berliner wilde« TB~e rke h r s st r e i k s beschlossen.
Berlin, 8. November. Der Polizeipräsident teilt mit: Obwohl der Verkehr bei der BDE. Montag in erheblicherem Umfange erweitert und bis neun Uhr abends ausgedehnt worden war ist die Anzahl der Sabotageakte nach Eintritt der Dunkelheit weiter zurückgegangen. Polizeilich wird die Lage als unverändert ruhig betrachtet.
Ein Nationalsozialist erstochen!
Chemnitz, 8. November.
Sechs Nationalsozialisten wurden heute früh in Chemnitz auf ihrem Heimwege von etwa 50—60 politischen Gegnern überfallen. Der Natwnalsozialist M i l d n e r wurde durch mehrere Messerstiche so schwer verletzt, daß er im Lause des Tages im Krankenhaus starb. Der Polizei ist es nicht gelungen, die Täter festzunehmen.
Düffeldorf, 8. November. Zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten kam es in Altenvoerde bei Schwelm zu Zusammenstößen, in deren Verlauf mehrere Schüsse abgegeben wurden. Zwei K o m m u n i - st e n und ein S S - M a n n erhielten lebensgefährliche Verletzungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Vier Kommunisten wurden von der Polizei festgenommen.
Der neue d «tsche Botschafter in Rom eingetroff-n
Rom, 8. November.
Der neue deutsche Botschafter beim Quirinal und Frau von Has seil sind Montag abend hier eingetroffen. Zum Empfang im Hauptbahnhof waren erschienen der Chef des Protokolls Gesandter Taliani, die Mitglieder der deutschen Botschaft beim Quirinal mit ihren Damen, sowie eine größere Anzahl Mitglieder der deutschen Kolonie und der deutschen Presse.
Als erstes Blatt widmet „Lavoro Fascista" dem neuen deutschen Botschafter einen sehr herzlich gehaltenen Begrüßungsartikel.
Wir haben bereits gestern einige Preffestimmen zum Wahlausgang verzeichnet. Zur Ergänzung teilen wir heute noch einige Aeußerungen Berliner Montagsabendblätter mit: Während der „Angriff" in dem Wahlergebnis den „Protest einer ganzen Nation gegen ein dilettantisches System sicht", antwortet ihm Hus- song im „L o k a l a n z e i g e t", es habe sich endlich und abschließend erwiesen, daß Hitlers Anspruch auf Ausschließlichkeit eine Ausgeburt aussichtsloser Selbstüberschätzung gewesen und heute aussichtsloser sei als je. Es sei letzt an Goebbels, sich zu entscheiden, ob er lieber weiter mit Thälmann putschen, als mit Hugenberg arbeiten wolle.
Der evangelische „Reichsbote" fordert den neuerlichen Versuch, die Nationalsozialisten in die Verantwortung hineinzustellen, um endlich die latente Bürgerkriegskrise zu liquidieren. Das möge man sich wohl auch in den Amtsräumen der seit kurzem so parlamentarisch gewordenen nationalsozialistischen Führer überlegen, denn sonst könnte sich der Zorn des hungernden Volkes gegen sie wenden, da sie hätten helfen können uwd doch nicht geholfen haben.
Die „Germania" bezeichnet 100 kommunistische Mandate als Schwächung der staatsbejahenden Sozialdemokratie, Radikalisierung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft als das Ergebnis, das zugleich ein vernichtender Stoß gegen die bisherigen Methoden des Regierens sei. Das sei eine Warnung, die nicht ohne entscheidende Konsequenzen bleiben und der sich auch die höchste Auwrität des Reiches nicht werde entziehen können. Ob dieser Reichstag arbeitsfähig oder arbeitsunfähig sei, sei nicht eine Frage der Arithmetik, sondern des politischen Willens.
Der „Vorwärts" wendet sich stark gegen die Absicht der Reichsregierung, den Weg gegen das Volk und seine Rechte weiterzugehen. Wer die Front ge
gen die konterrevolutionären Pläne sei heute stärker als nach dem Juli 1931.
Das Organ der Christlichen Gewerkschaften „Der Deutsche" hält es für möglich, daß eine anoers geführte und zusammengesetzte Regierung mit einem anderen Programm eine ausreichende Gefolgschaft im Reichstag im Sinne einer Not- und Arbeitsgemeinschaft haben könnte. Darum muffe der Reichstag sobald wie eben möglich zusammentreten.
Die „Kreuz-Zeitung" bezeichnet die Wahlen als einen Zwischenakt und meint, daß eine überparteiliche Staatsführung, namentlich wenn sie zu entscheidenden Taten übergehe, binnen verhältnismäßig kurzer Zeit in der Lage sein weide, den psychologischen Erfolg ihrer Arbeit auch zahlenmäßig in weit höherem Maße feststellen zu können.
Die „National liberale Korrespondenz" fordert, daß die Regierung kraft eigener Verantwortung die Gestaltung der politischen Dinge bestimme. Wenn Hitler bereits durch eine Proklamation verkündet habe, daß er weiter auf der Bahn des Kampfes stehen wolle, statt dem Gebot der Mitarbeit zu genügen, so bleibe die unerfreuliche Lehre, daß der Nationalismus auch aus der schweren Schlappe, die er am 6. November davongetragen habe, nichts lernen wolle.
Verfaffungsreform als Prüfstein?
Einige Blätter beschäftigen sich ferner mit bat offiziösen Erklärungen der Reichsregierung zum Ausgang der Wahlen, in denen der Wille zum unveränderten Festhalten an dem bisherigen Regierungskurs zum Ausdruck kommt.
Die „Germania" steht in der Aeußerung, daß ste ihre Arme für jeden offen halte, der zur Mitarbeit bereit sei, bereits politische Erkenntnisse eingeschloffen, die noch nicht mit jener befreienden Deutlichkeit benannt würden, die sie eigentlich verdienten. Vor allem die Erkenntnis, daß eine sog. autoritäre Staatsfüh- rung ohne jeglichen Rückhalt im Volk in einem uferlosen Meer von Experimente» enden und scheitern muß, und daß deshalb alles geschehen müsse, um ihr wieder einen festen Boden unter den Füßen zu verschaffen.
Die „Vossische Zeitung" bezeichnet die Verlautbarung als ein Verhandlungsangebot. Die Reichsregierung wolle ofsenbar die Frage der Verfassung srefoim zum Prüfstein für den guten Willen der Parteien machen.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die wiederum ihre Forderung nach einer Regierung der nationalen Konzentration in den Vordergrund stellt, berichtet, daß der Reichsprästdent sich zwar im ganzen von dem Wahlergebnis befriedigt ausgesprochen habe, doch dürfte auch von dieser höchsten maßgebenden Stelle aus nachdrückliche Bemühungen zu einer Zusammenfassung aller positiven Kräfte htngewirkt werden. Das Blatt meint, daß nicht so sehr der Kanzler als vielmehr der Reichspräsident jetzt die Entscheldung in dieser Frage zu treffen habe.
Tee-Empfang
beim Sowjetbotschafter
Berlin, 8. November.
Zur Feier des 15-Fahresta-ges der Begründung der Sowjetunion hatten der Sowietbotfchaster und Frau Lhintfchuk Montag nachmittag zu einem Tee- Empfang geladen, zu dem u, a. Reichskanzler von Papen, Reichsautzetyntntfter Freiherr von Neurath und Gattin, Reichsmirtschaftsminister Professor Warmbold, Staatssekretär Meißner, Staatssekretär von Bülow, der Ches der Heeresleitung General von Ham meist ein sowie eine Reihe anderer höherer Beamten erschienen mären. Das diplomatische Korps war gleichfalls überaus zahlreich vertreten.
Das Ergebnis der Refchstagswahl
.82
K 80 52
IZENTf?
23
88
26
NSDAP
IDNVP
G.Növ. 1Q:
1030
3DVP
Id.landv
7? ; 89 lOQEälSPD
•32!
Unser Schaubild gibt einen lleberblick über die großen Veränderungen, die sich in den Mandatszahlen der drei seit 1930 gewählten Reichstage einstellten.
psychologisches
Von Christian Morgen st er n.
Unter den Büchern dieses Herbstes befindet sich eine besondere Ueberraschunz: Morgensterns sämtliche Galgenlieder erscheinen — als billige Volksausgabe — in einem Bande (bei Bruno Casstrer in Berlin). Die Sammlung, die alle Gedichte der Bände Ealgenlieder, Palmström, Palma Kunkel und Ging ganz enthält, ist noch um eine große Anzahl bisher unveröffentlichter Ealgenlieder vermehrt worden, die ebenso wie die schon bekannten Verse formvollendete Spielereien eines Dichters und Philosophen mit Worten, Gedankenverbindungen, Träumen und auf den Kopf gestellten Weisheiten sind. Den Gegensatz der Ealgenlieder zu der Verskunst der Impressionisten hat Peter Hamecher einmal treffend formuliert: „Der groteske Humor Morgensterns mit seinen neuen Wortfindungen ist die Kunst eines Geistigen, der an der Unangreifbarkeit der Dinge, am Schein zweifelt. Die Ealgenlieder sind vollkommen Entmatertalisierung, Befreiung von der Welt der Erscheinungen."
Wenn dich jemand „vollkommen versteht", sei gewiß, daß dich niemand vollkommener mißversteht.
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Es ist gut, daß wir Spiegel haben. Daß wir für gewöhnlich unsere eigene Miene nicht sehen, ist eines der unheimlichsten Dinge, die es gibt.
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Wir spielen unsere Gedanken gegeneinander aus, in Wirklichkeit unsere Temperamente.
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Eine schwache Persönlichkeit wird manchmal eine stärkere Persönlichkeit werden können als eine starke Persönlichkeit.
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Wir sind alle hart und äußerlich zu einander, auch wenn wir noch so sehr aufeinander einzugehen trachten; aber wenn wir getrennt in unfern Zimmer liegen und nachts der Regen herniederfließt, dann suchen wir uns im Geiste mit zärtlicher, bereuender Teilnahme, dann drängen wir uns aneinander wie unwissende und zusammenschauernde Preisgegebene auf dunklem Meer, dann liebkosen und trösten sich unsere Seelen, die der erkältende Tag wieder ver- fwcken und verhärten wird, dann lieben wir wirklich
einander mit einer tiefen, schwermütigen, unbezwinglichen Liebe.
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Die Forderung möglichster Klarheit in allen Dingen, die wir andern gegenüber so gern geltend machen entspricht vornehmlich dem Unbehagen, das uns alles nicht völlig Verstandene als etwas von uns nicht völlig Beherrschtes einflößt. Es ist der ewige Kummer der Durchschnittsintelligenz, daß es auch außerhalb ihres Begriffsvermögens noch Geistigkeit gibt.
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Glaubt ihr, ein Asket wolle weniger herrschen als ein Weltmann?
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Der Geist legt den Charakter des Menschen auseinander in seine Teile, aber diese Teile gibt es in Wirklichkeit nicht.
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Den seelischen Wert einer Frau erkennst du daran, tote ste zu altern versteht und wie ste sich im Alter darstellt.
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Mir sind diese Leute, die über alles so klug zu reden wissen, verdächtig. Des Geistes zeuget.de Kraft Ist nicht In ihnen. Wem die Natur etwas Eigenes
zu sagen mitgab, den kümmert es wenig, in jenem Sinne klug zu reden. Ihn erfüllt ganz der Geist seiner Ausgabe (nicht der Ausgabe anderer).
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Es ist schmerzlich, einem Menschen seine Grenze anzusehen.
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Wie die Gefahr des Tauchers der Tintenfisch, so des Grüblers die Melancholie.
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Ich liebe die Ruffen und Skandinavier so sehr, denn dort findet man heute noch am ersten Frauen, die nicht nur Sinn für sich, sondern auch Sinn für den Mann haben, die ihn wirklich wie Kameraden unterstützen, und nicht nur als gesetzliche Konkubinen zum obersten Haussklaven machen wollen.
Heftige Bewegungen machen alle Tiere scheu. So sollte sich auch der vollkommene Weise im Geistigen jäher Bewegungen enthalten. Jrn Grunde ist es das Gleiche, wie du an ein Pferd herangehst und sein Zutrauen gewinnst, und wie du an einen Menschen dich wendest und ihn eroberst.
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Viele der Feinsten gehen in sich gekehrt durchs Leben, weil sie es nicht ertrügen, von andern überlegen betrachtet zu werden. Sie fürchten die Verwundung ihres Stolzes, den Verlust ihres Machtgefühls, sie ziehen es vor, in ihren vier Wänden die Ersten zu fein, statt auf dem Markte die Zweiten. Aber manch einen macht solch heimliches Schatzhüter- tum auch bitter und hochfabrend. Immer lauter muß er bei sich Stolz nennen, was im Grunde vor allem Furcht ist, um schließlich, statt der Verschwender, der giftige Drache seines Horts zu werden, der alle Welt ob ihrer Armut verachtet.
„3m goldenen Anker" — zweiter Teil
Marcel Pagnols .Fanny" in der Volksbühne — Berlin.
Berlin, 8. November.
Man stimmt dieser Fortsetzung der auch in Kassel erfolgreichen Komödie „3m Goldnen Anker" zu und
kann sich doch eines peinlichen Gefühls nicht erwehren.
Es geht hier um Fanny, des ehrlichen Matrose« Marius, der seinem Vater Cesar -durchgebrannt ist, ehrliche Braut und um das Kind, das sie von dem Vater, der nichts davon weiß und darum sorglos in der Ferne herumabenteuert, unter der Schürze trägt Fanny findet sich in ihre peinliche Lage und zwingt sie. Uneheliche Mutter will ste nicht werden. Herr Panisse, der grauhaarige, wohlhabende Segelmacher, kommt ihr grab recht. Anständig, wie ste ist, sagt ste, was los ist. Und Panisse freut sich darüber: endlich ein Sohn für die Firma. Er heiratet Fanny. Fanny wird eine tüchtige Haus- und Geschäftsfrau, eine gute Mutter des Marius-Sohnes, den Vater Panisse liebevoll von sechs auf achtzehn Pfund bringt
Da erscheint Marius plötzlich wieder. Er hört jetzt erst von feiner Vaterschaft. Er erhebt nun Ansprüche, erklärt Rechte, aber — zu spät Fanny, obzwar sie ihn noch liebt, bleibt bei Panisse, weil der es ehrlich und gut mit ihr meint, ihr Sohn bleibt der Sohn von Panisse, weil es schwerer ist, ein Kind von sechs auf achtzehn Pfund zu bringen, als ohne Wissen und Willen fein Erzeuger zu fein. Marius fährt wieder in die Welt, mit Zustimmung feines Vaters, der ein leidenschaftlicher Großvater ist . . .
Die Peinlichkeit liegt darin, daß Pagnols Rechnung nicht ganz stimmt. Ma« glaubt seiner Komödie nicht, wenn er will, daß Fanny Marius zugleich sehr liebt und völlig aufgibt. Man glaubt dieser Fanny solche Tat um so weniger, als sie in einer verblüffenden Weife über ihre inneren und äußeren Vorgänge zu reden versteht. Pagnol ist zu wenig Dichter, zu sehr Literat: der Dichter in ihm weiß wohl um das Volk; das Volk — und mag es auch das von Marseille sein — aber schweigt, wissend und naiv, in solchen Fällen. Fanny aber redet: Pagnol verparisert sie, er macht sie zu bewußt, als daß sie noch unser Vertrauen erweckte. Er veredelt sie freilich dabei, bis an die Grenze des Kitsches. H. M. E.
Musikalischer Idealismus eines Arbeitslose«. Eine Uebeitragung des Bayrischen Rundfunks lenkte kürzlich das Interesse der Musikwelt auf die Tätigkeit eines Mannes, der aus reinem musikalischen Idealismus in Süddeutschland von Haus zu Haus und von Hof zu Hof wandert, um Volkslieder zu sammeln und Volksgebräuche zu studieren. Es handelt RS um einen arbeitslosen Sägearbeiter, der auf diese Weise zum lebenden Vermittler alten deutschen Volksgutes wird, indem er das Erlernte.^ auf seinen Fahrten wieder an andere Dolkskreise wettergibt und so zur Ver, breitung der musikalischen Schätze fein Bestes tut.