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Kasseler Abendzeitung

22. Jahrgang

Montag, den 2. November 1932

-lummer 262*

Das vorläufige Gesamtergebnis

.. xmctr-yreTZRStae be[ägetf Teraer^Sie^eutTctie Bauernpartei ^" tmä Sie Dolksreckttpartel 1 Bei der Wakl am 31. 3uli wurden «162084 (-- 84 Prozent) Stimmen abgegeben.

Die kleineren Parteien erzielten folgende Stimmenzahlen: Deutscher Bauernbund 148 982 (3 Mandate), Württembergischer Bauernbund 105 188 (2 Mandate), Volksrechtpartei 46 068, Großdeutsche Mittelstands- Partei für Mittelstaudsdiktatur 279, Sozialrepublikanische Partei 8498, Sozialistische Arbeiterpartei 45 036, Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern 3367, Deutsch Hannoderaner 63 999 (1 Mandat), Nationale Minderheiten 34 510, Freiwirtschastl. Partei 11021 Thüringischer Landbund 60 065 (1 Mandat).

Bon den insgesamt 35379 011 abgegebenen Stimmen find 34 920 000 auf die 582 Mandate verteilt worden, sodaß 459 011 Stimme«, ausreichend für TMandate nutzlos zersplittert find.

Der Prozentanteil der größeren Parteien an bett gesamten abgegebenen Stimmen be­trägt: Rat. 33,1 (am 31. Juli 37,4), Soz. 20,5 (am 31. Juli 21,6), gom. 16,8 (am 31. Juli 14,5), Z. HF (am 31. Juli 12,5), BayVp. 3,1 (am 3L Juli 3,2), Du. 8F (am 31. Juli 53).

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Zwang zur Verständigung

W. P. Zum fünften Mal ist das deutsche Boll innerhalb eines Jahres am Sonntag an die Michl- urnen getreten. Dieser häufige Appell an die Wäh­lerschaft hat diesmal die Wahlbeteiligung geschwächt; trotz der Zunahme der Stimmbe­rechtigten ist die Zahl der abgegebenen Stimmen um rund W* Millionen gesunken. Diese Tatsache be­brütet im Grunde keine Ueberraschung, wenn fie auch-durch das programmäßige Eintreten nicht et- sreulich wird. Obwohl bei der verzwickten Lage m den Wahlkreisverbänden eine hundertprozentig ge­naue Berechnung der Mandatszahlen noch nicht möglich, läßt sich doch schon jetzt sagen, daß der ne*e Reichstag etwa 26 Mitglieder weniger als sem kurzlebiger Vorgänger haben wird.

Gruppiert man die Parteien auf Grund be$ Wahlergebnisses nach Siegern und Besiegten, so wird die erstgenannte Gruppe von den Kommu­nisten und den Deutschnationalen sowie bet bett kleineren Parteien von der Deutschen Volkspartei gebildet. Die Kommunisten können einen Gewinn von 11 Mandaten verbuchen, der einer etwa 2,6 V«* »entigen Steigerung der Stiinmenzahl entsprichst. Ungefähr gleich gE^'/st das Plus, das Me DeutschMationa l^D erkämpft haben. Sie ent- sknden in das neue ^Wt§ef.

MLrW MSÄ.ii>riKst e in ^.va-lstyeulüch Sx***TtS^ ordnete. Die Den»che,e Volfspartei schließ­lich, die in Listenverbindung mit den Deutschnati»- nalen stand, hat vier neue Mandate ihrem alte« Besitzstände hinzufügen können. Verlierend'« sind in erster Linie die Nationalsozia l,i st e«. Sie büßen 35 Mandate (gleich etwa 4,3 Prozent der Stimmenzahl) ein.

Geringer sind die Verluste der Sozialdemo­kraten; immerhin chird auch ihre neue Reichstags­fraktion um zwölf Mann schwächer als bisher sei«. Ter bisherigen Gewohnheit zum Trotz sind diesmal auch vom Zentrumsturm einige Stückchen abgebröckelt; der Anteil in der Gesamtstimmenzahl ist um 0,2 Proz. zurückgegangen. Auch die Bayerische Volkspartei hat das gleiche Los wie die größereSchwesterpartei"' er­litten. Bei den kleineren Gruppen fallen die Verän­derungen weniger ins Gewicht; der Christl.-soz. Volks- dienst und das Landvolk haben etwas Terrain gewon­nen, während die Staatspartei zwei Mandate verlöre« und die Wirtschaftspartei ihre zwei Sitze durch die Li­stenverbindung mit. der Bayerischen Volkspartei ge­halten hat.

Die Kommunisten haben im wesentlichen ihr Stim­menplus aus dem sozialdemokratischen Lager bezogen. Hier auf der Linken ist also eine zunehmende Radikali­sierung festzustellen. Andererseits darf als ausgemacht gelten, daß die von manchen Kreisen befürchtete Ab­wanderung nationalsozialistischer Wähler in die rote Front kaum Wirklichkeit geworden ist. Vielmehr dürf­ten sich die Wählerscharen, die sich von der Hitlerpartei getrennt haben, ganz überwiegend aus bürgerlichen Schichten rekrutieren. Die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei haben in der Hauptsache diese Abgewanderten aufgesangen. Es ist anzunehmen, daß sich diese Umgruppierung zu Gunsten der Deutschnatio- nalen auf dem Lande noch stärker ausgewirkt hätte, wenn die Regierung in der Kontingentierungsfrage nicht noch in letzter Stunde geschwankt hätte. So wird ein Teil der früheren nationalsozialistischen Wähler der Wahl überhaupt ferngeblieben sein. Die Ursachen des nationalsozialistischen Stimmenrückganges zu er­forschen, ist natürlich stets ein subjektiv bedingtes Unternehmen. Immerhin ist anzunehmen, daß die Abstinenzpolitik Hitlers und die Aussichtslosigkeit, die Alleinmacht zu erringen, die Stimmung stark be­einflußt haben.

Die, wenn auch geringen, so doch immerhin be- merkenswerten Verluste des Zentrums führt man, wie unser- Berliner Schriftleitung meldet, in den politi­schen Kreisen der Reichshauptstadt darauf zurück, daß gerade die streng katholische Wählerschaft mit der Haltung, die das Zentrum in der letzten Zeit gegen­über dem Nationalsozialismus eingenommen hat, un­zufrieden gewesen sei. »

Das politische Ziel, das die Regierung bei dieser Wahl verfolgte, war in der Spren­gung der braun-schwarzen Mehrheit, di: Im alten Reichstag theoretisch vorhanden war, zu erblicken. Dieses Ziel ist offenbar er r e j ch t worden. Bei 582 Mandaten beträgt die absolute Mehrheit 292 Stimmen. Nationalsozialisten und Zentrum würden aber selbst mit Einschluß der Bayerischen Volkspar- tei nur 283 Stimmen aufbringen können, und auch die Christlich-sozialen sowie die anderen kleineren Gruppen würden diese Lücke nichi ausfüllen, ganz abgesehen davon, daß sie diese Rolle des Lückenbüßers

Kasseler Sageblatt . Hessische Abendzeitung

iri LLU?Ä"-WW'i-slS

Keine arbeitsfähige Mehrheit!

Braun-schwarz- Minderheit, NSDAP, verliert 35, SPD. 12 Mandate / Gewinner DRVP.,DVP. und KPD

des »eruaSoretleS. Für da» (Srftbetnen von »metgen in bt- an btionbewn Platzen und für televbonitch erteilte Suitrac' &n?(a#mäbt 3utiftt(tbe SvreLstunden: DtenStaas uniLreUaas 17-19 Itt «etias Sckrtitlettunä u Druckerei: SSlu. Strafet 18. rel.-sammelnumm-r C

So wählte Heffen-Raffa«

6. November (31. Juli)

Kat 596285 (644269), Soz. 291 839 (330 787), Som. 194 216 (154 802), Z. 202 753 (222 435), Dn. 72 264 ©9160), DBP- 42 385 (23 466). Sta. 12 807 (10 286), Chr -Soz. 21522 (18399), Wi. 2623 (4870), Ldv. 4109 (4211). Insgesamt wurde« 1447 325 Stimmen (im Juki 1479 791) abgegeben.

Snlti Ab« St. 1491 98«. Nat. 645 394, So». 380 863. Som 155 033. 3. 222 580. Dn. 59171. D.Bp. 28 573. Sta. 10 287. Cbr.-So». 18 489 Wi. 4 818. Ldv. 4105.

Die Abgeordneten des 19. Wahlkreises

Sommunisten und Deutsche Volkspartei gewinnen je ein Mandat.

Auf Grund der im Wahlkreis 19 abgegebenen Stimmen und in Verbindung mit den Olsten de Wahlkreises 33 (Hessen-Darmstadt) müßen folgende Abg irdnete als gewählt gelten:

3 Kommunisten:

Schriftsteller Willi Münzenberg-Berlin, Me­tallarbeiter Karl B a r t h e l-Kasiel, Verkäuferin Fran­ziska Kessel-Frankfurt a. M.

3 Zentrum:

Reichskanzler a. D. Dr. B r ü n i n g-Berlin, Uni­versitätsprofessor Dr. Dessauer-Frankfurt a. M., Dr. Münzebrock-Berlin. Anstelle von Dr. Brü­ning wahrscheinlich Mittelschullehrer I. Schwarz- Frankfurt a. M.

1 Deutschnationaler:

Geheimrat Dr. Hilgenberg oder Staatsminister a. D. Dr. H e r g t-Berlin.

1 Deutsche Volkspartei:

Kaufmann Dr. Richard Merton, Frankfurt a. M.

Die Rationassozialisten, die Sozialdemokraten und die Deutsche Volkspartei verdanken je ein Mandat der Listenverbindung mit dem Wahlkreis 33, in dem die Kommunisten und das Zentrum durch die Rest­stimmen aus dem Wahlkreis 19 je ein Mandat er­langen.

Gegenüber dem Ergebnis vom 31. Juli sind die Mandatszahlen bei den Nationalsozialisten, Sozial­demokraten, Zentrum und Deutschnationalen unver­ändert, die Kommunisten und die Deutsche Volks­partei gewinnen je ein Mandat.

Erste Liste der Gewählten

____ AA > Einzelpreis 10 pfenms

Kasseler Neueste Nachrichten

10 Nationalsozialisten:

Oberpostinspektor Jako' SPrenger-Franksurl a. M Schlosser Fritz Weitzel-Frankfurt a. M., Landwirt Walter S e i d l e r-Landershauien, Ober- s-2.fta.vi önri Lin b* r-Franksurt a. M.erfti O b e r l i n o ob e r-Öbermenzlng, Buroangenellter Fritz Lengemann-Kaflel, Diplomvolkswirt Adolf- Heinz B e ck e r l e-Frankfurt a. M., Schlosser Frttz Schmid t-Kaflel, Landwirt Johannes P u t H-Wa­chenbuchen. ,

5 Sozialdemokraten:

Oberbürgermeistera.D. Philipp Scheidemann- Berlin, Geschäftsführer Franz M e tz-Frankfurt a. M., Gewerkschaftssekretär Heinrich Becke r-Herborn, Ver­treter Michael S ch n a b r i ch-Hersfeld, Landesrat O. Witt e-Wiesbaden.

Berlin, 7. November (Eig. Meldung).

Nach den bisher vorliegenden Abstimmungsergeb­nissen sind u. a. folgende Abgeordnete gewählt bezw. wiederqcwählt: _

Von der NSDAP.: Goebbels, Göhring, Graf Reventlow, Fabricius, Ley, Heines, Stöhr, Frick, Straffer, General von Epp, Loeper, Frank II, von Sybel, Rosenberg, Dreher, von Gagow.

Von der SPD.: Braun, Crispien, Aufhauser, Künstler, Wiffell, Breitscheid, Loebe Hertz Scheide­mann, Severing, Becker, Sollmann, Uhlig, die weib­lichen Abgeordneten Bohm-Schuch, Auchacz, Psulf.

Von den K o m m u n i st e n: Thalmann Remmele Pieck, Torgler, Mbrich. Münzenberg Florm, Bar­chel, die weiblichen Abg. Zetkin und Ahlers

Vom Zentrum: Brüning, Kaas, ^oos, Perli- tius, Jmbusch, Stegerwald, Schreiber, Herme». Esttt, Bell. Ulitzka, die weiblichen Abg. Teusch, Peerenboom.

Von den Deutschnationalen: Hilgenberg, Freitagh-Loringhoven, Oberfohren, Laverenz, von Trotha. , . .A.

Von der Bayerischen Volkspartei: Leicht. Emminger. Horlacher, Graf Quadt, Herbert Gok.

In Württemberg dürste mit badischer HMe der Staaisparteiler Dr. Maier, wüHtemberMich-r Wirtschaftsminister, und vom Bauern- und Wem- gärtnerbund Haag und Freiherr Schenk von Staus- fenberg gewählt sein. t _

Bei der Volkspari.t ist anzunehmen, daß ste im Wege chrer Reichslistenverbindung chrr Stimmen voll ausnutzen wird.

Das Wahlergebnis

i« Vergleich mit bat Ergebnissen bet Reichstagswahle« vom September 1930 und Juli 1932.

Parteien

Stimmenzahl

Mandate

6. November _

31. Juli

«. orov.

Nationalsozialisten . . , .

11705 256

13745780

195

230

Sozialdemokraten. ....

7231404

7959712

121

133

Kommunisten.......

5070833

5282626

100

89

Zentrum..........

4228322

4458051

70

75

Deutsämationale.....

3061626

2177414

51

40

Bayerijcke Volkspartei .

1081595

1323969

18

22

Deutsche Volkspartei . .

659703

436014

11

7

Staatspar ei........

337871

371799

2

4

Lkrlstl.-Soz. Dolksdienst

412523

364542

5

3

Wirljckaftspartei.....

110117

146875

2

2

Deuts<kes Landvolk . . .

46486

90554

...... ..__ /

572016

7951245|

781*407

1933268

Stimmenzahl

Nov.

*587 708

J i

5278 09*

6*01210

-13732779

5187*85

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