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Handel«Wirtschaft Börse

Kasseler Neueste Nachrichten__________________ Hessische Handelszeitung Donnerstag, den 20. Oktober 1932

Das Konjunkturinstitut urteilt:

Die Kreditsicherheit

Liquidität nicht erhöht, aber auch nicht weiter versdilechtert

Di« Zahl 5er Konkurse uni BersleiSsver. fahren ist m Len Monate» August unö «September weiter gesunken. Im September würben je Arbeitstag nur noch 18 Konkurse und 19 Vergleichsverfahren eröffnet (gegen 32 Konkurse unö 29 Vergleichsverfahren im September 1931). Der Höhepunkt her Insolvenzenwelle war im Oktober und November vergangenen Jahres erreicht worben. Seitbem gehen Lie Zahlungseinstellungen in einem Tempo zurück, wie es nur im Frühjahr 1926 (nach ber bamaligen Krise) zu beobachten war. Die Zahl bet Insolvenzen ist gegen­wärtig wieber annähernb so gering wie im Jahr 1928, bent lebten Jahr ber Hochkonjunktur. Die akute Krise mit ihre« scharfen Liauibationszwang scheint bannt nach bem neue­sten Wochenbericht Les Konjunkturinstituts allmählich überwunben zu sein. Die Wirtschaft tritt nunmehr in ein Stabium ein, in bent sich allmählich

Genesungskräfte fSr einen künftigen Aufschwung bilden. Dieses Stadium ist ähnlich zu betrachten, wie bie Rekonvaleszenz eines Patienten: Der kritische Höhepunkt der Krankheit ist zwar überwunben: ber Organismus ist aber noch so geschwächt, bah Rückschläge ober gar neue Komplikationen drohe», wen» nicht mit grötzter Sorgfalt vorgegange» wirb. Das gilt auch für die Kredit- sicherheit. Bereits vor mehreren Wochen war darauf hingewiesen worben, bah ber rasche Rückgang ber Jnsolven- jen zum Teil nicht die Folge einer echten Liauiditätsbesse- rung bet den Schuldnern, sondern eine Folge der mehr oder weniger freiwilligen Nachstcht ber Gläubiger, ber zahl­reichen Stützungsmahnahme» bes Staates usw. ist. Zwei­fellos stnb in ben letzte» zwölf Monaten viele Unterneh­mungen vor ber Zahlungseinstellung bewahrt worben, die ohne Interventionen zusammengebrochen wäre«. Hier wer­den »och Verbindlichkeiten mitgeschleppt. die di« endgültige Gensung ber Wirtschaft hemme». Anderseits ist durch bie Unterstützung schwach geworbener Unternehmungen ber Liauibationsdruck, der in ber Krise auf ber Wirt- fchaft lastete, beträchtlich gemilbert worben. ES wäre aber verfehlt, bett ganzen Rückgang der Zahlungs­einstellungen auf die künstliche» Eingriffe Mrückzusühren.

Seit einigen Monaten scheinen auch echte Geuesnugszeichen vorznliegeu.

erscheinung' war. Seit einigen Monaten scheint aber auch eineechte" Besserung ber Kreditsicherheit vorzuliegen. Das ist in erster Linie eine

Folge der stabileren Rohstoff«ärkte und bet Beruhigung au den Effekteutuärkteu.

Wie sich diese Tendenzen sortjetzen werde», läht stch Mr Zeit »och nicht eindeutig erkennen: Rückschläge stnb gerade zu Beginn einer Konsolidierung niemals ausgeschlosten, zu­mal wenn, wie gegenwärtig, nicht nur wirtschaftliche, so», der» auch politische Aufgabe» ber Lösung harren. An- bererfeits darf nicht vergessen werden, bah zum ersten Male fftt langer Zeit bie Konstellation ber Märkte Geldmarkt, Warenmarkt, Effektenmarkt so gestaltet ist, batz die Li- auidität ber Unternehmungen nicht mehr von allen Seiten gleichzeitig bedroht wird.

I. G.~Farben-Absatz belebt

Aus dem Bierteljahresdericht der Z. E. Farben- iudustrie A.-E.

I» dem Bericht der I. G. Farbenindustrie A.-G. über das dritte Bierteliahr 1938 wird ausgeführt: Trotz ber Fortdauer und teilweisen Verschärfung ber Hemmungen des internationalen Güteraustausches hat die rückläu­fige Tendenz im Export aus verschiedenen Ar­beitsgebieten unserer Gesellschaft gegen Ende des dritten Vierteliahres ausgehört. Es stnd sogar gewiste An­sätze zur Belebung sestzustellen. Zweifellos würde eine in= Anationale Rückkehr zu vernünftige» handelspolitischen Mahnahmen ine Ueberwindung ber Wirtschaftskrise we­sentlich beschleunigen. Die Ankündigung der deutschen Kontingente hat sich in unseren nordischen Märkte» zu der­artigen Absatzverlusten ausgewirkt, dah damit in diesen Landern die Vorteile der natürlichen Belebung für uns mehr als ausgeglichen wurden. Im I n l a n d ist ein« leichte Belebung fe st zu st eilen. Die Prüfung der Frage, inwieweit aus Grund ber Notverordnung in den einzelnen Werken unserer Gesellschaft Neueinstellun- gen in stöfscrem Umfange möglich sind, ist noch nicht ab- geschlosten. Es wurden Lkahnahmen getroffen, um die Mittel aus den Steuergutfcheinen zur Schaffung zusätzli­cher Arbeitsgelegenheiten zu verwenden.

I« einzelnen ist zu sagen: Die Schrumpfung des Ab­satzes in Farben und Färbereihilfsprodukten hielt in den Sommermonaten an. Im September machte

Bor allem ist es die Preisbewegung, die nunmehr beginnt, der Bilanzzerrüttung entgegenzuwirken. Bon 1928 bis Anfang 19@2 gingen die Rohstoffpreise mit geringen Unterbrechungen zurück. Das bedeutet, batz in dieser Zeit die Preise am Ende jeder Produktionsveriode niedriger waren als ant Anfang: die Kalkulation, bie die Unterneh­mer beim Wareneinkauf aufstellten, roa rbereitS durch den Preissturz überholt, wenn bie Ware zum Verkauf gelangte. Die Erlöse waren nach Abzug ber Verarbeitungs­und Bertriebskosten usw. geringer als die Ein­standspreise. Das hat stch geändert, seitbem ber Preis­sturz an ben Rohstoffmärkte» zum Stillstand gekommen ist. Berefts seit ber Jahreswende 1931/32 hat stch die Berlust- svanne zwischen Einstands, und Verkaufspreisen allmäh­lich verringert, und in der letzten Zeit hat in vielen Branche» die Entwertung der Lager durch ben Preissturz an ben Rohstoffmärkten aufgehört. Der Rückgang der Fertigwarenpreise häft zwar int ganzen noch an; aber in manchen Teilen ber Wirtschaft hat stch der Druck, ber von dem Preisrückgang ausging, doch etwas gemil- b e r t. Damit hat stch zwar die Zahlungsfähigkeit ber Unternehmungen noch nicht erhöht; die Liauidität hat stch ober wenigstens nicht mehr weiter verschlechtert.

Im ganzen betrachtet, dürfte stch die Kreditficherheft so­mit etwas weniger stark gebessert haben, als aus dem Absturz der Kurven von Konkursen und Ver­gleichsverfahren seit dem Spätherbst 1931 herausgelesen werben könnte. Bis »um Frühsommer schien es zweifelhaft, ob ber Rückgang der bekannt geworbene» Zahlungsein- stelluttge» nicht zum grotze» Teil eineOberflächen­

In Kürze:

Die Bereinigung von Oberbeamten int Bankgewerbe nahm in ihrer Hauptversammlung in Hildes­heim eine Entschliessung an. tn der sie unbegründete und verallgemeinernde Borwürfe gegen die Banken und ihre Führung zurückweist. Zielsetzung der Gegenwart müste es fein, durch Zusammeuarbeit aller Wirtschaftssaktoreu die Krists zu überwinden. Die Oberbeamten i« Bankgewerbe fetzten an diese Ausgabe ihre ganze Kraft.

Eine SSvrozentige Aufwertung der Schntzgebietsauleihe wirb voraussichtlich in dem am 20. Oktober stattfindenden Termin in dem Answertungs- vrozetz der Schutzgebietsauleihe gefordert werden. Der Au» trog aus eine Lävrozentige Auswertung ist darauf zurückzu- sühreu, batz das Reichsgericht nur eine Aufwertung »ach deutschem Recht anerkannt hat; dabei beträgt der Höchstsatz

Sn ber Ausstchtsratssttzung der Braunkohlen- und Brikett-Jubustrie A.-G. Bubiag, Berlin, würbe beschloste». bet ans ben 11. November eiuzuberuseudeu G.- B. vorznschlagen, für 1931/32 für die Vorzugsaktien eine Dividende von wieder 7 Prozent nttb für bie Stammaktien eine solche von wieder 10 Prozent festrnjetzeu.

Wie bet Verband deutscher Tafelglashüt- ten durch Rundschreiben mftteilt, stub bie Feusterglaspreise mit Wirkung vom 1. Oktober vom Verband nm 20 Prozent erhöht worden.

Zn bett Verhandlungen zwischen bet Portland- 3 e ment« et t e Dvckerhoff - Wicking A.-G.. Mainz-Amoneburg, und ber Portland-Cemeutwerke Hei­delberg - Mannheim - Stuttgart A.-G hören »tr, batz bie Dvckerhoff-Wickiug A.-G. an ben Heidelberger Konzern wegen Uebernahme von Werken und Quotenan- 1

stch eine Besserung bemerkbar. Der Absatz ta 66eutile- lten konnte stch nicht ganz aus der vöbe des zweiten Bterttliahres hallen. Gegenüber Juli zeigte jedoch ber August eine Besserung, bie stch auch im September fortge­setzt hat. Der Verkauf von Siickstoffbüngemit- teln ist gegenüber bem gleichen Zeitraum des Vorjah­res um annähernd 10 Prozent gestiegen. Wir konnte» un­sere Erzeugung entsprechend erhöhen. Der Hauptteil ber Zunahme entfällt auf bett inländischen Verkauf.

Im Absatz des technischen Stickstoffs ist ebenso wte schon im zweiten Vierteljahr 1932 im drittelt Biertel­iahr keine weitere Verminderung eingetreten. Die Be n- ztnproduktion von Leuna wurde aus bei Basis von 100 000 Iahrestonnen Iveiiergeführt. Der Ahschlutz ber Konvention zwischen ben verschiedenen deutschen Jmpovt-

und Bertriebssirmen lässt eine Befriedung des deutschen Marktes erhoffe« Die Berkaufsgemeinschaft Pharma- leutil a nttb Pflanzenschutz hatte weiterhin, vor allem im Ausländsgeschäft, mit ausgedehnten Verkaufs- schwievigkeite» $u kämpfe». Die iaisonmätzige Belebung auf dem Gebiete der P h o t o g r a p h i k a hat für Deutsch­land weiter angehalten Wesentlich unterstützt wurde diese Tendenz durch unsere Maßnahme» zur Anregung des ge- famten deutschen photogravSischen Geschäfts svivie durch die gunstiae.Witterung. Gegenüber dem zweiten Vierteljahr ist fine Absatzsteigerung zu verzeichnen. Die Absatz im Kunst­set degeschäft zeigte eine gewiste Belebung, die aber nicht ausreichte, um denselben Absatz wie im dritten Vierteljahr 1931 ju erzielen. Die Exportmöglichkeiten habe» sich aus ben bekannten Gründen nicht gebesttzrt.

Die Preiswaage

Warenmärkte und Politik

Getreide fchw«mkend. / Verschärfte Zuckerrestriktion Klftsee; Geschmackswandlung. Was wird aus Kupfer?

Baumwolle schwach

Die Lebensmittel- und Rohstoffmärkte sind etwas nervös, aber zuletzt durchaus behauptet. Die Käufer warten mit Eindeckungen ab. aber auch die Verkäu­fer halten stch tunlichst zurück, und fo ergibt fich das Bild, einer mäßige» Geschäftstätigkeit. Politische Faktoren ha­ben wieder die Oberhand gewonnen. Wie werden die ame­rikanischen Präsidentschastswahlen aussallen? Das ist die Frage, bte an allen Warenmärkten gestellt wirb. Außer den Amerikanischen Präfidenschaftswahlen stnd es auch die Wahlen in Deutschland, die Differenzen in ber Avruitungsfrage und die Schwierigkeiten bei den Schul­denoerhandlungen mit der Türkei und den Balkanländem, die die internationale Atmosphäre stören und einen Auf­stieg ber Warenpreise trotz des zweisellos vorhandenen Ver­trauens zu den Märkten verhindern oder doch lähmen. Die statistische Lage an den mefften Märkten ist immer noch derart, baß eine rapide Hauste in keiner Weife gerechtfertigt wäre, ledoch fft fast durchweg eine weitere leichte Ab­nahme bet Saserbeftänbe in erster und zweiter Hand sestzustellen.

Am benffche» Getreibemgrkt

konnte» stch die Preise nach schärft» Rückgänge» wieder er­hole». Die Preiseinbutzen waren die Folge einer ungün­stigen Vorratsstatistik ber ersten Hand, die darauf folgende Erholung war vor allem darin begründet, dah bie Vorräte der zweiten Hand stch als relativ niedrig Herausstellen. Es zeigte sich denn auch praktisch, datz die Mühlen nur sehr schlecht versorgt sind und größere Käufe vornehmen mutz­ten. Am Roggenmarkt verstimmte der Beimab- lungszwang von Kartoffelmehl zum Roggenmehl sowie der Umstand, datz stch die offizielle» Stützungskaufe fast lediglich auf Berlin und auf Waggonware beschränkten. Der Markt war im Übrigen durch bie fortdauernden Diskustio- ttett übet eine eventuelle Abänderung ber Kontittgentie-

ieilen berangetreten war. Die Verhandlungen stnd zur Zeit unterbrochen; man kann jedoch «»nehmen, datz sie wieder in Gang kommen «erden.

Wie WTB.-Hanbelsbienft erfährt, wird der auf den 11. November a »beraumten GlLnbigervetsammluna des Bankhauses Leopold Seligmann, Köln- Koblenz. ein Liauidationsvergleich vorgeschlagen «er­ben, da die Realisteruug der im Status angegebenen Ber- mögensmerft naturgemäß nur seht langsam vor stch gehen kann.

Di« G.-B. der Deutschen Betkehrs-Ktedit» Bank A.-G Berlin, die als Hansbank bet Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft fungiert, genehmigte den Abschluß für das Geschäftsjahr 1931/32 und beschloß die «nsschüt- hing »an 7 Prozent (9 Prozent) Dividende.

rungspolüik und die gerüchtweise Einführung eines G e» *1 e 0 p ovo I s irritiert. Etwas bester war die Lage ftheint^nEN^markten Ein Maisexport aus Norbamerita KL - =Snfretra<bt der hohen argentinischen Angebote zur stabil^möglich, tedoch sind auch die Maispreise ziemlich

Am Znckermarkt

Wie die weitere Einschränkung der Weltproduktto» auf Gmind des revidierten Ehadbourne-Plans einen günstigen Einfluß aus. -stach einer Umfrage des Vereins ber

f*nb in ber lausenden Kampagne nur ^llOZuckerf abriken i» Deuffchlanü i» Betrieb genommen 2'" ^er vorangcgangcnen Kampagne Die in zunehmendem Matze. Litz bie öuaeriiniiuftrte den Chadbourne-Plan und bett erzielten Re- £®as übertrieben .-aufinacht" unb ist nS f nWiSSdu* sr!n bewegen, die über das unmittel- St»ausgehen. Die Tendenz des ist daher nur als stetig zu bezeichnen. Der xs o s s e e m a r k t steht wieder unter dem Druck der reiäl- lichen An^bote von -Lantos-Kaffee. Während der revolu- tzonaren Wirren in Brasilien war kein Santos-^-ffte nach Europa gelangt, und die Verlader von Santos-Kaffee ae- Möven jetzt zu ihrem Entsetzen, datz sich der europäische m1rterJmnJri£sehr weitgehend auf die milderen G^f>5merikatrischen Kaffeesorten umgestellt bat. Diese « »r a ck s tv and I » ng wird den Brasilianern noch nwidjen, -unval jetzt auch Kuba als Bro« duzent am WÄkaffeemarkt ausgetaucht ist Am Tee- markt steht die Frage tat Vordergrund, ob ,Äschen d^ britisch-indischen unb holländisch-indischen $ecnroöu£nfcn

ift sehr unsicher. , Demnächst werden vermutlich zwei wick- t^-zn?M?»'Ä?!^D^-^Eonkurren»en slattfindem Näm^ zu btt vertruulos^u ßaöe . Serfatt des amerikanischen « sEvr ® entftanben ist und eine zweite Konferenz, die Kirpferproduktion innerhalb der Pro- buze^ten ttn britischen Empire vornehmen soll. Es zeigt sich ber wahrscheinlich Ansang November erfolgenden Einführung eines englischen Kupscrzolles ein ftbarfer Wettbewerb zwischen KanLda und äm billiLr er zeug«tden Rh ob e sie» enfftehen wir b. Sehr günftig tft bie tfin^e 5inkstatistik ausgefallen. Danach hÄen sich die Welt-ZiNkbestande im Lauft des einen Monats Sep­tember.um 5 Prozent auf 154 614 t verringert. Allein in den VeretmgftN L-taaten erfolgte eine Abnahme um 8000 auf 123 000 t. Hingegen fehlt es am Sleimarft völlig an anrefittttgen. Am Zinnmarki hatte die anhaltende Belebung tn der internationalen Weitzblechindustrie eine Mcht unwesentliche Preiserhöhung zur Folge.

Der Kautschuk markt litt unter zahlreichen Liaui- bationen. Dre günstigen Schatzungen der Rubber Growers Association über die Aufnahmefähigkeit Rußlands für Kaut- sämk boten dem Markte keinen unmittelbaren Antrieb.

Baumwolle

Die Gewinn- und Verluftrechnnng ber Halber- stäbter Wurst- und Fleischkonfervenwerk« Heine n. Co., A.-G., Halbersiadt, «eist für das Ge­schäftsjahr 1931 einen Gewinn von 194 966 (256 784) RM ans, ans dem eine Dividende von 3 Prozent (6 Prozent) verteilt «erben soll. Wertmäßig ift der Umsatz um etwa 20 Prozent zurückgegangen, mengenmäßig konnten 2 Mill. Paar Würstchen mehr zu« Verkauf gebracht werden als 1930.

Die Handels- und Gewerbebank A.-G., Holzminden, hat stch genötigt gesehen, zum 19. Oktober infolge großer Abhebungen von Spareinlagen in den letz­ten Tagen vorläufig die Zahlungen einznftellen und das Vergleichsverfahren zu betreiben. Ans Bürgerkreiftu wurde bereite ein Borschntzverem Holzminden e. G. m. b. H. ge­gründet, der als Ausfangorganisation gedacht ist.

hat sich von dem bailftgünstigen amerikanische» Ackerbaube- mcht «och mcht erhole» können. Die Baumwollernte der »trb von der Neuvorker Baumwollbörse aus 21,7 Mill. Ballen gegen 27,3 Mill. Ballen in der Vorsaison ge- ichatzt. Ter Ertrag der aegoptischen Baumwollernte wird auf 4 196 Mill. Kantars gegen 8 015 Mill. Kailtars ange- geben. Dte Londoner W o l l a n k t i o n schloß um 7,5 bis 10 Prozent höher als öle vorQ'Ngesangenen Bersteigernnsen. Von den 178 7Ä3 Ballen, Me unter hen Hnmmer gekommen waren, wurden während der Auktion 136 500 Ballen ver­kauft. Am Jutemarkt lagen umfangreiche Berkanfs- orders aus Kalkutta vor. Am Hanfmarkt hat sich eine ausgesprochene Verknappung in befferen Sorten geltend ge- macht. Mittelpunkt der Hauste ist Italien, wo erste Ouali- taten Vlelfiach nur in Kombination mit geringwertiger Ware erhältlich frn-: auch -der jugoslawische Hanfmarkt teu- inert sehr fest.

Mensch auf der Flucht

5

Roman von Ludwig Wolff

Und warum interessieren Sie sich für Kapitän Barker?"

Seine Familie hat mich gebeten, über ihn zu wachen.

Ist er denn krank?"

Dr. Turner nickte sehr ernst.

Er ist schwer krank, Fräulein.^

Aber er macht nicht den Eindruck eines Kranken.'

Dr. Turner dämpfte seine Stimme.

Er ist unzurechnungsfähig, Fräulein.' Sie starrte ihn fassungslos an.Kapitän Barker ist verrückt.'

,^fth kann es nicht glauben, Herr.'

Warum nicht, Fräulein? Haben Sie nicht selber seine ganze Art merkwürdig genannt?'

Zwischen merkwürdig und verrückt ist ein großer Unterschied, Herr.'

Dr. Turner machte ein unzufriedenes Gesicht.

,Lch fürchte, datz Sie die Diagnose dem Psychiater werden überlassen müssen, mein liebes Fräulein.' Er seufzte teilnahmslos.Es ist ein grosses Unglück für die Familie.'

Und für den Kapitän', meinte sie ironisch.

Natürlich. Bedenken Sie, dass dies schon der zweite Fall in der Familie ist. Auch der Vater des Kapitäns ist verrückt gewesen.'

Fräulein Petersen mußte sich plötzlich mit alle« Kräften wehren, um nicht von dem Wirbel, in den sie geraten war, mitgerissen zu werden. Dr. Turner, sie selber, das Zimmer, das ganze Hotel schienen zu schwanken.

,Mie äußert fich das Irresein des Kapitäns?'

Er sieht Gespenster', antwortete Dr. Turner, ohne zu zögern.

Diese Antwort vertrieb die Nebel und Schleier, die sich über Fräulein Petersen gesenkt hatten. Mit einem Schlag gewann sie ihre Klarheit und Besinnung zurück.

Grauenhaft', flüsterte sie.Der arme Kapitän! Was wollen Sie mit ihm beginnen, Herr?'

Vorläufig will ich nur darüber wachen, daß der Kapitän kein Unglück anrichtet.'

Warum bringen Sie ihn nicht in eine Heilan­stalt?'

Es wird wohl keinen andern Ausweg geben, ob­wohl natürlich die Familie Zwangsmassregeln gern vermeiden möchte.'

Fräulein Petersen überlegte eine Weile, dann fragte sie entschlossen:

Warum erzählen Sie mir eigentlich diese Ge­schichten Herr? Es ist doch ziemlich sonderbar, daß Sie einem wildftemden Hotelzimmermädchen solche Geheimnisse anvertrauen.'

Das sind keine Geheimnisse, liebes Fräulein', er­widerte Dr. Turuer mit seiner farblosen Stimme.

Und wie sollten Sie erfolgreich für mich arbeiten, wenn ich Fhnen nicht die volle Wahrheit sage?'

Fräulein Petersen schwieg und unterdrückte viele Fragen, die sich ihr aufdrängten.

Was soll ich für Sie tun, Herr?'

Sie sollen mir alles berichten, was Sie über den Kapitän erfahren können.'

Das wird nicht viel fein', meinte sie und emp­fand Widerwillen gegen diese Spionage.

Sie werden wissen, ob der Kapitän ausgeht oder zu Hause bleibt, ob er telefoniert, ob er Besuche emp­fängt oder Briese schreibt. Sie haben vielleicht Ge­legenheit, ein Gespräch zu hören, das der Kapitän mit seinem Chauffeur führt.'

£>ft der Chauffeur auch verrückt?'

O nein.' Dr. Turner lächelte friedlich.Aber er wird ein schlechtes Ende nehmen.'

Fräulein Petersen machte kehrt und verließ das Zimmer. Wenn irgend jemand verrückt ist, dachte sie, so ist es dieser widerliche Irrenarzt, der aus einem englischen Kriminalroman entsprungen zu sein schien. Sie bemühte sich, alles von sich wegzuschieben, den primitiven Mr. Barker, den großartigen Chauffeur und den überaus fttschigen Dr. Turner, aber ihr Ge­hirn, das rastlos und auwmatisch arbeitende Gehirn der Schriftsteller, gab die empfangenen Eindrücke nicht frei.

Als sie in ihrem Heinen Dienst; immer saß, war sie fest entschlossen, sich von allen Dmgen fernzuhalten und den Verlockungen chrer Phantasie nicht nachzu­geben. Wer sich an einem Spiel beteiligte, zu dem er nicht berufen war, mußte die Rechnung bezahlen. Tie drei Verrückten sollten ihre Sache allein austragen.

Aber während sie versuchte, gleichmütig im Abend­blatt zu lesen, fühlte sie ein Unbehagen, daß sich im­mer mehr vertiefte. Es war wie eine Auflehnung ihres ganzen Körpers gegen Ereignisse, denen sie aus Bequemlichkeit und Trägheit freien Lauf lassen wollte. Sie spürte deutlich, datz eine Ungerechtigkeit in der Lust lag, denn es war Har, datz Kapitän Barker, man mochte über den Mann denken wie man wollte, durch­aus nicht verrückt war. Sie war von seiner geistigen Gesundheit so sehr überzeugt, daß sie nicht zögern durfte, chre Pflicht zu erkennen und den Kapitän zu warnen.

Ms wollte sie allen skeptischen Ueberlequngen ent= fliehen, ging sie sofort zu dem Zimmer Mr. Barkers und klopfte an. Keine Antwort. Sie versuchte die Klinke niederzudrücken. Die Tür war verschlossen. Der Schlüssel steckte nicht. Kapitän Barker war nicht im Zimmer.

Fräulein Petersen fühlte einen jähen Schreck, ob­wohl es doch keineswegs ungewöhnlich war, datz Ho­

telgäste, falls sie nicht krank waren, abends ausgingen, aber die Abwesenheit des Kapitäns in diesem Augen­blick, da sie ihn warnen wollte, erschien ihr unheimlich und verhängnisvoll. Sie öffnete das Zimmer mit ihrem Schlüssel und trat vorsichtig ein, als erwartete sie, den Kapitän zu sehen, wie er am Tisch saß und Schach spielte, aber das Zimmer war wirklich lrrr Aus dem Schachbrett standen in Unordnung die Fi­guren und schienen Fräulein Petersen anzustarren.

7.

Um neun und um zehn Uhr versuchte Fräulein Petersen nochmals, mit Kapitän Barker zu sprechen, aber ohne Erfolg. Schließlich ging sie zu dem Ziyt- mer des Chauffeurs und klopfte an.

John Hogan war da. Er saß am Tisch, hatte seine Füße, die in zu grossen Filzpantoffeln steckten, auf einen Sessel gelegt und las in einer Zeitung. Das Zimmer war vom süssen Rauch englischer Zigaretten erfüllt.

Fräulein Petersen fühlte stch ein wenig beruhigt, als sie den Chauffeur so behaglich und ftiedvoll sitzen sah.

Kommen Sie, mir ein wenig Gesellschaft zu leisten?' fragte er, mit den Augen zwinkernd, und zog als höflicher Mann die Füße vom Sessel.

Können Sie mir nicht sagen, wo Ihr Chef ist?'

Ach so, Sie interessieren sich mehr für den Herrn als für den Chauffeur!' Er lachte gutmütig.Aber da werden Sie kein Glück haben, Fräulein. Metn Chef will von den Damen nichts wissen.'

Das ist aber schade', sagte sie, auf seinen Ton ein­gehend.Uebrigens ist Ihr Chef gar nicht mein Typ.'

Na, na!*

Ehrenwort. Dennoch möchte eff gern mit Ihrem Chef sprechen.'

Sn es so wichtig?*

Sehr wichtig.'

Na, dann nehmen Sie'n bißchen Platz bei mir, Fräulein.' Sie setzte sich.Eine Zigarette gefällig?'

Danke.'

Er gab ihr Feuer.

Wissen Sie, ich habe mal ein süßes Herz gehabt, in Portsmouch, das hat genau so ausgesehen tote Sie, aber genau. Die gleichen Haare, die gleichen Au­gen und der Mund ebenso saftig tote der Ihre.' Er griff nach ihr. ,Fkurn bißchen voller ist das Mädel gewesen.'

Smmer mit der Ruhe, Herr', sagte sie und drückte seine Hand weg.

Ruhe ist im Grab, mein Herz.'

Einverstanden, aber jetzt sagen Sie mir, wo Ihr Chef ist.'

Ist er nicht in feinem Zimmer?'

Nein.*

Dann wird er spaziergegangen sein.'

Wann kommt er zurück?*

Da fragen Sie mich zuviel.'

Sie war ganz verzagt.

.Sch hätte fo gern mit ihm gesprochen.' Kann ich ihm nichts bestellen, Fräulein?' Nein, das gchi nicht.' v

Da müssen Sie fchon bis morgen warten, Fräu­lein*, meinte der Chauffeur sehr gleichmütig.

Bleiben Sie lange in Berlin, Mister?*

,Sohn Hogan ist mein Name.*

Sehr erfreut, Mr. Hogan. Wie lange bleiben Sie Sie noch hier, Mr. Hogan?*

.vielleicht bis morgen abend, vielleicht bis Weih­nachten. Das hängt vom Kapitän ab.*

Ihr Chef ist Kapitän? Marine, nicht wahr?*

Das wird wohl so sein.* Er rückte näher an Fräulein Petersen heran.Sagen Sie mal, Fräulein, können wir zwei Hübschen nicht mal zusammen aus­gehen?*

Nicht zu machen, Mr. Hogan. Mein Bräutigam wäre dagegen.*

Sie hübennen Bräutigam?nen richtigen Bräu­tigam mit Heiraten und so?* Sie nickte.Was ist er denn?*

Wachtmeister bei der Schupo, Mr. Hogan.'

Er überlegte.

Aber wissen Sie, wenn er Dienst hat, kann er nicht eifersüchtig sein.'

Sicher nicht', lachte Fräulein Petersen.Hei­raten wollen Sie ja doch mcht, Air. Hogan.*

Er machte ein entsetztes Gesicht.

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