Mittwoch, 19. Oktober 1932
Kasseler neueste Nachrichten
Seite 3
Die abenteuerlichen Fahrten des Schwarzen Schiffes
(Sim Episode aus den Kämpfen deutscher Hilfskreuzer im Weltkrieg
i.
Karl August Nerger und sein »Wolf
Dl« neue Kola« bt8erfolffrtit5en I. Bo irr le Msrite- duches .,Sli°aer im Keuer" von Ernst Schäfer bringt die Unton Deutsche Berlaasgescllschait in den nächsten Tagen von dem gleichen Verfasser das Buch „Stürmer in Grau und Blau" heraus Da« Buch gilt den «turmern von Douaumont und der Panzerfesle Baux, den Kampfern vom Jsonzo und den Führern unserer,U-Boote und Hilfskreunr die alle in vorder- erst nach übermenschlichen Leistungen deutschen Kricgsorüen ausgezeichnet it Genehmiguna des Berlages bringen L?K?ebenden Auszug aus dem Kapitel: „Wolf Uno Woiftyen.
Bei den Kämpfen in China, die 1900 als „Boreraufstand" die ganze Welt erregten zeichnete sich das deutsche Kanonenboot „3Itis" tn hervorragender •Hteqe aus. Es hatte seinen Namen von jenem Vorgänger erhalten, der bei einem Wirbelsturm am 23. •6ult 1896 bei Kap Schantuna unter dem Gesang des «flaggenliedes unterging. Mit viertausend Schüssen hatte sich der neue ,Zltis" an den Kämpfen um die Takuforts beteiligt und war selbst nicht weniger als zweiundzwanzigmal getroffen worden. Der schwerverletzte Kommandant, Korvettenkapitän Lanz, hatte damals im Chinafeldzug die einzigartige Anerkennung durch Verleidung des Pour le Mdrite erhalten. Das Schiff selbst durfte fortan am Flaggenkopf den hohen Orden tragen.
Unter der Besatzung des „Iltis" tat sich besonders der Oberleutnant zur See Karl August Nerger hervor, dem nach Abschluß der Kämpfe der Kronenorden mit Schwertern verliehen wurde. Zur Erinnerung an diese Feuertaufe gab Nerger 17 Jahre später einem Kriegs- sichff wiederum den Namen „Iltis". Dieser Vorgang steht in engstem Zusammenhang mit dem Auftreten des „Wolf" oder, wie der Hilfskreuzer auch genannt wurde, des „schwarzen Schiffes", das über ein Jahr lang — vom englischen Standpunkt aus gesehen — sein Unwesen auf den Weltmeeren treiben sollte, und vom deutschen aus betrachtet, der deutschen Seekriegsführung unendlich viel geleistet hat!
Bevor der „Wolf" unter Führung des Fregattenkapitäns Nerger auf seine große Fahrt ging, hatte der Kommandant als Befehlshaber des Kreuzers „Stettin" bereits Ende August 1914 im Gefecht mit britischen Flotteneinheiten gelegen und in dem darauffolgenden Jahre ebenfalls mit der „Stettin" an der Einnahme von Libau mitgewirkt. Mit beiden Eisernen Kreuzen war er schon dekoriert, als er das Kommando über den „Wolf" erhielt.
Auch der „Wolf" hatte sozusagen schon ein, wenn auch kurzes, Vorleben vor Antritt seiner Weltreise gehabt. Der alte Hapagdampfer „Belgravia" war zum Hilfskreuzer „Wolf" umgewandelt worden: kurz nach seiner Ausfahrt war er aufgelaufen und in schwerste Seenot geraten. Ein neuer „Wolf" mit einem neuen Kommandanten, dem Fregattenkapitän Nerger, wurde ausgerüstet. Diesmal war es der Bremer 6000-To.- Dampfer „Wachtfels", der zum Kriegsschiff wurde.
Es kam vor allen Dingen darauf an, die Absichten, die man mit dem Schiff ausführen wollte, geheimzuhalten. „Mein Befehl lautete", so beginnt Nerger der Bericht über die 15 Monate dauernde Fahrt, „in fernen Meeren, vor allen Dingen im Indischen Ozean, die feindliche Schiffahrt zu stören, Handelskrieg zu führen und andere Kriegsmaßnahmen, wobei in erster Linie Minenlegen in Betracht kam, auszuführen." Der Hilfskreuzer „Greif", der gemeinsam mit dem ersten „Wolf" die Nordsee erreicht hatte, war kurz danach von den Engländern niedergekämpft worden. Aus den Fragen nach dem Verbleib des „Wolf", die sie an die Gefangenen stellten, ging hervor, daß den Engländern das Unternehmen verraten worden war. Um so größere Vorsicht mußte jetzt geübt werden. Niemand außer dem Kommandanten wußte von dem groß angelegten Plan, den mit mit dem „Wolf" verwirklichen wollte. Zunächst erhielt er zur Tarnung den Namen „Jupiter". Vor ferner Ausreise wurde durch helle Morselichtsignale angezeigt, daß „Jupiter" zu „Schießübungen" auslaufen würde.
IT.
Jupiter verschwindet
Gleichzeitig startete ein Flugzeug in Kiel, offiziell nach Travemünde. Mit dem schönen Namen „Wölfchen" landete es unterwegs bei dem Kreuzer ,ZLolf- Aupiter" (mit der Besatzung Flugmeister Fabeck und Dizeflugmeister Stein), wurde an Bord geholt, auseinandergenommen und fein säuberlich verstaut. „Wölfchen" sollte dem „Wols" mit 60 Flügen wertvolle Dienste leisten.
Der Auftakt für das Unternehmen war nicht gut. In einem Kohlenbunker brach Feuer aus, das sich weiter auszudehnen drohte, daher mußte noch einmal der Hafen aufgesucht werden. Bei der zweiten Ausfahrt, am 30. November 1916, kam so dichter Nebel auf, daß die Eeflchr, in die eigene Minensperre zu geraten, sich von Stunde zu Stunde vergrößerte. Und wieder hieß es kehrtmachen, bis bei dem dritten Mal die Ausreise glatt vonstatten ging. Als man endlich auf hoher See war, wurde der Name „Jupiter" überpinselt und das ganze Schiff zur llnkenntlichmachung schwarz bemalt. Zuerst führte die Reise nordwärts durch die englische Sperre hindurch. Immer schlechter wurde das Wetter um Island herum, aus dem Wind wurde Sturm, aus dem Sturm Orkan. Das Oberdeck mit den verdeckten Geschützen war eine einzige Masse von Schnee und Eis. Am 10. Dezember wurde nach Passieren der zwischen Grönland und Island gelegenen Dänemarkstraße endlich der freie Atlantische Ozean — und damit wärmeres Wetter — erreicht. Dann ging es in südlicher Richtung vorwärts. Ein wenig Abwechselung boten Weihnachtsfest und Aequawrtaufe. Da man nur zu einer „Hebung“ ausgelaufen war, hatte man keine Weihnachtsbäume mitgenommen, sie mußten aus bemalten Holzstangen und Kabelgarn künstlich hergestellt werden. Die Ansprache des Kommandanten klang „nicht in einem Hurra auf das Christkind, sondern in einem stillen Gedenken an die Angehörigen zu Hause aus". Mit um so größerem Humor- ging die Aequator- taufe vor sich. Auch der Kommandant mußte dran glauben.
Am 16. Januar, also fast einen reichlichen Monat nach der Ausreise, wurde Südafrika erreicht. Jetzt begann die eigentliche Arbeit des „Wolf", für die man
ihn ausersehen hatte. Der Hafeneingana von Kapstadt an der Südspitze Afrikas wurde mit Minen verseucht und anschließend die wichtigen Dampferstraßen, welche die Südspitze des afrikanischen Erdteils kreuzen. Hier glaubte sich England vollkommen sicher. Tenn bis auf Deutsch-Ostafrika, wo Lettow-Vorbecks tapfere Schar noch standhielt, war der heroische Widerstand der deutschen Kolonien gebrochen. Deutsche U-Boote würden sich nicht so weit von ihrer heimatlichen Basis entfernen können, und daß kein Kreuzer den Atlantischen Ozean in seiner ganzen Ausdehnung von Nord nach Süd befahren würde, dafür sorgte the grand fleet — die britische Seemacht. So dachten die Engländer.
in.
Sin 46000 Tonner gesunken
Und dennoch. Am 27. Januar 1917 ging ein Funkspruch von der Küstenstation Kapstadt aus mit dem schwerwiegenden Inhalt: „Unterseeboote quer ab von Kapstadt!" Wie anders konnte man sich erklären, daß bet große 46 000 Tonner „Aquitania" der Cunard- linie“ angesichts von Kapstadt nach einer Explosion gesunken war. Große Anträge im englischen Parlament. Antwort der Regierung: „Es ist zur Zeit nicht opportun, über die Angelegenheit zu sprechen." Allmählich kam England darauf, daß es sich vor Kapstadt um deutsche Minen handeln müsse. Man hielt es aber nicht für möglich, daß ein deutsches Schiff die Minen dort gestreut haben könne; man verdächtigte vielmehr Kapitäne neutraler Dampfer und hielt sie mit monatelangen Untersuchungen in englischen Häfen fest.
Die Fahrtrichtung des „Wolf" hieß nun Indischer Ozean, hinauf nach Ceylon in die klassischen Jagdgefilde der „Emden", wo Karl v. Müller viele Wochen lang die englische Schiffahrt und ganz Indien beunruhigt hatte. Vor Colombo, der Hauptstadt Ceylons, und vor Bombay wurden Minenfelder gelegt, wobei der „Wolf" so nahe an die Küste heranging, daß er bei seiner nächtlichen Arbeit in das Licht der Hafen- scheinwerfer geriet. Auch da kamen di« sorglosen Posten nicht daraus, daß her Dampfer ein deutsches Kriegsschiff sein könne. Ja, als einen Tag danach der britische Dampfer .ISorcestershire" wenige Meilen von Colombo entfernt, „nach einer Explosion" sank, glaubte man wieder an ein Attentat vermittels einer Höllenmaschine im Innern des Schiffes oder, wenn es Minen waren, dann konnten sie nur von Neutralen oder Indern gelegt worden sein. Man fürchtete, daß der Untergang dieser beiden Schiffe einen ähnlichen Aufruhr Hervorrufen würde wie das Erscheinen der „Emden", und so wurden zunächst die geretteten Besatzungen der Dampfer auf einige Zeit interniert, um den Verlust der Schiffe, denen bald noch einige weitere folgten, zu verheimlichen.
Kurz danach mußte England das Vorhandensein der Minenfelder offiziell zugeben und die Warnung er
gehen lassen, daß der Hafen von Bombay geschlossen sei!
IV.
Zwei Schwestern treffen sich
Nerger konnte nun daran denken, für neue Brennstoffvorräte zu sorgen. So begann ein weiterer Teil seiner Aufgabe: der Handelskrieg, der ihn m nordwestlicher Richtung ins Arabische Meer führte. Das erste Schiff, das ihm begegnete, und das erst auf einen Schuß vor den Bug abstoppte, war der Dampfer „Tu- ritella". Als man näher hinsah, entdeckte man unter diesem schönen Namen noch einen schöneren: er hieß „Gutenfels" und siehe da, es war ein Schwesterschiff von ,Molf-Wachtfels". Die Engländer hatten den deutschen Dampfer zu Kriegsbeginn in Alexandria beschlagnahmt und zum Oeldampfer gemacht. So trafen sich in diesem entlegenen Weltwinkel die beiden Bremer Schiffe wieder. „Es war die Stimme des Blutes", wie Nerger meinte. Der englische Kapitän und seine Offiziere wurden auf den „Wolf" gebracht. Nerger rüstete die .Turitella" als weiteren Minendampfer aus. Die Führung übergab er seinem Ersten Offizier, Kapitänleutnant Brandes, und zu der chinesischen Besatzung, die beibehalten wurde, traten 27 Mann vom „Wolf". In Erinnerung an die Kämpfe von 1900 taufte Nerger das neueste Schiff der deutschen Kriegsmarine, wie anfangs erwähnt, auf den Namen „Iltis". Mit Recht schrieb nach Abschluß der Fahrt des „Wolf" eine Zeitung: „Daß Nerger ein volles Jahr lang die Unterstützung seines ältesten ihm mitgegebe- nen Offiziers hat entbehren müffen, ist eine Leistung, die sein seemännisches Geschick und seine glückliche Heimkehr mit einer Riesenbeute an Bord noch tn glanzvollerem Licht erscheinen lassen."
Die Umladung zwischen den beiden Schiffen „Wolf" und „Iltis" sowie die Ausrüstung des letzteren zum Kriegsschiff erforderte viele Stunden. Sie war nur dadurch möglich, daß zum ersten Male „Wölfchen" aus seinem Versteck herausgekrochen kam und durch ausgezeichnete Flüge die Arbeiten sicherte. „Iltis" ging be- iel4smäßig nach dem Golf von Aden, um Minen zu legen. Diese Aufgabe hat er mit Erfolg gelöst und damit der feindlichen Schiffahrt an den wichtigen Knotenpunkten auf der Straße nach Europa schweren Schaden zugefügt. Kurz bevor er von einem englischen Kriegsschiff aufgebracht werden sollte, versenkte ihn sein Kommandant. Die Chinesen der „Jltis"-Besatzung plauderten später alles, was sie vom „Wolf" gesehen hatten, aus, was für den Kreuzer sehr unangenehm werden sollte. Denn wenige Wochen nachdem sich d'e beiden getrennt hatten, ging eine genaue Beschreibung des „Wolf", bei der man sogar „Wölfchen" nicht ver- gessen hatte, durch Funkjpruch an die ganze Welt hinaus.
Als der nächste Dampfer angehalten werden sollte, ereignete sich ein schwerer Unfall durch Explosion einer
Spekulant oder Prophet?
Oie Sensation Londons: Oer Mann, der die Zukunst voraus weiß A 000 Pfund, wenn ich mich irre!*
Von unserem Londoner Sa-Ka-Korrespondenten.
London, int Oktober.
Vor einigen Tagen ist in der englischen Hauptstadt ein Mann aufgetaucht, von dem man heute noch nicht weiß, ob er ein ganz gerissener Schwindler, ein Irrer mit einer fixen Idee — oder vielleicht doch ein Mensch mit ganz außergewöhnlichen Gaben des zweiten Gesichts" oder dergleichen ist.
Der Mann heißt Deni du Maurier ist dreißig Jahre alt, stammt aus Kanada und ist in seinem bürgerlichen Beruf bisher als Privatdozent der Astronomie an der Universität Montreal und stellvertretender Leiter der dortigen Sternwarte beschäftigt gewesen. Was diese seine Angaben und Personaldokumente betrifft, so kann von einem Schwindel keine Rede sein. Mr. du Maurier ist nämlich vor einiger Zeit nach einer scharfen öffentlichen Kontroverse mit seiner vorgesetzten Behörde aus seiner Stellung geschieden. Du Maurier warf seinen wissen- schaftlichen Kollegen nichts geringeres vor als — die bewußte und absichtliche Irreführung ihrer Studenten und der weiteren Oeffeniltchkeit über die Bedeutung seiner, du Mauriers, Sonnenfleckenforschungen. Der junge Privatdozent behauptet klipp und klar, daß er auf rein rechnerischem, streng wissenschaftlichem Wege auch die allernächste 3ytunft (des Monats, ja der Woche) annähernd genau — mit geringen Fehlermöglichkeiten — voraussagen könne. Die einzige Antwort des akademischen Senats von Montreal war, daß du Maurier die Lehrererlaubnis entzogen und daß er zum Rücktritt von seinem Posten an der Sternwarte aufgefordert wurde.
Nun hat sich der Kanadier nach London begeben, um hier sozusagen experimentell, durch praktische Erprobung seiner Fähigkeiten oder vielmehr seiner mathematischen Methode, seine Rehabilitierung zu erlangen. Du Maurier deponierte zuerst bei einem Notar und Vertrauensmann des Zeitungslords Veaverbrook die Summe von 1000 Pfund Sterling, die zugunsten eines wohltätigen Zwecks verfallen sein soll, wenn die Mehrzahl der folgenden Prognosen nicht eintrifft.
1. Die Hausse an der Londoner Börse wird nicht anhalten. Besonders die Besitzer und die Käufer von südafrikanischen Werten werden gut haran tun, ihre Papiere vor dem 14. Oktober zu verkaufen.
2. Es droht eine gefährliche Krankheit im ganzen Land — vor allem unter Schulkindern — epidemisch zu werden.
3. Der ganze Monat wird eine erhöhte Anzahl von Flugzeugkatastrophen bringen. In einem Fall wird ein Opfer zu beklagen sein, das im Vordergrund des öffentlichen Lebens steht.
4. Die Konferenz von London wird nicht statt- finben.
5. Die politische Spannung zwischen Frankreich und Italien wird sich im Zusammenhang mit einem realen Ereignis vergrößern.
6. 3m südafrikanischen Parlament wird es eine ernst zu nehmende Debatte über Devalvation der Währung geben.
Don diesen sechs Prognosen ist bis heute erst die über die Londoner Konferenz als erfüllt anzusehen. Man mag das Eintreffen dieser negativen Voraussage als einen Zufall betrachten, doch ist zuzugeben, daß vor einigen Tagen noch, als du Maurier seine Punkte bekannt machte, alle Welt von dem Zustandekommen der Konferenz überzeugt war. Alle anderen Punkte sind /inzwischen noch offen geblieben. In jedem Fall hat aber Zeit Tagen ein Ansturm von Interessenten auf den Propheten du Maurier eingesetzt; das Vorzimmer des Landtages in Chelsea, das der Kanadier gemietet hat, ist überfüllt, und die abergläubischen Finanzleute, Generaldirektoren, Politiker usw. müssen durch den Garten hindurch und bis auf die Straße hinaus Schlange stehen. Und wenn der „Prophet" bis Ende des Monats auch wirklich die 1000-Pfund-Garantie verloren geben müßte — so macht er noch immer ein ganz tolles Geschäft, das ihm vermutlich in einem Tag fast die ganze Summe einbringt. Denn das Honorar für die Audienz staffelt sich von fünf bis fünfzig Pfund — und alle Ratsuchenden zahlen willig, was von ihnen verlangt wird. Der Gouverneur der Bank von England, der große Mon- taaue Norman, ist die beste Reklame für du Maurier. Mr. Norman macht fein Hehl daraus, daß er den Kanadier besucht habe, eigentlich „des Spaßes halber", aber di« Eröffnungen du Mauriers hätten ihm „großen Eindruck gemacht".
Dies ist das erstaunlichste Charakteristikum des Falles du Maurier: daß einflußreiche und verständige Männer dem neuen Zukunftsdeuter gegenüber ihre Skepsis aufgegeben haben — und daß allgemein die Ansicht verbreitet ist, so etwas könne doch auch wahr sein!
Natürlich ist die Baisse in südafrikanischen Werten im Fortschreiten begriffen. In dieser Beziehung hat Scotland Bald selbst großes Interesse für du Maurier gezeigt: Es könnte ja auch ein abgefeimter Börsenspekulant hinter der Maske des Wahrsagers auf streng mathematischer Grundlage" stecken — ein Spekulant, der eben im größten Umfang „Südafrika gespritzt hatte" (Leerverkäufe vornahm). Doch die Polizei hatte keine Gelegenheit, einzugreifen — du Maurier ist und bleibt Astronom und Astrolog, und erst die Zukunft wird das Rätsel dieses Deuters der Zukunft" enthüllen ...
Granate auf dem Hilfskreuzer, der einzige während seiner langen Fahrt. Er kostete vier Matrosen das Leben. Neu« Versenkungen folgten, das Gefangenenlager des „Wolf" begann sich zu füllen. Um Gefahren, die durch eingeschleppte Krankheiten hätten entstehen können, zu vermeiden, wurden die Neuankömmlinge gebadet, ärztlich untersucht und später auch geimpft sowie ihre Kleidung desinfiziert. Trotz dieser Vorsichtsmaßregel ließ es sich nicht vermeiden, baß sowohl Mannschaft wie Gefangene zuweilen an Skorbut erkrankten. In diesem Zusammenhang mag noch erwähnt werden, daß Offiziere, Besatzung und Gefangene das gleiche Essen aus einem Kessel erhielten.
(Schluß folgt.)
Oer Weri von Kinderaussagen
Von
Hans Hyan.
Zwei Kinder haben gefehen, wie in einem Vorort zu einer bestimmten Zeit ein Mann eine Villa verlassen hat. In der Villa ist jemand ermordet worden. Die Kinder werden dem mutmaßenden Täter gegenübergestellt. Während das eine Kind mit absoluter Sicherheit den Mann wiedererkennt, behauptet das andere Kind genau so sicher, dieser Mann wäre es bestimmt nicht gewesen. Dies ist eine Szene aus meinem neuen Film „Strafsache van Geldern“. Wie wenig man Kinderaussagen wirklich trauen kann, davon soll noch nachstehendes Beispiel erzählen.
Auf dem Schulhof einer Berliner Gemeindeschule kam es in der großen Frei-Viertelstunde zu einem sehr unangenehmen Austritt. Der Vater eines zehnjährigen Mädchens war gekommen und wollte eine Lehrerin zur Rede stellen; nach den Angaben seiner Tochter hätte sich diese in außerordentlich Aergernis erregender Weise vor den Kindern benommen. Sie hätte mit aufgeschlagenen Röcken auf der Treppe im Schulgebäude gesessen, ein namhaft gemachter Lehrer hätte sich in laseiver Weise mit ihr unterhalten und eine große Anzahl von Kindern hätte es beobachtet.
Der in feinem Arbeitszimmer bei offenem Fenster sitzende Rektor hörte den Streit und berief die Parteien zu sich. Der Vater und auch das herbeizitierte Mädchen beharrten fest und sicher bei ihren Angaben. Es stellte sich aber bei nun angestellten Nachforschungen heraus, daß das Kind auch sonst die unglaubhaftesten Nachrichten nach Hause brachte. So z. B., daß ein vier Meter langes Krokodil aufgetauft worden war, das zwischen den Kindern in der Ra- turkundestunde umherlief; ferner hätte die Klassenlehrerin der Kleinen ein Verhältnis mit dem Direktor. Beide küßten sich ungeniert während der Stunde vor den Kindern. Genug, es erwies sich, daß hier eine kleine pathologische Lügnerin, der ihre Eltern jedes Wort glaubten, einen Skandal provoziert hatte, der ohne das verständnisvolle Einwirken des Direktors leicht schlimme Formen angenommen hätte. Man mußte das Kind entfernen sind einer Anstalt für schwer Erziehbare überweisen.
MVxe Nicht föiiemf ;
„Nicht wahr, Fräulein, solche Tiere gibt es gar nicht?" * („Nebelspalter")
Untrügliches Zeichen.
„Woran merkten Sie denn, daß der Angeklagte nicht nüchtern war?“
„Er wollte eine Bahnsteigkarte lösen, warf zehn Pfennig in die Personenwaage, schaute auf den Zeiger und rief: Hurra, schön Wetter! und beschwerte sich dann, daß keine gebrannten Mandeln herausgekommen seien.“ („Fliegende und Meggendorser Blätter“)
*
Wie der Papa.
Frau Feist fühlt sich nicht ganz auf dem Posten, und da sie das Herannahen einer Grippe befürchtet, hat sie zur Vorbeugung einen Grog brauen lassen.
Wie üblich, will sie auch diesen Abend dem kleinen Fritz vor dem Schlafengehen einen Kutz geben.
„Mutti,“ schnupperte Fritz erstaunt, „heute hast du ja Papas Parfüm genommen.“ („Hackebeils I. Z.“)
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Verantwortlich für den »oüttfdien teil: Di Sa.rti de bn t;_ für das Feuilleton: German M Bon an: Tur den lokalen Teil: Dr. Hans Joach'm Glatze r: für den Se-matteil: Rudolf G l i ' e r 'fli Handel: Tr. Hans Lande »berg: für den Svortteil. 6er* &ert ® oetib; ®Soto=SRe&att€ur Eduard Schul,» S e ff e I; für An^igenteil: Konrod Wachsmann. 7- BL^iner schnftleitu na: Dr Walker $ b u m Ver.
68 — Druck und Verlag: Ro fielet Neu fte Nachrichten G. m. b. H. Saffel. Kölnifche Strafte 10
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