Seite 2 — 1. Beilage
Kasseler Neueste Nachrlchfen
Montag, 17. Oktober 1932
Eigentlich nichts als den gesunden Menschenverstand und guten Willen und dazu etwas Energie, um die Abende, die für einen Kursus angesetzt sind, im allgemeinen 10, durchzuhalten. Auch die Bildungsarbeit der Volkshochschule muß natürlich ernst genommen werden; bei der vollständigen Freiwilligkeit, aus der sie beruht, darf dies vielleicht besonders betont werden. Die Kurse sind im allgemeinen in sich abgeschlossen und so eingestellt, daß Volksschulbildung zu fruchtbarer Teilnahme genügt. Einige Kurse erstreben eine
planmäßige Fortführung der Bildungsarbeit. Die Aufgabe der Volkshochschule wird da am besten erfüllt, wo die Hörer mehrere Jahre hindurch der Arbeit treu bleiben. Für jede weitere Auskunft und Beratung sowie zur Anmeldung für die neuen Kurse steht die Geschäftsstelle der Volkshochschule, Murhard-Biblio- thek, Weinbergstrahe 6, Zimmer 26, zur Verfügung, die täglich zwischen 11 und 13 Uhr, 17 bis 19 Uhr, Mittwochs und Sonnabens nur vormittags, geöffnet ist.
Dor den Geschworenen:
Betrug oder ß 218?
Kassel, 17. Oktober.
Vor dem Schwurgericht, das heute unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Kulenkamp beginnt, stehen unter der Anklage des Verbrechens gegen den § 218 des Strafgesetzbuchs die 58-jährlge Näherin Anna Wieprecht aus Kassel, und der 41- jährige Sattlermeister H. aus Twiste. Der von Rechtsanwalt Blesse verteidigten Angeklagten wird gewerbsmäßiges Verbrechen zur Last gelegt, während der Angeklagte H. dem Justizrat Dr. H e u ß n e r zur Seite steht, beschuldigt wird, der Angeklagten W. in den Jahren von 1928 bis 1932 in acht Fällen Frauen und Mädchen aus Twiste zugeführt zu haben.
Nachdem H. im Jahre 1928 und ein zweites Mal in 1929 seine Frau der Angeklagten W. „mit Erfolg" zugeführt hatte, galt et in Twiste sehr bald als „weiser Mann". Als sich feine Rolle mehr oder weniger herumgesprochen hatte, war er zuletzt der Gefangene seines „Rufs". Ob er wollte oder nicht, wenn er in Twiste um „Rai" angegangen wurde, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit den Frauen und Mädchen nach Kassel zur Angeklagten W. zu fahren. Die Frau war dann auch in jedem Falle sofort zur „Behandlung" bereit und ließ sich dafür einen zwischen 50 und 70 Mark schwankenden Geldbetrag zahlen. Von diesem Geld soll H. fast jedes Mal et
was abbekommen haben, was ihm der Staatsanwalt besonders schwer verdenkt.
Natürlich blieb die Rolle, die H. in Twiste spielte, auch in anderen Kreisen nicht unbekannt, denn eines Tags flog dem Staatsanwalt ein anonymes Schreiben zu. Die beiden Angeklagten der jetzigen Verhandlung gelten als die Hauptübeltäter, die meisten Zeuginnen und Zeugen werden sich in nächster Zeit auf der Anklagebank wiederfinden.
Die Angeklagte W., die sich in Heilkunde betätigte, bestritt in ihrer Vernehmung jede Schuld, sie will in keinem Falle einen verbotenen Eingriff vorgenommen, sondern nur harmlose Ratschläge erteilt haben.
Dieser Einwand hatte im Vorverfahren dazu geführt, daß Frau W. zuerst nicht wegen Verbrechens gegen § 218, sondern wegen — Betrugs angeklagt worden war. Von dem vereinbarten „Honorar" habe H. ihr jedesmal nur einen Teil gezahlt, während er den Rest für sich behalten habe. Demgegenüber räumte der Angeklagte H. ein, daß er seine Frau und die anderen Mädchen und Frauen der Angeklagten W. zu dem bestimmten Zweck zugeführt habe. Davon, daß er jemals Geld für sich behalten habe, fei kein Wort wahr.
(Die Verhandlung dauert au.)
Mus iniereffanten Vorträgen
Ostpreußen brennt!
Ms Auftakt zu dem großen oftmärkischenMilitär- konzert der Jägerkapelle am Mittwoch im Stadtpark, ließ der „KulturhistorifcheFilmdienst" am letzten Sonnabend und Sonntag im Bereinshaus einen historischen Ostpreußenfilm laufen, der weitester Beachtung wert ist.
Einleitend hielt der L Vorsitzende des Ostbundes, Pfr. Pelz einen kurzen Vortrag, in dem er die historischen Zusammenhänge der Geschichte Ostpreußens aufzeigte und aus seiner persönlichen Kenntnis ostmärki- fcher Verhältnisse auf die national- und wirtschaftspolitische Lage der Ostmark kurz einging. Der Film selbst zeigte im lebenden Bilde die einzelnen Zeitepochen ostpreußischen Werdens, sowie die unaufhörlichen Kämpfe und Erschütterungen, die dieses ostdeutsche Grenzgebiet an Land und Leuten bis auf den heutigen Tag zu durchleben hatte. Wir sahen Bilder aus heidnischer Vorzeit und aus der Zeit der Kreuzritter. Weiter stieg vor unseren Augen aus die Zeit Friedrichs des Großen und dann auch die Zeit der tiefsten ^Erniedrigung Preußens, da Preußens edle Königin Luise mit ihrer Familie die Flucht vor Napoleon bis nach Memel antreten mutzte. Auf diesen Niedergang aber folgte dann wieder neuer Ausstieg, als die Deutschen sich einig geworden waren und in den Befreiungskriegen nicht nur Ostpreußen, sondern ganz Deutschland von den Schergen des großen Korsen säuberten. Einen naturgemäß besonders umfangreichen Teil der Darstellungen umfaßte die Zeit der letzten Ostpreußenkämpfe im Jahre 1914 unter Hindenburgs genialer Feldherrnleitung. Wir sahen Ostpreußen in Flammen aufgehen, in Brand gesteckt durch die in den Augusttagen des Jahres 1914 eindringenden russischen Eroberer, wir sahen die grauenhaften Verwüstungen und die schrecklichen Leiden der ostpreutzischen Bewohner und erlebten damit im Geiste mit Begebenheiten, die an Herz und Gemüt griffen. Dann aber schlug auch bei Tannenberg und an den masurischen Seen die Befreiungsstunde für dieses gequälte Land und Volk, als unsere braven Heldentruppen unter Hindenburgs Führung restlos das Land von den Russen säubern und Ostpreußen abermals befreien konnten. „Ostpreußen ist deutsch und bleibt deutsch!" Geschäftsführer Wolfram faßte diesen Gedanken in einem kurzen Schlußwort zusammen. Mit bem, Deutschlandlied fand der erhebende Abend feinen Abschluß.
Oer Weg des Dolksdiensies
Vor kurzem kamen in Marburg a. d. L. Vertreter des Volksdienstes zusammen, um über die Maßnahmen für den Wahlkampf zu beraten, zusammen mit Vertretern aus dem Wetzlarer und Frankfurter Kreis. Stadtrat Dr. Rohrbach-Kassel, der die Versammlung leitete, sprach über die politische Lage und führte dann die Notwendigkeit der Aufstellung eigener Listen aus; mehr denn je sei die Notwendigkeit des V. D. erwiesen, weil alle Parteien aus parteipolitischen Zielen heraus bisher gehandelt hätten, ohne die große Ausgabe der Erneuerung der Seele des deutschen Volkes von den Rräfc len des Evangeliums her genügend betont zu haben. Parteigeist könne nur durch den Geist des Evangeliums überwunden werden, Ueberparteilichkeit könne nur von ihm aus seine Stellung finden. Er zeichnete die augenblickliche politische Lage vom autzen- und innenpolitischen Gesichtspunkt aus; er bedauerte das Rachgeben der Regierung Papen in Lausanne, daß für den Volksdienst einen Rückschritt auf dem bereits erreichten Wege zur Befreiung vom Versailler Vertrag, der ungerechten Festlegung der Kriegsschuldlüge und der Tributversklavung, bedeute. Innenpolitisch mißbillige der Volksdienst aufs schärfste die Notverordnungen der Regierung, in denen wieder die schwächsten Schultern am schwersten bettos- sen wären; diesen sozialpolitischen Kurs könne der V. D. nicht mitmachen.
Auf sozialem Gebiet sei ein bedenklicher Rückschritt zu verzeichnen, indem durch Papens (wenn auch gut gemeintem), Wirtschaftsprogramm die Bevorzugung des Privatkapitalismus deutlich geworden sei.
Trotz der Kritik an der Regierung von Papen habe der Volksdienst aber keinen Anlaß, der Regierung in grundsätzlicher Opposition gegenüberzutreten, aber er müsse Wert darauf legen, die Verantwortlichkeit der Nationalsozialisten und Deutschna- iionalen für diese Regierung vor aller Oesfentlich- \ feit sestzustellen.
Zu den höchst aktuellen Fragen der Staats- und Verkasiilngsreform werde der Volksdienst einen wichtigen Beitrag zu leisten haben. Er werde ringen um eine christliche Begründung der Siaatsauwrität, Klei um die Schaffung einer Obrigkeit im biblisch-refor- Teb matorischen Sinne, er werde alle Macht einsetzen gegen Bestrebungen, solche neu zu schassende Obng- ,ken mit dem Begriff der fozialen Reaktion zu ver- , wnden. Gewiß seien die fozialen Einrichtungen des tU80lneuiigen Staates gewissenhaft auf ihre Zweckmäßig- emer 7
feit zu prüfen, aber der Staat dürfe unter keinen Umständen die Verpflichtung von sich weisen, für die Opfer der Wirtschaftskrise zu sorgen. Unter keinen Umständen dürfe der Staat die Grundrechte der Arbeiterschaft antasten.
Von besonderer Bedeutung werde für den Volks- dienst die Stellung der Regierung zum Siedlungsproblem fein. Die Regierung dürfe hinter den leider nur allzu lange zurückgestellten, auf den Ideen des Freiherrn vom Stein aufgebauten Siedlungsplä- nen des alten Reichskabinetts nicht Zurückbleiben.
In einer Ausfprache wurden die Ausführungen von Herrn Dr. Rohrbach unterstrichen und einige Wünsche betreffs der Durchführung des Wahlkampfes geäußert.
»Der Kampf um den sozialen „Bolksstaai"
In gut besuchter Versammlung des Eewerkschafts- bundes der Angestellten sprach Gaugeschäftsführer Fuhrmann - Frankfurt über „Antisozialer Geist im Vormarsch". Unser politisches Leben bewege sich in einem wunderlichen Zick-Zack-Kurs hin und her. Regierungsmänner, Parteiführer und Persönlichkeiten, die im öffentlichen Leben stehen, wechseln oft überraschend schnell und grundlegend ihre Meinung. Es zeigt sich, daß viele Dinge, wenn die Verantwortung nahe rückt, ganz anders aussehen, als wie das im Rausch - der Wahlversammlungen erschien. Es zeigt sich, daß ganz spontan die Erkenntnis wächst, daß ein aristokratisches Staatsgebilde unserem Volke nicht frommt, weil es der überwältigenden Mehrheit der Volksgenossen keinen Raum zur Entfaltung geben würde.
Unser Staat kann nur dann bestehen, wem» et ein sozialer Volksstaat ist. Die Maßnahmen der Regierung, insbesondere die letzte Notverordnung, führt in erschreckendem Tempo von einem solchen Ziele fort.
Die Absicht der Regierung, durch positive Maßnahmen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, findet durchaus Zustimmung und Unterstützung. Der Zeitpunkt für eine aktive Wirtschaftspolitik ist nicht ungünstig. Die Reparationsfrage hat eine gewisse Entlastung erfahren und in der Welt sind Anzeichen für eine wirtschaftliche Besserung vorhanden.
Leider beschwört die Regierung durch die in der Notverordnung enthaltenen sozialpolitischen Maßnahmen die Gefahr des Mißerfolges herauf.
Der erneute Eingriff in das Gehalts- und Lohnniveau, dessen Tiefstand die Lähmung des Binnenmarktes verursacht hat, stellt eine politische Ee- halissenkung dar, die nicht scharf genug verur- teilt werden kann.
Die Auslieferung der gesamten Sozialversicherung, der Arbeitsgerichtsbarkeit und des Schlichtungswesens an das Gutdünken der Regierungsmänner erfüllt die deutsche Arbeitnehmerschaft mit großer Besorgnis. Es ist höchste Zeit, daß die Regierung, die wohl den Jndustrieführern Gelegenheit zu einer Aus- Se gegeben hat, endlich den Weg findet, um die e Lage der deutschen Arbeitnehmerschaft kennen zu lernen. Hier hat sich ein Zündstoff aufgespeichert, der eine gefahrvolle Entladung befürchten läßt, wenn nicht eine Umkehr erfolgt.
Bei allen Völkern, die wir aus der Geschichte kennen, war das Ausemandersallen der Volksgemeinschaft in Schichten, die bittere Not leiden mußten, und eine kleine Oberschicht, die von dem sozialen Elend unberührt blieb, das äußere Zeichen des Verfalles. Wenn sich die deutsche Arbeitnehmerschaft und insbesondere hier die Angestelltenschaft gegen die unsozialen Maßnahmen der Regierung sich wendet, so geschieht das aus dem tiefen Gefühl der Verantwortung unserer Volksgesamtheit gegenüber.
Geschäftsführer grobe betonte, daß von dem guten Willen, die Notverordnung nach der sozialen Seite nicht zu mißbrauchen, der' wirtschaftliche Erfolg entscheidend abhängig märe.
Staatliches Theater. Heute, 20 Uhr (62) „Iphigenie in Aulis", Oper von Ehr. W. Gluck. Inszenierung: Dr. Schröder, musikalische Leitung: Wilhelm $ran$ Reutz. Hauptpartien die Damen: Vrand- stätter und Senderowna und die Herren Fitzau, Mossi und Niklaus. — Morgen geschlossen« Vorstellung für den Bühnenvolksbund. — Mittwoch (E2) „Sie drei Musketiere". In neuer Einstudierung durch Karl Randt geht am Donnerstag der altbeliebte Schwank „Pension Schöller“ in Szene, dessen komische Hauptrollen Trude Tandar, Franz Sauer und Kurt Söhning darstellen werden.
Kleines Theater» Heute Montag wird zu kleinen Preisen (0,30 bis 1,25) das Lustspiel „Alles für Marion" wiederholt. Den Rovelli spielt Joseph Roe- mer als Gast. In den übrigen Hauptrollen sind beschäftigt die Damen: Kunz, Olbis, Piek und die Herren; Kühlewein, Moog und Scheurmaiur. Von
Kassels ausüben wollen, an den Wochentagen vom 26. Oktober bis einschl. 4. November von 7 bis 1 Uhr uttb von 15 bis 18 Uhr im Oktober und im November von $48 bis 13 Uhr und von 15 bts 3419 Uhr außer Mittwoch und Sonnabend im Rathaus, Zimmer 198, ausgestellt werden. Am Tage vor der Wahl (5. November) und am Wahltage selbst werden grundsätzlich Stimmscheine nicht mehr ausgestellt.
ABL-Gchütze« anmelden!
Die zum 1. April schulpflichtig werdenden Kinder müssen vom 19. bis 29. Oktober wochentags von 11 bis 13 Uhr im Amtszimmer der Schulleiter angemeldet werden. Näheres geht aus der heutigen Bekanntmachung hervor.
Kilm der Unfälle
Schon wieder Giftpilze. Auf dem Wochenmarkt am Königsplatz wurde Sonnabend seitens der Marktpolizei wieder ein Posten Pilze beschlagnahmt, die diesmal ans den giftigsten deutschen Pilzen, den Knollen- blätterpilzen bestanden. Diese Pilze haben zwar die Form unseres Champignonpilzes, doch ist die Ober- Kfaft weißlich anstatt braun und hat auch statt e weiße Lamellen. Die Pilzverkäuferin, eins ältere Frau aus Uschlag, kam zur Anzeige.
Wundstarrkrampf. Bei einer Schlägerei in der Unterneustadt trug ein 20-jähriger Arbeiter aus der Mühlengafle vor einigen Tagen eine Verletzung der rechten Hand davon, die er wahrscheinlich nicht genügend reinigte. Er trat plötzlich eine schwere Blutvergiftung hinzu und die Arbeitersamariterkolonne mußte den jungen Mann mit Anzeichen eines beginnenden Wundstarrkrampfes m das Marienkranken- haus bringen.
Sturz mit dem Rad. In der abschüssigen Frankfurter Straße in Niederzwehren verlor ein 20-jährig. Mädchen die Herrschaft über das Fahrrad, stürzte und brach die rechte Kniescheibe, sodaß die Arbeiter-, famaritettolonne die Verunglückte in das Stote* Kreuz-Krankenhaus transportieren mußte.
Beim Holzholen schwer verunglückt. Im Wald bei Großenritte verunglückte der dort wohnende 44-jähr. Schneidermeister dadurch schwer, daß ihm beim Holzsammeln ein abgestorbener Ast auf den Kopf traf, wodurch er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. Der Verunglückte wurde in hoffnungslosem Zustand durch die Arbeitersamariterkolonne tn das Rote-Kreuz- Krankenhaus befördert.
Ein Roheitsakt. Sonnabend hatte sich in der Holl. Straße ein 55-jähriger Pflasterarbeiter aus der Fied- lerstraße abfällig über ein vorbeigehendes 15-jähriges Mitglied einer politifchen Crganifatbn geäußert, worüber dieser so in Wut geriet, daß er ein auf bet Erde liegendes Brecheisen ergriff und den alten Mann über den Kopf schlug, fodaß dieser bewußtlos mit einer klaffenden Kopfverletzung durch die Arbeitersamariterkolonne in das Landeskrankenhaus geschafft wurde, während der Täter das Hasenpanier ergriff.
Born Klavier erdrückt. Beim Transport eines Klaviers kam in der Mauerstraße ein 31-jähriger Möbelträger zu Fall und unter das schwere Instrument zu liegen. Hier sorgte die Unfallwache Holzmarkt für Einlieferung des Verletzten, der einen Bruch des Hüftgelenkes erlitten hatte, in das Krankenhaus.
Dienstag ab wird das Lustspiel „Roulette" täglich gegeben.
Um die Theaierfreiplähe
Dentschnationaler Protest.
Die deutschnationale Rathausfraktion faßte folgende Entschließung:
Wir haben mit Nachdruck die Forderung erhoben, daß angesichts der wirtschaftlichen Notlage und angesichts der durch die llebemahme des Theaters noch weiter verschärften bedenklichen Finanzlage der Stadt eine weitgehende Einschränkung der bisher beim Theater üblichen Freikartengewahrung eintreten muß. Da diese Auffassung von dem größten Teil der Kasseler Oeffentlichkeit geteilt wird, haben wir angenommen, daß die städtischen Stellen unserer Forderung Rechnung tragen würden.
Nunmehr hat eine Mehrheit des Magistrats diesen Forderungen nur insoweit entsprochen, als es sich um die Freikartengewährung an außerhalb des Magistrats (!) stehende Personen z. B. an das Theater- personal handelte. Dagegen hat diese Magisttats- mehrheit es unbegreiflicherweise nicht über sich gewinnen können, die Freikartengewährung an Mitglieder des Magistrats und der Theaterkommisfion zu beseitigen oder wenigstens einzuschränken. Diese Mehrheit hat vielmehr entgegen unseren Forderungen beschlossen, einen Zustand beizubehalten, bei dem di« Magistratsmitglieder nicht nur für sich, sondern auch für ihre Frauen in regelmäßigem Wechsel Freiplätze zu- gewiefen erhalten.
Die Magiftratsmehrheit hätte diesen Beschluß schon deshalb nicht fassen dürfen, weil eine städtische Körperschaft jeden Anschein vermeiden soll, als ob sie bei ihren Beschlüssen den Gesichtspunkt mitfprechen ließe, sich selbst und ihren Familienangehörigen einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Die Kasseler Bürgerschaft wird zweifellos für dieses Verhalten der Magistratsmehrheit wenig Verständnis haben.
Die deutschnationale Rathausfraktion wird in den städtischen Körperschaften sich von jeder Mitarbeit an Dheaterangelegenheiten fernhalten, bis dieser Ma- gifttatsbeschlutz wieder aufgehoben ist. Im Sinne dieser Erklärung hat die deutschnationale Stadtverordne- tenfraltion zur heutigen Stadtverordnetettfitzung noch folgenden Antrag eingebracht:
„Die Stadtverordnetenversammlung mißbilligt den Beschluß des Magistrats vom 10. Oktober, nach dem die Magistrats- und Theaterkommissionsmitgliedern für sich und ihre Frauen Freikarten im Theater beanspruchen können. Die Stadtverordnetenversammlung verlangt, daß der Magistrat diesen Beschluß wieder aufhebt."
Auslegung der Stimmliste« für di« Neichstags- roaljl. Wie der Magistrat durch Plakatanschlag bekannt gibt, werden die Stimmli ten für die am 6. November stattfindende Reichstagswahl in der Zeit vom 16. bis einschl. 23. Oktober tn 10 Auslegungsstellen zur öffentlichen Kenntnis ausgelegt. Nach den Bestimmungen des Gesetzes über die Reichstagswahl kann nur abstimmen, wer in eine Stimmliste eingetragen ist, oder einen Stimmschein hat. Wer nicht eingetragen ist, kann bis zum 23. Oktober seine Aufnahme noch beantragen. Nach Beendigung der Auslegungsfrist kann einem Antrag auf Nachttagung stimmberechtigter Personen nicht mehr entsprochen werden (§§ 19, 20 und 21 R.St.O ). Es empfiehlt sich daher, die Stimmlisten einzusehen. Stimmscheine können Stimmberechtigten, die ihr Stimmrecht außerhalb
An alle im Landkreis Kassel!
Gebt alle zur Winterhilfe
Reichsregirrung, Kommunale Spitzenverbände und die Liga der freien Wohlfahrtspflege haben bereits Aufrufe zur diesjährigen Winterhilfe erlassen. Ihnen schließen sich zusammen mit der Kreisverwaltung die Verbände der freien Wohlfahrtspflege und die wirtschaftlichen, beruflichen und sozialen Organisationen für den Landkreis Kassel an, um in gemeinsamer Arbeit die „Winterhilfe für den Landkreis Kassel" durchzuführen. In jeder Gemeinde des Kreises wird ein „Ortsausschuß für Winterhilfe" unter Beteiligung der Gemeindeverwaltung gebildet, der tn freier Selbst- verantwortung die Sammlung und Verteilung in drr vorjährigen bewährten Form durchführt.
Ein neuer fchwerer Winter steht bevor. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen ist gegenüber dem Vorjahre um das Doppelte gestiegen. Die bittere Sorge um den notwendigen Lebensbedarf ergreift noch immer weitere Kreise. Die öffentliche Fürsorge für unsere arbeitslosen Mitbürger ist begrenzt; die freie Liebestätigkeit muß helfend einspringen. Es ergeht
daher hiermit der Auftus an alle Einwohner des Landkreises Kassel:
»Tragt zur Linderung der Rot «ach Kräfte« bei und erleichtert Euren Mttbürgern ihr hartes LoS!
Geldmittel, Kleidung, Wäsche, Schuhzeug, Lebensmittel aller Art, auch die kleinste Gabe ist willkommen.
Kassel, den 15. Oktober 1932.
Für die Kreisverwaltung des Landkreises ftaffefe Dr. Ohle, Landrat.
Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt.
Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz. Kreisverband der evangelischen Frauenhilfe.
Evangelischer Jugend- und Wohlfahrtsdienst. Kreisverein vom Roten Kreuz für Stadt und Land. Arbeiter-Samariter Bund.
Aus dem Landkreis Kassel
Oberzwehren. Um den Eemeindearbeiterpoften. Der Gemeindevorftand hatte beschlossen, wieder einen dauernden Mann als Eemeindearbeiter anzustellen, da der bisherige Modus, alle 3—4 Monate den Poften mit einem anderen Wohlfahttserwerbslosen zu besetzen, sich nicht bewährt hat. Der Erwerbslosenausschuß hat an den Gemeindevorftand eine Eingabe gerichtet, den bisherigen Zustand bestehen zu lassen. Nach reiflicher Uebertegung beschloß der Gemeindevorftand aber, seinen ersten Beschluß aufrecht zu erhalten.
Niedervellmar. Som Baurn gefallen. Beim Zwerschenpflücken fiel die Ehefrau Lisa ll. vom Daum und brach ein paar Rippen. — Die Sautätigfeit setzt kräftig ein. Ein Doppelhaus ist auf dem Theleschen Grundstück in der Triftstraße schon angefangen worden, und auf dem Jungfernkopfe werden eine Straße und 13 Einzelhäuser im Sau folgen.
Hessische Missionskonferenz tn Marburg
am 30. »md 31. Dtto6er
Die Hessische Missionskonferenz hält am 30. und 31. Oktober ihre Tagung in Marburg ab. Sie beginnt am Sonntag abend mit einem Gemeindeabend im Philippshaus, bei dem Kirchenrat D. Eisenberg- Kassel über die „Sebeutung der Mission für die Heimatkirche" sprechen wird. Bei der Haupttagung am Montag, 31. Oktober, in der llni- versttät spricht Professor Dr. Dipp, Direktor des Deutschen Instituts für ärztliche Mission in Tübingen, über „Gegenwartsfragen der ärztlichen Mission". Der Direktor der deutschen evangelischen Missionshilfe, Dr. Freytag-Hamburg, wird außerdem über „Sinn und Notwendigkeit deutscher Missionsarbett bi der Gegenwart" reden.
Aus dem kirchlichen Leben. In der Evangelischen Landeskirche sind vier Pfarrstellen zur Wiederbesetzung ausgeschrieben: Berge (Kirchenkreis Homberg). Die Äirchengemeinde hat das Wahlrecht;
Reichsensachsen (Kirchentt. Eschwege): Treysa I (Kirchenkreis Ziegenhain); Renda (Kirchentteis Eschwege). Bewerbungsgesuche sind an das Pattonar der Stelle, z. Hd. des Herrn Mitpattons Sr. Hoheit des Landgrafen Chlodwig von Hessen-Phflippsthal- Barchseld zu richten. Die Gesuche sind für sämtliche Pfarrstellen beim Landeskirchenrat bis zum 31. Ott. d. I. einzureichen. — Ernannt sind die Pfarrer Horst in Naumburg zum Pfarrer in Rinteln, Li e f- land in Wacken, Kreis Rendsburg, zum Pfarrer in Rosenthal, Schilling in Gundheim zum Pfarrer in Meerholz, Schweckendieck in Braunschweig zum Pfarrer tn Lohra und Pfarrer extt. Psarrver- toefer Rübesam in Zwesten zum Pfarrer daselbst. — Gestorben sind Mettopolitan t R. Liz. Dr. Boette in Marburg, Pfarrer Gipper in Ulfen und Pfarrer in R. Lambert aus Hanau in Wiesbaden.
„Wie unvernünftig, Hilde,
immer so viel zu essen! Deine Diät scheinst Du wenig gewissenhaft einzuhalten. Klage mir nur nicht über Schmerzen und Beschwerden."
„Aber, liebe Mutter, weißt Du denn nicht, daß ich von meinen Hämorrhoiden vollständig geheilt bin? Vor wenigen Wochen fing ich eine Kur mit Posterisan, Salbe und Zäpfchen ei; ein Mittel von überraschend guter Wirkung, es l.at mich von allen Schmerzen und Beschwerden befreit Meine Freundin, die Elli, gebraucht es jetzt auch. Sie ist glücklich darüber, daß ich ihr den guten Rat gegeben habe.“
In allen Apotheken: Posterisan-Salbe für RM. 1-5Z, Egstensan-ZäBlGheo für R£L 2^, -