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Ar. 244»

Montag, den 17. Oktober 4932

22 Jahrgang

Keine Entscheidungen vor der Wahl

Erst Ende der Woche Kabinetts sitzung / Der Kampf um den Konferenzort / Abwehrmatznahmen gegen Holland?

Gayls Reise nach Sstbayern

Aw Rednerpult: Der Kanzler

Vou unserer Berliner Schriflleitung.

th. Berlin, 17. Oktober.

Der Reichskanzler ist heute früh von seiner Reise «ach Westfalen wieder in Berlin eingetroffen. In den nächsten Tagen ist jedoch noch nicht mit Kabinettsstt- zungen zu rechnen, da mehrere Mitglieder der Reichs­regierung, der Reichswehrminister, der Reichsinnen­minister und der Reichswirtschaftsminister am Sonn­abend kurze Urlaubsreisen angetreten haben, von denen sie Mitte der Woche wieder nach Berlin zurückkehren. Erst in den letzten Tagen der Woche werden daher neue Kabinettssitzun­gen stattfinden, in denen vor allem Wirtschafts- und sozialpolitische Fragen geregelt werden sollen. Vor­aussichtlich wird auch Veranlassung zu einer

neuen Besprechung der «ußenpolitischen Lage sein, da inzwischen eine neue Fühlungnahme zwischen Paris und London über den Ort der von Macdonald vorgeschlagenen Viermächte-Konferenz in Gang ge­kommen ist, nachdem die deutsche Regierung mit nicht mitzzuverstehender Deutlichkeit die Stadt Genf als Konferenzort abgelehnt hat. In der Wilhelmstratze erwartet man mit Bestimmtheit, daß vor allem die englische Regierung sich »unmehr um einen an­deren Konferenzort bemühen und den Franzosen einen derart veränderten Vorschlag unter­breiten wird.

Größere Entscheidungen innerpolitischer Art wer­den vor dem Wahltermin, dem 6. November, kaum noch zu erwarte« sein. Das gilt sowohl in Bezug auf eine anderweitige Besetzung des Postens des Ban- kenkommiffars wie auch einer eventuellen Aenderung

völlige Einigung erzielt worden. Am 17. Oktober 1932 tritt das italienische Dekret außer Krast, durch das am 1. Oktober von Italien ein­seitig ein Devisenkompensationsverkehr zwischen Deutschland und Italien eingeführt werden sollte. Von diesem Tage ab gelten also für die Bezahlung deutscher Waren in Italien wieder die allgemeinen Regeln; alle Sondervorschriften gegenüber Deutschland sind aufgehoben.

Für die Bezahlung italienischer Waren in Deutsch­land gelten die allgemeinen deutschen Devisenvor­schriften. Außerdem ist die sog. Schwedenkia n- s e l vereinbart worden, durch die sestgelegt wird, daß durch die Gutschriften aus ein Sonderkonto das frü­here Verhältnis zwischen der deutsch-italienischen Gesamteinfuhr und Gesamtausfuhr nicht verändert werden darf.

Ambau der Preutzenkaffe

Berlin, 17. Oktober.

Die Reichsregierung will heute die Verhandlungen zum Abschluß bringen, wonach die Preußische Zen- tralgenossenschaftskasie (Preußenkaffe) aus dem Besitz Preußens aus das Reich überführt wird. Die Ver­handlungen erstrecken sich darauf, die Art der künfti­gen Beteiligung festzulegen. Auch nach der Umorga­nisation wird das Land Preußen in der neuenDeut­schen Aentralgenoffenschaftskasse" eine Vertretung er­halten. Künftig wird naturgemäß da? Reich den maß­gebenden Einfluß auf die bisherige Preußenkasse aus- iiben. An der eigentlichen Arbeitsweise der Kasse, wird sich abek nach ihrem Uebergang auf das Reich kaum etwas ändern.

Am Sonntag »ormtttag lvrach Reichskanzler von Pape» in Paderborn. De», Inhalt der Rede gebe« wir a«f Seite 2 wieSer. Hier soll nur der Eindruck geschildert werde«, de» der Kanzler als Redner hin-

terlietz.

Tie Stimme des Reichskanzler ist Millionen von Deutschen bekannt. Man hat während der letzten Wo­chen mehrfach Gelegenheit gehabt, sie im Rundfunk zu hören. Die Ankündigung des Wirtschaftsprogrammes in Münster, die Rede, die im Reichstag gehalten wer­den sollte, der Appell für die Winterhilfe und vor wenigen Tagen die Ansprache an die bayerischen In­dustriellen und Wirtschaftsführer das waren Sen­dungen, die Herrn von Papens Worte aus der Enge des Senderaumes nach ganz Deutschland hinaus­trugen. Man kennt die Stimme mit ihrer ein wenig rauhen, militärischen Klangfarbe, man weiß, daß sie sich zu einem schwungvollen Pathos ebenso wie zu einer streitbaren Härte steigern kann. Und je nach der politischen Einstellung haben sich die Hörer aus dieser auf das Wort beschränkten Begegnung ein Charakter­bild von dem Mann, der mit der Leitung der deut­schen Politik beauftragt ist, geformt.

Selbstverständlich ist aber, daß diese Eindrücke, die der Lautsprecher vermittelt, unvollkommen sind, und daß das Urteil, das auf ihnen beruht, über die üblichen und unvermeidlichen Fehlerquellen hinaus seine Mängel hat. Endgültiges oder doch wenigstens Bestimmtes über einen Menschen und seine -Qualitä­ten auszusagen, ist nur dem möglich, der den Zu-Be- urteilenden bei der Arbeit oder überhaupt in seinem alltäglichen Leben beobachten kann. Diese Möglichkeit ist in dem Falle Papen nur wenigen gegeben; für uns anderen bedeutet es aber immerhin schon einen

in der Kontingentierungspolitik des Reichsernäh­rungsministers.

Der Reichskanzler hat in seiner gestrigen Rede in Paderborn hervorgehoben, daß diese Politik beide-

Die Wahlarbeit der Parteien

halten werden soll, und infolgedessen ist damit zu rechnen, daß trotz der zahlreichen Bedenken und der vielen kritischen Aeußerungen, die gegenüber der KontingentierungsPolitik zu verzeichnen waren, die Hauptlinien dieser Politik bis auf wei­teres keiner Aenderung unterzogen werden. Man weist in der Wilhelmstratze zur Begründung dieser Haltung unter anderem daraus hin, datz die Kontingentierungspolitik neuerdings auch von Jn- dustriekreisen, aus denen bisher die hauptsächlichsten Angriffe kamen, angeblich ruhiger beurteilt wird als bisher, und daß auch die autzenpolitischen Schwierig­keiten, die mit der Einführung von Kontingenten verknüpft sind, angeblich nicht so grotz seien, wie man ursprünglich erwartete.

Verständiaunq mit Italien

Man kann sich dabei insbesondere auf die Nach­richten aus Rom stützen, da man inzwischen mit den Italienern wenigstens zu einer Regelung der De­visenschwierigkeiten gelangt ist.

Man glaubt in amtlichen Kreisen weiter, datz ange­sichts der Befferung der Verhandlungslage gegenüber Italien nunmehr auch die Schwierigkeiten, die in der Kontingentierungsfrage mit Holland entstanden sind, sich ebenfalls leichter überwinden lassen würden. Die Holländer haben bekanntlich den allerstärksten Wi­derstand gegen die Einführung deutscher Kontingente geleistet und man beschäftigt sich daher in den der Re­gierung nahestehenden Kreisen in Berlin bereits mit dem Gedanken, ob man nicht eventuell gewisse G e - genmatznahmen gegen Holland anwenden müsse, so z. B. die Verlegung des zur Zeit über Rotterdam und Amsterdam laufenden Ueberseehandels nach Ant­werpen. Man hofft jedoch, daß man ohne derartige Maßnahmen mit den Holländern zu einer Einigung gelangen wird.

Das hauptsächlichste innerpolitische Problem, wel­ches in der nächsten Zeit den wichtigsten Gegenstand der Arbeiten innerhalb der Reichsregierung bilden wird, ist auch jetzt noch

die Verfafirrngsreform

Diese wird gerade gegenwärtig vom Reichsinnenmini­ster eingehend beraten. Der Reichsinnenmini­ster hat sich am Sonnabend auf eine Reise in den bayerischen Wald begeben, wo er mit Mitgliedern der bayerischen Regierung zusammentrisft, um dort die Wirtschaftsnotlage des bayerischen Ostgebietes zu stu­dieren. Bei dieser mehrtägigen Zusammenkunft wer­den die Grundziele der Verfaffungsrcsorm so weit be­sprochen , daß dann in Berlin die Einzelheiten aus- gcarbcitct werden können. *

Ueber die Einigung in der Frage des deutsch­italienischen Zablungsverkebrs wird noch aus Rom aemeldet: In Verfolg der weiteren Besprechungen Uvischen deutschen und italienischen Vertretern über die Frage der Zahlungen im Handelsverkehr ist eure

(Eigener Drahtbericht.)

th. Berlin, 17. Oktober.

Die Regierung dürfte die bisher geübte Distanzie­rung zum Wahlkampf auch weiterhin beibehalten, aber die Parteien beginnen jetzt ihrerseits mit gestei­gerter Wahlarbeit. Bemerkenswert sind dabei die Be­mühungen der deutschnationalen Presse, die Notwendigkeit einer einheitlichen nationalen Front stärker in den Vordergrund zu stellen. Das wird ins­besondere mit der Behandlung des Falles Klepper begründet, aber es fragt sich, ob die Bemühungen von Erfolg begleitet fein werden.

Aus der Wahlarbeit der Linken ist ein offener Brief hervorzuheben, den der frühere Reichstagspräsident L ö b e an den Reichspräsidenten von Hindenburg ge­richtet hat, und in welchem er ihn fragt, ob er dem Reichskanzler tatsächlich, wie dieser in einer Rede er­klärt hat, den Auftrag zur Verfassungsänderung ge­geben habe. Es ist kaum anzunehmen, daß dieser Brief eine offizielle Antwort finden wird, da Löbe ihn nicht mehr als Reichstagspräsident, sondern ledig­lich als Mitglied derVorwärts-Redaktion geschrieben hat.

Stahlhelm »«b Hitler

, Berlin, 17. Oktober.

Wie die Pressestelle des Stahlhelms mitteilt, haben sich die Bundesführer des Stahlhelms bereits am 5. Oktober an den Führer der NSDAP Adolf Hitler mit der Frage gewandt, ob er den von einem Teil der nationalsozialistischen Presse gegen den Stahlhelm be­triebenen Kampf billige. Hitler habe darauf antwor­ten laffen, daß ihm von einem Kampf gegen den Stahlhelm nichts bekannt fei.

Inzwischen sei es zu den bekannten Mutigen Zu­sammenstößen in Hamburg gekommen und infolgedes­sen hätten sich die Bundesführer des Stahlhelms nochmals an Hitler gewandt, er mögedem Blutver­gießen ein Ende bereiten". In der Kundgebung der Stahlhelmführer heißt es dann zum Schluß:Die im Stahlhelm vereinigten alten Frontsoldaten sind feit langen Jahren der inneren Ueberzeuguttg, daß deut­sches Blut wahrlich genug geflossen ist. Demgemäß sind im Stahlhelm alle Provokationen Andersdenken­der seit Jahr und Tag verboten.

Kapital und Arbeit

Eine Rede Hugenbergs.

Berlin, 17. Oktober.

Die Deutschnationale Volkspartei veranstaltete am Sonntag im Reichstage eine außer­ordentlich stark besuchte sozialpolitische Tagung, aus »er der Parteiführer Hugenberg eine Programmrede zur Sozialpolitik hielt. Es sei Zeit, so erklärte er, an die WiederverjyHmms vou üagitdl und Ar­

beit heranzugehen und die Entproletarisierung der Arbeiter, seine gleichberechtigte Eingliederung in die Volksgemeinschaft herbeizuführen. Wirkliche Sozial­politik bestehe in der Aussiedelung aus den Groß­städten und einer Konzentration der Industrie, in der Erweiterung des Lebensraumes des Volkes, im Schutze und der Förderung der Familie. Die DVP. denke nicht daran, den Arbeiter und Angestellten der Willkür unsozialer Unternehmer preiszugeben. Sie kämpfe auch nicht gegen die Gewerkschaften, sondern nur dagegen, was der Marxismus in den letzten Jahrzehnten daraus gemacht habe: Vergiftete Waf­fen in einem sinnlosen Wirtschaftskampf. Nicht Ab­bau der Sozialpolitik sei die deutschnationale Parole, sondern deren Erhaltung und Rettung durch eine Re­form an Haupt und Gliedern.

Amorganisatton im Wiener Kabinett?

Berlin, 17. Oktober.

Wie derMorgen" aus gut nnterrichteter Quelle erfahren haben will, werde auf Grund eines Kompro­misses zwischen den Christlich-Sozialen, dem Laadbund und dem Heimatblock in allernächster Zeit Vizekanzler Winkler die Fnnktionea eines Innenministers übernehmen. Gleichzeitig werde aus Wunsch der Heimwehren Major Pfeq zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt ernannt werden, wobei ihm die Oberaufsicht über das gesamte Sicherheitswesen über­tragen werden solle.

Aus Grund der Parteienuereinbarnng werde schlietzlich anstelle des Eroßdeutschen Dr. Frank der Landbündler Ingenieur Tauschitz, zweiter Vize­präsident des Nationalrates, als österreichischer Ge­sandter in Berlin vorgeschlage« werde».

DiefranzöfischenSenatswahlen

Paris, 17. Oktober.

Das Schlußergebnis der Senatserneuerungswah­len nach dem dritten Wahlgang ist folgendes: Die 111 zu vergebenden Sitze verteilen sich auf die verschiede­nen Parteien wie folgt:

Rechtsstehende 6 (Gewinn 0, Verlust 1)

Rechtsstehende Republik. 11 ( 3, 2)

Linksrepublikaner 26 ( 6, 10)

Rechtsstehende Radikale 18 ( 8, 6)

Radikale 49 ( 10, 7)

Sozialisten 1 ( 0, * 1)

Kommunisten u. Dissidenten 0 ( 0, 0)

Gesamt 111 £ * 28, e 23^

Schritt auf dem Wege zur besseren Erkenntnis, wenn wir dem Leiter der Reichspolitik einmal unmittelbar gegenübersitzen, wenn wir unsere Eindrücke auf Sehe» und Hören gründen können. ;

*

Die sachlich-schöne Schützenhalle in Paderborn in der der Kanzler am Sonntag vormittag vor meh­reren tausend Menschen sprach, gab der von oeia schiedenen Wirtschaftsverbänden einberufenen Veran­staltung einen würdigen Rahmen. Die erste Kor­rektur, die der Besucher dieser Versammlung a« dem Bilde vollzieht, das er sich von dem Kanzler auf Grund der Rundfunkübertragungen gemacht hat, ist die: Das Auftreten, die Art, wie er seine Rede vor­trägt, mildert die Schärfe und Härte der Sprechweise. Der Mann, der da am Pulte steht, hat in seiner Er­scheinung etwas Verbindliches; er, verleugnet in der Haltung, in der Sparsamkeit der Handbewegung und der Gesten den Aristokraten oder, wenn man so will, den großenKavalier" nicht. Nur ab und zu, wen» die Rhetorik sich steigert, erhebt der Kanzler die Hand, nur einmal löst er sich ganz vom Manuskript, nimmt die große Hornbrille ab und wendet sich, nun auch in der Bewegung frei und ungehemmt, temperamentvoll an feine Zuhörer. Das ist an jener Stelle der Rede, in der er dem offenen Briefe, den die Vorsitzende« der katholischen Arbeitervereine an ihn richteten, fehl Be­kenntnis zum Katholizismus und zu der aus dem Glauben geborenen Verantwortlichkeit entgegenstellr. Etwas von dieser stärkeren Bewegung bleibt bann im Schlußteil der Rede, in der sich der Kanzler den poli­tischen Dingen zuwendet, um den Vortrag in einem starken Appell, in der ParoleFür Hindenburg und für Deutschland" ausklingen zu lassen.

Im Ganzen aber und das ist die zweite Korrektur, von der zu sprechen ist schien es uns bei dieser Paderborner Rede, als sei die Distanz zwischen dem Redner und feinen Hörern doch größer, als man nach den Rundfunkübertragungen annehmen konnte. Der Kanzler hielt sich auch diesmal, was einem verantwortlichen Staatsmann nicht zu ver­übeln ist, eng an sein Manuskript, und er behandelte vorwiegend die wirtschaftlichen Probleme, ein Thema also, das noch spröder ist als die vielgescholtene Po­litik. Damit erklärt sich manches, aber nicht alles, denn auch die Rundfunkreden waren schriftlich fest­gelegt und wirkten doch unmittelbarer...

*

Sachlich konnten die Ausführungen des Kasizlers, nachdem die Münchener Rede die Erörterung der po­litischen Fragen vorweggenommen hatte, natürlich nichts Ueberraschendes mehr bringen. Der Hauptteil der Rede galt der Wirtschaftspolitik, und hier setzte sich Herr von Papen vor allem mit seinen Kritikern auseinander. Was er über die sozialpolitischen Fra­gen, über den Sinn seines Programms, über den Zeitpunkt der Verkündung und über die Kontingen­tierungsfrage sagte, war im Wesentlichen eine Um­so- '«ng seiner Münchener Gedanken. Die optimisti­sche Beurteilung der Erfolgsmöglichkeiten und der Erfolge des Wirtschaftsplanes wurde mit ei­nigen neuen Argumenten begründet, wobei freilich die Frage offen bleibt, ob die Bedenken der Kritiker damit beseitigt werden und beseitigt werden können.

Fast zum Schluß ging der Kanzler, wie schon er­wähnt wurde, auf die politischen Dinge ein. Es war bezeichnend, daß nicht allein der Redner, son­dern auch die Zuhörerschaft an diesen Fragen ihr Temperament entzündeten. Die scharf formulierten Worte, in denen die Parteien angeklagt wurden, und ganz besonders der Satz, daß der Staat im äußer­sten Notfall auch jenseits der parlamentarischen Re- gierungsform ein Existenzrecht in sich habe, fanden de« stärksten Beifall. Ergänzt wurden diese politi­schen Ausführungen durch die mannigfachen Bemü­hungen Papens, seinen politische« Standpunkt welt­anschaulich festzulegen. Das Bekenntnis zur Politik aus dem Glauben und die Anerlennung der Bindun­gen, die das Blut, die Familie, die Landschaft und die Ration dem Menschen auferlegen, standen am Anfang der Rede, der SatzFreiheit ist Dienst" dieser Satz, der den konservativen Freiheitsbegriff von dergemeinschastsfeindlichen Freiheit" absetzen soll gab den Ausklang.

*

In Paderborn sprach der Kanzler in der Haupt­sache vor Menschen, die aus dem Westfälischen und Lippifchen, aus dem Hessen-Nassauischen und Han­noverschen herbeigeeilt waren, um ihm ihr Vertrauen z« bekunden. Der Beifall, der ihn begrüßte, und der seiner Rede folgte, zeugten davon. Ob diese Ge­folgschaft erweitert werden kann das aber ist eine Frage, die nicht durch die Reden sondern allein durch die Taten der Regierung entschieden werden wird.

. . W. P.