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Kasseler neueste Nachrichten
Freitag, 14. Oktober 1932
rung mit dem Regisseur, mit dem Produktionsleiter, und wir sehen das Pensum der vergangenen Drehtage durch. Besprechungen für den nächsten Tag find notwendig, Kleiderproben, und noch einmal arbeiten wir alle an den Dialogen für die morgigen Szenen. Denn so wie ihr euch das Filmen immer denkt, meine lie-
Hans Alders
spielt die Hauptrolle in dem neuen llfa-Film „Rauschgift", der von der Filmprüfstelle verboten wurde.
Len Freunde, geht es doch in Wahrheit gar nicht zu bei uns. Etwa so: Wir kommen ins Atelier, und der Regisseur sagt: „So, nun spielen wir mal das ganz schnell . .
Eine Rolle, eine Gestalt, wie sie im Film lebendig werden soll, entsteht nicht so — Hokuspokus pft aus
. . . schwupstrala . . .! Wenn sie durchgesprochen ist mit den Autoren, dem Regisseur und den Partnern, dann mutz sie ja schlietzlich auch gelernt werden. Wann? Zn den Kulisien? Während der Aufnahmen? Ach, Kinnings . . .! , . , .
Zu Haus, wenn mein Feierabend begrünt, oa fängt erst die Arbeit an.
In diesem Sommer hab' ich zum ersten Male drangen im Grüne» ein Haus gepachtet, um Ruhe und frische Luft zu haben in den wenigen Abendstunden, die mir gehören...
So zwischen 10 und 11 Uhr setze ich mrch dann auf meine Veranda, meine Zigarre im Mund, und dann lerne ich noch ein paar Seiten.
Und dann gehe ich schlafen. Wenns ein heißer Tag M, aufs Dach. Ra, und wenns auch mal fo'n bißchen zu tröppeln anfänot, so macht mir das auch nichts aus. Neulich habe ich sogar einen richtigen Regenguß ver- ichlaien.
Bleibt der Sonntag als Feiertag und Feierabend. Der einzige Tag in der ganzen Woche, an dem rch überhaupt meinen Garten sehe. Da sehe ich mich um, wie alles gewachsen ist seit voriger Woche, nehm den Schlauch und spreng' die Wiese und den Steingarten und meinen Nutzbaum. Das einzige Obst, das bei mir wächst. Dann wird Wellen geritten und geschwommen und an der Fahnenstange geturnt. Man darf doch keinen Bauch kriegen und verfetten. Manchmal mach' ich es dem Nachbar nach und angle. Aber . . . im Vertrauen, ich habe noch nie was gefangen. Mein Freund meint, das kommt, weil ich immer nur Wurst- und Käsestückchen anbinde an den Angelhaken.
Ein Paradies der Autodiebe scheint Chicago zu sein. Dort wurden im September 3375 Autos gestohlen, aber nur 2255 neue Auws verkauft.
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In Belfast (Irland) kämpft die Polizei seit langem mit arbeitslosen Demonstranten. Besonders heftige Kämpfe find in den letzten Tagen ausgefochten worden. Straßenbahnwagen wurden gestürmt, Auslagen eingeschlagen, Barrikaden errichtet, die Demonstranten schaffen auf die Polizei, die Polizei schoß zurück. Bisher hat es zwei Tote und über zwanzig Verletzte gegeben.
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Generalkonsul Torsten Kreuger ist aufgrund polizeilicher Feststellungen über die Buchführungsmethoden der zum Kreugerkonzern gehörenden Gesellschaft Högbroforsens-Jndustrie AG. in Polizeihaft genommen worden.
„Deuifche Kunst" — abgewrackt!
Das Ende der „pro arte" / Lind eine neue „Thalia" soll starten
Tausend schöne Hoffnungen und Projekte werden zertrümmert und mit den Planken der „Pro arte" meistbietend verkauft. Der Hamburger Hafenbericht verzeichnet das kurz unter der Eintragung: „Schoner „Pro arte" wird verschrottet..."
Das ist ein recht klägliches Ende einer kühnen Ausfahrt und vielversprechender Hoffnungen. Der alte Holzschoner Dora, ein 1527 - Tonnenschiff, wurde än- gekauft, überholt, mit Bühne, Parkett, Kuliffen, Schauspielergarderoben und vielen anderen Dingen verletzen, die auf der Werft staunendes Verwundern und heimliches Grinsen hervorriefen, wurde dann zu Wasser gelaffen und stach mit den idealsten Vorsätzen in See.
Deutsche Schauspieler, Regiffeure, Unternehmer wollten hier ein Mittel schaffen, um deutsche Kunst in fremde Länder zu tragen, um neue Wege zu finden, der Bühne aufzuhelfen, die überall im Lande mit unüberwindlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Das T^aterschiff sollte von Hafen zu Hafen fahren. Vorstellungen geben, Geld verdienen. Es waren viele
ehrliche Begeisterte da, es gab Gläubige und Hilfsbereite — aber es mangelte am Geld, es mangelte an gewandter geschäftlicher Organisation... Die letzte Zuflucht blieb das deutsche Konsulat, das eine Weiterreise ermöglichte. Bis man nach einigen solcher Mißerfolge nicht umhin konnte, festzustellen, daß man dem Lande mehr Geld kostete als nützte. Und so kam als letzter Besucher im heimatlichen Hafen der Gerichtsvollzieher ins Parkett — die Reife war zu Ende, das Schiffstheater war bei der letzten Szene angelangt.
Eine Warnung für Unternehmungslustige, die anscheinend nicht alle werden. Denn noch ist die „Pro arte" nicht verschrottet und schon will man ein neues Schiff auftakeln, der Name ist schon fertig: .Thalia''. Die deutsche Industrie nahm die Anregung auf und will ein Schiff als schwimmende Meffe bauen Vielleicht wirklich ein neuer Weg. Aber nur, wenn wirkliche Garantien gegeben sind und nicht zu befürchten ist, daß hier ^schwimmende" Projekte den Spott des Auslandes herausfordern...
E. Schauwecker.
Hochzeitsreisen wie immer
Vom Leiter eines Reisebüros
Dem neue» Sonderheit des „Querschitttt". das die Ehe von beute ernsthaft, heller und satirisch durchleuchtet. mit vielen Zoros, Zeichnungen und Anekdoten entnehmen wir folgenden Beitrag:
Hochzeitsreisen? Nichts geändert. Dieselben Senfe, dieselben Ziele, dieselben Fragen und sogar dieselben Preise.
Immer noch kommen die Paare zusammen an, nm. die Hochzeitsreise zu „besprechen". Das heißt: sie bespricht. Das Ziel: der Süden. Am besten: Venedig. Blauer Himmel, blaue Stimmung, Gondeln, strahlende Laune, ach ja, bitte, eine schöne, kleine, billige Rerse nach Venedig. Er versucht manchmals kleine (E$tia= vaganzen dazwischenzubringen. Aber sie erweist sich schon bei dieser Gelegenheit als sparsame Hausfrau. „Das ist doch schlietzlich nicht nötig, und das können wir uns doch sparen, und da wird es doch eine billigere Gelegenheit geben" — gewiß, es gibt sie — also ans nach Venedig. . „ . , .,
Auffällig ist diese Gemeinsamkeit aller Hochzeitsreisen, dieser Weg nach dem Süden. Es ist bei uns noch nie vorgekommen, daß Hochzeitsreisen nicht irgendwie über Italien gingen. Das wird auch daran liegen, daß die jungen Ehefrauen immer dre Route bestimmen, er steht sanft dabei und nickt verträumt: „Aber gewiß, ja, so ist es sicher schön."
Die Dauer der Reisen ist jetzt sehr verschieden, bte wirtschaftlichen Verhältnisse haben ja die unterste Grenze sehr verschoben. Häufig gibt es Hochzeitsreisen übers Wochenende, in die Mark, in die Sächsische Schweiz. Irgendeine Idylle wird aufgesucht, und dann ist es auch sehr schön, lleblich ist die Dreiwochenreise nach Italien. Da haben wir in den Reisebüros schon unsere feften erprobten Routen. Wir kommen auch der Organisationslust der jungen Frauen entgegen: sie erhalten ihre ruhigen Zimmer, mit dem Blick auf dieses und jenes, den freundlichen, alten Hotelwirt und die feine Dame, die der Pension vorsteht.
Unverändert ist auch meistens die finanzielle Regelung der Angelegenheit: der Schwiegervater zahlt, und die lieben Kinder danken ihm gerührt — vor dem Schalter des Reisebüros. Auch ins Flugzeug wagen sich neuerdings die Neuvermählten häufiger. Der bD.-Zug, der 16.22 Uhr Berlin verläßt, Frankfurt a. Main—Basel, ist der Hochzeitszug. Er hat die zartesten und mildesten und weisesten Beamten . . .
Diejenigen, die sich ihr Flitterglück nicht so viel kosten taffen können, beteiligen sich einfach an Gesellschaftsreisen. Acht Tage lassen sie die anderen mitg« nietzen, im Gebirge, auf der lieblichen Alp und damr natürlich im sonnigen Süden. Am Gepäck werden die Hochzeitsreisenden leicht erkannt: sie schleppt ine neuen Kleider mit, in vielen und großen Koffern, und er trägt die anderen neuen Sachen von ihr.
Hochzeitsreisen — wie immer.
Richt sehr liebenswürdig
.Menn man meine Ahnen zählen wollte, würde man auf eine hohe Ziffer kommen!"
„So, wieoiele Nullen?" (Politiken.).
„Hör auf zu trinken, Adalbert, der Alkohol ist eiti langsam tötendes Eist!"
„Nun, ich habe es auch gar nicht eilig!
(Söndagsniffe^
„Mein Fräulein, in meinen Adern fließt blaues Blut!"
„Oh Gott, läßt sich denn gar nichts dagegen machen?" („Berlingske Tidende")
„Gräfin Mariza" als Tonfilm
Capitol-Lichtfpielc.
Staffel, 14. Oktober.
Richard Oswald hat sich zwar für seinen neuesten Tonfilm einen sehr populären Stofs ausgesucht. Trotzdem war die Aufgabe, die beliebteste Kalmar-Operette aus der Farbigkeit des Theater auf die Leinwand zu übertragen, schwieriger, als der routinierte Regisseur vermutet hat. Schwierig, weil mit der reicheren Milieuschilderung des Films der Zwang zur realistischen Auffassung der Handlung auftritt. Os-
Dorochea Wieck als Gräfin Mariza.
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Wald verschloß sich nicht dieser Notwendigkeit und bezog sogar die Schlager in den natürlichen Ablauf der Handlung ein, derart, daß der Text der Lieder weitgehend „erlebt" wird. Die Folge ist, daß der Sän- ger nicht „schön", sondern ausdrucksvoll zu singen at, was der Wirkung eines Operettenschlagers zweifellos Abbruch tut. Es kommt dem Film zugute, daß Hubert Marischka, der wiener Operettentenor, so viel Spiettalent hat, daß er die Schlager auch auf dieser realistischen Basis zündend singt (Das Zigeunerlied!).
Die schöne, kühle Dorothea Wieck (als Gräfin Mariza) überläßt ihrem Partner alle SDlelobien, sie selbst begnügt sich mit wohlklingender Prosa. Das Buffo-Paar dagegen, Verebes und die frische Ehar- lotte Ander, hat einige gefällige Gesangs-Duette. Dem guten Szöke Szakall, deffen trockener Humor auch hier belacht wird, ist es vorbehalten, das happy end. energisch herbeizuführen.
Die verfilmte „Gräfin Mariza" gewinnt sehr durch prächtige Aufnahmen auf einem ungarischen Gut. Die alte, aber immer wieder wirksame Idee, eine Fahrt durch die schöne Landschaft mit Gesang zu verbinden, hat auch Oswald geschickt variiert. Jedenfalls haben alle, die die „Gräfin Mariza" schätzen, in der Verfilmung so viel zu sehen und zu hören, daß schon der Vergleich mit dem Theater zu einem Kinobesuch verlockt. -u.
Feierabend
Don
Hans Albers
Feierabend. . . eigentlich gibt es den ja gar nicht für unsereinen. Feierabend. . . wissen Sie, wann der für mich anfängt? So gegen 10 Uhr oder 11 Uhr abends. Früher bin ich nie zu Haus. Wenn die Aufnahmen im Filmatelier beendet sind, kann ich noch lange nicht fort. Dann gehe ich in die Vorfüh-
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