Sette 2—1. Beilage
Kasseler Neueste Nachrichten
Freitag, 14. Oktober INS 1
Auftakt der Kasseler Winterhilfe
Die Kasseler Winterhilfe hat ihre Arbeit ausgenommen, Die Sammeltätigkeit hat bereits begonnen und wird in den nächsten Tagen mit aller Stärke betrieben werden. Spenden nehmen alle Banken und Svarkassen sowie die Geschäftsstelle der Kasseler Winterhilfe, Rathaus, Zimmer 135, entgegen. Die erste Straßengeldsammlung findet am nächsten Sonnabend und Sonntag (15. und 16. Oktober) statt.
Das Hilfswerk ist zum Besten der Notleidenden aller Bevölkerungskreise eingerichtet. Die Aufforderung. zu helfen, geht darum an alle, di« noch helfen können.
Kasseler Winterhilfe.
Veränderungen im Polizeipräsidium
Mit Wirkung vom 1. Oktober ist Polizeimajor K i e l, der stellvertretende Führer der Kasseler Schutzpolizei, als Jnspektionsführer an dos Polizeipräsidium Wuppertal versetzt worden. Zu seinem Nachfolger in Kaflel ist Polizeimajor Pfeffer-Wildenbruch vom Pol - zeipräsidium Berlin ernannt worden.
Polizeimajor Kiel ist im Jahre 1929 nach Kassel gekommen, nachdem er vorher Polizeisachbearbeiter bei der Regierung in Minden i. W. gewesen war. In den schweren Jahren seiner Kasseler Tätigkeit hat sich Major Kiel stets als ein umsichtiger und tüchtiger Polizeiführet bewährt.
Auch bei der Kasieler Kriminalpolizei ist jetzt eine Versetzung erfolgt: Kriminalkommissar Zeitz ist zum 15. Oktober nach Recklinghausen versetzt worden. Als Leiter des Einbruchsdezernats und des Brandkommissariats hat Kommissar Zeitz sehr viel Anteil an der erfolgreichen Arbeit der Kasieler Kriminalpolizei in den Jabren von 1927 bis heute gehabt.
Oer zivile Luftschutz
Der Luftschutzdeirat plant besondere Maßnahmen.
Wie bereits berichtet wurde, hat der beim Polizeipräsidium eingerichtete Luftschutzbeirat in seiner Sitzung vom 22. September d. I. einen besonderen Arbeitsausschuß zur Vorbereitung der Maßnahmen für den zivilen Luftschutz gebildet. Dieser Arbeitsausschuß hat am 7. Oktober d. I. unter Vorsitz des Polizeipräsidenten seine erste Sitzung im Polizeipräsidium abgehalten. Aus der Ee- samtorganisation des örtlichen Luftschutzes stand zur Beratung als nächste und dringlichste Aufgabe die Einrichtung des Sicherheits- und Hilfsdienstes, die Gliederung, Einteilung und Stärkeberechnung der für Kassel in Frage kommenden personalen Hilfskräfte. Für den Aufbau der Organisation bildet die vorhandene Einteilung der Polizei die Grundlage. Jedes Polizeirevier stellt ein Luftschutzrevier dar. Zu den Polizeikräften des Luftschutzreviers treten als sogenannt« Einsatzkröfte eine Feuerwehr- und Äufräu- mungstruppe, eine Sanitäts- und eine Warn- und Läufertruppe. Weiter werden besondere Bereitschaftskräfte errechnet, die teils zur Ergänzung der Revierkräfte dienen, teils von der örtlichen Lüftschutzleitung zur Bewältigung größerer Aufgaben eingesetzt werden können. Da die ftünbigem Kräfte der Polizei und der Stadtverwaltung, namentlich der Feuerwehr und des öffentlichen Rettungsdienstes im Falle von Luftangriffen zur Beseitigung ihrer Folgen nicht ausreichen, so ist ihre Ergänzung erforderlich. Für diese sollen in erster Linie die Technische Nothilfe und die sanitären und charitativen Verbände und Vereine sowie Jugendliche herangezogen werden. Der Arbeitsausschuß hat beschlosien, die listenmäßige Erfasiung aller jur von örtlichen Sicherheits- und Hilfsdienst errechneten Kräfte in den nä^en Wochen beschleunigt durchzuführen. Ferner ist von Interesse, daß voraussichtlich Ende November d. I. nach dem Beispiel der Hebungen in Ostpreußen und in einigen Küstenstädten auch in Kassel
verschiedene Luftschutzmaßnahmen erprobt werden sollen. Näheres hierüber wird vorher noch bekannt- gegeben werden.
Kassel weltbekannt als Rembrandt- und Opernstadt
Ein Leser schreibt uns:
Salzburg ist eine relzende Stadt, in der sich schon ohne Festspiele gut leben läßt. Während des Fest- spielmonats aber erhöht sie ihre Reize soweit, daß man eins mit ihr und den Feftspielbesuchern wird. Wohltuend verwischen sich da die Geyensätze der Nationalitäten, der politischen und konfessionellen Einstellungen. Vielmehr gehört in diesen Tagen des Kunstgenusses alles einer Riesenfamilie an, die sich vor allem in einem einig ist: der Liebe zur Kunst. Bis tief in die Nächte wird über die Leistungen der Künstler beim „Schwarzen" debattiert. Am begeistertsten sind natürlich die Wiener, diese großen Kinder, denen auch die Not, die in Wien ein ernstes Gesicht hat, ihre Enthusiasmierungsfähigkeit nicht nehmen kann. Für den Kasselaner aber gibt es über diesen Festspieltaumel hinaus noch eine andere Freude, nämlich die. daß Kunstbeslissene aller Länder sich erkundigen, ob die Kasseler Oper noch so gut sei wie ehemals. Das ist, denke ich, genug Anlaß zum Swlzsein, denkt man dabei an die unerhörten Kämpfe, die unser Institut zu bestehen hat. Sollte die Tatsache der Berühmtheit unserer Oper nicht eine Mahnung für Kassels Bevölkerung fein, das Theater mehr als bisher zu unterstützen, um es unter allen Umständen auf der Höhe zu halten?
Zu einer genußreichen Fahrt durch die Dolomiten mit Kampfgegenden des Weltkrieges hatte sich in dem weithin bekannten und wirklich fabelhaft bequemen Innsbrucker Alpenexpreß eine internationale Gesellschaft zusammengefunden. Alsbald Hub zwischen einer Pariser und einer englischen Familie, als sie hörten, ich sei aus Kassel, ein eifriges Kunstgespräch an, das die Kasseler Rembrandts (die sie beinahe besser kannten als ich selbst) zum Gegenstand hatte. „Alle Welt kann Sie darum beneiden" riefen die Leute. (Kümmert sich der Kasselaner um feine Kunstfchütze?!). Die Tatfache aber, daß Kassel der Welt etwas zu bieten hat, verpflichtet auch feine Einwohner.
Ueberall auf Reise begegnet man solchen Kennern So kam ich u. a. bei der Einweihung der neuen Glock- nerstraße im Hochmais mit einem weißhaarigen sei
nen Kops ins Gespräch, der aus Göteborg war. „Ah Kassel" radebrechte er, „die schöne Wilhelmshöhe, die wertvolle Gemäldegalerie und — die unsreundlichen Menschen". Diese drei Merkmale, die der Vielgereiste da aussprach, geben ein Schlaglicht, wie der Kasselaner den Fremden zu begegnen hat. Da steht man nun vor dem Glöckner und verteidigt des Kaflelaners neuerliche, geradezu überwältigende Liebenswürdigkeit..
Allerlei vom Tage
Bärensühren. Der Hessische Tierschutzverein teilt mit, daß er vor etwa zwei Wochen ein neues Gesuch an den Herrn Regierungspräsidenten gerichtet hat, des Inhalts, grundsätzlich Bärenführern keine Erlaubnisscheine zu Schaustellungrn, was Tanzbären betrifft, auszustellen. Der Regierungspräsident erwiderte, daß die Ortspolizeibehörden angewiesen sind, grundsätzlich die Erlaubnis zu den genannten Schaustellungen zu versagen. Trotz einer früher ergangenen Anweisung haben verschiedene Ortspolizeibehörden die Erlaubnis erteilt. Die Verfügung ist den bett. Orspolizeibehörden daher erneut in Erinnerung gebracht worden. Der Hess. Tierschutzverein betrachtet, wie alle Tierschutzverbände, das Vorführen von Tanzbären schon auf Grund der Dressur (heiße Bödenplatten, Nasen- ringe, die ausgerissen werden) als Tierquälerei und wird nach wie vor an dem Kampf gegen das Vorsühren von Tanzbären festhalten.
Bomben ans Kassel. Die Eaupressestelle bei NSDAP, teilt mit: Das Nationalsozialistische Fliegerkorps im Gau Hessen-Nassau-Nord veranstaltet am 23. Oktober in Kassel den ersten nationalsozialistischen Flugtag des Gaues Hessen-Nassau-Nord. Gleichzeitig veranstalten die nationalsozialistischen Kraftfahrer des Gaues Hessen-Nassau-Nord ihr erstes Gautreffen. Arn 22. Oktober führt das NSKK. eine Zielfahrt „Ab nach Kassel" durch. Abends spricht im Rahmen eines großen Werbeabends des NSKK. in sämtlichen Sälen der Stadthalle ein namhafter Redner. Am Sonntag morgen wird auf dem Waldauer Flugplatz ein Geschicklichkeitswettbewerb der Kraftfahrer durchgeführt. Nachmittags um 2 Hhr beginnt dann die große nationalsozialistische Fluaveranftaltung. Es werden insgesamt 15 einheimische und auswärtige Flugzeuge starten. Vorgesehen sind Geschwaberflüge,
Die Liebesarveii der Kirche
Eine Ausstellung in der Oberen Königstraße
Von der Arbeit bet Kirche wirb vielfach nur das Aeußerliche beachtet, der Apparat von Beamten und Angestellten, die Unannehmlichkeit der Steuern und anderes. Aber selbst der kirchlich Gesinnte ist oft nicht über die Arbeit im Bilde, die in der Stille geleistet wird und Not lindert, wo sie sie findet.
Um dieser Arbeit willen war es notwendig, der Oefsentlichkeit den Umfang dieses Liebeswerks klar- zumachen. Diesem Zweck bient eine Ausstellung von Bildern und statistischem Material, die Präsident D. Bähr am Donnerstag in dem Laden Obere Königstraße 1 eröffnete.
Es stellt diese Ausstellung einen bescheidenen Versuch dar, führte Präsident Bähr aus, die Tätigkeit der evangelischen Kirche, insbesondere auf dem Gebiet der fozialen Pflege, graphisch darzustellen. Die den Darstellungen zu Grunde liegenden Zahlen beruhen auf exakten Feststellungen. Die Bilder sollen darstellen in welcher Weise und in welchem Umfang die evangelische Kirche in Hessen-Kassel die evangelische Liebestätigkeit ausübt. Daß hierbei die Anstalten der Inneren Mission, insbesondere unser hessisches Bethel. nämlich die Anstalten Hephata bei Treysa, in
erster Linie stehen ist selbstverständlich. Darüber hinaus soll aber auch der Versuch gemacht werden zu zeigen, wie sich die Tätigkeit eines Pfarrers, insbesondere eines Großstadtpsarrers, abspielt. Wenn wir, wie wir alle hoffen, auf dem Wege zum christlichen Staat sind, in dem mit dem Irrwahn von der welt- anfchaulichen Neutralität des neuen Deutschlands endgültig aufgeräumt wird, fo muß es auch die evangelische Kirche verlangen, daß sie in bet Öffentlichkeit insbesondere in den Parlamenten, durch bewußt evangelische Persönlichkeiten so vertreten wird, wie es erforderlich ist, damit sie ihren Ausgaben gerecht wird. Daß hierin noch sehr viel fehlt, beweisen die diesbezüglichen Tafeln.
Es ist zu hoffen, daß die Ausstellung — das ist ihr alleiniger Zweck, nichts liegt ihr ferner, als etwa sich mit den Taten der evangelischen Kirche und der evangelischen SiebeStätigteit zu brüsten — dazu dient, möglichst weiten Kreisen ein klares Bild davon zu geben, welche Aufgaben sich, soweit das graphisch dargestellt werden kann, die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel und die mit ihr eng verbundene Tätigkeit der Inneren Misswn gesetzt haben.
Lest die
16. Vl. H. - fyrtdzeiiuhty
Erscheint jeden Montag früh. Einzelpreis 10A Bezugspreis monatlich 40^
Flugzeugschleppflüge, Ballonabschießen, Fallschirmab- sprünge, Nachrichtenstafette und ein Kunstfliegen, an dem sich die bekannten Kunstflieger Stöhr-München, Trapp-Kassel und wahrscheinlich auch Gerhard Fieseler beteiligen werden. Als besondere Veranstaltung ist die Proarammnummer „Bomben auf Kassel" vorgesehen. Auf dem Waldauer Flugplatz soll bei Kasseler Altmarkt in natürlicher Größe bargeftellt unb dann durch Flugzeuge mit Bombenabwürfen zerstört werden. SA.-Sanitätsmannschaften und die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz werben im Rahmen dieser Veranstaltung eine große Fliegeralarm-, Abwehrund Easschutzübung durchführe«.
Mm der Ltnfälle
Am 13. gegen 8 Uhr stießen Ecke Mtttelgasss Pferdemarkt zwei Radfahrer zusammen und kamen zu Fall. Der eine erlitt ei zu schwere Gehirnerschütterung und wurde von dem Arbeiter-. Smna.tterbunb dem Marienkrankenhaus zugefuhrr. - Am selben Tage gegen 10,15 Uhr wurde ein Radfahrer an der Ecke Westting—Holländische Straße von einem auswärtigen Personenkraftwagen angefahren und zu Boden geworfen. Der Radfahrer zog sich Verletzungen am rechten Kitte zu.
Donnerstag gegen 15,45 Uhr lief in der Fisch- gasse ein 6-jähriger Junge in rin Fahrrad. Die Radfahrerin und bei Junge kamen zu Fall. Dei Junge erlitt eine Schnittwunde am Kopf.
Am 13. d. M. gegen 21,30 Uhr wurde in dem Hausflur eines Hauses in der Wolfsschlucht ein 21- jähriger Verwaltungsgehilfe ohne festen Wohnsitz in bewutzUosem Zustande aufgefunde» Ein hinzugezogener Arzt stellte den Tod durch Herzschlag fest. Die Leiche wurde von dem Stoettet« famatiteibunb dem Karlshospital zugeführt.
Wetter-
Der von Island her südöstlich vorgedrungene Tiefdruckwirbel hat sich über der Nordsee erheblich verstärkt und wirb weiterhin störend auf unser Wetter einwirken. Kühlere Luftmassen seiner Rückseite werden uns Abkühlung bringen unb bes öfteren noch Regenschauer auftreten lassen.
Aussichten für Sonnabend.
Unbeständig, wechselnd bewölkt, mit vorübergehendem Aufklaren, kühler und Regenschauer.
Der Gehalt madtt's!
In jedem
fteckt ein Kem: „derRöftmalzkem“.
Und dermadn’s eben der gibt den Kaffeegefdunads!
Vum Drachensteigen un Zahneweh
„Vabder", sahden minne betben Jungens neilich for mich, „die anneren Kinner lassen alle 'n Drachen steigen, lauf unz doch au so'n Dingen."
„Ich well ochch helfen, vun wägen kaufen, wo mäh schont kinne Klumodben nit hon. Awer ich well ochch moh was sprechen. Uff bem Bobden stehn 'n baar ahle Ladden, bie hold moh runner, ich well ochch moh 'n scheenen amerikanischen Kasdendrachen bauen. Wie vun ’ner Daranbel gestochen, flibbzden se roeggen un holden bie Dinger. Ich howwelde be Leisden nu zu- rechde un hodde den ganzen Nohmibbag brahne tum» geschusderd, bis hä endlich seidig war, bann murre hä midb grienem un robem Dabier umzochchen un nu kund es joh am anneren Doge losgehn.
Am Sunnowend Nohmibbag gingen mäh drei nu weggen. D'r Große brug den Drachen, während mm sjähriger brnäwen dibbelde.
„Nu nähm dich in Achde, daß be Kisde au heile uff’s Drachenselb kimmed!"
Kaum hodbe ich's usgesprochen — mäh waren aggcrahbe an ’ner Straßenecke — alz so'n gewibbet- scher Wenbstoß kamb un den Drachen midd so'n Aweck zur Siede an minncn kleinen Filius sinnen Dehds flammebe, daß im nächsden Mornangk b’r Kobb borch b'n Drachen gock. Mäh staunen bah un zocken unz ahn, wie be Oelgeddzen.
„Du Alwerjahn!" gahkede ich, „roorimme hälsd be bann bas Dingen nit fesde, bas stinzed joh scheene ahn!"
Es blebb unz nix ärmeres iwwerig, alz mibber heim ze machen un be Kisbe ze flicken. Dann rnach- ben mäh unz mibber uff be Sttimbe un kamen au glicklich uff be Wiese hinner b’r Stabthalle. Doh kamen nadierlich glich be Kinner ahngehibbeb un zocken sich bis Scanner vum Drachen ahn.
„So", sprach ich aar minne Jungens, „jibjb mell ochch moh b’r Sabber zeigen, wie m’r ’n Drachen in be Hehchebe zrnicked." Ich ließ Seil ab, un min Junge hilb das Dingen. D'r SBenb blieb midb ’ner Forschebe, daß ich selbsd so minne Bedenken hodde, sprach amer nix.
Los!" gahkede ich, zochch ahn un be Kisde suhide Seil in be Hehchebe, machde amer bie bem verdebbel- en Wend ’ne Dehde un schoß ’nem Kerle, der doh spazieren bunzk, unglicklicher Sßeife uff sinne stiffe Dohle, daß HL glaubte, b’r jingsde Dag wäre ahn- gebrochen. Hä stund bah, wie Lot's Wibb. D'r Schawrnesbeckel war ingebriggeb, kullerbe, vum Wend gebreromen, uff b’r Ähre rimme un sinne Brille hungk nuhrb an einem Ohre. Das war nabierlich was for
be Kinner. Sie machden ein Kibbzchen nah bem anneren var Lachen. Aes buerbe 'ne ganze Zibb, bis b’r Kerle mibber zu sich kamb, bann murre hä fuchs- beiwelswilb und wulloe sich uff be Kinner sterzen. Ich packebe 'n amer am Schafidbchen un endschulbigbe mich. Hä gab au kleine bie un mußbe brledzde sel- roer lachen.
„Nu Haie nachemah!" sahde ich for minnern Jungen un zochch ahn. Kotzzemicke nochemoh, alz mann sich bisset Aehlendsprachen gegen unz verschworen hädde. Hä bäumebe sich wie so’n schei geworrener Gull in be Hehchebe, zubbelde am Seile hin un her, fuäbe los un tm nächsden Mornangk machde hä die- selbe Dehde. Bevor ich Zibb krichde, bas Seil nohze- lossen, hodde hä au schont midd d’r Siebte Bekennd- schasd geschlossen. Hä lag in bansend Feddzen uff b’r Wiese und hauchde sin Läwen us.
Jibzb lachden mich be Kinner us un b’r Kerle van vorhinne stund doh un grinfbe mich heenisch ahn. Mäh nahmen be Brocken unnern Arm un bibbelben midd ingezochchenen Kebben laublos heim.
Uff bissen Schrecken hinne bett ich bann noh min- nem Freinde Habedank am Dibbenmarchb zemachd un hon bie ’nem Schobben disses Erläbnis ben bammbischbriedern verzähld.
Se Habben sich schont alle ingefunnen. D'r Dehdor, b’r Chrischboff, b’r Schavsche un b’r Gottlieb.
,/Das siehd bäh Blohsenkobb au ähnlich", meinbe b’r Godblieb for mich, boh nernm liromer binne Kinner an be Hand un mach bie dissem scheenen Herbd- webber 'ne SBannerung!“
„Job, joh SBannetung“, meinbe b’r Chrischboff, dich fälld mäh aggerahde was in. Sjeibe morchen stehe ich uff’n Bahnhossbladdz an ben Drebberchen, bo, wo bas wisse runbe Schild uffgebaub äs. „Wan- berdurchgangsstrecken" stehd briwmer. Doh bibbede mich so'n Kerle uff be Schuller un meinbe:
„Männecken, sah'« se mal, find Sie ’n Kassler?" „'n Kassler? — näh, amer 'n Kasseläner." „So, — na wat sall'n bet Schild vaastelln?“ Ich 'gock bas Schild ahn--ich gock ben Frem
den ahn un kannde mich selbsd nit us, als ich zum erschdenmoh bisse biggen un binnen Striche uff bissen Schilb sahch. „
.gta, wat denn, wat denn, metnbe hä netvees.
Hä kunnde mich amer nit us minner Ruh« bringen un ich sahde schlagferbig:
J>f), mäh hon vor vählen Johren hter wn Dan- nenmäldchen moh'n Jtrgahtden gehobb un doh hon
men, nach Kassel zu
„Sa, so", meinbe hä, „bann zeigen Sie mal her", un bohbrbieh gock hä emme in be Schnudde. M’r merlebe äs bem Schorsche ahn, mie hä sich ahnstten- gen mußde, imute alz ahler Kasseläner hochdeitsch ze schmäddzen.
„Oh je", saN>e hä, „bas sieht ja böse aus, die müssen alle raus. Ich rate Ihnen, nach Kassel zu fahren und sich ein neues Gebiß machen zu lassen. SBenn Sie aber in meine Behandlung gehen mollen, fo könnte ich ja gleich einen Abdruck machen und sie können bas Gebiß übermorgen schon abholen."
mäh zur Erinnerunze an bie scheenen luftigen Stun- nen, die mäh alz Kinner doh drinnen verlämed Habben, dieses Schilb uffgeftittb.“
D’r Kerle gock das Schilb verständnislos ahn, schiddelde sinnen Kobb un ließ mich stehn.
„Herr Sßerb, nach ’n Schobben, sahde b’r Karle, „bas äs ’n Grund gern Drinken. Broft Chrischboff!"
„Nä, Dehbor", sahde ich, „hobd bäh Stammdisch- brieder bann schont ochche Herbsdbuhre gemacht?"
„Näh", sahde hä, „nächsden Sunnbag wummäh noh b’r Söhre. SBibbe bann middegehn?“
D'r Dehdor mar einer vun der Sorbe, bie nie nit vähle was verzählen. Wannehr hä amer sinne »er» schiebenen Schobben hinne b’r Binde gegossen hodde, bann gunzk sinne Schnudde, alz mann se geehld wäre. Un so roar’s au an dissen Droenb.
„Wannehr ich an be Herbsdbuhren denke", sahde hä, „bann fälld mäh al^u ’ne Ebbisode in, bie ungern Stommdisch vor vählen, oählen Jahren moh bassierd äs.“
„Was war bann boh lose?" frogbe ich.
D'r Dehdor drank sinnen Schobben us, beftittbe sich'n neien, räusberde sich unb Hub ahn:
„Aes mar vor vählen Jahren vor bem Kriege, boh hobden mäh, so Stigger 6 Mann, unze Herdsd- duhre noh bem Äaufunger Wald zemachd. In .....kehrben mäh in ’nem Werbshus in, tmme ze friehstiggen. Alz mäh unzen bitten Hund un so ’n baar Kännerchen Slhlen »erbriggeb hodden, mullden mäh uffbrechen, alz so'n ahler Buhre in de flnetbe kamb. Hä hodde sinnen Kopp verbunnen, hielb [innen Backen fesde un machde ’n Eefichde, alz mie mann hä Regenwirmer vetschluckd hädde.
„Rah, mas hon sah bann?“ sahde b’r Dallewubdz Gottlieb vor emme.
,Lchch", meinbe b’r Buhre, „ich hon so Zahneweh!"
Na, bas war moh mibber mas vor unzen Gottlteb, ber immer boh mar, mo’s mas uszebalbomern gab. Sinne Augen leichdeben un mäh wusiden schont, daß hä mibber mas hinnerm Schilde fiehrde.
„So, fo", meinbe hä, „bann mell ich ochch moh ’n Rat gämen. Drinken se erschdemoh ’n Kännchen Ahlen, ber bebeiroeb b’n Nerv un bann wahrden se moh ’n Mornangk, b’r Schor sch«, der ämen rusaegan« gen äs, kimmed glich mibber. Hä äs ’n Zahmrokter un kann glich moh nohsehn." Mä rnußben an uns Hahlen, baß mäh vor Lachen nit rußbladbzden, denn Zahndotter un Älempnermeifber äs boch nit bas« selbe. D'r Schorsche kamb au glich wie gerufen. D'r Gotlieb blinzelde emme zu un hä verstand au glich.
,Lerr Dotter", fahbe b’r Gotlieb for’m Schorsche, „hier äs ’n Mann, bei HM, Zahne weh, rounn se moh nohsehn?"
,.3oh, fvh", jammerde b’t Buhre, „ich ben’s ze- ftebben, ich weiß fünften boch linnen Bescheid, wann boch nuhrb erschd be Schmerzen uffteeren mullden!"
„Na bann setzen Sie sich mal dort hin: einen Augenblick“ un bohbrbieh gunzk b’r Schorsche tutz. Mäh roarcn neigiettg, mie bas ennen sallde. Hä kamb au glich mibber rin un hodde ’n Stigge Lehm in b’r Flosse.
„So“, sahde bä, „nun machen Sie mal ben Mund weit auf“, un bohbrbieh ftobbede hä bem atmen Kerle ’n Kluntben Lehm in be Schnudde.
„Nun beißen Sie mal." Hä dahd’s. ,So, nun mal den Mund auf.“---Bleddzlich sahen mäh,
wie bem Schorsche be Schwißdrobben an sinnem Me- lonenkobb ftannen.' D'r .Doktor" tunnbe ben Lehm- kl um ben nit mibber ruskrichen. D’r Buhre tiß sinne Schnudbe so midd uff, baß be Ohren bahle Besuch krichden. Mibb Mieh un Nohd hodde b’r Schorsche bann amer ben Klumben doch mibber rusgerubbeb. „So, ben Abdruck hädben mir. Nun kommen Sie am Dienst iw zu mir Dr......Töpfermark Nr.....
Mäh alle briggeben be Kinnbacken zesammen, tmme nit ze lachen un machden unz was gibbfte was hosde uff be Sttimbe. Als mäh us bem Dorfe rus waren, hon mä unz uff be Schosseesteine gesedzb un unze so midb Miehe uffgesparde Lachen freien Lauf gelassen.
Ra, was fall ich noch vähle verzählen. Am Dienstag morchen vetsammelben mäh unz alle biem Babebanl! Von hier us funnben mäh bas fragliche us beawachden! Was tneind dich, imrne Übte elme kamb tvahthamblex b’r Buhte un suchde be Hus- nummer, stand bleddzlich drvot un las „Georg ........ Älempnermeifter“. Mäh mußden unz ’n Asb lachen, als mäh sahchen, wie hä unschlissig vun einem Sein uffs annere brab. Mäh Han 'n bann zum Frieschobben ingelaben un emme den Spaß, den mäh wnz erlaubd hodden, verzählt. Hä war au nit beese un mäh hon ’n bann zum richdiggehenden Zahn- dottor gebra^>.
„Stoft!“ gahkeden mäh alle wie uff Kommando, blanken us un machden, daß mäh heim kamen.
F. Ch.
Preuß.-Südd. Klassen-Lotterie
Ziehung 1. Klasse 21. und 22. Oktober ■ Lose bei den staatl. Lotterieeinnehmern