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Handel - Wirtschaft«Börse

Kasseler Neueste Nachrichten Hessische Handelszeitung Mittwoch, den 5. Oktober 1932

Papen spricht in Paderborn

Karten bei der Handelskammer Kaffel erhältlich.

Am 16. Oktober 1932, 11.30 Uhr vormittags, veran­stalten die Vereinigten Wirtschaftsver- bände Paderbornsund Umgegend in der Schützenhalle zu Paderborn eine Tagung der gewerb­lichen Wirtschaft (Industrie, Handel, Handwerk), an der Vertreter der westfälischen Hessen nassaui­schen, hannoverschen und benachbarten Wirtschafts­kreise teilnehmen werden. Die Tagung findet ihre be­sondere Note dadurch, daß Reichskanzler von Papen sprechen wird. Eintrittskarten sind bei der Hauptge- schästsstelle der Industrie- und Handelskam­mer Kassel-Mühlhausen, Sitz Kaffel, Kaffel, Hohenzollernstratze 46, erhältlich. Zur Deckung der Unkosten ist ein Beitrag von 0,50 RM. beim Eintritt in den Saal zu entrichten. Ta mit einer außerordent­lich starken Beteiligung zu rechnen ist, ist es zweckmä­ßig, daß zur Industrie- und Handelskammer beitrags­pflichtige Firmen sich möglichst bald au die Kammer wenden.

Einzelhandel und

Notverordnungen

Protest gegen § 23 der Steuerverrechnungsschein- Ausführungsverordnung.

Der EinzelhandelSverband für Kaffel iniL Umgebung beschäftigte stch Dienstag abeni in einer Ver­sammlung mit den verschiedenen Notverordnungen zur Belebung der Wirtschaft. Nach einem erschöpfenden Refe­rat von Dr. K a l l w e i t über die einzelnen Bestimmungen kam man zu dem Ergebnis, baff die Reichsregierung im all­gemeine» aussichtsreiche Wege eingeschlagen habe und dah deshalb auch die Mitarbeit des Einzelhandels notwendig sei. Entschiedener Protest wurde erhoben gegen di« Bestimmun­gen des 8 23 der Ausführungsverordnung über die Stcuer- verrechnungsscheine. Durch dies« Bestimmungen, so stellte di« Versammlung fest, werde der Einzelhandel stark be­nachteiligt, indem ihm für Las Mehr an Steuern, das «r durch Inventur- und Saisonverkäufe sowie durch das Weihnachtsgeschäft ausbringt, keine Steuerverrechnungs­scheine gewährt werde» sollen. Das fei ein glattes Unrecht, denn Ausverkäufe soune das Weihnachtsgeschäft könnten nicht mehr als außergewöhnliche Umsätze angesehen werden. Vielmehr werbe der norurale Bedarf der Kundschaft vor dem Eintreten besonderer Berkaufsgelegenheiten bewußt angestaut, so daß die unter Umständen eintretenden Mchr- umfätze für den Einzelhandel nur den Ausgleich für Len vorher feftzustellenden M i n d e r u m s a b sei. Der Einzelhandel erwartet, daß die Bestimmungen des ? 23 der Ausführungsverordnung geändert wird.

Auch mit der Frage der Neuern st «llung von Ar­beitskräften befaßte sich die Versammlung. Es wurde festgestellt, Latz eine etwa vorhandene Konjunkturbelebung gerade ausgereicht bat, um den Leerlauf der bisherigen Be- triebsorgaonisation auszugleiche». Im übrigen fei die Kon­junkturbelebung im Einzelhandel noch nicht besonders in Erscheinung getreten. Trotzdem prüfen die einzelnen Fir­men und Geschäfte sorgfältig die Möglichkeit, ob irgendwo neue Arbeitskräfte eingestellt werden könne».

Bausparkaffe Deutsche Bau-Gemeinschaft A.-G., Leipzig. Die DBG. gibt ihre Soargeldeingänge und ihre Dar­lehensauszahlungen sowie sonstige Rückzahlungen 1932 rote

folgt bekannt:

Geldeingänge Darlehens-Auszahlungen und sonst. Rückzahlungen

Januar bis Mai

Juni Juli August

RM

340 000.-

RM 1 960 000.-

RM 365 000.

RM 341 000.

RM 1 772 000.

RM 253 000.

RM 365 000.

RM 448 000.

RM 3 006 000. RM 2 833 000.

Die Baufparer kommen ihren Vewslichtunaen pünktlich und regelmäßig nach, so daß die DBG. auch weiterhtn all­monatlich neue Darlehen zuteilen kann.

Glossen zum Tage

entsprechend

großen deut

*

gern ihre «___

eiustellungen stehen bevor.

Problem Kommunalpolitik

Die Berliner Handelsgesellschaft nimmt die Nichteinlösung der am 1. Oktober fällig ge­wordenen Schatzanweisungen der Städte Köln und Frankfurt zum Anlaß, das Problem der kommunalen

Freier Kuptermarkt

Die amerikanischen Copper Exporters Jnc. stehen, wie aus Neuyork berichtet wird, vor der Auf­lösung. Bereits seit dem 1. Juli 1932 war die Wirk­samkeit des amerikanischen Kupferexportkartells mini­mal, da die außeramerikanischen Kupferproduzenten als Antwort auf die Einführung der amerikani­schen Kupferzölle ihren Austritt aus dem Kartell erklärten. Es ist lediglich der komplizierten Verrechnung einiger Kontrakte innerhalb des Kartells zuzuschreiben, daß die Auslösung noch nicht früher erfolgt ist. Mit der nunmehr erfolgenden formellen Auflösung und der Wiederherstellung freier Markt- Verhältnisse geht ein dramatisches Kapitel am Weltkupsermarkt zu Ende. Seit Jahren hatte das Kartell das nur um der amerikanischen Anti-Trust-Gesetzgebung gerecht zu werdenExport­kartell' sirmierte mit großzügigen Stützungsmanö- vern den Markt zu halten versucht. Wohl ein Dutzend mal unternahm es einen Anlauf, um eine wilde Kup­ferhausse in Szene zu setzen. Jedesmal aber blieben die Konsumenten, die die Methode des Käufer­streiks anwendeten, die Sieger, auch in dem nur verhältnismäßig kurz zurückliegenden Zeitraum, in dem die belgische Union Miniere du Haut Katanga und sogar die Amalgamated Metals Gruppe mit den Amerikanern zusammenarbeitete. Es waren neben dem Widerstand der Konsumenten nicht zuletzt auch die Schwierigkeiten, die durch die Preisunterbietun­gen der amerikanischen Lohnhütten entstanden, die ein erfolgreiches Arbeiten des Kartells unmöglich mach­ten. Es ist beinahe eine Ironie des Schicksals, daß die Kupferpreise in dem Augenblick zu steigen anfin­gen, als das amerikanische Kartell seine Stützungs­manöver einstellte. In Deutschland wird man dem nunmehr unmittelbar vor dem Ende stehenden Kartell keine Träne nachweinen.

Die Nvra-Radio G. m. 6. H.. »erlitt, bat »der gestierten Nachfrage nach ihre» ans der rischen Fnnkansstellnna gezeigten neuen Empfau- Belegfchaft nm 750 Mann erhöht: weitere Nen-

Wir erfahren, daß di« Meinungsverschiedenheit««, die nach Konkurseröffnung bei der Auiomobitgefellfchafi Bre« men-Hastedi A.-G. zwischen dem Konknrsverwaiter bezw. dem GiLnbigerausschnß und den Hanfa-Lloud und Goliath-Werken entstanden waren, nnnmehr durch ein freundschaftliches Abkommen beigelegt sind. Das wirt­schaftliche Ziel zur Erhaltung des Betttebes der früheren Hanfa-Llond Werke A.-G. ist bereit erreicht und durch die

Berfchreelzuu« reif den Goliath-Werken die in Aussicht ge- nommene gesicherte Basis für eine erfolgreiche Wetterführung des Gefaretbetriebes gegeben.

Der Aufstieg im Stickstoff ab f atz Set auchire September 1932 ungehalten. Der Auftragseingang über- stieg sowohl int Monat September wie in der Dreimouets- spanne vom 1. Juli bis 30. September lM beträchtlich den­jenigen der gleichen Zeit des Bonobres. Die tm letzte» Mo­natsbericht im Hinblick ans die überuorereeue Ausfallga- rantie ausgefprochene Erwartung hat stch (»mit erfüllt.

Die Zahl der tm Hamburger Hafen anfNegenden See- schiffe hatsich wesentlich vermindert. Am 1. L Kober 1932 wurden im Hamburger Hafen 147 «tfl^geude Seeschiffe (am 1. September 183) mit 657 939 <764 228) »RT. bezw. 396 564 (461 698) NRT. ermittelt Darunter befinden sich 132 (165) deutsche Schisse.

verlangen in erster Lime eine finanzielle Un­terstützung in dem Rahmen, in dem sie dem Staat durch Umgestaltung der Arbeitslosenhilfe selbst erspart worden ist. Dabei handelt es sich um einen Betrag von ca. 150 Millionen RM. Auch fordern ste bei den von der Reichsanstalt geförderten ösfenttlchen Arbei­ten eine stärkere Berücksichtigung der Wohlsahrtser- werbslosen. So ernst auch alle diese prägen zu beur­teilen sind, so können sie doch bei ruhiger Ueberlegung nicht so verzweifelt erscheinen, daß man die Hoffnung auf eine verhältnismäßig rasche »nd dauerhafte Sa­nierung der städtischen Finanzwirtschaft auszugeben brauchte.

Lebensversicherung verbindet: ^der Bcrsicherte Hai Ampruch pin Darlehen zu billigem Zinssatz in Hone lerner Der sicherungssumme. Das Darl^en ist, solange ^e^^rungs- vrämien und Zinsen pünktlich befahlt werden, der Gesellschaft unkündbar. Die Reihenfolge der.

«-Währung wird durch Auslosung bestimmt. Die Fra« der wird dadurch günstig beeinflußt, üatz die tVeseu

>ast in der "age ist. aus ihren sonstigen Mitteln Zuschusie » de» an sich für die Auslosung verfügbaren Gelder» zu leiste». Mit dieser intereffanten Neuerung ist das Problem der Zinssenkung einmal praktisch a»a«laßt und zu einer glückliche» Lösung geführt

Karstadt-Sanierung

Man kann nicht sagen, daß der Beschluß der Kar­stadt-Verwaltung, die am 1. November fällige Aus­losung der Amerika-Anleihe nicht vorzunehmen, eine große Ueberraschung ist. Die Gesellschaft hat sogar mehr getan als man vielfach in Amerika von ihr erwartete, indem sie den fälligen Be­trag als solchen an einen Treuhänder überweist und die Auslosung lediglich deshalb nicht vornimmt, weil1 man sonst durch das Los eine Anzahl von glücklichen Obligationenbesitzern, deren Ansprüche zu pari be­friedigt worden wären, auf Kosten der übrigen begün­stigt hätte. Man ist sich eben vollkommen darüber klar geworden, daß eine radikale Karstadt- San ierung, wie sie nunmehr unumgänglich ge­worden ist, nicht ohne Mithilfe der amerikanischen Obligationenbesitzer möglich ist. Es wäre unbillig ge­genüber den deutschen Aktionären (das Aktienkapital beträgt nach den Aktien-Rückkäusen nominal 75 Mill. RM), wollte man die Bereinigung der übergroßen Verpflichtungen und die notwendigen Abschreibungen auf ihrem Rücken einseitig zugunsten der Inhaber der 15 Mill. Dollars 6 Proz. Obligationen durchführen, von denen übrigens ein großer Teil auch in deutschen Händen ist.

Aufsichtsrat uud Vorstand der Norddeutsch« u Mineralöl A.-G. (Nordol A.-G.) Hauuov«r (A.- $1. 2.20 Mill. Mark) haben beschloßen, die Gesellschaft zu liauidiereu uud beim Amtsgericht Hannover bett Antrag aus Eröffn»»q des Liattidaiions-Bergleichs zu stelle» uud zwar sowohl für die Nordöl A.-G. als auch für ihre Kau» ,ernstrinett, der Raffinerie Dr. W. H. Lepenau n. Go ®. m. b. H., Salzbergen, der Petroleum-Rasstnerie Niedersach­sen G. re. b. H., Hannover, ttttb der GreiierwerVe G. re. b.

Hannover.

Wie verlautet, ist bet der Braunkohlen- uud Brikett-Ju- buftrie AG.. Bnbmg. der Verlauf des am 30. Jnni 1932 beenbeten Geschäftsjahres zufriedenstellend gewesen. Das sinauzielle Ergebnis würbe an sich bk Ausschüttung bet Vorjahrsdividende von 10 Prozent ermöglichen, man werbe sich jedoch voraussichtlich im Hinblick auf bk noch nicht ge­klärte wirtschaftliche Situation auf 8 Prozent einigen, wah­rend die Vorzugsaktie« unverändert 7 Prozent erhalten würden.

Dk erb. G.-B. bet Hamburgische u Sielte Ui» fätdwerfe A. - G. geuehmigk die mit einem Reinge­winn von 7 935 862 RM abschließende Jahrestecknnng per 30. Juni 1932 und setzte die Dividende auf 8,5 (i. 8. 10) Prozent fest, lieber den Verlauf des ersten Viertellahres 1932/33 teilte der Generaldirektor mit. daß eine Zunahme des Stromverbrauchs um durchschnittlich 3 Prozent zu ver­zeichne« sei, während i. B. eine Stromabnahme von 3 Pro­zent tu vermerken war.

Wie von bet Vertvaueusvetsou tm Vergleichsverfahren bet Screiniate Textilwerke W a hu e r u » d MoraS A.-G., Zittau. Rechtsanwalt Dr. Schlegel, mitgeteilt wirb, ist bet gerichtliche Vergleich am 4. Oktober vom Amtsgericht Zittau bestätigt worben. Beteiligt waten am Verfahren 8108 Gläubiger mit einem Stimmrecht von 18 360 582 Mk. Davon hohen dem Vergleich 1958 Gläubi­ger mit 17 523 275 Mk. zngestimmt.

Die Dessauer Zu cker r affine t ie G.. m. b. H.. Deffou. nimmt im Laufe der nächsten Woche einige, wettere Abteilungen in Betrieb und stellt rnnd 600 Arbeiter neu ein. Die A. Bisch os A.-G. (Holzwatenfabtik) Coswig, hat im Laufe bet letzten Woche 175 Arbeiter neu eingestellt.

Finanzen eingehend zu behandeln. Die Begleiterschei­nungen der Krise und die Eigenart der Organisation der deutschen Finanzwirtschast hätten es mit sich ge­bracht, daß die Städte in jedem neuen Abschnitt der Wirtschaftsschrumpfung zusätzliche Opfer zu bringen gezwungen waren, die ihre finanzielle Lei­stungsfähigkeit in einem Ausmaß in Mitleidenschaft zogen, wie es auch bei vorsichtiger Einschätzung der Krisenauswirkungen kaum übersehen werden konnte. Bei der Unfähigkeit der Gemeinden, ihren finanziel­len Verpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen, spreche heute in der Regel kein Sonderproblem mehr mit. Sie ist ein für alle Kommunen mehr oder weni­ger eigentümlicher Zustand, der in ihren wachsenden Soziallasten weitgehend begründet liegt. In Deutsch­land sind die Wohlfahrtslasten, die auf den Gemeinden ruhen, dauernd gestiegen. Die Zahl der von den Gemeinden betreuten Arbeitslosen war am 31. August gegenüber dem entsprechenden Zeitpunkt des Vorjahres um nicht weniger als 101,2 Prozent höher. Große Vermögensbestandteile sind zwar fast überall vorhanden, dagegen fallen die liqui­den Reserven und diese gilt es in erster Lime wieder aufzufüllen, um den kommunalen Kredit auf eine geordnete Ebene zu bringen.

So sehr der Standpunkt begreiflich ist, die Kommu­nen solange wie möglich aus die Selbsthilfe zu ver­weisen, so wenig kann er den herrschenden Verhalt- niffen Rechnung tragen, in denen von Tag zu Tag die Gefahr größer wird, daß die völlige Zerrüt­tung des komt. inalen Kredites der drin­gend notwendigen Gesundung des gesamten Kapital­marktes hinderlich im Wege steht. Die Gemeinden

In Kürze:

Wk wir erfahren, hat bk Go ut in ent al Gut» mi- werte A.-G. in Hauuover mit Wirkung vom 1. Ok­tober bs. Js. bk Fabrikation von Gummimantel« aufge- eeben, da sie nicht mehr lohnend M. Zuletzt würben bi biekt Fabrikationsabteilnu« im »erf feiceHtot In Hou- nover-Liremer etwa 100 Arbeiter beschäftigt, Ne zum sröß- teu Teil anderweiti« untergebracht werben konnten.

*

In den gemeinsam abaebaltenen Aussichtsratssitzuuaeu bet Lübens ckeiber «W et all werte A.-G. norm. Fnl. Fischer u. Basse nnb bet 8 e r e i «igte E leit r o - technische Fabriken S. «.Busch «.Gebt. Jaeger A.^ Lüdenscheid, würbe belchloffen. ben bem- nSchst ftattfinbenben ordentlichen toeneraloeriammlnnaen eine durchgreifende Saniernna bei gleichzeitiger Fusion bei­der Gesellschaften zu unterbreiten. Das von Busch «. Jaeger wird «ach Zasammenlegn«« 3:1 wieder auf 3 Mill. RM erhöht, wovon je die Hälfte den Lüdenscheider Aktw- nären nnb den Grobgläubigern angeboten werbe« soll.

Heimisdie Wirtschaft

Kasseler Brotfabrik Mühlenwerk Wilhelm Möller A.-S» Sasiel-Beitenhanie«. Die dicsiabnge ord. G.-B. Hübet am 27. Oktober in Staffel statt.

August Enders A.-G.. Oberrahmede i. W. Ä»Kassel wurde am Dienstag nachmittag die ao. G.-B. der Metall- warensabriken August Enders A.-G. t» Oberrahmede in 1 Westfalen abgehalkn. bte sich mit einer scharfen Kapttal- berabfetzung zu befassen batte. Um eine Unterbilanz zu be­seitigen, wurde befchloffen, das Aktienkapital von, 1 M0 000 RM auf 405 000 RM herabzufetzen. Die btermtt »»tarn-

Die 3 Hillmänner und ihre Mädels

ROMAN VON HEINZ LORENZ

Das Klirren von genagelten Schuhen und stim­men weckte sie. Sie lösen sich voneinander und tre­ten schweigend ihre Gratwanderung an. Aber nach einigen Schritten bleibt Osse stehen und saßt Hennos Hand.Jetzt will ich es dir endlich sagen, Henno, Putzi ist nicht mein Kind. Es ist Ottis Kind. Ottt ist mit Alexander schon fast zwei Jahre richtig ver­heiratet.-

Henno braucht lange Zeit, um zu begreifen, und die Sprache wieder zu finden. Dann ist das erste, was er sagt:Weißt du, einerseits tut es mir leid, Offe, daß sie nicht dein Kind ist...- Denn abermals ist sein Heroismus ein Trugglaube gewesen.

Osse tonn ihn rasch trösten. Sie drängt sich an ihn und beginnt leise:Ein Kind von dir zu haben, Henno...- Aber dann kann sie nicht weitersprechen, und Henno merkt zum erstenmal, daß Offe int Grunde ein ganz kleines und scheues Mädchen ist, und daß er selbst viel stärker und erfahrener und überlegener ist als sie. Das beglückt ihn sehr.

12.

Augusthitze auch über Berlin. Graublauer bleier­ner Himmel. Das Häusermeer glüht. Parks und Baumreihen sind verstaubt und farblos. Der Asphalt möchte zu Brei werden unter dem Druck der Sonne. Die Menschen, schlaff und ausgelaugt, verfolgen unent­wegt das Metier des Geldverdienens. Ein glückliches Truppchen davon ist in die Berge, an die See ent­ronnen. Hausen weniger Glücklicher liegen in den Seen rings um die Stadt.

Joseph Hillmann ist weder an die See noch in die Berge gefahren, er ist in Berlin und stillver­gnügt. Er hat eine Nebenbeschäftigung gesunden. Sie nimmt ihn sehr in Anspruch zur Zeit, sie ist ihm ein Ausgleich für die Hatz int Betriebe, wird finan­ziell aus das Verlustkonto gebucht, ist aber für das seelische Gleichgewicht ein großer Gewinn.

Er hält Konferenzen ab. Mit Olli und Alexander. Meist in seiner Wohnung, mit süßem Likör und Back­werk für Otti, mit einer Flasche Edelpfälzer für Alexander und sich. Aus seinem Schreibtisch ein Stoß Unterlagen: Kataloge von Möbelgeschäften, von Tep­pich- und Gardinensirmen, von Beleuchtungskörpern, von Wäsche-, Küchen-, überhaupt von allen Aussttt- tunashäusern, die dasHeim der jungen Ehe- braucht. Sorgen hat Joseph Hillmann!

Fünf Zimmer, das genügt fürs erste," belehrt er weise. ..Aber ein Einzelhaus, eine kleine Villa -nächte ich doch in Vorschlag bringen. Ich selbst ja, seht ihr, ich habe in meinem ganzen Leben keine Zeit und auch kein Jntereffe dafür gehabt, mir ein eigenes Landhaus zu bauen. Aber für tom:'" An fette ver­storbene Frau denkt er flüchtig und a« Offe und jagt

mit einem gottergebenen Achselzucken:Na ia!

Und dann fährt er fort:Die Einrichtung braucht nicht gleich vollständig zu sein, nicht so wie bei mit vorn Architekten aus dem Ei gepellt. Nein, es muß noch da und dort etwas fehlen, worauf man sich freuen kann. Weihnachten, Geburtstag und so, da muß man Wünsche haben, mein' ich. Also! Das Schlafzimmer würde ich freundlich und hell halten, beileibe aber nicht so verrückt, wie es manche Ueber- kandidelte heute treiben. Stellt euch vor, da liegt einer von euch in so einem verrückt tapezierten Schlaf­zimmer und ist krank oder oder kriegt ein Kind.. .'

Aber Onkel, man geht doch jetzt ins Sanatori­um", lächelt Otti. _

ftiömann stört das durchaus nicht.Na eben, das ist ja grade, was ich sagte: in einem Sanatorium sind die Zimmer schön hell und luftig und beruhigend. Herren- und Speisezimmer müssen nebeneinander liegen, selbstredend, und die Tür zwischen beiden mutz so breit sein, daß man die Zimmer bei Gesellschaften zu einem einzigen verbinden kann. Notabene, haltet euch Gesellschaften vom Leib, so viel ihr könnt. Man macht so seine Erfahrungen mit eingeladenen Men­schen."

Hast du in dieser Beziehung eigentlich schon schlechte Ersahrungen gemacht?" fragt Alerander un­vorsichtig. . _

Eigentlich nicht bis auf meine eigne Ver­wandtschaft! (Verbeugung gegen die beiden). Paar nette Menschen ladet ihr euch zu Gast, Men­schen wie beispielsweise Henno Sporck oder .... oder, hm, wie mich. Für Putzis Zimmer hab' ich eine wunderschöne Tapete entdeckt, mit einem Fries oben aus Märchenbildern, ganz bunt, da hat Putzi dann gleich Unterhaltung, wenn sie morgens auf­wacht . . ."

Joseph Hillmann hat eine Litanei solch guter Ratschläge. Er ist die geborene Schwiegermutter. Er wird nicht müde, mit ihnen alles auszusuchen, von der nackten Wohnung bis zum Frottierhandtuch. Das kleine Einfamilienhaus wird in Dahlem gefun­den, nahe am Grünewald, mit viel Sonne, Lust und Ruhe. Joseph Hillmann kaust es.

Als die drei mit Feuereifer daran gehen, es ein­zurichten, tut Alexander gelegentlich wieder mal fo eine störende Bemerkung:Sag mal, Onkel, zäumst du nicht ein bißchen das Pferd beim Schwanz auf?-

Onkel Hillmann stutzt und sieht Alerander an: Was meinst du? Hab' ich vielleicht etwas Wich­tiges vergessen?-

Das Wichtigste. Vergeffeu nicht, aber vielleicht außer acht gelassen, weil weil es dir unangenehm ist. Du wolltest doch bei deinem Bruder die Sache

für uns in Ordnung bringen." Alexander sagt das harmlos, ohne jede Schwere oder Sorge. Nein, er und Otti machen sich keine Sorge mehr, seitdem sie die auf Joseph Hillmann abgeladen haben.

Und Joseph Hillmann fand auch, datz es eine Sorge war, die vorerst im Eifer des Wohnungsein­richtens unterging. Er machte sich auch vor, datz augenblicklich der Zeitpunkt für seine Mission autzer- ordentlich ungünstig fei. Der General steckte mit feinen Mitarbeitern bis über die Ohren in der Schlußphase seiner Erfindung, außerdem befand sich noch Ullbach in Berlin; und datz der und Otti nicht aufeinander anbissen, vergrämte dem General die Stimmung.

Aber als dann das Häuschen in Dahlem einge­richtet, als sogar schon Putzi und ein zuverlässiges Mädchen dahin übergesiedelt waren, und Alexander und Otti selbst manche Stunde dort verbrachten, da hatte Ullbach mit seiner Kompagnie Berlin wieder verlassen, und der General seine Erfindung hinter sich. Joseph Hillmann nahm sich also fest vor, un­mittelbar nach dem großen Tag seines Bruders mit ihm zu sprechen, da er dann sicher guter Laune sein würde.

Der große Tag des Generals kam.

In einem geräumigen Zimmer des Reichswehr­ministeriums sitzen etwa zwanzig Herren, die mei­sten in Uniform, einige nur, Sachverständige der Elektrotechnischen Branche, geheime Berater des Ministeriums und der Heeresleitung, in Zivil. Der Minister selbst, und der Chef der Heeresleitung, sind auwefend und sitzen nebeneinander.

Ein riesiger quadrattscher Tisch ist aufgebaut, darauf liegt eine plastische Karte im Maßstab 1:2500. Ein Streifen des Geländes von zehn Kilometern ist abgesteckt. Kleine glänzende Figürchen, Trup­penkörper darstellend, bedecken ihn in strategisch-tak­tischer Anordnung. Einige Punkte außerhalb des Streifens sind mit dem Zeichen der Elektrizität, dem roten Blitzzacken, markiert; sie stellen elektrische Sta­tionen dar. Doch ist, um die Praxis zu demon­strieren, nur ein einziger Kontakt vorhanden, von dem dünnste Drahtwellen zur abgesteckten Kampf­front laufen, um hier scheinbar willkürlich als kaum sichtbare Antennen in die Luft zu ragen. Auf einem kleinen Tischchen summt in einem einfachen polierten Holzkasten Elektrizität wie ein kleiner Ventilator.

General von Hillmann, flankiert von seinen Mit­arbeitern, steht mit einem Billardqueue bewaffnet, an der Südseite der riesigen Karte. Er führt aus. Er hat eine Kriegslage gegeben und einen Front- abschnit herausgegriffen, um daran die Erfindung klar zu machen. Ruhig, ohne jedes Pathos klingt seine Stimme, die Sätze sind kurz und sehr klar. Das Billardqueue beulet Elektrizität summt. Einer bet Mitarbeiter hantiert an einigen Schrauben und Knöpfchen, die sich an dem polierten Holzkasten be­finden. Ein kaum merklicher Ozonduft, der sich bit­ter auf die Zunge legt, füllt den Raum. Die glän­

zenden Figürchen nun weiß man, warum sie glänzend gehalten sind scheinen matter zu wer­den. Ein Niederschlag hat sie bedeckt. Auf eine Tiefe von zehn Kilometern und drei Kilometern in die Höhe ist die Lust durchsetzt von vernichtender Lösung.

Eine lautlose Stille liegt im Raum, kaum daß sich einmal einer der Herren bewegt. Die auf die Karte gerichteten Gesichter sind erstarrt.

Meine Herren, das Fundament der Erfindung ist Ihnen jetzt klar. Ich habe Ihnen nur das Hauptsächlichste vorgetragen, ohne auf technische Einzelheiten einzugehen. Es gibt noch eine ganze Reihe von Einzelheiten, die noch einer gehörigen Durcharbeit bedürfen, bis das Ganze seine prak­tische Anwendung erfahren kann . . ."

Der General hat bei seiner Rede das Kinn nah der Brust gehalten, die Augen aus der Karte. Nun macht er eine Pause, dann hebt er frei den Kopf und läßt den Blick in der Runde der Herren gehen. Seine Stimme klingt noch um einen Ton ernster: Meine Herren, wir sind ein desarmiertes Volk. Das Wort des ehemaligen obersten Chefs der Ar­mee vom Volk in Waffen hat feine Berechtigung verloren. Wir sind ein Volk, das den Frieden ha­ben muß, darüber sind wir uns wohl alle einig. Aber dies Won hat seine Bedeutung leider noch nicht verloren: Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Ich meine jetzt nicht unsere Grenznachbarn, ich meine überhaupt keine Gegner. Aber es könnte der Fall eintreten, daß wir, ob wir nun wollen oder nicht, unser Land und unser Volk verteidigen müssen, wenn wir nicht zu einer glatten Kolonie des Auslandes werden sollen. Wenn man uns, meine Mitarbeiter und mich, für diese Erfindung heute steinigen würde, so bin ich überzeugt, daß die­selben Menschen, die das tun würden, uns dann Dank wissen werden, wenn erst einmal wieder eine wirkliche Not über das Land kommt, wenn einmal ein Krieg von außen her zu uns hereingetragen würde. Dafür nicht zum Angriff, denn es ist Ihnen allen klar, daß die Erfindung keine An­griffswaffe darstellt nicht zum Angriff, iondern zur Verteidigung haben wir die Erfindung ausge­arbeitet. Schutz der Heimat allein dieser Ge­danke hat uns dabei geleitet*

Knappe Verbeugung gegen den Minister und ben Ches bet Heeresleitung. Der Minister dankt mit einigen anerkennenden Worten und verspricht eingehende Prüfung. Er sagt kein Wort zuviel, bei solchen Dingen macht schwere Verantwortung vor­sichtig und worttoiG. Dann reicht er Hillmann, dessen Mitarbeitern und einigen anderen Herren die Hand und verläßt nach einer allgemeinen Verbeu­gung den Raum.

(Fortsetzung folgt)