Der anspruchsvolle Zeitungsleser
verlangt von seiner Zeitung mehr als nur die Vermittlung der Tagesereignisse. Die K. N. N. kommen diesem Verlangen durch die Pflege des unterhaltenden Teiles entgegen. Die ersten Schrift! teller sind für die K. N. N. verpflichtet Bitte prüfen Sie selbst, ob das Niveau des Feuilletons der K. N. N. von einer anderen Kasseler Tageszeitung auch nur annähernd erreicht wird.
Königsplatz zum Verkauf feil hielt. Es handelt sich zum größten Teil um den äußerst giftigen Schwefel- pilz. Zur Beruhigung unserer Hausfrauen fei bemerkt, daß ein solches Vorkommnis bei den ständig mit Pilzen handelnden Marktfrauen so gut wie ausgeschlossen ist.
Berkehrsunfälle. Am Marställerplatz wurde ein vierjähriger Junge, der noch rasch vor einer Straßenbahn über das Gleis laufen wollte, angefahren und mußte mit einer Kopfverletzung und einem Bruch des Nasenbeines durch die Sanitätswache Fuldabrücke zu einem Arzt gebracht werden. — Dasselbe geschah mit einem fünfjährigen Mädchen, das am Renthoftor von einem Schüler mit dem Rad überfahren wurde und sich innere Verletzungen der Mundhöhle zugezogen hatte, während der Radfahrer flüchtete.
Arbeit für die Mühseligen und Beladenen
Das Karlshospital dankt
Einer Zuschrift des Karlshofpi- tals entnehmen wir:
Wenn die ersten trüben Tage den Herbst ankünden und dann fröstelnd die Wintersachen aus den Schränken hervorgeholt werden, beschleicht den Menschen herbstliche Stimmung. Besonders für alle, die mit großen Hoffnungen auf dieses Jahr schauten und doch wieder den Herbst trübe heraufsteigen sehen, wird er nicht leicht, in de» Winter hineinzugehen. So stehen auch wir vom Karlshospital, insbesondere von unserem Barackenwerk, in diesem kommenden Minter vor schweren, großen Aufgaben. Wir können diese nur erfüllen, wenn wir im Vertrauen auf die ganze Bevölkerung von Stadt und Land täglich von neuem helfend unterstützt werden, denn das Werk ist nichts anderes als der Ausdruck helfender Liebe der Bevölkerung unseres Hesienlandes.
In aufrichtiger Dankbarkeit, tief bewegten Herzens blicken die tausend und abertausende Hilfesuchende und Notleidende zurück auf das vergangene Jahr. Sie Durften, wenn auch im einzelnen scheinbar nur gering, erleben, daß ein Helfen in unserer Zeit durch gegenseitiges Verstehen und tragen der Not in weitesten Kreisen der Bevölkerung innere Verbundenheit mit den Notleidenden schafft.
Obwohl wir eigentlich nicht gern mit Zahlen an die Oeffentlichkeit treten, weil sie sehr oft falsch verstanden werden, wollen wir doch einen Ausschnitt geben von unserer Arbeit des vergangenen Jahres. Die Speisung war wohl bas wichtigste, was wir dank der opferbereiten Hilfe das ganze Jahr übet durchhalten konnten. Wir haben vom August 1931
Seite 2 — 2. Beilage
Kasseler Neueste Nachrichten
Mittwoch, 5. Oktober 1932
Film der Unfälle
Er und S»e. Anläßlich eines Familienstreites tn Niederkaufungen erhielt eine 62jährige Ehefrau von ihrem Manne einen solch heftigen Schlag über den Schädel, daß die Arbeitersamariterkolonne die Frau mit einer schweren Gehirnerschütterung in bas N'arienttankenhaus transportieren mußte. — In Kassel verlief ein Fall umgekehrt. In der Waisenhausstraße kam es zwischen einem jungen Ehepaar zu Streitigkeiten, in deren Verlauf die erboste Ehefrau ihrem Mann eine große Blumenvase mit solcher Wucht an den Kopf warf, daß er eine klaffende Verletzung der rechten Schläfe erlitt und von der Unfasswache Holzmarkt zum Arzt gebracht werden mutzte.
Die Marktpolizei ist wachsam, das beweist die Beschlagnahme und Vernichtung eines größeren Postens Pilze seitens des Obermarktmeisters Vahl- busch. die ein auswärtiger Arbeitsloser auf dem
Aus -er Geschichte lernen!
zum 15. Jahrhundert kommt der Name überhaupt nur mit einem d vor, ja bei allen Büchern, deren Verfasser ein Hesse ist ober die in Hessen gedruckt sind, bleibt es bis zum Jahre 1700 bei dem einen d. In späteren Jahren findet sich die andere Schreibweise häufig; sogar in den amtlichen Schriften und Karten ist die Schriftweise leine einheitliche. Man hat von t:- sprachlichen Seite Forschungen unternommen. Die i.. ogermanische Bezeichnung ar s.ir schnellfließendes Wasser sollte der Stamm des Wortes fein, auch abrana = ber glänzenbe klare Fluß, wurde als Ursprung angesehen. Die Ableitungen von Ebba ober gar vom Garten Eben sind w- l mehr humoristisch zu bewerten. Auch der Vortragend: hatte durch Fragebogen in Den berf.biebenen Gebieten des Flußlauses feststellen wollen, ob nicht aus phonetischen Aufnahm n Schlüsse zu , iehen wären. Vergebens, bie Aussprache war überall eine andere. Da sich nun von ber spra ichen Seite kein rief stichhaltige Grünbe gegen t!e S^reibart mit einem Konsonanten an führen lassen, ferner bie früheste Schreibweise, sowie auch das mittelhochdeutsche Ebere biefelbe rechtfertigen, kommt Dr. Schmitt zu bem Ergebnis, daß dies die richtige sein müsse.
Kantor Horwitz sprach bann in interessanten Ausführungen über
„Ulrich Friedrich Kopp und feine Vorfahren".
Die Familie Kopp hat Hessen drei bebeutenbe Männer gegeben, bie als Juristen, Forscher, Schriftsteller unb Staatsmänner zu hohen Ehren unb Ansehen kamen unb oft mit Erfolg in bie Geschicke bes Landes eingriffen.
Zollrat Woringer brachte Daten
aus der Waldkappeler Geschichte
zur Zeit des dreißigjährigen Krieges. In dem damals ca. 800 Einwohner zählenden Ort lebte ein fürstlicher Kaufmann Lorenz Goßmann, ber trotz verhältnismäßig kleinem Absatzgebiet ein Vermögen angesammelt hatte, bas nach heutigem Gelbe etwa zwei Millionen Mark betrug.
Mit einem lehrreichen Vortrage über bie frühere Wasserversorgung ber Stabt Kassel schloß ber hochinteressante, genußreiche Abend.
sprach bann Studienrat Dr. Schmitt, ber nach einem mühevollen Studium von Hunderten von Urkunden zu bem Ergebnis kam, daß bie Schreibweise Eber wohl bie richtige sei. Durch amtliche Entscheidung des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen unb Forsten ist dieselbe ja auch definitiv eingeführt und dürfte sich somit trotz manchen Widerstrebens mit der Zeit allgemein einbürgern. Schon Tacitus erwähnt diesen Fluß im alten Chattenlande unb nennt ihn Abrana, später finben sich Namen wie Adrina, Edrina, 1244 Eberna, 1254 Ederina. Bis
Das Sommerhalbjahr mit feinen interessanten unb lehrreichen ».sstügen unb Besichtigungen alter Burgen und historischer Kunststätten, bas dem 4 T Geschichtsverein viele neue Freunde zugeführt hat, ist verflossen und an die Stelle der Wanderungen fr-'-' letzt wieder die Vortrags- unb Unterhaltur z- abenbe.
Bei der ersten Winterveranstaltung wies Biblia- theksrai Dr. Israel da: ms hin, daß es Ehrenpflicht des Hessischen Geschichtsvereins sei, für hessisches Kulturgut einzutreten und bie bürst Notverordnuna geplante Zerstuckeluna Hessens zu erb.nber* Bezüglich der Grafschaft Schmalkalben fei das ja vor- läuk'" gelungen, aber noch drohten einer ganzen Anzahl kulturell und toirtfr'iftli5 esse r-
-biew bie Abtrennung. Aus aeog-" scheu, wirtschaftspolitischen und ethnographischen Gründen müßte diese Reform einen neuen großen Verwaltunasbezirk Hessen bringen. De Kreis Biedenkopf mit allerengsten Beziehungen zu Kurhessen. Kreis Wetzlar, Gießen, die althessifchen Kreise Ober- Hessens Alsfeld, Lauterbach und Schotten, bie thüringische Vorderrhön, ferner das gesamte Gebiet südwestlich des Thüringer Waldes, Schmalkalden, ber Kreis Meiningen unb der größte Teil des Kreises Eisenach müßten zu Hessen kommen. Auch das Elchsfeld mit seinen starken Beziehungen zu Hessen unb ber Kreis Münden wären einzubezie- hen. Nur auf dieser Basis könne ein in sich gefestigtes starkes Wirtschaftsgebiet zum Nutzen Preußens unb des Reiches geschaffen werden.
lieber die Schreibweise
Eber ober Edder
bis Juli 1932 2 73 2 76 Portionen Essen ausgeben können. Würden wir für jede Portion alles zu kaufen haben unb sämtliche Krssten mitanrechnen, so kostete die Portion 30 Pf., das ergibt eine Jahresausgabe von 81982,80 RM. Diese Summe wurde hauptsächlich durch Spenden aus Stadt und Land aufgebracht. Auch in diesem Jahr hoffen wir zuversichtlich auf die Unterstützung aller, denn wir stehen vor den gleichen, wenn nicht noch schwereren Aufgaben. Die Not klopft noch immer an unsere Tür. Helft uns wieder, unsere Keller füllen. Kartoffeln, Winterge- müse, Speck, Dauerwaren und Hülfenfrüchte müssen uns ausreichen bis ins nächste Jahr.
Denkt an den Winter unb feine Not, denn jedem möchten wir ein warmes Essen geben, helft uns dazu.
Aber nicht nur allein die Massenspeisung bat in ihrer Größe die Opferbereitschaft der Bevölkerung gezeigt, sondern auch aus unserer eingerichteten Mobillarsammelstelle konnten wir mancherlei nützliches verwenden. Bor allem sei an die Vettennot erinnert. Wir konnten an die notleidende Bevölkerung 366 Matratzen und 57 Bettstellen verteilen. Hierzu kommen noch 36 Sofas unb 224 Kinderwagen. Sonstiges Hausgerät wurde in vielen Fällen verteilt. Die Not der Kleidung, besonders der Arbeitskleidung, trat im letzten Jahre besonders stark ans Licht. An Schuhen konnten wir 500 Paar verteilen, während wir an sonstigen Kleidungsstücken, wie Wäsche, Unterhosen, Strümpfen und bergt, manches Loch zustopfen konnten.
Nicht zuletzt wollen wir denen allen danken, die immer wieder unserer Kurrente auf den Straßen und Plätzen ein Scherflein gaben. Durch die allgemeine Wirtschaftskrise haben die Spenden sehr abgenommen, aber trotzdem haben wir in den Monaten August und September 1133,72 RM. eingenommen und tonten diesen Bettag den Notleidenden und Erwerbslosen zuführen.
So sei denn allen herzlich gedankt, vornehmlich von denen, denen die Hilfe und Unterstützung zugute kam. Wenn wir alle getrÄt und voll Zuversicht in einen neuen und schweren Winter hineingehen, so haben wir
die feste Hoffnung, daß auch m diesem Jahre die Hilfe des Hessenlandes uns nicht versagt bleibt.
Oktober tm TAW.
Alles ist so triste. Da hat ber Mensch Aufheiterung nötig, und wo kann er diese besser finden als im T. a. 53., das feinen Gästen wieder ein auserlesenes Programm bietet, das sich, In jedem Weltstadtvariete sehen lassen kann. Eine Schar auserlesener Künstler aus allen Himmelsrichtungen ist zusammengetrommelt worden, um den Kasselanern ein paar vergnügte Stunden zu bieten.
Die mannigfaltigen Darbietungen werben serviert unb gewürzt durch Fritz Friemel, den Kasselanern kein Unbekannter mehr. Er versteht seine Sache als Conferencier, als „geistiger Oberkellner", bas muß man sagen. Er bringt die Zuhörer schnell In bie richtige Stimmung, um für bie kommenden Genüsse der Augen und Ohren den nötigen Appetit zu haben. Eine ber fabelhaftesten Leistungen ist er selbst als in allen Dialekten redegewandter Cha- rakterchomiker, ber mit blitzschneller Verwandlung waschechte Volkstypen aus allen Winkeln Detttsly- lands tn Maske und Dialekt zwerchfellerschütternd echt darstellt.
Die edle Kunst des Tanzes vertritt zunächst Little Lenu, ein anmutiges kleines Persönchen, die mit der Musik ihrer Beine unser Auge erfreut, fei es klassisch als Spitzentänzerin, sei es modern in einer Groteske. Dann kommt Monty Galieos in seiner Nummer, „Der lustige Matrose", ein Exzentriker, bei dessen Leistungen sich normale Menschen sämtliche Knochen brechen würden. Tierbres- suren finden stets Bewunderung unb Beifall, aber was Arzborf s Künstlerhunbe leisten, ist wirklich eine Klasse für sich. Sie entwickeln sich als Equlbristen, Springer usw., unb tanzen sogar einen Vollenbeten Walzer, rechts herum unb links herum.
Wenn man Po n g, ben König ber Komiker, auf bie Bühne treten sieht, brüllt alles schon vor Lachen. Ein langer Lulatsch, Modell „Bohnenstange". Wenn er seinem Humor die Zügel schießen läßt, wirb selbst ber härteste Griesgram butterweich. Ein vielseiti
ger Komiker, dem der Witz nicht nur im Kopfe, sondern auch in den Beinen und sogar int Bauch sitzt. Großen Beifall finden die drei Roths, Equilibristen von Kraft und Anmut, von denen besonders das jugendliche Mitglied der Truppe rühmend hervorzuheben ist. Dann kommt die Tanzkunst wieder zu ihrem Recht Lent Sufia tanzen mit Grazie des Ausdrucks unb Tempo ber Beine einen Csardas und eine Groteske. Den effektvollen Abschluß bildet ein luftiger Sketch „Cahn' Größenwahn", eine politische Zeitsatire, gespielt von Pong, Friemel und Partnerin
Den musikalischen „Rahm" schlägt zu diesem Genuß die bewährte Hauskapelle 2 e u l e r t mit alten u neuen Schlagerrhythmen in bekannter Kunstfertigkeit.
Seröff«Programm bei polier
Der Okloberfpielplan ber Künstlerspiele in ber Rur« fürstensttatze weist diesmal eine starke wienerische Note auf. Schon der Ansager Wilfried Wilden plaudert nicht, er plauscht und zwar mit übersprubelndem Geist unb in einem Tempo, bas gar nicht wienerisch anmutet. Seine Landsmännin Senta Kais ist eine Diseuse unb Stimmungssängerin von Format, es ist ihr sogar gelungen, bas alte Fiakerlieb zu mowrisie- ren. Sonst ist sie mit einem Wort „dulli". Ein breiter Raum ist auch dem Tanz eingeräumt. Da Ist bas Suflas-Duett, zwei schlanke biegsame Mädels, die ebenso schneidig einen Rag-tlme wie das alte „loin du bal" hinlegen. Als akrobatische Tänzerin mit starker Techniker entpuppt sich Ja Roma, während bie Hutteroff-Gruppe typisch russisch kommt. Ihre wirbelnden Gopacks unb Stiltänze fesseln. Den Schluß macht ein herber sächsischer Komiker, grotesk bis in die Fingerspitzen. Er heißt Doerseln und rührt zu Lachtränen. Die vorzügliche Hauskapelle Meil begleitet und spielt zum Tanz aus.
Neue Filme in Kassel
Chassalla-Lichtspiele: „Der Schrei der Masse«. 1
In Indianapolis werden alljährlich bie bedeutendsten Autorennen ber Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgetragen. In viel größerem Maße, als es in Europa bekannt ist, interessiert sich der Amerikaner für sensationelle Rennen. Kein Wunder bei ber großen Zahl der in den USA. laufenden Wagen und den hervorragend ausgebauten Straßen. Dieser jetzt in den Ehassalla-Lichtspielen laufende Tonfilm in deutscher Sprache vermittelt ein überaus lebendiges Bild großer autosportlicher Veranstaltungen. Was hier bie Kameraleute geleistet haben, ist besonderer Anerkennung wert, wenn natürlich auch mancher Trick dabei gut zur Geltung kommt. Die Handlung ist typisch amerikanisch. Zwei Brüder — beide Rennfahrer — konkurrieren miteinander, und zwei Frauen spielen natürlich auch mit. Es gibt verheerend aussehende Stürze, aber am Schluß — wie anders könnte man es auch erwarten — sind zwei Paare glücklich. — Das Publikum ist beruhigt, daß seine beiden Helden — wenn auch mächtig zerschunden — am Leben bleibett
Mettopoi-TonfilM'Theater
„Melodie der Liebe".
„Richard Tauber singt", dies« Ankündigung scheint zu genügen, um ein volles Haus zu garantieren. Ist es wirklich eine Episode aus Taubers reich bewegtem Leben, die der Handlung dieses Hilms zugrunde liegt? Jedenfalls hat man dem berühmten Sänget Gelegenheit gegeben, leine herrliche Stimme in einer Reihe klangvoller Lieder sich aus. strömen zu lassen. Ganz reizend das nette Kinderlied „Es war einmal ein Baby" und das mit schönem Ernst gesungene „Schade, daß Liebe ein Märchen ist". Lien Devers als Eicha ist eine ausgezeichnete Partnerin. Szöke Szakall spielt die humoristische Note wie immer virtuos. Die Handlung, die den gefeierten Sänger zwischen zwei Kraue» stellt, endet dank der Initiative des kleinen Töchterchens (Petra Unkel) mit glücklichem Abschluß. Georg Jacobo ist der verständnisvolle Regisseur dieses mit herzlichem Beifall aufgenommenen. Tonfilms.
Ein guter Kulturfilm und der spannende Abenteurersilm „3n der Wildnis" vervollständigen das Programm.
Dem Verdienste seine Krone. In ber am Montag ftattgefunbenen Monatsver,ammlung ber Freiwilligen Sanitätskolonne wurde bem Zugführer Schreiner- meister Friedr. Sa 11rup, Holl. Str. 13 das Goldene Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes für über 40-jährige treue Dienste unb den Mitgliedern Invalide Friedr. Immke, Töpfenmarkt 10 und Rentner Herrn. Maßberg Herkulesstratze 91 das silberne Ehrenzeichen für 25-jährige einwandfreie Dienstzeit vom Vorsitzenden des Provinzialvereins vom Roten Kreuz, Ober- unb Geheimer Regierungsrat Hans- leuthner mit einer Ansprache überreicht.
Oer Maschinen-Landwiri
Archur Schurigs Werk / Oer Mann, der Berlins Müll kaufte Markee, das Laboratorium der Scholle
Fünftausend Morgen Blumenkohl
Wenn die schlanken Silhouetten ber Nauener Funktür ine an der Berlin-Hamburger Chaussee auftauchen zweigt ein Weg ab nach Markee, der in dem ummauerten Gutshos endigt. Das war die Arbeitsstätte Dr Arthur Schurigs, dessen plötzlicher Tod vor einigen Monaten so sehr betrauert wurde.
Man sieht seinen Kops — auf den ersten Blick ben eines Technikers, eines Ingenieurs. Einen konstruktiven Kops, Der sich in die Landwirtschaft verirrt hatte — nein, der die Landwirtschaft überrumpelt hatte mit Ideen, Plänen, Experimenten, wie sie wohl noch nie in solcher Kühnheit verwirklicht worden sind.
Nur 15 Jahre war es Arthur Schurig vergönnt. In Markee zu arbeiten. Was aber in diesen beiden Jahrzehnten auf Dem märkischen Sand- unb Moor- hoben entstanden ist, hat auf der Welt nicht seinesgleichen Heut« gehören fünf Güter mit insgesamt 13 000 Morgen zur Zentralverwaltung,
elshundert Arbeiter finden ihren Verdienst. Markee ist der Gipfel landwirtschaftlicher Leistung geworden.
Ein Drittel des bewirtschafteten Bodens trägt Getreide, ein anderes Drittel Gemüse, das letzte Drittel Hackfrüchte. Dem Gemüse galt Schurigs ganz besonderes Interesse. Wir sehen — ein phantastischer Anblick! — 150 Morgen Stangenbohnen; aber nicht etwa an Stangen, sondern nach Schurigs Idee an Drahtstäben. Die sich als bedeutend wirtschaftlicher ertotejen haben. Für dieses Jahr hatte Schurig nicht weniger als fünftausend Morgen Blumenkohl vorbereitet Hunderte von Morgen Spinat, Gurken unb Mohrrüben werden je nach Der Jahreszeit angebaut Zuk- terrüben erntet man hier auf einem Boden, der unter keinem anderen Landwirt jemals diese Frucht tragen wollte.
Wie wurden solche Kunststücke ferliggebracht?
Schurig scheute sich nicht davor, von den anderen als „verschobener Experimente wacher" ausgelacht zu werden. Es gab kein neues landwirtschaftliches &&>
rät, bas er nicht als Erster ausprobierte — nach Ihm wagte sich meist erst das „Reichskuraiorium für Tech nik in Der Landwirtschaft" daran. Er mechanisierte alles, was zu mechanisieren war.
Die ersten automatischen Pstückerbsen-Dreschmaschinen die das Handpflücken Durch Mähen ersetzen, haben in Markee innerhalb weniger Stunden die Erbsen vom Feld in die Konservenbüchsen wandern lassen. Und trotzdem sind auf Markee mehr Arbeitskräfte beschäftigt als auf anderen gleich großen Betrieben.
Nur für Tiere war Schurig nickt zu haben. „Raubtiere, die den Menschen arm fressen", nannte er die braven Vierbeiner. Statt Zugtiere zu halten, ließ er das gesamte Gelände mit Feldbahnen unb Reichs- bghn-Anfchlußgleisen burchziehen, um bamit Zelt und Kosten zu sparen. Acht Verladebahnhöfe wurden eingerichtet.
Die unbedingt notwendigen Tiere mußten stch Schurigs Willen fügen. Seit über zehn Jahren haben die Pferde von Markee kein Gramm Hafer zu sehen bekommen. Sie erhalten das, wofür bie Zelt gerade günstig ist: Rübenschnitzel, Soja-Schrot, Melasse; vor allem aber erstklassiges Luzerne-Heu. Unb das Merkwürdigste: Sie gedeihen prächtig babel und sind zu den höchsten Leistungen fähig!
Einmal aber verfiel Schurig doch auf die Schweinezucht. Natürlich begann er nicht im Kleinen, sondern verfügte zeitweise — je nach Konjunktur — über einen Bestand von 10000 Tieren. Um diese gesund zu halten, brachte er sie in Strohhütten auf freiem Feld unter — unb zwar organisatorisch so geschickt, daß je ein Mann 1000 Sckweine betreuen konnte. „Man muß die Sckweine so schnell wachsen lassen, daß sie keine Zeit haben krank zu werden", pflegte er zu sagen.
Eines der interessantesten Experimente mackte Tchnrtg als er mit der Stadt Berlin einen Vertrag schloß, nach dem ihm ... ber aefamte Berliner Müll gehörte.
Berlin war Überglücklich, denn eine Viermillionen stabt weiß kaum, wo sie bie Unmassen von Abfällen unterbrinoen soll. Schurig ließ einfach aus Tausenden von Morgen in fußhoher Sckicki ben Müll breitfahren unb verwendete ihn als Dünger. Es ist, wenn gerade wieder einmal „gedüngt" worden ist, ein merkwürdiger Anblick, endlose Flächen mit ZettungLpaptLr
Glasscherben, Konservenbüchsen bestreut zu sehen Kolonnen von Arbeitern machen sich daran, Blech unb Glas auszusortieren und in Waggons zu sammeln, in betten biefe Dinge wieder als Rohstoffe in die Fabriken transportiert werden. Die verwitterbaren Bestandteile des Mülls aber „chüngen" bie Felder von Markee.
Spätere Geschlechter werden ernten
Markee hat auch eine Moorwirtschaft, bie gänzlich neue Wege weist. Ohne Viehwirlschast gedeihen Hanf. Kohl. Möhren, Kartoffeln. Im Krieg griff Schurig dem Staat unter die Arme, indem er 5000 Morgen, die im Vorfahre Weizen getragen hatten, mit dem begehrten Rohstoff Hans bepflanzte. Dieser Mann lebte in dem primitiven und doch so starken Glauben: daß nttt Energie unb Klugheit alle technischen unb wirtschaftlichen Probleme der Welt zu lösen sein müßten Er ging mit einem grenzenlosen Optimismus Fragen zu Leibe, an denen Tausende vor ihm gescheitert waren— während es ihm manchmal im Handumdrehen gelang, sie zu lösen.
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Kl. Ermutigt durch den
S»a E s ch: „Klammen «der -—--------
Verlag von Ernft Ewert entfchlonen, die Herausgabe des zweiten Werkes her Verfasserin schon ictztzu wagen und auch ibr drittes Werk zum Abdruck vorzubereiten.
Wohl entwas tret, aber nicht unberechtigt, trägt dieser Rowan den Titel „Di-Höhle". Man w hier wie schon i« ersten Buche geneigt, aus den ersten Leiten ein Urteil über das ganze Werk zu sälleu. Einzelne Unebenheiten verschwinden indessen im weiteren Verlaus fast Sanz und auch di« Durchuchtigkeit der Sonftruktwti hält nicht davon ab. mit Interesse wotterzuleien.
Lya Eschs zweiter Nomau „Die HSble".
Dieser Roman ist die Geschichte eines völlig haltlosen Menschen, der trotz wiederholter Besserungsveriuch« langsam aber sicher dem Untergang entgegentreibt, eines Menschen, von dem sich di« Frauen trotz seiner verbrecherischen Anlagen onseioaen fühlen. Dieser Mann beseitigt aus mit kranHäfiem Trieb heraus um einer Frau willen gewaltt kam Den glücklicheren Nebenbuhlerund kurz daraus auch den Mitwisser der Tat. Als ihm das Leben noch einmal eine Chance gibt, lädt er nur neue Schuld aus sich. Erft dann zieht er die einzig mögliche Schlussfolgerung und wählt den Freitod.
Die Zeichnung dieses „Helden" ist der Verfasserin gelun- gen. auch die Nebenfiguren sind mit markanten Glichen gut- scftgehalten worden, ebenso einige kleine Milieuschilderungen. während hinsichtlich der psychologischen Entwicklung manches etwas knapp und unklar gefasst erscheint.
Ter gut« Eindruck, den man von Lya Esch feit de« Eriche i neu des erften Buches Haire, wird jedoch kaum bcein- Ixd&tigL iM3t.1t <Mw Ül itßtitD*
Das Bilb feiner Persönlichkeit runbet sich, wenn man erfährt, wie biefer Mann zu leben pflegte. Einfach, fast puritanisch war sein Alltag, karg unb bejcket- ben seine Nahrung, seine ftleibung. Er brauchte nichts für sich selbst, aber er gab alles seinen Jbeen.
Man hat in landwirtschaftlichen Kreisen stets viel gespottet unb gelacht über ben monomanischen Experimentator von Markee. Aber bie Sachverständigen der ganzen Welt wanderten zu Schurig, um wichtigste Anregungen für die Oekonomie großer Staaten zu empfangen, um zu erleben, wie Unmögliches hier möglich wurde, um einen Menschen kennen zu lernen, dessen Blickfeld das seiner Zeitgenossen weit übertraf.
Arthur Schurig starb in einer Zeit, in der jener unendliche Segen Der Scholle, ben er hervorzuzaubern verstaub, sich durch die falsche Organisation des Weltkonsums in fürchterlichen Unsegen wandelt; da die Menschen am Ueberslutz ber Natur verhungern und sich das Elend des Produzierenden zugleich mit der Menge seiner Produkts steigert. Ein besseres Morgen, auf das wir alle hoffen, wird bie eigentlichen Früchte ernten aus der Saat bes Pioniers Arthur Schurig.
E. Larsen.
welch« Mängel entdecke» wird, so Lark «an nicht vergessen, dass hj< 29-Jährige noch keine Vollendete war.
„Oer deutsche Sparmungsroman^
Die Serie spannender Unteichaltungsromane, die der Ensslin und Laibleins Verlag in Reutlingen In geschmackvoller Ausstattung und gediegenem Leinenband zum Preise von 2,85 RM herausbringt, ist um zwei neue Bände bereichert worden. Heinz Erich Platte trifft tn seinem Abenteurer-Roman „Zweimal schwarze Siebzehn" glücklich Wunsch und Geichmack aller Freunde fesselnder Unterhal- tungslektüre. Selbst ein Weltenbummler, der in den Grossstädten der Welt, tn den Pampas Südamerikas, sein Glück suchte und nach wcchselvollen Schicksalen, die ihn aus einem Beruf in den andern warfen und das Leben unter argentinischer Sonne wie kaum einen andern in allen Höben und liefen kennenlernen liehen, zerchnet er in seinem Roman .Zweimal schwarze Siebzehn" eine ebenso logisch wie spannend geschriebene Spieler- und Mädchenhandel-Gefchichie. Die Liebesgeschichte eines Paares, das sich vom Schicksal nicht unter bi« Räder bringen lassen will und Gefahren und Versuchungen mung trotzt, zieht sich durch die Handlung, deren rasch wechselnde und aus eigenem Erleben geschilderte Schauplätze sie umso lesenswerter gestalten. — Sn Band 10 der gleichen Kerie kommt Heinrich Tiaden ,u Wort. Sein „Teufel im Glas-Et", an Umfang und Ausstattung ebenso ansprechend, ist der packend geschriebene Roman eines Abenteurers, dem plötzlich ein Rächer seiner skrupellos verübten Taten ersteht. Der Kampf der beiden Männer, der zunächst nur um den Besitz von zehn Gramm Radium zu geben scheint, wächst stch tn dramatischer Entwicklung zu packenden Höhepunkten aus. Ein versöhnendes Moment lässt nach dem auf beiden Seiten mit unerbittliche: Grausamkeit geführten Kampf den Schluss in den Leprakolonien Chinas als eilö-