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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeisung Kasseler Tageblatt Hessische Abendzeitung

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22 Jahrgang

Mittwoch, 5. Oktober 1932

Nr. 234*

Die Konferenz der deutschen Schlichter

Kein Streikverbot geplant / Herriot und die englische Einladung / Frankreichs Politik bereits festgelegt?

Gewerkschaftliche Kritik

Von unserer Berliner Schriftleitung.

th Berlin, 5. Oktober.

Die Konferenz der deutsche» Schlichter, die gestern im Reichsarbeitsministerium in Berlin pattsinden sollte, ist auf heute verschoben worden. Man fleht zwar dieser Konferenz mit ziemlich große» Er. Wartungen entgegen; diese Erwartungen dürften aber zum Teil nicht erfüllt werden.

Nachdem, gestern imReichsanzeiger" wir haben in einem Teil der gestrigen Auflage schon darüber be­richtet die neue Durchführungsverordnung des Reichsarbeitsministers über die sogenannteFrie- denspflicht der Gewerkschaften" veröffentlicht worden ist, würde es eine irreführende Auffassung sein, wenn man von der heutigen Konferenz der Schlichter irgend­eine Entscheidung in der Richtung einer Einschrän­kung der Streikmöglichkeiten oder eines Streikverbo­tes erwarten wollte. Zu derartigen Maßnahmen ist die Konferenz in keiner Weise berufen, da für Schritte dieser Art lediglich der Weg der Nowerordnung in Betracht kommen könnte.

Die Gewerkschaften sind übrigens mit der gestern veröffentlichte» neuen Durchführungsverord­nung nicht einverstanden, sondern derVorwärts" teilt mit, daß sie eine Rechtsgrundlage für die Auf- fasiung des Arbeitsministers nicht anerkennen. Sie bestreite» die Rechtswirksamkeit der neue» Ausfüh­rungsbestimmungen und behaupten, daß diese Bestim­mungen auch in der Notverordnung vom 4. Septem­ber keine Stütze finden. Es sei daher nicht anzuneh- men, daß die neue Verordnung auf die Haltung der Gewerkschaften von Einfluß sein werde.

Wieder voller Verkehr in Hamburg

Hamburg, 5. Oktober.

Nachdem die den Streik der Hamburger öffent­lichen Verkehrsmittel führenden Vertrauensleute des freigewerkschaftlichen Gesamwerbandes infolge der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs den Ab­bruch des Streiks beschlossen und auch die Kommu­nisten die Streikaufforderung an ihre Mitglieder zu­rückgezogen hatten, ist heute früh der Betrieb aus allen ösfentlichen Verkehrsmitteln Hamburgs nach viertägiger Stillegung wieder ausgenommen worden.

Landgemeinden und

Arbeitsbeschaffung

Berlin, 5. Oktober.

Der Gesamtvorftand des Verbandes der Preu­ßischen Landgemeinden trat im Reichswirt­schaftsrat in Berlin zu einer Tagung zusammen, in deren Mittelpunkt das Arbeitsbeschaffungspro­gramm und die preußische Verwaltungsreform standen.

Nach einem Referat des Präsidenten, Landrat a. D. Dr. G e r e k.e - Presset und nach einer lebhaf­ten Aussprache, in der von allen Seiten auf die durch die steigenden Wohlfahrtslasten unhaltbare finanzielle Lage der Gemeinden hingewiesen wurde, faßte der Vorstand eine Entschließung zur Arbeitsbeschaffung, in der es u. a. heißt, der Haupt­vorstand des Verbandes der Preußischen Landge­meinden stelle sich erneut hinter das in der Oeffent- lichkeit bekannte Arbeitsbeschaffungsprogramm der Landgemeinden. Auch im Interesse der notleiden­den Landwirtschaft, dem Hauptsteuerträger in den Agrargemeinden, müsse durch ein umfassendes und durchdachtes Arbeitsbeschaffungsvrogramm die Kaufkraft wieder gesteigert werden.

Die Reichswohlfahrtshilfe müsse der steigenden Zahl der Erwerbslosen angepaßt werden. Entgegen dem Sinne der Vorschriften der Reichs­wohlfahrtshilfe vom 14. Juni seien kreisangehörige Gemeinden nicht an der Reichswohlfahrtshilfe un­mittelbar beteiligt worden. Dies sei beschleunigt nach­zuholen.

Weiterhin nahm der Vorstand in einer Entschlie­ßung zur preußischen Verwaltungsre- sorm Stellung, die besagt, daß die Landgemein­den gegen die von der kommissarischen preußischen Smatsregierung eingeleiteten Maßnahme» einer Verwaltungsreform Verwahrung einlegen müs­sen, da sie auf die Belange der ländlichen Selbst­verwaltung und der Landbevölkerung keine Rück­sicht nahmen. Die Landgemeinden und ihre Bevöl­kerung erwarteten, daß sie endlich als gleichberech­tigt mit den Städten anerkannt würden.

Staatssekretär Pünder zum Regierungspräsidenten von Münster ernannt. Der frühere Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. Pünder ist, den Blättern zu­folge, zum Regierungspräsidenten in Münster ernannt worden.

Politische Ueberfälle in Breslau. Drei Reichs­bannerleute wurden wie die Polizei meldet ge­stern abend von mehreren Personen unter dem Ruf Freiheit" angegriffen. Ein Reichsbannermann er­hielt vier Messerstiche in den Rücken. Die Täter ent­kamen unerkannt. Einige Zeit später meldete sich auf der Wache am Hauptbahnhof ein Schmied und gab an, unter dem RufFrecheit" von mehreren unbe­kannten Personen überfallen zu sein. Er hat mehrere schwere Messerstiche erhalten.

Neuer Oberpräfident in Niederschlesien. Zum Ober- Präsidenten der Provinz Niederschlesien soll, dem Ver­nehmen nach, der Landrat des Kreises Reichenbach in Schlesien, Graf von Degenfeld-Schönburg, ausersehen fein.

Kommt die Londoner Konferenz?

(Eigener Drahlberichk).

th Berlin, 5. Oktober.

..»gekündigte diplomatische Schritt in iiv. y.age einer Vier- oder Fünfmächte-Konferenz, die in London über das Abrüstungsproblem abgehalten werden soll, ist gestern nachmittag erfolgt. Der eng­lische Geschäftsträger in Berlin hat dem Staatssekre­tär von Bülow eine offizielle englische Ein­ladung zu einer derartigen Konferenz »ach Lon­don überbracht. Ein Termin ist darin nicht angegeben, dagegen wird darauf hingewiesen, daß auf dieser Kon­ferenz Deutschland, England, Frankreich und Italien als Teilnehmer und Amerika in der von de» Ameri­kaner» oftmals bevorzugten Rolle als Beobachter an­wesend sein sollen.

Der Staatssekretär von Bülow hat dem Ge­schäftsträger selbswerständlich nochkeineendgül- tige Antwort geben können, da die Reichsregie­rung wie gestern schon an dieser Stelle angedeutet wurde auf dem Standpunkt steht, daß vor der Ent­scheidung über eine Beteiligung an einer derartigen Konferenz zunächst Klarheit über die politischen Voraussetzungen geschaffen werden muß, unter denen eine derartige Zusammenkunft überhaupt stalt- finden könnte. Vor allem liegt der Regierung viel daran, einwandfrei festzustellen, ob aus dieser Konfe­renz die Diskussion etwa nun aus derselben Basis wei- tergesührt werden soll, auf der man in Genf nicht zum Ziele gelangte. Bülow hat den englischen Geschäfts- ttäger von dieser Aufsassung der Reichsregierung un­terrichtet und ihn dahin verständigt, daß zunächst in Vorbesprechungen über die Bedenke» und Voraus­setzungen der Reichsregieruug eingetreten werden

müßte. Das Reichskabinett wird nun in einer seiner nächsten Sitzungen, deren Termin allerdings noch nicht anberaumt ist, einen Beschluß über die endgül­tige Antwort auf die gestrige englische Einladung her­beiführen.

In welchem Sinne diese Entscheidung ausfälll, läßt sich noch nicht Voraussagen. Selbstverständlich wird man in der Wilhelmstraße alle Argumente ein­gehend berücksichtigen, die für eine Weiterführung der internationalen Aussprache über das Abrüstungspro­blem sprechen, sofern dabei Aussicht besteht, daß wir durch diese Diskussion dem Ziele der Gleichberechti­gung tatsächlich näher kommen können. Wenn aber diese Voraussetzungen nicht erfüllt find, so wird sich die Reichsregierung nicht auf die Fortsetzung von Ge­sprächen einlaffen, die sie in Genf aus guten Grün­den abgelehnt hat. Das ist schon aus außenpolitischen Gründen erforderlich, aber gegenwärtig kommen auch das Problem der Abrüstung und der Gleichberech­tigung spielt auch im Wahlkampf eine große Rolle innerpolitische Gründe hinzu, um unter allen Um­ständen eine feste und sichere Linie notwendig erscheinen zu lassen.

*

London, 5. Oktober. In einem gestern in später Abendstunde veröffentlichten Kommunique des Foreign Office heißt es: Die britische Regierung hat sich mit den Regierungen Frankreichs, Deutschlands und Italiens in Verbindung gesetzt, um sich zu ver­gewissern, ob die durch das Fernbleiben Deutschlands von der Abrüstungskonferenz hervorgerufenen Schwie­rigkeiten zum Gegenstand eines Meinungsaustausches

zwischen ihnen gemacht werden könnten. Die Frage I wird noch erwogen, aber die britische Regierung gab | zu verstehen, daß sie, wenn dieses Verfahren möglich ist und allgemein gebilligt wird, bereit wäre, eine Konferenz zu diesem Zwecke in London zu veran­stalten.

Skepsis in Berlin

Die Aussichten einer solchen Londoner Konferenz werden in politischen Kreisen mit ziemlich weitgehen­der Skepsis beurteilt. So sagt derL o k a l a n z e i - g e r" heute unter anderem: Das Spiel der Londoner Konferenz hat nur den Zweck, Deutschland wieder für die Teilnahme an der Abrüstungskonferenz zu ge­winnen und uns die Entscheidung über das Zustande­kommen der Konferenz zuzuschieben. Wenn Frank­reich sich etwa zu einer solchen Konferenz bereit er­klären sollte, so würde darin ein taktischer Versuch liegen, uns schon im voraus für ein etwaiges Schei­tern der Konferenz schuldig zu machen.

DieV o s s i s ch e Z e i t n n g" meint, gewiß werde man in Deutschland die Initiative der englische» Re­gierung begrüßen, aber doch die Voraussetzungen prü­fen, die ein positives Ergebnis der Londoner Bera­tungen im Sinne der Erfüllung der deutschen Forde­rungen erwarten lassen. Die Entscheidung werde bei Frankreich liegen, und die diplomatischen Gespräche müßten Klarheit darüber schaffen, ob der Wunsch, Deutschland zu den Beratungen zurückzuholen, durch konkrete Zugeständnisse auf der Londoner Konferenz realisierbar erscheint.

Herriots Bedingungen

Paris, 5. Oktober.

Gestern mittag hat die angekündigte Besprechung zwischen dem englischen Außenminister Sir John Simon und Herriot stattgefunden.

Rach demMatin" hat Herriot zu dem englischen Vorschlag bisher weder nein noch ja gesagt; er hat vielmehr verlangt, daß, ehe er sich endgültig entschei­det, eine Reihe von Vorfragen geklärt werden. Diese drei Fragen werden vomMatin" angeführt. Wenn sie in dieser Forni aufgeworfen sind, so hat Herriot damit eigentlich doch bereits zu dem Konfe­renzvorschlag Stellung genommen und zwar in nega- tiver Form. DemMatin" zufolge wünsche er näm­lich zu wissen, ob matt sich in London zunächst die Zustimmung Berlins gesichert habe. Ferner hat er die Frage aufgeworfen, in welchem Geist das Kabi­nett Papen eintretenden Falls bereit sei, an der Kon­ferenz teilzunehmen. Wenn dies zutrisst, würde es also darauf hinauslaufen, daß Deutschland sich, noch ehe es sich an den Konferenztisch setzt, bereits vorher die Hände binden soll.

Schließlich möchte Herriot wissen, ob Deutschland die Bedingungen aufrechterhalte, die es für seine Be­teiligung an der Abrüstungskonferenz gestellt hat.

Journal" will von zwei weiteren Bedingungen Herriots wissen. Die erste wäre, daß die angeregte Konferenz in Genf, und nicht, wie geplant, in Lon­don stattfindet, die zweite, daß auch Belgien und Polen zugezogen werden.

Nach demEcho de Paris" scheint Herriot übri­gens garnicht mehr Herr seiner Entscheidung zu sein. Das Blatt behauptet, daß er sich in Genf am Don­nerstag vergangener Woche in der Sitzung mit den Vertretern der Kleinen Entente, Polen und Belgien gebunden habe. Er habe dort Gedankengänge ent- wickelt, die aber auch garnichts mit denen gemeinsam hätten, die jetzt in London erörtert würden. So wett könne Herriot nicht gehen, daß er s i ch s e l b st d e s - avouiere. Davon abgesehen aber könne er auch bei einem Eingehen auf den englischen Vorschlag nichts gewinnen, außer wenn er gewillt sei, die höch­sten Interessen der nationalen Verteidigung preiszu­geben.

Sowjetfabriken / Russische Reise-Eindrücke

Bon unserem Sonderberichterstatter Dr. Gerschung.

Charkow, Ende September.

Wir beend«« beute die BeröiseutliLuug der Artikel- reihe. die «aicr Mitarbeiter Dr. Gerichn» über die Eindrücke nnb Erfahrungen seiner Ruhland-Reise ae- schriebcn bat. Der letzte Aussatz gibt eine« Einblick tit das industrielle Lebe» Sowjctruhlauds. Im letzten, dementscheidenden" Jahr des ersten Fünfjahresplanes ergibt das Studium der Sowjet­industrie ein außerordentlich buntes, uneinheitliches Bild. Vorweggenommen werden soll das Fazit die­ser Betrachtungen: trotz zahlreicher gewaltiger Neu­bauten, trotz bedeutender Teilerfolge, darunter auch auf dem Gebiete neuer Produktionszweige, ist ein or­ganisches Funktionieren der Industrie im Rahmen des volkswirtschaftlichen Ganzen bisher nicht erreicht worden. Vor allem ist die Kluft zwischen de» Fak­toren Mensch und Maschine, zwischen dem mensch­lichen Können und den Anforderungen, die ein neu­zeitlicher Industriebetrieb an das ihn bedienende Menschenmaterial stellt, noch immer sehr groß.

Die erste Fabrik, die ich in Rußland zu sehen be­kam,

die FabrikMax Hölz" in Leningrad, stammt noch aus der Vortriegszeit und ist unter dem Sowjetregime bisher nicht nennenswert erweitert worden. Große neue Maschinenhallen und Hilfsan­lagen sind allerdings gegenwärtig in Bau. Die Fabrik baut Tabak- und Zigarettenmaschinen, Trikotage- maschinen und gewisse andere Textilausrüstungen und ist in letzter Zeit dazu übergegangen Linotypes (Setzmaschinen) zu bauen. Erst zwei solcher Linotypes sind nach dem Modell einer aus Deutschland impor­tierten Setzmaschine gebaut worden, sie können aber infolge wichtiger Konstruktionsfehler und der schlech­ten Qualität des Metalls keine Verwendung finden. Von der Leitung der Fabrik wurde mir gesagt, daß der Bau von Textilausrüstungen, sowie von Tabak- und Zigarettenmaschinen sehr stark erweitert werden soll. Vorerst sprechen große Plakate in allen Maschi­nensälen von demDurchbruch der Produktionsfrottt" int ersten Halbjahr 1932 und fordern die Arbeiter auf, diesesschmachvolle Zurückbleiben hinter dem Plan" in der zweiten Hälfte des Jahres wieder wettzu­machen. Sehr lehrreich war die Lektüre derW a n d- zeitung" der deutschen Arbeiter der Fabrik, deren Zahl bei einer Gesamtbelegschaft von einigen tausend Mann 6070 beträgt. Nahezu alle Einsen­dungen und Mitteilungen betrafen Klagen der Deut­schen über mangelnde Berücksichtigung ihrer Rationa­lisierungsvorschläge und sonstiger Anregungen.

Im Moskau gelang 'es mir nicht, eine Fabrik zu besichtigen, auch in Nishni-Nowgorod wurde mir er­klärt, daß eine Besichtigung des dortigen großen Auw­mobilwerkes nicht möglich sei, da die Fabrik gegen­wärtig so intensiv arbeite, daß das Vollskommisia-

riat der Schwerindustrie jeden fremde» Besuch alS Bettiebsstörung verboten habe. Das erste, unter dem Sowjetregime gebaute schwerindustrielle Werk sah ich in Stalingrad (früher Zarizyn) die

große Traktorenfabrik,

die zu Ehren des Gründers der Tscheka und späteren Leiters der GPU. den NamenDsershinski" trägt Tie Fabrik liegt etwa 12 Kilometer außerhalb der Stadt. In einem Auwbus fuhr ich hinaus, auf einex unsagbar schlechtenChaussee", vorbei an traurigen, stark zerklüfteten Tälern. An den Abhängen klebten die Häuschen und Baracken der Arbeiter, ein Teil der Arbeiterschaft ist in Zelten untergebracht, da der Woh­nungsbau mit dem schnellen Anwachsen der Arbeiter­bevölkerung der Stadt nicht Schritt hält.

Die mit den modernsten deutsche» und amerikani­sche» Maschine» ausgerüstete Traktorenfabrik beschäf­tigt heute 13 000 Arbeiter, von denen allerdings nur 1000 qualifizierte Arbeitskräfte sind. Hinzu kommen noch etwa 300 deutsche Arbeiter und vier amerikani­sche Meister. Vom 15. Juli bis 1. August lag die Fa­brik still, nach offizieller Mitteilung wegen erforder­licher Reparaturarbeiten. Ein Werkbeamter sagte mir, daß ein Teil der Arbeiterschaft nach der Wiedereröff­nung der Fabrikwegen der Brotschwierigkeiten" nicht zurückgekehrt sei. In allen Maschinensälen, an allen Anlagen sieht man bedeutend mehr Arbeiter als in entsprechenden deutschen Werkabteilungen. Offenbar erfordert die Bedienung einer Maschine in Rußland infolge der niedrigen Qualifikation der Arbeiter weit­aus mehr Arbeitskräfte als die der gleichen Anlage in Deutschland.Die Russe schaffe in einem Monat, was wir in einer Woch schaffe", sagte mir ein süd­deutscher Arbeiter in Stalingrad. Man hat auch nicht den Eindruck, daß alle vorhandenen Arbeitskräfte voll ausgenntzt werden. Wie verschwenderisch man in Rußland mit Arbeitskräften umgeht, konnte ich be­reits in Leningrad an einem kleinen Beispiel erleben: In unmittelbarer Nähe der bekannten Maschinen­werke .Krasny Putilowe;" geht eine Kleinbahn mit sehr regem Verkehr vorbei, die vier schweren Flügel der Bahnschranke wurden immer wieder von je einem Bahnarbeiter mühsam gehoben und heruntergelassen. Eine kleine, wenig kostspielige mechanische Vorrichtung hätte natürlich diese Mühewaltung überflüssig gemacht

Anfang August, als ich die Fabrik besuchte, wurde mir eine Tagesproduktion von 150 Traktoren ange­geben. Das laufende Band funktionierte am Tage meines Besuches indessen nicht und wurde durch ein lebendiges laufendes Band, durch junge Arbeiterin­nen ersetzt, die von einem Arbeiter zum anderen eilten und die benötigten Materialien brachten. Ich konnte beobachten, wie zahlreiche bereits fertige Trakwren,