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Kasseler Neueste Nachrichten
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Montag, 3. Oktober 1932
22 Ja hrgang
Rr. 23
Vorbereitungen zur Verfaffungsreform
Das Reich und preuZen / O.e Ver-an-lungen mlt -en Ländern / Würdiger Verlauf -er Hin-enburgfeiern / Viererkonferenz in -er Abrüstungsfrage?
papens Münchener Reife
93 o n unserer Berliner Schristleitung.
Hin-en-urgs Geburtstag
Von unserer Berliner Schristleitung.
th Berlin, 3. Oktober.
Während man sich in politischen Kreisen — offenbar wegen allgemeinen Geldmangels der Parteien — sehr zögernd auf den Wahlkampf für den 6. November einstellt, gehen in den verschiedenen Resiorts der Reichsregierung die Arbeiten an den Problemen weiter. die zum Programm des Kabinetts von Papen ge, hören. Hierzu zählt in besonderem Matze die Reform der Berfasiung und der Verwaltung, für welche die Arbeiten im Reichsinnenministerium jetzt offiziell ausgenommen worden sind.
lieber den Standpunkt dieser Aktion berichtet heute die „Montagspost" unter anderem, es handele sich zunächst darum,
die verschiedenen Vorschläge für eine Verfaffungsreform in einem einheitliche» Entwurf zusammcn- zufaffen, der zur Grundlage der Beratungen zwischen Reichskabinett und Länderregierungen gemacht werden kann.
In diesem Zusammenhang wird auf die für die nächste Woche geplante Reise des Kanzlers nach München verwiesen, der eine besondere Bedeutung auch für Verfaffungsfragen beizumessen sei.
«MffcarfA-PT. >13 wird möglicherweise den Ent Wurf einer veränderten Reichsverfassung schon dem nächsten Reichstag vorlegen, aber das hängt natürlich vollkommen davon ab, ob dieser Reichstag sich als arbeitsfähig erweist.
Noch ehe man zur Durchführung der Reichsreform in größerem Stile gelangt, wird voraussichtlich die Sonderfrage einer Neu-Regelung des Verhältnisses zwischen Reich und Preußen gelöst werden.
Zwischen den zuständigen Ministerien des Reichs und Preußens haben bereits wiederholt Besprechungen staltgefunden, insbesondere um die Frage zu prüfen, wie einzelne preußische Ministerien auf das Reich übergehen könnten. Der preußische Staat als solcher soll bekanntlich aufrechterhalten bleiben, aber in vielen Punkten ist durch Personalunion zwischen den verschiedenen Ressorts im Reichs und in Preußen eine Vereinfachung und Zusammenfassung geplant.
Die Zusammenlegung bestimmter Ministerien wird vielleicht schon sehr bald durchgeführt werde«, und darauf führt mau es auch zurück, daß den Angestellten einiger preußischer Ministerien zum 1. April gekündigt worden ist. Die Entscheidung in diesen Frage« wird vielleicht bereits im nächsten Monat zu erwarten sein, aber daran würde sich natürlich eine ausreichend bemessene Uebergangsfrist anschlietzen müssen, um die Ueberleitung der Verwaltung zu den verschiedenen Ressorts sachgemäß durchzuführen, was unter Umständen bis zum 1. April nächsten Jahres erledigt sein könnte.
Scharfer Vorstoß -es ba-ifchen SiaatspräsiSenten
Offenburg, 3. Oktober.
Auf dem Sonntag hier abgehaltenen Landespar- teitag der badischen Zeutrumspartei sprach der badische Staatspräsident Dr. Schmitt über seine staatsrechtliche Auffassung hinsichtlich der iunerpolitischea Vorgänge der letzten Zeit, wobei er u. a. ausführte, er sprecke der Reichsregierung den guten Glauben und den Willen zur Rechtsobjektioität nicht ab. Die Absetzung der preußischen Regierung vertrage sich aber weder mit mit dem bundesstaatlichen Charakter des Reiches, noch weniger könne die Absetzung aufgrund des Artikels 48 der Reichsverfaffung ausgesprochen werden. Ein Reichskommissar könne ernannt werden nur neben, nicht anstelle der Länderregie- rung. und seine Aufgabe sei nur die Wiederhrstevuug der öffentlichen Ordnung «nd Sicherheit, nicht aber auch eine durchgreifende preußische Verwaltungsreform. Ebensowenig könne die Herbeiführung einer Personalunion zwischen Reich «nd Preußen zu den Aufgabe« des Reichskommiffars gehören.
Zur Reichsreform erklärte Staatspräsident Dr. Schmitt, dies Problem sei nur auf dem Wege des Volksbegehrens gegenwärtig zu lösen. Bei der Beseitigung ^»es Dualismus müsse Norddutschland vorangehen; Süddeutschland verlange Gegengewichte. So müsse der R e i ch s r a t neben dem Reichstag und der Regierung gleichberechtigter gesetzgebender Faktor werden.
Von unterrichteter Seite — also offiziös — wird dazu mitgeteilt: Es hat hier sehr sonderbar berührt, daß der badische Staatspräsident Parteipolitik «nd Staatspolitik nicht auseinander zu halten vermöge, daß er vielmehr die Staatspolitik in das (Bebtet der Parteipolitik herunterziehe. Anders könn
ten seine Ausführungen nicht verstanden werden. Was nun die drei Hauptpunkte seiner Ausführungen anlangt, so stehe die Frage des preußischen Staatskommissars unmittelbar vor der Entscheidung durch das Reichsgericht. Jedenfalls habe Baden seine Meinung beim Reichsgericht vorgebracht. Was weiterhin die Auflösung des Reichstages anbetrifft, so ist nach Artikel 25 der Reichsverfaffung bekanntlich die Auflösung vollkommen in das Ermessen des Reichspräsidenten gestellt. Im übrigen müsse man daraus Hinweisen, daß man in diesem Punkte früher in Zentrumskreisen ganz anderer Ansicht gewesen sei.
Norman Oavi-s Mission
London, 3. Oktober.
In der „Times" berichtet heute der Washingtoner Korrespondent des Blattes, daß Norman Davids, der in offizieller Mission nach Genf reiste, um an den Vorbereitungen für die Weltwirtschaftskonse- renz Anteil zu nehmen, auch den Auftrag erhalten bat, darauf hinzuweisen, daß der H00versche Abrüstungsplan eine Lösung für den jetzigen Zustand in den Aorüstungsverhandluiigen bietet.
Davids soll in London eine lange Unterredung mit Sir John Simons gehabt haben, in deren Verlauf vereinbart worden sei, daß der Hoover-Plan als Grundlage für die künftigen Abrüstungserörterungen benutzt werden soll. Der Korrespondent ist der Meinung, daß das Staatsdepartement jetzt bezüglich der Aussichten auf Annahme des Planes optimistischer sei, und zwar hauptsächlich wegen der deutschen Forderung und deshalb, weil geglaubt werde, Europa begreife allmählich, daß Frankreich einige Zuge- ständnisse an Deutschland sdemgegenüber ist vom deutschen Standpunkt aus immer wieder zu betonen, daß es sich nicht um „einige Zugeständnisse" sondern um die grundsätzliche und vollständige Lösung der Gleichberechtigung handeln kann. Die Red.s macken müsse und daß die praktischste Lösung eine französische Rüstungseinschränkung und nicht eine Aufrüstung Deutschlands wäre.
th. Berlin, 3. Oktober.
Der gestrige 85. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg ist, obwohl der Reichspräsident selbst aus alle Feierlichkeiten großen Stiles zu verzichten wünschte und den größten Teil des Tages im Familienkreis zubrachte, dennoch i« jeder Hinsicht in sehr feierlicher Form verlause«.
Der Vormittag war für die offiziellen Gratulationen bestimmt. Außer den Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden zeigten zahlreiche Privathäuser Flaggenschmuck. In den Straßen und Plätzen der Innenstadt herrschte schon in den Vormittagsstunden lebhafter Verkehr. Hebei dem Reichskanzler-Palais, wo Hindenburg während des Umbaues Wohnung genommen hat, wehte die Standarte des Reichspräsidenten. Immer wieder brachten Postbeamte unzählige Glückwunsch-Telegramme und -Schreiben. Zahlreiche Vlumenspenden und andere Geburtstagsgeschenke wurden abgegeben. Die militärischen Veranstaltungen begannen mit dem großen Wecken. Es war
dos erste große Wecken dos Berlin seit nahezu 19 Jahre«, nämlich seit Januar 1914, wieder erlebt hat.
Unter der Führung eines Hauptmannes nahmen 36 Spielleute und 50 Musiker der Wachttruppe mit sechs Gruppen des Wacht-Regiments daran teil. Mit klingendem Soiel marschierten die Abteilungen Punkt 7 Uhr durch das Brandenburger Tor. die Linden entlang, zur Kommandantur, wo der Berliner Stadtkommandant den Vorbeimarsch abnahm. Auf dem gleichen Wege wurde unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung der Rückmarsch angetreten.
In der Wilstelmstraße hatten vor dem Reichs- präsidenten-Palais schon in den Morgenstunden zahlreiche Schaulustige angesammelt. Um 8 Uhr morgens versammelte sich die Familie zur Beglückwünschung
Reichswehr-Ehrung für den Reichspräsidenten
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D-r Reichspräsident (im Helm) schreitet die Front der Ehrenkompagnie des Wachregimentes ab, die i« der Wilhelmstratze Paradeaufstellung genommen hatte.
Oie Wünsche -er Reichsmarine
Siel, 3. Oktober.
Zum 85. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg trugen alle Dienstgebäude und Anlagen Der Reichsmarine sowie die staatlichen und städtischen Gebäude und viele Privathäuser seit den frühen Morgenstunden reichen Flaggenschmuck.
Der neue Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Albrecht, gedachte bei der Parade in Dankbarkeit oes Tages, an dem vor 85 Jahre« in der deutsche« Grenzmark im Osten unser Reichspräsident geboren wurde. Das deutsche Boll fei in feinet Ge
schichte wie kaum ein anderes der Erde über höchste Höhen und durch tiefste Tiefen gegangen. Immer sei es aber bisher so gewesen, daß Gott unserem Volke in Zeiten schwerster Not einen Retter habe erstehen lassen. Er hoffe auch, daß es dem Reichspräsidenten von Hindenburg gelingen möge, die Not und die Zerrissenheit unseres Volkes-zu meistern. Die Reichsmarine feiere zusammen mit dem deutschen Volk mit Stolz diesen Tag und wünsche dem Reichspräsidenten, daß er noch lange Zeit mit kluger und fester Hand die Geschicke Deutschlands lenken möge. In ähnlicher Weise wurde aus den im Hafen liegenden Kriegsschiffen, die über die Toppen geflaggt hatten, durch Ansprachen des Kommandanten des TageS gedacht.
des Reichspräsidenten, und kurze Zeit später öffnete« sich die weitster des Arbeitszimmers, und
Hindenburg erschien mit Sohn und Enkelkinder» am Fenster, stürmisch begrüßt von der harrende«
Menge.
Um 9 Uhr war dann der erste Empfang. Staatssekretär Dr. Meißner erschien. Bald danach der A u ß e n m i n i st e r. U. a. fuhr auch ein Auto mit einer Abordnung der deutsche Pfadfiu- derjugend vor. Der 14jährige Sohn des berühmten Fliegers Günther Plüschow überreichte dem Reichspräsidenten einen Rosenstrauß. Um %10 Uhr bestieg der Reichspräsident in Marschalluniform sein Auto, um sich zum Gottesdienst nach der alten Garnisonkirche zu begeben. In der Kirche sah man auch den Reichsinnenminister von Eayl, den Reichsernährungsminister, den Berliner Oberbürgermeister und zahlreiche andere Offiziere der alten Armee und Marine. Der Reichspräsident hatte der Earnison- kirche eine prächtige Bibel mit Widmung geschenkt. Staatsprobst der Armee, D. Schlegel, gedachte in seiner Predigt des Reichspräsidenten.
Um y^l Uhr fuhr der Reichspräsident wieder nach der Wut/lmstraße, stürmisch begrüßt von der inzwü schen auf viele Tausende angewachsenen Menschenmenge. Unmittelbar nach der RiiRehr des Reichspräsidenten begann die
Auffahrt zur offizielle« Gratulationscour.
Reichskanzler von Pape« erschien zu Fuß. Es folgte der Reichswehrminister, General von Schleicher, Reichsinnenminister von Eayl und die übrigen Minister des Kabinetts, die Chefs der Heeres- und Marineleitung sowie zahlreiche sonstige ojfizielle Persönlichkeiten «nd Parlamentarier.
Um %12 Uhr marschierte die Fahnenkompagnie vor der Reichskanzlei auf? Die Fahnen, die die Kompagnie mitführte, waren die der drei ehemaligen Hindenburg-Regimenter. Der Reichspräsident verließ mit großem Gefolge die Reichskanzlei und schritt unter den Klängen des Prösentier- marsches die Front ab. Dann marschierten die Fahnenträger am Reichspräsidenten vorbei in die Reichskanzlei. wo die Fahnen bis Montag mittag im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten verbleiben. Die Ehrenkompagnie marschierte dann im Parademarsch vor dem Reichspräsidenten vorbei. Unmittelbar nach der Rückkehr der Ehrenkompagnie fand schließlich auf dem Moabiter Platz eine
Parade der Wachttruppe
statt, bei der der Oberbefehlshaber des Eruppenkom- mandos I, General von Rundstedt, eine Ansprache -an die Truppe richtete.
Den Nachmittag und Abend verbrachte der Reichspräsident im Kreise seiner Familie, die sich mit Kindern. Enkeln und Urenkeln um ihn versammelt hatte.
Grüße aus Lt.G.A.
Hiudenburg-Eeburtstagsfeier in Philadelphia
Berlin, 3. Oktober.
Tausende vo« Kilomtern von der alten Heimat entfernt, hatte» sich die Deutschen von Philadelphia, einer Hochburg des Deutschtums in den Vereinigten Staaten, zn einer Geburtstagsfeier für Reichspräsident von Hindenburg zusammengesunden, die den amerikanischen Rundfunkhörern und aus kurzer Welle nach Deutschland gesendet wurde. Der Empfang war ausgezeichnet. Die Funkftunde nahm die Veranstaltung auf Mrchsplatten auf und vermittelte sie über eine Anzahl deutscher Sender den deutschen Hörer«.
Dor Beginn der Übertragung entbot der amerikanische Sprecher dem Reichspräsidenten seine besten Wünsche und Grüße. Rach einem Liedervortrag des Deutschen Jungmännerchores in Philadelphia erklärte der Vertreter des WTB in Washington, Kun E. Sell, daß man auch im Weißen Hause zu Washington den Geburtstag des Führers der deutschen Nation nicht vergessen habe, und verlas ein Glückwunschtelegramm des Präsidenten Hoover an Reichspräsident von Hindenburg. Im Namen von 10Ö00 deutsch-amerikanischen Kindern Philadelphias sollte die fünfjährige Brigitte Molzahn den Glückwunsch an den Reichspräsidenten entbieten. Aber
die von dem Ereignis überwältigte Kleine brachte nut ganz leise am Mikrophon Sie Worte heraus: „Suter Onkel Hindenburg".
Der deutsche Sprecher erklärte hierauf, daß das Kind fasen wollte: „Die deutschen Kinder in Amerika, die