■VvGiSiK 'JK d a ter* / Zf /tz f4
WÖCHENTLICHE BEILAGE DER KASSELER NEUESTEN NACHRICHTEN . SONNTAG, 2. oki. ^32
richten.
Dr. Heinrich Ossenberg.
Mit jäher, ungeahnter Wucht ist
Grunde wird auf jenes et
man
Der Dichter Fritz von Unruh
Gedanken zu seiner Komödie „3 e r o".
ien>
n-
ruh, daß er das „Deutsche" nur in solcher Karikatur
Verantwortlich; German M. Voni«.
Nietzsche nannte einmal Schopenhauer und Wagner seine Verehrtesten Lehrer. Und doch hat er den Schöpfer des Musikdramas, dem er einst freundschaftlich verbunden war, in seiner Schrift „Der Fall Wagner" scharf befehdet aus einem Geiste heraus, der sich in folgenden Sätzen ausspricht: „Ich greife nur Sachen an, die siegreich sind" und „Angreifen ist bei mir ein Beweis des Wohlwollens, unter Umständen der Dankbarkeit."
Vielleicht treffen wir an dieser Stelle schon auf die Problematik des sonst bedeutenden und schönen Thiel- schen Buches. Sie liegt in der Frage nach dem Verhältnis von Geist, Seele und Leib zueinander und zeigt sich am deutlichsten im George-Kapitel. Da heißt es anläßlich der Forderung Georges, den Leib zu „vergotten", und den Gott zu „verleiben", daß der Dichter für diese Aeußerung „bis aufs Messer" be-
(,Lhr wißt nicht, wer ich bin"), welches offensichtlich der Jüngling-Gott spricht, George selber in den Mund legt.
Da George die einzige Gestalt des Buches ist welche kämpferisch und nicht entsagend, oder die geschichtliche Lage harmlos mißverstehend in die Zukunft schaut, bleibt es wichtig, seinen Geistbereich gegen den
nicht vielmehr zeigen, daß George den Satz Niei „daß Blut Geist ist" besser begriffen hat alS !~
ja eine .Komödie" sein will, sein happy end habe. Eine Komödie soll es aber sein, um den flackernden flackernder Filmstil ___________ zu reformie
ren, das (nach einer Formel, di« wir allerdings bereits für abgestorben gehalten haben!) an der Konkurrenz der Kinos zugrundezugehen droht. Obwohl ihn befehdend, glaubt doch Unruh immer wieder an die unvernichtbare Macht Dr. Monsis, an die Macht der Larve, des Toten, der Maschine. Mit Annäherung an die Filmtechnik will er dem Theater zu neuem Leben verhelfen! Dramaturgisch gesprochen: die Szenen gleiten ineinander über; die Personen gehen redend von einem Schauplatz zum andern —; vermittels Drehbühne. Seltsam: dieser Dramatiker von Geblüt glaubt weder seinem Geblüt noch dem Wesen des Theaters, welches das Wesen des Dramas ist. Dafür glaubt er allen Ernstes noch an die Heilkraft der Technik des Films wie der zeitgewohnten kleinen Schweinereien, die er in fast rührender Beflissenheit einstreut. Noch weit bedenklicher aber ist,
Vermögen an der Spielbank verloren hat, zu Segrave, dem von ihm engagierten Rennfahrer. Segrave liebt Lissy, aber sie will von ihm nur Geld und wieder Geld. Und die Moral: Segrave wirft ihr den großen Preis von Monaco in den unbeseelten Schoß und überläßt sie, gleich im Rennwagen davonsausend, dem phrasendummen Gatten, der die Enttäuschte in Gnaden wieder aufnimmt, da er ja Herausgeber des „Ehewart" ist.
Aber der alberne Filmstreifen um Lissy Funke ver. „Sero" erschien als Buch im Tomet-tS.
schlingt auch noch diese einzige große Szene. Sß.e vcrwa, Sranffurt a. M. Br. 3.— Mk.
gesagt: die Explosion geht wegen Kontaktstörung nicht -
iwbriaens scheint dieser den Dichter mehrfach miß- kennt.) Dr. Monsi, der Direktor der Spielbank und <——„. -——• ....
verstanden zu haben - am bösesten, indem 7r das oämonische Herrscher und Heizer des leeren Wirbels gesagt: die Explosion gehl wegen Kontaktstorung
dlitw Eingangsgedicht zum „Stern des Bundes" um Spiel, Geld und Rekorde, bringt Lrffy, bte ihr los. Warum geht sie nicht los i Damit das Stuck, das
daß er an ernstgemeinter Stelle zu den expressionistischen Sprachstelzen greift. Darum so bedenklich, weil es den Verdacht nahelegt, die durch „falsche Weichenstellung" gestörte Entwicklung wachse sich zur Dauerkrise einer unüberwundenen Pubertät aus. W. D.
tung: der Bolschewist Btrjinsty, der Kasino und Rennbahn in die Luft sprengen will. Nun kommt eine Wendung, die ein Doppeltes zeigt: einmal, wie Fritz Unruh seinen Gegner kennt, und dann: daß der Dramatiker großen Stils selbst in diesem völlig verblase- nen Werk noch für eine Szene lebendig ist. Monsi wird Bundesgenosse und Mitverschworener des ekra- sitwütigen Bolschewisten. Diese Lebenslarve, die die innere Leere nur durch Macht, Geld und Hetze über« läuben kann, begrüßt in der Explosion den Rekord der Rekorde, in der Vernichtung, die letzte Wollust und ist, als die Explosion nicht loSgeht, noch dankbar, in der schlotternden Angst elften „höchsten Rausch" erlebt zu haben. Dieser Dialog, worin Birjinsky an den kalten Instinkten Monsis die Wunde Stelle entdeckt und ihn zu sich hinüberzieht, ist wie ein Wetterleuchten aus Unruhs besserer Zeit und fast eine Dramen- szene.
Ein weiterer Vorwurf ist: George verkünde die „blonde Bestie", den ungebrochen barbarischen Eroberer. Aber hier täuscht sich Thiel über den Sinn eines Gedichtes vom Tempelbrand. Was George for. dert, das ist „der einzige, der HUft, der Mann", der
in die Kunst, und seine Lehre sei zu .unbewiesen" Darauf wäre zu sagen: es ging George immer nur darum, das Lebendige zu gestalten, nicht es zu beweisen oder zu zerdenken. Denn es gibt — wie es im Spengler-Kapitel des Buches heißt — keine „Wahrheit", wohl aber „Wirklichkeit". Und
fehlte.
Wer denn, der in Aphorismen sich über den Tod erging, wußte wirklich noch, was eigentlich Tod bedeutete! Man kannte ihn nur mehr „im Zylinder- Hut, von vier Pferden gezogen, mit Kränzen geschmückt, von Kanzelreden und Weihrauch umgeiftert“. Kurz, man sah ihn kaum mehr hinter den „Masken, die wir ihm verhielten". Und wie stand es vor dem Kriege mit dem Begriff und der Idee des Staates? Was wußte man noch vom Staate an sich? Was konnte man von ihm wissen, den man doch nur mehr in mißlich empfundenen Verbotstafeln kannte, in brummigen Schalterbeamten und notiMchschwingen- ben Polizisten, in Titeln, Aufzügen und gesicherter Ordnung! Und nun brach jählings wie ein ungestümes Gewitter der Weltkrieg über uns herein. In tausendfacher Gestalt war plötzlich der Tod vor den Menschen erstanden, blieb vier Jahre hindurch in nie erlebter, grausig plastischer Eindringlichkeit ihnen vor Augen, und der Staat, bislang bte „tolerante Pflegeanstalt unserer Individualität", erwies sich mit einem Male als die „rücksichtsloseste Macht der Welt", die die Menschen unerbittlich vor den Tod stellte, ihr ganzes, individuelles, vorher so hoch bewertetes Dasein für nichts achtend.
Wenn' irgendroann eine Zeit überhaupt, so mußte
„Wir Menschen von heute denken nach, weil die Probleme in den nachzitternden Antennen unserer Nerven sitzen, weil wir ganz von ihnen erfüllt und erregt sind, und nicht um elegante Rösselsprünge des Geistes zu machen. .", so sagt Mock in dem einleitenden Kapitel seines Buches. Und aus diesem Geiste heraus ist in der Tat auch alles weitere geschrieben, frisch und in jedem Wort von persönlichstem Erleben
diese Wirvichkeit Hai Georges Werk, das selbst Thiel zugestehen muß, daß gerade die „Besten und Tüchtigsten" dem „Rattenfänger" verfallen würden. — In Folgendem aber scheiden sich die Geister: George ist Hüter des Geheimnisses, des Unbewußten; Thiel glaubt, daß heute erst die große schöpferische Zeit des Bewußtseins anbreche.
Musik- Erziehung
als Kulturproblem der Gegenwart.
Handbuch der Musikerziehung Hrsa. von Dr. Ernst Büchen, Prof. a. 6. Universität Köln Musikerziehung auf der Universität) in Verbindung mit Walter Braunfels, Direktor der Staat! Hochschule für Mustk Köln «Musikerziehung auf der Hochschule,. Dr. Heinr. Lema- cher. Prof. a. 6. Staat!. Hochschule Köln «Einzelunterricht, Arbeitsgemeinschafti, E. Josevb M-üller, Pros. a. 6. Staat!. Hochschule Köln und Leiter der Schulmustkabtei- lung tGvmnastik) Walter Kühn -Direktor des Instituts f. Kirchen- u. Schulmusik. Königsberg t. Pr. iGeschichte). Studienrat Dr. Paul Mies Musikerziehung in der hSbereu Schul«), Dr. Kaspar Roescling iGe- sangschöre, Volksschule), Oberreg.erungsrat Karl Wicke. Dogent a. d. Staat!. Hochschule für Mustk. Weimar <Psv- chologie). 4 ’. 443 Setten mtt gegen 500 Notenbeispielen > und figürlichen Darstellungen sowie 1 Farbemasel. 0 Lieferungen von 80—96 Seiten zu i« 3.50 Mark. Akademische Verlagsgesellschast Athenäum m. b. H.. Potsdam.
Es tst in einer Sprache geschrieben, welche Nietzsches nicht unwürdig ist. und welche — laut oder leise, manchmal fast unmerklich — dem Geist und der Sprache des jeweils zu Richtenden sich anpaßt. So wird es z. B. zu einem vollendeten Genuß, das Kapitel über Thomas Mann zu lesen, zu beobachten, wie Thiel diesen kostbaren, buntschillernden Schmetterling des Geistes präpariert, ihm sorgfältig, ja ehrfürchtig bie Flügel spreitet und ihn bann für seine Sammlung aufspießt.
Vor fein Tribunal, auf dessen Richtertisch die Büste Nietzsches thront, zitiert er S h a w, F r e u d, R a t h e- nau, George, Mann und Spengler. Hier stutzt man allerdings: Haben denn — abgesehen von George und Spengler — diese Männer bzw. „Unmän- ner" noch wirklich Gefolgschaft? Mögen auch Massen noch von den Fahnen der anderen angeführt werden — den Fahnen Shaws, dieses Rechtgläubigen des alleinseligmachenden Menschenverstandes, denen Thomas Manns, dieses Equilibristen auf der Weltanschauungsschaukel, oder Freuds, dieses Nekromanten des Unterleibs — sind diese Gefolgschaften nicht un- Wesenttich?
„Befreiung des Lebens“
Die Kriegsgeneiafion hält geistige Einkehr
Seneration eben dort aufgegangen, wo ihr eigenes, ceiheitsgewohntes Ich an die Grenzpfähle des Blutes und der Nation stieß, plötzlich wissend, daß die wahre „Freiheit des Lebens" nur in der freiwilligen Unterwerfung unter die ewigen uni als notwendig erkannten Ordnungen bestehen könne.
Jo Thiel.
durchzittert, ob nun zum Widerspruch rerzt, was man liest, oder zum Beifall. Vielfältig ist die Zahl der Probleme, an die Mock herangeht, um sie einer neuen, auf dem großen Erleben jener Jahre fußenden Lösung nahe zu bringen. Kern-, Ausgangs- und Endpunkt des Ganzen aber ist die eindeutige Erkenntnis der zwiefachen Gebundenheit des Menschen gegenüber dem eigenen Lebensaesetz als Einzelwesen und den Gesetzen der Gemeinschaft als Glied eines Volkes, einer Nation. Und diese Erkenntnis ist der Kriegs-
folgen können. Schon aus diesem
daher mit besonderem Nachdruck _uf: jenes eigenartige, ernsthaft^ und nachdenkliche sichlein Hinweisen dürfen, das der Arzt Otto J ' seiner 35 Jahre heraus so
eben unter dem Titel „Befreiung des Lebens" bei Albert Langen-Eeorg Müller in München hat erscheinen lassen, und in dem er es unternimmt, gewissermaßen im Namen seiner Generation „Razzia tm Dickicht der Probleme" zu halten.
am weitesten sichtbare Figur des heutigen Daseins ist, mag ein solcher den Ausgangspunkt unserer Betrachtung hüben; Rathenau.
In ihm steht Thiel benjentgen, welcher der „Mann" feiner Epoche, der Retter des deutschen Volkes vor dem nationalen Unglück seiner Niederlage hätte werden können — wenn er eine ganze, von Romantizismen ungetrübte Persönlichkeit gewesen wäre. Man zitiert oft ablehnend sein bekanntes Wort, daß die Wirtschaft unser Schicksal sei. Thiel dagegen wirst ihm vor, daß er nicht ausschließlich Wirtschaftler gewesen sei. Ter Verfasser redseliger Bücher, der sentimentale Verkünder einer Aufopferungsethik seien dem Herrenmenschen in ihm in den Rücken gefallen Zu Anfang des Krieges war es Rathenau, welcher durch seine großartige Stationierung der Rohstoffe ein Durchhalten überhaupt ermöglichte. Ws er aber die Organisation geschaffen hatte, überließ er den leitenden Posten einem andern — aus verwundetem Stolz, weil des Diktators lauterer Wille verkannt wurde weil man dem Juden mißtraute. Mit diesem Posten aber begab sich Rathenau eines Machtmltt-ls, mit dessen Hilfe er an allen Kreuzwegen des deutschen Schicksals im Kriege, wo er als erregter Warner auftrat, seinen Willen hätte durchsetzen können. Denn derselbe Mann, der im Sommer 1918 noch ein verschwärmtes Weltverbrüderungsmanifest an die deutsche Jugend losließ, suchte später mit aller Leidenschaft das Was- fenstillstandsangebot zu verhindern, das in jenem Augenblick in unabsehbares Elend führen mutzte. Die Ironie des Schicksals aber zwang ihn, der erst laut gewarnt hatte, in die Rolle des Erfüllungspolitikers, der das deutsche Volk — einer Unterschrift wegen — in das „hundertjährige Armenreich oer Revolution" führen wollte.
Thiel verurteilt Rathenau, weil in ihm „ein stolzer Herrenmensch sich zum Ideal der Mittelmäßigkeit bekehrte", weil et sich einer verschwärmten Seele verschrieb, statt harter Willensmensch zu fein. Aber könnte man die Tragödie Rachenaus nicht vielleicht ebenfo tief darin erkennen, daß er die Seele des beut« fchen Volkes nicht genug verstand? Thiel fagt, daß unser Volk jung und gläubig in den Krieg gezogen sei und eine „Heldensage in die Zeit bet Nüchternheit hineingestellt" habe. Ist es bann aber nicht grotesk, wenn Rathenau in dem Augenblick, wo dies Volk sich von Gott verlassen fühlte, den Weitetkampf forderte, da „Rohstoffe, Nahrung, Menschen. Kraft und Wille" genügend vorhanden seien? — Die Rechnung mochte wohl stimmen — aber die Rechnung genügte nicht. Der Wille mußte geweckt werden. Den aber hatte Rathenau untergraben helfen. —
IV V4 IwUHU uuv W« ** WWW --z KJ — » - ' —
von ausgezeichneten Kennern der Materie^in abge- runbeter Darstellung geboten wird. Im Simte der heutigen Einstellung, für bie strenge Wissenschaftlichkeit unb lebenbige Auswertung untrennbar ist, wird nirgends nur theoretisch doziert, sondern überall stets als eigentliches Ziel die Praxis ins Auge gefaßt und für sie in reichlichen Analysen, Notenbeispielen, Lite- raturnachweisen u. a. Anregung genug zu nutzbringender Gliederung und Vertiefung des Unterrichts gegeben. Auch die rhythmische Gymnastik als mu,tta- lische Körperschulung wird dabei in den Kreis der Betrachtungen gezogen. Sehr beachtlich sind auch die Vorschläge für die Musikerziehung und das Proben- studium der Laienchöre, die mit wertvollen uiw überzeugenden Fingerzeigen auf bestimmte Hllfsmittel und Kunstgriffe das Wichtigste der Cbormersterarbett umreiten. (Die Verfasser der emzelnen Abschnitte vergleiche oben.) So wird in zwingender Folgerichtigkeit der Weg durchmessen von den einfachen At- mungs-, Ton-, Lautbildimgs- und Gehörübungen bis zum vollendeten musikalischen Kunstwerk, das nachJn- dalt, Form, Aufbau und Bedeutung zum Hören tote zum Nachlassen und Selbftmusizieren nahe gebrach wird. Als ein zuverlässiger Ratgeber gehört das Buch in bie Hand des Musikfreundes so gut tote in bie des Erziehers und Fachmannes. Dabei ist es kein Werk, das man mit einmaligem Durchlesen erschöpfen kann, sondern das als Handbuch im besten Sinne erst im täglichen Gebrauch seine Unentbehrlichkeit beweist.
Dr. Gustav Struck.
Der Fall „Abendland“
Bemerkungen zu einem Budi von Rudolf Thiel: ..Die Generation ohne Männer“
Thiels abzugrenzen. — Was wirft dieser dem Dich- ter vor? — Vor allem behauptet er, George denke Aus solcher Saat ist nun ein neues Buch hervor- nicht zu Ende, fliehe vor den letzten Entscheidungen gegangen: „Die Generation ohne Männer" von Ru- in Mn‘*
dolf Thiel (Paul Neff-Verlag, Berlin). Es bekenn! sich zum Geiste Nietzsches unb nimmt dessen „Kriegspraxis" als die feine an. Es ist eine Antwort aus Spenglers „Untergang des Abendlandes" und die Kundgebung eines neuen Geist- unb Lebenswillens Es ist ein wesentliches Buch, das über bie Götter unb Götzen unserer Zeit Gericht hält, eine aufrütteln« be unb packende Kampfansage, ein Aufruf zur Abkehr von den letzten schon geborstenen Säulen einer abgelebten Zeit — ein Buch, das zu freudigem Bejahen oder heftigem Widerspruch zwingt.
bas „ewige Recht" wiederherstellt, nicht ber Vernichter aller Werte. Der Unterschieb der beiden Auffassungen zeigt sich erst darin, daß George eine „ewige", also eine klassisch-gültige Ordnung will, während Thiel für eine völlig neue, noch nicht dagewesene, ja noch nicht vorstellbare Ordnung kämpft, für eine Erweiterung ber Möglichkeiten. Hierin liegt das Entscheidende — und vielleicht ist bie zweite Forderung „faustischer" und „deutscher" als bie klassizistische.
Der letzte ber Gerichteten ist Spengler, in dem der Verfasser den Dichter eines gewaltigen Kulturmythös bewundert, aber den Verkünder des Untergangs haßt. In dieses Kapitel hinein klingen bereits die weithallenden Fanfaren mächtiger Nietzsche-Worte und die Forderungen Thiels. Er ruft auf gegen Spengler, welcher den faustischen Geist des Abendlandes, „der nicht anders kann als über sich selbst hinauswirken mit seiner letzten Kraft unb Inbrunst an ben Wagen einer fremben unb verhaßten Zukunft" schirren, ihn einem fremben Gotte unterwerfen wolle. Er verkün- bet bagegen, daß Faust ben fremben Gott, bie neue russische Seele selber unterwerfen werbe. Er ver- tünbet, baß ber faustische Geist selber neue, höhere Menschen schaffen werbe, bie „nichts zu opfern brauchen, was einst Wert gehabt hat und geliebt worben ist, bie aber immer neue Werte flnben, neuen Anlaß für ben Kampf ber Leiber unb ber Seelen."
Thiels Werk Ist mit Georges „Das Neue Reich" bas wesentlichste Buch, welches fett Spenglers Abend- lanb-Blston erschienen ist. Es ist ein Fels, welcher sich bem heranwälzenden Meer der Untergangsmüdigkeit entgegenstemmt. Wir find dankbar für dies Buch und wünschen, daß Viele ihren Willen an diesem Fels auf-
Mit jäher, ungeahnter Wucht ist in ben Jahren es in ber Tat diese fein, bie imstande war, bie Mendes Krieges und bet Nachkriegszeit bie vielgestaltige fchen zum Nachbenken zu zwingen und „selbst aus bem Problematik des menschlichen Daseins wieder einmal lahmsten unb trockensten Hirn philosophische Gedanken in uns unb um uns aufgebrochen. Vielleicht wurde zu prügeln". Wer in den „Hörsälen des Krieges und
wirklich nie zuvor in ber Geschichte ber Mensch unb ber Revolutionen" gesessen, ber hat in ber Tat ben
bte einzelne Menschenseele mtt solch brutaler Ein- „tabikalsten Anschauungsunterricht, bie tollste Pro- bringlichkeit von ben ewigen Menschheitsfragen be- päbeutit der Philosophie" absolviert, bie man sich
brängt wie in dieser Zeit. Längst waren ja vorher denken kann. Unb wenn baium nunmehr bie junge
Dies ist im Grunde auch Thiels Meinung, denn in ben vierzig langen Jahren des Wohlstands, der Kriegsgeneration, jene Menschen vor allem, bie im in feinem — ich betone: nicht ehrfurchtslosen — Ge- Sicherheit unb der Ruhe, die dem großen Weltbranbe Alter von 17 ober 18 Jahren einst hmauszogen in ben richt empfangen bie meisten nur eine Verurteilung, “ ‘ *" "* ' ~ "" * * """ * v “* *
Mengler aber die Kampfansage eines IkMwfchasittch empörten Willens. — Von bem Inhalt unb ben großen Werten des Buches kann hier nur einiges angebeutet werben. Unb ba ber Politiker bie
sm fit?»» ±> spönnen. Dem aolemhasten Dr. Mon;t gegenüber steht bezelchnenberwetse kein Repräsentant des Lebens, sondern ein Repräsentant der Verzweiflung und Vernlch-
ooraufgingen. bie Menschen selbstgenügsam im Geiste Krieg, geistige Einkehr hält, fo wird man ihr wohl geworden. Längst hatten bte Ideen, Begriffe unb mit Gewinn dabei folgen können. Schönaus diesem Formeln philosophischen Denkens ihre« Inhalt ver- —*■- ~:~x ---K----
loten. Und bie Beschäftigung mit ihnen bebeutete
Häufig nicht viel mehr als eine müßige, geistreichelnde Büchlein Hinweisen dürfen, Spielerei. Tob unb Leben, Staat unb Vaterland, Mock aus bem Erleben feit Wahrheit. Freiheit, Gerechtigkeit, all dies war nach unb nach jeder plastischen Anschaulichkeit beraubt worben, war nichts weiter als klapperndes Gehäuse geblieben, bem jeglicher Inhalt unb jegliches Leben
Gewiß ist Musikerziehung so alt wie Musik überhaupt, aber man kann wohl tagen, daß fa nM niemals eine so zentrale Stellung in ber gesamten Pädagogik und im ganzen Geistesleben eingenommen hat tote heute. Ja Musikentwicklung, musikalisches Schaffen und Musikerziehung beeinflussen sich so mittelbar, daß niemand als verständnisvoller Lu schauer das Musikleben ber Gegenwart ganz begreifen tanii ohne genauen Einblick in bie ireibenben Srafte, die von Gymnasium, Volks- unb Hochschule, Konservatorium und Verein her Erlebnisweite unb Erlebnismöglichkeiten und damit bie Resonanz aller musikalischen Erscheinungen entscheidend bestimmen. Gewiß weiß heute jeder von der Reform, bie ergebt wurde und die mit ben staatlich erlassenen Ordnungen Preußens in ben Jahren 1922—1928 ju einem gewissen Abschluß gekommen istz Die Umwalzuna er- streckt sich über fast 50 Jahre. Sie ist nicht bas Werk des. neuen Volksstaates von 1918, wie man vielfach glaubt, sondern sie ist recht eigentlich dasLebenswerk Hermann K r e tz s ch m a r s, der bereits 1881 .mit seinen ersten großzügigen Organlsationsvorschlagen bte Wende einleitete, die andere Männer vollendeten und deren volle Auswirkung er allerdings nicht mehr erleben sollte. Heute wo wir neben den altbewährten ehrwürdigen Hochschulen bte wichtigen Institute für Kirchen- unb Schulmusik in Berlin, Königsberg und Köln haben, wo sich auch bie kleinsten hintertoeltleri- schen Lehranstalten nicht mehr den neuen Fordernn- S, entziehen können, ist eine grundlegende und sach- e Zusammenfassung aller Fragen und Probleme in einem Handbuch geradezu ein Gebot ber ©tunbe, bas in dem vorliegenden Werk in ebenso knapper wie umfassend-gründlicher unb vorbildlich-obMiver Weife geschieht, ■‘•«»t v>it -w .-iiiiir- • I-c;
Das Handbuch bemüht sich nicht, irgend eine herrschende Methode zu verherrlichen, sondern aus dmt Gewirr von Experiment und Mode das SSertootte unb Bleibenbe herauszuheben. Das ist nicht ohne eine historische Einleitung, bie ben Werdegang und die Vorbedingungen der Reform aufzeigt, und ohne die psychologische Grundlegung möglich, .die das Verhältnis von Bewußtsein, Anlage, Intelligenz, Ausnahme- unb Erlebnisfähigkeit in den verschiedenen Lebensaltern prüft. Die Hauptteile sind bann ber eigentlichen Praxis, ber öffentlichen Musikerziehung auf ber Volksschule, ber Höheren Schule, ber Hochschule und Universität, aber auch der privaten Ausbildung im Einzelunterricht, in Arbeitsgemeinschaften unb vor allem in den Vereinen und Gesangschören gewidmet, leoen Es ist erstaunlich, mit welcher Klarheit, Leichtigkeit ■leben und Umsicht die Fülle der dadurch gegebenen Äus- iben bewältigt unb nach dem Stande ber modernen orfdiuna aus ber Blickweite langjähriger Erfahrung
Der Schauplatz von „Zöro" ist Kasino und Renn-
bered Heiligtum." Sollte aber bie bekämpfte Stelle rebalteur des „Ehewart unb tourbe in ?yrantfurt am - ■- - ---------- - -jetzsches Main, wo ,Löro" urausgefuhrt würbe, als Hugen-
Tbteie berg-Karikatur gespielt. Es ist bezeichnenb für U
Unruh war einmal ein Dichter unb ist vielleicht heute noch die stärkste bramatische Begabung Deutfch- lanbs. Ich wüßte weit unb breit, weder unter ben Lebenden noch unter ben Toten unseres Jahrhundertdrittels, keinen zu nennen, der einer so gewaltigen tragischen Konzeption fähig gewesen wäre, wie sie Unruhs „Louis Ferdinand , ja noch sein „Geschlecht" barstellen. Seit „Platz' (1919) ist offensichttich eine dichterische Selbstverleugnung eingetreten, bie in Wahrheit eine „falsche Weichenstellung" von außen her ist. Unruhs Bewußtsein wurde mit politischen unb wellanschaulichen Giften infiziert. Das Bild des deutschen Menschen wie der Glaube an den autonomen Adel seines Genius kam ihm abhanden. Sein letzter Versuch, sich auf den reindramatischen Berus zu besinnen unb ausschließlich wieder aus den Quellen seines Dichtertums zu schöpfen, ber „Bonaparte" (1927), zeigt aufs deutlichste bas Ringen eines großartigen Entwurfs gegen das Gift eingeflüsterter Zett- gzünnungen. „Phäa" (1930) zeigte neben dem schein- Lnunrr sur ulC|e -ceuvecu»» „vie bar endgültigen Verzicht des Dramatikers auf fernen
kämpft werden müsse. Der Leib sei ebenso tote die dichterischen Genius etwas völlig Neues, ims zwar Maschine ber ewige Feind des Geistes. Und wer bie literarästhettsch völlig belanglos, biographiich aber Gleichsetzung von Leib unb Maschine ablehne, ber ver- unerhört wichtig »st: das Wissen um den fremden stehe den Geist nicht zu trennen unb zu werten. — Einfluß unb die anklagende Abwehr. Dies« ~mte letzt Eine bündige Auseinandersetzung mit dem Verfasser die Komödie „Zsro jetzt fort kann hier natürlich nicht erfolgen, doch scheint uns daß gerade er für seine Gleichsetzung den Kampf bis aufz Messer verdient. Daß George ivohl zu unterschei-