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Kasseler Abendzeilung Kasseler Tageblatt Hessische Abendzeilung
Nummer
Sonnabend/Sountag, 1./2. Oktober 1932
22. Jahrgang
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Streikgefahr noch nicht beseitigt?
Der Kampf um die Arbeits-Notverordnung / Neue Aktivität in der Wehrfrage? / Der 85. Geburtstag des Reichspräsidenten
Berliner Streikpläne
Von unserer Berliner Schriflleiiung.
Hitler für ei« starkes Preußen und Deutschland. Gott segne Sie! Die nationalsozialistische Fraktion des preußischen Landtags. Wilhelm Kube.
Noch keine Klarheit
Korrespondent des „Daily Telegraph" wissen will, u. a. auch die deutsch-französische Meinungsverschiedenheit in der Abrüstungsfrage besprochen worden sei.
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in England
Der Reichspräsident
Gedanken z« Hindenburgs 85. Geburtstag
weilige Verfügung wegen seines gegen die streik heule ausbricht.
Der außenpolitische Kurs
Von unserer Berliner Schriftleitung.
th. Berlin, 1. Oktober.
Hiudeuburg-Geburtstagsfeier in London.
Loudon, 1. Oktober.
Berlin, 1. Oktober.
der diplomatischen Entwicklung in Europa, ehe man stch zu derartigen weitgehenden Maßnahmen entschließt. Besonders wird man dabei die Stellungnahme der englischen Politik genau beachten muffen, in der sich bisher noch nicht, wie es z. B. in Italien der Fall ist, diejenige sichere Rückendeckung für uns erkennen läßt, die die Reichsregierung bei einer verstärkten Aktivität in der Wehrfrage selbstverständlich für notwendig erachten würde.
„Eine Säule der Treue
Zu Kabinettskreisen herrsche, so berichtet der Korrespondent weiter, ziemlich einhellig die Ansicht, daß bald ein neuer Versuch unternommen werden sollte, die gegenwärtige Stockung zu beende», und daß ein solcher Schritt von England unternommen werden könne, lleber den besten Weg herrsche jedoch keineswegs Klarheit, und die Aussichten dürften im Augenblick jedenfalls gering fein.
Nationalsozialistischer
Glückwunsch an Hindenburg
„bürgerlich-nationalen" Zeitungen gerichteten Befehls erwirkt hat, hat nunmehr auch der Verein Deutscher Zeitungsverleger eine ähnliche einstweilige Verfügung beantragt und auch bereits erhalten, wonach dem Abgeordneten Dr. Göbbels bei Vermeidung einer Geld- oder Haftstrafe untersagt wird, den Parteibefehl und den Aufruf weiter zu verbreiten, soweit hierdurch di« deutschen Tageszeitungen betroffen werden.
th. Berlin, 1. Oktober.
Die Streikbewegung, die stch an die Durchführung der in der Notverordnung getroffenen Bestimmungen und an die Lohnkürzung angeschlossen hat, greift gegenwärtig weiter um sich.
In Berlin sind zwei besonders bemerkenswerte Fälle zu verzeichnen. Die fteigewerkschasttich organisierten
gab andere, die in der „dekorativen Präsidentschaft" nach französischem Muster die ideale Lösung zu finden glaubten, und erst allmählich kristallisierten sich aus dem Widerstreit der Meinungen jene Bestimmungen der Weimarer Verfaffung heraus, die nach einer treffenden Charakterisierung zwar beide, Reichstag und Reichspräsidenten, zu „unmittelbaren Repräsentanten des Volkswillens" machten, die aber doch ,dem Reichstag den eigentlichen Sitz im Zentrum der politischen Willensbildung verliehen." Die Entwicklung ist diesen Weg, den man in der Nationalversammlung abgesteckt hatte, nicht zu Ende gegangen. Das Parlament scheiterte an der großen Aufgäbe, die ihm gestellt war. Es verlor immer mehr an Bedeutung und Einfluß, weil es nicht gelang, aus den Sonderwünschen der Parteien einen vorwärtsstrebenden und vorwärts- treibenden Staats willen zu formen, und je mehr es feinem eigenen Unvermögen erlag, desto stärker trat die präsidiale Gewalt in den Vordergrund.
Erich Marcks, der Meister des historischen Essays, hat in seiner neuen Hindenburg-Biographie überaus eindrucksvoll diesen Wechsel in der Kräfteverteilung aufgezeigt. Wenn auch Hindenburg niemals Diener der Parteien gewesen ist, wenn er auch stets nach dem Satze „Mein Amt und mein Streben gehören nicht einem einzelnen Staude, nicht einem Stamm ober
Ein anderer bemerkenswerter Streitfall betrifft die weit über Berlin hinaus bekannte Eroßfirma
Kempinski.
Diese Firma hat für den' 3. Oktober die Herabsetzung der Arbeilszeit verfügt und zwar mit der Begründung, daß Arbeitslose eingestellt werden sollen. Daraufhin hat das Personal gestern eine Abstimmung Lurchgeführt, die mit großer Mehrheit den Streikbeschluß ergeben hat. Dieser Streik soll heute mittag bei den Kempinskibetrieben in Berlin einsetzen. An der Bewegung sind etwa 2500 Arbeiter beteiligt.
Im Hause Scherl dauert der Streik noch an, aber die dort erscheinenden Blätter teilen mit, daß von den rund 6000 Personen, aus denen die gesamte Belegschaft Les Hauses besteht, nur etwas über 1000 an dem Streik beteiligt sind. Nachdem das Haus Scherl gegen den Herausgeber des „Angriff", den nationalsozialistischen Abgeordneten Göbbels, eine einst-
Verkehrsstreik in Hamburg?
Hamburg, 1. Oktober. Am Freitag bis gegen Mitternacht geführte Verhandlungen über Lohnfragen bei der Hamburger Hochbahn A. G. sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Arbeitnehmer haben eine vorgesehene Lohnsenkung um rund 5 Prozent mit der überwältigenden Mehrheit von 4000 gegen 200 Stimmen abgelehnt. Man rechnet nunmehr an unterrichteter Stelle damit, daß in Hamburg der Verkehrs-
Die Landtagsfraktion der Rationalsozialiften hat folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten ge-
Dem Generalfeldmarschall des großen Krieges ^rzliö^ Glückwünsche und die Bitt« Mtt Adolf
Der Deutsche Verein Londons gedachte gestern bei seiner Zusammenkunft in eindrucksvoller Weise des bevorstehenden 85. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg. Das Vorstandsmitglied, Rechtsanwalt Cruesemann, betonte in seiner Rede die Pflichttreue und Vaterlandsliebe des Reichspräsidenten, die er als Beispiel für jeden Deutschen hinstellte. Der Gesang des Deutschlandliedes beschloß die würdige Feier, an der der deutsche Geschäftsträger Graf Bernstorff und die Mitglieder der deutschen Botschaft in London teilnahmen.
Aus Anlaß des Gebuttstages von Hindenburg veröffentlicht das soeben aus Deutschland zurückgekehrte Parlamentsmitglied Robert Bernays in ,Mews Ehronicle" eine ausführliche Würdigung der Person und der Taten des Reichspräsidenten, der gleichsam den „Eisernen Vorhang zwischen Ordnung und Bürgerkrieg" darstelle. Der Reichspräsident sei mit den politischen Entwicklungen des modernen Deutschlands in engster Fühlung, immer aktiv im Dienst. So stehe er, eine Säule der Treue, in einer taumelnden Welt.
Loudon, 1. Oktober.
Der Premierminister hat gestern abend London verlassen, nm sich im Norden Englands vor dem Zusammentritt des Parlaments einige Tage der Ruhe zu gönnen. Am Nachmittag hielt Macdonald noch eine Kabinettfitzung ab, in der, wie der diplomatische
einer Konfession, nicht einer Partei, sondern dem gesamten, durch hartes Schicksal verbundenen deutschen Volke in allen seinen Glie- l’Ein“ gehandelt hat, so gab er den Parteien doch zunächst die Rechte, die ihrem Arbeitswillen und ihrer Fähigkeit, eine parlamentarische Mehrheit zu bilden, entsprach. Er begnügte sich mit „Empfehlungen" an die Regierungen, er verschärfte diese Empfehlungen wohl noch zu einem „Ersuchen" oder zu einem Ordnungsruf. Erst der weitere Verfall der parlamentarischen Kräfte machte dann allmählich ein häufigeres Eingreifen notwendig, und es erwies stch schließlich, daß die Regierung von ihrem koalitionsmäßigen Bindungen befteit werden mußte, wenn überhaupt noch regiert werden soll. Die Erneuerung des Kabinetts Brüning bedeutete in dieser Hinsicht einen tiefgreifenden Einschnitt in der Politik des Reichspräsidenten. Hier kündet stch die Wendung zum autoritären Regieren, die in der Aera Papen endgültig vollzogen wurde, bereits deutlich an: Der Reichspräsident übernimmt die Funktionen, die das Parlament nicht mehr erfüllt; her Artikel 48 wird zur wichtigsten De- stimmung der Verfaffung. und die Notverordnungen find schlechthin d i e Regierungsmethode.
Zweifellos trägt diese Praxis heute noch alle Anzeichen einer provisorischen Lösung. Prooi-
Arrftzebung der einstweiligen Verfügung im Weißenfelser Streik
Weißenfels, L Oktober.
Die im Stteik in der Weißenfelser Schuhindustrie vom Amtsgericht erlassene einstweilige Verfügung, in der den Gewerkschaften die Führung des Streiks untersagt wird, ist vom zuständigen Arbeitsgericht auf den Widerspruch der Gewerkschaften hin aufgehoben worden. Das Arbeitsgericht kam zu dieser Entscheidung, weil dem Zweigverein Weißenfels im Reichsverband der Deutschen Schuhindustrie die Aktivlegitimation zur Geltendmachung des Tarkferfüll^ngsanspruchs aus eio^'W Ne^ : fehle. DerH ArbLitgeoerderband Weitzense^ bemerkt dazu, daß nunmehr ein neuer Antrag .oft aktiv legu.mierter Seite gestellt werde.
Berliner Möbeltransportarbeiter
haben gestern in einer geheimen Abstimmung mit der erforderlichen Mehrheit beschlossen, heute früh in den Streik zu treten, weil noch kein neuer Mantel- und Lohniarif in diesem Gewerbe zustande- gekommen ist. Infolgedessen wird ausgerechnet am heutigen 1. Oktober, also einem hervorragenden Umzugstermin, das Möbeltransportgewevbe in Berlin stillgelegt sein, und die zivilrechtlichen Folgen, die sich daraus für die Unternehmer und das Publikum ergeben, sind vorläufig noch nicht abzusehen.
Zu diesen Feststellungen der „Täglichen Rundschau", deren gute Beziehungen zum Reichswehrministerium in letzter Zeit schon wiederholt zu beobachten waren, ist zu bemerken, daß Entschließungen der Reichsregierung im Sinne einer derartigen Aktivität in der Rüstungsfrage, wie sie hier an- gedrutet ist, noch nicht v o r 1 i e g e n. Es bedarf selbstverständlich einer sehr sorgfältigen Beobachtung
w. P. Als Hindenburg 1925 im zweiten Wahlgang als Kandidat für den Präfidentenposten nominiert ■ satenr «- n-cht die Schlech
testen unter twt Verehrlrtz^ FeE <,ui.sthülls,. angest„fis dieWW Schrittes von Zweifeln und Bedenken bedrängt wurden. Sie erkannten die Größe des Einsatzes, der da gewagt wurde; vor ihrem Gewissen stand Antwort heischend die schicksalsschwere Frage: Darf dieser Mann, zu dem Millionen seit Tannenberg gläubig aussehen, darf dieser Name, der eines der wenigen Krieg und Revolution überdauernden nationalen Güter ist, zum Streitobjekt des innerpolitifchen Kleinkrieges mit seinen häßlichen Begleiterscheinungen gemacht werden? Heute, mehr als sieben Jahre später, ist es leichter als damals, auf diese Frage Antwort zu geben. Tie Zeit rast im Sturmschritt weiter, ein Ereignis jagt das andere, und was sich vor Jahren, ja was sich vor Monaten vollzog, wirkt jetzt bereits als Geschehen von historischer Bedeutung. Heute sehen wir, daß die Befürchtungen und Zweifel, die in jenen Apriltagen des Jahres 1925 manches Herz bedrückten, nicht unbegründet gewesen sind; heute wissen wir aber auch, daß trotz allem eine geschichtliche Notwendigkeit in der Nominierung und in der Wahl des Feldmarschalls gelegen hat. Diese Erkenntnis zu vertiefen und zu festigen, ist vielleicht die wichtigste Aufgabe, die uns der Tag, an dem der Reichspräsident seinen fünfundachtzigsten Geburtstag begeht, zu- weist.
Die Männer von Weimar haben darum gekämpft, wie das Amt des Reichspräsidenten in den parlamentarischen Staat, den sie zu schaffen gedachten, eingeovdnet werden sollte. Es gab Kreise, in denen der Gedanke eines Direktoriums lebendig war, es
Das Reichskabinett hat vorläufig keine Veranlassung gesehen, die außenpolitischen Beratungen wieder aufzuuehmeu, die, wie gemeldet, am Donnerstag, im Anschluß an die Rückkehr des Außenministers aus Genf, geführt worben find. Es bleibt bis auf weiteres bei der durch den Außenminister gestern nochmals betonten Stellungnahme der Reichsregierung, wonach wir es nun den anderen Verhandlungspartnern in Sens überlassen, mit Vorschlägen in der Abrüstungsfrage an uns beton’ zutreten, und wobei wir selbstverständlich die Voraussetzung machen, daß unsere Etuudforderung nach Gleichberechtigung in der Abrüstungsfrage endlich in besserem und deutlicherem Maße als bisher auerkaunt wird.
Die Hartung der Reichsregierung in dieser Frage hat inzwischen seht weitgehende Zustimmung in der Oeffentlichkeit gefunden. Heute bringt die „Tägliche Rundschau" eine sehr interessante Anmerkung zu diesem Problem. Das Blatt schreibt unter anderem: Daß diese sehr wohltuende Zurückhaltung Deutschlands, die ja in Wahrheit keine passive, sondern eher eine aktive Haltung ist, weil sie die anderen Mächte zum Handeln zwingt, nicht sehr lange dauern kann, liegt auf der Hand. Entweder, es wird uns ein annehmbarer Vorschlag auf der Basis völliger Gleichberechtigung gemacht, oder aber die Handlungsfreiheit Deutschlands auf dem Gebiete der Landesv rteidigung wird schon durch den dringend notwendigen Umbau unserer Wehrmacht klargestellt. Um diesen Moment möglichst lange hinauszuzögern, bemühen stch die verschiedenen Beaufttag- tragten Frankreichs in Genf um die Ausarbeitung eines neuen Kompromißvorschlages. Diese Arbeit wird allerdings erfreulicherweise dadurch sehr erschwert, daß Herr von Neurath nicht in Genf ist
Paul von Hindenburg (neueste Aufnahme).
Foto von Knickste in aus dem Volksbuch der Hindenburg-Spende, Verlag Stollberg E. m. b. H. Berlin).