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Freitag, 30. September / 1932 2. Beilage

Windhose über der deutschen Nordseeinsel Spiekeroog

Eine interessante Windhosenbildung, die man am Strand des Nordseebades Spiekeroog beobachten konnte.

Di« Windhose, durch deren ungeheure Saugwirkung Strandkörbe hoch in die Lust ge­schleudert wurden, forderte glücklicherweise kein Menschenleben.

Erdbeben imParadies"

Gchreckensbilanz der Balkankatastrophe / Besuch im Erdbebengebiet

Athen, 30. September.

Bei dem Erdbeben in Chalkidike wurden insge­samt 2600 Häuser völlig zerstört und weitere 850 so beschädigt, daß sie unbewohnbar geworden sind. Die Bauten der Kassandra-Mühlen wurden gänzlich ver­nichtet. Die Zahl der Toten wird jetzt mit 141, die der Verletzten mit 403 angegeben, davon 52 Schwer­verletzte. Der Sachschaden beziffert sich auf viele Mil­lionen Drachmen. Allein zum Aufbau von Ersatz­holzhäusern sind 27 Millionen Drachmen notwendig. Entgegen anderen Meldungen ist das Inselchen Amuliani nicht im Meer versunken. Auf dem heiligen Berge Athos wurde nur geringer Schaden angerichtet.

Die Erdstöße auf der Halbinsel Chalkidike dauern fort. Ein neuer starker Erdstoß zerstörte Egribuntzak und die Bäder von Apolloniados. Alle Häuser stürz­ten ein. Mehrere Verletzte sind beim Abtransport ge­storben. Alle Einwohner übernachten unter freiem Himmel aus Furcht vor der Rückkehr in ihre Häuser. Auch die Beamten der Post und der Polizei arbeiten im Freien.

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Ein Leser schickt uns folgende Schilderung aus dem Erdbebengebiet:

Es ist ein sehr sonderbares Gefühl, das einen beim Lesen der Schreckensnachrichten vom Balkan erfaßt. Vor einem Jahre noch, aus der Ferienreise, hat man Griechenland besucht und vor der Besteigung des heiligen Berges Athos, dieser einzigen großen Klosterkolonie, wurde in dem kleinen Dorf Stagira Halt gemacht. Das ist heute ein schmutziges Balkan­nest wie viele andere auch, ist vielleicht auch in dem Tagen des Altertums nichts anderes gewesen. Im­merhin ist Stagiras Namen durch eines der Ortskin­der sehr berühmt geworden: Der Philosoph Aristote­les ist Stagirense gewesen.

Wenn man freilich in Stagira irgendwelche wirk­liche, ernstzunehmende Spuren von Aristoteles zu ent­decken hoffte, erlebte man eine fürchterliche Ent­täuschung. Ein kleiner Tabakhändler behauptet zwar, daß seine Lehmhütte das Geburtshaus des weltbe­rühmten Philosophen sei aber auf den ersten Blick kann man feststellen, daß das Gemäuer hier nicht bei­nahe zweieinhalb Jahrtausende alt ist. Sonstige Reli­quien, Gedenktafeln und Aehnliches gibt es nicht. Ein alter Fischer vertraut dem Neugierigen aber an, daß man vielleicht in dem Dorf Aristote mehr Glück haben würde: Der Ort liege nur ein paar Meilen von Sta­gira entfernt. Da sich der Alte über die Beschaffen­heit seinerMeilen" nicht näher äußern kann, müssen wir die Extratour ablehnen. Darauf lädt er uns, höf­lich und gastfreundlich, zu einer Segelfahrt auf die gnsel da draußen ein. Dort befindet sich der Heimat- lsen seines Boots mit dem rostbraunen Dreiecks­segel die Insel Amogiani, von der in diesen Tagen irrtümlich gemeldet wurde, sie sei im Meer ver­schwunden.

Ein wunderschöner und trotz den neu zugezogenen Fischersamilien recht einsamer Fleck Erde ist dieses Amogiani. Der alte Nikapoulos, unser Wirt und Führer, erzählt uns, daß vor einigen Jahren noch

das Eiland fast unbewohnt war. Er selbst mit seinen Kindern und Enkeln und einigen Ziegenhirten waren damals die unumschränkten Herren der Insel frei­lich ohne Besitztitel. Und nach der Vertreibung so vieler tleinasiatischer Griechen aus der Türkei habe dann die Regierung in Athen dafür gesorgt, daß man auch hier an die zweihundert Flüchtlingsfamilien unterbringe. Na, auf der Insel wäre deswegen noch immer Platz genug . . ..

Wo der Blick hinfällt: Weingärten, Olivenhaine, kleine Tabakpflanzungen (angeblich nur für den eige­nen Gebrauch der Insulaner, aber ohne ein wenig Schmuggel, wird es wohl nicht abgehen). Strecken von schönem, glatten Sandstrand wechseln mit schroffen Felsstürzen und Klippen ab und die steilste Wand ist noch üppig von Schlinggewächs Überhängen, von den Riesenbüschbln und Speeren der Agaven und Aloen überragt.

Man erkundigt sich, wie und wovon die Leute hier leben, aber die Frage ist müßig. Amogiani gewährt wahrhaftig die Erinnerung an das Paradies. Die paar hundert Bewohner haben ihre Fische, ihre Zie­gen und Hühner da und dort (aber seltener) eine Schweineherde. Mais, Kartoffeln und Gemüse wach­sen üppig in einem Boden, den man statt einer Pflug­schar mit einer Stockivitze bloß ritzen mutz. Das Volk von Amogiani hat alles Nötige, in einem wunder­baren warmen und beständigen Klima und den schönsten Ueberfluß gibt es noch dazu: den dunklen, bläulichroten Jnselwein.

Dieser Ausflug nach Amogiani ist allen Teilneh­mern wie ein Traum, wie die unzerstörbare Vorstel­lung von einem verlorenen Glück im Gedächtnis ge­blieben. Ruhe und Frieden und das homerische Ge­nießen des Daseins. Rach den Schrecknissen des Smyrna-Krieges hatten die kleinasiatischen Flüchtlinge hier wahrlich ein Asyl gefunden ... K. W.

Oie Katastrophe von Porto Rico

Washington, 30. September.

Nach Schätzungen des Roten Kreuzes sind bei der Wirbelwindkatastrophe auf Porto Rico 197 Persone getötet und 1800 verletzt worden. Nahezu 9000 Woh­nungen wurden zerstört und 75 000 Menschen obdach los.

In der Nacht zum Donnerstag stieß der dänische DampferPeter Maersk" im Finnischen Meerbusen mit einem russischen Unterseeboot zusammen. Der dänische Dampfer wurde so schwer beschädigt, daß er nach Leningrad zurückkehren mußte. Man befürchtet daß das Unterseeboot mit seiner 35-köpfigen Be­satzung gesunken ist.

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Durch das Gletscherseil erdrosselt wurde dieser Tage ein deutscher Tourist, als er beim Ersteigen einer Felswand ausglitt und beim Sturz mit dem Hals in das Seil verwickelt wurde.

Oeuifche Paddler als Spione vechastei

Abenteuer einer süddeutschen Afrika-Expedition im Aegäischen Meer

@tue Gruppe Augsburger Paddelbootsobrer «acht lat Zeit eine Erpeditiou nach Afrika. Kürzlich erfuhr mau überraschend durch ei« Telegram«, dah fie in der Jeftuug Fora i« Kleinasien ««ter Lpiouagever- dacht »erbastet worden find Wir freue« uos. hier aber bereits de« Beruht des Fabrtleiters über die zweimalige Berbaftuug und endliche Freilassung »er- Sfsentliche« zu Banen.

In Konstantinopel hatten wir nochmals getankt. Vor uns liegt das Marmarameer. In den späten Abendstunden machen wir an einem kleinen Ort Halt. Die Suche nach einem Nachtquartier ist ergebnislos. Der Ort besteht aus zehn bis zwölf Häusern, von denen der größte Teil zerfallen und die eher Vieh­ställen ähneln, als menschlichen Behausungen. Wir kriechen in unsere Schlafsäcke.

Um Mitternacht bringt uns das Geräusch eines herannahenden Motorbootes aus unserer wohlver­dienten Ruhe. Zollbeamte entsteigen dem Boot, in ihrer Mitte ein Schiffer, gefesselt mit Handschellen. Es handelt sich um einen Schmuggler. Wir unter­halten uns fast die ganze Nacht mit einem deutsch­sprechenden Zollbeamten.

Am Morgen setzt eine leichte Rückenbrise ein. Die Segel werden aufgezogen. Delphine in größerer An­zahl begleiten uns den ganzen Tag über auf unserer Fahrt. Auf dem rechten Ufer des Engpasses, hoch auf den Felsen, erinnert ein Ehrendenkmal daran, daß Tausende von Kriegern während des Weltkrieges auf diesem Kampffeld ihr Leben lassen mußten.

Das Wasser ist zunächst nur leicht bewegt; plötz­lich kommt ein heftiger Sturm auf. Fest mit den Füßen gegen die Seitenwände gestützt, harren wir, bis das Unwetter nachlätzt. Stunde um Stunde ver­rinnt, es fängt an zu dunkeln der Sturm hält an. An eine Landung ist nicht zu denken. Schattenhafte Umrisse der Felsen lassen endlich eine kleine Bucht erkennen. MitVollgas steuern wir auf die Bucht zu, um ja nicht abgetrieben zu werden. Noch sind cs 100 bis 50 Meter da ein dumpfer Krach. Wir sind auf eine Klippe aufgefahrrn! Schnell werfen

wir beide Anker, um nicht im nächsten Moment auf einen anderen Felsen geworfen zu werden.

Zwei Tage liegen wir fest, ohne Trinkwaffer, in der Hoffnung, ein vorüberfahrender Segler werde uns aus unserer schrecklichen Lage befreien. Aber kein Schiff zeigt sich. Da bauen wir unser Faltboot zusammen, und zwei Mann versuchen Ayvalik, eine Hafenstadt, zu erreichen, was nach einer zwölfstündi­gen Fahrt auch gelingt. Proviant und Trinkwasser find bald besorgt, aber nun will uns bei dem Un­wetter niemand zum Boote zurückfahren bis sich schlietzlich ein türkischer Fischer bereit erklärt.

Der nächste Tag verläuft zunächst ohne Zwischen­fall. Aber am Abend, als wir schon unter Nachtlager Herrichten, fragt ein Förster nach dem Woher und Wohin und reitet von dannen.

Kaum eine Stunde später kommt ein Polizeiboot mit zwei Gendarmen an, die uns verhasten. Im Schlepp fahren wir zur Festung Foca. Der Orts- richter schickt, nachdem er Pässe, Briefe, Zeitungen usw. beschlagnahmt hat, ein langes Telegramm nach Smyrna, in dem er anfragt, was mit uns ge­schehen soll.

Drei Tage sitzen wir in der Kaserne, am vierten werden wir nach Smyrna gebracht. Vier Soldaten mit aufgepflanztem Gewehr begleiten uns. (Sie spielen allerdings während der Seefahrt eine recht klägliche Rolle.) Nach Mitternacht werden wir in Smyrna in die Wachstube einer Kaserne gebracht, wo sich alle mög­lichen Kategorien der Unterwelt befinden. Am näch­sten Tag verkündet der Richter unsere Freisprechung. Froh verlassen wir den Gerichtshof. Am kommenden Tage gehen wir unsere Pässe abholen, man händigt sie uns auch aus, behält uns aber wieder. Zum zweitenmale führt man uns vor Gericht, wieder ver­gehen Stunden bis man sich einig ist; darauf kön­nen wir dann gehen.

Wir haben nur den einen Wunsch, so schnell wir möglich Smyrna zu verlassen, diese Stadt, die uns so manche unangenehme Stunde bereitete . . .

Georg Müller.

Kleine Chronik

Altonaer

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Auf dem Naturforscher-Kongreß, der gegenwärtig in Wiesbaden und Mainz tagt, wurde beschlossen, den nächsten Kongreß im Jahre 1934 in Hannover abzu­halten.

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Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist gestern früh 7,15 Uhr wohlbehalten in Pernambuco eingetroffen.

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Zu einer gänzlichen Einstellung der für Deutsch- lands Altertumskunde so wichtigen Ausgrabungen im Trierer Tempelbezirk sehen sich infolge der Wirt­schaftskrise das Reich, Pr:utzen und die Notgemein- schast der deutschen Wissenschaft gezwungen.

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Einen vierstündigen Großkampf hatte letzthin die Altonaer Feuerwehr gegen einen riesigen Hornisien- schwarm zu bestehen, der sich im in einem hohlen Baum eingenistet hatte; da die nissen bereits mehrere Passanten sehr ernstlich, teil­weise sogar lebensgefährlich gestochen hatten, mußte die Feuerwehr mit Feuerschutzanzügen und Rauch­helmen vorgehen, um schließlich das Nest in Branl zu stecken.

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Die Zahl der Abiturienten betrug in Deutschland für das Schuljahr, das Ostern 1926 zu Ende ging rund 21 000; Ostern 1932 machte saft die doppelre Zahl von Schülern, 41 000, das Abitur. Eine weitere Steigerung ist im kommenden Jahr zu erwarten Dann wird ein langsamer Rückgang einsetzen.

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In einem Dorf bei Sosnowitz (Polnisch-Oberschle­sien) ertappte man auf dem Kirchhof in einem ge­öffneten Sarg einer Familiengruft einen schlafenden Mann. Er hatte sich in der Gruft häuslich einge­richtet, eine Petroleumslampe aufgestellt und eine Vorratskammer angelgt. Nur mit Mühe gelang es ihn zum Verlassen der Gruft zu bewegen, die ihm Obdach gegeben hatte. Er erklärte, er habe sich dort Wohler gefühlt als zwischen den Menschen.

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Einen Massenhungerstreik haben die alten pen­sionierten Unteroffiziere der rumänischen Armee die­ser Tage in der Arena von Bukarest inszeniert, um eine Erhöhung ihrer Pensionen durchzusetzen, die in den letzten Monaten überdies äußerst unregelmäßig

gezahlt worden waren. Nach Ablauf von 48 Stun­den knurrten aber die alten Soldatenmägen bereits derartig, daß eine kleine Armee von fliegenden Le­bensmittelhändlern großartige Geschäfte machte.

Einfesselnder Feuer- wehrmelder

Um endlich die Zahl der böswilligen Feuerwehralar­mierungen einzuschränken, die mancherorts ein Drittel sämtlicher Feuerwehrmeldungen ausmachen, wurde in Amerika ein Meldeapparat konstruiert, der den Alar­mierenden durch eine Fessel solange festhält, bis die Feuerwehr angerückt ist. .

III SN 59-46

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