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Kasseler Xeeefte Tlachn'chke«
Donnerstag, 29. September ^93L / 1. Beilage
Juristische Sprechstunde
findet wöchentlich zweimal und zwar
Dienstags und Freitags
oon 5—7 Uhr
in unserer Redaktion Kölnische Straße 10, I. statt. Besucher der Sprechstunde wollen sich des starken Besuchs wegen in unserer Haupt» geschäftsstelle gegen Vorzeigen der letzten Abonnementsquittung eine Rummernmark« ausbändigen lassen x-..
Polen die Verpflichtung der Minderheitsschutzverträge auf, die Minderheiten zu achten und zu erhalten. Wir haben ein von Präsident Wilson feierlich verkündetes Selbstbestimmungsrecht der Völker. Warum ließ man nicht die Bevölkerung Westpreußens östlich der Weichsel und im südlichen Teil der Provinz Ostpreußen mit dem Stimmzettel entscheiden? In Warschau und Paris wußte und erkannte man zu genau, wie eine solche Abstimmung ausgefallen wäre, also trennte man zwei blühende Provinzen von der Mutter Deutschland ab. Weder Polen, noch Litauen, noch die Tschechoslowakei haben ein Anrecht, die Gebiete, die ihnen ein unsinniger Friedensvertrag zugesprochen hat oder die sie int Raube sich geholt haben, weiter zu besitzen. Trotz aller Not der Gegenwart und gerade in der Not, denn nur Notzeiten haben uns Großes verbringen laßen, müssen wir immer und immer wieder fordern: Fort mit dem Korridor! Freiheit dem gesamten deutschen Osten.
Jugend mit dem Spaten
Von den verschiedenen Verbänden, die sich in den letzten Monaten an den Aufgaben des Freiwilligen Arbeitsdienstes beteiligt haben, kann als erster das evangelische Jungmännerwerk Deutschlands soeben einen Gesamtüberblick vorlegen. Er umfaßt 111 verschiedene Arbeitsdienste innerhalb der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands, bei denen es sich zumeist um umfassende Meliorationsarbeiten handelt. Von der Gesamtzahl der Arbeitsdienstprojekte innerhalb des evangelischen Jungmännerwerkes, die noch erheblich über die obengenannte vorläufige Statistik hinausgehen dürste, sind etwa 22 Prozent bereits abgeschlossen, 46 Prozent noch im Gange, während 32 Prozent jetzt neu in Angriff genommen werden sollen. Auch diese Bestandsaufnahme zeigt erneut, daß das evangelische Jungmännerwerk Deutschlands auf diesem Gebiete nicht nur am frühesten, sondern auch am umfassendsten eingesetzt hat.
Aussicht
Das britische Hoch hat sich östlich ausaebreitet und bestimmt unsere Wetterlage. Nach Frühnebelbildungen wird es tagsüber vielfach aufheitern. Die Temperaturen erfahren zwischen Tag und Nacht stärkere Gegensätze.
Aussichten für Freitag:
Frühnebel, tagsüber aufheiternd und trocken, nachts sehr kühl, tagsüber milder.
In der Werkstatt der Geduld
Wir wollen festlegen, was sich die Frau unter einem höflichen Mann vorstellt. Der höfliche Mann macht immer ein liebenswürdiges Gesicht. Der höfliche Mann liest niemals beim Esten. Er ist hilfreich beim Verlassen der Straßenbahn und bei jeder andern Gelegenheit. Er geht (wenigstens in Deutschland) au» der linken Seite. Eilfertig hebt er verlorene Handschuhe auf. Er sagt kleine geschmeidige Schmeicheleien. Er ist eben, ganz einfach, der nette bösliche Mann. Früher nannte man so etwas „Kavalier', aber diese Vokabel ist so abgegrissen, daß man sie beute nur noch in Anführungsstrichen anwenden darf. Sie trifft aber den Nagel auf den Kopf.
3u Ehren Hindenburgs
Zu Ehren des 85. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, sind für die Wehrmacht allgemein folgende Anordnungen getroffen worden: Sonnabend, den L Oktober 1932 abends: Großer Zapfenstreich in allen Standorten. Sonntag, den 2. Oktober: 7 Uhr Großes Wecken, Beflaggen sämtlicher militärischer Dienstgebäude und Anlagen der Wehrmacht von 7 Uhr bis eine Stunde nach Sonnenuntergang. Militärgottesdienste in den Standorten. 12 Uhr Paradeaufftellung der Standorts- truppen. Ansprache der Standortältesten. Vorbeimarsch der Standorttruppen. Platzmusik in den Standorten. Parole für Heer und Manine: „Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg.'
Um die Genauigkeit von hundertstel Millimetern kämpft der Uhrmacher
Neue Postkarten und Briefmarken zum 85. Geburtstag des Reichspräsidenten
Die Wohlfahrtspostkarte, die die Reichspost zum 85. Geburtstag Hindenburgs herausgibt. Die Karte zeigt links das von Prof. Weiß gezeichnete Porträt des Reichspräsidenten, oben rechts als Wertstem- vel das Tannenberg-Denkmal nach einer neuen Photographie. — In der Postkarte rechts zeigen wir eine der neuen Hindenburg-Briefmarken, die ebenfalls am 1. Oktober in den Verkehr gebracht werden. Zunächst erscheinen sieben Wertstufen dieser neuen Serie.
Die Höflichkeit ist eine Zier
Ist bet moderne Mann höflich?
Man kann, und zwar mit Recht, die Frage mit einem ebenso schlichten wie überzeugten „Nein!' beantworten, dann braucht man über dies Thema nicht s?f"Er zu schreiben. Der moderne Mann mag mög- licherweift einige Vorzüge besitzen, höflich ist er nicht. •?: e <7, wir wollen das Thema erweitern durch
Zusatzfragen: „Warum ist der moderne Mann mcht boftich?' und „Wie stellt sich das moderne Mädchen, dte moderne Frau zu dieser Tatsache?'
Selbstverständlichkeit verkennt die moderne Frau keineswegs, daß durch ihre sogenannte „Emanzipa- Kon' gewisse Dinge Veränderungen erfahren haben, eo ist es gewiß durchaus in der Ordnung, wenn das junge Mädchen, sobald es ein eigenes Einkommen hat, bei gemeinschaftlichen Unternehmen seine Spesen selbst deckt, oder wenn es, befreit von allzu langen Röcken und Zöpfen, aus Wasserfahrten zum Beispiel kräftig sein Teil tut.
Aber die Frauen sind selbst Schuld an der Un- bofltchkeit der Männer. Beachten Sie's auf der Straße — wie oft sieht man ein junges Mädchen, nett und sauber angezogen, in Begleitung eines Jünglings, der nach der Arbeit seine Kleidung nicht gewechselt hat, ohne Kragen, mit ungewaschenen Händen. Man glaubt zunächst nicht, daß die beiden zusammengehören. Sie gehören zusammen. Das Mädchen bat sich für wenig Geld ein paar nette Sachen gekauft, sie hat sich „hübsch gemacht'. Er hingegen, du lieber Gott, er legt keinen Wert auf Aeußerlich- keiten. „Wenn du mich nicht leiden magst, wie ich bin... Dies ist der Refrain bei schüchternen Ver- befferungsversuchen. Sie mag ihn ja leiden, außerdem sind Männer heute rar — sie ist einverstanden, Grundverkehrt? Sie müßte protestieren. Sie müßte ihm klarmachen, daß es doch etwas anderes ist, ob er sich mit einem seiner Freunde unterhält oder mit einer Frau, einem Mädchen.
Und so, wie der einfache Mensch seine Kleidung vernachlässigt, so vernachlässigt der Gebildete seine Manieren. Er hat es (huhu, gähnt er) nicht nötig.
. Altes Selfßftnl «eS Hellen-W-ldeck. Der „Sessen-Wal- oeckschen Botksl-iedermmmtung ginaen wieder eine Anzahl wertvoller Bestraae sit von Rentner Konrad Snckc-Kvfsel Mastel». Kan»mann K<rrl Mattei-Kaffel lRedensart und Rattel» . DchrEell» Wilhelm Jde-Kaffel (Rätsel». Ober- lchirllebrcr Ludwig Sihaade-Bollmarshausen (Volkslieder», Gerhard Hostnrann-Kaffcl (Rätsel), Stranenbaumeitter ,1a- hannes Becker-Hetta (Rätsel». Bärbel Hoffmann-« affel «L-cherzraklel», Rentner Karl Klevoer-Kasiel (verdrehte Wörter», Sottetteetnnehmer Mnteln-Kaffel (Re-ktpru«, Dr. meb. Paul Holzavfel-Safsel (gedruckter medizimich-volks- kundlicher Auttatz». Kururmaler Müller-Callel-Kaffel (9(6= zahlreim», ischrrftlteller Dr. Max Bcck-Bergbeim-Bad Wil- dungrn (GetaiMelter und gedruckter volkskundlicher Stoff «es ganz, Waldeck». Sri. Anno Schellhase-Saffel (AhzäSl- remt). Mit herzlichem Dank bittet um fernere gütige Beihilfe Sie PolkSlieder-Kommiffion: Direktor der Landesbibliothek Dr. Wilhelm Hoof. Bibliotheksrat Dr Guttav Struck. Schriftsteller Dr. Max Beck-Bergheim und staatlich anerkannter Musiklehrer Johann Lewalter.
Das Unrecht an der Ostmark
lieber dreizehn Jahre liegt der Abschluß und die Unterzeichnung des Friedensverirages hinter uns. Dreizehn Jahre sind nur eine ganz kurze Spanne Zeit und doch ist in so Vielen das Verständnis dafür geschwunden zu erkennen, welch großes Unrecht uns bei der Grenzregelung im Osten zugefügt ist. Es ist vergessen, daß ein Gesamtaebietsverlust von 51029,17 Quadratkilometer und ein Bevölkerungsverlust von 4 375 275 Menschen durch einen Vertrag, der kein Vertrag ist, verloren gingen. Polen erhielt den Hauptanteil an Gebiet- und Bevölkerungsverlust mit 46142,40 Qudratkilometer und 3 854 961 Einwohnern. Da die verlorenen Gebiete im Osten vorwiegend als Agrargebiete anzusehen waren, büßten wir 20 Prozent der gesamten Kartoffel-, 25 Prozent der Getreideerzeugung, ja 40 Prozent der gesamten Zuckererzeugung ein.
Viel zu wenig sind die wirtschaftlichen Verluste Deutschlands in Öberschlesieit bekannt. Durch die am 12. Oktober 1921 vom Völkerbundsrat beschlossene Teilung des Industriegebietes blieben bei Deutschland: 0 Zinkhütten, 5 Zink- und Bleigruben, lO Stahl- und Eisengießereien, 14 Kohlengruben, 6 Milliarden Tonnen Kohlenvorräte; kamen zu Polen: 22 Zinkhütten, 11 Zink- und Bleigruben, 15 Stahl- und Eisengießereien, 53 Kohlengruben, 107 Milliarden Tonnen Kohlenvorräte. Was »in jahrhundertelanger Entwicklung zusammengewachsen, was zu einer unzertrennlichen Wirtschaftseinheit gekommen war, wurde auseinandergerissen. 61 Eisenbahnlinien und 722 Landstraßen wurden von der Grenze durchschnitten, sind zum großen Teil heute gesperrt oder zu Sackgassen geworden für den Verkehr ungeeignet und unbrauchbar. Mehr als 25 Kilometer fließt die Weichsel an Ostpreußen entlang; nicht ohne Absicht läuft die Grenze durchschnittlich 50 Meter vor dem Weichselufer. Der achtmal der Grenze wegen durchschnittene Weichseldeich bietet dauernde Gefahr für dir Bevölkerung der Weichselniederung. Die größte Wunde, der Korridor, wird durch das Land gezogen und Ostpreußen als allein nicht lebensfähig soll nach dem Wunsch unseres lieben Nachbarn Polen allmählich in Not und Elend versinken. Dann glauben sie, den rechten Augenblick erfaßt zu haben, um weitere Expansionsgelüste in die Tat umzusetzen. Aber damit nicht genug. Blühendes deutsches Schulwesen in Posen und West- preutzen mußte lebensunfähig gemacht werden. Sie haben es erreicht, daß ein Drittel aller Schulkinder zum Teil sogar noch mehr in polnische Schulen gehen oder überhaupt an keinem Unterricht mehr teilnehmen. Es ist erschütternd, wenn man Aufsätze von Kindern liest, die die einfachsten deutschen Worte nur verstümmelt oder entstellt wiedergeben können. So faßte
Der unhöfliche Mann läßt sich geben. Er liest während den Essens in der Zeitung, vom politischen Teil bis tief hinein in den Annoncenwald. Er läßt durchblicken, daß es ihm nicht das geringste ausmachen würde, müßte er jetzt allein sein. Er gähnt. Er hat in jeder Beziehung schlechter Manieren (d. h.: die hat jeder Mann, aber der höfliche Mann versucht, sie zu verbergen). Der unhöfliche Mann sagt der Frau plttz-platz ins Gesicht, daß sie das Recht habe, von ihm zu gehen, wann sie wolle, freilich (und nun kommt die Hauptsache) bedinge er sich das nämliche Recht aus. Der unhöfliche Mann ist immer müde. Sein Schlips sitzt schlecht. Und so weiter.
Würde man ihm Vorwürfe machen, so antwortete er: „Bttte, was wollen Sie? Die Frau von heute ist gleichberechtigt. Sie geht ins Geschäft wie ich, sie hat poltttsches Recht wie ich, sie kann sich einen Mann suchen, wie ich mir eine Frau suchen kann. Wieso soll ich mich ihr gegenüber anders benehmen als ich es bet einem Freund gewohnt bin. Und er bleibt in der Straßenbahn sitzen, obwohl drei Damen vor ihm stehen.
Und die Frauen? Sie blicken zwar mit ehrfurchtsvollem Auge aus die undurchdringlich harte Stirn des ewtg mißvergnügten Mannes, sie freuen sich, wenn er sich einmal zu einer freundlichen Bemerkung herablaßt — aber sie verlieben sich in den höflichen Mann, in den netten, zuvorkommenden, herzlichen Mann, ,awohl — zum Trotz! Und es ist kein Gegen- bewets, wenn viele das nicht wissen, denn Frauen haben die Gabe, zu verbergen, wen sie lieben und wen nicht. (Ein Talent, daß dem schwerfälligen Mann nur selten zuteil wurde).
Einige Leute fragen: „Warum wollt ihr denn, daß der Mann höflich zu euch sei?' Denen antwortet die Frau: „Das wißt Ihr nicht?' — Die Frau ist von Natur die Schwächere. Sin ihr nicht trotzdem Ausgaben zugeteilt, die die Männer nicht kennen? Jawohl — die Frau hat sich freigemacht, sie kann studieren und alle Wiffenschaften und Künste sind ihr zugänglich tote dem Mann. Sie sitzt nicht mehr wartend in Mutters bester Stube, sie fühlt sich als Mensch wie der Mann. Trotzdem kann sie ihr Teilchen Höflichkeit auf die Dauer nicht entbehren. Die Frau braucht Höflichkeit, Güte, Schutz. Mancher Mann sollte einmal seine Frau statt mit einem echten Armband mit echter Herzlichkeit überraschen — sie wäre ihm vielleicht dankbarer.
Die Frau braucht nicht zu verzagen. Sie wird den Mann schon wieder an sich ziehen. Es ist augenblicklich Mode, unhöflich zu sein, und darin ist der Mann so, tote er der Frau vorwirft, daß sie sei — er macht jede Mode mit. Die Natürlichkeit aber wird eines Tages die Mode besiegen und der natürliche Mann hat das Bedürfnis, jemand zu haben, zu dem er nett und höflich sein kann.
Erna Michel.
Ein seltsames Instrument ist auch die Unruh-Waage. Sie seht aus wie ein kleiner Schraubstock, dessen Backen aber Saphire sind. Hier wird die Unruh, das ist das kleine schwingende Rädchen in der Taschenuhr, aufgelegt und geprüft, ob das Gleichgewicht genau stimmt. Sonst muß es ausgeglichen werden. Nach keiner Seite darf sich ein Schwerpunkt zeigen, weil sonst ein genauer Gang nicht zu erzielen ist. Wie fein diese Arbeit ist und welche Geduld sie erfordert, das kann der Laie sich schwer vorstellen. Zu der Unruh gehört die feine Spirale, die sie bewegt. Sie ist die Seele der Uhr. Diese winzigen Dingerchen haben eine staunenswerte präzise Windung. Sie sind aus Stahl, aber durch ihre genaue Arbeit sind sie
zwanzigsach teurer als Gold.
So genau wie diese seine Spirale muß in ihren Windungen auch die Triebfeder- das Herz der Uhr, fein. Eine ungleichmäßige Windung ergibt ungleichmäßige Spannung und ungleichmäßigen Gang. Immer wieder langt auch die Pinzette in den Schraubenkasten. Da sind
Schräubchen, so klein wie Flöhe.
Sie haben mit ihnen auch eine Eigenschaft gemeinsam, sie „huppen'; sind fort, ehe man es sich versieht. Ja, Uhrmacher sein ist ein Geduldspiel. Die Kundin würde wirklich Augen machen, wenn sie zusehen würde, welche Arbeit ihre Uhr macht!
Zum Schluß wird noch geölt mit allerfeinstem, sehr fettigem, aber leichtflüssigem Del, das auch nicht „breitschießen" darf, sondern an dem Punkt haftet. Von den Lochsteinen hat der Uhrmacher ganze Sortimente in Phiolen, von Zeigern alle Dimensionen und Formate, von Gläsern alle Größen in Abständen von einem zehntel Millimeter.
Die Uhrmacherwerkstatt ist eine Stätte, in die nur das Tick-Tack der vielen Uhren ans dem Laden das Lied von Geduld und Vergänglichkeit singt.
Und dennoch Winterhilfe!
In einer Sitzung des Bezirksausschusses für Winterhilfe, der aus Vertretern der fünf Wohlfahrtsverbände, der Behörden und der landwirtschaftlichen Verbände besteht, betonte Regierungspräsident F r i e - densdurg, daß es in diesem Jahr nicht leicht sein werde, diese Sammlungen infolge der noch schlechteren wirtschaftlichen Verhältnisse durchzuführen. Trotzdem haben sich die Wohlfahrtsverbände, Behörden und landwirtschaftlichen Verbände entschlossen, sich auch in diesem Jahr wieder für das Werk einzusetzen. Vor allem soll der Kreis Schmalkalden, der ja bekanntlich das Schmerzenskind unseres Bezirks ist, unterstützt werden. Ebenfalls sollen die Speisungen soweit wie möglich wieder eingeführt werden. Da die Aussichten für Kleider-, Schuhe- und Wäschesammlungen in diesem Winter äußerst gering und das Bedürfnis sehr groß ist, schlug der Regierungspräsident vor, den freiwilligen Arbeitsdienst in den Dienst der guten Sache zu stellen, um das Werk der Winterhilfe nicht zu belasten. Die Winterhilfe wird sich wieder aus verschiedenen Sammlungen zusammensetzen — zuerst die Kartoffelsammlung, später andere Nahrungssammlungen. Die Stadt wird hauptsächlich Textilien und Geld liefern, während das Land Getreide, Kartoffeln, also Nahrungsmittel, zur Verfügung stellen wird.
I Wissen Sie, wo wir Kinder eines überhasteten I Jahrhunderts Geduld lernen können, und wo der I ärgste Skeptiker Andacht?
Folgen Sie mir in die Werkstatt eines schlichten Kasseler Handwerkers. Schnell werden Sie Ihre bla» I fierte Miene ablegen: echtes Handwerk ist ein gutes I Stück Kunst. Das Handwerk aber, dem wir heut einen Augenblick über die Schulter schauen wollen, birgt noch mehr.
Ein wohlangesehener Meister empfing mich mit der verblüffenden Frage: „Kennen Sie Ihre Uhr?' I Und auf das verdutzte schweigen fuhr er ruhig fort:
„Sie kennen das Aenßere wohl, aber von dem
I Werk, seinen mechanischen Feinheiten und seinen Sanktionen haben Sie sicher doch nur unbestimmte orstellungen. Wissen Sie z. B. daß die Unruh Ihrer I Taschenuhr am Tage fast eine halbe Million Schwingungen ausführt, und daß sie doch nur Lagerzapfen von etwa zehn hundertstel Millimeter hat? Wohl kaum. Die Uhrmacherkunft hat eine reiche, jahrhundertelange Entwicklung hinter sich. Sie geht von den antiken Stücken bis zu den vielen Gattungen der Gegenwart, den einfachen Gebrauchsuhren, öen Kunstwerken und den Gipfelleistungen an Präzision. Wohl fertigt der heutige Uhrmacher sie nicht mehr selbst an, mit Ausnahme besonderer Stücke, weil das unwirtschaftlich wäre im Zeitalter der maschinellen Feinarbeit. Aber trotzdem kennt sie niemand bester als der gelernte Uhrmacher. Lange Lehrzeit, Ausbildung in Fachschulen, peinliche Gewissenhaftigkeit, vereint mit Ausdauer und Liebe zum Berus machen ihn zum wirklichen Fachmann, dem man Vertrauen schenken darf und muß.
Man kann ein bekanntes Wort dahin variieren: „Zeige mir deine Uhr und ich will dir sagen, wer du bist!'
Eine gute Uhr ist ein Stück Leben des Menschen. Sie fügt sich in das Leben ein und bestimmt es, wenn sie gut behandelt wird. Zu mir kommen Menschen, die sind kreuzunglücklich, wenn mit ihrer Uhr etwas passiert ist. Und das ist verständlich. Ein guter Mensch hat immer eine gute Uhr.
Hier ist z. B. eine Damenuhr. Dem ersten Anschein nach war sie nur verstaubt. Beim Auseinandernehmen stellte »sich dann heraus, daß sich ein Haar mehrfach im Räderwerk verschlungen hatte und bann, daß einer der winzigen Lochsteine, ein Saphir, in betten ein Zapfen läuft, zersprungen war. An einem solchen Defekt kann sich eine Uhr totlaufen. Auch hier ist ber Zapfen schon angefressen worben. Ein nicht gewissenhafter Arbeiter beseitigt ben Fehler nicht, um „billig' zu arbeiten. Was weiß bie Kunbin bavon. Sie merkt ben Schaben erst später. Ich repariere bie Uhr fachmännisch richtig. Die Kunbin hat bann ihre Freube an ber Uhr, wenn bie Kosten augenblicklich auch schmerzlich finb.'
Unb schon war ber Meister an ber Arbeit. Wer einmal zuschaut, ber kommt aus bem Staunen nicht heraus. Sie erfordert eine unendliche Geschicklichkeit unb Geduld, handelt es sich doch um viele kleine unb kleinste Teile. Aus einer Unzahl von feinsten Pinzetten unb Schraubenziehern, bie so fein finb, daß nur das mit einer Lupe bewaffnete Auge die geschlis- fenen Spitzen erkennen kann, sucht sich die geübte Hand das passende Werkzeug. Alles fügt sich wieder ineinander, Schräubchen und Rädchen. An dem Zapfen- rollierstuhl, von einer Art Fiedelbogen im Hin- und Herstreichen bewegt, wird der Zapfen einer neuen Welle passend gefeilt und poliert. Nur durch die Lupe erkennt man die Arbeit, handelt es sich doch nur um ein hundertstel Millimeter. Die Arbeit muß ganz genau sein, so daß der Zapfen nur mit ganz geringem Spielraum in den neuen Saphirlochstein, so winzig wie ein Sandstäubchen, paßt. Dazu gehört feinstes Gefühl und große Erfahrung. Wie klein diese Saphir- ober Rubin-Lochsteine sind, ersieht man daraus, daß die Bohrung von
sechs hundertstel Millimeter
an aufwärts führt. Man kann sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Die Feil- und Polierarbeit muß genau fein, weil eine ganz geringe Ungenauigkeit den Gang ber Uhr beeinflussen würbe.
WM?
ernair una oionaes Haar doppelt ver- War es aber bereits nachgedunkelt, so läßt es sich mit schönt. Brünette und Dunkle wählen Schwarzkopf- ■ Y Extra-Blond zu jeder gewünschten Nuance wieder auf- Extra, hell und dunkel mit „Haarglanz“ und Schaumbrille. ^SCHWARZKOPF EXTRABLOND .1%*^oh-Am
Aber wenn Sie Ihr Haar sich selbst überlassen, dann hellen. Extra-Blond hegt zudem der unvergleichliche, verliert es allmählich seinen Glanz und dunkelt nach, weder durch Zitronensaft noch durch Essigbad er- Pflegen Sie IhrHaar deshalb mit Schwarzkopf Extra-Blond, setzbare „Haarglanz“ bei, der das Haar dauernd dem Schaumpon der Blondine, dann bleibt es blond, gesund erhält und blondes Haar doppelt ver- War es aber bereits nach gedunkelt, so läßt es sich mit