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Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
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22. Jahrgang
Mittwoch, 28. September 1932
Nummer 225*
Neurath kehrt nach Berlin zurück
Fruchtlose Besprechungen in Genf / Kabinettskrise in London? / Oie Beschlüsse des Ltntersuchungsausfchuffes / Oer Kanzler gegen Herriot
Oer Kanzler als Zeuge
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Herriois innenpolitisches Spiel
Von unserem Pariser Korrespondenten.
Dr. Pz. Paris, 28. September.
Die große französische Rentenkonvertierung hat mit einem vollen Erfolg geendet, so daß mit einer budgetären Erleichterung von rund 1300 000 000 F. gerechnet werden kann. Trotzdem der Kammerbeschluß fast einstimmig erfolgte, machten sich noch im Lande selber mancherlei Widerstände bemerkbar. Man wies mit einigem Recht darauf hin, daß die Renteninhaber durch den 80-prozentigen Frankenverfall schon genug geschädigt worden seien, und daß der höhere Zinsfuß gewissermaßen als staatliche Kompensation angesehen werden müfle. Es wurde ferner bemerkt, daß die angeführten Gründe zum Teil wenigstens an Stichhaltigkeit zu wünschen übrig ließen. Denn es erscheine kaum angebracht, durch solche einseitigen Mittel einen Fehlbetrag decken zu wollen, der nur durch größere Sparsamkeit beseitigt werden könne. Gewiß wird die erfolgreiche Operation wie in England so auch in Frankreich zur Belebung des Vertrauens beitragen und auch sonst besonders auf dem Gebiete der Wirtschaft ,des Kreditwesens und der Lebenshaltung gm.stig wirken; immerhin wäre »s befler gewesen, sie hätte als Krönung eines umsassen- den Werkes wirtschaftlicher und finanzieller Sanierung dienen können, das die Regierung Herriot doch einmal in Angriff nehmen muß.
Ein paar bedeutsame Zwischenfälle und Begleitumstände der kurzen, außergewöhnlichen Kammersitzung sind bisher nicht genug hervorgehoben worden. So fiel allgemein auf, mit welch schwacher Rede der Finanzminister Germain-Martin das Rentenprojekt verteidigte; so zwar, daß sein Vorgänger F l a n d i n allgemein als Sprecher der Regierung angesehen wurde, und das einstimmige Votum der Mitte wie der Rechten bauptsächlich seiner Dazwischenkunft zuzuschreiben ist. Man folgerte daraus, daß die Umformung des Kabinetts Herriot nahe bc- vorsteht, daß sie vielleicht noch vor dem ordentlichen Zusammentritt der Kammer erfolgen wird; denn bekanntlich soll der gegenwärtige Finanzminister Germain-Martin zum Schuldenunterhändler in Amerika bestimmt sein, wodurch Herriot zugleich die Möglichkeit geboten würde, seine Regierung weiter nach der Mitte hin zu orientieren. Ein andrer Zwischenfall hat nämlich bewiesen, in welch entscheidendem Maße die S o z i a l i st e n immer noch über das Schicksal des Kabinetts befinden. Es kommt nur auf die Gelegenheit an, und die wird sich auch in der zukünftigen Session oft genug bieten.
Herriots Widerwille gegen jeglichen Kartell- gedanken ist bekannt. Die Sozialisten aber werden ihm wohl kaum den Gefallen tun, lediglich als Nothelser einzuspringen, und sie gehen in dieser Auffassung mit den „Jungtürken" unter den Radikalen selber einig. Hier liegt nach wie vor die große Gefahr für die Regierung Herriot: eine Kartellbildung gegen das Kabinett, die Sozialisten und den linksradikalen Flügel umfassend. Unter diesem Gesichtspunkt mutz denn auch die zukünftige innerpolitische Entwicklung betrachtet werden: Die Regierung Herriot wird nicht nach links, sondern nach rechts fallen, und daraus ergeben sich einige Folgen, die jetzt schon eifrig besprochen werden.
Alle Welt ist sich darüber einig, daß der Regierungssturz schon bald nach der Einberufung der Kammer erfolgen wird, und Herriot selber scheint ihn herbeizuwünschen. Man behauptet, er sei fest entschlossen, nicht nur mit den Sozialisten, sondern auch mit den ,Hungtürken" endgültig zu brechen. Leon Blum macht ihm dabei keinerlei Schwierigkeiten, da er seit den Erfahrungen von 1926 von einer sozialistischen Unterstützungspolitik nicht sehr viel mehr halten mag. Bleibt die Gegnerschaft zwischen Herriot und gewissen einflußreichen Persönlichkeiten auf dem linken Flügel der radikalen Partei, unter denen man in erster Linie den Parteipräsidenten Francois- Albert zu nennen gewohnt ist. Francois-Albert ist Vorsitzender der Kammerkommission sür auswärtige Angelegenheiten, einer der wichtigsten Posten, den das Palais-Bourbon zu vergeben hat, und ein überaus kampflustiger, in allen parlamentarischen Ränken erfahrener Politiker. Die gut unterrichtete Wochenschrift ,Ze suis partout" plaudert aus, wie man den gefährlichen Mann zu beseitigen hofft. Tas Kabinett Herriot wird über irgendeinen Artikel des Haushalts oder gar über auswärtige Politik selber fallen; die vereinigte Linke, anders gesagt das Kartell, mutz für die Nachfolge Sorge tragen. Der Präsident der Regierung wird keinen Augenblick zögern, Francois-Albert mit der Bildung einer sozialistisch-radikalen Regierung zu betrauen; er wird entweder selber annehmen, oder die Wahl auf Daladier, Caillaux oder Steeg lenken, jedenfalls aber ein Portefeuille annehmen, so daß er auf die beiden Präsidentschaften, der radikalen Partei und des Auswärtigen, verzichten muß. Damit ijt
der erste Teil der innerpolitischen Operation beendet. Der zweite besteht darin, die reine Kartellregierung wieder zu stürzen; er bietet sehr wenig Schwierigkeiten, da zwischen den Sozialisten und den Radikalen heute ein gewaltiger „Temperatur"- unterschied besteht. Das ganze Werk kann innerhalb weniger Wochen zu Ende geführt werden; dann wird Herriot erneut ins Elysse berufen, und er bildet aus den Politikern der Mitte (Flandin, de Ribes) und der gemäßigten Linken (Chautemps, Painlevsj ein Konzentrationskabinett, das als nationale Regierung auftritt und als solche die großen Fragen der inneren wie der äußeren Politik zu lösen unternimmt.
Eine Schwierigkeit wird es dabei immer geben: Nahezu die Hälfte der radikalen Abgeordneten ist mit Hilfe der Sozialisten gewählt worden, und dieser Tatsache muß jede Regierung der Linken Rechnung tragen. Sagen sich 60 Radikale bei entscheidenden Abstimmungen von der Mehrheit los, so ist die Regierung auf Louis Marin und die äußerste Rechte angewiesen: Das will wiederum Herriot unter keinen Umständen. Bleibt ein Rettungsmittel, das der sehr gemäßigte Budgetberichterstatter Lamoureux allen Ernstes vorgeschlagen hat: Die Notverordnungen oder' „becieiädois", befer sich ja schon bet sehr verfassungstreue Jurist Poincar« bedient hatte. Paul-Boncour und Caillaux sollen eifrige Anhänger dieser politischen Methode sein, die, von Männern der Linken angewendet, ganz unbedenklich sei. Aber würde man damit nicht, genau nach dem Muster von Leon Blum, die „Gesetzlichkeit in Ferien" schicken?
th. Berlin, 28. September.
Die beinahe zweistündige Zeugenvernehmung des Reichskanzlers von Papen vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages über die Vorgänge in der letzten Sitzung des Reichstages war em parlamentarisches Ereignis, welches zwar den Reiz der Seltenheit und somit ein gesteigertes Interesse für sich in Anspruch nehmen konnte, von dem aber von Anfang an klar sein mußte, daß es zu einer wirklichen Entscheidung der umstrittenen Fragen nicht führen konnte, sondern vielmehr von den an dieser Verhandlung beteiligten Gruppen und Personen im Wesentlichen zur erneuten Vertretung ihrer bekannten Standpunkte und zugleich zur Bekämpfung der gegnerischen Meinungen benutzt werden würde. Insoweit gehört diese heutige Sitzung des Ueberwachungsausschusses gewissermaßen schon zum Wahlkampfe.
Wenn man ihr politisches Ergebnis kurz zusam- menfaffen will, so kann man lediglich feststellen, daß der Reichstagspräsident Göring, wie sich aus seinen eigenen Aussagen ergab, die seste Absicht gehabt hat, die Abstimmung über die Mißtrauensanträge und die Aufhebung der Natnerordnnna unter ollen Umständen durchzuführen, also den Kanzler nicht zur Verlesung des Auflösungsdekrets kommen zu lassen. Der Reichskanzler dagegen berief sich wiederholt darauf, daß zwischen dem Reichstagspräsidenten Göring und ihm bestimmte Verabredungen darüber bestanden hatten, daß der Reichstagspräsident dem Kanzler auf jeden Fall die Möglichkeit zur Verlesung der Regie-
Ungeklärte Lage in Genf lEigener Drahtbericht).
Genf, 28. September.
Die LageinGcnfistim Augenblick recht u n - geklärt. Richt zuletzt wirkt sich die innerpolitische Entwicklung in England hemmend aus. Die Möglichkeit, daß xs in London zu einer Regierungskrise kommt ist nicht von der Hand zu weisen und dann würde der Vermittlungsvorschlag, den Sir Simon in der Abrüstungsfrage zu machen gedenkt, selbstverständlich sonst an politischer Bedeutung verlieren.
Der Londoner Kabinettsrat, der um 11 Uhr beginnt und sich möglicherweise bis zum Nachmittag hinziehen wird, ist der erste seit einem Monat. Er wird sich deshalb wahrscheinlich nicht nur mit Ottawa, sondern auch mit der Lage in Indien und der Ab- rüstungssrage befassen.
Die privaten Besprechungen über die Lage der Ab- rüstungskonfeoenz sind auch gestern fortgesetzt worden. Dabei ist der Präsident der Abrüstungskonferenz stark in den Vordergrund getreten. Man behauptet, daß Henderson sich sehr bemüht, die Lage zu klären, um die Konferenz vorwärts zu treiben. Nachdem Henderson gestern vormittag mit Herriot gesprochen hat, hafte er im Laufe des Nachmittags mit dem Vertreter Italiens, Unterstaatssekretär Aloist eine Unterredung. Abends fand eine weitere Besprechung zwischen dem Reichsaußenminister Frhr. von Neurath und Henderson, der den deutschen Außenminister bereits am Sonnabend aufgesucht hatte, statt. Auch zu dieser zweiten Unterredung war die Initiative von Henderson ausgegangen.
Henderson hat den deutschen Außenminister über seine Besprechungen mit Sir John Simon und Herriot unterrichtet. Die Lage ist auch nach dieser Unterredung unverändert. Praktische Vorschläge hinsichtlich der Voraussetzungen, von denen Deutschland seine Wiederbeteiligung an den Arbeiten der Abrüstungskonferenz abhängig macht, liegen nicht vor.
Reichsautzenminister Freiherr von Neurath hat seine Abreise nach Berlin sür heute abend in bestimmte Aussicht gestellt. An der Vollsitzung der Völkerbundsversammlung, die heute die allgemeine Aussprache fortsetzt, nimmt Freiherr von Neurath noch teil, lieber eine etwaige Rückkehr des Außenministers nach Genf find vorläufig noch keine Dispo- fitionen getroffen.
Zu den tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Samuel-Liberalen und den übrigen Kabinettsmitgliedern schreibt der gewöhnlich sehr gut unterrichiete parlamentarische Korrespondent von Reuter, daß die nationale Regierung wohl in ihrer Zusammensetzung, kaum aber in ihre» Bestände gefährdetist, obwohl er die Mög
lichkeit einer Krise nicht ableugnet. Der Rücktritt gewisser Mitglieder könnte schnell zu einer Auflösung der nationalen Regierung führen. Snowdens Rücktritt werde die Stabilität der Regierung nicht beeinträchtigen, dagegen stelle eine Demission des Lordkanzlers Sankey ein gewisses Gefahrenmoment dar. Runcimans Ausscheiden würde einen ungeheuren Verlust bedeuten und Sir John Simons Niederlegung der Geschäfte des Außenministers könnte im Auslande niemals als das angesehen werden, wofür es im Jnlande gilt, nämlich als der Teil einer vernünftigen Neuverteilung der Aemter.
Konferenz bei Herriot
Genf, 28. September.
Der französische Ministerpräsident Herriot empfing gestern abend die Vertreter der Kleinen Entente, Polens und Belgiens zu einer gemeinsamen Aussprache. Sie erstreckte sich, wie verlautet auf die Arbeit der Völkerbundsversammlung, die Lage auf der Abrüstungskonferenz und insbesondere die deutsche Gleichberechtigungssorderung. Die seit Herriois Rede viel erörterten Pläne über neue Friedenssicherungs- niaßnahmen, von denen man sich offenbar eine Neubelebung der Abrüstungskonferenz verspricht, über die aber nichts bekannt ist, sollen gleichfalls erörtert worden sein. Herriot hatte außerdem noch eine besondere Besprechung mit dem tschechoslowakischen Außenminister Benesch, dem Berichterstatter der Abrüstungskonferenz.
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Genf, 28. September. Die Ratsmitglieder traten zu einer streng geheimen Sitzung im Zimmer des Generalsekretärs zusammen. Es verlautet, daß beschlossen worden ist, das feit längerer Zeit vorliegende Rücktriltsgesuch des Generalsekretärs des Völkerbundes Sir Eric Drummond nunmehr endgültig anzunehmen. Drummond bleibt vorläufig noch bis zum 30. Juni nächsten Jahres in seinem Amte.
Oie Kontingentierungsfrage
Die Verhandlungen mit Frankreich.
Paris, 28. September.
Wie Havas berichtet, werden die deutsch-französischen Verhandlungen über die Kontingentierung smaßnahmen, die die deutsche Regierung gegenüber gewissen französischen landwirtschaftlichen Produkten zu ergreifen gedenkt, am Donnerstag, den 6. Oktober in Paris beginnen.
rungserklärung geben wollte, und daß der Kanzler sich auf diese Verabredung fest verlassen hatte.
Der interessanteste Teil der Vernehmung war am Schluß die Rede und Gegenrede zwischen dem Kanzler und dem Reichstagspräsidenten. Herr von Papen erklärte hier, der Reichslagspräsident hab« es auf jeden Fall in der Hand gehabt, der Regierung das Wort zu verschaffen und wenn er dazu gewillt gewesen wäre, dann hätte er eben anders verfahren müssen, als er es tatsächlich getan habe. Diese Erklärung des Kanzlers veranlaßte dann den Reichstagspräsident Göring zu der Aeußerung, er habe seinerseits die Aufgabe gehabt, das Recht der Volksvertretung gegenüber der Regierung zu wahren und auf jeden Fall dafür zu sorgen, daß die Abstimmung stattsand. Gegenüber dieser wichtigen, politischen Feststellung spielte dann die Frage, in welchem Bruchteil einer Sekunde sich der Reichskanzler zu Wort meldete, nm eine untergeordnete Rolle.
Mit der Vernehmung des Reichskanzlers war der Hauptteil der gestrigen Sitzung des Untersuchungsausschusses vorüber, aber die weiteren Zeugenaussagen nahmen doch noch geraume Zeit rn Anspruch. Kurz waren die Mitteilungen des Reichsinnenministers Freiherrn von G a y l, der ebenso wie bar Staatssekretär der Reichskanzlei Tr. Planck mit großer Festigkeit erklärte, daß der Reichskanzler bereits während der ersten Worte des Reichstagsprüsidenten Göring sich erhoben und zum Worte gemeldet habe. Damit auch der Humor bei dieser so unerquicklichen Angelegenheit nicht fehlt, stellte es sich bei bqt Aeuße- rungen des Reichsinnenministers heraus, daß das Schicksal des Reichstages sozusagen an einem Pult schlüssel gehangen hat, denn der Reichsinnenminister wollte, kurz bevor der Kanzler sich zum Wort meldete, ihn darauf aufmerksam machen, daß eine solche Wortmeldung notwendig war. Wenn dies gelungen wäre, so würde die Wortmeldung einige Sekunde» früher erfolgt sein. Aber der Reichsinnenminister blieb, als er sich erheben und den Kanzler aufmerksam machen wollte, an seinem Pultschlüssel hängen, sodaß er feine Absicht nicht ausführen konnte.
An der politischen Sachlage, d. h. an der Rechtsgültigkeit dex Reichstagsauflösung, hat die gestrige Verhandlung des Untersuchungsausschusses des Reichstages nichts geändert. Die Abstimmungen die der Ausschuß in später Abendstunde in geschlossener Sitzung vornahm, brachten ebenfalls keine entscheidende Aenderung der Situation. Ein Antrag der Kommunisten, die Reichstagsabstimmungen über die Mißtrauensanträge und über die Aufhebung der Notverordnung als rechtswirksam zu erklären, wurde ab- gelehnt, wobei sich auch die Nationalsozialisten der Stimme enthielten. Andererseits wurde aber auch ein sozialdemokratifcher Antrag abgelehnt, der feststellen sollte, daß die Reichstagsauflösung im Augenblicke der Ucbergabe der Urkunde wirksam gewesen sei, und daß infolgedessen die oben erwähnten Abstimmungen ausdrücklich als unwirksam erklärt werden müßten. In dieser Frage der Rechtswirksamkeit der damaligen Reichstagsabstimmungen, die ja der Hauptstreitpunkt war, hat also der Ueberwachungsausfchuß gestern überhaupt keine neue einheitliche Stellungnahme zu- staudegebracht.
Zum Schluß wurde ein nationalsozialistischer Fest, stellungsantrag angenommen, welcher besagt, der Kanzler habe sich erst zum Wort gemeldet, nachdem die Abstimmung bereits eröffnet war, und es fei er- wiesen, daß die Reichsregierung unter allen Umständen entschlossen war, den Reichstag noch vor der Abstimmung aufzulösen.
Bemerkenswert ist, daß schließlich der Untersuchungsausschuß mit einer Mehrheit, die lediglich aus Nationalsozialisten und Kommunisten bestand, noch den Antrag annahm, die Aufhebung der Notverordnung der Regierung Papen zu beschließen Das hat selbstverständlich keinerlei Rechtswirkung, da der Ueberwachungsausschuß überhaupt nicht die Befugnis hat, Notverordnungen der Reichsregierung aufzuheben. Angesichts dieser Sachlage hat sich auch das Zentrum bei dieser Abstimmung der Stimme enthalten.
Es ist überhaupt bemerkenswert, daß sich das Zentrum von der bisherigen Mehrheitssront mit den Nationalsozialisten mehr und mehr distanziert. Das hat sich gerade in der gestrigen Sitzung des lieber- wachungsausschusses gezeigt und heute schreibt in diesem Sinn« die „Germania" unter anderem: Selbst