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Donnerstag, 23. Juni 1932

Kasseler Neueste Nachrichten

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nehmen, die im Verhältnis steht zu den Deutschland und den übrigen Staaten eingeräumten Streit­kräften. >

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Bruno Brehm:

Oie unsühnbare Schuld

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Zuständigkeit einer solchen Verordnung Eine solche Entscheidung kann jedoch Zeit in Anspruch nehmen und zunächst bevorstehenden Wochen und Monate Wille der Reichsregierung durchgesetzt

anrufen wird, sehr geraume würde für die der Politische sein.

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Angriffswaffen geschritten werden.

3. Die Rüstungen stehen in gegenseitigem Verhält­nis zueinander: Es mutz daher ein Ausgleich bei der Herabsetzung der Rüstungen angestellt werden.

4. Tie Herabsetzung der Rüstungen muß konkret und vorsichtig sein und mutz zu einer wahrhaften

Die amerikanische Regierung schlägt deshalb vor, daß sämtliche Staaten als Strettkräste, die den Polizetnotwendigkeiten entsprechen, eine Armee an-

entgegenslehenven Verbote in einzelnen Ländern von selbst hinfällig werden. Es ist anzunehmen, daß eine solche neue Notverordnung von allen Ländern loyal durchgeführt wird, doch liegt es nahe, daß Bayern vi« E-nicheidung »es Siaaisgerichlshofes über die

Von der Anwendung weitergehender Machtmittel, allo von der Verhängung des militärische» Aus­nahmezustandes ist in der gestrigen Sitzung nicht die Rede gewesen und sowohl bei den Länderregierungen wie bei der Reichsregierung ist der Eindruck entstan­den, daß es nicht erforderlich sein wird, über eine neue Notverordnung in der Uniformfragc hinaus zu zu schärferen Mitteln zu greifen.

Militärische Maßnahmen würden daher in nächster Zett wohl nur dann in Frage kommen, wenn sich in de» einzelnen Bezirken, wie z. B. im Ruhrgebiet, allzu gefährliche kommunistische Unruhen entwickeln sollten.

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Rauferei an der Grenze

Tschechische Gendarmen auf deutschem Boden.

Grenzen für die Linienschisse und die Flugzeugmut- terschrff- festgesetzt Was die Kreuzer und Torpedo- bootszerstör^? Frankreichs und Italiens betr-fi-, s° werden sie so behandelt, als ob dre,e Machte dem Ver­trag von Washington beigetreten seren. Dte Anwen­dung dieses Programms würde zu erner außerordent­lichen Einschränkung der Ausgaben durch den Neubau von Kriegsschiffe» führen. M .

Die Vorschläge der amerikanischen Regierung sind einfach und direkt. Sie verlangt die Mitwirkung jeder einzelnen Nation. Nichts würde so sehr die Hon- nungen der Menschheit wieder beleben, als die An­nahme dieses Programms. Es ist ein Wahnsinn für die Welt, sich noch weiter in ungeheuren militärischen Ausgaben zu verbluten. Die amerikanische Regierung legt diese Vorschläge, die eine wesentliche Erleichte­rung für alle Mächte bedeuten können, in dem vollen Gefühl der eigenen Verantwortung vor. Die Trag­weite der Erklärung des Präsidenten Hoover ist ein­deutig, klar, konkret und allgemein verständlich. Zwei­fellos werden sämtliche Regierungen das amerika­nische Abrüstungsprogramm zunächst prüfen wollen.

Botschafter Gibson gab sodann einige technische Erläuterungen zu dem neuen großen Abrüstungspro­gramm seiner Regierung. Die Herabsetzung der Ge­samttonnage der Vereinigten Staaten und Großbri­tanniens um 25 vom Hundert müsse auf der Grund­lage des Vertrages von London erfolgen, ferner verlange die amerikanische Regierung, daß kein Staat mehr als 40 Unterseebote mit einer Mindestgröße von 1500 Tonnen und insgesamt nicht mehr als 35000 Tonnen Unterseeboote besitze. Ter Botschafter Glb- son erklärte sodann, daß die amerikanische Regierung auf Grund des Hooverplanes bereit sei, unverzüglich auf 50 000 Tonnen Flottenneubauten zu verzichten, §rner 1000 schwere Geschütze und 900 Tanks und 300 ombcnflugzeuge zu vernichten.

Unmittelbar vor Beginn der Plenarsitzung gab Zentrumsfraktion bekannt, daß sie bei der Wahl des Landtagspräsidenten weiße Zettel abgeben, d. h.

Oie Hoover-Botschaft

Abrüstungsappell an dieSieger" / Herabsetzung aller Rüstungen um ein Drittel / Deutschlands Streitkraft als Vorbild

Bayerisches Echo

... der Berliner Jnnenministerkonfercnz.

München, 23. Juni.

Zum Ergebnis der Berliner Jnnenministerkonfe- renz bemerkt die Bayrische Volksparteikorrespondenz u. a.: Die Reichsregierung wolle es aus politischen Gründen den Länderregierungen nicht mehr über­lassen, in der Uniformfrage sich so zu verhalten, wie es ihnen Pflicht und Verantwortlichkeit für den ihnen anvertrauten Staat und ihr politisches Ge­wissen vorschreibe. Sie scheine gesonnen zu sein, mit Hilfe des Artikels 48 sich ein Reichsrecht zu schaffen, das das Landesrecht außer Kraft setzt. Man müsse sich nach dem Ergebnis der Länderkonserenz auf einen schweren Eingrisf der Reichsgewalt in die Länder­rechte gefaßt machen. Damit übernehme die Reichs­regierung eine Verantwortung für die Weiterentwick­lung der innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland, die ihr voraussichtlich keinen Ruhmestitel in der deut­schen Geschichte einbringen werde. Es sei selbstver­ständlich, daß eine bayerische Regierung nicht in der Lage sei, der politischen Auffassungen der Reichs­regierung entgegenzukommen. Die Verantwortung für Maßnahmen, die die Reichsregierung für not- wendig erachte, müsse sie allein tragen, aber auch die Verantwortung für alle Folgen, die sich daraus ergeben.

der Mann lacht und Packt mich nun bei der Hand und sagt etwas, als wollt er mich verhöhnen! Da bleibst du jetzt, giaub ich, sagt der Mann, ich hab dtck jetzt und laß dich nicht mehr los. Nein, in so eine plumpe Falle geh ich nicht, ein Ruck, der Kerl fliegt zur Seite, ich spring auf und greif nach meiner entsicherten Pistole. , ,

Herr sowahr mir Gott helfe, bet der Gesundhett meiner Kinder, Herr, der kleine Mann lacht noch immer, er lach: immer lauter, er rudert mit den Hän- ven herum, es stößt ihn vor Lachen er gierst und das kann ich beschwören bei allem, was mir her- lrg ist, nach derselben Tasche seines Rockes, wo ich in meiner Bluse die Pistole stecken hab.

Oie Haltung der Lander

Frankreich lehnt Hoovers Vorschlag ab.

Der französische Kriegsminister Paul Boncour gab nach dem englischen Außenminister Simon, der sich zur Hoover-Botschaft sehr positiv äußerte, eine Erklärung zu dem neuen großen Abrüstungsplan des amerikanischen Präsidenten Hoover ab, die nur als eine glatte Ablehnung des amerikanischen Vorschla­ges auszufassen ist.

Der italienische Autzenminister Grandi gab zu dem Hoovervorschlag eine Erklärung ab, nach der die ita­lienische Regierung uneingeschränkt den amerikani­schen Plan in allen seinen Teilen bedingungslos und vollständig annimmt. Die italienische Regierung bekenne sich zu folgenden Grundsätzen für die Ab­

rüstung: Vollständige Abschaffung der schweren Gc- schütze und der Tanks, Herabsetzung der effektiven Truppenbestände nach den Methoden des Versailler Vertrages, vollständige Abschaffung der Bomben- flugzeuge, Verbot des Abwurfs von Bomben, Ab­schaffung des Gas- und chemischen Krieges. Auch den Flottenvorschlägen stimme die italienische Regierung zu. Bor einem Jahre habe der Präsident Hoover durch seinen Moratoriumsvorschlag den Weg für eine praktische Lösung des Kriegsschuldenproblems gewiesen; heute zeige er den Weg für eine praktische Lösung des Abrüstungsproblems. Wenn man die Welt wiederherstellen wolle, so müsse man sich jetzt entscheiden.

Grandis Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen, während die Erklärungen Simons und Paul Boncours kühle Aufnahme fanden.

sich der Stimme enthalten werde. Damit war Stetti» Wiederwahl gesichert und er wurde denn auch bei der Wahl mit de» Stimmen der Rechtsparteien endgül­tig zum Präsidenten des preußischen Landtags er- toten

Abg. Steril (NS.) erhielt 197 Stimmen der Na­tionalsozialisten und Deutschnationalen bet 64 Stim- menenthalkungen des Zentrums. Außerdem erhielten Abg. Kasper (St.) 53, Abg. Wittmaak (S.) 91 Stim- me$or dieser ersten Abstimmung gab es jedoch eine Sensation. Die Kommunisten erklärten, sie seien be­dingungslos bereit, für einen anderen Kandidaten zu stimmen, falls weder ein Nationalsozialist noch ein Deutschnationaler in das Präsidium gewählt wurde.

Die Sitzung wurde unterbrochen. Nach Wieder­eröffnung ergab sich, daß das Zentrum das kommu­nistische Anerbieten nicht mitmachen wollte. Für die zahlreichen Wahlakte stellten deshalb die Kommuni­sten einen eigenen Kandidaten auf.

Bei der endgültigen Wahl zum ersten Vizepräsi­denten entfielen auf den Abg. von Kries (DN.) 19-, auf den Abg. Wittmaack (S.) 162, auf dem Abg. Kasper (St.) 50 Stimmen. Ein Zettel war unbeschrie­ben. Da keiner der Kandidaten die absolute Mchr- heit erreicht hatte, mutzte eine Stichwahl zwischen den Abg. Dr. von Kries und Wittmaack stattsinden die wiederum durch Namensaufruf erfolgte. Für den Abg. Wittmaack hatte autzer den Sozialdemokraten auch das Zentrum gestimmt. Bei der Stichwahl wur-

Einmal traf ich den Mann, der immer allen Leu- ten so scheu auswich, an einer solch schmalen Weg- stelle und so unerwartet für ihn, daß eine Begegnung unvermeidlich war. Er nahm seine» Jäger Hut ab, bot mir einen Guten Tag, ich war unschlüssig, ob ich stehenbleibe» oder weitergehen sollte, ich erzählte tarn, daß ein Fuchs meine» Weg gekreuzt habe, er horchte unaufmerksam zu und lachte feit]am vor sich hin. Dann fragte er, wohin ich gehe und als er meiw Ziel gehört halte, meinte er, daß et mich begleiten könne Er ging eine Weile stumm neben mit her und begann bann auf einmal zu sprechen:Herr, Sie haben sich wohl einen Revierförstet anders vorgestellt, wie. Keine Kugel im Lauf, keine Patrone in der Tasche nichts«. Et senkte sein durchfurchtes Gesicht, et hatte wohl einen Anlauf genommen, tarn aber nun nicht weiter Ich wollte ihm helfen:Sind denn nicht viele Wilderer in dieser Gegend?'

Mehr als man glaubt. Die können ja schießen, die sollen nur schießen, Herr, ich schief nicht zurück =lcfi nicht Ich schieße auch nicht auf Raubwild das Kn die Jägerburschen tun, ich schieße überhaupt nie mehr, nie mehr, ich kann nicht mehr schießen, es geht nicht. Nun halten Sie mich wohl für einen Nar­ren? Ich wollt, ich wär ein Natt, Herr, denn war ick ein Narr, so hau ich Ruh in der Nacht und könnte einmal wieder friedlich schlafen. Aber man wird nicht s-Änell verrückt, man wird es nicht, und wenn man tÖUK'SÄte eine Lichtung, Ein Specht hämmerte, fern"rief ein Kucknch die Bäume warfen über de» weiten Schlag lange ^""en. Der Rft blieb stehe» und hielt |id) Die Hand vor das Gesicht- Es ist keine lange Geschichte, .Arr, es tut w» wohl wenn ich wieder einmal darüber sprechenkann,sie wird auch ihr Herz bedrucken, aber wenn ein änderet mitträgt, wird einem leichter.' Der ^d^ler blickte flüchtig auf, kehrte sich ab und begann mit gepreßter ^"^Jch war^im Krieg Feldwebel an d" Kärtnerfront Woäenlang fiel dort kein Schuh, der Schnee machte uns in den Bergen mehr zu schassen als der ^e,nd^ kommen eines Tages Offiziere von der Brigade herauf die Seilbahn bringt Verpflegung und Muni- tion Patrouillen werde» vorgetrieben, wir konnten es i'ms an den Fingern abzählen, das es bald los­gehen mußte.

Jetzt, denk ich mir, jetzt kommt es darauf an, wer schneller ist. Mein Schuß kracht früher, der. Mann .fallt bintüber zusammen, seine braunen, kleinen Hande rupfen das kurze Gras, die Füße schlagen und schnel­len noch ein wenig und dann wird es, Währetw das Echo aus alle» Wänden meinen schuß zuruckwirft, als wollten die Berge ihn nicht behalten, hier oben zwischen den Schützengräben stille.

Ich beuge mich über den kleinen Mann. Der Schuß ist ihm durch die zur Abwehr, erhobene linke Hand gerade ins Herz gedrungen. Kein Zucker, nichts mehr, aus Nun will ich dem kleinen Mann tue Pistole ab- nehmen, ich zieh ihm die Hand aus der Tasche, wissen Sie, was der Mann in der Hand halt? Herr können Sie das erraten? Es ist so furchtbar, Herr daß es kein Mensch erraten kann. Er hält eine Photo­graphie in der Hand, eine kleine Photographie und auf ihr ist eine kleine schwarze Frau und drei Kin­der drei Kinder, Herr, nicht älter und nicht jünger als'meine drei Kinder zuhause.

Da stand ich nun neben dem Toten und nun be­gannen die Italiener, unruhig geworden durch meinen Schuß, aus dem naheliegenden Graben zu schießen rings um mich schlugen die Kugeln in As Gestein ein Maschinengewehr begann zu rattern, biett noch immer das Bild In der Hand, ich deckte E nicht, ich duckte mich nicht, ich hoffte, nun werde doch auch eine Kugel so barmherzig sein und mich treffen.

und vorsichtig fein und must zi wirtschaftlichen Erleichterung fühl

5. Die Land-, Luft- und Seerüstungen stellen die drei großen zu behandelnden Fragen dar. Sie hängen voneinander gegenseitig ab und können nicht vonein-

plaumäßige kommunistische Lleberfätte

Breslau, 23. Juni.

Anläßlich einer Versammlung der NSDAP in der Jahrhunderthalle kam es bei dem Zuzug zur Jahrhunderthalle an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen der NSD AP, der KPD und der SPD. Dabei wurden int Westen der Stadt auch mehrere Schüsse abgegeben, durch die zwei Nationalsozialisten und ein Reichs­bannermann durch Brustschüsse schwer verletzt wur- den. Außerdem wurden noch drei Personen leichter verletzt. Nach den polizeilichen Feststellungen wur- den die Ueberfälle von selten der SWD planmäßig vorbereitet. Auch im Nordosten der Stadt kam es zu schweren Zusammenstößen, wobei von Kommunisten die Straßenlaternen ausgelöscht wurden. Als die Polizei einschritt, würde aus den Fenstern geschossen und die Polizei mit Blumentöpfen beworfen.

Zittau, 22. Sunt. Auf dem Lauscha-Paß kam in der Nacht zum Montag vor . -m Gasthaus ,.Z' Rübezahl' auf re.chsdeutschem Boden zu einer N> ferei zwischen zwei tschechischen Gendarmen und meh­reren Burschen aus Sächsisch-Waltersdorf Die Gen­darmen machten von ihren Waffen Gebrauch, ue ,hneu jedoch von den Burschen abgenontmen wurden Ein Gendarm wurde schwer verletzt ins WarnSd-r- fer Krankenhaus eingeliefert. Auch die Burschen ey litten erhebliche Verletzungen. Die Rauferei hat an« scheinend ihre Ursache darin, daß einer der Gendar­men einen der Burschen seinerzeit wegen unbefugten Grenzübertritts angehalten und bestraft hatte.

ander getrennt werde».

Ausgehend von diesen Grundsätzen schlagt dte amerikanische Regierung eine

Herabsetzung sämtlicher Weltrüstungen um ein Drittel vor. Auf dem Gebiete der

Landrüstungen

schlägt die amerikanische Regierung die Annahme deI bisherigen, der Konferenz bereits eiitgereichten Vor­schlages vor, nach dem eine

vollständige Abschaffung der Tanks, der chemischen Kriegswafsen und der schwerbeweglichen Artillerie erfolgen soll, ferner Herabsetzung unrein Drittel sämtlicher Landarmeen, die über den Charakter von Polizeikräften hinausgehen.

Die Bestimmungen des Vertrages von Versailles und der übrigen Frtedensverträge haben bereits die Rü­stungen Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Bul­gariens auf einen Stand heruntergedruckt, der der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in diefen Ländern entspricht. Auf diese Weise ist Deutschland, das eine Bevölkerung von 65 Millionen Menschen umfaßt, eine Armee von 100 000 Mann gelassen worden.

Einmal, gegen Sonnenuntergang, an einem solch stillen Tag wie wir ihn heute haben, merke ich, daß ich draußen meinen Feldstecher vergessen habe. Ich lasse meine Patrouille einrücken, ich lauf allein zurück Richtig, da vorne, bei dem Auslug liegt der Stecher. Und keine fünfzig Schritt vor mir. zwischen de» bet- de» Stellungen, steht ein kleiner, schwarzbärtiger Ita­liener und winkt mir mit der Hand. Vielleicht, denk ich mir, ist es ein Uebenäufer, der mir zeigt, daß nicht geschossen werden soll. Ich richte mich auch auf und deute ihm mit der Hand, näher zu kommen.

Der kleine schwarzbärtige Mann schüttelt den Kops, schaut einigemale scheu zurück, dann winkte er mir wieder und zeigte wie das eben die Italiener tun, mit Armen. Händen und nacheinander in die Höhe schnellenden Fingern: Ich die Hälfte du die Hälfte er meinte, wir sollten einander entgegenkommen.

Der kleine schwarze Kerl dort drüben, dacht ich mir, soll nicht glauben, daß ich mich vor ihm furchte^ Ich entsichere rasch meine Pistole und springe los: ich das Ganze I In ein paar Sätzen bin ich drüben be, ihm, ducke mich und warte keuchend was er von.mir!will Aber da seh ich zu meinem Schrecken, daß der Mann nicht mehr von demselben Regiment ist. daS uns seit Monaten gegenüberliegt, denn mit dem früheren Re­giment der Italiener sind wir ganz «ut gestanden, der harte Winter hatte uns verträglich gemacht, wir hatten nur hie und da aufeinander geschossen, wenn aus dem Tal Inspektion gekommen war, und auch dann nur ein paar Schuß, mehr nicht. Wird der Mann da vom neuen Regiment sich auch an dleses jilllichwetgende Abkomme» halten? Weiß er davon? Was will er von mit? Ich bereue meinen Leichtsinn, ich werde arg­wöhnisch, weil dieser Mensch immer wieder zurück- blickt. Warum zieht er mich beim Arm zu sich nieder? Warum fuchtelt er mit den Händen warum rollt er mit seinen schwarzen Augen, was will er denn, warum zeigt er immer wieder aus die verschneiten, im Abendrot glühenden Berge?

Nein, denk ich mir, so dumm bin ich nicht, daß ich mich hier von dir beim Aermel festhalten lasse, biS deine Kameraden da sind, mich gefangen nehmen und bis nach Sizilien schleppen, nein, mein Lieber dazu muß du dir einen Dümmeren aussuchen. Loslassen! sag ich und geb dem kleinen Kerl einen Stoß, losort loslagen' Aber der Mann versteht mich eben nicht,

Berlin, 23. Juni.

Das Interesse, das man neben der Länder-Kon- serenz der Landtagssitzung entgegenbrachte, bewiesen wieder einmal die bis auf den letzten Platz besetzten Tribünen des Landtags. Am Vormittag hielten sämt­liche Fraktionen Sitzungen ab. Mit besonderer Spannung sah man den Beschlüssen bet Zentrums­fraktion entgegen, nachdem bekannt geworden wat, daß eine starke Strömung gegen die Wiederwahl des bisherigen nationalsozialistischen Präsidenten Serri in der Fraktion bestand. Erst den sührenden Persön­lichkeiten des Zentrums soll es gelungen fein, den Widerstand gegenüber einer Präsidentschaft Kerrls zu brechen und zwar mit der Begründung, daß bet einer Ablehnung von Kerrls Wiederwahl das Zentrum nichts erreiche, weil bann Serri trotzdem als proviso­rischer Präsident zunächst bleibe, oder an seiner Stelle bet Alterspräsident und Nationalsozialist General Litzmanu wieder amtieren würde.

Um dem Zentrum eine letzte Frist für die end­gültigen Beschlüsse zu geben, beschloß der Aeltesten- rat den Beginn der Plenarsitzung um eine Stunde hinauszuschteben. Inzwischen sand der national­sozialistische Antrag, die Wahl des preußischen Mi­nisterpräsidenten von der Tagesordnung abzusetzen, auch die Zustimmung des Zentrums im Aeltestenrat.

Genf, 23. Juni.

Die Abrüstungskonferenz zeigte nach wochenlanger Ruhe wieder das Bild eines ganz großen Tages. Die unerwartet auf amerikanischen Antrag beschlossene Einberufung des Hauptausschusses, der ursprünglich erst in etwa zehn Tage» zusammentreten sollte hat plötzlich der Konferenz einen neuen Auftrieb gegeben Das allgemeine Interesse richtet sich ausschließlich auf den amerikanischen Botschafter Gibson, der kurz vor Beginn der Sitzung geschlossen mit der gesamten amerikanischen Abordnung den Saal betritt

Hoovers Erklärung.

Kurz vor 4 Uhr eröffnet Präsident Henderson bei atemloser Stille die Sitzung der Abrüstungskonferenz und erteilt dem amerikanischen Botschafter Gibson das Wort, ber solgenbe Erklärung Hoovers verliest:

Tie Stunbe hat jetzt geschlagen, um endlich alle Einzelerörterungen zu beenden und ein bestimmtes großzügiges Verfahren für die Verringerung der Rüstungslasten anzunehmen, die heute so schwer aus den Arbeitern aller Völker lasten. Dieses Programm würde der ganzen Welt eine wirtschaftliche Belebung bringen und die Möglichkeit geben, die Furcht und alle die Mißverständnisse zu überwinden, die sich aus den Rüstungen ergebe» und die das Vertrauen der Völker ersticken.

Dieses Programm würde für eine Periode von zehn Jahre» mindeftens eine Ersparnis von zehn Milliarden Dollar zur Folge haben.

Die amerikanische Regierung schlägt folgende fünf Grundsätze vor, die für die wettere Behandlung des Abrüstungsproblems bestimmend jein sollen:

1 Der Wert des Briand-Kellogg-Paktes besteht in de» Tatsache, daß die Staaten übereingekommen sind, ihre Waffe» lediglich für die nationale Verteidigung zu verwenden.

2. Es muß zu der Herabsetzung der Rüstungen nicht nur durch die Herabsetzung des Rüstungsstan­des. sondern auch durch die Erhöhung der Kräfte der nationalen Verteidigung durch Verminderung der

Dem toten Mann. Herr, war nicht mchr M bei,en aber dem lebenden auch ntöht. Hätte mich das Bild nicht an meine eigenen Kinder erinnert, ich hatte mich neben den Toten gelegt und mit eigener Hand merem Leben ein Ende bereitet.

Wie ich bann, im ärgsten italienischen Feuer in die eigene Stellung zurück bin, langsam Schritt für Schritt, immer noch auf einen Gnaden,chuß honend und doch nicht einmal von einer Kugel gestreift nel mir ein, wie mich bei Iwangorod em riesiger Sibi­

rier mit dem Kolben niedergehaut hatte, weil meine Pistole eine Ladehemmung gehabt hatte. Und damals war es doch ehrlicher Kampf gewesen und ich wäre, hätten mich nicht meine Leute noch rasch babonge* schleppt, auf ein Haar in die Gefangenschaft gekommen

Ich habe oft darüber nachgedacht, was der Jtalie- ner von mir gewollt hat, ich hab es nur langsam be­griffen, wohl, weil ich es nicht begreifen hab wollen, aber heute weiß ich es, heute weiß ich es ganz genau. Vielleicht ist er zum erftenmale in ben Bergen ge­wesen, hat das Glühen der verschneiten Gipfel nicht gekannt, hat sich in der Stellung unter den jungen un­verheirateten Burschen einsam und verlassen gesuhlt Vielleicht hat er am gleichen Tag mit der Feldpost das Bild seiner Frau und seiner Kinder bekommen. Da mag ihm wohl so schwer ums Herz geworden fern wie es auch mir oft war, wenn wir in den langen untätigen Stunden an daheim dachten. Briefe schrie­ben und nicht sprechen konnten, weil es einem das Herz abdrücken wollte. Und wie nun die Sonne so prächtig unterging, wie es so still wurde, daß man das Pochen seines Herzens hörte, da duldete es den kleinen Mann nicht mehr im Graben, da ging er hin­aus da sah er mich, sah einen älteren Mann, dem er das Bild seiner Kinder zeigen wollte, mit dem er über Dinge reden wollte, die die jungen Burschen nicht verstehen. Und die Antwort, Herr, die ich ihm daraus gegeben habe, die hat diesen armen Menschen für immer stumm gemacht, aber auch ich habe über ihr für immer das Lachen verlernt.

Ein paar Tage drauf ist es losgegangen. Wir durchbrachen die italienische Stellung, ich rannte immer meinen Leuten wert voraus, ich gab keinen Schuß ab, denn wo immer ich mich nur zeigte, wichen mir die Italiener und die Kugeln aus bis mich endlich drei Kugeln ereilten. Ich wurde, halb ver­blutet, gefunden, zurückgebracht, ich riß mir die Ver­bände herunter, aber die Aerzte brachten mich durch ich sollte um meine Buße nicht herumkommen, ich sollte am Leben bleiben, Herr, so war es mir be­stimmt. Es ist nun schon mehr als zehn ^ahre her, ich kann es ja niemandem erzählen, die Lerne ver­stehen es nicht, sie wollen es nicht.wahrhaben, sie wol­len es nicht Horen. Wenn ich meine Kinder anschaue, Herr fo seh ich die Kinder des andern, wenn mich meine Kinder um etwas bitten fo bitten die Kinder des andern mit, hier, Herr, ist das Bild, ich trag es bei mir, es ist schon fleckig und blaß geworden das sind doch liebe Kinder und das ist doch sicher eine brave Frau. Seinen Trost, Herr, bitte, nur feinen Trost Dies geben will ohne Trost getragen werden, denn mich kann kein Richter verurteilen und kein Ge- wissen kann mich sreisprechen.'

Wahl des Landtagspräsidiums

Kerrls Wahl bestätigt / Ministerpräsidentenwahl verschoben

Jedoch finden für die Kolonialmächte gewisse Abän­derungen statt, unter Berücksichtigung der Interessen dieser Staaten.

Aus dem Gebiete der

Militärluftfahrt

schlägt die amerikanische Regierung die vollständige Abschaffung der Bombenflugzeuge vor. Auf diese Weise würde der Besitz von Flugzeugen, die gegen die Zivilbevölkerung angewandt werden könnten, unmög­lich gemacht werden.

Auf dem Gebiete der

Nottenrüstung

schlügt die amerikanische Regierung die Herabsetzung der Gesamttonnage der Linienschiffe um ein Drittel, der Tonnage der Flugzeugmutterschiffe, der Kreuzer, der Torpedobootszerstörer um ein Viertel und der Tonnage der Unterseeboote um ein Drittel vor. In keinem Fall soll ein Staat mehr als 35000 Tonnen Unterseeboote besitzen. Für die fünf Hauptflotten­mächte hat der Vertrag von Washington bereits die