Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, ll./Sonntag, 12. Juni 1932

Kasseler Treueste Tlachn'chten

Srtte I

VERSCHOLLENE KRIEGSOPFER

nicht ab."

Dr. H. Riedel.

Ringeis wieder übermittelt und dieser beschwerte sich bei der Fakultät, die dem Chirurgen einen Widerruf vor den Studenten nahelegte. Stromeyer kam dem nach, indem er sagte: „Ich widerrufe hier­mit, was ich gesagt habe. So sticht man die Letzte

Humor

Die heutige Nummer umW 24 Beiten

Ein Widerruf

schenke!.

„Herr Kommissar! Meine Brieftasche ist mir gestohlen worden!"

„Gut, wir werden die Sache verfolgen.

„Herr Kommissar! Meine Brieftasche hat sich wiedergefunden!"

„Zu spät, der Dieb ist bereits verhaftet!"

Ohne Deckung.

„Als ich ihm einen Scheck anbot, warf er mit dem Briefbeschwerer nach mir!"

„Wieso? — War denn keine Deckung vorhanden?"

„Doch — ich bin hinter den Ofen gesprungen!"

Nun: Die Entwicklung der Mückenbrut ist vom Wetter und noch anderen, bisher nicht ganz aufge­klärten Umständen abhängig. Ob es nun feucht oder trocken, kalt oder heiß ist - aus irgendeine der, ....... ------ —-r •

zahlreichen Mückenarten wirken die Bedingungen | dre Leute ab!" — Die Aeutzerung wurde natürlich

Oie Toten von der LorettohShe, von Reims und Oouaumont werden ausgegraben / Lebensgefährliche Arbeit auf den von Giftgas und Blindgängern geladenen Feldern / Sunderttausende werden doch ewig verschollen bleiben

Bekommen wir eine Insektenplage?

Seltsame Beobachtungen an Motten, Mücken und Blattläusen

Stück Uniformtuchs. Er beginnt vorsichtig zu gra­ben. Ein größerer Uniformrest und schließlich ein Knochen kommen ans Tageslicht. Jetzt stellt er die Arbeit ein und verständigt den zuständigen Gräber- ossizier, dem jeweils ein größeres Gebiet unterstellt ist. In dessen Anwesenheit wird die Grabung fort­gesetzt und der Tote freigelegt. Viel ist es nicht, was von einem Mensechn in 14 Jahren übrig bleibt. Ge­funden werden noch Schädel, Oberarme und Ober-

Der Chirurg Stromeyer und der Internist Rin­geis wirkten ihrer Zeit in München zusammen. Rin­geis hatte einst Stromeyer in seine Abteilung rufen lassen, um einen an Bauchwaflersucht leidenden Pa­tienten zu punktieren. Stromeyer aber lehnte den Eingriff ab, da ihm kein Anlaß zu einer Punktation gegeben schien und Ringeis machte nunmehr die Operation selber. Der Patient starb. Als dies Stro­meyer hörte, sagte er zu dem Ueberbringer empört: „Das nennt man den trockenen Stich. So sticht man

Apotheken-lenst

Folgende Avotbeken haben morgen. Sonntag, geöffnet und in der darausfolgenden Woche Nachtdienst: Beethoven- Apotheke. Hobenzollernsttahe 171; Einhorn-Apotheke, Unt. Königsftrahe 73; Landgrasen-Avotbeke, Leipziger «tr. 113: Schwanen-Avotheke, Grobe Rosenstrabe 2; Weser!gr-Apo- theke,Weserstrabe 27%. 4

An Ort und Stelle bemüht man sich, die Persön­lichkeit des Toten festzustellen. Findel sich noch die Erkennungsmarke vor — die sich bei deut­schen Heeresangehörigen, wo sie aus Aluminium be­stand, gut erhalten hat — dann ist das leicht, csonst muß an Hand von Uniformresten, Achselstücken oder Dokumenten eine Identifizierung versucht werden. Nicht selten unterlaufen den französischen Beamten aus Unkenntnis der deutschen Sprache dabei Irr­tümer; und in den Totenlisten tauchen Namen auf wie: Paul Gefreiter oder Richard Fähnrich. Ueber den ganzen Fund nimmt der Gräberoffizier ein Pro­tokoll auf. Dann werden die Ueberreste in eine ein­fache Kiste gelegt und an einem der nächsten Tage ohne jede Feier auf den» nächsten Kriegerfriedhof bei- gesetzt. Ein einfaches Kreuz, wie Millionen schon stehen, bezeichnet das Grab — das vielleicht niemals von denen gefunden oder auch nur gesucht werden wird, deren große Hoffnung und Sehnsucht hier die endgültige Ruhestätte erhalten hat.

Oie Liste -er Aufgefundenen

Kann man aber nie erfahren, wer in den letzten Monaten gefunden worden ist? Doch. In Spandau

bei Berlin befindet sich das „Z e n t r a l n a ch w e i s- amt für Kriegsverluste und Kriegsgrä- b e r". Hier ist in einigen Sälen die gesamte deutsche Armee versammelt. Denn hier liegen die Stamm­rollen aller Regimenter. Jeder Soldat, vom Rekru­ten bis zum General, der unter einer deutschen Fahne stand, ist erzeichnet. Und wenn Sie etwas vom Ge­freiten N. jL vom 3. Infanterieregiment wissen wol­len, hier finden Sie ihn, mit allen Personaldaten. Hierher gelangt jetzt auch das Protokoll über die Auffindung des Toten, hier wird sein Name, wenn er noch nicht bekannt ist, festzustellen gesucht, hier wird dann die letzte Nottz über ihn eingetragen.

Das Zentralnachweisamt seinerseits verständigt noch den „BolkSbund deutscher Kriegsgräberfür­sorge". Privatpersonen werden von der Auffindung der Leiche nicht benachrichtigt. Schon weil ihre Fest­stellung zu mühevoll wäre. Oft sind sie garnicht mehr zu ermitteln, zuweilen schon verstorben. Und dann: man würde nur längstvernarbte Wunden wie­der aufreißen. Wer aber seinerseits die letzte Ruhe­stätte eines Gefallenen erfahren will, kann sich an den Volksbund wenden. Dort erhält er genaue An­gaben, sofern der Tote in den Listen steht.

Ernst Erwin.

Vor einem halben Jahr entschloß sich die fran­zösische Regierung zur endgültigen Liquida­tion der roten Zone. Man begann, das Ge­biet nach Blindgängern abzusuchen — und nach Lei­chen. Denn noch immer ruhen dort viele Tausende von Toten die jetzt die letzte Ruhe auf einem Fried hos finden sollen. Deshalb ziehen tagtäglich die Männer in Schutzanzügen — zur Isolierung gegen den vergifteten Boden — hinaus ins öde Land. Meist sind es tschechische und polnische Arbeiter, die ein ho Lohn vergessen läßt, daß sie ihr Leben riskie­ren. Denn nicht selten wird so ein Sucher von einem explodierenden Blindgänger zerrissen.

Vorsichtig sticht der Arbeiter bei jedem Schritt die Sonde in den Boden. Aufmerksam untersucht er die heraufgeholte Erde. Plötzlich stutzt er: Zwischen braunen Erdkrumen hängt ein grauer Fetzen — ein

Wolken am Himmel

Vor einigen Tagen zeigte sich in Berlin eine merkwürdige" Erscheinung. Ungeheure Schwärme kleiner Insekten erfüllten an einzelnen Plätzen die Lust, hebedten stellenweise zentimeterhoch den Bo­den und drangen zu Hunderten durch offene Fenster in die Räume ein. In einer Werkstatt mußte die Feuerwehr erscheinen, um die lästigen Besucher hinauszuwaschen, an einer anderen Stelle wurden die Brandmelder in Betrieb gesetzt, weil man einen um einen Kirchturm fliegenden Schwarm für eine Rauchwolke ansah.

Alles zog sich erschreckt vor diesen „Mücken" zu­rück, die aber merkwürdigerweise garnicht zu stechen schienen. Das Zoologische Institut der Universität wurde mit der Untersuchung beauftragt. Und Pro­fessor Bischof, der zuständige Abteilungsleiter, er­zählte uns jetzt, daß es sich auch garnicht um Mük- ken handele,, sondern um fliegende Blatt­läuse. Die Blattlaus ist gewöhnlich ein ruhiges Tier, das sich nicht gern auf Flugexpeditionen be­gibt. Es sitzt im Frühjahr auf den Bäumen, nährt sich von Gewebesäften, die es mit seinem Rüssel durch die Rinde ansaugt. Mit der Entfaltung der Blätter werden aber auch die Gewebe stärker, der feine Rüssel der Blattläuse dringt nicht mehr hin­durch. Jetzt geschieht ein großes Wunder: Inner­halb von zehn Tagen bringen die flügellosen Alten eine neue Generation hervor, die . . . Flügel besitzt! Dieses junge Geschlecht wird nun an einem Tage „flügge" und verläßt seine bisherigen Wohnplätze. Da die Blattläuse aber nur schlechte Flieger sind, lassen sie sich mehr von der Lustbewegung tragen; und so wurden sie an dem erwähnten Tage von dem starken Wind hauptsächlich an einigen Stellen zusammengeweht — so daß es dadurch zu den be­ängstigenden Massenansammlungen kam.

Männer? Lteberflüffig!

In jedem Jahr taucht die Frage auf: Bekommen wir ein M ü ck e n j a h r? Wer sich nach einem un­bekannten Reiseziel erkundigt, bittet um Bescheid: Gibt es dort Mücken?

Vorsicht vor Schnake» nttb Stechmücke»! Diese Ouäl- aeister machen den Ansenthal' im Freien oder Schloten bei ofcnem Fenster oft unerträglich. Schützen Die sich mit Schnakencreme Monson; n« ist das Produkt eingehender und langwieriger wissenschaftlicher Versuche. Ihre Wir­kung, die lange Seit hindurch ausvrobiert ist, herum sowohl auf der Abwehr der Schnaken und Stechmücken als auch auf der Schmer»!ind«rung und Beseitigung der Anschwellung nach erfolgtem Stich. Di« Anwendung der Schnaken- (Ätückenl-Creme Mouson ist äutzerst es mach und beanem. Sie glairzi nicht, fettet nicht und läht sich deshalb immer anwenden, auch unter Dtrünrpsen und anderen Kleidunas- stücken. Ochnaken-lMückens-Creme Mouson ist in einschlä­gigen Geschäften erhältlich; wen» nicht, gibt gern Berugtz- auellen auf:

I. G. Mouson & Co.. Fra»kf»rt/M«i« 140.

Verantwortlich für den ooHttfcben Teil: Dr. ® alte« Pehnt; für das Feuilleton: German M. Bonan; für den lokalen Teil: Dr, Hans Joachim Glatzer; tür den Heimatteil: Rnoolk Gläser: für Handel: Dr. Haus L a n g e n b e r a; für den Sportteil: Her- bett Sveich: Photo-Redakteur: Eduard Schul»- Kessel; für Anzeigenteil: i. V. Roben Barm euer. — Berliner Schriktlettung: Dr. Walter Thum. Ber­lin SW. 88. — Druck und Verlag: Kasteler Sfteucfte Nachrichten G. m. b. H.. Kassel. Kölnische Strotze 10.

doch günstig. Daher lehnen die Zoologen alle Vor­hersagen ab und meinen, es sei dabei wie mit den Wetterprognosen: Man könne sich nicht einmal mit absoluter Sicherheit aus das Gegenteil verlassen.

Je früher der Kampf gegen die Brut ein- setzt, desto besser. Mit jeder getöteten Larve wird ein Heer von Mücken zugleich beseitigt. Man hat ausgerechnet, daß die Zahl der Nachkommen eines einzigen Weibchens, wenn sich die ganze Brut in einem Sommer entwickeln würde, eine Ziffer mit dreißig Nullen — also von unvorstellbarer Größe — ausmachen würde.

Ein vielverbreiteter Irrtum ist noch aufzuklaren: Mückenschwärme, wie man sie häufig in der Nähe von Gewässern und in der Abendstunde Her­umlanzen sieht, sind völlig harmlos. Denn bei den Mücken stechen nur die Weibchen. Die Männchen sind unschuldige, friedliche Tiere, die nichts zu tun haben und gern einmal ein Tänzchen miteinander wagen. So kommen diese tanzenden Schwärme zustande, die fälschlicherweise „Hochzeits­spiele" genannt werden, obwohl von Hochzeit bei den Mücken keine Rede sein kann. Die Mücken­männchen sind nämlich so ziemlich das Ueberflüssigste was es auf Gottes Erdboden gibt.

Man braucht sie nicht einmal zur Fortpflanzung.

Denn die Weibchen erledigen das ganz selbständig ohne Hilfe des anderen Geschlechts — durch Part­henogenese (Jungfernzeugung), wie es der Wissen­schaftler nennt. Deshalb hat die Natur den Männ­chen nicht einmal einen Rüssel mit auf den Le­bensweg gegeben, sondern nur das weibliche Ge­schlecht zum Blutsaugen — und zum Kampf gegen den Menschen — verurteilt.

Verliebt.

„Wenn sich doch Herbert bloß daran gewöhnen könnte, seine Briese etwas deutlicher zu schreiben., es ist unmöglich zu entziffern, ob er mir 100 oder 1000 Küsse sendet."

So steht in phantastischen Filmen die Mondland­schaft aus: Tot und erstarrt liegt das Land; tiefe Krater durchfurchen das Gelände, kein Baum, kein Lebewesen, kein Laut belebt die unheimliche Stille.

Da nähert sich ein merkwürdig aussehendes We­sen Der Körper steckt in einem dichtanliegenden Schutzanzug, die Hände in starken Gummihandschu­hen. Mit einer langen Röhre sticht das Wesen bei jedem Schritt vorsichtig in den Boden und unter­sucht das Ende aufmerksam nach dem Herausziehen.

Oie rroic 3one*

Wir befinden uns in der „roten Zone". Dort, wo der Krieg am heftigsten wütete, an der Loretto- höhe, bei Reims und Douaumont, dort liegt die Ge­gend heute, 14 Jahre nach Kriegsende, noch genau so da, wie die kämpfenden Truppen sie verlassen ha­ben. Teilweise wächst dichtes Unterholz heran, jedes Turchkommen unmöglich machend, teilweise aber liegt der Boden feit 14 Jahren nackt und kahl. Denn heute noch vergiften Gase den Boden derart, daß keine Pflanze, kein Grün die Wunden des zerrissenen Erdreichs zu verdecken vermag.

Am Straßenrand mahnen große mehrsprachige Tafeln eindringlich vor einem Verlassen der ge­bahnten Wege. Mancher, der sich persönlich eine Er­innerung an den Krieg verschaffen wollte, hat diesen Leichtsinn mit dem Leben bezahlen müssen. Berüh­rung des vergifteten Bodens erzeugte unheilbare, schreckliche Brandwunden, und das Anstotzen an einen der zahllos im Boden noch steckenden Blind­gänger bringt diesen leicht zur Explosion. Im vori­gen Sommer kochte eine Gruppe von Wandervögeln auf einem Felde ihr Essen ab. Plötzlich eine furcht­bare Detonation: Sie hatten das Lagerfeuer gerade auf einem Blindgänger angezündet. Einige wurden getötet, keiner blieb unverletzt.

Einer der furchtbarsten Anziehungspunkte in jener Gegend des Schreckens war bis vor kurzem der sogenannte Bajonettgraben bei Verdun. Ein französischer Schützengraben war gerade, als seine Besatzung mit aufgepslanztem Bajonett sturm­bereit stand, von mörderischem Trommelfeuer über­schüttet worden, so datz er vollkommen eingeebnet wurde. Als man später die Stelle suchte, zeigten nur eine Fülle aus dem Erdboden ragender Bajonette an, wo die Kompagnie ihren Tod gefunden hatte. Ein Schauer überlief jeden, wenn er zu seinen Fü­ßen den Wald von Bajonetten erblickte.

Gerade dieser Ort schien für fremde eine gruselige Anziehungskraft zu besitzen. Jedenfalls merkten die Behörden nach einiger Zett, daß die Bajonette immer mehr verschwanden. Sie fielen den berüch­tigten Schlachtfeld-Andenkenjägern zum Opfer. Seit dieser Zeit steckte man von Zeit zu Zeit neue Ba­jonette fest in die Erde, und siehe da, auch sie wa­ren ebensoschnell entwendet.

Frankreich räumt auf

Kaffel vor einem großen musikalischen Ereignis

Zu der Aufführung von Nellius' Kantate „Von deutscher Not"

Man schreibt uns: Während man sich in Deutsch­land darum stritt, ob das Gefühl oder die Form die „Neue Musik" beherrschen — ob die deutsche Ro­mantik ein für allemal abgetan und die „neue Sach­lichkeit" triumphieren — oder ob die Polyphonie neben der Homophonie den Vorrang haben soll, saß da in dem kleinen westfälischen Städtchen Ne­heim ein Mensch, der sich den Teufel um all das ausgeklügelte Schlagwortgefasel der Konjunktur- Musiker und deren lineare, vertikale und horizontale Richtung kümmerte und mit heißem Herzen für die Erhaltung der deutschen Seele rang:

Georg Nellius.

Ms vor einem Jahr wußte man noch sehr we­nig von ihm und auf ihn patzt der Spruch: „Es bildet ein Talent sich in der Stille". Im letzten Jahr aber plötzlich vierfach ausgezeichnet, wurde er in das helle Licht der Oessentlichkeit gestellt mit der Krone seines bisherigen Schassens:

„Von deutscher Not".

Georg Nellius ist ein Osterkind. Er wurde am Oslermorgen 1891 in Rumsbeck bei Arnsberg ge­boren. An seiner Wiege stand also das Alleluja der Auferstehung, wohl als Vorbedeutung für sein künf­tiges Leben und Schaffen. Doch hatte gerade ihn das Schicksal mit rauhester Hand angepackt und sein Weg zur Höhe der Kunst war mit mehr Dornen als Rosen besäumt. Er mußte alle Widrigkeiten _ des Lebens kennen lernen im Kampfe mit der äuße­ren und inneren Not.

So lernte er die deutsche Volksseele in ihrer tie­feren Not kennen, erkannte ihre Sehnsucht und machte sie sich zu eigen. Er erkannte, daß die deutsche Seele mehr um eine innere als um eine materielle Erlösung gigantisch kämpft — datz die Seele des Volkes eine ganz andere Kost verlangt als die fau­len Gaben einseitig denkender Tendenzdichter.

So entstand denn auch ein gigantisches Werk -Von deutscher Not", von welchem die Mnstkwelt sagt:

„Es handelt sich hier um ein Werk, in dem eine groß angelegte Dichtung, in der der Pulsschlag un­serer in den Grundfesten erschütterten Zett lebendig

ist, durch einen im Wollen wie im Können und Vollbringen begnadeten und bewundernswerten Komponisten in die erhabene Sphäre überzeugen» fter Verdeutlichung und ergreifender Ausdrucksge­walt emporgehoben worden ist. Aus innerer Not- toenbigfe' bat sich der außergewöhnliche Aufwand an Darstellungsmitteln ergeben. Es entspricht durchaus der monumentalen Haltung des Ganzen, daß sechs Männerchöre, Frauen-, Mädchen- und Knabenchöre, vier Solisten und großes Orchester be­teiligt sind. Kein zweites Werk der gesamten Män­nerchor'teratnr gibt es, das an Großzügigkeit, Aus­dehnung und innerem Wert an die Kantate „Von deutscher Not" heranreicht. Eine der größten und

Kunst und Wissenschaft

Ein neuer Max Halbe in München uraufgeführt. Halbes Komödie „Ginevra oder der Ziegel- st e i n“, die dieser Tage im Münchener Residenztheater uraufgeführt wurde, ist die Dramatisierung des 1931 erschienenen Romans „Generalkonsul Stenzel". Eine unglückselige Zwittergeburt, die weder ein Roman noch ein Drama ist, und die von beiden Gattungen nur die Schwächen bat. Sind auch beide Manifesta- tionen oes dichtenden Menschen, so sind doch ihre Voraussetzungen so verschieden, so widerstrebt die freiere, weitere Form des Romans der strafferen, un­bedingteren des Dramas doch so sehr, daß eine Ver­quickung meist übel ausläuft. Diese Komödie ist eine Folge loser Szenen. Quälende Breite verdrängt die Heiterkeit und dumme Pikanterien vermögen echte Laune nicht zu ersetzen. Diese Geschichte von der leicht­sinnigen Ginevra, die den alten Konsul an der Rase herumführt, um endlich doch ihrem Jan Wilhelm in die Arme zu fliegen, ist in jedem Betracht zu unbe­deutend und langatmig erzählt, um fesseln zu können. Fritz Basil, dem Regisseur, fehlte die Leichtigkeit, mit der man solche Tinge erträglich macht. Gustav Waldau als Konsul und die schöne Alice Treff müh­ten sich auch dort um Heiterkeit, wo sie der Autor völlig im Stich liefe. H. Hartleb.

innerlich reichsten Partituren der letzwergangenen Jahrzehnte wartet darauf, sich in Wort und Klang zu offenbaren."

Und nun haben wir in Kaffel das große Glück, dieses Werk zuerst am 27. Juni und 1. Juli in her Sladlhalle zu erleben, ein Werl, das aus lvah- rer Volksgemeinschaft geboren wurde, zum Segen des ganzen Volkes und zum Besten einer gemein­samen höheren Volkskultur.

Georg Nellius hat mit diesem Werk bewiesen, datz die „Form" keine innere Bedingung der Gegen­wart ist, sondern der Inhalt — datz unsere Zeit nicht leer und tot in künstlerischen Dingen ist — daß die Erneuerung für uns nur auf deutschem Boden wachsen mutz, wenn sie dem deutschen Volke den deutschen Geist neu zuführen und erhalten will — datz nur aus deutschem Blute das „Neue" für Deutschland geboren werden tarnt.

Emil Lardy.

GründgenS am Staatstheater. Die Verhandlungen der Generalintendanz mit Gustav Gründgens, über die wir berichtet haben, sind, wie wir erfahren, zum Abschluß gelangt. Gründgens ist der Staatsoper Unter den Lin­den, wo er als Gast bereits tätig war, und dem Schau­spielhaus am Gendarmenmarkt als Regisseur und Schauspieler auf längere Zeit verpflichtet worden. Er soll in das Regiekollegium als gleichberechtigtes Mitglied eintreten.

Direktorenkrise an der Berliner Hochschule für Musik. Das Lehrerkollegium der Musikhochschule in Charlot- tenburg hat dem Direktor des Instituts, Professor Franz Schreker, ein Mißtrauensvotum ausgesprochen und ihn gebeten, freiwillig zurückzutreten. Ter Schritt des Lehrerkollegiums richtet sich nicht so sehr gegen Franz Schreker als Mensch und Künstler, sondern gegen das durch seine Person verkörperte und von dem „Referenten für die musikalischen Belange im preußi­schen Kultusministerium", dem Ministerialrat Leo Ke- stenberg, gestutzte System Ministerialrat fieftenberg wird vor allem eine nach parteipolitischen Gesichts­punkten ausgeübte Personalpolittt zum Vorwurf ge­macht.

Heinrich Manns Roman Profeffor Unrat, nach dem der Film „Der blaue Engel" gedreht wurde, ist von Erich Cbermeyer dramatisiert worden und wird in der

nächsten Spielzeit an der Berliner Volksbühne urauf» geführt.

Mozart-Serenaden im Dresdner Zwinger. Auch in diesem Sommer wird das Orchester des Dresdner Mo- zarwereins im Hofe des Zwingers zu Dresden mehrere Aufführungen Mozartscher Werke veranstalten. Der erste Serenadenabend ist auf den 15. Juni festgesetzt; das Programm bringt u. a. die siebensätzige Serenade mit dem Posthorn und die Frühlingsarie, die von der Kammersängerin Liese! v. Schuch gesungen werden wird.

Das erste Glockenmuseum der Welt in Thüringen. Tas kleine, durch feine Glockengießereien berühmte Städt­chen Laucha in Thüringen, kann sich rühmen, das erste Glockenmuseum der Welt zu besitzen. Das Mu­seum ist in einer ehemaligen Gießerei untergebracht, die im Jahre 1732 von dem Glockengießer Ulrich be­gründet wurde und bis zum Jahre 1911 im Besitze derselben Familie war. Es zeigt in anschaulicher und instruktiver Form die Entwicklung des Glockengusses.

Georg Alexander spielt in England. Der bekannte Schauspieler Georg Alexander ist soeben, laut Film­kurier, an eine englische Sprechbühne verpflichtet wor­den. Er wird int „Piccadilly" in „Geschäft mit Ame­rika", dem Theaterstück nach dem der Film „Ein biß­chen Siebe für Dich" gedreht wurde, in englischer Sprache spielen. Ein Beweis dafür, daß der deutsche Darsteller, der bekanntlich bereits in englischen Film­versionen gespielt hat, die englische Sprache, ähnlich wie sein Kollege Walter Janssen, der in London Er­folg hatte, ausgezeichnet beherrscht.

tohe Preise für Handschriften von Anatole France.

ei der Versteigerung der Bibliothek der Mm«. Ar- man de Caillavet, der langjährigen Vertrauten und Freundin von Anatole France, die jetzt in Paris statt- gefunben hat, wurden einige bedeutende Preise für Handfchriften des Dichters gezahlt. Die erste Nieder­schrift seines berühmten Romans „Die rote Lilie", hie die verschiedenen Entwürfe enthält und im ganzen 960 Seiten umfaßt, brachte 70 000 Franken. Für das Ma- nuskript der „Komischen Geschichte" wurden 19000 Franken angelegt. Unter den Büchern brachte eine Luxusausgabe der bekannten Novelle „Die Affäre Crainquebille", illustriert von Steinleins zu dieser Ausgabe 30 500 Franken erzielten. Im ganzen betrug der Erlös der Handschrift und Bücher aus dem Besitz der Mme de Cavaillet 380 000 Franken.

Der Tessiner Große Rat. hat dem deutschen Schrift­steller (Emil Ludwig, der seit Jahren in Ascona lebt, das schweizerische Bürgerrecht verliehen.