Sonnabend, ll./Sonntag, 12. Juni 1932
Kasseler Treueste Tlachn'chten
Srtte I
VERSCHOLLENE KRIEGSOPFER
nicht ab."
Dr. H. Riedel.
Ringeis wieder übermittelt und dieser beschwerte sich bei der Fakultät, die dem Chirurgen einen Widerruf vor den Studenten nahelegte. Stromeyer kam dem nach, indem er sagte: „Ich widerrufe hiermit, was ich gesagt habe. So sticht man die Letzte
Humor
Die heutige Nummer umW 24 Beiten
Ein Widerruf
schenke!.
„Herr Kommissar! Meine Brieftasche ist mir gestohlen worden!"
„Gut, wir werden die Sache verfolgen.
„Herr Kommissar! Meine Brieftasche hat sich wiedergefunden!"
„Zu spät, der Dieb ist bereits verhaftet!"
Ohne Deckung.
„Als ich ihm einen Scheck anbot, warf er mit dem Briefbeschwerer nach mir!"
„Wieso? — War denn keine Deckung vorhanden?"
„Doch — ich bin hinter den Ofen gesprungen!"
Nun: Die Entwicklung der Mückenbrut ist vom Wetter und noch anderen, bisher nicht ganz aufgeklärten Umständen abhängig. Ob es nun feucht oder trocken, kalt oder heiß ist - aus irgendeine der, ....... ------ —-r •
zahlreichen Mückenarten wirken die Bedingungen | dre Leute ab!" — Die Aeutzerung wurde natürlich
Oie Toten von der LorettohShe, von Reims und Oouaumont werden ausgegraben / Lebensgefährliche Arbeit auf den von Giftgas und Blindgängern geladenen Feldern / Sunderttausende werden doch ewig verschollen bleiben
Bekommen wir eine Insektenplage?
Seltsame Beobachtungen an Motten, Mücken und Blattläusen
Stück Uniformtuchs. Er beginnt vorsichtig zu graben. Ein größerer Uniformrest und schließlich ein Knochen kommen ans Tageslicht. Jetzt stellt er die Arbeit ein und verständigt den zuständigen Gräber- ossizier, dem jeweils ein größeres Gebiet unterstellt ist. In dessen Anwesenheit wird die Grabung fortgesetzt und der Tote freigelegt. Viel ist es nicht, was von einem Mensechn in 14 Jahren übrig bleibt. Gefunden werden noch Schädel, Oberarme und Ober-
Der Chirurg Stromeyer und der Internist Ringeis wirkten ihrer Zeit in München zusammen. Ringeis hatte einst Stromeyer in seine Abteilung rufen lassen, um einen an Bauchwaflersucht leidenden Patienten zu punktieren. Stromeyer aber lehnte den Eingriff ab, da ihm kein Anlaß zu einer Punktation gegeben schien und Ringeis machte nunmehr die Operation selber. Der Patient starb. Als dies Stromeyer hörte, sagte er zu dem Ueberbringer empört: „Das nennt man den trockenen Stich. So sticht man
Apotheken-lenst
Folgende Avotbeken haben morgen. Sonntag, geöffnet und in der darausfolgenden Woche Nachtdienst: Beethoven- Apotheke. Hobenzollernsttahe 171; Einhorn-Apotheke, Unt. Königsftrahe 73; Landgrasen-Avotbeke, Leipziger «tr. 113: Schwanen-Avotheke, Grobe Rosenstrabe 2; Weser!gr-Apo- theke,Weserstrabe 27%. 4
An Ort und Stelle bemüht man sich, die Persönlichkeit des Toten festzustellen. Findel sich noch die Erkennungsmarke vor — die sich bei deutschen Heeresangehörigen, wo sie aus Aluminium bestand, gut erhalten hat — dann ist das leicht, csonst muß an Hand von Uniformresten, Achselstücken oder Dokumenten eine Identifizierung versucht werden. Nicht selten unterlaufen den französischen Beamten aus Unkenntnis der deutschen Sprache dabei Irrtümer; und in den Totenlisten tauchen Namen auf wie: Paul Gefreiter oder Richard Fähnrich. Ueber den ganzen Fund nimmt der Gräberoffizier ein Protokoll auf. Dann werden die Ueberreste in eine einfache Kiste gelegt und an einem der nächsten Tage ohne jede Feier auf den» nächsten Kriegerfriedhof bei- gesetzt. Ein einfaches Kreuz, wie Millionen schon stehen, bezeichnet das Grab — das vielleicht niemals von denen gefunden oder auch nur gesucht werden wird, deren große Hoffnung und Sehnsucht hier die endgültige Ruhestätte erhalten hat.
Oie Liste -er Aufgefundenen
Kann man aber nie erfahren, wer in den letzten Monaten gefunden worden ist? Doch. In Spandau
bei Berlin befindet sich das „Z e n t r a l n a ch w e i s- amt für Kriegsverluste und Kriegsgrä- b e r". Hier ist in einigen Sälen die gesamte deutsche Armee versammelt. Denn hier liegen die Stammrollen aller Regimenter. Jeder Soldat, vom Rekruten bis zum General, der unter einer deutschen Fahne stand, ist erzeichnet. Und wenn Sie etwas vom Gefreiten N. jL vom 3. Infanterieregiment wissen wollen, hier finden Sie ihn, mit allen Personaldaten. Hierher gelangt jetzt auch das Protokoll über die Auffindung des Toten, hier wird sein Name, wenn er noch nicht bekannt ist, festzustellen gesucht, hier wird dann die letzte Nottz über ihn eingetragen.
Das Zentralnachweisamt seinerseits verständigt noch den „BolkSbund deutscher Kriegsgräberfürsorge". Privatpersonen werden von der Auffindung der Leiche nicht benachrichtigt. Schon weil ihre Feststellung zu mühevoll wäre. Oft sind sie garnicht mehr zu ermitteln, zuweilen schon verstorben. Und dann: man würde nur längstvernarbte Wunden wieder aufreißen. Wer aber seinerseits die letzte Ruhestätte eines Gefallenen erfahren will, kann sich an den Volksbund wenden. Dort erhält er genaue Angaben, sofern der Tote in den Listen steht.
Ernst Erwin.
Vor einem halben Jahr entschloß sich die französische Regierung zur endgültigen Liquidation der roten Zone. Man begann, das Gebiet nach Blindgängern abzusuchen — und nach Leichen. Denn noch immer ruhen dort viele Tausende von Toten die jetzt die letzte Ruhe auf einem Fried hos finden sollen. Deshalb ziehen tagtäglich die Männer in Schutzanzügen — zur Isolierung gegen den vergifteten Boden — hinaus ins öde Land. Meist sind es tschechische und polnische Arbeiter, die ein ho Lohn vergessen läßt, daß sie ihr Leben riskieren. Denn nicht selten wird so ein Sucher von einem explodierenden Blindgänger zerrissen.
Vorsichtig sticht der Arbeiter bei jedem Schritt die Sonde in den Boden. Aufmerksam untersucht er die heraufgeholte Erde. Plötzlich stutzt er: Zwischen braunen Erdkrumen hängt ein grauer Fetzen — ein
Wolken am Himmel
Vor einigen Tagen zeigte sich in Berlin eine merkwürdige" Erscheinung. Ungeheure Schwärme kleiner Insekten erfüllten an einzelnen Plätzen die Lust, hebedten stellenweise zentimeterhoch den Boden und drangen zu Hunderten durch offene Fenster in die Räume ein. In einer Werkstatt mußte die Feuerwehr erscheinen, um die lästigen Besucher hinauszuwaschen, an einer anderen Stelle wurden die Brandmelder in Betrieb gesetzt, weil man einen um einen Kirchturm fliegenden Schwarm für eine Rauchwolke ansah.
Alles zog sich erschreckt vor diesen „Mücken" zurück, die aber merkwürdigerweise garnicht zu stechen schienen. Das Zoologische Institut der Universität wurde mit der Untersuchung beauftragt. Und Professor Bischof, der zuständige Abteilungsleiter, erzählte uns jetzt, daß es sich auch garnicht um Mük- ken handele,, sondern um fliegende Blattläuse. Die Blattlaus ist gewöhnlich ein ruhiges Tier, das sich nicht gern auf Flugexpeditionen begibt. Es sitzt im Frühjahr auf den Bäumen, nährt sich von Gewebesäften, die es mit seinem Rüssel durch die Rinde ansaugt. Mit der Entfaltung der Blätter werden aber auch die Gewebe stärker, der feine Rüssel der Blattläuse dringt nicht mehr hindurch. Jetzt geschieht ein großes Wunder: Innerhalb von zehn Tagen bringen die flügellosen Alten eine neue Generation hervor, die . . . Flügel besitzt! Dieses junge Geschlecht wird nun an einem Tage „flügge" und verläßt seine bisherigen Wohnplätze. Da die Blattläuse aber nur schlechte Flieger sind, lassen sie sich mehr von der Lustbewegung tragen; und so wurden sie an dem erwähnten Tage von dem starken Wind hauptsächlich an einigen Stellen zusammengeweht — so daß es dadurch zu den beängstigenden Massenansammlungen kam.
Männer? Lteberflüffig!
In jedem Jahr taucht die Frage auf: Bekommen wir ein M ü ck e n j a h r? Wer sich nach einem unbekannten Reiseziel erkundigt, bittet um Bescheid: Gibt es dort Mücken?
Vorsicht vor Schnake» nttb Stechmücke»! Diese Ouäl- aeister machen den Ansenthal' im Freien oder Schloten bei ofcnem Fenster oft unerträglich. Schützen Die sich mit Schnakencreme Monson; n« ist das Produkt eingehender und langwieriger wissenschaftlicher Versuche. Ihre Wirkung, die lange Seit hindurch ausvrobiert ist, herum sowohl auf der Abwehr der Schnaken und Stechmücken als auch auf der Schmer»!ind«rung und Beseitigung der Anschwellung nach erfolgtem Stich. Di« Anwendung der Schnaken- (Ätückenl-Creme Mouson ist äutzerst es mach und beanem. Sie glairzi nicht, fettet nicht und läht sich deshalb immer anwenden, auch unter Dtrünrpsen und anderen Kleidunas- stücken. Ochnaken-lMückens-Creme Mouson ist in einschlägigen Geschäften erhältlich; wen» nicht, gibt gern Berugtz- auellen auf:
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Verantwortlich für den ooHttfcben Teil: Dr. ® alte« Pehnt; für das Feuilleton: German M. Bonan; für den lokalen Teil: Dr, Hans Joachim Glatzer; tür den Heimatteil: Rnoolk Gläser: für Handel: Dr. Haus L a n g e n b e r a; für den Sportteil: Her- bett Sveich: Photo-Redakteur: Eduard Schul»- Kessel; für Anzeigenteil: i. V. Roben Barm euer. — Berliner Schriktlettung: Dr. Walter Thum. Berlin SW. 88. — Druck und Verlag: Kasteler Sfteucfte Nachrichten G. m. b. H.. Kassel. Kölnische Strotze 10.
doch günstig. Daher lehnen die Zoologen alle Vorhersagen ab und meinen, es sei dabei wie mit den Wetterprognosen: Man könne sich nicht einmal mit absoluter Sicherheit aus das Gegenteil verlassen.
Je früher der Kampf gegen die Brut ein- setzt, desto besser. Mit jeder getöteten Larve wird ein Heer von Mücken zugleich beseitigt. Man hat ausgerechnet, daß die Zahl der Nachkommen eines einzigen Weibchens, wenn sich die ganze Brut in einem Sommer entwickeln würde, eine Ziffer mit dreißig Nullen — also von unvorstellbarer Größe — ausmachen würde.
Ein vielverbreiteter Irrtum ist noch aufzuklaren: Mückenschwärme, wie man sie häufig in der Nähe von Gewässern und in der Abendstunde Herumlanzen sieht, sind völlig harmlos. Denn bei den Mücken stechen nur die Weibchen. Die Männchen sind unschuldige, friedliche Tiere, die nichts zu tun haben und gern einmal ein Tänzchen miteinander wagen. So kommen diese tanzenden Schwärme zustande, die fälschlicherweise „Hochzeitsspiele" genannt werden, obwohl von Hochzeit bei den Mücken keine Rede sein kann. Die Mückenmännchen sind nämlich so ziemlich das Ueberflüssigste was es auf Gottes Erdboden gibt.
Man braucht sie nicht einmal zur Fortpflanzung.
Denn die Weibchen erledigen das ganz selbständig ohne Hilfe des anderen Geschlechts — durch Parthenogenese (Jungfernzeugung), wie es der Wissenschaftler nennt. Deshalb hat die Natur den Männchen nicht einmal einen Rüssel mit auf den Lebensweg gegeben, sondern nur das weibliche Geschlecht zum Blutsaugen — und zum Kampf gegen den Menschen — verurteilt.
Verliebt.
„Wenn sich doch Herbert bloß daran gewöhnen könnte, seine Briese etwas deutlicher zu schreiben., es ist unmöglich zu entziffern, ob er mir 100 oder 1000 Küsse sendet."
So steht in phantastischen Filmen die Mondlandschaft aus: Tot und erstarrt liegt das Land; tiefe Krater durchfurchen das Gelände, kein Baum, kein Lebewesen, kein Laut belebt die unheimliche Stille.
Da nähert sich ein merkwürdig aussehendes Wesen Der Körper steckt in einem dichtanliegenden Schutzanzug, die Hände in starken Gummihandschuhen. Mit einer langen Röhre sticht das Wesen bei jedem Schritt vorsichtig in den Boden und untersucht das Ende aufmerksam nach dem Herausziehen.
Oie rroic 3one*
Wir befinden uns in der „roten Zone". Dort, wo der Krieg am heftigsten wütete, an der Loretto- höhe, bei Reims und Douaumont, dort liegt die Gegend heute, 14 Jahre nach Kriegsende, noch genau so da, wie die kämpfenden Truppen sie verlassen haben. Teilweise wächst dichtes Unterholz heran, jedes Turchkommen unmöglich machend, teilweise aber liegt der Boden feit 14 Jahren nackt und kahl. Denn heute noch vergiften Gase den Boden derart, daß keine Pflanze, kein Grün die Wunden des zerrissenen Erdreichs zu verdecken vermag.
Am Straßenrand mahnen große mehrsprachige Tafeln eindringlich vor einem Verlassen der gebahnten Wege. Mancher, der sich persönlich eine Erinnerung an den Krieg verschaffen wollte, hat diesen Leichtsinn mit dem Leben bezahlen müssen. Berührung des vergifteten Bodens erzeugte unheilbare, schreckliche Brandwunden, und das Anstotzen an einen der zahllos im Boden noch steckenden Blindgänger bringt diesen leicht zur Explosion. Im vorigen Sommer kochte eine Gruppe von Wandervögeln auf einem Felde ihr Essen ab. Plötzlich eine furchtbare Detonation: Sie hatten das Lagerfeuer gerade auf einem Blindgänger angezündet. Einige wurden getötet, keiner blieb unverletzt.
Einer der furchtbarsten Anziehungspunkte in jener Gegend des Schreckens war bis vor kurzem der sogenannte Bajonettgraben bei Verdun. Ein französischer Schützengraben war gerade, als seine Besatzung mit aufgepslanztem Bajonett sturmbereit stand, von mörderischem Trommelfeuer überschüttet worden, so datz er vollkommen eingeebnet wurde. Als man später die Stelle suchte, zeigten nur eine Fülle aus dem Erdboden ragender Bajonette an, wo die Kompagnie ihren Tod gefunden hatte. Ein Schauer überlief jeden, wenn er zu seinen Füßen den Wald von Bajonetten erblickte.
Gerade dieser Ort schien für fremde eine gruselige Anziehungskraft zu besitzen. Jedenfalls merkten die Behörden nach einiger Zett, daß die Bajonette immer mehr verschwanden. Sie fielen den berüchtigten Schlachtfeld-Andenkenjägern zum Opfer. Seit dieser Zeit steckte man von Zeit zu Zeit neue Bajonette fest in die Erde, und siehe da, auch sie waren ebensoschnell entwendet.
Frankreich räumt auf
Kaffel vor einem großen musikalischen Ereignis
Zu der Aufführung von Nellius' Kantate „Von deutscher Not"
Man schreibt uns: Während man sich in Deutschland darum stritt, ob das Gefühl oder die Form die „Neue Musik" beherrschen — ob die deutsche Romantik ein für allemal abgetan und die „neue Sachlichkeit" triumphieren — oder ob die Polyphonie neben der Homophonie den Vorrang haben soll, saß da in dem kleinen westfälischen Städtchen Neheim ein Mensch, der sich den Teufel um all das ausgeklügelte Schlagwortgefasel der Konjunktur- Musiker und deren lineare, vertikale und horizontale Richtung kümmerte und mit heißem Herzen für die Erhaltung der deutschen Seele rang:
Georg Nellius.
Ms vor einem Jahr wußte man noch sehr wenig von ihm und auf ihn patzt der Spruch: „Es bildet ein Talent sich in der Stille". Im letzten Jahr aber plötzlich vierfach ausgezeichnet, wurde er in das helle Licht der Oessentlichkeit gestellt mit der Krone seines bisherigen Schassens:
„Von deutscher Not".
Georg Nellius ist ein Osterkind. Er wurde am Oslermorgen 1891 in Rumsbeck bei Arnsberg geboren. An seiner Wiege stand also das Alleluja der Auferstehung, wohl als Vorbedeutung für sein künftiges Leben und Schaffen. Doch hatte gerade ihn das Schicksal mit rauhester Hand angepackt und sein Weg zur Höhe der Kunst war mit mehr Dornen als Rosen besäumt. Er mußte alle Widrigkeiten _ des Lebens kennen lernen im Kampfe mit der äußeren und inneren Not.
So lernte er die deutsche Volksseele in ihrer tieferen Not kennen, erkannte ihre Sehnsucht und machte sie sich zu eigen. Er erkannte, daß die deutsche Seele mehr um eine innere als um eine materielle Erlösung gigantisch kämpft — datz die Seele des Volkes eine ganz andere Kost verlangt als die faulen Gaben einseitig denkender Tendenzdichter.
So entstand denn auch ein gigantisches Werk -Von deutscher Not", von welchem die Mnstkwelt sagt:
„Es handelt sich hier um ein Werk, in dem eine groß angelegte Dichtung, in der der Pulsschlag unserer in den Grundfesten erschütterten Zett lebendig
ist, durch einen im Wollen wie im Können und Vollbringen begnadeten und bewundernswerten Komponisten in die erhabene Sphäre überzeugen» fter Verdeutlichung und ergreifender Ausdrucksgewalt emporgehoben worden ist. Aus innerer Not- toenbigfe' bat sich der außergewöhnliche Aufwand an Darstellungsmitteln ergeben. Es entspricht durchaus der monumentalen Haltung des Ganzen, daß sechs Männerchöre, Frauen-, Mädchen- und Knabenchöre, vier Solisten und großes Orchester beteiligt sind. Kein zweites Werk der gesamten Männerchor'teratnr gibt es, das an Großzügigkeit, Ausdehnung und innerem Wert an die Kantate „Von deutscher Not" heranreicht. Eine der größten und
Kunst und Wissenschaft
Ein neuer Max Halbe in München uraufgeführt. Halbes Komödie „Ginevra oder der Ziegel- st e i n“, die dieser Tage im Münchener Residenztheater uraufgeführt wurde, ist die Dramatisierung des 1931 erschienenen Romans „Generalkonsul Stenzel". Eine unglückselige Zwittergeburt, die weder ein Roman noch ein Drama ist, und die von beiden Gattungen nur die Schwächen bat. Sind auch beide Manifesta- tionen oes dichtenden Menschen, so sind doch ihre Voraussetzungen so verschieden, so widerstrebt die freiere, weitere Form des Romans der strafferen, unbedingteren des Dramas doch so sehr, daß eine Verquickung meist übel ausläuft. Diese Komödie ist eine Folge loser Szenen. Quälende Breite verdrängt die Heiterkeit und dumme Pikanterien vermögen echte Laune nicht zu ersetzen. Diese Geschichte von der leichtsinnigen Ginevra, die den alten Konsul an der Rase herumführt, um endlich doch ihrem Jan Wilhelm in die Arme zu fliegen, ist in jedem Betracht zu unbedeutend und langatmig erzählt, um fesseln zu können. Fritz Basil, dem Regisseur, fehlte die Leichtigkeit, mit der man solche Tinge erträglich macht. Gustav Waldau als Konsul und die schöne Alice Treff mühten sich auch dort um Heiterkeit, wo sie der Autor völlig im Stich liefe. H. Hartleb.
innerlich reichsten Partituren der letzwergangenen Jahrzehnte wartet darauf, sich in Wort und Klang zu offenbaren."
Und nun haben wir in Kaffel das große Glück, dieses Werk zuerst am 27. Juni und 1. Juli in her Sladlhalle zu erleben, ein Werl, das aus lvah- rer Volksgemeinschaft geboren wurde, zum Segen des ganzen Volkes und zum Besten einer gemeinsamen höheren Volkskultur.
Georg Nellius hat mit diesem Werk bewiesen, datz die „Form" keine innere Bedingung der Gegenwart ist, sondern der Inhalt — datz unsere Zeit nicht leer und tot in künstlerischen Dingen ist — daß die Erneuerung für uns nur auf deutschem Boden wachsen mutz, wenn sie dem deutschen Volke den deutschen Geist neu zuführen und erhalten will — datz nur aus deutschem Blute das „Neue" für Deutschland geboren werden tarnt.
Emil Lardy.
GründgenS am Staatstheater. Die Verhandlungen der Generalintendanz mit Gustav Gründgens, über die wir berichtet haben, sind, wie wir erfahren, zum Abschluß gelangt. Gründgens ist der Staatsoper Unter den Linden, wo er als Gast bereits tätig war, und dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt als Regisseur und Schauspieler auf längere Zeit verpflichtet worden. Er soll in das Regiekollegium als gleichberechtigtes Mitglied eintreten.
Direktorenkrise an der Berliner Hochschule für Musik. Das Lehrerkollegium der Musikhochschule in Charlot- tenburg hat dem Direktor des Instituts, Professor Franz Schreker, ein Mißtrauensvotum ausgesprochen und ihn gebeten, freiwillig zurückzutreten. Ter Schritt des Lehrerkollegiums richtet sich nicht so sehr gegen Franz Schreker als Mensch und Künstler, sondern gegen das durch seine Person verkörperte und von dem „Referenten für die musikalischen Belange im preußischen Kultusministerium", dem Ministerialrat Leo Ke- stenberg, gestutzte System Ministerialrat fieftenberg wird vor allem eine nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgeübte Personalpolittt zum Vorwurf gemacht.
Heinrich Manns Roman Profeffor Unrat, nach dem der Film „Der blaue Engel" gedreht wurde, ist von Erich Cbermeyer dramatisiert worden und wird in der
nächsten Spielzeit an der Berliner Volksbühne urauf» geführt.
Mozart-Serenaden im Dresdner Zwinger. Auch in diesem Sommer wird das Orchester des Dresdner Mo- zarwereins im Hofe des Zwingers zu Dresden mehrere Aufführungen Mozartscher Werke veranstalten. Der erste Serenadenabend ist auf den 15. Juni festgesetzt; das Programm bringt u. a. die siebensätzige Serenade mit dem Posthorn und die Frühlingsarie, die von der Kammersängerin Liese! v. Schuch gesungen werden wird.
Das erste Glockenmuseum der Welt in Thüringen. Tas kleine, durch feine Glockengießereien berühmte Städtchen Laucha in Thüringen, kann sich rühmen, das erste Glockenmuseum der Welt zu besitzen. Das Museum ist in einer ehemaligen Gießerei untergebracht, die im Jahre 1732 von dem Glockengießer Ulrich begründet wurde und bis zum Jahre 1911 im Besitze derselben Familie war. Es zeigt in anschaulicher und instruktiver Form die Entwicklung des Glockengusses.
Georg Alexander spielt in England. Der bekannte Schauspieler Georg Alexander ist soeben, laut Filmkurier, an eine englische Sprechbühne verpflichtet worden. Er wird int „Piccadilly" in „Geschäft mit Amerika", dem Theaterstück nach dem der Film „Ein bißchen Siebe für Dich" gedreht wurde, in englischer Sprache spielen. Ein Beweis dafür, daß der deutsche Darsteller, der bekanntlich bereits in englischen Filmversionen gespielt hat, die englische Sprache, ähnlich wie sein Kollege Walter Janssen, der in London Erfolg hatte, ausgezeichnet beherrscht.
tohe Preise für Handschriften von Anatole France.
ei der Versteigerung der Bibliothek der Mm«. Ar- man de Caillavet, der langjährigen Vertrauten und Freundin von Anatole France, die jetzt in Paris statt- gefunben hat, wurden einige bedeutende Preise für Handfchriften des Dichters gezahlt. Die erste Niederschrift seines berühmten Romans „Die rote Lilie", hie die verschiedenen Entwürfe enthält und im ganzen 960 Seiten umfaßt, brachte 70 000 Franken. Für das Ma- nuskript der „Komischen Geschichte" wurden 19000 Franken angelegt. Unter den Büchern brachte eine Luxusausgabe der bekannten Novelle „Die Affäre Crainquebille", illustriert von Steinleins zu dieser Ausgabe 30 500 Franken erzielten. Im ganzen betrug der Erlös der Handschrift und Bücher aus dem Besitz der Mme de Cavaillet 380 000 Franken.
Der Tessiner Große Rat. hat dem deutschen Schriftsteller (Emil Ludwig, der seit Jahren in Ascona lebt, das schweizerische Bürgerrecht verliehen.