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Wr. 130 ' Zwekundzwanzigfler Jahrgang

Kasseler Tkeuesse AaArlA-m

Montag, 6. Joni 1932 / 2. Beflöge

Aus aller Well

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Boccaccio" im Staatstheater

IPhot. Nehrdich)

Unier BUd zeigt die Schlußszene der Operette,

Flechten

Hafenpiraten in Constanza

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Bei dem vorgeschriebenen Salutschießen des Nationalfeftes in Neapel ereignete sich kleinen Munitionsschuppen eine Explosion,

Bon dem polnischen Ozeanslieger Stanley Haus­ner, der vorgestern abend in Warschau eintresse« sollte, fehlte bis gestern morgen jede Nachricht.

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Beim Einsturz einer Kaserne in Samora wurde ein Soldat getötet, 11 wurden verletzt.

Die Unglücksbotschaften lausen mit Verspätung, ein, da die Telegraphenverbindungen durch das Erd­beben unterbrochen worden sind.

fünf Soldaten getötet und sechs verwundet sein sollen. *

Die Fliegerin Elli Beinhorn, die, von Neuseeland kommend, mit dem Schiff in Panama eingetroffen ist, startete mit ihrem Flugzeug zu einem Flug durch Südamerika. Das Ziel der ersten Etappe ist Cali (Kolumbien).

Zwischen Alt-Malchow und Nemitz fuhr gestern vormittag ein Postauto gegen einen Baum und geriet in Brand. Der Fahrer, Oberpostsekretär Reinke, ver­brannte. Der Beifahrer blieb unverletzt.

Versehentliches Bombardement

22 Tote, 41 Verletzte.

Tokio, 6. Juni. Ein chinesischer Flieger, der von einem Flug gegen kommunistische Banditen in den Provinzen Kuangshau und Honan zurück- kchrte, ließ aus Versehen über der Stadt P e - nanu eine 35 Pfund schwere Bombe fallen, wodurch 22 Personen getötet und 41 Personen verletzt

I folgen vermocht hatte. In einem Seitengang des alten Kanals fand man ein ganzes Depot von Beute­stücken aller Art, von denen die Hafenpiraten die wertvollsten, offenbar in größter Hast, mitgenommen hatten. Die von der Polizei gefundenen Gegenstände stammten von verschiedenen rumänischen und aus­ländischen Dampfern.

Eifersuchtsdrama auf der Donau

Orsova, 6. Juni.

Erdbeben in Mexiko

20 Ortschaften zerstört / Bisher 500 Tote

Die Frau eines Bauern aus einem Dorse in der Nähe von Orsova verließ bei Nacht das eheliche Haus und fuhr mit drei Hafenarbeitern auf die Donau hin­aus. Als der Bauer dahinter kam, nahm er mit einem Freunde ein Boot und fuhr seiner Frau und deren Begleitern nach. Mitten auf der Donau stellte er die Frau und forderte sie zur Rückkehr auf. Sie beschwor ihre Begleiter, sie ihrem Gatten nicht aus­zuliefern, sondern zu fliehen. Es begann nun eine verzweifelte Jagd über die nächtliche Donau, bei der es dem Gatten mit seinem leich­teren Boote gelang, die Fliehenden einzuholen. Be­wohner von Orsova fuhren, von dem Lärm aufmerk­sam geworden, den beiden Booten nach, konnten aber das tragische Ende nicht verhindern. Der Bauer und sein Freund enterten das Boot der Fliehenden und versuchten, die Frau zu sich herüberzureißen. Wäh­rend des wilden Handgemenges kenterten beide Boote. Die Frau und ihre drei Begleiter, ebenso der Bauer und sein Freund ertranken, ehe man chnen zu Hilfe kommen konnte.

juck. Hautausschlüg« bringen die davon Betroffenen nicht selten zur Verzweiflung. Ein probates Mittel, Lrztl. warm empfohl., istäuffeti Va'eut .Medizinal - Seife", 6tüct 54, 90 Pfg. u. Mk. 1.85 istiirtsteForln). Dazu bie oute zuckoo.h-kreme (30,45 & u. 90 W U-b-r-ll erhältlich.

Bukarest, 6. Juni.

Aus Constanza laufen in der letzten Zeit wieder­holt Nachrichten von Ueberfällen auf Dampfer ein, die offenbar alle der gleichen Bande von Hafenpiraten zuzuschreiben sind. In einer der letzten Nächle ent- deckre die Bordwache des im Hafen von Constanza liegenden FrachtdampfersLislein" drei maskierte Männer, die im Begriffe waren, die Bordkasse sowie verschiedene Wertgegenstände aus der Kabine des ge­rade an Land befindlichen Kapitäns sortzutragen. Der Matrose gab Alarm, die drei Piraten zogen sich aber, ohne ihre Beute preiszugeben, mit vorgehaltenen Revolvern bis zur Reeling zurück und vermochten sich in zwei Boote zu flüchten, die im Schatten der Dampferwand angelegt hatten. Als man ihnen, in die Boote, in denen sich ihre Helfershelfer beiauden, zu folgen versuchte,

gab die gesamte Bande Feuer.

Zwei der Verfolger erlitten dabei Schutzverletzungen. Inzwischen war auch ein Boot der Hafenpolizei^her- beigekommen, und es begann nun eine bewegte zzagd durch den jäh aus nächtlicher Rübe aufgescheuchten Hafen. Die Piraten suchten aber nicht den Hasenaus- gang zu gewinnen, sondern wandten sich landwärts und vermochten sich in die Schatten der Kalwande zu retten und hier in einen alten Kanalgang zu flüchten. Die Hafenpolizei konnte ihre Spur erst nach geraumer Zeit wieder entdecken, drang ihnen in den Kanalgang nach, vermochte jedoch nur einen der Piraten festzunehmen, der schwer verletzt war und den anderen Mitgliedern der Bande nicht mehr zu

Neuyork, 6. Juni.

Fast das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten von Mexiko ist von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Nach in Mexiko-Stadt eingetrof­fenen Meldungen aus den abgelegenen Gegenden des Erdbebengebietes wird die Zahl der Toten bisher mit 500 angegeben. Hiervon entfallen 300 auf das Gebiet Guadalajara im Staate I a l i s r o. Man be­fürchtet, daß die Zahl der Toten noch weiter steigen wird. Insgesamt sind 20 Ort sch asten zerstört worden. Am schwersten haben die Städte Zamora, Juchitan und Mascota gelitten.

Da die Behörden mit weiteren Beben rechnen, sind die Schulen, Theater, Restaurants und Kirchen ge­schlossen worden. Man nimmt an, datz sich der Herd des Bebens im Stillen Ozean in der Nähe von Colima befindet.

Der in Colima angerichtete Schaden wird auf über 2 Mill. Reichsmark geschätzt. Regengüsse und Blitz­schläge begleiteten in Colima das Beben und ver­setzten die Bevölkerung, die auf die Straßen geflüch­tet war, in Panik. Viele drängten sich auf den Plätzen vor den Kirchen in Erwartung des Weltunterganges. Die Verbindung mit dem Hafen Manzanilla ist unterbrochen. Damit ist die Nahrungsmittelversorgung in Frage gestellt. Das Erdbebenzentrum soll sich westlich von Manzanilla im Stillen Ozean befinden.

Der Flecken Tecoman im Staate Jalisco ist vernicht et. Man fürchtet, datz ein grotzer Teil der Bevölkerung ums Leben gekommen ist. Das grotze Staatsgesängnis auf der Maria-Insel im Golf von Mexiko ist zum großen Teil zerstört.

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wurden. Die erbitterte Menge Übersiel daraus das Hauptquartier der Flugstreitkräfte, deren Komman­dant gelyncht sein soll.

Lugenvliche Falschmünzer

Frankfurt a. M., 6. Juni.

Wie die Frankfurter Polizei mitteilt, hat sie drei Jugendliche festgenommen, die besonders für die Her­stellung falscher 5 0 P f e n n i g st ü ck e in Betracht kommen. Es handelt sich um drei Brüder, von denen der älteste als die treibende Krast anzusehen ist, die beiden jüngeren Brüder sind von ihm verführt wor­den und sie halten namentlich für die Verbreitung der Fal'schstücke zu sorgen. Bezeichnenderweise wußten die Eltern nicht einmal etwas von dem Treiben ihrer Sprößlinge. Der Verführer versuchte, auch zwei Schwestern für seine Pläne zu gewinnen, hatte aber bei den Mädchen kein Glück. Die Burschen wur­den am Freitag bei dem Versuch der Ausgabe fal­scher 50 Pfennigstücke festgenommen. Sic haben be­reits ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Oie Begrüßungsfeier für Oaubmann

Karlsruhe, 6. Juni.

Die mit Fahnen und Girlanden reich geschmückte Stadt Endingen am Kaiserstuhl stand am Sonntag im Zeichen der öffentlichen Begrüßungsfeier für den aus der französischen Kriegsgefangenschaft heimge­kehrten Oskar Daubmann. Etwa 1215000 Men­schen nahmen an der Feier teil, an der sich der Mili- lärverein von Endingen, eine Abordnung des ehe­maligen Infanterieregiments Nr. 11, mit dem Daub­mann ins Feld zog, viele Freunde und Bekannte und ehemalige Schulkameraden beteiligten. Daubmann war über den ihm zuteil gewordenen herzlichen Empfang tief erschüttert. Auf dem Marktplatz, wo sich die gewaltige unübersehbare Menschenmenge angesammelt hatte, begrüßten den Heimgekehrten der Bürgermeister von Endingen, ferner die Gemeindeab­ordnungen sowie ein Vertreter der Hilfsstelle Ehe­maliger Kriegsgefangener. Ein Vertreter des Breis- gauer Kriegerbundes überreichte Daubmann einen Brief mit einer Spende. Da Oskar Daubmann nicht mehr länger in der Lage war, der Feier beizuwoh­nen, mußte die Feier vorzeitig abgebrochen werden. Seine Absicht, einige Dankesworte für den herzlichen Empfang zu sagen, konnte er nicht ausführen. Daub­mann wird in einigen Tagen in einem Sanatorium feiner engeren Heimat einen längeren Aufenthalt neh­men. um völlig zu gesunden.

Oer Marsch auf Washington

Neuyork, 6. Juni.

Bei dem Marsch der arbeitslosen Kriegsvete­ran e n auf Washington kam es zu bedrohlichen Z u- s a m me n st ö tz e n. Etwa 500 Veteranen, die sich in Neuyork eines Fährdampfers bemächtigt und den Hudson überquert hatten, wurden von etwa 200 Poli­zisten in Newark, die mit Karabinern und Tränen­gasbomben ausgerüstet waren, zerstreut. In Blacks­bord (Nordkarolina) wurden 200 Mann aufgehalten. Ein Trupp von etwa 250 Kriegsveteranen aus dem Fernen Westen kam in Chicago an. In Washington trafen weitere 900 Mann ein. Von etwa 2000 Teil­nehmern wurde ein Ultimatum der Polizei abgc- lehnt, was die Räumung der Stadt forderte. Die ar­beitslosen Kriegsteilnehmer bestehen aus der Erfül­lung der ihnen gesetzlich zugesicherten Rechte.

Schwere Schneestürme in Nordschtveden

Stockholm, 6. Juni.

Die langanhaltenden Schneestürme in Nord­schweden sind die s ch w e r st e n seit Menschcn- gedenken. Die Wirkungen des Unwetters sind kata­strophal. Die ganze Provinz Rorbottcn und der größte Teil der Provinz Västerbotten sind von dem übrigen Reich völlig abgeschnitten. Die Städte Skel- lestea und Lulea sind ohne elektrisches Licht und Kraft. Autobusse und Autos mutzten aus den meter­hohen Schneewehen herausgegraben werden. Das Unwetter hat auch schwere Uebcrschwemmungen ver­ursacht.

schwer verletzt. Ursache und Schuldfrage des Unfalls find noch nicht geklärt.

Blutiger Streit

Trier, 6. Juni.

Im Stadtteil Kranen kam es am Sonnabend zwischen einigen Familien mehrfach zu blutigen Auseinandersetzungeil Zahlreiche Beteiligte wurden verletzt, darunter zwei Männer durch Schüsse schwer. Eine Frau erhielt einen Streif­schutz, eine andere Frau einen Messerstich. Die Wohnungseinrichtungen der beteiligten Familien wurden total zertrümmert. Sechs Männer wurden festgenommcn. In den Wohnungen beschlag­nahmte die Polizei zahlreiche Waffen.

Eine raffinierte Schwindlerin

Darmstadt, 6. Juni.

Eine an Phantasie grenzende Geschichte befcbäftiaie oas Bczirksichöfsengerich, Darmstadt Dor, hatte sich die zweimal geschiedene Frau Henriette Schuhmacher, wegen Betrugs und Diebstahls bereits vorbestraft, wegen Betrugs zu verantworten. Das Gericht verur­teilte die erfindungsreiche Dame zu zwei Jahren Gefängnis

Sie (ernte 1920 einen Kammermusiker kennen und brachte diesen bis zum Frühjahr dieses Jahres durch die fortwährende Vorspiegelung, sie betreibe eine sehr viele Kosten verursachende Erbschaftsangelegen- hei!, nicht nur um seine Ersparnisse und fein Ver­mögen. sondern auch noch um seine Stellung als Kammermusiker im Landestheater, weil er durch die Fran derart verschuldet wurde, datz sich das mit sei­ner Stellung als Beamter nicht mehr vereinbaren ließe Der Gesamtbetrag, um den der Mann betrogen wurde, wird auf 80 000 Mark geschätzt.

Sieg eines Elefanten

vor dem Arbeitsgericht

Berlin, 6. Juni.

Die 13jährige Elefantenkuh Jenny, die zurzeit im BerlinerWintergarten" arbeitet, hat es fertig bekommen, die fristlose Entlassung ihres Wärters durchzusetzen, und zwar mit Recht, wie das Arbeits­gericht Sonnabend feststellte. Jennys Dompteur hatte bei einem Gastspiel in Prag einen tschechischen Wärter engagiert, der den Elefanten nach Berlin begleiten sollte Für diese Fahrt hatte sich der Tscheche in feiner Heimat mit billigem Tabak eingedeckt, den er nach Deutschland einschmuggeln wollte. Aber dazu kam es nicht, denn eines schönen Tages geriet Jenny über den ganzen Tabakvorrat und fraß ihn als Leckerbissen. Darüber geriet der Wärter in solche Wut, datz er Jenny in die Spitze ihres Rüf­fels b i tz, die einzige Stelle, an der man einem Elefanten einen empfindlichen körperlichen Schmerz zufügen kann. Jenny vergaß dies nicht, und sobald feit diesem Tage der Wärter in ihre Nähe kam, rollte sie ihren Rüssel zusammen und steckte ihn ins Maul. So war es nicht mehr möglich, mit dem dressierten Elefanten auf der Bühne z u arbeiten. Nicht den kleinsten Trick führte Jenny aus, fobald der Tscheche, der bei der Vorführung assistieren mußte, in Sicht kam. Und so blieb dem Dompteur nichts übrig, als den Wär­ter s r i st l o s zu entlassen und einen anderen Ele- santen-Begleiter zu engagieren, mit dem die Reise nach Berlin angetreten wurde. Hier erhielt der Elefantenbesitzer eine Ladung örs Arbeitsgericht, vor dem der entlassene Wärter auf Lohnzahlung bis zum Ablauf einer ordnungsmäßigen Kündigungsfrist

klagte. Mit dieser Klage hatte er aber keinen Er­folg. Nach Klärung des Sachverhalts stellte das Arbeitsgericht fest, daß Jenny sich mit Fug und Recht weigerte, mit einem so jähzornigen Wärter weiter zusammenzuarbeiten. Der kluge Elefant hat also die fristlose Entlassung seines Peinigers in voller Uebereinftimmuitg mit dem Gesetz erzwungen.

Ein neuer Fall Salaban

Berlin, 6. Juni.

Nach mühsamer Arbeit haben die Beamten der Falschgeldstelle der Kriminalpolizei eine Falsch- münz.erwerk statt in Hohenschönhausen ausge­hoben. Der 43 Jahre alte Kunstmaler und Graphiker Pahl und seine Frau wurden verhaftet. Pahl hat wie der Fälscher Salaban ganz allein und heimlich in den letzten 8 Jahren 10 Mark-, 50 Ren­tenmark- und 20 Reichsmarkscheine im Betrag vdn 50 000 Mark hergestellt. Nach anfänglichem Leugnen legte er ein umfassendes Geständnis ab. Pahl und seine Frau sind dem Untersuchungsrichter vor­geführt worden. Pahls Falsifikate waren so gut ge­macht, daß die Geschäftsleute sie fast nie erkannten und daß die falschen Scheine erst bei Banken oder auf der Post angehalten wurden.

Strecker will Revision

Berlin, 6. Juni. Entgegen der ursprünglichen Ansicht, daß der Schriftsteller Karl Strecker nach fei­ner abermaligen Verurteilung auf ein Rechtsmittel verzichten und entsprechend den Anregungen des Ge­richtes ein Gnadengesuch einreichen werde, ist jetzt doch von ihm abermals Revision beim Reichs­gericht angemeldet worden. Strecker begründet die- fen Schrift mit dem Hinweis, datz er sich völlig un- fchuldig sühle und datz er deshalb nichts unterlassen wolle, um sein Recht zu erhalten und seine Ehre wieder herzustellen.

Schweres Kraftwagenunglück

von Reichswehrangehörigen.

Kiel, 6. Juni. Ein Lastkraftwagen der Kieler 1. Matrofen-Artillerie-Abteilung, die sich zur Zeit auf dem Truppenübungsplatz Münster- lager befindet, ist vorgestern abend auf der Straße Minden-Nienburg verunglückt. Dabei wurde ein Zi­vilangestellter der 1. M. A. A. getötet, zwei andere Angestellte und drei Marineangehörige wurden