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Womit ein Igel, erinaeäus europäus, gemeint ist, ein ausgewachsener Igel. Denn das Diminutiv bezieht sich nicht auf seine Körperlichkeit es will viel­mehr geistige Beziehungen dokumentieren. Zärtliche Wertschätzung einer illustren Persönlichkeit, die un­serem Herzen nahesteht.

Als ich meine Bekanntschaft mit ihm anknüpfte, befand ich mich noch in dem einzig guten und be­rechtigten Stadium, in dem man mit ewig aufge­lösten Zöpfen, mit unergründlich schmutzigen Händen und einem allzeit schwer belasteten Gewissen sich sröhlich durchs Leben schlägt. Ich war eben im Be­griff, mich zwecks Birnenklauens bäuchlings unteitn Gestrüpp in den Nachbargarten zu schieben, als ich auf den Igel stieß. Ich schrie erbost, er rollte sich zusammen, und so waren zunächst die Auspizien sür einen freundschaftlichen Verkehr keineswegs günstig.

Aber man war ja noch in dem interessanten Alter, wo auch die kleinste Begebenheit von Wert ist. So wartete ich denn, platt auf der Erde liegend, bis der Igel sich wieder aufrollen würde. Er tat es, und da mußte es ihm passieren, daß er, vorsichtig sein spitzes Näschen in die Luft steckend, direkt aus nächster Nähe in zwei Menschenaugen blickte, was ihn so verblüffte, daß er ganz vergaß, sich wieder in sein Inneres zurückzuziehen. Wir starrten uns dann ein Weilchen an, und diese stumme Kritik fiel auf beiden Seiten günstig aus; denn obgleich er bald in aller Ruhe seinen unterbrochenen Weg fortsetzte, und auch ich weiter meinen anfechtbaren Zielen nachging, betrachteten wir uns fortan als Bekannte, begegne­ten uns auch alle Tage, wobei freilich weniger der Zufall, als ein unermüdliches Suchen von meiner Seite die Hand im Spiele hatte.

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der Kindheit versank.

Aber so oft ich irgendwo einen Igel sehe, stehen die blauen Tage wieder aus: die heimatlichen Bäume rauschen im leichten Seewind, meine Taschen sind schwer von des Nachbars besten Aepfeln, und auf meinem Schoß vertraulich mit mir speisend, sitzt das Igele.

schätzen, was zunächst nicht so sehr den Meriten mei­ner Persönlichkeit, als dem Umstande zuzuschreiben war, daß ich ihm täglich die erlesensten Leckerbissen verehrte, die ich mit viel List in der Vorratskammer für ihn stahl. Nach wenigen Wochen schon kam das Igele, wo immer es sich auch befand, eilig ange­rannt, wenn ich pfiff, und nahm fein Hehle-gut in Empfang, und bald hatte ich es nicht mehr nötig zu pfeifen; das Igele fand mich überall. Wenn ich irgendwo mit einem Buch oder infolge höherer Ge­walt auch mal mit einer bemerkenswert schwarzen Handarbeit im Garten versteckt saß, so hockte nach wenigen Minuten, wie aus dem Boden gewachsen, das Igele neben mir, ein kleiner stacheliger Gnom, und verlangte mit spitz emporgestrecktem Schnäuzchen auf meinem Schoß zu sitzen.

Für platonische Liebe habe ich noch nie etwas üurig gehabt, auch damals nicht, und daß das Stiele jeden Versuch, zärtlich zu ihm zu werden, infolge feiner Stacheln nolens dolens ablehnte, bereitete mir viel Kummer. Aber wir fanden einen Ausweg: ich legte meine Hände flach auf den Boden, das Igele mit gespreizten Pfötchen kletterte darauf, während es mit freundlichen Aeuglein für die Unliebens- würdigkeft 'einer Oberfeite um Entschuldigung bat, es wurde auf den Schoß gehoben, und so saßen wir Stunden und unterhielten uns aufs vortrefflichste, sehr auf Kosten der minderwertigen Handarbeit.

Die ganze Familie liebte das Igel, und ich be­obachtete oft mit Freuden meinen Vater, wie er seine Staffelei verließ und, die Palette in der Hand, an­dächtig in irgendeinem Gesträuch herumkrvch, wo das Igele sein Wesen trieb. Es mußte auch bald über­all dabei sein, und als einst, anläßlich einer italieni­schen Nacht in unserem Garten, Otto Julius Bier-

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Aeuglein zu ihm emporhimmelnd, und in das feu­rige Liebeslied prasselte ein so homerisches Gelächter, daß der Dichter, der die Anwesenheit des stachligen Storers nicht sah, verletzt den Mund schloß.

Des Abends, wenn wir auf der ebenerdigen Ve­randa beim Nachtmahl saßen, kam das Igele trab- trab herein und setzte sich, mit spitzem Schnäuzchen witternd, freundlich zwischen uns zu einem Schäl­chen Milch. Es kam stets pünktlich wie eine Ubr um halb acht, und hatten wir uns einmal auf einem Ausflug verspätet, so wartete es schlecht gelaunt auf der Veranda, begrüßte uns nicht undmukschte.

Es wohnte in einer alten Laube, wo das Garten­gerät aufbewahrt wurde; jeden Herbst, wenn wir die Villa verließen und nach München zogen, bekam es einen frischen Haufen Stroh, und unter diesem Berg vergraben, hielt es seinen Winterschlaf. Welche Sor­gen die langen Monate hindurch, ob das Igele das nächste Jahr wohl nock erleben werde, welche Freude, wenn es im Frühjahr bei unserem Einzug klein und stachlig feine Honneurs machte!

Bald wuchs es aus der Rolle eines beschützten Lieblings in die eines Beschützers und Vertrauten hinein. Denn die Zeit kam, wo ich Schieisen an meine wilden Zopfe band, und mein Interesse stark geteilt wurde zwischen den geliebten verbotenen Streichen und einem sporenklirrenden Leutnant, der erstaunlich oft bei uns zu sehen war und sich sehr rasch zu meinem anerkannten Verlobten auswuchs. Ader mein korrekter Vater schätzte bräutliche c Zärt­lichkeiten wenig, und so zogen wir uns denn recht häufig unter dem Vorwand, das Igele zu besuchen einer Mutter hätte man das ja kaum weismachen können, in das dämmerige Gartenhaus zurück, wo ich, von den dunklen Aeuglein meines kleinen Kame­raden freündlich bewacht, die ersten Küsse junger Liebe gab und empfing. Diese Mitwiffenschasl band mich nur noch fester an meinen seltsamen, kleinen

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Mit dem Igele endete auch die Kinderzett. Es ' - ~ 5en, Ehe kam und Tod,

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